<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>J.A. Blog &#187; Moral</title>
	<atom:link href="http://www.ja-blog.de/tag/moral/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.ja-blog.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sat, 04 Feb 2012 09:07:32 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Erst kommt das Fressen</title>
		<link>http://www.ja-blog.de/2011/01/erst-kommt-das-fressen/</link>
		<comments>http://www.ja-blog.de/2011/01/erst-kommt-das-fressen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Jan 2011 12:17:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ja-blog.de/?p=3052</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;dann kommt die Moral&#8221;- Zitat aus der Dreigroschenoper
Die Frage nach der Moral ist mitunter genauso bagatellhaft wie die Frage nach dem Sinn des Bloggens. Entweder man stellt sie sich oder nicht. Entweder man entwickelt darüber das Gefühl, dass es eine Frage ist, die es wert ist, darüber nachgedacht zu werden oder man verzichtet darauf.
Wozu also [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;dann kommt die Moral&#8221;- Zitat aus der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Dreigroschenoper" target="_blank">Dreigroschenoper</a></em></p>
<p>Die Frage nach der Moral ist mitunter genauso bagatellhaft wie die Frage nach dem Sinn des Bloggens. Entweder man stellt sie sich oder nicht. Entweder man entwickelt darüber das Gefühl, dass es eine Frage ist, die es wert ist, darüber nachgedacht zu werden oder man verzichtet darauf.</p>
<p>Wozu also Moral? Oder : was ist überhaupt Moral?</p>
<p>Als Laie würde ich es mir so erklären: Moralische Handlungen sind Handlungen aus dem Über-Ich (also dem Gewissen im Unterschied zum logisch-analytischen Denken und den kindlichen, emotional motivierten Absichten). Im Volksmund sagt man auch „Gewissen“ dazu. Beispiel: „Er hat gewissenhaft gehandelt“ oder das ist „ein Mensch ohne Gewissen“.</p>
<p>Das Gewissen ist also eine virtuelle Instanz, die bei Mensch höchst unterschiedlich stark ausgeprägt ist und als übergeordneter Gehirn-Bürokrat in die triebhaften und autonom ablaufenden, unreflektierten Handungen eingreift. Ein zu starkes Gewissen kann dabei den normalen Arbeitsalltag sehr erschweren, weil es mitunter zum Zweifeln, zum Zögern und zum Hadern führt und der „Spaß am Leben“ sich einfach nicht entfalten kann. Umgekehrt ist es bei Menschen ohne Moral, im Extremfall Verbrecher, die einfach das machen, worauf sie Lust haben und ihnen der Sinn steht. Wenn sie etwas haben wollen, holen sie es sich einfach und fragen nicht nach dem Besitzer. Aber auch der rücksichtslose Liebhaber, der sich einfach aus dem Staub macht und auf die Bedürfnisse seiner Partnerin keine Rücksicht nehmt, ist und handelt gewissenlos.</p>
<p><strong>Moral ist flexibel und Deutungen unterworfen</strong></p>
<p>Es ist sehr verbreitet, die moralisch verwerflichen Handlungen und das Fehlen einer Moral zu kritisieren. Wenn man genau hinschaut, ist das tägliche Geschäft der Medien, aber vor allem der Ereiferer dahinter, den Stammtischbürgern und der Volksseele (den Wutbürgern). Auf der einen Seite gibt es „alternativlose“ Pläne und Beschlüsse von moralisch dünn-besetzten Politikern und dann gibt es Wut-Aufschrei der Protestgeneration.</p>
<p>Alles ist letztendlich auf die Fragen des Gewissens zurückzuführen, auf die Frage nach der Moral und nach dem jeweiligen Interpretieren dessen, was richtig oder falsch ist.</p>
<p>Im gleichen Zug hat sich der Begriff des „Gutmenschen“ verfestigt, mit dem die moralisch attackierten „Schlechten“ den Kritikern ein Spiegel vor das Gesicht halten können. Das deutet daraufhin, dass die Moral in ihrer Besetzung flexibel ist und sogar umgedreht werden kann. Letztendlich ist für viele Menschen immer die eigene Haltung, die eigene Einsicht „moralisch“ und die der anderen, die den eigenen Thesen widerspricht „unmoralisch“. Für die einen sind Atomkraftwerke eben moralisch gut, weil sauber und effizient und für die anderen steht der Atommüll und die Gefährdungslage im Vordergrund. Moral ist eine Frage der Bewertung und es ist sehr schwer, eine objektive Moral herauszuarbeiten.</p>
<p>Generell denke ich aber, dass die Moral-Fragen die wichtigsten sind, weil es die einzigen sind, die das Handeln von Menschen hinterfragen, die ihn und seine Entscheidungen transparent werden lassen.</p>
<p>Ein starke Moral-Instanz aus früherer Zeit waren die Kirchen und ihre- zugegeben- oft zweifelhafte oder doppelzüngige Moral. Es gibt langfristig keine absolute Moral-Instanz, die ohne Fehler ist und je mehr jemand dieses für sich behaupten möchte, desto anfälliger wird er für Kritik und reale Verfehlungen. Man denke z.B. an die Vorfälle im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandalen in katholischen Einrichtungen.</p>
<p>Manchmal kann eine starke moralisch Atmosphäre und die Verpflichtung „moralisch“ zu sein, sogar eine Bürde oder eine Last für die Betroffenen sein und die Verstöße gegen die Moral (z.B. die Sexualmoral) dann umso reizvoller erscheinen oder das eigentliche Bedürfnis so sehr unterdrücken, dass es sich irgendwann untkontrolliert einen Lauf bahnt.</p>
<p><strong>Moral und Philosophie</strong></p>
<p>Die Moral und die Philosophie sind enge Verwandeten, denn auch die Philosophie fragt stets nach dem Warum, Weshalb und ob etwas richtig oder gut ist. Es kann keine normativen Erklärungen der Welt geben, ohne dabei die weitausläufigen Gebiete der Moralfragen zu streifen.</p>
<p>Auch die oft als moral-freie definierte Wissenschaft erreicht ihre Grenzen, wenn etwas wissenschaftlich möglich ist, aber von den Grenzen der Moral eingefangen werden muss: Zum Beispiel die Nutzung der Atomkraft, Atomwaffen, oder genetische Veränderungen an Pflanzen, Tieren und Menschen. Die Frage lautet dann: Ist das überhaupt gut, was wir da machen? Ist es moralisch gesehen einwandfrei? Solche Fragen hätten schlimmeres verhindern können, denkt man z.B. an die ersten Atomwaffen-Abwürfe im zweiten Weltkrieg. Aber ein Krieg kann, wenn er erstmal entfesselt ist, nicht als der Hüter der Moral bezeichnet werden, sondern eher als deren Vernichter.</p>
<p>Die Moral als Solches ist im Volks-Bewusstsein und im jeweiligen Zeitgeist streng verstrickt und erinnert tlw. an die Auswirkung eines gedanklichen „Virus“ der von Vera Birkenbihl einst so anschaulich beschrieben wurde.</p>
<p><strong>Moralischer Zeitgeist</strong></p>
<p>Es ist z.B. derzeit unmoralisch, zu rauchen. Die Denkweise hat sich bei den Menschen (bzw. einer bestimmten bürgerlichen Schicht von Menschen) stark verbreitet und z.B. in Bayern zu einem Volksentscheid geführt, der dann das Rauchen aus öffentlichen Räumen und Kneipen verbannt. Noch vor ca. dreißig Jahren haben viel mehr Menschen geraucht, es gab Werbung im Fernsehen dazu und es war sogar „schick“ wenn man rauchte. So schnell können sich die Ansichten drehen und so flexibel ist die Moral.</p>
<p>Dann gibt es aber unmoralische Dinge, die schon immer unmoralisch waren und sich wahrscheinlich nicht ändern werden. Vieles findet man in den zehn Geboten oder anderen Gesetzen wieder: Jemand zu töten ist sehr unmoralisch, genauso wie stehlen, lügen, fremd gehen, usw.</p>
<p>Aber die Dinge können auch aufgeweicht werden, „Fremd gehen“ ist z.B. nicht mehr ganz so unmoralisch wie einst. Es gibt viele Dating-Plattformen im Internet, die sich darauf spezialisiert haben und einen bequemen Seitensprung anbieten. Auch das einst stark verpönte uneheliche Kind ist heutzutage kein Problem mehr, eine Brustvergrößerung kann machen, wer will und die Patchwork-Familien sind an der Tagesordnung. War die Scheidung vor ein paar Jahren (vor allem seitens der Frau) noch ein Riesenproblem, hat sich die moralische Bewertung dessen heute stark gewandelt. Vieles ist „normal“ geworden , was früher noch „unmoralisch“ war.</p>
<p><strong>Grenzenlose Moral?</strong></p>
<p>Vielleicht können die letzten Jahrzehnte mehr als je zuvor eine Befreiung des Menschen von der Moral bezeichnet werden. Alles muss schneller, besser größer sein, die persönlichen Freiheiten haben in den Industrieländern stark zugenommen und der materielle, volkswirtschaftliche Reichtum ist stark angestiegen. Natürlich kommt der Reichtum nicht bei allen an, denn durch das moralische oder nicht-moralische Handeln von einzeln wird eine ungleiche Verteilung voran getrieben. „Reichtum für alle“ war gestern und heute eine Utopie wie je zuvor und die Verfechter des Kommunismus sind „höchst unmoralisch“ (obwohl sie ja eigentlich etwas moralisch gutes wollen, nämlich Reichtum für alle..).</p>
<p>Diese riesige Freiheit an Möglichkeit und Entscheidungen führt aber auf der anderen Seite auch zur Unsicherheit. Wo alles möglich ist und die Grenzen der Moral ausgehebelt wurden, gibt es auch keine Grenzen mehr. Wer begrenzt unseren Konsum, wenn nicht wir, durch unsere Moral? Wer hält uns davon ab, pro Woche 20 kg Fleisch zu essen und uns mit Süßigkeiten vollzustopfen? Bestimmt nicht das Geld, bestimmt nicht der Mangel an Lebensmitteln- sondern nur wir selbst.</p>
<p>Die Befreiung von der öffentlichen Moral und den äußeren Grenzen ruft automatisch unsere Verpflichtung zu einer inneren Moral wach. Die innere Moral ist oft der einzige Pfeiler, der uns geblieben ist. Er muss unweigerlich wachsen, wenn wir nicht in der Fülle der Möglichkeiten untergehen und völlig den Halt verlieren wollen.</p>
<p>Der Mensch, so frei wie er auch ist, kann nicht ohne Moral leben. Die Moral, hat im Guten einen wichtigen Zweck: Sie ist Wegweiser und höhere Instanz, die die Dinge bewerten kann. Sie muss flexibel und darf nicht dogmatisch sein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ja-blog.de/2011/01/erst-kommt-das-fressen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Moral und Anti-Moral</title>
		<link>http://www.ja-blog.de/2010/03/moral-und-anti-moral/</link>
		<comments>http://www.ja-blog.de/2010/03/moral-und-anti-moral/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 10:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ja-blog.de/?p=2042</guid>
		<description><![CDATA[Es wird Zeit, mal über die Missbrauchsfälle in der Kirche zu sprechen, die derzeit ununterbrochen durch die Medien geistern. Am Anfang habe ich noch aufgehorcht und mir „Skandal!“ gedacht, mittlerweile hat es aber eher den Eindruck, als ob ein paar Trittbrettfahrer und die Medien auf den Zug aufgesprungen sind und mal wieder eine schöne Sau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wird Zeit, mal über die Missbrauchsfälle in der Kirche zu sprechen, die derzeit ununterbrochen durch die Medien geistern. Am Anfang habe ich noch aufgehorcht und mir „Skandal!“ gedacht, mittlerweile hat es aber eher den Eindruck, als ob ein paar Trittbrettfahrer und die Medien auf den Zug aufgesprungen sind und mal wieder eine schöne Sau gefunden wurde, die man durch das Dorf treiben kann. Ohne Frage, was alles passiert ist, ist schlimm und darf gar nicht relativiert werden. Ich möchte auch gar nicht so sehr auf die Details, das Wie, das Warum, Wer hat Schuld, usw. eingehen. Aber die Frage nach der Moral, die interessiert mich als teils philosophisch angehauchte Bloggerin schon ein wenig.</p>
<p>Schließlich sind die Kirchen selbst eine der wenigen offiziellen Instanzen, von denen so etwas wie unumstößliche Moral ausgehen darf. Sicherlich, der Bundespräsident gehört bei uns noch dazu, aber der hält sich meistens zurück und äußert sich nur sehr selten. Viel öfters hört man doch wieder von einer Papst-Rede, von einer Enzyklika, von einem Bischof, der sich zum aktuellen Geschehen äußert. Und nicht zuletzt Menschen, wie die so plötzlich und traurig untergegange Ratsvorsitzende der EKD,  Käßmann, sind es, die das öffentliche Denken über Moral, Gewissen, usw. formulieren und aufrecht erhalten. Aber auch Bloggerinnen und Blogger, Kommentatoren in Leserbriefen oder Fernsehsendungen, Meinungen von Redakteuren, selbst Werbebotschaften und Bücher formulieren Tag für Tag „richtige“ Meinungen über die Welt.</p>
<p><span id="more-2042"></span></p>
<p>Was ist mit der Moral denn so schwer? Früher war es einfach, da haben die Kirchen einen engen Moral-Kodex vorgegeben, an den sich alle zu halten hatten. Je stärker dieser Moral-Kodex aber ist, umso mehr unterdrückt er die natürlichen Bedürfnisse des Menschen.</p>
<p>Das Problem an der Sache ist, dass man mit einer aufgezwungenen, von oben, autoritär aufgesetzen Moral niemals die völlige Freiheit oder Schuld-Absolution des Menschen erreicht. Es ist ein logischer Denkfehler, der im Detail steckt.</p>
<p>Kurz im Anschluss an die ersten Missbrauchsfälle hörte man die kritische Stimme eines Bischofs, der nun angeblich der Meinung war, dass die Art und Weise der sexuellen Revolution, der freie Umgang mit Sexualität in den Medien daran Schuld gewesen sei, dass die Gesellschaft nun verroht und solche Abläufe <a href="http://www.welt.de/fernsehen/article6711052/Die-Schuld-der-68er-am-Missbrauch-in-der-Kirche.html#reqMSN_Gadget" target="_blank">erst ermöglichten</a>. Genau dieses Denken verkehrt aber die Ursachen in ihr Gegenteil. Es war schließlich keine offene Hippie-Kommune, in der die Übergriffe passierten, sondern ein streng katholisch geregeltes Heim/ Internat oder auch Klosterschule (gibt im Moment soviele Fälle, dass ich das ein wenig vermische).</p>
<p>Psychologisch gesehen hat jeder Mensch sexuelle Triebkräfte, die das Leben mitunter schwer machen können. Bei Männern sind diese Kräfte meistens noch stärker ausgeprägt und im pathologischen Fall mit eindeutigen sadistischen oder aggressiven Neigungen vermischt. Das ist einer der Tatsachen, warum der Großteil der Gefängnisinsassen und auch der sexuellen Triebtäter alles Männer sind (habe mal gelesen, der Frauenanteil in Gefängnissen liegt nur bei <a href="http://www.news-adhoc.com/geringer-anteil-von-frauen-in-deutschlands-gefaengnissen-idna2010022384604/" target="_blank">ca. fünf Prozent</a>).</p>
<p>Die Triebe sind schuld! Unsere tierischen Anlagen, die in jedem von uns stecken, die rein instinkt- und gefühlsgesteuert, aber ohne freien Willen zum Handeln treiben und mitunter moralisch „blind“ werden lassen.</p>
<p>Jeder, der mal einen wütenden oder sehr traurigen Menschen erlebt hat, vielleicht auch bei sich selbst, wird festgestellt haben, dass im Augenblick der extremen Gefühle der Mensch alles andere als einsichtig oder gar als Moral-empfänglich ist. Die Moral ist nur das von Menschen und Gedanken geschaffene Über-Ich, das unsere ureigensten Instinkte lenken, steuern und zumeist auch unterdrücken soll. Dies ist zudem einer der Hauptgründe für Neurosen, aber auch für Depressionen, wenn Gefühle nicht geäußert werden können.</p>
<p>Extreme seelische Schieflagen, wie der Wunsch, mit einem Kind Sex zu haben, sind gesellschaftlich absolute Tabuthemen. Die extreme Sexualität des Menschen ist irgendwie fehlgesteuert, vielleicht war der Mensch auch selbst einmal Opfer eines sexuellen Übergriffes? Wenn dann nie darüber geredet wurde und die Krankheit sich gleichsam im Bewusstseins-Keller festgesetzt hat, wenn der Mensch zusätzlich Opfer einer sehr starken Moral-Gefängnisses ist (z.B. einer Kirchen-Organisation), dann hat die Unterdrückung der Triebe paradoxerweise den Effekt, dass sich alles nur verstärkt und verschlimmert.</p>
<p>Es ist also kein Problem, über Sex zu reden oder auch sexuelle Bedürfnisse und Wünsche in sich zu spüren, sondern es ein kulturelles Problem, wenn „normaler“ Sex nicht gelebt werden kann. Aber was ist schon „normal“? Auch hier haben die Kirchen und die meisten Menschen enge Vorstellungen, und bei Sex zwischen homosexuellen Männern oder zwischen lesbischen Frauen hört die Toleranz meist schon auf.</p>
<p>Dabei wird aber vergessen, dass die innere Möglichkeiten der menschlichen Phantasie, aber auch die Irr- und Auswege der Seele, vielleicht der Perversion viel größer als die kleine Schablone „Mann und Frau, Ehe und Paradies“ sein kann.</p>
<p>Nicht das Ausleben der freien Sexualität und der aufgeklärte, neurosenfreie Umgang mit ihr ist das Problem, sondern die überstarke Moral-Institutionen, die alles spielerische unterdrücken und den Mensch einschränken, krank machen und unfrei werden lassen.</p>
<p>Wenn ich mich traue, über Sexualität zu sprechen und schon früh Menschen finden kann, denen ich vertrauen kann, ist es gut möglich, die Anfänge einer „Perversion“ zu mildern und vielleicht in die richtige Richtung zu lenken. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass kleine Wünsche, die man niemals ausleben kann oder die immer nur unterdrückt werden, anwachsen und sich schließlich mit einem riesigen, pathologischen Druck entladen. Welcher Mann geht schon freiwillig zum Psychologen? Wann redet man schonmal mit guten Freunden über die eigenen sexuellen Bedürfnissen? Und in wievielen Ehen diese Welt ist Sex nur noch eine nicht vorhandene Begleiterscheinung? Und die Priester erst selbst! Sie haben sich von der Sexualität, als angeblich schmutziges Beiwerk des Menschen frei gemacht und wollen darauf verzichten. Dass dies aber mitunter nicht so einfach geht, wie die Bibel-Bilderbuch-Moral uns das weismachen will, wird vergessen.</p>
<p>Die Sexualität ist hier mit der Aggression zu vergleichen, beides elementare Triebkräfte des Menschen, die vielleicht zu den größten Tabuthemen einer „aufgeklärten“, aber leider auch neurotischen und seelisch nicht immer ganz gesunden Gesellschaft gehören.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.ja-blog.de/2010/03/moral-und-anti-moral/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

