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Das unbezahlbare Weihnachtsgefühl

Ist es nicht seltsam, wie sehr man für ein richtiges „Weihnachtsgefühl“ abhängig vom Wetter ist? Aber was soll das schon sein, ein Weihnachtsgefühl! Und überhaupt, vom Wetter abhängen? Das kann ja höchstens übersentimentale Poetinnen und andere christliche Romantikerinnen betreffen- aber nachweisbar ist es ganz sicher nicht!

Nun ja, ich will es dennoch mal versuchen. Dieses Jahr gab es also noch kein Schnee. Zumindest nicht für die Leute in Deutschland und für die meisten im Flachland. Etwas weiter höher in den Bergen soll es ja durchaus schon weiße Flöckchen gegeben haben. Ansonsten: Regen, Wind und Matsch, soweit das Auge trieft. Vor allem Wind, z.B. gestern. Da flog einem die Mütze nur so vom Kopf. Der Wind zerrte mit seinen kräftigen Armen am Balken der Unterkunft und wollte mal wieder zeigen, was er so drauf hat. Es pfiff und blies nur so, was das Zeug hielt. Einen ganzen Tag lang. Schwindel in den Ohren, irgendsoeine gereizte Stimmung hatte sich ebenfalls breit gemacht. Vom Wetter, ach komm! Was bist du doch nur für ein Waschlappen. Da muss man wirklich schon sehr empfindlich sein, davon so abhängig zu sein. Oder darauf so zu achten, das wird auch immer schlimmer dann!
Was sollen die Extrem-Bergsteiger erst sagen? Oder die extrem Lang-auf-einen-Pilgerpfad-Marschierer? Oder die Leute, die damals zur Antarktis gesegelt sind? Die wären froh, über diese netten mittelwarmen Temperaturen und die frische Brise. Also, wie immer eine Frage der Perspektise.

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Gewaltfreie Kommunikation

geschrieben zu Moby- Sweet Apocalypse und Coldplay Fix You

Über die „gewaltfreie Kommunikation“ habe ich in früherer Zeit schonmal geschrieben (hier und hier).

Ursprünglich darauf gebracht wurde ich durch den Buchtipp eines aufmerksamen Blog-Lesers vor einigen Jahren. Ich habe mir das Buch gekauft, durchgearbeitet und schaue immer mal wieder gerne rein.

Das Buch behandelt die Basis für unsere mitmenschliche Kommunikation, die Brücke oder Mauer zu unseren Mitmenschen, Quell für Glück oder Leid, das Mittel um uns unbeliebt oder einfühlsam werden zu lassen: Die Sprache.

Es ist ein Wissen, das man immer wieder auffrischen und in der Praxis anwenden muss. Obwohl die Theorie recht einfach ist, ist die Umsetzung schwierig. Zu sehr sind wir an alte Kommunikationsmuster gewöhnt und zu sehr hat uns eine in Machtstrukturen einseitig verteilte Welt gelehrt, dass die Sprache auch ein Mittel zum Kampf und zur Duchsetzung ist. Aber wie die Schwerter, können auch die Worte zu Pflugscharen werden… es liegt an uns, ob wir warten wollen, dass andere etwas tun oder ob wir nicht einfach selbst damit anfangen. Um das Gute zu realisieren braucht es Mut und Zuversicht, Vertrauen und Entschlossenheit. Das wirklich Gute ist in der Welt selten und versteckt sich meistens hinter dem Bösen. Prozentual und verallgemeinernd gesprochen ist das „Böse“ auf dem Vormarsch und die massenhafte Abkehr der Menschen von der Kirche (ohne an anderer Stelle Ersatz zu schaffen) belegt diesen Trend. Die Welt wird seelisch nicht gesünder, sondern eher kränker. Der Verbrauch von Psychopharmaka und der allgemeine Drogenkonsum steigen stetig an.

Konsum und Energieverschwendung haben uns zwar materiell glücklich gemacht, aber seelisch u. intellektuell viele offene Fragen hinterlassen. Auch die mangelnde Religiösität im Alltag, mangelnde Vorbilder und das Befremden, das wir z.B. vor einer fremden Kultur und einer festen Glaubenseinstellung haben, deuten darauf hin.

Ein Ausweg aus dem Dilemma kann die richtige Sprache sein. Mir ihr erschaffen wir unsere Welt. Gute Gedanken formen gute Taten, schlechte Gedanken formen schlechte. Kein Mensch schlägt auf den anderen grundlos ein, sondern immer nur, weil er vorher einen Grund gesehen hat. Weil er z.B. provoziert wurde. Weil man seine Bedürfnisse weder erkannt, noch befriedigt hat.

Obwohl wir sie ständig nutzen und ständig davon umgeben sind, denken wir selten bewusst darüber nach, was wir sagen und vor allem, wie wir es sagen. „Gewalt“ kommt zwar sichtbar selten vor (höchstens in Form von Beleidigungen, persönlichen Angriffen, Lügen, Unterstellungen, etc., die aber gesellschaftlich tabuisiert sind und daher umgangen werden müssen), aber doch ist die Sprache so komplex und läuft auf sovielen Ebenen ab, dass man den Gewaltanteil oft nur durch Umwege „entlarven“ und aufspüren kann.

Zum Beispiel kann schon eine eigentlich objektiv gedachte Analyse beleidigend aufgefasst werden, weil jedes Werturteil, das wir über die Welt stülpen, im Kern eine Verurteilung ist, die indirekt wieder aussagt, dass wir allein die einzige und beste Weltsicht haben und unser Gegenüber dafür nicht in der Lage ist. Wenn jemand z.B. Zahnschmerzen hat, sagen wir vielleicht analytisch „tut es hinten rechts weh? dann ist es der Weihsheitszahn. das würde ich schnell behandeln lassen. das sollte man schnell machen, weil man es sonst verschleppt. aber die Wartezeiten heutzutage beim Arzt, die sind unerträglich“. Der Mensch mit den Schmerzen wird hier wenig geholfen, anstatt sich seines Leides anzunehmen, wird ein Ratschlag gemacht und anschließend noch über das eigene Leid geklagt. Im Alltag mag das noch vertretbar sein, aber es gibt durchaus aggressivere Formen der Analyse und der Berurteilungen, die sich zwar auf der einen Seite „objektiv“ verpacken, aber im Kern eine Veruteilung oder eine Abwertung beinhalten. Ein aktueller Fall sind z.B. die Thesen von Sarrazin, die sich alle recht wissenschaftlich geben, aber im Grunde Volksgruppen diffamieren, d.h. ungerechtfertigt und unbegründet schlecht machen. Es ist gar nicht so schwer, die emotionale Botschaft hinter einer objektiven Aussage herauszufinden, meistens muss man sich nur auf die Zwischentöne konzentrieren, was wiederum leichter ist, wenn es gesprochene Sprache ist. Aber auch bei der geschrieben Sprache sind diese Verurteilungen, die sarkastischen Seitenhiebe und die Überheblichkeit in der Wortwahl gut zu spüren. All das schafft Leid und zwar unsinniges und überflüssiges Leid. Leid wiederum erzeugt psychischen Stress und dieser schadet unserer Gesundheit. Für unsere Mitmenschen, über die wir uns setzen wollen, aber am meisten für uns selbst. Denn je mehr wir über andere urteilen und je engstirniger wie werden, desto mehr wird auch über uns geurteilt und je mehr wir uns auf einen Streit einlassen, desto mehr werden wir davon „infiziert“.

Um also einem Streit zu entgehen, muss man zuallererst Abstand schaffen und sich erstmal selbst Mitgefühl geben. Dann kann man mit Hilfe der gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) nach den Ursachen suchen und angemessen menschliche Lösungen heraus filtern.

Eine ethisch korrekte Sprache („ethisch“ im Sinne eines lebensbejahenden Glaubensmodells, das das Gute in uns und anderen stärken soll) muss dabei auf viele Dinge Rücksicht nehmen. Im Wesentlichen geht es darum, dass wir ein Gefühl für unsere Bedürfnisse und die Bedürfnisse der anderen bekommen.

Die vierteilige Formel, die man sich dabei leicht merken kann lautet daher:

Beobachten, Fühlen, Bitten, Brauchen.

Wenn wir z.B. im Streit mit jemand sind, sollten wir zuerst BEOBACHTEN: Warum regt er sich so auf, welche Reaktionen werden gezeigt? Welche Worte werden gewählt? Wie ist der Hintergrund? Wie ist die körperliche Reaktion, wie viel Erregung steckt in der Stimme und mit welcher Leichtigkeit wird gesprochen? Wie sind die Worte angeordnet, warum hat er gerade das gesagt und nichts anderes? Auf welche Aussage von mir wurde Stellung bezogen und warum? Wie ist das persönliche Umfeld und die Biografie meines Gesprächspartners? Worauf legt er wert und was stört ihn?

All das gehört in den „Beobachtungsprozess“. Es ist offensichtlich, dass es in einer schnellen Sprache, die oft in Millisekunden ausgetauscht wird, unmöglich ist, alles so genau und haarklein zu beobachten. Dann sollte man sich einfach ein wenig Zeit geben. Innerlich durch atmen, nicht gleich zurückschlagen. Und dabei auch sich selbst beobachten: Warum rege ich mich darüber so auf? Welcher wunder Punkt wird verletzt? Welches Bedürfnis gerade nicht erfüllt? Fühle ich mich geschätzt? Hat er/sie mich richtig wahrgenommen, richtig verstanden? Spricht er/ sie authentisch? Empfinde ich das als sinnvoll? Was stört mich?

Mit ein wenig Abstand ist es auch viel leichter, zum nächsten Schritt zu kommen: Was fühlt mein Gegenüber? Worum bittet er mich und was braucht er? Diese Fragen kann man nicht wirklich voneinander trennen und sie hängen miteinander zusammen. Aus dem Konsens dieser vier Fragen ergibt sich dann ein viel klareres Bild über den Gegenüber und man tritt in einen menschlichen Kontakt- was wesentlich besser ist, als sich gegenseitig Analysen an den Kopf zu werden und auf dem menschlichen Sektor immer nur auf der Stelle zu treten.

Natürlich sind die meisten von uns auch keine Krankenschwestern, keine Pastoren und keine Psychologen. In diesen Berufen wird die GFK auf den fruchtbarsten Boden treffen und psychisches Leid reduzieren. Aber auch für normale Leute, für den normalen Berufs- oder Beziehungsalltag, für Probleme mit Verwandten, Freunden, etc. ist die richtige Sprache das perfekte Hilfsmittel, um Konflikte zu entschärfen und produktiver, glücklicher und menschlicher zu werden. Da das emotionale Miteinander die Basis für alles Weitere ist, schafft eine positive Emotionalität ein wichtiges Fundament, um darauf zu wachsen und Frieden in der Welt zu schaffen..

Zum Schluss versuche ich mein Anliegen hinter diesem Blog-Artikel, nochmal GFK-getreu zu formulieren:

Ich wünsche mir, dass mehr Leute eine gute Sprache verwenden. Ich wünsche mir mehr Verständnis der Menschen untereinander und ich möchte dabei versuchen, meinen Anteil zu leisten. Ich finde die Theorie der GFK sehr gut und wertvoll. Durch das Denken darüber habe ich die Chance, mein Wissen zu vertiefen. Ich möchte mein Wissen weitergeben und hoffe, dass es andere verstehen.

Ich wünsche mir eine positive Welt, die frei von persönlichen Angriffen, Egoismus und Vorurteilen ist. Ich finde, dass der gute Kontakt zwischen den Menschen das wichtigste im Leben ist.

Mir fällt auf, dass das Formulieren in der GFK einem klassischen Gebet recht nahe kommt. Im Gebet sind wir meistens auch wir selbst und im Idealfall „beichten“ wir unser Leid und sind frei von Zuschauern, relativ ehrlich zu uns. Natürlich kann man sich auch in der Einsamkeit noch belügen, aber wenn wir in der GFK-Form beten, reduzieren wir automatisch auch die Lügen und die kleinen Not-Brücken, die uns sonst durch den Alltag schiffen. Das Ergebnis ist dann ein produktiverer und von Sorgen freierer Lebensablauf.

Wer also wie in der GFK spricht, bringt damit seine eigene Religiosität und sein Innerstes auf den praktischen Boden der Realität.
GFK bedeutet, eine gute Einstellung zu leben und in der Sprache zum Ausdruck zu bringen..