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Twitter-Tools

oder: Was diese Woche übrig blieb

Jetzt sind schon wieder fünf Tage ohne Blog-Artikel vergangen, ich glaube langsam werde ich alt. Aber im Ernst, ich habe immer mal wieder geschrieben, aber die letzten drei Artikel wurden alle feinsäuberlich ausgearbeitet, ohne je online geschickt zu werden. Das eine war ein philosophischer Artikel, die anderen beiden gingen um das Thema Fahrrad-Fahren, das ich eigentlich ein wenig stärker ausbauen wollte.

Aber sie schienen mir nicht perfekt genug und irgendwie waren mir paradoxerweise auch zu „privat“, was ja sonst keine Hemmschwelle dargestellt hat.

Dazu kommt noch, dass derzeit Twitter meine Aufmerksamkeit mehr als je zuvor in den Bann zieht und ich immer mehr Vorteile dieses schnellen Medium entdecke.

So habe ich mich seit ca. einer Woche mit mit den nötigen Tools beschäftigt, die dieses Medium einfacher und beherrschbarer machen und bin auf folgende Seite gestoßen, wo ziemlich viele davon aufgelistet werden:

http://karrierebibel.de/…

Die Liste ist erdrückend und es hat mich einige Zeit gekostet, die wichtigsten oder besten herauszufinden (und ich bin auch noch nicht damit fertig):

Weiterlesen

Meine kleine Twitterwelt

Am Rande des Universums und dann die nächste Kreuzung links

Unter meinen Twitter-Followern sind alle glücklich vereint: Atheisten und Gläubige, Links-Radikale und Rechts-Konservative, Banker und Freidenker, chaotische Künstler und wissenschaftliche Logiker, Feministinnen und Partriarchen, Männer, Frauen und alle, die sich dazwischen fühlen.

Unter diesen gegensätzlichen Followern führen sie zwar keine Feindschaften (das kommt vor, ist aber zum Glück selten), aber sie kommunzieren auch nicht untereinander oder miteinander. Jeder lebt so in seiner eigenen Gruppe, in seinem eigenen Erfahrungs- und Meinungshorizont. Von da aus wird dann die Welt missioniert und Millionen von Tweets lassen die Datenleitungen glühen und die Server hin und wieder zusammenbrechen.

Ich fühle mich dann manchmal als die einzige, die sieht, wie sie parallel existieren-
obwohl sie sich oft nicht mögen, leben sie alle auf der gleichen Welt.

In meiner kleinen Twitter-Welt!

🙂

Getrennt und doch verbunden

Plätzchen und Adventskerze

Plätzchen und Adventskerze

Das war also heute mein Tag, der Vortag des 2. Advent. Ich sag es gleich vorweg, es war ein extrem unausgeglichener und seltsamer Tag.

Überhaupt fühle ich mich derzeit nicht wohl, es schwankt immer sehr. Ich bin von vielen Eindrücken überrollt und ich habe das Bedürfnis ganz schnell, ganz viel zu ändern.

Was hat das ausgelöst? So genau kann ich es nicht sagen, aber ein paar Dinge waren schon dabei. Dinge, die mein Leben in der nächsten Zeit vielleicht gewaltig und positiv ändern und das ist genau das, was ich mir sehne. Aber doch stockt es in dem alten Trott und die Mauern scheinen kurze Zeit später wieder so hoch, im direkten und auch übertragenen Sinne.

Ich könnte auf das Jahr zurückblicken, … , aber ich wüsste nicht so recht, wo ich anfangen soll. Ich könnte in meine Gefühle schauen, aber auch da herrscht momentan eher Chaos und alles scheint sich gerade neu zu ordnen. Ich hab sowas öfters in den Wintermonaten: Zuerst ist die dunkle Jahreszeit, die langsam, aber dann immer stärker wird. Zuerst nur eine kleine Verstimmung, bis es dann ziemlich schnell ziemlich dunkel und anstrengend wird.

Ich bin nicht schlecht drauf, aber irgendwie überdreht.

Meine Freunde und Bekannte können es mir momentan nicht recht machen, ich kann es verstehen. Ich weiß ja im Moment selbst nicht, wohin die Reise gehen soll.

Das ganze vergangene Jahr haben wir mit Renovierungen und Arbeit verbracht, wir haben keinen richtigen Urlaub gemacht, nur sehr kurze Städte-Reisen, die auch meistens mit Arbeit verbunden waren. Auch im dritten Jahr des Einzugs ist noch soviel zu machen und wir haben erst die Hälfte des alten Hauses renoviert. Wir machen alles (fast alles) in Eigenleistung gehandwerkt und in den warmen Sommermonaten habe ich mein Blog und auch Twitter sehr selten genutzt. Es ging einfach nicht, andere Dinge waren wichtiger. Dadurch sind Risse entstanden und ich habe meine innere Bindung an den Blog und auch die Leute um ihn herum etwas verloren. Mein Lieblingsblogpartner Hartmut hat sein Blog pausiert und das hat mich sehr getroffen. Warum noch weiterschreiben, wenn einer meiner besten Internet-Freunde nicht mehr schreibt? Ich hoffe nur sehr, dass er bald wieder schreibt.

Nun, im November und Dezember versuche ich anscheinend alles Nicht-Geschriebene nachzuholen, aber das ist wenig entspannend. Eher nutze ich meine Energie und vielleicht auch das gewachsene Durchhaltevermögen dazu, mich auch noch restlos zu verausgaben.

Wenn man dann so auf Twitter liest, wie andere ihr Leben tlw. verbringen, von ausgedehnten Weltreisen, gut bezahlten Jobs, erfolgreichen Startups, Familienglück und ähnlichem, könnte man schon neidisch werden.

Aber wem bringt das denn was? Ist der Mensch nicht immer auf irgendwen neidisch? Warum also dann nicht den Neid vergessen und einfach positiv denken? Sich darüber freuen, was man schafft und erschafft, und wenn es auch nur kleine Dinge sind. Und sich auch über das Glück von anderen freuen, denn wie der Dalai Lama in einem seiner schlauen Bücher schreibt, braucht „die Gesellschaft viele tatkräftige Menschen“, und „jeder ist wichtig“. Wir sollten die anderen grundsätzlich immer als Partner und Freunde betrachten, nie als Konkurrenten. Konkurrenz-Denken führt nur zu Unglück.

Auf Twitter scheinen vielen Leute zu schreiben, die alle viel Geld und Zeit haben, von den einfachen Leuten, die am unteren Rand des Existenzminimums leben, oder auch von Arbeitslosen und Außenseitern scheint es nicht viel zu geben. Je niedriger die Bildung, desto weniger Zugang zu Internet und modernen Medien ist gegeben oder sie werden anders genutzt. Auf Twitter sind die Leistungsfähigen zu Hause, die, die sich verantwortlich fühlen und etwas geben, aber auch gerne lenken und beeinflussen wollen. „Macher“ eben, typische deutsche Macher und Pragmatiker, die es nicht erlauben, dass man auch etwas Halbes nimmt. Perfektionisten, möchte man meinen.

Die vorherrschende Aura der meisten Twitterer erklärt wahrscheinlich auch, warum ich intuitiv die Herzlichkeit vermisse, und auch die freundliche Bodenständigkeit, die ich sonst so gewohnt bin. In Twitter gibt es viele humorvolle, aber auch zynische Menschen und Zynismus ist meistens ein Ausdruck von menschlichem Leid und Unglück. Sowas steckt an und irgendwann wird man auch zynisch, ungehalten und macht-versessen.

Natürlich hab ich kein Problem damit, in diesen Sphären mitzuhalten, betrachte es aber als Herausforderung. Mein spirituelles Gewissen mahnt mich doch manchmal, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und daran zu denken, wo ich stehe, was ich erlebt und durchgemacht habe und wo die wirklichen Probleme des Lebens sind. Wer die Schablonen des Gewissens und der Moral aber zu eng anlegt, der wird sehr bald sehr unglücklich- also gilt auch hier wieder der richtige Mittelweg, sich nicht verkrampfen, aber auch nicht zu lasch zu sein.

Twitter ist manchmal wie eine Droge, man berauscht sich an dem guten Leben der anderen, an ihrer Freude, an ihrer Zeit, an ihrem Wissen und ihren netten Kontakten. Twitter ist aber meistens Schönwetter-bloggen, bis auf ein paar #fail Botschaften, die meistens auch irgendwie lustig sind.

Wie ich heute schrieb, kam ich dabei zu folgender Feststellung:

Dunkelheit und Kälte / Sich an der Timeline mit den vielen Seelen wärmen / und doch getrennt / Allzu menschliches Schicksal

Das ist sowas wie ein kleines Twitter-Gedicht (fällt mir immer nebenbei ein, ist eine tolle Sache, dieser Zwang in wenigen Zeichen zu denken)… und drückt mein Befinden aus.

Was bringen all die Kontakte, wenn es nicht zu realen Begegnungen kommt?

Die Menschen, man sieht nur ihre Seele, aber sie sind nicht greifbar, man kann sie nicht besitzen, man kann sie noch nichtmal wirklich beeinflussen, jeder ist im See der Internets gefangen und eine unsichtbare Mauer, die Datenleitung trennt uns. Das, was uns trennt, verbindet gleichzeitig- ist das Internet nicht eine schöne Paradoxie? Und der moderne Abenteuer-Dschungel, das unbebaute Land, nach dem sich viele sehnen. Die Projektion ihrer Ideale?

Ist nicht jeder Mensch in seiner letzten Instanz alleine- und gezwungen, sein eigenes Antlitz jeden Tag neu zu verstehen? Und ja, diese kleinen Rechengeräte mit der Leitung zu anderen, sie helfen uns mitunter dabei.

Wann und wie kann man aber moralisch erwarten, dass sich andere mit dem eigenen Schicksal auseinandersetzen?

Wann bekommt man schon mal Lob und Zuwendung? Wie kalt die Welt doch meistens ist und wie sehr wir uns nach ein wenig Liebe in der kalten Welt sehnen.

Das Gefühl, wirklich mit der Welt in Verbindung zu sein und nicht nur mit den scharfen Schemen, die dunkel auf den Schnee gezeichnet werden.

Und doch macht es süchtig, diese schwebende Leichtigkeit über den Dingen. Es erfrischt den Kopf und es klärt die Seele. Es wirkt, obwohl man gar nichts zu sich genommen hat.

Außer ein paar Informationen.

Twitter richtig nutzen, für Anfänger

Twitter ist momentan mein Lieblings-Web 2.0 Medium (Link zu meinem Profil) .

Über keins hab ich mich bis jetzt mehr ausgelassen, geärgert, gebloggt, gefreut und mich innerlich beschäftigt. Das gigantische vernetzte Gehirn „Internet“ bringt ja immer mal wieder neue Trends raus, die die Nutzung wirklich verändern und nicht nur oberflächlich- und ich würde Twitter auf jeden Fall dazu zählen. Ob das ebenfalls sehr gehypte Google Wave auch mal dazugehören wird oder sogar schon eine Fortsetzung des Ganzen ist, wird sich zeigen müssen.

Aber bei Twitter kann ich es auch besser abschätzen, weil ich es inzwischen besser kenne (bin seit ca. einem Jahr dabei, aktiv seit ca. einem halben Jahr). Ich habe zwar erst knapp 240 Follower und bin auch auf nur drei Listen verlinkt, aber ich lese sehr viele Tweets und beschäftige mich innerlich viel mit der Technik und auch den zwischenmenschlichen Abläufen.

Unbedingt neue Follower zu bekommen ist nicht unbedingt das oberste Ziel, es ist eher ein Nebeneffekt, wenn man alles richtig macht und diejenigen Leute findet, die einem zusagen UND gleichzeitig für Trends stehen. Wenn man eher Leuten folgt, die etwas besonderes darstellen und ebenfalls nicht so sehr Wert auf Verlinkung setzen, dann ist Twitter auf jeden Fall sowas wie eine Personen-Suchmaschine und hervorragend geeignet, um neue u. interessante Leute für das eigene Netzwerk zu finden (ganz gleich, wozu man dieses Netzwerk braucht).

Twitter ist so besonders, weil hier dezentral die Meinungen veröffentlicht und publiziert werden, weil es keinen gemeinsamen Chatraum gibt, sondern eben immer nur Gesprächs-Fäden mit den Menschen und Themen, die einem im Moment am meisten zusagen.

Dieses Prinzip „Follower“ und „Gefollowte“ bedeutet aber auch, dass es nicht ohne Zeit geht. Man muss sehr viel Zeit investieren, bis man Menschen findet, die einem zusagen. Wenn man nicht nur nach Äußerlichkeiten, Macht und Einfluss gehen möchte, lohnt es sich, die Tweets von anderen eingängig und lange zu lesen und dann im Einzelfall zu entscheiden, ob dieser Mensch auch wirklich alle Interessen oder zumindest die wichtigsten mit einem teilt.

Durch die Kürze und Häufigkeit der Nachrichten ist es nicht so gut möglich, den eigenen Charakter zu verschleiern und es ist auch schön, dass viele Leute über ihr Privatleben und ihre Befindlichkeit „twittern“- das macht es viel besser zugänglich und auch menschlich relevant.

Twitter verhindert, dass man die Kontakte wieder aus den Augen verliert, weil z.B. jeder einen anderen Messenger benutzt oder gerade nicht online ist. Twitter ist immer online und auch im eigenen Account wird immer geschrieben- es gibt also immer eine messbare Aktivität oder zumindest eine Timeline, wo man interessante Bookmarks, Songs und ähnliches zurückverfolgen kann.

Wenn man noch so einen Musik-Dienst wie Blip.fm nutzt, hat man immer auch einen virtuellen Kassettenrekorder dabei, vollgestopft mit Kassetten und Tracks der eigenen Lieblingsongs…und derer von Freunden.

Es ist wirklich praktisch. Durch das Web-Interface kann man von überall darauf zugreifen und auch das kleinste Smartphone wird mit den technischen Anforderungen zurechtkommen, ich habe Twitter z.B. erfolgreich auf dem DS eingesetzt und twittere dann oft auf dem Sofa, beim Fernsehen in den Werbepausen. Wireless-LAN und DSL machen es möglich, viel technischen Aufwand braucht man nicht.

Wie kann man nun Leute finden, die ähnliche Interessen haben?

Dazu gibt es viele Wege, aber der folgende Weg hat sich als sehr praktisch erwiesen:

  • Man gehe auf http://search.twitter.com/
  • Man gebe einen Suchbegriff der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Interesses ein: Z.B. „smartphone“, „Politik“, „Zensursula“, „Gleichberechtigung“ oder was auch immer
  • eine Liste mit Twitteren und ihren Tweets erscheint, daraus picke man sich einzelne und schaut sich deren Profile an
  • man überfliegt die Profile, entscheidet nach dem Gesagten- vielleicht auch nach Bild, der Webseite und dem jeweiligen Beschreibungstext
  • bei Gefallen addet man den Twitterer hinzu
  • man wartet ein wenig, wenn es dem anderen auch so geht, (er bekommt nämlich eine Mitteilung darüber), wird man auch ge-followt
  • das Netzwerk (der eigenen Themen) vergrößert sich (ERFOLG!)
  • dann sollte man darauf achten, mit den neuen Kontakten auch zu chatten, zu „tweeten“; denn wenn man es nicht macht, verliert man vielleicht wieder jemand
  • oder man merkt, dass es doch nicht so passt und der Kontakt löst sich wieder (ganz leise) auf (wieder zurück auf Start..)

Interessant ist z.B. auch, dass ich regelmäßig Leute finde, denen ich zwar nie schreibe, die ich aber dennoch immer interessant und lesenswert empfinde. Ich bin einfach der Meinung, sie machen ihre Sache gut und will sie nicht bei der Arbeit stören. Dennoch, hin und wieder eine positive Rückmeldung senden, kann nicht schaden. Selbst der fleißigste Twitterer freut sich darüber, wer denn nicht?

Twitter ist mit den Menschen reden, anstatt aneinander vorbei, das ist seine Stärke. Es macht das Netz menschlicher und sozialer und das ist gut so.

Es ist in der Summe die Erfindung mit der größten Neuheit und auch mit dem meisten Nutzen für den mitteilungsfreudigen Internet-User. Es ergänzt Blogs perfekt, man teilt aufgeschnappte Nachrichten in kleine Portionen ein oder handelt sie ausschließlich dort ab, bekommt Rückmeldungen und Anregungen- schneller geht es nicht.

Zum Schluss bleiben die einzigen Kritikpunkte an Twitter, die schlechte Rücklaufquote bei den Followern (sowohl bei den Tweets als auch beim Zurück-Gefollowt werden) und die Tatsache, dass es Wenig-Nutzer und Anfänger eher abschreckt.

All diese Nachteile werden aber von den Vorteilen übertroffen und richtig genutzt, ist Twitter eine prima Sache.

Andere J.A. Blog-Artikel

http://www.ja-blog.de/2009/10/personliche-twitter-analyse/
http://www.ja-blog.de/2009/02/lustige-zwitter-spruche-teil-1/

Weiterführende, externe Links

http://dirk-baranek.de/internet/twitter-fur-anfanger-so-kann-es-losgehen/

Persönliche Twitter-Analyse

Heute schreibe ich mal wieder einen Blogeintrag, einfach so, weil ich jetzt ein paar Tage nicht geschrieben habe.

Ich lese gerne bei Blogs mit, bei denen ich das Gefühl habe, dass regelmäßig geschrieben und auch eine echte Person hinter den Gedanken steht.

In den letzten Tagen habe ich die Medien Twitter, Facebook und Blogs mal wieder intensiver untersucht und ich schwanke immer so zwischen Verachtung, Ablehnung, Interesse und Neugierde.

Twitter z.B. ist ein sehr interessanter Dienst und man könnte ihn für soviel nutzen. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass doch sehr viele Leute nicht das schreiben, was sie denken und eine perfekte Maske präsentieren.

Man liest sehr viel darüber, was die Leute so arbeiten, was für ein tolles neues Handy sie sich gekauft haben- aber von Tiefgang und echten menschlichen Problemen fehlt leider jede Spur. Warum liest man nicht oder nur selten ein „Das Baby hat mir gerade auf die Schulter gekotzt“- oder „habe meine Tage und keine Lust auf die Arbeit“ oder „Schon wieder Streß in der Beziehung“. Warum liest sich der Großteil wie Plastik und Hochglanzbroschüre mit ein wenig seichtem Humor?

Es ist ja auch klar: Wer will schon wirklich über sein Seelenleben schreiben, wer gibt gerne zu, Probleme zu haben oder in diesem oder jenem Bereich nicht mehr weiter zu wissen? Das wirklich Menschliche ist bei Twitter versteckt und man muss es lange suchen. Genauso stelle ich mir den Berufsalltag und die menschliche Sphäre im echten Leben vor. Nur dass man vielleicht noch etwas menschlicher als in Twitter sein kann. Es hört ja keiner mit! Twitter hingegen verbreitet dieses ständige Gefühl alles jedem sagen zu müssen und doch nicht gehört zu werden. Burn-Out und Sucht-Effekt inklusive!

Was mich zudem nervt, ist die nach wie vor niedrige Rücklaufquote. Man kann die Leute noch so oft anschreiben, wenn sie nicht antworten wollen, antworten sie nicht.

Dabei ist das ein ganz einfacher Mechanismus:

– ich lese, was andere so schreiben
– ich überlege, womit sie sich beschäftigen, was ihre Interessen sind
– wenn ich mir einig bin, dass mir derjenige zusagt, dann…
– schreibe ich jemanden an (reply) oder sende eine „Direct Message“
– es kommt etwas zurück, ein Kreislauf und Austausch entsteht
– ich merke mir die Person positiv und ein Netzwerk entsteht

– wenn keiner antwortet, stehe ich blöd da, weil

– will die Person keinen Kontakt mit mir?
– hat sie im Moment einfach nur keine Zeit?
– Nerve ich die Person?
– soll ich es nochmal probieren?

Wenn jemand gar nicht antwortet, probiere ich es höchstens noch einmal, bei ganz wenigen auch öfters, aber: Wenn jemand dauerhaft nicht reagiert, kann natürlich keine Freundschaft und kein Austausch entstehen und das ist schade.

Ich weiß nicht, wie sehr die Leute darauf achten, dass man selbst viele Follower hat. Also eigentlich ist es ja unwichtig, aber ich könnte mir vorstellen, dass das für einige doch sehr wichtig ist und man nur etwas „wert“ ist, wenn man eine bestimmte Follower Zahl „vorweisen“ kann (Ähnlich wie das Bankkonto, da gibt es schon Ähnlichkeiten, aber das gibt bestimmt keiner zu).

Durch diese Tatsache und die niedrige Rücklaufquote entsteht ganz einfach die Erkenntnis: Man muss sehr intensiv und viel Zeit mit dem Medium verbringen und unter Umständen sehr lange suchen, bis man die richtigen Kontakte gefunden hat.

Erkenne Dein Profil

Wenn man keinen Ruf im echten Leben aufgebaut hat und auch sonst kein „richtiges“ Ziel verfolgt, wird es schwer für die Menschen zu erkennen, warum sie einem denn überhaupt folgen sollen.

Um also bei Twitter erfolgreich zu sein, benötigt man ein Konzept, eine Idee für die eigenen Tweets, ein Rahmenprogramm. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, von „Profil“ zu sprechen, aber nicht von Profilneurose, sondern eher von Schärfung des eigenen Profils.

Es wird auch sehr schwierig werden, alles abzudecken, man muss sich schon auf etwas festlegen. Und je stärker die Nische ist, die man gewählt hat, desto eher werden die Leute auch wieder abspringen oder nicht mit einem warm.

Wenn jemand einen festen Beruf hat, dann scheint mir das sehr einfach: Hier bloggt und twittert der Verwaltungsingenieur soundso und alles was mit seinem Leben zu tun hat, kommt in die Tweets. Das könnte dann sein:

  • Er steht morgens auf und sagt: So jetzt Kaffee, dann Arbeit
  • Mittags wird über die Probleme im Büro geredet oder in der Pause auf Technikseiten gesurft
  • abends dann Musik-Tipps oder was man so isst
  • später evt. noch Fernsehempfehlungen

So in der Art laufen viele Tweets, die ich mir so angeschaut habe.

Sehr stark im Kommen sind anscheinend auch Firmen, vor allem kleine Mittelständler, die das Medium Twitter benutzen, um ihre Außenkontakte zu pflegen.

Wo aber bei all dem, will ich stehen?

So ganz recht weiß ich es noch nicht. Sich als Künstlerin oder Schriftstellerin zu vermarkten und ein Image aufzubauen, könnte nicht schlecht sein. Dann braucht man aber auch eine Marke im Hintergrund oder eine Firma und Produkte, die man vertreten möchte.

Wenn man da ganze immer nur so mal privat macht, dann fehlt der Zug und die Entschlossenheit und am Ende bleibt wieder nur der legendäre Gemischtwarenladen.

Sich ehrenamtlich zu engagieren und über Missstände aufmerksam zu machen, halte ich ebenfalls für gut. Das kann man immer mal so nebenbei machen, um den Geist für solche Dinge aufrecht zu halten. Ob es jetzt Armut, Emanzipation, Gleichstellung, Integration oder andere Themen sind: Im Grunde kann man zu allen Dingen seinen Senf abgeben und Links posten.

Die Kleinheit und Knappheit von Twitter ist zugleich seine Stärke, denn es ist universell.

Aber man braucht ein Konzept und das bildet sich erfahrungsgemäß erst dann, wenn man auch viel getwittert hat und herausbekommt, welche Themen sich am besten eignen. Wofür man steht, was man „nach außen“ vertreten will.

Twitter ist das Praxistool für die ersten Gehversuche in der Öffentlichkeitsarbeit. Twitter vergisst schnell und belohnt einen sofort, wenn man etwas richtig gemacht hat.

Das macht es auch für Anfänger sehr leicht zu handhaben.

Ebenfalls mag ich an Twitter, dass es den Menschen schult kurz und prägnant zu denken. Nicht selten erwische ich mich in der letzten Zeit dabei, im Bad, beim Putzen oder in anderen nicht gehirn-intensiven Tagesabschnitten heftig in der Twitter-Weise zu grübeln und mir meine Gefühle und Gedanken in nur wenige, aber dafür intensivere Weise zu formulieren.

Gehirn-Biologisch ist das für mich der bis jetzt größte Gewinn an Twitter. Das Menschliche vermisse ich nach wie vor und zuviel Zeit will ich nicht im virtuellen Meer verbringen. Sonst versinke ich evt. noch.

Mein Twitter läuft so, wie ich bin.

Und Deins?

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