Was vom Virus übrig blieb

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Das Corona-Virus ist ein Arschloch. Seit Wochen hält es uns in Bann. Immer wenn Du denkst, jetzt ist es gerade überwunden, kommt es mit aller Härte zurück.

Wir ziehen uns alle brav unsere Masken auf, halten an der Brötchenkasse Abstand zu unserem Nachbarn und bestellen beim Kellner unser Essen, der aber -weil er selbst eine Maske tragen muss- irgendwie schlechter hört als sonst! Dabei hat er das Ding doch eigentlich über der Nase und dem Mund und nicht vor den Ohren! Wir laden uns brav die neue 60 Millionen Euro App herunter, schalten unser Bluetooth immer an, auch wenn das mordsmäßig Akku zieht. Und dann gibt es da ein paar Chaoten, die feucht fröhlich auf ihren Schlauchbooten ihre Techno-“Demonstration“ feiern müssen! Aber, da haben wir nochmal Glück gehabt, denn das Arschloch-Virus deckt leider nur da wirklich Versäumnisse auf, wo es auch wirklich welche gibt. Bei den armen Fleischzerlegern z.B. die mit Sub- Sub- Sub Verträgen fast noch stärker ausgebeutet werden, als das arme Schlachtvieh, dass sie da für einen Hungerlohn für unsere samstägliche Grillwurst zerlegen. Könnt Ihr Euch noch an das bäuerliche Geschrei erinnern, als es vor ein paar Wochen noch hieß, dass wir vermutlich zu wenige Billig-Arbeitnehmer haben, die unseren Spargel aus der Erde stechen oder die kleinen roten Erdbeeren für uns abrupfen? Als ich letztens eine Fahrradtour durch die schöne Pfalz gemacht habe, kamen mir zwei volle Busse mit „Erntehelfern“ entgegen, die von der Arbeit nach Haus gefahren wurden. Der Bus war voll belegt, jeder Platz und als ich mir die traurigen und müden Gesichter hinter der Scheibe angeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass es für Masken wohl kein Geld mehr vom netten Bauern-Arbeitgeber gab…
Ach und die armen Schweine erst in ihren Legehennenbetrieben, auch „Wohnung“ oder „Flüchtlingsunterkunft“ genannt, z.B. in Göttingen oder Kassel. Eingepfercht wie die Hühner, bei schlechten Essen und noch mieseren Wohnbedingungen, sind wir jetzt alle ganz verwundert, wie schnell das Arschloch-Virus um sich greift und alle dahinrafft wie eine große, dicht gedrängte Fledermaus-Kolonie. Vielleicht hätte man doch früher, schon… ja hätte, könnte, jetzt ist es zu spät! Aber die Polizisten mit Kartoffen bewerfen, wie kann das denn jetzt sein? Gibt es da etwa „versteckte Kritik“ an den Unterkunftsbedingungen?

Bei manchen Menschen scheint das Virus aber auch das Gehirn zu befallen, oder wie soll man sich die jüngste Randale in der Innenstadt von Stuttgart sonst erklären? Da kommt man gerade frohgelaunt aus der Shisha-Bar oder vom saufen mit den Kumpels an der Ecke und schon grölen ein paar von den Freunden an der nächsten Straßenecke, dass es da „Krawall gibt“. Na los, da muss man schnell mitmachen, gibt sowieso nicht viel zu tun für die jungen Leute. Schule abgeschafft, Uni abgeschafft, Festival, Weinfest, Disco abgeschafft. Da hat das Arschloch-Virus viel Zeit, im Gehirn von der schlechten Laune Besitz zu ergreifen und die Chance auf die neusten Addidas-Schuhe oder das neuste Handy aus dem nächsten Schaufenster ist einfach zu verlockend, wenn man selbst keine Perspektive mehr für sich sieht.

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