Vergangene Kulturen

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Was ist das Schöne am Leben? Dass alles flexibel, alles beweglich ist. Dass auch die härteste Säule der Überzeugung ins Wanken geraten kann oder eines Tages so schief steht, dass ein Windhauch genügt, um sie umzupusten..
Dass man hinterher auf sie schaut und das Lachen über diese Groteske kaum verkneifen kann. Dass die harte Erde unter den Überzeugungs-Steinen endlich weich wurde und vom Regen aufgesogen, matschig und unansehnlich gewandelt wurde. Dass das brennende Feuer der Worte und Gefühle, dass mal so heiß im Herzen brannte- die Schwerter der Taten vor vielen Jahren noch zum Biegen brachte, endlich verlosch – und jetzt bloße, kalte, grasüberwucherte Überreste einer untergegangenen Kultur hinterlässt. Traurige Überreste eines großen Reichs voller Träume und Worte, imaginär aufgeblasen von Gedanken allein, die die einzige Grenze dieses Universums waren und sind. Die Erde ist keine Scheibe mehr und am Rande fallen wir auch nicht mehr herunter. In dieser neuen Welt brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Alles ist beherrschbar geworden, alles ist machbar. Und hinterlässt den all-mächtig gewordenen Mensch vor einer unüberwindlich großen Auswahl an Möglichkeiten und Entscheidungen. Im Zweifel wählt man das größte und unmöglichst erscheinende Ziel. Warum nicht mal das naheliegendste?

Die Ascheflocken der guten Taten und der einwandfreien Gesinnung, sind indes längst vom Wind in alle Richtungen vertrieben. Die Tränen von damals, schon längst wieder im endlosen Kreislauf des Wassers eingezogen. Nur die Sturheit ist geblieben und die mangelnde Kommunikation. Die Starrheit der Gedanken, die Vorurteile, überstehen unendliche Gezeiten und Jahre. Wenigstens ein einigermaßen verlässlich erscheinender Fixpunkt…

Aber auch diese verblassen irgendwann, werden schwächer, werden vergessen. Wo einst große Mauern der Ablehnung, des Zweifels und der Angst wuchsen- was ist davon geblieben? Ich kann nichts mehr erkennen und fühle mich eigentümlich fremd.

Neues Selbstbewusstsein ist eingezogen, ein neues Selbst-Verständnis. Wie eine neue Jacke oder ein paar neue Schuhe, ausgetauscht, wurde alles einfach gewechselt. Und die anhängenden Freundschaften, Beziehungen und „Wertevorstellungen“ gleich mit. Einmal neu, macht 99 Euro und 50 Cent. Alles neu macht der Mai! Die Werbung verspricht´s und ich will´s so gerne glauben.

Grundsätze, falls es sie je gab, haben sich linear gewandelt. Ein neues Lächeln hat die alte Unsicherheit überspielt. Doch die gekaufte Maske ist noch starr und unbeweglich. Die wahren Beweggründe unsichtbar und verborgen. Versteckt? Auf jeden Fall nicht wirklich frei.

Groß und mit Schaum übersät, noch immer und auf ewige Zeiten.

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