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Ein neuer Stern

In der letzten Zeit ist mal wieder viel passiert. Wenn man nicht gleich wieder alles aufschreibt, geraten die Dinge in Vergessenheit. Die Frage ist aber auch: Was ist es überhaupt wert, festgehalten zu werden? Dann, mit dem Ort des Blogs noch einen besonderen Ort zu bekommen, der auch noch von anderen gelesen werden kann?

Über die sozialen Medien und Netzwerke hab ich die letzten Tage mal wieder mehr nachgedacht, vor allem, wie ich sie nutzen möchte und was ihr Vorteil- bzw. der obligatorische Nachteil ist? Das liegt damit zusammen, dass ich meinen inneren Widerstand gegen ein Smartphone nun aufgegeben habe und seit ca. einer Woche mein erstes Smartphone überhaupt hab. Es war ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. 😉

Die Welt der mobilen Medien hat mich eigentlich schon immer gereizt, aber gleichzeitig auch abgestoßen. Vor vielen Jahren kam Apple mit dem ersten Iphone auf den Markt, was zwar nicht das erste Smartphone war, aber doch als marktbildende Grundlage für diese Geräteklasse angesehen werden kann. 2007 ist nur ein Katzensprung, im Rückblick kann ich sagen, dass ich mit 2015 zwarscheinlich „zeitgleich“ ein Smartphone gekauft habe. Im „hochaufgelösten“ Computerzeitalter sind diese acht Jahre aber eine kleine Ewigkeit.

Abgestoßen hat mich immer die Frage mit den Kosten, denn wenn man einen Handyvertrag mit Internet-Flatrate abschließt, kann man sich über die Vertragslaufzeit meistens zwei mobile Endgeräte für den Preis kaufen, rechnet man mal alles zusammen. (( Vertrag: 50 Euro pro Monat, auf 24 Monate = 1200 Euro; Neupreis Handy 200-600 Euro)) Ein kleines, billiges Prepaid-Handy für die Hosentasche erschien mir da immer die sinnvollere Alternative. Abschreckend ist auch die Frage mit dem Datenschutz und die Möglichkeit für andere Menschen (z.B. NSA, Google, Facebook), einen permanent zu überwachen und bei der Datennutzung passiv mitzulesen. Auf der anderen Seite ist ja auch die Nutzung vieler Dienste und Errungenschaften kostenlos, also muss man sich fragen, ob man nicht bereit ist, diesen hohen Preis mitzutragen? Und das, was letztendlich auf dem Smartphone oder in sozialen Netzwerken landet, liegt am Ende immer noch in der eigenen Kontrolle. Das Smartphone ist wie ein Gullideckel im eigenen Datenkosmos, wo die Daten nur allzu gern und frei jeder Kontrolle mit dem Abwasser durchfließen. Diese Fragen sind also abschließend noch lange nicht geklärt, aber zumindest mal temporär überwunden und werden nun mit neuen praktischen Erfahrungen kombiniert und hoffentlich auch inhaltlich „aufgewertet“.

Mein erstes wirkliches mobiles Gerät war daher auch kein Smartphone, sondern der Kindle von Amazon. Über den gibt es hier im Blog Berichte und Reviews und damals hatten sich einige Diskussionen im Blog über dieses Gerät gebildet. Der Kindle hat mich am Anfang schwer fasziniert, vor allem wegen der guten Ergonomie und der neuen Leichtigkeit des Lesens, die man damit erfahren konnte. Alles schön in einer Hand halten, die ganze Bibliothek der Welt in der Jackentasche!
Abgelöst wurde diese Euphorie eigentlich erst von meinem ersten 7-Zoll-Tablet, das mir gleichzeitig die Welt in das Android-Betriebssystem von Google eröffnete. Hier war die virtuelle Erstfaszination eigentlich fast noch größer als beim Kindle. Vor allem das schnelle Ansprechen, der gute Display, die Vielseitigkeit der „Apps“ und das WLAN wurden für mich schnell Gründe, das Tablet jeden Tag zu benutzen und eine wirklich gute Alternative zum PC aufzubauen. Der PC wird auch weiterhin benutzt und hat vor allem Vorteile bei der Ergonomie, der großen Tastatur, der aufrechten und „büromäßigen“ Verwendungsweise, und dem großen und leuchtstarken Display. Auf dem PC kann man wesentlich mehr produzieren und kreativ tätig sein, auf dem Smartphone überwiegt meistens die passive Konsum-Nutzung.

Aber für die „Informationslücken zwischendurch“, mal eben schnell was googlen, auf Wikipedia nachschlagen, die Öffnungszeiten studieren, die Beschreibung beim Online-Händler durchlesen oder rasch eine Email beantworten… wurde das Tablet bald unschlagbar. Nach ein paar Monaten bereute ich dann auch, nur die Wifi-Version gewählt zu haben, denn unterwegs ohne Wlan oder kostenlosen Hotspot macht das mobile-stationäre Tablet nur halb soviel Spaß. Der Weg für das erste richtige Smartphone wurde geebnet.

Und was hat sich jetzt geändert? Wie zu erwarten, stößt das handliche Smartphone mit Android genau in die Benutzungs-Kerbe, die das Tablet schon für über zwei Jahre eingeschlagen hat. Am Fernseher liegt jetzt das kleine, praktische Smartphone, beim Kochen auf dem Küchentisch, beim Schlafen auf dem Nachtisch, beim Besuchen von Freunden wird es herumgezeigt, beim Einkaufen und Wandern rutscht es in die Gürteltasche und manchmal frage ich mich, wo es jetzt gerade liegt und dann schießen mir Tränen in die Augen… Wirklich neu hinzugekommen sind nur ein paar wenige Dinge, z.B. die Nutzung von „What´s app“, das mir schon von sehr vielen Leuten empfohlen wurde und anscheinend aus dem Alltag vieler Smartphone-Nutzer kaum noch wegzudenken ist. Im Grunde ist es aber nicht viel mehr als ein aufgeblähter SMS-Dienst, mit dem man halt jetzt noch Bildchen und Videos verschicken kann. Und dass die Chronik sich nie löscht und man den ganzen Kram, den man so verzapft hat, noch tagelang in der Dialog-Liste lesen kann… praktisch sind auch Features wie GPS oder Schrittzähler, mit dem sich das Anschaffen weiterer Gadgets und Geräte erstmal erübrigt. Und natürlich die mobile Kamera, die immer und überall gezückt werden kann, die schnell anspricht und sogar noch passable Fotos schießt. Mit einem Tablet Fotos zu machen, sieht auch einfach viel zu albern aus, fast so albern wie ein Selfie-Stick…

Die Stärke der Smartphone ist auf jeden Fall ihre Vielseitigkeit und dass sie gleich mehrere Geräteklassen gleichzeitig ersetzen können. Sie führen die vielen Informations- und Datenströme, denen der Mensch ausgesetzt ist, zusammen und vereinfachen und komprimieren seine Lebenserfahrung. Das Leben wird kompakter, schneller, intensiver, bunter, aber wird es auch länger, gelöster, freier und besser?

Und was ist mit den Altgeräten, den wertvollen Edelmetallen und den gebundenen Kohlenstoffen? Der Kindle wird schon lange nicht mehr benutzt, weil es ja bei Android die praktische „Kindle-App“ gibt, die alles andere verdrängt hat. Schlau gemacht, Android! Hier wird sich Amazon noch die Zähne ausbeißen. Das zwei Jahre alte Tablet ist mittlerweile rucklig und nicht so leuchstark wie das neue Premium-Handy, schon kommt es in die „Losers Lounge“ und wird nur noch mit dem kalten Rücken angeschaut…will es jemand haben? Als Mp3-Player fürs Badezimmer oder den Crosstrainer kann man es noch verwenden… und dann ist da ja noch der alte Micro-SD-Chip, vollgestopft mit Adressen und Karten-Daten von den letzten Reisen. Ja, das muss ich eines Tages noch übertragen.. aber dann, wird der neue Star am Himmel das Smartphone sein!

 

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