image_pdfimage_print

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…

wär es doch kein Fußball mehr!

Endlich mal wieder ein gutes Fußball-Spiel, das man gestern im Fernsehen bewundern konnte! Deutschland gegen England war angesagt, der Klassiker unter den Soccer-Matches, in den letzten Jahren oft aufgeheizt durch unsinnige Weltkriegs-Parolen und anderen Unsinn, der den Fußball (und die berichtenden Medien) in ein schlechtes Licht rückte. Das Achtelfinale gestern war allerdings frei von üblen Fouls und der Ton auf und außerhalb des Rasens war erfreulich freundlich, fair und kooperativ. Eine Sache, die diesen Sport attraktiv und sehenswert macht und sein Favoritenrolle als Volkssport weiter ausbaut- zu Recht.

Das Spiel bot wirklich alles, was das fußballbegeisterte Herz für einen guten (und nicht verschenkten) Nachmittag braucht: Aufregende Zweikämpfe im Mittelfeld, viele Torchancen und letztendlich auch viele Tore. Und dann war da noch das umstrittene „Wembley-Tor“, was seinem Namensgeber alle Ehre machte und nun eine kleine Revanche für das gegen Deutschland (zu Unrecht) gegebene Tor damals gewesen ist.

Was für eine Ironie des Schicksals! Das halbe Publikum im Stadion hat es gesehen, und gefühlte 28 Millionen Zuschauer vor den Fernsehern1 konnten Zeuge einer Fehlentscheidung werden und wiedereinmal schwebt die bange Frage im Raum : Brauchen wir einen Videobeweis? Brauchen wir einen fünften Schiedsrichter? Brauchen wir kleine RFID-Chips im Ball, brauchen wir eine voll-automatisierte Lagerverwaltung, brauchen wir eine Kühleinrichtung für überhitzte Gemüter, brauchen wir genetisch veränderten Kunstrasen, brauchen wir ein in 3D-simuliertes Fußballspiel, der Richter u. Gott ist der Computer, und der macht bekanntlich keine Fehler! Zu viel rennen in der Sonne ist sowieso ungesund… Lasst die Jungs doch lieber am PC daddeln, drückt ihnen einen Controller in die Hand und gut ist…

Aber nein! Der Fußball-Veteran Günther Netzer hat sich bewusst dagegen ausgesprochen, auch wenn ich seine Argumente nicht ganz nachvollziehen konnte. Übrigens: Der CO-Moderator erinnert mich an sehr, sehr alte Zeiten und wird es nicht mal Zeit für jemand anderen? Gibt es nicht genug Fußball-Experten, die es besser machen könnten und ihren Teil dazu beitragen? Olli Kahn im ZDF zeigt, wie ironisch-fröhliche Spielanalyse bei gleichzeitig hohem Sachverstand aussehen kann. Zum „inneren Reichsparteitag“ seiner Kollegin sag ich jetzt aber lieber nichts…

Fußball ist Drama, Fußball ist Krieg! Das ist doch genau das, was ihn ausmacht: Das Unberechenbare, das Opfer-Sein von Glück und Unglück, die Nicht-Vorhersagbarkeit auf dem Platz.Nur dadurch schafft er eine Identifizierungsmöglichkeit für den mitfiebernden Zuschauer, nur dadurch bleibt er spannend und authentisch.

Würde man dem Fußball dieses letzte Quentchen menschlicher Unsicherheit und Fehlerlastigkeit nehmen, würde man ihn seelisch kastrieren, dann würde nur noch eine mechanische Hülle übrig bleiben, ein seelenloses Ding, ohne Spannung ohne Moral. Dann wäre es ein Spiel, aber kein Fußball mehr.

Wer aber zurecht zu kritisieren ist, dann sind die fehleranfälligen Schiedsrichter: Hier sollte in Zukunft besser ausgewählt, besser trainiert und noch genauer hin geschaut werden. Da war der eine Schiedsrichter, der Gelbe Karten wie sonst nur fröhliche Kölner Kamelle unter das Volk, verteilt hat. Und das man einen Ball, der einen halben Meter im Tor war, nicht erkennt, ist ein grober Schnitzer, der kaum zu verzeihen ist. Wo bleibt die überfällige Qualitätssicherung für fehleranfällige Männer in Schwarz, die über das Wohl und den Untergang ganzer Nationen-Gemüter entscheiden?

Die deutsche Mannschaft war zum Glück deutlich besser als die englische. Sie haben haushoch, zu Recht gewonnen und das „Ding klar gemacht“. Der zuletzt so sehr gescholtene Klose glänzte mit seinem wichtigen Ersttreffer wie in alten Zeiten, auf den linken Fuß von Podolski war wie immer Verlass. Und dass dieser Müller verdammt gute Tore schießen kann und somit schon als Torschützen-Favorit gehandelt wird, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

Jetzt kommen also die Argentinier. Kein leichter Brocken. Aber mit dem Teamgeist, sollte es eigentlich möglich sein.

Sollte. Wenn


Anmerkungen:
  1. Quelle: http://www.derwesten.de/sport/fussball/wm2010/DFB-Elf-erzielt-hohe-Einschaltquoten-id3107218.html []


Miteinander, übereinander, nebeneinander

Alle vier Jahre teilt sich Deutschland in zwei Hälften : In Fußball- Fans und Fußball- Hasser.

Und der mit einem lauten Krachen aufsplitternde Riss scheint genau an jener Sollbruchstelle entlang zu führen, die durch die gedanklich-psychische Geschlechtertrennung schon deutlich angeritzt wurde: Auf der einen Seite rau, vorpreschend, brutal, körperbetont männlich- und auf der anderen zart, abwartend, deutend, bewertend, weiblich. Wie sind diese Prinzipien in Einklang zu bringen? Und wenn ja, wer will das überhaupt?

Während die einen sich mit Deko an ihren Häusern, am Körper und im Gesicht überhäufen und gar nicht genug von Euphorie, Heiterkeit, Begeisterung und Alkohol bekommen, ihr Twitterbild und Tweets in unzweifelhafte Farben tauchen (hihi!), sinnieren die anderen depressiv und alleine zu Hause sitzend über die Ungerechtigkeit im Leben oder dass „Euphorie eine höchst veränderlicher Gefühlszustand ist, dem nur die Depression folgen kann“ (gefunden auf Twitter).

Recht haben sie! Die Fußball- Fans und Fußball- Hasser. Es kommt dabei – wie so oft- völlig auf die Perspektive an.

Weiterlesen