Warum ich „Die Partei“ gewählt habe

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Der Wahlzettel zur Europawahl 2019 in Deutschland
Der Wahlzettel zur Europawahl 2019 in Deutschland

Okay, das soll jetzt kein eindeutiger Artikel zur Europawahl und auch keine „Beeinflussung durch Nachdenken“ werden, aber ich erzähle Euch jetzt trotzdem mal, warum ich zur Europwahl 2019 „Die Partei“ gewählt habe. 😉

Gestern öffnete ich die Briefwahlunterlagen, weil sie wie immer, schön früh gekommen sind und ich den Schreibtisch aufräumen wollte.
„Achja , da war ja noch was“ hab ich mir gedacht“ und den Umschlag geöffnet. Was heraus kam, war ein schlechter Witz!
Ein Klopapier-Zettel, so lang, das er nicht vernünftig auf den Schreibtisch gepasst hat und ca. 40 Parteien stehen zur Auswahl.
Ich wollte ein Foto für Instagram machen, aber das Ding passte zuerst nicht vor die Linse. Erst als ich den Fladen auf meinen schicken orange-farbenen Teppich ausgebreitet habe, konnte ich das Teil so halbsweg einfangen.

Viele Parteien kenne ich überhaupt nicht. Die klingen zwar schon sehr gut und witzig, z.B. „Die Humanisten“, „Liebe“, „Menschliche Welt“ „Partei für die Tiere“, usw. aber wer weiß schon, wer wirklich dahinter steckt und was die Absichten sind?

Den Wahl-O-Mat hab ich vor ein paar Tagen natürlich auch brav absolviert und heraus kam die SPD, eine Partei, die ich fast noch nie gewählt habe. 😉

Es ist irgendwie ein Witz: Da wählt man das größte und mächtigste Parlament, was wir in Europa je erlebt haben, mit Befugnissen, die über 500 Millionen Wahlberechtigte beeinflussen werden, aber jeder Wähler / jede Wählerin / divers hat gerade mal eine (!) Stimme. In den Medien sind stets die großen Parteien präsent und die kleinen Splitterparteien können sich natürlich nicht die große Aufmerksamkeit leisten. Daran sieht man: Auch die Medien sind nicht demokratisch, weil sie ihre Blickwinkel zu sehr auf „die großen“ und zu wenig auf „die kleinen“ konzentrieren. Mit dem „AfD-Blocker“ zeigt die Partei in die richtige Richtung: Viele Parteien bekommen mehr Aufmerksamkeit, als ihnen zusteht.

Da passt doch irgendwas nicht zusammen. Für die Wahl meines Kreistages habe ich 48 Stimmen und kann „kumulieren und panaschieren“, aber für das große EU-Parlament erlaubt man mir gerade mal ein kleines Stimmchen. Die Selbstbestimmung ist sehr groß auf der kommunalen Ebene, wird aber „nach oben raus“ immer weniger.

Bei „Der Partei“, der Satire-Partei von Martin Sonneborn bin ich mehrfach hängen geblieben. Ich kenne den Satiriker und Nico Semsrott (der ebenfalls auf der Liste steht) aus dem Fernsehen und fand beide immer gut. Auch die Parteiprogramme (sowohl für die letzte Bundestagswahl, als auch die Europawahl) klingen sehr lustig. Humor ist genau das, was wir in dieser Zeit der Krise und des Umbruchs brauchen! Jeglicher Dogmatismus, jegliche Ideologie ist für mich ein Irrweg, egal in welche politische Richtung es nun geht, am Ende warten immer Rechthaberei und Extremismus. Je schwieriger die Zeiten werden, desto größer ist die Gefahr, dass Ideologie-Berge aufeinander prallen und es ungemütlich wird. Satire ist befreiend und der Ausweg aus „Rechthaberei“. Dann muss sie allerdings auch „gerecht“ sein und sich gegen jede politische Richtung wenden. Satire ist unabhängig, im besten Falle journalistisch neutral, sie ist scharfzüngig, trifft auf den Punkt und traut sich unbequeme Wahrheiten auszusprechen und den „Status quo“ sowohl bei Politikern, als auch Medien-Schaffenden zu hinterfragen. Gute Satire deckt sich damit auch ziemlich dem Ethos, dem man sich als freie, unabhängige Bloggerin auferlegt hat.

Satire ist die stärkste Antwort der Intellektuellen auf einen großen, überbordenen Machtapparat wie ihn die EU derzeit bildet.

Der stärkste Ausdruck für die Missbilligung des herrschenden Politik-Betriebes ist die Nichtwahl.
Der stärkste, gleichzeitig demokratische Ausdruck für die Missbilligung des Politik-Betriebes ist die Wahl einer Satire-Partei.

Außerdem hat mir der mutige Wahlwerbe-Spot sehr gefallen, weil er ins Herz trifft.

Ein Gedanke zu „Warum ich „Die Partei“ gewählt habe“

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