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Bahnfahren- gestern und heute

Sorry, wir haben die Menschen vergessen

Bahnfahren war früher eine schöne Angelegenheit. Zur Oma, zu den Verwandten, in eine große Stadt, es hat immer viel Spaß gemacht. Erinnert sich jemand noch an die alten Züge, da konnte man das Fenster runter ziehen und den Daheim gebliebenen zum Abschied winken!

Man saß nicht in diesen supermodernen Großraumabteilen, sondern ganz konventionell in einem Abteil mit sechs Leuten. Da musste man reden. Da musste man noch kommunikativ sein. Privatsphäre gab es nie viel, aber als Kinder durften wir meistens am Fenster sitzen, immerhin etwas. Manchmal haben wir aus Spaß was aus dem Fenster geworfen, aber nur wenn es keiner gesehen hat und das Abteil leer war. Oder wir haben das Fenster ein wenig runter gemacht, damit im Sommer kalte Luft reinkommt… dann ist immer ein Schaffner vorbeigekommen, meistens ein älterer Herr, der etwas streng geguckt hat und uns Kindern Angst gemacht hat.

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Der Herbst auf leisen Sohlen

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Das Wetter hat umgeschlagen. Es zieht mich in eine andere Dimension, ich erkenne mein eigenes Leben im Moment nicht wieder. Alles ist anders, dabei hat sich nicht viel geändert. Ich schreibe viel und veröffentliche es, ich habe aber keine Lust, bei anderen zu kommentieren. Ich lese, was andere so schreiben, freue mich über dies und das, aber ich erkenne auch bei den meisten anderen Bloggern, dass die Höhenflüge im Moment ausbleiben und sich jeder so in seine eigene Routine getippeslt hat. Gespräche, Diskussionen oder hitzige Dialoge gibt es im Moment nicht. Noch ist jeder von der Sonne gesättigt, jeder ist zufrieden- zumindest stelle ich mir das so vor. So schaue ich auch nur kurz vom eigenen Buch auf, schiebe die Brille ein wenig über die Nasenspitze und erkenne, dass die Kinder alle ordnungsgemäß spielen und sich keiner in den Haaren liegt und auch die Schuhcreme noch im Schuhschrank liegt und von keinem garstigen Kobold in der Gegend verteilt wird.

Die Stimmung in den Medien, den Nachrichten und den Blogs gleicht haargenau dem, was wohl die meisten Menschen im Moment erleben: Der Sommer war heiß und voller Erfahrungen und Erlebnisse, doch so langsam verabschiedet er sich und der Alltag zieht wieder seine Kreise. Ein paar heiße Tage kommen vielleicht noch, es ändert aber nichts daran, dass die Tage nun langsam wieder kürzer werden und die Menschen anfangen, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen.

Wir warten alle darauf, dass der Wahlkampf endlich losgeht, aber außer ein paar nett gemeinten Versuchen, sich gegenseitig den schwarzen Staatsgelderverschwendungs-Peter in die Schuhe zu schieben, gibt es noch nichts zu berichten.

Meine eigenen Gedanken sind im Moment ausgeglichen, ich habe Spaß am Schreiben, aber ich sehe keine Notwendigkeit, auch noch den letzten Rest aus der Seele zu kratzen und mich auf einen Tiefenpsychologie-Marathon der Extraklasse einzulassen. Meine linke Hand schmerzt schon jetzt ein wenig vom vielen Maus hin- und herschieben und Tippen.

Kann sein, dass mich die handwerklichen Urlaubswochen ein wenig beeinflusst haben. Ich sehe das Schreiben im Moment als Handwerk. Routiniert schreibe ich so über dies und das, zimmere die Sätze mit viel Kraft und wenig Elan zusammen, aber es gibt nichts Besonderes, keine besonderen Ängste, keine besonders freudigen Erwartungen, keine Spannungen, kein Streit, keine Sturheit, keine Langeweile. Nur die gewohnten Fugen, die üblichen Schnitzereien und hin und wieder ein schiefer Nagel.

Es ist eine sehr ausgeglichene Zeit, die ich eigentlich genieße. Es ist gut, um sich was Neues auszudenken. Mein Geist gleicht im Moment einem leeren Blatt Papier, auf dem noch sehr wenig steht. Ich bin eigentlich entschlossen, ein großartiges Kunstwerk zu erschaffen, doch traue ich mich nur ein paar kleine Skizzen in die äußersten Ecken zu malen.

Ich will noch ein wenig skizzieren, noch ein wenig meine Linie finden und eines Tages, dann geht es los…

Solange müsst ihr euch damit begnügen, dass ich ein wenig auf sozial verträglich mache und euch hier und da ein wenig anstubse . Nicht dass mir meine werten Leser und Leserinnen noch einschlafen!