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Es schwirrt und summt – 2

Summen im Rosmarin

Summen im Rosmarin

Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, möchte ich doch den Abschluss zur vorherigen Geschichte und meinem Erlebnis mit den Bienen schreiben. Das liegt auch daran, weil man im Internet recht wenig dazu findet und mein Erlebnis vielleicht auch jemand nützlich sein kann:

Wenn man im Internet zu diesem Problem recherchiert, findet man sehr viele Meinungen und Stimmen dazu. Hauptsächlich, wie schützenswert Bienen doch sind und dass man „sich darüber freuen soll“, wenn sie im eigenen Haus sind, usw.
Eine ablehnende Haltung ist nicht erwünscht. Wenn jemand im Forum schreibt, dass er sich dadurch gestört fühlt, vielleicht kleine Kinder im Haus hat, die nicht gestochen werden sollen oder sich um die Bausubstanz fürchtet, dann wird das nur als nebensächlich abgetan. Dabei gehört auch die ablehnende Haltung zum Verständnis für „beide Seiten“ dazu und dient ja letztendlich auch der Harmonie zwischen Mensch und Natur.

Es gibt also kaum Hinweise dazu, wie man mit einfachen Hausmitteln die Insekten davon abhält, die eigenen Wände zu bewohnen. Ohne gleich zur Chemiekeule oder anderen rabiaten Mitteln zu greifen. Dabei gibt es durchaus sanfte Methoden, um ihnen auf eine einfache Art und Weise zu zeigen, dass dieses Haus besiedelt ist, und dass es besser wäre, wenn sie sich irgendwo anders niederlassen. Die Natur ist da etwas „dumm“, sie folgt einfach dem einfachsten Weg. Für die Bienen ist die Wand kein künstliches Produkt, kein Besitz von Menschen, die Wand hat im Bienengehirn noch nichtmal einen Namen. Für die Biene ist es vielleicht eine Felswand, die sehr schön warm in der Sonne liegt und dazu noch vom Wind geschützt ist, nach Süden oder Osten zeigt- perfekt! Wenn dann noch kleine Löcher drin sind, die man „beschnüffeln“ kann und dann entdeckt, dass dahinter eine große Höhle ist, in der man prima nisten kann, warum sollte man es dann also nicht tun?

Wie erkläre ich jetzt der Biene, dass das nicht gut ist? Ein einfacher Tipp aus dem Internet, den ich etwas abgewandelt habe, besteht darin, sie mit Essiggeruch zu vertreiben. Denn nichts lieben Bienen mehr als natürliche Gerüche- Menschengerüche und alles künstliche ist ihnen zuwider. (Interessanterweise mögen sie aber Parfümdüfte von Deos, Parfüms, Hautcremes, usw. was manchmal auch ein Grund sein dürfte, warum Frauen im Freien öfters „belästigt“ werden) Eine „rohe Hauswand“ mag für sie etwas sehr natürliches und reizvolles sein. Wenn man aber nun alte Putzlappen nimmt, diese in kleine Quadrate zusammenschneidet, handlich mit Tesafilm zusammenklebt und anschließend in Essig oder Essigreiniger taucht, dann hat man eine prima „Duftmarke“ gegen die unerwünschte Fremdbesiedelung. Man nimmt diese kleinen Pakete mit getränktem Essig (am besten mit Handschuhen und bitte auf die Augen aufpassen) und stopft diese von außen in den kleinen Spalt zwischen Rolladen und Hauswand. Das geht von drinnen, man muss sich nur etwas aus dem Fenster lehnen (aber nicht zu weit!).
Am besten links und rechts in der Nähe der Rolladenkästen. Ich hab das überall gemacht und festgestellt, dass die Bienen-Kundschafter zwar noch weiterhin anfliegen, aber nach einer kurzen Inspektion wieder abziehen und woanders weitersuchen. Die Pakete klemmen etwas in diesem Spalt und fallen auch nicht herunter. Irgendwann verfliegt der Essiggeruch und das ganze muss frisch „aufgefüllt“ werden.

Erdbeeren, Minze und Frauenmantel

Erdbeeren, Minze und Frauenmantel

Das ganze Problem zeigt uns auch unser zweigespaltenes Verhältnis zur Natur: Auf der einen Seite verbauen wir die Landschaft, zersiedeln Flächen, drängen alle natürlichen Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere zurück. Auf Feldern wird großflächig Pestizid und Roundup versprüht, damit nur die „gewünschten Pflanzen“ übrig bleiben. Der Mensch trifft hier aber eine künstliche Auslese über seinen Kopf (nur Raps ist wertvoll, nur Weizen macht satt, usw.), aber er reißt die Dinge aus dem Zusammenhang. Denn wenn bestimmte Stoffe in großen Mengen eingesetzt werden und somit auch die wichtigen Bestäuber wie die Bienen töten, dann hat niemand etwas davon.

Die Natur, so wie sie in ihrem komplizierten Wechselspiel und ihrer Vielseitigkeit eigentlich gedacht ist, kommt durcheinander.

Der Mensch findet es chic, wenn überall Ordnung herrscht. Alles muss sauber und aufgeräumt sein. Bäume an der Straße machen Dreck, also weg damit. Das Unkraut zerschandelt den Platz, also rausreißen! Nur wo Stahl, Plastik, Asphalt und gerade Linien vorherrschen, fühlt sich der Mensch wohl.

Und was macht die Natur? Sie muss sich immer weiter zurückziehen und auf „Notunterkünfte“ ausweichen. Für die Natur ist das Chaos das Schöne. Denn im Chaos findet sich wie von selbst eine Ordnung. Eine, die schon vor Millionen von Jahren ganz gut funktioniert hat.

Blühende Rapsfelder

Blühende Rapsfelder

Von der Trauer…

zum Gleichgewicht

Eine schwere Trauigkeit hat mich heute erfasst. Mit den Nachrichten im Fernseher und im Internet ist auch der reale Kloß im Hals angewachsen und spürbar dick geworden. Der Druck auf die Tränendrüsen war heute nicht mehr aufzuhalten. Mein ganz persönlicher Auslegungsstörfall. Zuerst ein grauer Schleier, ein verstopftes Emotions-Ventil, darauf folgt eine gewisse Fassungslosigkeit und Stille. Dann das kaum zu formulierende Gefühl, dass diesmal wirklich etwas schlimmes passiert. Immer in stiller Hoffnung, dass die Meldungen im Fernsehen doch nochmal besser, optimistischer werden und Entwarnung gegeben werden kann. Doch das Gegenteil ist der Fall und es wird derzeit noch schlimmer. Schon sieht man die ersten Anzeichen und das Groteske bahnt sich seinen Gang. Menschen, die hinter Scheiben eingesperrt werden und auf Grund ihrer Strahlung unter Quarantäne gesetzt werden. Das ist wie in einem Science- Fiction Film. Wer weiß, wie lange sie noch strahlen werden? Werden sie jemals wieder gesund? „Er sei beruhigt“ sagte ein Mann, der hinter der Scheibe Angehörige oder Freunde hat „sie sehen noch ganz normal aus“. Ja das ist das Tückische an der Strahlung. Man sieht sie nicht, man schmeckt und fühlt sie nicht und doch ist sie tödlich. Erst fallen die Haare aus, dann vielleicht die Zähne. Dann kommen die Schmerzen und schließlich der Tod. Manchmal auch in Form von Krebs, etwas verspätet.

Dass es selbst die schwarz-gelbe (Atomfarbene…) Regierung dazu bringt, einzulenken! Ich fühle mich fassunglos, extrem überrascht und fast ein wenig gerührt. Gleichzeitig ist es aber auch eine indirekte Bestätigung dafür, wie schlimm die Krise auch von der Regierung eingeschätzt wird. Oder geht es nur um die eigenen Felle, die angesichts der anstehenden Landtagswahlen wegzuschwimmen drohen? Nein, mein Gefühl sagt mir, dass es diesmal mehr ist. Dass Merkel und Westerwelle wirklich betroffen waren und dass es nun selbst bei konservativen, ehemaligen Atom-Befürwortern vielleicht doch noch ein Einlenken oder Umdenken geben wird. Denn an die Vernunft und die Einsichtsfähigkeit des Menschen sollte man immer glauben. Wer das nicht mehr kann, hat sie selbst verloren.

Aber muss es immer so weit kommen, bis die Vernunft über die (wirtschaftliche) Sturheit siegt? Warum müssen dazu 10.000 Menschen (und vielleicht noch vielmehr) sterben? Warum müssen dafür erst unzählige Quadratkilometer an kostbarer Natur -für was weiß ich wieviel Jahre- verpestet werden? Es ist das eigene Land, das man wegschmeißt. Es sind die eigenen Tiere, die vergiftet werden, die eigenen Immobilien, die wertlos geworden sind und letztendlich die eigenen Angehörigen, die gestorben sind und die eigenen Kinder, die keine Zukunft mehr haben werden. Gegen das Erdbeben kann man nichts machen, aber gegen die Atomkraftwerke sehr wohl.

Ich glaube, wir können uns das mit gewöhnlichen Mitteln gar nicht vorstellen, was eine nukleare Katastrophe bedeutet. Zu selten hat man eine erlebt, zu irreal sind die möglichen Folgen und es wird immer noch verdrängt, vertuscht und die Panik möglichst klein gehalten. Eine atomare Wolke, die mit Nordwind auf den 35 Millionen-Großraum Tokio zuweht? Unvorstellbar.

Und es geht uns ja auch nichts an. Japan ist ja weit weg! Der Wind steht günstig für Deutschland und Europa, also weiter zur Tagesordnung. Decke über den Kopf, Fernseher ausschalten und Zeitungen zusammengefaltet liegen lassen. Ist es so einfach?

Ich finde, die Zusammenhänge sind kaum zu übersehen. Wir sind alles Menschen. Über sieben Ecken kennt jeder Mensch jeden. Unser Genpool geht nach einer Theorie auf maximal 10.000 gemeinsame Vorfahren zurück. Es gibt viele Japaner, die bei uns in Deutschland leben und es wird auch einige Deutsche geben, die in Japan leben, studieren, Urlaub machen. Die Wirtschaften sind eng miteinander verflochten, wir kaufen fast jeden Tag japanische Produkte oder sind direkt oder indirekt damit in Verbindung.
Wir sind weder genetisch noch wirtschaftlich getrennt oder verschieden, noch was unsere gemeinsame Anlagen, Wünsche, Träume und Perspektiven angeht. Wir sind alles Menschen, wir wollen alle gesund, glücklich sein und in einer sauberen Welt auf einer gesunden Erde mit Zukunft leben. Das ist unser Recht, unser ureigenstes Recht und dafür müssen wir aufstehen und uns einsetzen!

Auch die Atomkraft geht uns direkt etwas an! Ganz Europa ist übersät mit Atomkraftwerken und selbst wenn in Deutschland alle AKWs abgeschaltet worden sind, sollte der Kampf gegen Atomkraft europaweit weitergehen. Wann wird man endlich einsehen, wie wichtig alternative Energiekonzepte sind? Und warum gibt es immer noch soviele, die meinen, dass es keine Alternativen gäbe?

Tja, der Mensch ist eben doch Egoist, wenn es um Energiefragen geht.
„Klimaschutz ist gut, wenn er nichts kostet“ las ich z.B. letzens im Umweltjournal.

Wenn man die (aktuellen) Erzeugerpreise von Atomstrom mit anderen Energieformen vergleicht, wird schnell klar, was der Knackpunkt an der Geschichte ist, das Geld.

So liegt der Erzeugerpreis pro Kilowattstunde bei 2,65 Cent bei Atomkraft, Braunkohle kostet 2,40 Cent, Wasserkraft 4,3 Cent und Windenergie ganze 9 Cent. Die Photovoltaik ist noch beinahe außer Konkurrenz und mit 54 Cent extrem teuer.1

So einen tiefgreifenden Wandel wird man nicht zum Nulltarif bekommen. Aber im Grunde ist es doch egal, warum der Strompreis steigt. Ob das jetzt die Atomkonzerne sind, die sich die Taschen vollstopfen oder die Politiker, die die Steuern erhöhen. Zahlen muss man so oder so, denn ohne Strom kann niemand mehr leben.

Dennoch steigen Energie- und Stromhunger weltweit kontinuierlich an und scheinen von einer einzigen Konstante, der menschlichen Gier getrieben zu werden.  Denn „sinnvoll“ erklären kann man das schon lange nicht mehr. Mir fällt nur bei dieser Liste auf, wie stark Energiehunger und wirtschaftlicher „Erfolg“ miteinander in Bezug stehen.
Je erfolgreicher die Volkswirtschaften, desto größer ihr Energiehunger. Oder ist es umgekehrt?

Dass es mit erneuerbaren Energien eine sehr sinnvolle Alternative gibt, die einen hohen CO2 Ausstoß vermeidet und dabei gleichzeitig Werte und Arbeit schafft, zeigt z.B. diese Broschüre.

Und auch der Kapitalismus als Ganzes sollte endlich neue Antworten liefern, wie eine Wirtschaft gesund sein kann, ohne sich ständig vom Aufschwung- und dem unsäglichen Rendite- Dogmatismus beherrschen zu lassen. Kann es eine Wirtschaft geben, die gesund ist, auch wenn sie gerade nicht abnorm wächst und wuchert, wie beinahe ein krankhaftes Geschwür, dass dem Planeten Erde immer mehr an Lebensenergie raubt? Es wird höchste Zeit, darüber ernsthaft nachzudenken. Wir brauchen sinnvolle und nachhaltige Alternativen für eine gesunde Zukunft und die Abkehr von der Atomkraft ist nur ein erster, aber auch wichtiger Schritt.

Japan ist eine Warnung an die Welt. Ein Aufschrei der Natur, eine Zäsur, die dem Menschen zeigt: Eure Macht ist endlich. Baut keine Türme zum Himmel, baut eure Häuser kleiner und stabiler. Die Macht des Menschen als Ganzes ist endlich. Wirtschaftskraft um jeden Preis ist nicht alles. Was zählt, ist auch die Harmonie, das natürliche Gleichgewicht zwischen Mensch, Technik, Wirtschaft und Natur.


Anmerkungen:
  1. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk#Wirtschaftlichkeit []