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Behutsame Worte

Aus der Reihe: „Er und sie“

Wenn ich an Dich denke, dann schüttelt es mich.
Ich will Dir eigentlich nicht schreiben. Ich bin schüchtern und habe Angst.
Ich will Dir nicht zeigen, was ich fühle oder wer ich bin.
Aber du machst es mir nicht leicht. Du sagst nichts und schweigst nur.
Andere müssen die Initiative ergreifen. Du wählst dann ruhig aus, was du sagst.
Du prüfst die Menschen mit deinem abschätzenden Blick. Bis sie sich endlich offenbaren.

Du bist kühl und reserviert und ich bin hitzig und aufgeregt.
Wer macht wohl den ersten Fehler? Wer zeigt Schwäche in diesem Spiel?

Ich weiß schon jetzt, bei Dir kann ich nur verlieren.
Ich verliere meine Seele und mein Herz an Dich. Und am Ende zerbröselt der Verstand.
Ganz leise, aber immer mehr ziehst du mich an.
Ich kann Dir nicht widerstehen.

Es ist etwas zerstört worden. Und ich hab die verdammte Pflicht, wieder etwas aufzubauen.
Ganz egal, um welches „Feld“ es dabei geht. Ob jung oder alt, ob in der Mitte des Lebens oder an den Rand gedrängt. Es gibt eine Verbindung zwischen uns, die sehr wichtig ist. Und darauf baut alles andere auf.

So wie die zu wenig gesagten Worte zuviel zerstört haben,
so muss ich jetzt dafür sorgen, dass das richtige zur richtigen Zeit behutsam ausgedrückt wird.

Mit einer einzigen Zeile kannst du ein Leben zerstören.
Und mit den richtigen Worten zwei retten.

Podcast: Bilderbogen Instagram

In diesem Podcast geht es um meine Erfahrungen mit dem Bildernetzwerk „Instagram“. Ich mache mir Gedanken, wie das Feedback von anderen unseren Selbstwert und damit unser Handeln beeinflusst. Was findet man eigentlich auf Instagram? Welche Inhalte soll ich selbst posten? Und was ist das besondere an der internationalen Kommunikation, die dort stattfindet?

Nehmen und Geben

Einatmen und ausatmen. Konsumieren und selbst gestalten. Zuschauen und nachmachen.
Geld einnehmen und ausgeben.

Sich die Sorgen der anderen anhören und über die eigenen Sorgen sprechen.
Essen zu sich nehmen und Essen von sich geben.

Dem Krach Zuhören und selber schreien. Etwas schönes empfinden und andere streicheln…
Ein Bild anschauen, sich darüber freuen und dann selbst etwas malen.

Es bildet sich eine Einheit oder ein Gleichgewicht, wenn man die Brücke dazwischen überwindet… ganz natürlich eigentlich.

Eine Störung kann eigentlich nur auftreten, wenn etwas davon einseitig passiert. Also wenn man nur einatmet, aber nicht ausatmet. Wenn man nur Kalorien zu sich nimmt, aber keinen Sport macht. Wenn man nur anderen zuhört, aber nicht mehr über sich selbst sprechen kann.

Wenn man nur Fernsehen schaut, aber darüber nichts sagt, nicht redet und keine eigene Meinung „postulieren“ kann.

Es gibt viele Leute, bei denen ist dieses Gleichgewicht aus Nehmen und Geben etwas gestört, bzw. im Ungleichgewicht: Leute, die nur geben, die sich verausgaben aber nicht an sich selbst denken.

Oder Leute, die nur reden und reden wie ein Wasserfall, aber anderen nicht zuhören können.

Oder Leute, die nur Reichtum anhäufen, aber vergessen, das ganze wieder auszugeben und in den Kreislauf des Lebens zurückzugeben.

Es gibt viele Leute, die nehmen und halten alles für selbstverständlich: Die Lebensmittel, die Straßen, die Arbeit der anderen, das Gesundheitssystem, die Rente, die Polizei, das Wasser-Angebot, die Ordnung und die schönen, neuen gepflanzten Blumen am Wegesrand- aber sie geben nicht. Wollen keine Steuern zahlen, fühlen sich nicht verantwortlich, nehmen nur.

Der Weg zum Kriminellen ist nicht mehr weit : Auch der nimmt nur anderen etwas weg, ohne jemals zu geben. Spionage-Dienste und Hacker nehmen anderen ihre Daten und klauen ihre Identität, geben aber nichts von sich selbst preis. Der Internet-Troll zerstört die Kommunikation von anderen, kann aber selbst nichts produktives herstellen.

Daher ist es im Rahmen einer Religion (aber auch einer Ethik) so wichtig, über das „Geben“ nachzudenken. Es ist für die meisten etwas schwieriger zu erreichen als das „Nehmen“.

Besonders deutlich wird das auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen: Wir erwarten oft, dass der andere den ersten Schritt macht, erwarten, dass er etwas „gibt“ und wollen nur nehmen. Wir sitzen einsam und enttäuscht in unserem Zimmer und fragen uns, warum uns niemand etwas gibt…

So können Kontakte aber nicht funktionieren. Im Grunde basiert jede Freundschaft, jeder Kontakt auf einem aktiven Geben und einem Vertrauensvorschuss, den ich anderen quasi als Kreditgeber „gebe“…

… auch wenn ich schon weiß oder ahne, dass evt. nichts mehr zurückkommt und ich auf meinem investierten „Mitgefühl“ sitzengeblieben bin. Dieses Risiko muss man einfach eingehen. Denn meistens kommt deutlich  mehr zurück, als man eingesetzt hat.

Wenn man genau überlegt, kann die Welt nicht ohne diese beiden Elemente existieren. Weder nur aus dem „Nehmen“ heraus, noch nur aus dem „Geben“ heraus.

Kommunikations-Erfahrungen: Beispiel Ebay

Oder: Das menschliche Gefühl kauft mit.

Ebay ist eigentlich eine tolle Sache und sollte jedem halbwegs erfahrenen Internet-Nutzer mittlerweile bekannt sein. Man stellt seine Artikel zu meist niedrigen Gebühren ein und trifft auf eine große Kundschaft, selbst für Artikel, die man auf einem normalen Flohmarkt niemals verkaufen würde. Durch die Unterscheidung zwischen „Geboten“ und „Sofort-Kaufen“ findet man schnell das richtige Format für die eigenen Verkäufe.

Auch für Kunden ist es eine tolle Sache. Bei bestimmten Artikeln sind regelmäßig tolle Schnäppchen drin. Ich habe mich hierbei auf gebrauchte Bücher und andere Medien spezialisiert, die man wirklich „hinterher getragen“ bekommt. Ältere Musik-Alben für einen Euro, komplizierte Fachbücher über Programmiersprachen (500 Seiten, Neupreis 60 Euro gebraucht für 1 Euro), Fabrikverkäufe und Großposten (z.B. bei Kleider oder Wäsche)- all das macht Ebay sehr reizvoll. Dazu kommt die riesige Auswahl und dass man alles auf einer Seite hat und sich nicht von Händler zu Händler klicken muss. Die Sachen bekommt man geliefert und spart sich die Parkplatz-Suche, den Streß im Feierabendverkehr und die allgemeine Unruhe im Laden, die oft dazu führt, dass man vorschnell kauft, aber nicht immer genau das passende „erwischt“.

In den Klamottenläden rieselt oft die Musik und beraten wird man meist auch nicht so gut- warum also nicht online bestellen und bei Bedarf das 14- tägige Rückgaberecht in Anspruch nehmen, wenn die Hose irgendwo zwickt?

„Kommunikations-Erfahrungen: Beispiel Ebay“ weiterlesen

Gewaltfreie Kommunikation

geschrieben zu Moby- Sweet Apocalypse und Coldplay Fix You

Über die „gewaltfreie Kommunikation“ habe ich in früherer Zeit schonmal geschrieben (hier und hier).

Ursprünglich darauf gebracht wurde ich durch den Buchtipp eines aufmerksamen Blog-Lesers vor einigen Jahren. Ich habe mir das Buch gekauft, durchgearbeitet und schaue immer mal wieder gerne rein.

Das Buch behandelt die Basis für unsere mitmenschliche Kommunikation, die Brücke oder Mauer zu unseren Mitmenschen, Quell für Glück oder Leid, das Mittel um uns unbeliebt oder einfühlsam werden zu lassen: Die Sprache.

Es ist ein Wissen, das man immer wieder auffrischen und in der Praxis anwenden muss. Obwohl die Theorie recht einfach ist, ist die Umsetzung schwierig. Zu sehr sind wir an alte Kommunikationsmuster gewöhnt und zu sehr hat uns eine in Machtstrukturen einseitig verteilte Welt gelehrt, dass die Sprache auch ein Mittel zum Kampf und zur Duchsetzung ist. Aber wie die Schwerter, können auch die Worte zu Pflugscharen werden… es liegt an uns, ob wir warten wollen, dass andere etwas tun oder ob wir nicht einfach selbst damit anfangen. Um das Gute zu realisieren braucht es Mut und Zuversicht, Vertrauen und Entschlossenheit. Das wirklich Gute ist in der Welt selten und versteckt sich meistens hinter dem Bösen. Prozentual und verallgemeinernd gesprochen ist das „Böse“ auf dem Vormarsch und die massenhafte Abkehr der Menschen von der Kirche (ohne an anderer Stelle Ersatz zu schaffen) belegt diesen Trend. Die Welt wird seelisch nicht gesünder, sondern eher kränker. Der Verbrauch von Psychopharmaka und der allgemeine Drogenkonsum steigen stetig an.

Konsum und Energieverschwendung haben uns zwar materiell glücklich gemacht, aber seelisch u. intellektuell viele offene Fragen hinterlassen. Auch die mangelnde Religiösität im Alltag, mangelnde Vorbilder und das Befremden, das wir z.B. vor einer fremden Kultur und einer festen Glaubenseinstellung haben, deuten darauf hin.

Ein Ausweg aus dem Dilemma kann die richtige Sprache sein. Mir ihr erschaffen wir unsere Welt. Gute Gedanken formen gute Taten, schlechte Gedanken formen schlechte. Kein Mensch schlägt auf den anderen grundlos ein, sondern immer nur, weil er vorher einen Grund gesehen hat. Weil er z.B. provoziert wurde. Weil man seine Bedürfnisse weder erkannt, noch befriedigt hat.

Obwohl wir sie ständig nutzen und ständig davon umgeben sind, denken wir selten bewusst darüber nach, was wir sagen und vor allem, wie wir es sagen. „Gewalt“ kommt zwar sichtbar selten vor (höchstens in Form von Beleidigungen, persönlichen Angriffen, Lügen, Unterstellungen, etc., die aber gesellschaftlich tabuisiert sind und daher umgangen werden müssen), aber doch ist die Sprache so komplex und läuft auf sovielen Ebenen ab, dass man den Gewaltanteil oft nur durch Umwege „entlarven“ und aufspüren kann.

Zum Beispiel kann schon eine eigentlich objektiv gedachte Analyse beleidigend aufgefasst werden, weil jedes Werturteil, das wir über die Welt stülpen, im Kern eine Verurteilung ist, die indirekt wieder aussagt, dass wir allein die einzige und beste Weltsicht haben und unser Gegenüber dafür nicht in der Lage ist. Wenn jemand z.B. Zahnschmerzen hat, sagen wir vielleicht analytisch „tut es hinten rechts weh? dann ist es der Weihsheitszahn. das würde ich schnell behandeln lassen. das sollte man schnell machen, weil man es sonst verschleppt. aber die Wartezeiten heutzutage beim Arzt, die sind unerträglich“. Der Mensch mit den Schmerzen wird hier wenig geholfen, anstatt sich seines Leides anzunehmen, wird ein Ratschlag gemacht und anschließend noch über das eigene Leid geklagt. Im Alltag mag das noch vertretbar sein, aber es gibt durchaus aggressivere Formen der Analyse und der Berurteilungen, die sich zwar auf der einen Seite „objektiv“ verpacken, aber im Kern eine Veruteilung oder eine Abwertung beinhalten. Ein aktueller Fall sind z.B. die Thesen von Sarrazin, die sich alle recht wissenschaftlich geben, aber im Grunde Volksgruppen diffamieren, d.h. ungerechtfertigt und unbegründet schlecht machen. Es ist gar nicht so schwer, die emotionale Botschaft hinter einer objektiven Aussage herauszufinden, meistens muss man sich nur auf die Zwischentöne konzentrieren, was wiederum leichter ist, wenn es gesprochene Sprache ist. Aber auch bei der geschrieben Sprache sind diese Verurteilungen, die sarkastischen Seitenhiebe und die Überheblichkeit in der Wortwahl gut zu spüren. All das schafft Leid und zwar unsinniges und überflüssiges Leid. Leid wiederum erzeugt psychischen Stress und dieser schadet unserer Gesundheit. Für unsere Mitmenschen, über die wir uns setzen wollen, aber am meisten für uns selbst. Denn je mehr wir über andere urteilen und je engstirniger wie werden, desto mehr wird auch über uns geurteilt und je mehr wir uns auf einen Streit einlassen, desto mehr werden wir davon „infiziert“.

Um also einem Streit zu entgehen, muss man zuallererst Abstand schaffen und sich erstmal selbst Mitgefühl geben. Dann kann man mit Hilfe der gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) nach den Ursachen suchen und angemessen menschliche Lösungen heraus filtern.

Eine ethisch korrekte Sprache („ethisch“ im Sinne eines lebensbejahenden Glaubensmodells, das das Gute in uns und anderen stärken soll) muss dabei auf viele Dinge Rücksicht nehmen. Im Wesentlichen geht es darum, dass wir ein Gefühl für unsere Bedürfnisse und die Bedürfnisse der anderen bekommen.

Die vierteilige Formel, die man sich dabei leicht merken kann lautet daher:

Beobachten, Fühlen, Bitten, Brauchen.

Wenn wir z.B. im Streit mit jemand sind, sollten wir zuerst BEOBACHTEN: Warum regt er sich so auf, welche Reaktionen werden gezeigt? Welche Worte werden gewählt? Wie ist der Hintergrund? Wie ist die körperliche Reaktion, wie viel Erregung steckt in der Stimme und mit welcher Leichtigkeit wird gesprochen? Wie sind die Worte angeordnet, warum hat er gerade das gesagt und nichts anderes? Auf welche Aussage von mir wurde Stellung bezogen und warum? Wie ist das persönliche Umfeld und die Biografie meines Gesprächspartners? Worauf legt er wert und was stört ihn?

All das gehört in den „Beobachtungsprozess“. Es ist offensichtlich, dass es in einer schnellen Sprache, die oft in Millisekunden ausgetauscht wird, unmöglich ist, alles so genau und haarklein zu beobachten. Dann sollte man sich einfach ein wenig Zeit geben. Innerlich durch atmen, nicht gleich zurückschlagen. Und dabei auch sich selbst beobachten: Warum rege ich mich darüber so auf? Welcher wunder Punkt wird verletzt? Welches Bedürfnis gerade nicht erfüllt? Fühle ich mich geschätzt? Hat er/sie mich richtig wahrgenommen, richtig verstanden? Spricht er/ sie authentisch? Empfinde ich das als sinnvoll? Was stört mich?

Mit ein wenig Abstand ist es auch viel leichter, zum nächsten Schritt zu kommen: Was fühlt mein Gegenüber? Worum bittet er mich und was braucht er? Diese Fragen kann man nicht wirklich voneinander trennen und sie hängen miteinander zusammen. Aus dem Konsens dieser vier Fragen ergibt sich dann ein viel klareres Bild über den Gegenüber und man tritt in einen menschlichen Kontakt- was wesentlich besser ist, als sich gegenseitig Analysen an den Kopf zu werden und auf dem menschlichen Sektor immer nur auf der Stelle zu treten.

Natürlich sind die meisten von uns auch keine Krankenschwestern, keine Pastoren und keine Psychologen. In diesen Berufen wird die GFK auf den fruchtbarsten Boden treffen und psychisches Leid reduzieren. Aber auch für normale Leute, für den normalen Berufs- oder Beziehungsalltag, für Probleme mit Verwandten, Freunden, etc. ist die richtige Sprache das perfekte Hilfsmittel, um Konflikte zu entschärfen und produktiver, glücklicher und menschlicher zu werden. Da das emotionale Miteinander die Basis für alles Weitere ist, schafft eine positive Emotionalität ein wichtiges Fundament, um darauf zu wachsen und Frieden in der Welt zu schaffen..

Zum Schluss versuche ich mein Anliegen hinter diesem Blog-Artikel, nochmal GFK-getreu zu formulieren:

Ich wünsche mir, dass mehr Leute eine gute Sprache verwenden. Ich wünsche mir mehr Verständnis der Menschen untereinander und ich möchte dabei versuchen, meinen Anteil zu leisten. Ich finde die Theorie der GFK sehr gut und wertvoll. Durch das Denken darüber habe ich die Chance, mein Wissen zu vertiefen. Ich möchte mein Wissen weitergeben und hoffe, dass es andere verstehen.

Ich wünsche mir eine positive Welt, die frei von persönlichen Angriffen, Egoismus und Vorurteilen ist. Ich finde, dass der gute Kontakt zwischen den Menschen das wichtigste im Leben ist.

Mir fällt auf, dass das Formulieren in der GFK einem klassischen Gebet recht nahe kommt. Im Gebet sind wir meistens auch wir selbst und im Idealfall „beichten“ wir unser Leid und sind frei von Zuschauern, relativ ehrlich zu uns. Natürlich kann man sich auch in der Einsamkeit noch belügen, aber wenn wir in der GFK-Form beten, reduzieren wir automatisch auch die Lügen und die kleinen Not-Brücken, die uns sonst durch den Alltag schiffen. Das Ergebnis ist dann ein produktiverer und von Sorgen freierer Lebensablauf.

Wer also wie in der GFK spricht, bringt damit seine eigene Religiosität und sein Innerstes auf den praktischen Boden der Realität.
GFK bedeutet, eine gute Einstellung zu leben und in der Sprache zum Ausdruck zu bringen..

Dialog und Entfremdung

Ein Dialog ist ein Hin- und Her von Worten. Dabei werden gesprochene Inhalte emotional und inhaltlich bewertet und in veränderter Weise wieder zurückgegeben. Die Folge ist, dass beide Beteiligte daraus lernen können und sich weiterentwickeln. Das besondere Merkmal am Dialog ist die Zweiseitigkeit. (Kleiner Tipp für Eheleute: Brüllen, Ignorieren und Beleidigen verringert die natürliche Dialogfähigkeit auf beiden Seiten)

So gesehen ist die Plattform Twitter erstmal nur ein halber Dialog: Jeder spricht für sich. Das ist im Kern nichts anderers als erzwungener Narzissmus.

Erst, wenn man sich auf die Worte des Gegenübers einlässt und dazu etwas schreibt UND wenn dann noch was zurückkommt, ist es ein geschlossener Gesprächskreislauf, der zu den bekannten (und erstrebenswerten) Effekten führt.

Die besondere Aufgabe des Twitterers ist also, Leute zu finden, bei denen ausreichend Worte zurückkommen, denn ansonsten gleicht das Schreiben von Tweets nicht viel mehr als das ständige Schauen in den Spiegel: Ein schönes Spiegelbild, aber keine Veränderung. Seelisch verdrahtet, aber Klinisch tot.

Gut, mag man sagen, wenn ich die Worte eines anderen lese und wir quasi so nebeneinander her existieren, würde das doch reichen, oder? Schließlich gibt es eine telepathische, also rein gedankliche Verbundenheit von Menschen. Wenn ich ein Buch lese, nehme ich ja auch die Gedanken des Autors in mich auf und verändere mich dadurch.

Sind empfindliche Menschen daher vielleicht öfters in Twitter oder den Blogs zu finden? Weil sie mit den Texten eine künstliche Barriere zu anderen Menschen aufbauen wollen? Weil die Texte so eine Art Sicherheitszaun zum Gegenüber darstellen?

Wenn es so wäre, dann kann man das Internet und die Blogs oder Twitter im Speziellen als so eine Art abgesicherte Spielwiese für soziale Kommunikation ansehen.

Ihr fehlen aber wichtige Aspekte, die zur zwischenmenschlichen Kommunikation gehören, nämlich die Spielregeln für besondere Situationen, soziale Ausnahmen. Was mache ich, wenn ich mich über jemand geärgert habe, z.B.? Die Interaktionsmöglichkeiten sind hier sehr begrenzt: Ich kann meinem Partner sagen, dass was du eben gesagt o. geäußerst hast, finde ich nicht gut. Oder ich ent-followe ihn einfach, das ist eine rein mechanische, computergesteuerte und kalte Umgangsweise mit dem Mitmenschen. Liebesentzug und bedingungslose Anteilnahme sind die einzigen beiden Extreme, auf die ich zurückgreifen kann- was fehlt, sind die psychologisch so wichtigen Zwischentöne und Graustufen.

Wenn ich jemand einfach blocke oder ent-followe bekommt derjenige gar nicht die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Der Dialog fehlt. Die Aussprache fehlt. Twitter ist wie Dialog unter Menschen, aber bereinigt durch die Störfaktoren und „unpraktischen“ menschlichen Fehleranfälligkeiten.

Plattformen wie Twitter zeigen an dieser Stelle ihre Grenzen und sie beweisen auch die These „Die moderne Technik verändert die Umgangsweise und die Herzlichkeit zwischen den Menschen“.

Was hat uns die Technik denn sonst gebracht? Autos haben alles schneller gemacht, Computer haben alles genauer gemacht, Kühlschränke haben alles länger haltbar gemacht, Gesichtsoperationen alle (Frauen) hübscher, synthetische Hormone jünger oder weiblicher und Computerspiele oder TV-Sendungen haben die Zeit schneller laufen lassen.

Die Technik hat uns von hinten bis vorne im Griff. Keine Leben mehr ohne Technik. Kein Gang in den Garten ohne Rasenmäher, Heckenschere, Vollkomposter, Leisehäcksler oder Solarpanel mehr. Wir können die eigentliche Natur nicht mehr sehen, wir haben uns die Natur „aufgemotzt“.

Psychologen sprechen dann von „Entfremdung“ des Menschen von seiner menschlichen Natur. Entfremdung ist mit ein Hauptgrund für Depressionen und eine Folge von evolutionären Entwicklungen, die alle ein wenig zu schnell abliefen.. Ich spreche jemand an, nichts kommt zurück > Die Folge ist Streß, Trauer, Angst. Und diese Gefühle wiederum eine perfekte Grundlage für seelische Erkrankungen. (Stichwort Cortisol)

Entfremdung findet überall statt. Der Arbeitnehmer baut am Fließband Autoteile, aber er sieht das fertige Auto nie. Der Schichtarbeiter quält sich durch die Nacht und ist Teil eines Prozesses, aber er schafft keine Ganzheit, nein noch nichtmal die Sonne oder den Mond darf er bei der Arbeit sehen.

Die Steuerklrärung entfremdet unsere Arbeit auf ein weiteres, nimmt erstmal einen dicken Brocken unserer „Belohnung“ weg und nennt es einen guten Zweck (die soziale Gerechtigkeit).

Die Ehefrau sagt, dass wir den Müll runterbringen sollen oder den Abwasch machen sollen. Dabei wollten wir doch eigentlich…

Wer hat sein Leben schon vollständig unter Kontrolle? Wer kann „ich“ sagen?

Die Entfremdung von der menschlichen Natur begrenzen, politisch, emotional, sozial > eine große, aber lohnenswerte Aufgabe für das ganze folgende Jahrhundert.

Bloggen und Vernetzen

Teil 3, Teil 2 und Teil 1

Ja, mal wieder ein Artikel übers Bloggen. Es kann nicht genug geben, denn „Über das Bloggen“ bloggen bedeutet, das Sein zu betrachten und die unmittelbare Welt der Gegenwart zu analysieren. Da sich diese ständig wandelt und man auch ständig neue Eindrücke zurückerhält, kann es nicht schaden, in regelmäßigen Abständen über das Bloggen selbst zu rekapitulieren. Es ist letztendlich Philosophie über eine moderne Kommunikationskultur und berührt auch andere, klassische Formen der Kommunikation und der sozialen Realität.

Bloggen ist zu einhundert Prozent eine soziale Angelegenheit. Ohne die Vernetzung, ohne die Kommentare hat ein Blog keinen Wert. Wenn man sich aber vernetzen will, ist es man darauf angewiesen, sich in die Gedanken anderer Blog-Autoren zu versetzen und zu versuchen, an deren Charakter und deren Geschriebenes anzuknüpfen.

Es ist ein wenig paradox: Die Blogs leben von der Vernetzung und der offenen Diskussionskultur, aber letztendlich schreibt immer nur ein Autor- in nur wenigen Blogs teilen sich die Bühne mehrere Autoren.

Das Blog als Technik begünstigt also eine gewisse narzistische Denkweise, verlangt aber wiederum vom Autor, dass er sich zu vernetzen hat.

Und was ist mit den stillen Vertretern der Szene, die sehr gute Gedanken haben, aber nicht die Fähigkeit oder Lust, auch im starken Wettbewerb mit anderen zu bestehen? Was ist mit den Geschlechtern, wo es immer mal wieder Studien gibt, dass Frauen dem offenen Wettbewerb eher aus dem Weg gehen als Jungen?

Letztendlich sind Blogs genauso real und verhalten sich ähnlich wie Gespräche unter Menschen.

Es gibt soziale Schichten und es gibt naturgemäß mehr Leute, die einfach aus ihrem Privatleben erzählen und tendenziell wenige, die sich für so ehrbare Werte wie „soziale Gerechtigkeit“ oder „politische Aufklärung“ einsetzen.

Viele Blogs sind reine Spaßblogs oder mischen die Themen einfach bunt durcheinander.

Dann gibt es noch die breite Front kommerzieller Blogs, die zahlenmäßig ein großes Gewicht haben und die die rein privaten Blogs zurückdrängen. Die Angst, die von den Medien über die Veröffentlichung privater Inhalte in der Öffentlichkeit geschürt wird, verbessert die Lage für private Blogger nicht gerade. Ein ehemals beliebtes Medium wird an die Wand diskutiert und schlecht geredet.

Es gibt keine richtige Linie bei Blogs und Bloggern und daher können auch Freundschaften recht schnell wieder zerbrechen. Der Aufwand, den man verhältnismäßig in die Vernetzung stecken muss, ist sehr hoch. In dieser Zeit kann man keine eigenen Artikel schreiben. Wenn man pro Tag nur eine Stunde für das Bloggen reservieren kann, ist diese sehr schnell aufgebraucht. Daher ist die Frage, was ist besser? Soll ich neue Blogs suchen, bei anderen kommentieren und an der Blogroll arbeiten? Oder überlege ich mir im stillen Kämmerlein meine Gedanken und betreibe Nabelschau?

Wenn ich wachsen und mich vernetzen will, bleibt die Frage: Wohin will ich gehen? Wo sollen die Schwerpunkte liegen, was ist wichtig, was ist unwichtig?

Suche ich mir Leute, die über ähnliche Themen bloggen oder bevorzuge ich liebe das harte Kontrastprogramm?

Ein guter Ansatz kann es sein, wenn man über menschliche Probleme schreibt, die einen belasten. Über dieses Leiden kann Gemeinsamkeit aufgebaut werden und zugleich schafft man Mehrwert für gesellschaftliche Themen, die sonst kein Gehör finden würden. Die natürliche Hemmschwelle bleibt aber die veröffentliche Privatspähre und die Tatsache, dass man jederzeit anonym beobachtet werden kann und sich eventuell „zum Idioten macht.“

Außerdem bekommt man dann schnell den Ruf eines Problem-Bloggers und wer will schon mit Problemmenschen was zu tun haben? Wollen wir nicht alle hochwertige Kontakte und steigt mein eigener Wert nicht in Relation zu meinen eigenen Kontakten und anderen Ressourcen, die ich verteilen kann?

Es liegt nicht jedem Menschen gleich gut, sich so öffentlich zu entblößen und für die seelische Stabilität ist es nicht immer ein Vorteil. Im schlimmsten Fall geht der Schuss nach hinten los und die eigene psychische Stabilität wird durch die Flucht in die Online-Welt gefährdet. (siehe z.B. Mediomans Artikel über Online-Spiele )

Ein Mangel an Rückmeldung, zu wenig öffentlich geäußerte Zuneigung und Anteilnahme scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass bezeichnend für unsere Zeit ist.

Unsere Gesellschafts-Struktur wird immer kleiner und die Tendenz geht zu kleinen oder Single-Haushalten. Normale soziale Kontakte, die frei von Wettbewerbs-Denken oder Eifersucht sind, eher selten. Aufmerksamkeit eine Ressource, die kostbar verteilt ist und sich meist nur dann vermehrt, wenn man selbst viel davon geben kann.

Das Bloggen an sich ist im besten Fall ein Schritt aus der Isolation heraus, eine Vorbereitung auf das echte Leben, aber es ersetzt die echten menschlichen Gefühle nicht und kann nur eine Art Spiel sein, bei dem übt, sich im sozialen Sinn richtig zu verhalten.

Zudem trainiert man sein Gedächntis, die Sprachfähigkeit und das Gewissen.

Ein Bloggen ohne Gewissen ist wie Schreiben ohne Füller.

Ein Blog ohne Vernetzung ist wie ein Haus ohne Stromanschluss und ohne fließendes Wasser.

Zwitschern

Twitter ist der große Trend des Jahres 2008 und vermutlich auch von 2009. Ich hab mich bis jetzt erfolgreich darum gedrückt und es eher ignoriert, da ich als Autorin eigentlich lange Texte mag und es ablehne, meine Sprache in Zeichen begrenzen zu lassen (Freiraum!).

Aber da man dieses Twitter inzwischen auf jeder zweiten Webseite findet und sich anscheinend auch richtig viele Hits generieren lassen, sollte man es nicht ganz außer Acht lassen. Der Reiz des Twitter liegt wohl darin, in kurzer Zeit einen Art „Freundeskreis“ aufzubauen, bzw. einen Kreis von Menschen, dem man ab jetzt recht einfach zulesen und mitverfolgen kann.

Somit ist es eine weitere sinnvolle Maßnahme, um die Komplexität des modernen Menschen in einfache und übersichtlichere Bahnen zu lenken und das soziale Netzwerk zu verbessern. (Warum das soziale Netzwerk für das Privat- und das Berufsleben wichtig ist, erkläre ich an der Stelle nicht, aber es ist es wert, darüber nachzudenken. Die Frage muss jeder für sich beantworten.)

Ein weiterer Vorteil des Twitter liegt wohl darin, dass man listenähnliche Einträge erstellt, die sich durch die Kürze auszeichnen. Ähnlich wie in meiner Listenempfehlung für das Brainstorming wird damit ein gesteigerter Arbeits- und Denkfluss erreicht. Man schreibt einfach das, was man denkt und lässt es sich irgendwo strukturieren. Wenn dann noch Leute was dazu schreiben und man andere kennenlernen kann, umso besser.

Wie immer ist man frei und wird erst mit der Zeit herausfinden, welche Themen sich lohnen zu twittern und welche nicht. Sinnvoll finde ich z.B. Links, lustige Grafiken oder einfach ein ironisches Statement. Aber auch, um Fans über die eigene Arbeit oder das Ergebnis von Web-Recherchen aufzuklären, erscheint es geeignet. Wie immer, ist dann die Stärke das „Teilen“ und „Mitteilen“. Der Einzelkämpfer hat im heutigen Leben keine Chance und er wird es in der Zukunft noch weniger haben. Je mehr man anderen gibt, desto mehr wird man zurück erhalten, das ist eine ganz einfache Sache. Aber wenn man gar nichts geben will, wird man auch nie was erhalten.

Neben der Komplexität der sonstigen Computer-Arbeit ist Twitter das Gegenmittel für das angestrengte Gehirn, eine Art kurzweilige Spielwiese (freie Kunst ist Spiel!) die sich dann hoffentlich positiv auf den Rest auswirkt.

Negatives will ich nun nicht formulieren, dazu kenne ich das Tool noch nicht gut. Ich möchte aber ab heute die Testphase weiterführen und schauen, was sich dabei so ergibt.

Hierzu lade ich alle interessierten Menschen ein, mich zu „verfolgen“ oder einen eigenen Account beim Zwitscher-Service zu erstellen.

Ich freue mich, von euch zu hören! Und garantiere der ersten Gruppe von Lesern/ Schreibern auch Aufmerksamkeit durch Kommentare (wenn es nicht absoluter Blödsinn ist)..

Also, bis dann.

Mein Account zum Adden:
http://twitter.com/julia78

Sachebene, Vertrauen, Stil und Perspektive

Wie erreiche ich mehr Authentizität beim Schreiben?

Im heutigen Artikel schreibe ich über die Zweiteilung der Artikel in unpersönliches und persönliches. Wo macht es einen Sinn, abstrakt zu schreiben und wo schadet es vielleicht mehr?

Dies ist- in meinen Augen- eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit an meinem Blog und mal wieder ein Meta-Schreibthema. Eigentlich wollte ich nicht mehr soviel darüber schreiben, weil es für mich meistens klar ist und es andere Themen gibt, die genauso wichtig sind (z.B. das Schönheits-Thema).

Ich bin aber im Kommentar des gestrigen Artikels darauf angesprochen worden, warum ich nicht mit „ich“ schreiben würde und hatte schon versucht zu erklären, wie ich die Aufteilung handhabe. Jetzt habe ich noch ein wenig darüber nachgedacht und bin zu weiteren Erkenntnissen gekommen.

Erstmal gibt es eine grundlegende Aufteilung meiner Arbeit in die Artikel und in die Kommentare. In den Artikeln versuche ich, allgemein gültige Erkenntnisse jenseits meiner Person oder meines subjektiven Blickwinkels zu sammeln. Ich würde das mit dem „Erstellen von Regeln“ bezeichnen. Ich mache das nicht rein wissenschaftlich, noch stelle ich jedes Mal einen Link, eine Quelle oder einen „Beweis“ dazu. Die Logik dieser Artikel folgt bereits einer inneren, oft emotionalen Linie und wird von mir gerne im Stil einer Kolumne gehalten. Nur wenn ich der Meinung bin, dass hier eine allgemein gültige Wahrheit gefunden wurde, versuche ich es auch zu verallgemeinern oder eine Regel zu formulieren. Streng genommen ist dies die Aufgabe jeder Wissenschaft, auch der literarischen „Sprachwissenschaft“.

Die Trennung von der persönlichen Ebene hat einen Sinn und ist beabsichtigt.

Ich möchte dies mit einem Beispiel verdeutlichen:

Mal angenommen, es geht um das Thema „Autobahn, Raser, Drängler, Schnellfahren, etc.“

Ich habe an verschiedenen Tagen verschiedene Beobachtungen gemacht

· das Auto hatte mich mit hoher Geschwindigkeit überholt

· mir wurde fünfmal dicht aufgefahren

· LKW sind immer langsamer als ich gefahren, so dass ich oft nach links wechseln musste

· es waren sehr viele LKWs auf der rechten Spur

· innerhalb einer Stunde, wurde ich dreimal bedrängt und zweimal mit der Lichthupe zur Seite gescheucht

· vor allem die Besitzer von teuren Automarken und „besseren“ Autos fahren schnell und führen sich manchmal wie Könige auf

· kleine und schwache Autos findet man immer rechts

· mein Stress- und Adrenalin-Spiegel war auf der vollen Autobahn höher als auf der leeren

· usw.

All das sind Beobachtungen. Danach kommt die Erstellung einer Regel, eines persönlichen Fazits oder eine Mischung aus allem. Hier gibt es tausend Möglichkeiten vorzugehen (und gerade das macht den Reiz am Schreiben und am Denken aus).

Ich könnte z.B. in der Ich-Perspektive und sehr emotional schreiben:

· Ich hasse Autobahnen!

· Auf Autobahnen wird mir zu schnell gefahren!

· Mercedes-Fahrer sind alle Angeber!

· LKW müssen von der Straße weg!

· Usw.

Im Grunde sind das Gefühle, sehr diffus formuliert und für andere (und auch für mich) verletzend. Im Sinne einer gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg) könnte ich versuchen, meinen persönlichen Bezug zu diesen Dingen angemessener zu formulieren. Das bedeutet, dass man versucht, eigene Gefühle zu veranschaulichen, über Bedürfnisse zu reden und zu erkennen, was genau eigentlich störend oder verletzend ist (und ja, hier ist das Ich sehr wichtig!):

· Ich mag Autobahnen nicht leiden, weil ich mit meinem kleinen Auto immer bedrängt werde. Dabei fühle ich mich schlecht. Mir wäre es lieber, wenn die großen Autos mehr auf die kleinen Rücksicht nehmen würden. Ich hatte Angst, einen Unfall zu machen. Dann würde ich mich oder andere verletzen. Ich will keinen Unfall bauen, weil ich einen Schaden verursache und den bezahlen muss.

Wenn man die Beobachtung so formuliert, ist es für andere viel leichter, zu reagieren und mit Empathie oder Verständnis zu reagieren.

Zum Beispiel so: „Ach du magst keine Autobahnen? Das wusste ich gar nicht. Wenn Du Angst hast, wäre es Dir vielleicht lieber, wenn ich fahre?“

Für die „gewaltfreie Kommunikation“ ist diese personenbezogene und authentische Formulierung von Gefühlen der Kerninhalt.

Es hat -psychologisch gesehen- Vorteile, erfordert aber Anstrengung und gehöriges Umdenken in der täglichen Sprache. Zudem sprechen die meisten Menschen nicht in dieser Weise, so dass man schnell die Lust verliert oder die Ziele aus den Augen verliert.

Es gibt daher noch eine weitere Möglichkeit Beobachtungen zu formulieren, die Analyse:

· … das Straßennetz müsste ausgebaut werden. Es waren zu viele LKWs und zu wenig Platz für die restlichen Pkws. Dadurch hat sich die Anforderung an mich, den Autofahrer, erhöht und ich bekam auf Grund des Stresspegels Angst, einen Unfall zu machen. Eine mögliche Lösung wäre eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung oder der Verbot von LKWs auf der linken Spur.

Oder, noch wesentlich abstrakter und mit noch mehr Fakten:

Die Straßenmeistereien und das Verkehrsministerium haben für das Jahr 2008 folgende Feststellung gemacht:

· die Autobahn XYZ war chronisch überlastet. Das Verkehrsaufkommen lag über dem Durchschnitt von 2007. Besonders der Schwerlast-Verkehr hat stark zugenommen. Eine Steigerung von 25,8 %. Es entstand durch Unfälle ein Sachschaden von X Millionen Euro..

Die tägliche Kommunikation ist meistens eine Mischung aus allem. Da wir Menschen und keine Maschinen sind, verknüpfen wir leicht neutrale, sachliche Informationen mit persönlichen Bezügen und Gefühlen. Es ist Aufgabe der Psychologie, diese Vermischungen zu erkennen und die Zusammenhänge zu klären. (aber nicht Aufgabe von mir, der Blog-Autorin..)

Die Sachebene ist die normale, „sinnvolle“ und erwachsene Verständnisebene, die man auch gut in einem Blog anwenden kann.

Im Sinne der Transaktionsanalyse ist das das „Erwachsenen-Ich“, im Gegensatz zum emotionalen „Kind-Ich“ oder dem moralisch urteilenden „Über-Ich“. Wenn zuviel im Über-Ich geschrieben wird, regt sich zu Recht Widerstand und die Leser fühlen sich klein und übervorteilt, weil sie sich vielleicht wieder finden oder „von oben herab“ angegriffen fühlen. Das Kind-Ich kann man mal anwenden, es wirkt aber schnell albern und unreif, gerade für erwachsene Personen. Ziel ist daher – meiner Meinung nach- die neutrale Ebene:

Feststellungen und Beobachtungen werden gemacht und die Fakten sachlich diskutiert. Ich- und Personenbezüge gibt es dann eigentlich nicht, höchstens wenn man so was sagt wie „Herr Meier, was sie da sagen, ist in meinen Augen falsch. Es müsste so und so formuliert werden und der Sachverhalt stellt sich anders dar, nämlich so und so.“….

Kommunikation im öffentlichen Raum wird immer dann problematisch, wenn die Sachebene verlassen und auf die persönliche Ebene gewechselt wird. Ein Beispiel sind hier pikante Details aus dem Privatleben von Promis, mit denen gerne versucht wird, diese zu demontieren. Das Private ist im öffentlichen Raum fast immer ein Tabu-Thema und sollte- meiner Meinung nach- von allen mehr respektiert werden. Politiker z.B. sind Meister darin, allgemeine Aussagen zu treffen und sich nicht festlegen zu müssen. In gewisser Weise gehört das zu ihrem Beruf und ihrer Aufgabe, es allen recht machen zu müssen.

Aus diesem Grund versuche ich, die Personen-Ebene aus dem Blog zurück zu drängen und die Fakten und die Logik als Bemessungs- und Diskussions-Grundlage anzuwenden. Es liegt in der Natur einer Internet-Seite, dass die Fakten und Logik, das Nachvollziehbare präsenter als das Persönliche ist. Persönliches mache ich nicht gerne am Computer, ganz einfach!

Es ist aber, auf der anderen Seite, auch für mich beim besten Willen nicht möglich, meine Person, die Gefühle und andere private Bezüge aus meinem Leben völlig wegzulassen. Es gibt durchaus Momente, wo ich mir wünsche, dass mehr persönliche Aussagen zu meiner Arbeit getroffen werden, oder dass ich eine Kritik höre oder lese, die wirklich vom Herzen kommt und mir etwas Sinnvolles oder Nettes zu sagen hat. Wenn ich ein Gedicht oder was Privates schreibe, ist sehr viel von mir im Netz, manchmal zuviel oder es wird belastend. Es liegt an den Lesern, wie sie damit umgehen, ob sie einen mit Respekt und Verständnis behandeln oder mehr wie ein „Produkt“.

Da mir die emotionale Personen-Ebene und die rein persönliche Ich-Ebene zu einseitig ist und sie zudem problembehaftet sind, möchte ich sie gerne ausklammern und durch wertvollere Erkenntnisse und Abstraktionen ersetzen. Wen interessiert es in der Nachwelt schon, was ich an diesem und an jenem Tag gedacht habe? Dafür gibt es das Tagebuch und die vertraulichen Offline- Gespräche. In das Blog aber sollten Dinge, die man auch in Jahren noch verstehen oder anwenden kann.

Natürlich ist z.B. das reine Lob nicht ausreichend, aber mir ist es lieber, ich höre ein Lob, eine positive Zuwendung, als einfach nur Kritik und Verachtung. Ich denke, in diesen Dingen sind wir alle gleich. Wir wollen alle geliebt werden, Anerkennung für unsere Arbeit haben und mit Hilfe der Kommunikation in eine aufrichtige und ehrliche Beziehung zu unseren Mitmenschen treten.

Weniger persönliches scheint mir ratsam, um eine Ebene zu schaffen, auf der sich alle wohlfühlen und ihr Gesicht behalten können. Persönliche Urteile sollte man nur in Ausnahmefällen treffen und wenn, dann nur so, dass es niemand verletzt, z.B. in einem vertraulichen Vier-Augen Gespräch mit der Gewissheit, dass das Gesagte niemals diesen Raum verlässt.

Ein Blog erweckt durch die offene Kommentar-Funktion stets den Anschein, als dass es alles aufnehmen könnte und müsste. Die Leute sind durch das moderne „Mitmach-Web“ verwöhnt und meinten, sie könnten zu allem und jeden eine Meinung abgeben und würden überall auf offene Ohren stoßen. Mir ist es als Autorin oft lieber, die Leute würden die Texte lesen, sich ihren Teil denken und das dabei Gedachte für sich behalten. Also sollte ich vielleicht die Kommentare in Zukunft schließen?

Wenn ich anderen zuhören soll, und ihnen Empathie und Verständnis geben soll, kann ich das nur tun, wenn man mir selbst auch Verständnis und Empathie gibt. Wenn jemand mit der Tür ins Haus fällt kann ich niemals helfen, niemals Vertrauen schenken oder mich positiv verhalten.

Dann kann auch jeder für sich schreiben, wir bauen schöne Mauern zwischen uns auf und legen noch ein wenig Stacheldraht zwischen die Lücken. Aber das wäre kein Weg, den ich anstreben möchte….

Wenn ich einen Artikel geschrieben habe, hatte ich gerade die Kraft, es soweit zu bringen und mir selbst diese Erkenntnisse zu entlocken. Es hat mich Energie und Zeit gekostet. Habe ich jetzt auch noch die Energie und die Lust, mich mit den Kommentaren und Mitmenschen zu beschäftigen?

Bin ich dafür in einer Art und Weise verantwortlich zu machen, dass ich all die Fragen beantworten müsste, die sich evt. aus dem Lesen meiner Zeilen ergeben könnten?

Ich denke, die Antwort ist ganz einfach nein.

Mündliche Sprache und Präsentation

So eine Messe bringt es mit sich, dass man innerhalb kurzer Zeit mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommt, die verschiedensten Typen kennenlernt und sich ständig neu auf andere Menschen einstellen muss. Es geht oft darum, innerhalb von Sekunden eine Gesprächsbasis zu finden, Sympathien oder Anti-Sympathien zu klären, sich inhaltlich und sprachlich auf den Gegenüber einzustellen. Für die Schulung der eigenen Kommunikationsfähigkeit ist eine Messe oder eine Verkaufstätigkeit in dieser Art nur nützlich. Habe ich am Anfang z.B. gemerkt, dass ich noch nach den Worten gerungen oder mich versprochen habe, wurde das Erklären mit jeder Stunde einfacher und am Ende ging es sehr flüssig, so als ob ich alles auswendig gelernt hätte. Selbst die englische Sprache und die entsprechenden Fach-Termini hatten wir uns zurechtgelegt, so dass wir auch ausländischen Besuchern die Apparatur erklären konnten.

Wenn man eher im Schreiben zu Hause ist, birgt die Messe einen gewissen Reiz, direkter und unmittelbarer mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und die mündliche Sprache anzuwenden. Das in Ruhe ausgefeilte Schriftdeutsch ist fehlerfreier und bietet dem Sprecher/ dem Autor mehr Sicherheit. Auf Vorträgen oder Referaten wird hingegen empfohlen, die „freie Rede“ anzuwenden und nicht nur monoton einen Hilfszettel abzulesen, um dem Vortrag eine anschauliche Qualität zu verleihen.

Bei der Messe kommt noch dazu, dass jeder Mensch anders ist, anderes Vorwissen und Fähigkeiten besitzt und inhaltlich nicht alles so kapiert, wie der Vorgänger. Gerade abstraktere Sachen werden von vielen Menschen grundsätzlich gemieden, es fiel auf, wie wichtig ein direktes, bildliches und einfaches Verständnis der dargestellten Präsentation ist. Ein Industrieprojekt wie unseres hat es da deutlich schwerer, als ein Alltagsprodukt. Zur Wiedererkennung haben wir z.B. eine Packung Grieß genommen und sie auf unseren Prototyp gestellt, so dass die Leute schnell sehen konnten, worum es uns eigentlich geht. Aber selbst dann, wenn der erste Wiedererkennungswert da war, wanden sich die Leute wieder ab, als sie merkten, dass es eine technische Apparatur mit vielen Einstellmöglichkeiten, auf dem Hintergrund eines theoretischen und komplexen Gedankengebäudes ist. Eine physikalische Grafik zu einem Farbsystem z.B. erregte kaum Hingucker oder Interesse, obwohl diese vor Farben nur so strotzte. Selbst ein Physiker konnte uns die Grafik auf Nachfrage nicht erklären, ein Informatiker murmelte nur so etwas wie „das muss mit Matritzen gemacht werden!“. Für die Allgemeinheit war wenig Bezug da.

Darüberhinaus ist mir aufgefallen, dass viele Leute in einer Art reden, dass sie einfach ihren aktuellen Wissensstand wie ein Wasserfall vor sich hin erzählen, aber keine Pause machen und sicherstellen, ob das Gesagte überhaupt angekommen oder verstanden worden ist. Es wäre aber ratsam, hin und wieder eine Pause zu machen und auf den Gegenüber einzugehen, damit man sehen kann, wo und wie denn überhaupt Überschneidungen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind!

Als Ausstellerin habe ich natürlich das Gebot der Höflichkeit und werde versuchen, mich auf meine jeweiligen Kunden einzustellen. Aber als (private) Hobbypsychologin und kritische Kommunikationsexpertin fiel mir das schon auf, wie einseitig und ich-orientiert doch viele Menschen reden. Auch ein paar Diskriminierungen kamen vor, es gab Leute, die keinerlei Gebot der Höflichkeit befolgten und ein Mensch fragte mich mit einem Grinsen im Gesicht „ob ich noch etwas anderes außer Kinder produzieren könnte.“ Dieser Mensch fiel mir hinterher auf, dass er von Stand zu Stand ging und die Aussteller mit seinen „Ideen“ belästigte und sich daraus einen schönen Spaß machte. Der Rest der Menschen, ca. 95 Prozent folgte hingegen einem vertretbaren Normbereich und es gab keine Probleme. Mit den unfreundlichen Menschen hingegen würde ich auch keine Geschäfte machen wollen!

Zuhören bietet uns Ausstellern Vorteile, weil die Menschen aus sovielen verschiedenen Fachbereichen kommen, dass sie quasi kostenlos ihr Expertenwissen absspulen und wir hinterher wie ein Computer das Wertvolle vom unwichtigen trennen, verarbeiten und weiterverwenden können. Diese ständige Filterarbeit, in Verbindung mit der Speicherung und der angemessenen Rückgabe von Informationen ist anstrengend. So ist es kein Wunder, dass wir abends sehr kaputt in unsere Betten gefallen sind.

Und noch etwas fiel auf: Wie jeher geht es nur um einen einzigen Faktor: Aufmerksamkeit erhaschen! Wer die meiste Aufmerksamkeit auf seinem Stand bekam, bekam die meisten Ideen, die meisten Rückmeldungen. War die Aufmerksamkeit aber zu profan, war sie qualitativ nicht mehr zu nutzen. In der Mitte liegt der richtige Weg, auch bei der Messe.