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	<title>J.A. Blog &#187; Gesellschaft</title>
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		<title>Kein Ohr- 2</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Aug 2011 08:47:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Motivation]]></category>

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		<description><![CDATA[Patient Gesellschaft
Habe nochmal über den letzten Text nachgedacht. Der ist eigentlich zu depressiv, zu negativ und sieht nur eine Seite.
Diese Motivation „etwas ändern zu wollen“ oder die euphorische, bis jugendlich-überschwengliche, vielleicht auch „dumme“ Haltung „die Welt zu verbessern“ hatte ich nicht immer. Wie ist das Blog überhaupt entstanden? Was wurde aus der Anfangsmotivation und welchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Patient Gesellschaft</em></p>
<p>Habe nochmal über den letzten Text nachgedacht. Der ist eigentlich zu depressiv, zu negativ und sieht nur eine Seite.</p>
<p>Diese Motivation „etwas ändern zu wollen“ oder die euphorische, bis jugendlich-überschwengliche, vielleicht auch „dumme“ Haltung „die Welt zu verbessern“ hatte ich nicht immer. Wie ist das Blog überhaupt entstanden? Was wurde aus der Anfangsmotivation und welchen Lauf hat sie dann über die Jahre genommen? Es mag manche LeserInnen etwas langweilen und als Nabelschau wirken, aber ich habe einfach Lust darüber nachzudenken, weil es mir auch hilft, Klarheit zu bekommen und den zukünftigen Kurs der eigenen Schreib- Arbeit besser absteckt. Ich könnte den Text auch nur für mich schreiben, aber ich will die Öffentlichkeit darüber informieren, wie der Stand der Dinge aussieht&#8230; da meine Blog-Öffentlichkeit überschaubar ist, ist das auch kein Problem (und vom Exhibitionismus einer Charlotte Roche bin/bleibe ich hoffentlich noch weit entfernt).</p>
<p>Ursprünglich habe ich das Blog aus reiner Langeweile gemacht, weil ich ein paar Ideen im Kopf hatte, die raus mussten. Das ist eigentlich schon alles. Vielmehr Motivation gab und gibt es nicht (und sollte es meiner Meinung nach auch nicht geben, weil es dann zu kompliziert wird). Wenn man erstmal überlegt, wieviel Besucher man haben möchte, wieviel Geld man durch Werbung verdienen möchte oder wie die eigene Persönlichkeitsmarke besser ausgebaut werden kann, dann hat man vielleicht mehr Ehrgeiz und einen stärkeren, von außen motivierten Antrieb, aber die Qualität und Art der Texte wird zwangsläufig darunter leiden. Die maximale Freiheit beim Bloggen auszunutzen halte ich für den größten Gewinn an dieser Tätigkeit.</p>
<p>Erst mit der Zeit habe ich gemerkt „hoppla da sind ja noch andere Menschen, die ähnlich denken“ und mir fiel auch auf, wie bei bestimmten Aussagen heftiger Gegenwind entstanden ist oder Leute bereit waren, in eine Diskussion einzusteigen. Ich habe diesen Zweig einfach weiterverfolgt und bin so auch zum politischen Bloggen gekommen. Mit der Zeit schaut man sich immer mehr Details der Gesellschaft an, steigert sich vielleicht auch immer mehr rein&#8230; und dann? Enttäuschung? Resignation? Je mehr man eine Sache betrachtet, desto mehr sieht man auch ihre Schwächen und desto eher erkennt man vielleicht auch die Zusammenhänge. Und damit verbunden ist die Kenntnis, dass die Welt zwar schlimm ist, aber man nur recht wenig tun kann. Es ist daher umso wichtiger, das zu tun, was man <em>überhaupt</em> machen kann. Es sind oft nur kleine Schritte, kleine Gedanken- aber die Gesellschaft ist eben die Summe dieser kleiner Menschen, kleiner Gedanken, die erst im Zusammenspiel zu etwas Großem werden. Der einzige Mensch ist nie groß, er ist immer nur ein kleiner Teil von allem.</p>
<p> Bei der Politik drängt sich oft der Eindruck auf, dass das Ganze zwar „Demokratie“ heißt, aber die Menschen selbst durch die modernen Medien nicht wirklich Einfluss auf Enttscheidungen haben. Bestimmte Protestwellen im Bereich der Internetpolitik sind da eine Ausnahme (Zensursula, und ähnliche). Dieses Zusammenspiel zwischen Bürger und Politik zu verbessern, halte ich nach wie vor sehr wichtig, auch wenn es regelmäßig zu Enttäuschungen führt.</p>
<p>Wird ein Arzt rat- und hilflos, wenn er viele Patienten kuriert und viele Krankheiten in seinem Leben gesehen hat? Wenn ihm Menschen unter dem Messer weggestorben sind? Warum kann der Arzt am menschlichen Leben fröhlich weiterschneiden und warum wird der Blogger ratlos und resigniert? Der Blogger schneidet mit seinen Worten durch die Welt und wenn der Text-Körper aufgeschnitten ist, setzt er hier und da eine neue Laut-Verbindung und entfernt am anderen Ende totes Gedanken-Gewebe und pflanzt neue Ideale ein. Er kann die Natur des Menschen nicht komplett ändern, aber er kann kleine Eingriffe vornehmen, die die Natur aus eigener Kraft nicht mehr ändern könnte. Und ja, manchmal sieht es auch kunstvoller aus, als es eigentlich ist. „Ästhetik und Funktion, natürlich beides!“</p>
<p>Der letzte Arzt, der mir in Erinnerung geblieben ist und von dem diese Worte stammen, wirkte auch hilflos. Er hatte Ringe unter den Augen und er wirkte überarbeitet. Er war schon etwas alt und hätte eigentlich in Rente gehen müssen. Seine Worte waren kurz angebunden und er wirkte nicht besonders fröhlich oder gelassen, aber dennoch voll konzentriert und kompetent. Ich hatte das Gefühl, dass er sich an seinem Job festhielt und äußerst ungern in den Ruhestand gehen wollte. Er war ein Workaholic und seine größte Motivation war das Helfen und der Dienst am Menschen. Auch wenn er nicht darüber sprach, so hat man es ihm sehr gut angemerkt.</p>
<p>Wieviel Patienten sind bei ihm gestorben? Wieviel Leiden hat er schon gesehen? Und hat er je aufgegeben? Nein..aber die Arbeit hat ihn verändert. Er wurde älter. Aus seinen hochfliegenden Idealen auf der Uni sind Realitäten geworden. Er ist vielleicht Chefarzt geworden, was er sich vorgenommen hatte. Karriereziel erreicht. Aber hat er auch den bahnbrechenden Durchbruch in der Forschung gemacht? Wurde er international ausreichend gehört? Wurde er ein glücklicher Mensch? Hat seine Ehe zu sehr darunter gelitten? Hat er genug verdient? Hat er „als Mensch“ genug zurückbekommen?</p>
<p>Hat er- und das frage ich mich am meisten- je danach gefragt, was die Patienten <em>für ihn</em> tun können?</p>
<p>Der Arzt ist für mich ein Vorbild. Er arbeitet bis zum Umfallen, die Motivation ist das Helfen. Und er macht es, ohne zu fragen oder ständig was zu erwarten. Obwohl diese Haltung rein logisch und vom Kopf her betrachtet, unsinnig erscheint, so scheint sie auf einer anderen Ebene wunderbar zu funktionieren.</p>
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		<title>Vom Privaten zum Gesellschaftlichen</title>
		<link>http://www.ja-blog.de/2011/06/vom-privaten-zum-gesellschaftlichen/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 08:32:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bloggen]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Einleitung
Ich bin derzeit in vielen Dingen gefangen, geborgen, versteckt und komme nicht zum Schreiben. Da ist zum einen mein Kindle, der eine schier endlose Kette an Informationen in sich birgt, die durch die kostenlosen Leseproben auch nicht mehr abreißen will. Die Inspirationen auf der einen Seite stoßen endlose Gedankenketten an und führen zu immer weiteren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einleitung</strong></p>
<p>Ich bin derzeit in vielen Dingen gefangen, geborgen, versteckt und komme nicht zum Schreiben. Da ist zum einen mein Kindle, der eine schier endlose Kette an Informationen in sich birgt, die durch die kostenlosen Leseproben auch nicht mehr abreißen will. Die Inspirationen auf der einen Seite stoßen endlose Gedankenketten an und führen zu immer weiteren Büchern, in die ich dank der Testfunktion reinlesen kann und so stapeln sich inzwischen über 100 Leseproben, über die ich schon bald die komplette Übersicht verloren habe. Gelesen wird immer das „Obenauf“ und das Ganze wechselt sich munter miteinander ab.</p>
<p>Ca. 20 kostenlose Bücher schlummern im elektronischen Lesegerät, davon habe ich aber erst zwei zu mehr als 50 Prozent gelesen. Dazu kommen ca. fünf kostenpflichtige Exemplare, die ich mir „testweise“ gekauft habe und von denen ich sehr begeistert bin. Diese Bücher werde ich -durch Zitate oder kleinere Rezensionen- sukzessive im Blog vorstellen und erläutern.</p>
<p>Wie die LeserInnen ja wissen, hat mir mein Blog in der letzten Zeit sowieso keinen Spaß mehr gemacht und ich war/bin froh, auch mal etwas anderes machen zu können. Manchmal kann ein Abstand, vor allem ein längerer, sehr heilsam sein, um darüber nachzudenken, was man eigentlich macht und warum. Beim Bloggen fällt es mir aber trotz aller Zweifel und logischen Überlegungen, die mir die Unsinnigkeit so eines Projektes vor Augen führen sollen, stets leichter, einen neuen Text eins ums andere mal aufzusetzen als mich in Enthaltsamkeit zu üben. Für mich ist das ein untrügliches Zeichen, dass das Bloggen und das Schreiben selbst viel mehr ist, als man mit Logik begreifen kann. Es gibt anscheinend unbewusste, versteckte Motive, die mich dazu bringen, immer wieder zu schreiben. Und ich bin mir sicher, wenn ich das jetzt besser „erklären“ könnte, hätte man die Hauptmotivation dafür gefunden, warum es Menschen gibt, die leidenschaftlich gerne bloggen und dann wieder welche, die es überhaupt nicht machen und auch nicht gerne in anderen Blogs lesen.</p>
<p><strong>Das Meta-Thema Blog</strong></p>
<p>Da ist zum einen der Ausdruck über die Sprache. Der Mensch kann sich in vielen Dingen, in vielen Medien und ganz unterschiedlich äußern. Gerade die Kunst bietet einen unüberschaubare Vielfalt an Betätigungsmöglichkeiten (Tanzen, Singen, Modellieren, Malen, Musizieren, usw.); bei mir ist es eben die Sprache, die das Haupttor zur Welt geworden ist.</p>
<p>Daher stellt sich eigentlich auch nicht die Frage, warum man bloggt, selbst wenn man damit kein Geld verdient oder keine Rückmeldungen bekommt; freilich sind die Rückmeldungen auf diese ohnehin schon leidenschaftliche Tätgikeit wie ein Verstärker, der das ganze nochmal ums hundertfache steigert- aber ich bräuchte sie nicht allein, um mich dem Schreiben hin zu wenden.</p>
<p>Manch Mensch kann es nun seltsam erscheinen, warum ich mich auf dieses Experiment (des Nicht-Schreibens) immer wieder einlasse oder gar das Bloggen selbst ständig neu definieren muss. Wäre es nicht leichter, einfach zu schreiben und sich mehr auf die Sachthemen zu konzentrieren und quasi eine Betriebsblindheit zu entwickeln und eine Unzugänglichkeit zu Meta-Themen wie sie viele Bereiche und Berufe des heutigen Menschen mit sich bringen? Dass das nicht geht, liegt in der Natur des Sache, des Schreibens, Denkens und auch „Grübelns“ begründet. Wer richtig „denken“ will, muss auch lernen, den Selbstzweifel zu ertragen. Wer nicht mehr über sich selbst oder sein Tun nachdenken kann, wird sich langfristig von sich selbst entfremden.</p>
<p>Kann man ein Blog überhaupt als „Beruf“ definieren? Gewiss, ich schrecke oft vor den Leuten zurück und bin beeindruckt von ihren logischen Argumenten, wie sie sinnvolles und nicht-sinnvolles fein säuberlich auftrennen und das einzig und allein an der Menge der Geldscheine bemessen, die dann jeweils damit „verdient“ werden. Es ist eigentlich traurig, dass wir heutzutage einzig und allein diese Perspektive kennen und für alle anderen Perspektiven so blind geworden sind. Das ist der Grund, warum soviele Künstler und Dichter (Dichterinnen) ein Nischendasein führen und selbst bei allerhöchster künstlerischer Schreibproduktivität (die eine Produktivität im eigentlichen wirtschaftlichen Sinne ist) kaum bis gar nicht beachtet werden. Hier klafft eine Lücke, zwischen dem was „wertvoll“ ist und eine Demokratie ausmacht und zwischen dem, was die Gesellschaft als wertvoll erachtet und zwar durch Aufmerksamkeit, Zuhören, Zurückgeben oder gar einer materiellen Wertschätzung (die wiederum nur eine von vielen ist).</p>
<p><strong>Private Werte vs. öffentliche Werte</strong></p>
<p>Unsere Gesellschaft driftet an diesem Punkt auseinander und ich will erläutern, wie ich mir das erkläre:</p>
<p>Wenn sich nun Kinder um ältere Angehörige kümmern und sie zu Hause pflegen, wenn die Mutter ihren Job aufgibt, um sich um ihre Kinder zu kümmern und dafür das Alleinsein und den mangelnden Respekt oder gar eine Scheidung in Kauf nimmt, wenn die Geschwister für ihre eigenen da sind, wenn der Lehrer Überstunden an der Problemschule macht, von der seine Kollegen schon längst Abstand genommen haben; wenn der Landarzt seine alten und wenig „lukrativen“ und auch medizinisch und im Sinne der eigenen Karriere nicht reizvollen Patienten mit Liebe und Geduld versorgt, so leisten all diese Menschen einen unschätzbaren Wert für die Gesellschaft.</p>
<p>Sie alle leisten deutlich mehr, als die Gesellschaft bereit zu bezahlen ist. Sie leisten mehr, als dass sie Anerkennung bekommen und sie sind alle durch sich selbst motiviert und bekommen zum Großteil ihrer Zeit kein Lob, keine Aufmerksamkeit und keine staatlichen helfenden Hände, die sie unterstützen. Was sie vielleicht nährt ist ihre menschliche Überzeung, ihr Mitgefühl oder gar ihr Glauben an das Gute im Menschen. Der Zusammenhalt dieser Gesellschaft ist in diesem Moment von der Wertschätzung und dem Mitgefühl dieser Menschen in höchstem Maße abhängig- und obwohl es so evident ist, begreifen die wenigsten diesen &#8220;nicht messbaren&#8221; Zusammenhang.</p>
<p>Diese Gesellschaft, so scheint es mir, hat an vielen Punkten den Wert für diese Menschen und diese Handlungen des Mitgefühls verloren; mehr als das, sie kann es nicht mehr wahrnehmen, nicht artikulieren und folglich auch nicht ändern. Viele Probleme werden privatisiert und sind sie erst einmal per Gesetz aus dem Blickwinkel des Staates verschwunden, braucht er sich keine Sorgen mehr zu machen. Was übrigt bleibt, sind nicht weniger soziale Probleme, aber deutlich weniger verantwortliche Stellen, die man zur Rechenschaft zwingen oder eine Erklärung abringen könnte.</p>
<p>So schreibt z.B. Ulrich Schneider in seinem Buch „Armes Deutschland“:</p>
<p><em>Hat der Staat beispielsweise die Kostenübernahme für nicht verschreibungspflichtige Medikamente erst einmal gestrichen, wie in Deutschland geschehen, können ihm Heuschnupfen oder Hautausschläge herzlich egal sein. Er nimmt sie gar nicht mehr wahr. (Highlight Loc. 2250-52)</em></p>
<p>Er führt darin eine Überlegung auf, mit welchem Eigeninteresse „der Staat“ handelt (und nicht etwa die Politiker, auf die üblicherweise immer eingedroschen wird) und erklärt das Selbstbild dieses Staates. Der Staat ist im Wesentlichen abhängig von einer florierenden Wirtschaft (zwecks Steuereinnahmen, Arbeitsplätzen und Vollbeschäftigung) und von seinen Bürgern (zwecks Steueraufkommen und Erhaltung der Macht durch Wählerstimmen). Und so kommt er im Kontext dieser Selbstdefinition zum Schluss:</p>
<p><em>Manche Argumente sind mehr, manche weniger zwingend. Manche treffen die Eigeninteressen des Staates mehr, manche weniger. Dass es einfach nur armselig ist, wie diese Alleinerziehenden mit ihren Kindern in Hartz IV leben müssen, ist vor diesem Hintergrund nicht nur kein zwingendes, sondern überhaupt kein Argument.</em></p>
<p>Hier sieht man den unsichtbaren Trennstrich, der zwischen den Eigeninteressen des Staates und den Interessen und „menschlichen“ Problemen seiner Bürger gezogen wird. Solange etwas dem Steueraufkommen dient und mit Macht verbunden ist (reiche Unternehmer, Drohung mit Abwanderung, große Lobbygruppen, etc.) kann und muss der Staat reagieren. Betrifft es allerdings Menschen, die sowieso schon vom geschäftlichen Erwerbsleben und damit einem Großsteil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen sind (z.B. Hartz IV Empfänger) versiegt das Interesse und die Absicht in ihrem Sinne überhaupt etwas zu tun.</p>
<p>Anders ist es bei den Rentnern, die inzwischen eine Anzahl von 20 Millionen (!) haben, damit ein Viertel der Bevölkerung und ein Drittel der Wahlberechtigten stellen (<em>Highlight Loc. 2284-85</em>) und durch ihre entsprechenden Lobby-Gruppen und Vereine einer der mächstigsten Gruppen in Deutschland darstellen. Es erklärt sich von selbst, dass das Interesse von jungen Menschen dadurch in Schieflage gerät, weil diese jungen Menschen meistens deutlich weniger Zeit haben, sich zu organisieren (weil sie außer Haus arbeiten müssen oder 18 Stunden am Tag Kinder großziehen) und auch in weniger „Lobbygruppen“ organisiert sind. Der demografische Wandel trägt sein übriges dazu bei (immer weniger Schultern müssen immer mehr Münder ernähren und die Sozialkassen füllen; messbar z.B. durch die in den letzten Jahren ständig gesunkene „Aktivenquote“; die derzeit bei ca. 43 Prozent liegt).<sup><a href="http://www.ja-blog.de/2011/06/vom-privaten-zum-gesellschaftlichen/#footnote_0_3467" id="identifier_0_3467" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Allerdings f&uuml;hrt er dieses Beispiel auf, um die Macht der Lobbygruppen und Eigeninteressen bestimmter W&auml;hlerschichten besser zu erl&auml;utern, und ihren Einfluss auf politische Entscheidungen darzustellen. Das kann man nat&uuml;rlich mit der Hoteliers-Entlastung der FDP, den Spritkonzernen, den Banken oder den Energiefirmen noch viel besser und medial wirksamer machen; Er redet dabei nicht &amp;#8220;gegen die Rentner&amp;#8221; oder gar die H&ouml;he der Sozialkassen, was bei einem Buch &uuml;ber Armut absurd w&auml;re; das kann man auch hier in diesem Artikel leicht verwechseln oder missverstehen; dennoch ist es so, dass der Demografie- Faktor und vor allem die Lobbygruppen in der Politik eine wichtige Rolle spielen">1</a></sup></p>
<p><strong>Die emotionale Berührung</strong></p>
<p>Warum beschäftigt sich ein Mensch wie Schneider denn überhaupt mit der Armutsproblematik? Auch er wird nur indirekt davon profitieren und kein wesentliches Geld damit verdienen. In einem der anfänglichen Sätze macht er eine interessante Feststellung, die sich sodann wie ein rotes Band durch die weiteren Verläufe seiner Argumentation zieht:</p>
<p><em>Ohne Emotion ist die Verständigung auf einen tragfähigen Konsens zum diffusen Problem der Armut als Grundlage eines gemeinsamen Handelns schwer möglich. (637-38)</em></p>
<p>und</p>
<address>Um zu dem Schluss zu gelangen, dass es sich in einer ganz konkreten, alltäglichen Situation um Armut handeln könnte, reicht es nicht aus, sie lediglich intellektuell zur Kenntnis zu nehmen und zu reflektieren. Es braucht eine subjektive, emotionale Berührung. (634-36)</address>
<p>
Kommen wir nochmal zum Schreiben und den gesellschaftlichen Problemen und Perspektiven, die damit verbunden sind, denn auch hier haben wir unzählige „emotionale Berührungen“ die uns tausendfach bewegen und immer wieder neu antreiben. Sie sind, da bin ich mir inzwischen sicher, der geheime Motor, der die eigene Schreibmotivation immer wieder am Leben hält.</p>
<p>In welche gesellschaftliche Grauzone trifft das Schreiben also? Im Schreiben (vor allem im Blog) nimmt sich der private Bürger der gesellschaftlichen Probleme an, die in seinem Land nicht gut laufen und diskutiert sie mit anderen. Vor allem die Dinge, die von den staatlichen Stellen auf Grund ihrer Struktur oder gar Ignoranz gar nicht mehr wahrgenommen werden und um der Gesellschaft und seinen Mitmenschen zu erklären: Wir haben euch nicht vergessen.</p>
<p>Wenn er auch nichts in unmittelbarer Weise ändern kann, so hat er mit dem Blog doch wenigstens eine Möglichkeit zur Artikulation und kann darauf aufmerksam machen und sich mit anderen zusammenschließen oder Erfahrungen austauschen. Das eigene Leid kann genauso formuliert werden wie das allgemein gültige und „gesellschaftliche Leiden“. Lässt man die ganzen spitzfindigen Unterscheidungen weg, wird man wahrscheinlich feststellen, dass es zwischen ihnen keine sorgsam zu ziehende Trennlinie gibt.</p>
<p>Wenn man sich die Struktur des Staates, seine Eigeninteressen und seine innere Organisation anschaut, gibt es keinen anderen Weg. Darauf abzuwarten, dass die Politik eines Tages gutmütig und weise und alles im eigenen Sinne umstellen wird, ist nicht nur gutgläubig, es ist absolut realitätsfern. Selbst in einer Demokratie (oder gerade darin) gibt es die Verpflichtung zur Eigeninitative. Wir bekommen zwar keinen Weg diktiert, aber es ändert auch niemand was für uns, wenn wir nicht aktiv werden. Wir müssen lernen, selbstständig zu denken, wir müssen lernen uns auszudrücken und mir müssen in diesem Zusammenhang lernen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und sie nicht ausschließlich als Konkurrenten oder Gegner zu sehen (wie unser Wirtschaftssystem uns leider teilweise dazu zwingt).</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Wenn du nicht mehr da bist, wird auch keiner mehr fragen, wer du warst. Gehört wird einzig und allein der, der den Mund aufmacht und seine Bedürfnisse und Ansichten formulieren kann. Jeder Blogartikel, so privat oder technisch er nun ist (denn auch als Verbraucher, auch als Liebender oder Liebende ist man Teil des Systems) trägt seinen Beitrag zur Gesellschaft bei. Der Staat, das ist in der Summe nicht die Hochrechnung aller Institute und Krawattenträger im fernen Berlin, der Staat sind wir.</p>
<br>
<strong>Anmerkungen:</strong><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_3467" class="footnote">Allerdings führt er dieses Beispiel auf, um die Macht der Lobbygruppen und Eigeninteressen bestimmter Wählerschichten besser zu erläutern, und ihren Einfluss auf politische Entscheidungen darzustellen. Das kann man natürlich mit der Hoteliers-Entlastung der FDP, den Spritkonzernen, den Banken oder den Energiefirmen noch viel besser und medial wirksamer machen; Er redet dabei nicht &#8220;gegen die Rentner&#8221; oder gar die Höhe der Sozialkassen, was bei einem Buch über Armut absurd wäre; das kann man auch hier in diesem Artikel leicht verwechseln oder missverstehen; dennoch ist es so, dass der Demografie- Faktor und vor allem die Lobbygruppen in der Politik eine wichtige Rolle spielen</li></ol><br>
<br>]]></content:encoded>
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		<title>Den Blickwinkel weiten</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Sep 2008 10:43:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Zuletzt war diese Studie in den Medien, in der es darum ging, dass ein Sozialhilfesatz von 132€ ausreichen müsse (Link), um einem einzelnen Menschen das Überleben zu sichern. Jetzt bekommt der unbekannte Professor Rückendeckung auf prominenter Ebene, nämlich kein anderer als Friedrich Merz (Link) bestätigt seine Aussagen. Zuerst hielt ich das Ganze für einen Scherz, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zuletzt war diese Studie in den Medien, in der es darum ging, dass ein Sozialhilfesatz von 132€ ausreichen müsse (<a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article2401331/Hartz-IV-Professor-verteidigt-umstrittene-Studie.html" target="_blank">Link</a>), um einem einzelnen Menschen das Überleben zu sichern. Jetzt bekommt der unbekannte Professor Rückendeckung auf prominenter Ebene, nämlich kein anderer als Friedrich Merz (<a href="http://www.welt.de/politik/article2433139/Friedrich-Merz-haelt-132-Euro-Hartz-IV-fuer-genug.html" target="_blank">Link</a>) bestätigt seine Aussagen. Zuerst hielt ich das Ganze für einen Scherz, aber ein kurzer Blick auf den Kalender bestätigte mir doch, dass es wohl ernst gemeint sein müsse.</p>
<p>Nehmen wir mal die Position eines fiktiven Professors ein und stellen uns das Leben vor!</p>
<p><span id="more-171"></span></p>
<p>Man nimmt sich einen Bogen Hochglanzpapier, einen Taschenrechner mit 200 Funktionen, dreht die Heizung schön auf, denn draußen wird es kalt, nimmt seinen teuren Mont Blanc- Füller, rückt die eigene mit Diamanten besetzte Armbanduhr zurecht und setzt sich an den 6 Quadratmeter großen Schreibtisch und rechnet los! Zwischendrin bringt einem die Sekretärin einen Kaffee, zu Mittag geht man in die hauseigene Kantine. Zu Hause warten die Frau und die drei Kinder, für die man neben seinem Gehalt natürlich noch ordentlich Kindergeld einstreicht. Das Haus ist groß, vielleicht 250 qm Wohnfläche im Grünen und ohne Lärm, für alle ist genug Platz, die Frau und man selbst fahren ein schönes Auto. In den Urlaub fährt man 2 bis 3mal im Jahr, die Energiekosten schrecken nicht, da man ja finanzielle Reserven aufgebaut hat und zur Not auch ein Sparvertrag oder ein paar Aktien flüssig machen kann. Das Grundgehalt beträgt ca. 3600 € (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Besoldungsordnung_W#Besoldungsgruppen_W_2_und_W_3" target="_blank">Quelle</a>) , das Kindergeld für drei Kinder 462 € (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kindergeld" target="_blank">Quelle</a>) da kann man schon ein paar Sprünge machen. Es ist natürlich nicht soviel wie in der freien Wirtschaft, aber es zeigt, dass rein finanziell die Unterschiede zum Gegenstand der Untersuchung sehr groß sind.</p>
<p>Nimmt man nun ein (absichtlich niedrig angesetztes) fiktives Nettoeinkommen von ca. 3500 €, ergibt das ein Verhältnis zum angestrebten Sozialhilfe-Satz von 26 zu 1. Aus dieser Perspektive muss sich meiner Meinung nach zwangsläufig eine Verzerrung der Lebenswirklichkeit ergeben. Selbst zu dem herkömmlichen Hartz IV – Satz von 351€ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hartz_4#Regelleistung" target="_blank">Quelle</a>)  ist das noch ein Verhältnis von 10 zu 1. Die andere Frage bleibt: Ist der fiktive Professor wirklich 10mal soviel wert wie ein Mensch, der nicht soviel Glück gehabt hat und jetzt mit einem Zehntel seines eigenen Lohns auskommen muss?</p>
<p>Viele mögen jetzt sagen „der Professor arbeitet ja auch“ und „der Arbeitslose schaut nur den ganzen Tag lang fern!“. Damit haben sie vielleicht recht, das ist die momentane Situation der beiden. Der erste Blick verhindert aber die Untersuchung der Art und Weise wie beide in diese Lage geraten sind. Ob es selbstverschuldet war … oder eine Frage der sozialen Chance?</p>
<p>Hatten wir die Sozialsysteme nicht mal eingeführt, um solche individuellen Risiken abzufangen und jedem Menschen zu ermöglichen, wieder aufzusteigen und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen? Lang ist´ s her, möge man meinen!</p>
<p>Das Schlimme an dieser Diskussion und an der Haltung gegenüber Arbeitslosen finde ich, dass sie grundsätzlich und mit starken Vorurteilen durch die Bank als arbeitsunwillig, faul, bequem, etc. gebrandmarkt werden und dass die Leute, die darüber urteilen, meist überhaupt keinen direkten Einblick in solche Lebenswirklichkeiten haben. Das ist die eigentliche Schande an solchen Studien und die kalte Berechnung der Zahlen ist zynisch, wenn nicht menschenverachtend.  Dieser extreme Blick von der einen Seite, von oben herab ist genauso gefährlich wie der andere, frustrierte Blick von unten, weil beide zu Extremen und Vorurteilen führen. Die eigentlichen Probleme, die zu der großen Einkommensschere und den sozialen Unterschieden in Deutschland geführt haben, werden somit nicht gelöst. Die einen wollen die „Armen“ immer noch weiter ausbeuten und sehen in ihnen das eigentliche Übel, ohne zu fragen, wie es zu ihrem Unglück gekommen ist. Maßnahmen in der sozialen Förderung, im Bildungssystem und vor allem in der Haltung der Gesellschaft und jedes Einzelnen werden mit Kampfparolen übergangen, was letztendlich allen schadet.</p>
<p>Man vergisst zu schnell, dass die sozialen „Schichten“, über die so gerne geredet wird, nichts ist, was irgendwie angeboren oder statisch sein muss. Menschen können sich verändern, aufsteigen, aber auch ihren Job verlieren, krank werden und sehr schnell wieder „absteigen“. Wenn man aber immer in diesen Gruppen als gottgegebenes Stigmata denkt, verliert man seine Fähigkeit, die Realität wirklich so wahrzunehmen wie sie ist. Der fiktive Professor z.B. kann auch aus einer armen Familie stammen, wo die Bedingungen schlecht waren, er hat sich eben „hochgeboxt“ und verachtet jetzt vielleicht Menschen, die nicht so stark wie er waren, die er als natürliches Feindbild und als Abschreckung in seinem Kopf behalten hat. Andere bequemere Menschen oder Menschen, die einfach anders veranlagt sind, nicht so gut lernen und büffeln können, verlieren im Bildungssystem von Anfang an. Wenn dann noch die Verhältnisse schlecht sind und sie nicht gefördert werden, können sie einfach nicht mithalten, das ist ihre traurige Realität.</p>
<p>Diese Studien bringen meiner Meinung nach überhaupt nichts, sie verfestigen nur die Vorurteile und gehen an den Ursachen vorbei. Mit einem engen Blick auf den eigentlichen Überlebensbedarf gerichtet, mögen sie richtig sein. In einem größeren Zusammenhang verlieren sie allerdings ihren Sinn und man mag von einem Professor fordern, dass er diese Zusammenhänge auch erfassen sollte und kann!</p>
<p>Was bringt es, wenn Menschen noch mehr gezwungen werden, in Armut zu leben? Sie werden noch mehr ausgegrenzt, verlieren noch mehr den Anschluss, können nicht mehr teilhaben (1 € war in der Studie pro Tag für Kultur ausgewiesen!). Man stigmatisiert eine ganze Gruppe von Menschen und wirft sie in einen Topf. Man schafft Außenseiter und Verlierer, was sich wiederum in Frust und Gewalt spiegeln kann. Diese Menschen sind ja nicht weg, sondern sie werden versuchen zu überleben und alles daran setzen, ihrem Schicksal zu entkommen. Vielleicht wählen sie dann absichtlich extreme Parteien und suchen sich Seelenfänger, die ihre Bedürfnisse scheinbar besser verstehen und sich für sie einsetzen. Der Aufschwung der Links-Partei beispielsweise war vor allem eine direkte Folge der Hartz IV- Gesetze. Menschen sind nicht so einfach und sie lassen sich nicht wie Maschinen nach Kosten/ Nutzen berechnen. Sie werden sich wehren und sie werden sich einen Platz und eine Nische suchen, in der sie überleben und vor allem „zurückschlagen“ können. Wer solche Studien verfasst, produziert indirekt Hass und Gewalt. Er löst die Probleme nicht, sondern verwandelt sie in kalte Zahlen und stellt sie in sein Regal.</p>
<p>Es sollte andere Menschen geben in diesem Land, auf die man mehr hören sollte und es sollte andere Lösungen geben.</p>
<p>Das Problem an der Gesamtsituation sind meiner Meinung nach nicht die unteren Einkommensgruppen oder die Arbeitslosen und es sind auch nicht die gigantischen Gehälter der Reichen. Es ist das mangelnde Gefühl, dass wir alle in einem Boot sitzen, dass wir alle aus dem gleichen Land kommen, dass wir dafür da sind, dem anderen zu helfen und unser Glück, unsere Fähigkeiten mit anderen zu teilen. In der Nationalhymne heißt es z.B. „Einigkeit und Recht und Freiheit“, das sind die Ziele, die für unser Land gelten sollte, ganz ohne Nationalstolz, einfach literarisch kritisch durchleuchtet. Einigkeit bedeutet, wie finden zusammen eine Lösung, Recht bedeutet, dass es gerecht und fair zugeht und Freiheit für alle ist schließlich das Ziel, für das man jeden Tag neu einstehen muss. Freiheit bedeutet für den Arbeitlosen, sich jeden Tag neu aufzuraffen und für seine eigene materielle Freiheit hart zu arbeiten. Freiheit kommt durch Eigenverantwortung. Freiheit bedeutet für den Reichen, seine Freiheit zu verschenken und sein Reichtum mit anderen zu teilen, anstatt es gierig um sich zu häufen.</p>
<p>Manchmal habe ich das Gefühl, zu viele Leute verlieren solche Ideale aus den Augen und handeln nur noch mit dem engen Blick des finanziellen und logischen Kalküls. Oder mit der Haltung von Bequemlichkeit- ganz gleich wie man es dreht- über die unbequemen und individuellen Menschheitsfragen kommt langfristig keiner hinweg.</p>
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		<title>Die Bedeutung des Aussehens für eine Frau</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 11:42:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>J.A.</dc:creator>
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		<category><![CDATA[aussehen]]></category>
		<category><![CDATA[frauenbild]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Der beliebteste Link in meiner Seite ist nach wie vor die Seite „Bilder“. Hier entsteht ein Ungleichgewicht aus Nachfrage und Angebot, denn frische Bilder aus dem Fotoapparat habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Mein neuer Schwerpunkt sind die Texte und das Blog, in ihnen liegen alle meinen „inneren Bilder“; meine Gedanken und meine Gefühle, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[[Galerie nicht gefunden]<br />
Der beliebteste Link in meiner Seite ist nach wie vor die Seite „Bilder“. Hier entsteht ein Ungleichgewicht aus Nachfrage und Angebot, denn frische Bilder aus dem Fotoapparat habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Mein neuer Schwerpunkt sind die Texte und das Blog, in ihnen liegen alle meinen „inneren Bilder“; meine Gedanken und meine Gefühle, meine Sichtweisen, Perspektiven, Ängste, Aussichten und Hoffnungen</p>
<p>Aus den eigentlichen Fotografien mache ich mir nicht mehr viel, sie bedeuten mir nichts. Für mich sind Fotos nur Momentaufnahme einer sehr komplexen Angelegenheit. Sie zeigen immer nur die Sekunden einer Sache, aber nie das Ganze. Sind es persönliche Fotos steigt die Gefahr, dass sie sexuelle Interessen oder Begehrlichkeiten wecken, die wiederum in Folge die Beziehung belasten und so zu Problemen führen, die ich nicht haben will.</p>
<p>Ich denke, das ist eine ungewohnte und seltene Einstellung, die man nicht überall findet. Daher will ich es erklären.</p>
<p>Unsere Welt ist voll von Bildern. Gerade Frauen werden in unserer Welt zumeist auf das Optische reduziert, auf den sexuellen Effekt, den sie bei Männern hervorrufen. Diese Sache ist im Kern keine Liebe, sondern sexuelle Begierde. Wenn ich jetzt Bilder von mir anbieten würde und es gäbe Männer, die es gerne ansehen, hätte ich ein Problem. Früher habe ich das mal gemacht und entsprechende Erfahrungen damit gesammelt: Männer denken dann immer, ich wäre zu haben. Sie schreiben mir, flirten mit mir, machen mir Komplimente. Das Sehen einer hübschen Frau ist mit ihnen un-zertrennbar mit der Aufforderung verbunden, diese Frau zu begehren und irgendwie „besitzen“ zu wollen. Es ist ein sexueller Instinkt. Schade finde ich immer, dass Frauen überhaupt nicht beachtet werden, wenn sie „nicht aussehen“, also ihre Fotos verstecken und sich dadurch unsichtbar machen. Es ist so wie eine Nonne im Kloster, die ein langes Gewand trägt und alles Optische und Hübsche an ihr verhüllt. Sie tut es im Einklang mit ihrem Glauben, ähnlich wie die verhüllten Frauen in der muslimischen Welt. In unserer westlichen Welt ist es wohl eher selten, dass sich Frauen nicht zeigen wollen (oder dürfen).</p>
<p>Letztens habe ich die Reportage zur letzten Loveparade gesehen, da wurde es wieder deutlich, was „Frau“ für viele Menschen bei uns bedeutet und zwar nicht nur für die Männer, sondern für ihr Selbstbild: Möglichst knapp bekleidet, auf das Schöne und die Fortpflanzungsorgane reduziert, so als ob sie keinen Kopf hätten, den sie benutzen könnten, sondern nur ihren Körper.</p>
<p>In Folge verbringen viele Mädchen einen Großteil ihrer Zeit damit, sich mit ihrer Schönheit auseinanderzusetzen und manchmal auch damit, krank zu werden, wenn die Komplimente ausbleiben oder sie zu dick / zu dünn sind. Meiner Meinung nach ist nicht die Modeindustrie schuld, sondern unsere rückständige Einstellung gegenüber dem Wesen und den Wert der Frauen.</p>
<p>Wenn es keinen Mann gibt, der meine Texte liest und mich als Person wertschätzen kann, hat mich keiner verdient. Ganz einfach. In meinen Texten steht alles, in meinem Aussehen steht nichts. Ich bin das, was ich schreibe und denke. Wenn es niemanden gibt, der sich dafür interessiert, gibt es niemanden, der mir in diesem Moment wahres Mitgefühl und Liebe aufbringen kann. So einfach ist das.</p>
<p>Wenn man sich als Frau auf den Wert reduzieren will, also auf die Taten und guten Einsichten, die man hat, kann man in eine Grauzone der Leerheit rutschen, in eine Welt, in der niemand ist, vor allem kein Mann. Ich denke, das ist ein großes Problem und nicht sehr einfach zu lösen. (Wie heißt es so schön in der Statistik, je höher der Bildungsgrad einer Frau ist, desto schwieriger wird es für sie, einen Partner zu finden und desto weniger Kinder wird sie auf die Welt bringen wollen.)<br />
Es mag Frauen geben, die angesichts dieser Erkenntnis lesbisch werden, weil es nur Frauen gibt, die sie als das wahrnehmen, was sie sind. Männer sind auf Grund ihrer Natur oft einseitig veranlagt und „können ja nichts dafür“, dass sie so ticken, wie sie es tun. Unsere Männer in Deutschland sind da schon viel weiter. Es gibt Männer, die sind noch viel rückständiger, benehmen sich wie Tiere, wollen den uneingeschränkten Herrschaftsanspruch, behandeln ihre Frauen wie Leibeigene. Dagegen muss man was tun.</p>
<p>Indem die Frauen sich weigern, öffentlich nackt und hübsch zu zeigen, demonstrieren sie ihre eigene seelische Stärke und Unabhängigkeit. Manchmal aber auch ihre Verletzlichkeit und Schüchternheit.</p>
<p>Wenn eine Frau wirklich selbstbewusst ist, kann sie vielleicht damit besser umgehen?<br />
Ich z.B. kann damit nicht umgehen, ständig begafft zu werden und im Mittelpunkt zu stehen. Es ist eine Sache, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Es sei denn, ich bin in der richtigen Stimmung, aber das ist sehr, sehr selten. Schade eigentlich.</p>
<p>Aussehen ist für Frauen eine bestimmte Macht, die sie nutzen können, wenn sie damit umgehen können. Für mich ist es meistens eine Sache, die ich kritisch betrachte und die mir im Weg steht.</p>
<p>Bin ich dumm, wenn ich so denke?</p>
<p>Vielleicht sollte ich mal in eine andere Rolle schlüpfen und das Gegenteil von dem machen, was ich sonst tue. Mal ganz bewusst das Optische, Selbstbewusste und Extrovertierte heraushängen lassen. Meinen Kopfinhalt auf ein Vakuum reduzieren. Die Haare blond färben. Die neusten Sachen tragen und jeden Morgen nach Ananas, Lippenstift und Vanille duften.</p>
<p>Manchmal mache ich das gerne, auch wenn es Zeit braucht, dahin zu gelangen.</p>
<p>Über das Aussehen, vor allem die Mimik und Gestik wird ja z.B. auch kommuniziert, es ist möglich, bestimmte Inhalte zu vermitteln, direkter, internationaler und intuitiver, als das jeder Text kann.</p>
<p>Ich denke, heute komme ich zu keinem Schluss. Mein Kopf fühlt sich so leer an. Oh Gott, geht es schon los???? <img onclick="grin(':shock:');" src="../wp-includes/images/smilies/icon_eek.gif" alt=":shock:" /></p>
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