Gender Gedanken

Im aktuellen Podcast geht es um unterschiedliche Gender-Gedanken. Ich reflektiere nochmal meine eigene Lebensgeschichte und vergleiche sie mit denen von jüngeren TS-Frauen. Was für Unterschiede fallen mir auf? Wo gibt es Probleme und „Schmerzen“ ? Wie gelingt die Selbst-Akzeptanz? Wo kann man sich selbst einordnen? Wie ist ein Geschlecht und eine „Identität“ überhaupt definiert?
Nur mit der Sprache gelingt eine Annäherung.




Persönlichkeits-/Rollen/ Identitäts- fragen

Ich sitze vor meinem Blog und freue mich, dass es so schnell läuft. Von Hartmut habe ich den Tipp bekommen, dass ich einen Cache installieren soll und jetzt läuft es tatsächlich etwas besser. Es hat ein paar Stunden gedauert und auch andere Sachen hab ich geändert, eine Sicherung der Datenbank gemacht, den WordPress-Core auf den neusten Stand gebracht, den Spamschutz geändert und die Twitter-Sprüche in der Seitenleiste wieder reduziert (weil die Server manchmal zu langsam abfragen). Komischerweise klappt Super Cache jetzt, die ganze Zeit ging es nicht. Den neusten Google-Artikel bin ich euch noch schuldig und auch die 34 Kommentare habe ich so stehen gelassen, weil ich fand, das wichtigste war gesagt.

Jetzt glänzt mein Blog, wie eine neue, frisch aufgezogene Tischdecke kommt es mir vor und irgendwie ist es jetzt auch sauber, klar abgesteckt und steril und das ist doch genau das, was ich eigentlich nicht haben wollte. Ich mochte die Frau in der Sonne, die so hoffnungsvoll die Arme nach oben gestreckt hatte und die umgeben von Wasser war. Ich mochte die warmen Farben, den Hauch von Wärme und Liebe, die das ganze ausgestrahlt hat.

Ich liebe Wasser. Ich sehne mich nach Wasser. Wasser ist das Element der Gefühle und der Psychologie. Wasser kann ich nicht genug haben.

Leider kann man darin auch ertrinken, wenn es zuviel wird. Vielleicht hab ich deswegen unbewusst mein Wasser-Theme entfernt, weil ich gemerkt habe, dass….. nein das ist bestimmt Quatsch.

Ich hab das Theme entfernt (und da sind wir wieder beim alten Thema, dem Wechsel der Optik) weil mir das alte zu lahm war. Ich die Vermischung der Fonts nicht mehr leiden konnte. Ich wieder übersichtliche drei Spalten haben wollte und weil- das war das schlimmste- die Gravatar- Bildchen mit euren Gesichtern nicht mehr gingen. Jetzt kann Stephan mich immer schön zitieren und da kommen so nette Anführungszeichen, wo jeder sehen kann, wie er meine Texte auseinander pflückt. 😉 Also bitte .. ich warte!

Ich hab mir überlegt, dass ich eigentlich schon gerne persönlich bin. Aber vielleicht komme ich damit nicht so durch? Ich glaube, an Frauen werden sehr andere Erwartungen gestellt als an Männer. Doch viele Frauen die ich kennengelernt habe, merken das nicht und regen sich nicht darüber auf. Ich schon. Ich will auch wie ein Mann respektiert und geachtet werden, aber ich will mir auch meine Weiblichkeit bewahren und ich möchte nicht, dass jemand denkt ich wäre kalt und hätte nur den Profit oder die Arbeit im Sinn.

Für eine Frau ist sowas viel schwieriger zu vereinen als für einen Mann. Für den Mann gibt es die Falle und die Gefahr, dass er zu emotional reagiert, dann wird er schnell als weich und schwul abgestempelt. Bei einer Frau ist es andersrum: wenn sie zu kalt und geschäftig daher kommt, nimmt man es ihr vielleicht nicht ab oder denkt, sie meint es böse. Ständig ecke ich bei diesen Rollen an. Ständig merke ich, dass sie mir nicht passen und ich die eine um die andere sprengen will, nein sprengen muss, weil sie nur Fesseln sind und meinen Gang beschweren.

Aber obwohl die Unterschiede in den Geschlechter-Rollen so drastisch sind, lerne ich kaum Leute kennen, die offen darüber reden wollen. Warum? Warum kommen so wenige Leute in meinem Blog auf die Idee, auf die wirklich wichtigen Fragen Antworten zu liefern und warum finde ich nicht mehr Leute, die über Gefühle schreiben und ihr Innerstes preisgeben? Mir kommt die Frage immer wieder auf, liegt das vielleicht an mir selbst?

Ich hatte mal eine Zeit, in der ich sehr emotional und persönlich geschrieben habe, aber das habe ich mir abgewöhnt. Ich denke, so wie es jetzt ist, ist es auch okay. Eigentlich fühle ich mich wohl dabei. Dann aber gibt es Tage, da denke ich, dass etwas fehlt. Dass ich mir etwas vormache, mich vielleicht belüge und nicht wirklich über das schreibe, was ich denke.

Sex, zum Beispiel. Über Sex schreibe ich nie. Okay, eine Frau tut es nicht, steht irgendwo– aber hey, es ist mein Blog! Ich könnte also auch mal über Sex schreiben. Zumindest mal über meine Vorstellung von gutem Sex oder was partnerschaftliche Liebe ausmacht!

Oder lästern, über andere herziehen, das ist ein typisches weibliches Domizil. Das mache ich nicht. Warum? Weil ich niemanden verletzen will, weil ich zu zögerlich bin und denke, dass es gefährlich ist. Außerdem will ich nicht, dass man über mich lästert. Also ziehe ich mir lieber meine weiße Tischdecke über die Ohren und gebe mich „gebildet“… ist das mein Problem?

Wo ist mein Problem? Hab ich überhaupt eins? Warum zweifel ich mich an und schreibe nicht einfach über etwas, das mir auf der Seele liegt und das ich loswerden will? Warum schreibe ich überhaupt nicht mehr? Ich hatte eine Zeit, da hatte ich viele Ideen und hab jeden Tag geschrieben. Das fand ich schön, diese Zeit gibt es aber im Moment nicht.

Soll ich übers Kochen schreiben? Über meinen langweiligen Arbeitsalltag? Wenn ich darüber schreiben soll, was ich mache, fällt mir auf, dass ich ein nach außen hin langweiliges Leben habe. Das Spannende in meinem Leben, das passiert meistens in meinem Kopf. 😉

Ich weiß nicht warum, aber es ist so. Es ist einfach so. Und ich glaube, genau in diesem Moment bin ich auch ein wenig traurig und möchte einfach nur Worte finden, für das was ich empfinde.

Ich habe heute z.B. über das Thema „sich selbst belügen“ nachgedacht und das passt. Ich gebe mich schlau und sage, dass man sich nicht belügen soll, aber hey- wenn ich nicht ehrlich über meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse schreiben kann und auch im Blog nicht bereit wäre, es zu tun, wie soll ich dann anderen Menschen Ratschläge geben und ihnen empfehlen, „ehrlich zu sein“? Das wäre dann wirklich Heuchelei. Und das möchte ich nicht.

Also muss ich, wenn ich ehrlich sein will und Menschen auf einer persönlichen Ebene ansprechen und etwas zurückerhalten will, auch bereit sein, mich selbst genau in diesem Moment so zu sehen und zu präsentieren, wie ich es gut finde- ehrlich, persönlich, authentisch.

Natürlich gibt es auch Gefahren und Hindernisse. Wenn man darüber schreibt, was man denkt, kann es passieren, dass Leute einen dafür kritisieren oder ablehnen. Genau diese soziale Angst ist dann meistens der Grund, etwas nicht zu sagen oder zu schweigen.

Wenn ich überlege, ist das bei mir genau so und auch stets der Grund gewesen, warum ich geschwiegen habe oder beschließe, weniger persönlich zu schreiben. Ich will einfach nicht verletzt werden! Ich will nicht, dass ständig jemand in meiner Seele rumtrampelt. Ich will mich nicht ständig selbst offenbaren müssen. Ich will die schwierigen Klippen der Selbsterkenntnis meistens umschiffen. Aber wehe, wenn der Tag kommt- und er kommt immer wieder aufs Neue auf mich zurück- wo ich mich dem nicht mehr entziehen kann. Dann muss ich denken, dann stockt es !! Dann quält mich meine Seele so lange, bis ich sie höre und in mein Herz lassen kann. Bis ich meine Mauer aufmache und entdecke: Da ist noch eine Welt dahinter, und es lohnt sich, sie anzuschauen.

Was für eine schöne Welt!