image_pdfimage_print

Leben & Tod

Passende Musik: Klaxons Twin Flames

und Echoes

Leben

Da ist noch diese kurze Hoffnung.
Ein kleiner Funke, an den ich mich halten kann.

Ein kleiner Strahl aus Licht, der die 20 km durch den Tunnel gekrochen ist.

Es hilft mir, länger zu leben.
Aber hilft es mir auch, zu überleben?

Ich halte mich fest. Es geht kaputt.
Ich schöpfe Hoffnung. Dann ist sie weg.

Die Bitch hat mich enttäuscht. Die Kollegen waren blöd.
Das Geld ist weg.
Die Wohnung leer.

Da ist nichts, auch kein Leben mehr.

Warum sollte ich dann leben?

Wo ist der Sinn?

Tod

Lebendig oder tot?

Es spielt keine Rolle.

Finsternis zieht die Seele herunter.
Es scheint die Sonne, aber ich spüre es nicht.
Das Essen schmeckt wie Pappe.
Nichts macht Spaß.

Dann wieder diese tiefe Traurigkeit.
Wie eine Welle, die alles fort reißt.
Nicht nur eine Welle, nein ein ganzer Ozean aus Tränen und Schwermut.

Ich bin mittendrin. Da ist ein Strudel. Ich habe Angst.
Kein Ausweg. Kein Sinn. Nur das große Nichts.
Leere. Angst. Freiheit.

Ich habe die Freiheit zu wählen.
Das Leben zu beenden.
Einfach Schluss zu machen.
Oder mich weiter zu quälen.

Die anderen werden es nicht verstehen.
Es ist auch egal.

Danach – gibt es kein „Warum“, kein „Dadurch“, kein „wann“ mehr.

Todessehnsucht. Kein anderes Gefühl.
Nur dieses Bewusstsein, dass das mein Weg ist.

Schon in kurzer Zeit. Dann macht es „peng“. Und ich habe es geschafft.

Podcast: Leben und leben lassen

Neuer Podcast ist da:

Es geht hier um die Frage nach der Einstellung „Leben und leben lassen“. Ich mache mir Gedanken, wie ungenau Sprache eigentlich ist und wie sehr sie von jedem Menschen individuell interpretiert wird. Damit entstehen auch schnell Missverständnisse. Ich frage mich selbst, wie ich mit Kritik umgehe und warum ich kein „großes und erfolgreiches Blog“ habe- was (vermutlich) wiederum zu mehr Gegenwind und Kritik führen würde.

Was macht eigentlich glücklich? Wie kann man Toleranz im täglichen Leben üben und warum macht das frei?

Darum geht es in diesem Podcast. Viel Spaß beim Hören! (Das Gähnen vom Anfang hört später auf- sorry war schon nach 0 Uhr gestern)

Spielbrett

Manchmal fällt der Würfel auf die eine Seite, manchmal auf die andere.
Manchmal hat man Pech, dann fällt er immer auf die „Eins“.
Oder auf die „Zwei“.
Wenn denn das Unglück bedeutet.
Manchmal können auch der Überfluss, also die großen Zahlen, Pech bedeuten.
Es hängt immer von der Perspektive ab.
Direkt mit dem Auge auf der Tischplatte, von der Seite gesehen?
Oder 200 Meter weg, mit dem Fernglas?
Da erscheint alles klein.

Der Würfel ist unbestechlich.
Er wird geworfen. Manchmal nur geschoben. Manchmal nur gestrichen.
Manchmal einfach los gelassen.

Wie du auch willst. Du bist beim Spiel dabei. Gewürfelt werden muss immer.
Solange du noch würfeln kannst, lebst du noch.

Andere werfen auch ihre Würfel. Drehen sich im Kreis. Spielen immer das gleiche Spiel.
Das ihnen niemals langweilig wird. Das nur durch neue Spielfiguren aus dem gleichen Spielkasten neu aufgefüllt wird.
Man könnte ja auch mal das Spiel wechseln.

Aber das wäre zu anstrengend. Das kostet Kraft.
Keiner kennt die Regeln. Unbekanntes Terrain.
Lass uns lieber das spielen, was wir schon kennen.

Ein Level weiter

passender Song „Love will come through“ von Travis

Manchmal schreiben sich Drehbücher von ganz alleine. Man muss nur die große, schwere Tür zum Leben aufstoßen und den anfangs kalten Wind hinein lassen. Mit der Zeit, wie er so den Staub der alten Gehirnzellen und die lieb gewordenen, aber träge und schlapp machenden Gewohnheiten aufwirbelt, bringt er mehr Licht in das von Asche und Dreck zugeworfene Bild des Lebens…dann hält man diese Tür noch ein wenig weiter auf, schaut, was das Leben so hinein bläst. Freut sich über die eine oder andere Zeile, die mehr geschrieben wird, die völlig von selbst auftretenden Wendungen und unerwarteten Ereignisse. Wie die Spannungskurve steil nach oben schnellt, nur um kurz vorm Ziel noch nicht ganz aufzuschlagen. Eine bibbernde, vibrierende Spannung die den Atem flach hält und den Blutdruck stabil, über Normal-Null.

Plötzlich, in einem Moment, wird alles ganz klar, es sind nur ein paar Millisekunden, eine einzige Entscheidung, die alles verändern kann. Es ist, als ob plötzlich jemand auf den Lichtschalter gedrückt hat oder ein Trainer am Spielfeldrand ganz laut „Los“ ruft. Plötzlich laufen wir los, ein Zucken geht durch unseren Körper und ein kalter Schauer jagt uns den Rücken herunter. Das Adrenalin strömt durch den Körper und die Gefühle sind alle in einer Linie und auf vollem Impuls.

Wir sind jetzt ganz frei. Ganz klar und bei vollem Bewusstsein. Das Leben. Die Liebe, das schönste aller Gefühle.

Wir fühlen uns vereint und bei klarem Verstand. Verstehen die Welt plötzlich intuitiv. Es strömt in uns hinein und weil wir menschlich und anfällig und sensibel sind, können wir uns dagegen nicht mehr wehren. Dann strömt es wieder hinaus und wir werden süchtig nach diesem Stoff. Worte und Begriffe haben sich aufgelöst und wirken seltsam und ungewohnt machtlos.

Das Buch schreiben ist keine Arbeit mehr für bleiche Philosophen, die nie ihre Wohnung verlassen. Wir schreiben plötzlich die Hauptrolle, denn wir sind in die Hauptrolle geschlüpft! Wir brauchen nur das leere Buch aufzuhalten und zu warten, wie die Zeilen auf das Papier purzeln. Die Rolle verschmilzt mit unserer eigenen Persönlichkeit und in einem großen magischen Wandel aus zuckenden Blitzen wachen wir eines Tages auf und erkennen uns nicht mehr wieder.

Die Stimme verändert sich, der Körper verändert sich, das Denken verändert sich, das nächste Level wurde erfolgreich geladen.

Was bringt uns diese neue Welt? Welche Geheimnisse werde ich nun ergründen können? Nur der Autor des Spiels kann es bestimmen. Regie führen fremde Gestalten und Mächte, die mir nicht gehorchen. Sie lächeln mir zu, als sie mir die seltsamen Labyrinthe der Unergründlichkeiten vors Gesicht halten und sie freuen sich, wenn ich das Ganze nicht verstehe. Aber alles ist real, ein neues Laden nicht möglich. Jede Entscheidung zählt und die Sinne sind voll gefragt. Aber versagen, verlieren kann man nicht.

Nicht, wenn man sich unsterblich fühlt und zumindest die Grundlagen verstanden hat…

Zu leise gesprochen

und zu laut gedacht

> Wie wenig der menschliche Körper und vor allem die Seele nach den herkömmlichen Maßstäben der Mechanik und der uns bekannten „Logik“ funktioniert… darüber denke ich gerade nach, während der Feierabend langsam durch das Fenster fällt und die Müdigkeit die Augenlider schwer werden lässt.

Die Technik denkt in „Batterie“-Maßstäben- die Batterie des Handys ist morgens aufgeladen und abends ist sie leer. Beim Mensch kann sie aber auch schon mittags leer sein oder man verliert gleich das ganze Ladegerät. Der Computer denkt in Download-Fortschritt, in schönen, übersichtlichen Fortschrittsbalken, die sich bis 100 Prozent erfüllen müssen, bis der Task abgeschlossen wurde. Fast immer kommt die Maschine dahin. Und wenn sie fertig ist, sagt sie gleichmütig „der Nächste bitte“.
Beim Menschen erreicht man manchmal die 50 Prozent nicht und was ist dann: „Der Auftrag konnte nicht ausgeführt werden“ oder gar ein „unerwarteter Ausnahmefehler“, ein Bluescreen? Anstatt brav den nächsten Auftrag anzunehmen, hält er inne und verhält sich ganz und gar nicht maschinell. Ein paar kryptische Zeichen in den Augen, ein Fragezeichen über dem Kopf… beim Computer gibt es zum Glück den Neustart, der Mensch aber muss sich ohne diesen durch den Tag schleppen.

Das Auto hat bei einer Panne noch einen Ersatzreifen im Kofferraum, beim Mensch fehlt manchmal die Luft…der Schlüssel zum Kofferraum oder gleich die passende Werkstatt.

„Zu leise gesprochen“ weiterlesen

Die Fülle des Lebens II

Während der Sonntagmorgen-Kaffee noch gemütlich in seiner Tasse vor sich hindampft und hin und wieder von mir in kleinen Portionen genippt wird (heiß!), denke ich über das Weltbevölkerungsproblem nach und was es für uns bedeutet.

Vor ein paar Jahren habe ich in einem Buch vom Dalai Lama gelesen (der sich auch sehr für die Lage der Welt interessiert und interessante Meinungen dazu hat), dass es mit das drängendeste Problem für die mittelnahe Zukunft sein wird.

Warum ist das so? Ich denke, z.B. auf Grund der knapper werdenden Ressourcen.

Im Wikipedia-Artikel steht, dass es vor 75.000 Jahren nur noch 1.000 bis ca. 10.000 Menschen auf der gesamten Erde gegeben hat, auf Grund eines schweren Vulkan-Ausbruchs.

Das war so etwas wie der historische Tiefstand und was wir heute erleben, ist so etwas wie der historische Höchsstand und es wird wohl noch immer weiter gehen. (Grafik )

Wenn nur 10.000 Menschen auf der Erde leben, können sie sich alles aussuchen: Wenn sie einen Baum fällen, juckt es niemand und ähnlich wie die Indianer in den Wäldern mancher amerikanischen Kontinente können sie soviel jagen wie sie wollen und die Bestände erholen sich immer wieder (nachhaltige Wirtschaft). Bei ca. 7 Milliarden Menschen sieht es aber ganz anders aus: 7 Milliarden Menschen brauchen deutlich mehr zu Essen, was zu intensiver Landwirtschaft, zur Überdünung des Boden, zum Flächenverbauch und Umweltschäden führt. Der gestiegene Lebensstandard, die Ausstattung mit Luxus- und Konsumgütern, aber auch die Dinge des täglichen Lebens müssen alle hergestellt werden. Je höher der allgemeine Lebensstandard, desto mehr Autos werden gefahren und Kühlschränke gekauft. Dazu braucht man Unmengen an Material und Energie. Schon jetzt werden die fossilen Energieträger knapp oder künstlich knapp gehalten, die Erdtemperatur steigt auf Grund des CO2-Ausstoßes, die intensive Fleischwirtschaft führt zu Lebensmittelverknappung (oder Verseuchung) und einen hohen Methan-Ausstoß, z.B. bei Rindern (( die These ist allerdings umstritten, mehr Hintergrundinfos z.B. hier )).

Handel und Spekulation auf Lebensmittelpreise führen zur Überteuerung der wichtigen Rohstoffe wie z.B. Getreide, dazu kommt dass auf Grund des hohen Energiebedarfs z.B. Raps oder andere Biosprit-taugliche Pflanzen angebaut werden, die wiederum die Flächen für die Ernährung „verdrängen“. Hunger und Armut ist für viele Menschen schon heute ein derart grausamer Alltag, dass wir uns in der reichen EU noch nichtmal ansatzweise vorstellen können. Armut führt zur Flucht und Massen-Emigration aus den Heimatländern in reichere Regionen, was man heute schon ansatzweise an Hand der Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer oder der griechischen EU-Außengrenze beobachten kann.

Das ganze Thema ist wirklich komplex und ich könnte bestimmt noch tausende weitere Zusammenhänge überlegen und ausführen. Klar ist aber, dass das Thema Überbevölkerung und Umweltschutz ein wichtiges Thema sein wird, vor allem für alle Menschen. Ich denke, es wird kaum möglich sein, dass nationale Agendas über dem Interesse der gesamten Bevölkerung stehen können. Man sollte wirklich anfangen, global zu denken und sich als eine „Menschheitsfamilie“ zu betrachten.

Wenn wir alle letztendlich auf die 10.000 Menschen zurückzuführen sind, die sich damals im Einsatz ihrer letzten Kräfte vor dem Vulkan gerettet haben, wie können wir dann noch sauer auf unsere Mitmenschen sein oder uns von ihnen abgrenzen? Wenn sie damals nicht alles gegeben hätten, würde es uns heute gar nicht geben.

Aber dennoch, wenn ich nochmal an den übervollen Möbelmarkt von gestern denke, wie ist bei sovielen Menschen Freiheit und psychische Gelassenheit möglich? Die Enge führt automatisch zu Streß und Aggression und diese schwappt leicht über. (zu beobachten z.B. auf Autobahnen: Wenn es leer ist, fahren die Leute gelassen und ruhig und bei einer bestimmten Verkehrsdichte nimmt auch die Aggression deutlich zu).

Die herkömmliche Vorstellung von Freiheit muss überdacht werden:

Freiheit bedeutet für viele Individualität und Abschottung vor dem anderen.

Konsum und der Erwerb von Dingen beschert uns ein bequemes Leben, die gesundheitlichen und anderen Risiken werden von Versicherungen und Geldwerten abgesichert. Wir brauchen die Bande der sozialen Beziehungen nicht mehr so stark, und wenn wir mit einem Konflikt nicht mehr klar kommen, halten wir es für sinnvoller uns zu trennen (Scheidung) oder die Beziehung zu beenden, weil sie unbequem geworden ist (Freundschaft).

Wir halten uns normalerweise für frei, wenn wir alleine sein, wenn wir viel Platz um uns haben, wenn uns keiner stört, wenn sich unsere Gedanken und Taten ungehindert entfalten können. Das ist wohl die moderne Vorstellung von Freiheit eines „aufgeklärten“ Menschen im postindustriellen Zeitalter.

Ich würde aber weiter gehen und sagen, erst wenn eine bestimmte Harmonie mit uns selbst und der Umwelt besteht, können wir uns als frei betrachten. Bei sovielen Menschen ist es kaum möglich, nicht eines Tages in den Weg eines anderen zu laufen, wenn man recht überlegt, ist das sogar eher die Tagesordnung. Wir ständig von anderen Menschen umgeben, müssen uns ständig mit ihnen beschäftigen. Wir profitieren zwar auf der einen Seite von ihnen, aber die Probleme mit ihnen würde wir gerne verdrängen.

Ich staunte daher über die Leute gestern im Möbelmarkt: Obwohl es übervoll und tlw. echt unangenehm eng war, hatten die Menschen gute Laune und man wurde ständig angelächelt. Die Menschen (inklusive meiner selbst) fühlten sich in der Masse wohl. Man reibte sich Arm an Arm und Schulter an Schulter, aber doch hat sich keiner darüber beschwert. Obwohl es soviele Menschen waren, waren alle gleich und respektierten sich gegenseitig. Kein Hass, keine Panik, nur der übliche Streß, der in solchen Einkaufssituationen üblich ist.

Ich möchte das gerne (gedanklich) auf die Gesamheit übertragen können: Miteinander friedlich auf der Erde zu bleiben, könnte möglich sein. Es kommt aber sehr auf die Einstellung an. Und dass ein jeder an der Fülle und den Schätzen des Lebens teilhaben kann.

Die Fülle des Lebens

Frühling! Sonne in allen Ecken. Menschen in Massen. Autos in Reih und Glied. Es wird gehupt und gedrängelt. Hektik und Streß, Getümmel und dazwischen thront unerschütterlich die gute Laune. Positives Denken! Veränderung!

Ein Schelm wer meint, geradeaus gehen zu können. Fülle. Dichtheit und Einschränkung des persönlichen Raums, Warten in Schlangen, Gedränge. Massenkonsum. Dreckige Toiletten und nicht funktionierende Waschbecken. Trocknungspapier fehlt.

Streitende Eheleute und weinende Kinder. Mittelkleine und mittelgroße Versionen der gleichen laufen kreuz und quer oder werden wahlweise über den Lautsprecher ausgerufen, Mütter unterhalten sich munter plaudernd mit anderen. Eine volle Rolltreppe. Durchschnittsalter 35. Passt, hier bin ich unter gleichen, hier bin ich richtig. Die Marktforschung hat mich erwischt, die Werbung hat gewirkt. Wagen bis oben hin gefüllt. Ist heute Weihnachten? Nein, besser: Winter-Schlussverkauf.

Die Augen sind wieder schärfer als sonst, die Laune wieder oberhalb der imaginären Null-Linie. Das Gröbste ist überstanden und neue Hoffnung macht sich in allen noch so verstaubten (Gehirn/ Schrank-)Nischen breit. Das neue Jahr rast, braust, nein stürmt wie der Wind in die Seele der winter-geplagten Menschen.

Abends Tee und Entspannung am PC, der Tag schwankt noch etwas unter den Füßen, aber die Gedanken lichten sich schon bald. Die letzten Krankheitserreger werden abgewehrt und neue Kraft strömt in den Körper. Hände waschen nicht vergessen!

Aufbruch! Emotionaler Frühling? Nicht wirklich, aber so eine kleine Vorstufe davon.

Dazwischen ich, etwas müde, aber guter Dinge. Für das Blog war es die letzte Woche zu hektisch, aber ich hoffe, alles (inkl. der Diskussion und Kommentare) nächste Woche nachholen zu können.

Und nicht vergessen: 6,9 Milliarden Menschen auf der Erde, davon gefühlte 2 Millionen mit mir im Möbelmarkt.

Morgen wird geschraubt.

Verrückter Trubel-Dienstag

Jugendfreigabe: Dieser Text ist ab Null Jahren freigegeben. Ein wenig mitdenken und ein Blick für die Gesamtheit kann helfen, diese Zeilen zu verstehen. Unter Umständen muss man sich dafür anstrengen. Kinder dürfen das aber ruhig lesen. Erwachsene auch.
(mehr Infos zum Thema
JMStV hier )

Passender Song „Gebrünn Gebrünn
by Paul Kalkbrenner

Sonne im Gegenlicht
Sonne im Gegenlicht

Wow was für ein Tag! Neben dem verrückten und sehr kalten Wetter haben sich die Ereignisse mal wieder überschlagen. Ich hatte heute einen Tag nach meinem Geschmack, einen Tag voller Kommunikation und externer Erlebnisse. Es sieht so aus, als ob es nun mit einem Mordstempo auf den Jahresendspurt zugeht. Alles ist in Wandel, alles ist in Veränderung. Diese Tage vergehen schneller als die anderen. Sie sind intensiver, erlebnisreicher, aufregender. Es ist kalt, doch ist das Herz voll Wärme.

Im Supermarkt haben die Leute eingekauft wie verrückt. Mütter mit Kindern, die hektisch durch das Gewühl gefahren sind und dabei ihren Einkaufswagen zu 150 % vollgeladen hatten. Über-Mensch-große Adventskalender, Schleckereien, Geschenke, Regale mit Süßigkeiten und Weihnachtsgebäck, soweit das Auge reicht. Eine eigene Weihnachts-Deko-Abteilung, Sonderangebote, Medien- der Supermarkt war mal wieder voll mit Attraktionen. Es fällt manchmal schwer, die Übersicht zu behalten. Aber muss man das immer? Kann man sich nicht auch einfach mal fallenlassen und das Leben einfach leben, so wie es kommt?

Ich habe sogar eine „Freundin“ getroffen, eine mir bekannte Frau, die ich mal auf einer Konfirmation eines Art „Patenkindes“ getroffen habe. Sie ist sehr nett und war auch mit ihrem Mann einkaufen. Ich habe mich gefreut. Spontan treffen, spontan quatschen und sich sympathisch finden, ich finde das eigentlich unersetzlich und es könnte mir ruhig öfters passieren. 😉

Dann habe ich heute abend ein sehr gutes und langes Telefongespräch mit einer mir wichtigen Person gehabt, zwischendrin noch ein paar Mails geschrieben und alles in allem, was es sehr erfüllend. Abends gemütlich auf der Couch liegen und die neue „Kalkbrenner“ hören- es könnte immer so perfekt sein.

Geschichten aus dem Kindergarten

Zurück aus dem Urlaub, dem kleinen Städtetrip nach Hamburg, der eigentlich keine richtiger Urlaub war. Kaum zurück, finde ich mich kaum im eigenen Haushalt zurecht, so schnell stellt sich der Mensch um. Der Kaffee schmeckt viel zu süß, weil ich mir im biologisch sinnvollen und ernährungstechnisch optimierten Haushalt angewöhnt habe, weniger zu nehmen. Und Rohrzucker schmeckt bekanntlich „bääh!“. (Mir zumindest)

Das eigene Bett ist erstaunlich weich und bequem, fast ein bisschen zu komfortabel, wenn man das mit der 6 cm dicken Reise-Klapp-Matratze vergleicht, auf der ich die letzten Tage meine Nächte verbracht hatte. Und ja, das war ein Kampf, ein Kampf gegen die eigene Natur, gegen die Untiefen und raue Gegenwinde der Seele, gegen die eigene Schwere und die nässende Bequemlichkeit des „normalen“ Alltagslebens.

„Geschichten aus dem Kindergarten“ weiterlesen

Aufsprießender Blogfrühling

Jetzt ist er also endlich da, der Frühling. Lange hat´s gebraucht, geschätzte 24 Jahre haben wir im tiefsten Winter verlebt. Uns gegen Eis- und Schneemassen gewehrt, die Kälte ertragen, Krankheiten durchfochten, Winterspeck auf- und später wie abgebaut. Stollen gegessen, Weihnachten mit der Familie gefeiert, uns über Weihnachtshasser- und Ignorierer gewundert, gebloggt, getwittert, was das Zeug hält. Und irgendwie berührt mich alles nicht mehr.

Anfang Februar hatte ich noch Vorfreude auf den Frühling, ach im Dezember ging´s mir sogar super! Dann, mit jedem Tag erwartungsvoll an den Himmel geschaut und dann festgestellt, dass hier irgendwas nicht stimmt und mich bibbernd wieder nach drinnen verzogen. Und das hat alles so lange gedauert, dass ich mich fühle wie eine grimmige Bärin im Winterschlaf, die gerade aus ihrer Höhle kriecht und ein wenig mürrisch ihr eingedrücktes Fell aufschüttelt, die wärmere Luft schnuppert aber mental noch nicht ganz auf der Höhe ist. Nur der Appetit, der ist schon wieder da. 😉 Roar!

Ich weiß einfach nicht mehr, wie das ist, Sommer! Frühling, warme Luft, Leben, Liebe, draußen grillen.. lange Abende, körperliche Wohltaten, in Seen schwimmen, mit offenem Fenster Auto fahren, das Fahrrad rauskramen, sich bewegen…

Mit Menschen kommunzieren, lachen, Partys feiern, wenig an haben und unbeschwert leben. All das assoziere ich mit Frühling und mit Wärme. Frühling ist das erwachende Leben. Winter ist der Rückzug, in manchen Interpretationen auch der Tod, die dunkelste Zeit, der Rückzug in die eigene Untiefe der Seele.

Mein Gesichtsfeld hat sich im übertragenen und im direkten Sinn verkleinert: Durch das viele Abhängen am Computer, durch das viele Lesen, usw. sind meine Augen über den Winter schlechter geworden und ich werde mir demnächst eine neue Brille kaufen müssen. Aber auch mein Denken ist kurzsichtiger, eingleisiger und enger geworden. Die ewig gleichen Abläufe haben einen Grauschleier im Denken hinterlassen, an manch Gehirnwindung hat sich jetzt Dreck und Staub abgelagert. Manches Denken wurde arg eindimensional, vielleicht am Ende so platt wie der Bildschirm, vor dem ich so gerne sitze.

Hier hilft nur eins: Den Staubsauger herauskramen, bei Bedarf auch laute Musik und einmal gründlich drüberpusten!

Das Telefon ist still. Macht keinen Mucks.

Menschen melden sich selten, wenn man sich nicht bei ihnen meldet. Passivität bedeutet in unserer Gesellschaft immer Verlust, Stillstand und vom sozialen Leben ausgeschlossen zu werden. Das aktive Leben in unserer Gesellschaft gehört den Tüchtigen. Wer viele Termine, wer Streß hat und immer „in Action“ ist, gilt als gesund. Klar, derjenige hat keine Zeit zum Denken o. Philosophieren, ist in Bewegung, wird bewegt, lebt in Berührung mit dem Leben, verdient vielleicht Geld, hat Reize, Anregungen, Input. Eine Arbeit zu haben, bedeutet sozial integriert zu sein.

Viel hat man in den letzten Wochen über die Arbeitslosen geschimpft. Menschen, die es ohnehin schon schwer haben, die getrennt von dem sozialen Strom der Zuneigung, von Wertschätzung, von verdientem Geld, Sicherheit, Freunde am Arbeitsplatz, und Aktivitäten am Feierabend leben, hat man zum Opfer, nein zu den Schuldigen gemacht. Diese Denkweise ist im Grunde pervers. Sie ist genauso pervers wie die vielen Fälle des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen, die in den Nachrichten vermeldet wurden. Dieses Denken verdreht die Schuldzuweisung, denn Schuld sind meistens die Mächtigen, die den weniger Mächtigen die Ressourcen wegnehmen und die Ungerechtigkeit durch Taten und Nicht-Taten vergrößern. Erst kommt das Fressen und dann die Moral…

Überhaupt scheint unsere Gesellschaft mal wieder geistig und auch materiell ärmer zu werden. Wenn man die Medien verfolgt, gibt es zur Zeit wenig Tendenzen in die richtige Richtung. Neben den bereits angesprochenen Themen wären da: Die Zunahme der Waffenexporte der BRD (von 5 auf 10% Weltanteil gesteigert), das Gerede über die Wiederaufnahme von Gorleben (aller Proteste zum Trotz), oder die Abnahme des Wohnungsbau und die Tatsache, dass Deutschland im privaten Wohneigentum ganz hinten in der EU rangiert. Immer schön alles streichen, was den Menschen ein Leben in materieller Unabhängigkeit ermöglichen könnte … denn wir brauchen die Sklaven um die anonyme und teils sehr gefräßige Maschine Staat am Leben zu erhalten.

Dann die ständigen Querelen der regierenden Parteien: Korruption, Vertuschung, Verschleierung, egoistische Kleinkriege, Grabenkämpfe, Vorurteile.. wenn man die Medien jeden Tag mitverfolgt, könnte man der Meinung sein, es gibt nur noch Schlechtes auf der Welt. Manchmal würde ich gerne die ganzen „schlauen“, aber emotional so armen Zeitungen nehmen, zerknüllen und ein Feuer für die emotionale Kälte machen, die um sich gegriffen hat…

Wo ist Gott bei all dem? Hat es nicht geheißen, Gott ist der Gott der Liebe, der Mitmenschlichkeit, der Wärme und Geborgenheit? Wo ist dieser liebende Gott bei all dem? Natürlich, die Atheisten sagen jetzt, es gibt keinen Gott und sie drängen ihn an die Wand oder vergessen ihn. Der Mensch ist schlecht, das zeigen uns die Medien jeden Tag. Es gibt keine „übernatürliche“ Macht, die plötzlich eingreift, und jeder ist sich selbst der Nächste. Der Mensch hat sich vom Glauben, vom Guten und von der Hoffnung auf ein besseres Leben befreit. Stattdessen hat er wieder seine ur-darwinistischen Überlebenstheorien an die oberste Spitze gestellt. Aber- mit welchem Resultat?

Deutschland ist nach wie vor eine sehr starke Export-Nation, was unter anderem damit begründet wird, dass die Arbeitsmarktregelungen und andere Reformen gut auf die Krise reagiert haben. Aber was hat man in den letzten Jahren denn gemacht? Man hat das Credo „Leistung“ und wirtschaftlichen Erfolg solange über alles gehängt, und versucht ständig den Bürgern noch mehr Geld wegzunehmen und vergrößert die Schere zwischen arm und reich. Ist dieser wirtschaftliche Erfolg denn so wichtig, dass wir alles andere dafür opfern müssen? Macht das glücklich? Ist da ethisch? Oder wem oder was dient dieses extreme Denken eigentlich? Für mich ist all das der Schritt in die falsche Richtung. Jeder, der ein wenig darüber nachdenkt und noch ein Funken Moral oder menschliche Gefühle in seinem Herz trägt, wird zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Es sieht derzeit nicht so aus, als ob es irgendeine Gruppierung gäbe, die in eine andere in eine gesündere, nachhaltige Richtung einschlagen würde. Es gibt noch nicht mal viele Einzepersonen, die so denken und von einer großen Masse ganz zu schweigen.

Nein, der Frühling ist gut geeignet, um die Hämmer und Leitern am Blog hervorzuholen und mal wieder an der Baustelle Welt und an der Nebenbaustelle Gerechtigkeit zu werkeln.

Man sieht, der Frühling hat auch seine guten Seiten und es ist schön, dass er endlich da ist!