Tag: Gerechtigkeit
Warum Gleichverteilung nicht funktioniert
Im letzten Text habe ich den Begriff “Gleichverteilung” benutzt, ein Schlüsselbegriff aus dem linken und sozialen bis sozialistischen Gedankengut. Vorneweg möchte ich sagen, dass ich im Blog versuche, keine eindeutige, politische Meinung zu formulieren oder gar zu besetzen, sondern immer versuche, unabhängig und objektiv die Dinge zu analysieren und zu beschreiben. Nicht immer gelingt das. In manchen Dingen bin auch ich sehr fester Überzeugung oder es haben sich Sichtweisen und Erfahrungswerte eingeschliffen, die jetzt zu meiner “Überzeugung” geworden sind- obwohl sie vielleicht falsch sind. Diese gilt es also in regelmäßigen Abständen zu hinterfragen. Ich möchte nicht behaupten, dass jemand “falsch denkt” und schon gar keine Namen nennen, aber ich will überlegen, was es mit diesen Konzepten auf sich hat und wo sie real anwendbar sind oder reine Spekulation bleiben werden.
Zeit für einen politischen Text!
Weltgerechtigkeitstag
Mal ehrlich, wozu brauche ich einen Weltfrauentag, wie er heute ist? An der Rollenverteilung ändert sich nichts, ich werde nicht mehr geliebt als sonst, das Einzige was bei manchen anders ist, dass mehr Bewusstheit für das Thema „Gleichberechtigung“ vorhanden ist.
Allein die Tatsache, dass man Millionen von Menschen in einer einzigen Kategorie aufteilt, kann schonmal nicht gut gehen. Menschen sind unterschiedlicher, komplizierter und vielschichtiger als dass es uns solche einfachen Schublade wie M und W glauben lassen. Was ist mit den nötigen Zwischenwesen u. Zwischenstufen? Männer mit weiblichen Gehirn? Frauen mit männlichem Gehirn? Zwitter? Androgyn veranlagte Menschen? All die erfasst man schonmal nicht und das bedeutet, dass man ungerecht und unlogisch denkt.
Die Geschlechter wurden seit dem Anbeginn der Menschheit und in jeder Kultur (zumindest den großen, bekannten) ungleich behandelt, es haben sich auf Grund anatomischer Unterschiede Rollen herausgebildet, die einzig und allein das bessere Überleben der Art zum Zweck hatten. (Frauen am Herdfeuer, Männer bei der Jagd; Frauen= emotional, sozial geprägt, Männer= analytisch, Kampf und Macht)
Darauf bauen die meisten biologischen und psychologischen Bücher auf, die vor allem auch die Unterschiede in den Gehirnen und die in den Jahrtausenden gewachsenen Verhaltensunterschiede bei Mann und Frau untersuchen. Wir haben uns an all das so sehr gewohnt, dass die kurze Dekade der nominellen Gleichberechtigung wie ein Fremdkörper in dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit wirkt. Jahrhunderte der Geschlechtertrennung und mit einmal soll alles anders werden? Es ist klar, dass das nicht funktionieren kann.
Solche langwierigen und bewährten Strukturen wie die Geschlechterrollen können sich nicht mit einmal auflösen. Sie können nur hinterfragt, diskutiert und von jedem einzelnen in kleinen Schritten geändert werden. Es wird auch nicht bedeuten, dass man wieder umgekehrt über einen Kamm scheren kann und alle „Frauen sollen arbeiten“ oder „alle Männer sollen Kindererziehung machen“. Wer so linear und vereinfachend denkt, hat das Prinzip der Gleichberechtigung nicht verstanden, welches im Kern die Freiheit zu wählen und zu entscheiden ist.
Jede Frau, die selbstständig sein will und in der Flut der Möglichkeiten ihr Lebensziel bestimmt, wird unweigerlich auf Hindernisse treffen, die als Hinterlassenschaft und Gewohntheit unserer Kultur zu bezeichnen ist. Menschen, die sie daran hindern, „gutes Zureden“ von weiblichen Bezugspersonen, Einflößen von Schuldgefühlen und Angst, Barrieren von Chef und Personalleitern, Ungleichheit in der Bezahlung, Spannungen in der Beziehung. Das bedeutet, dass jeder Schritt ein Kampf sein wird und muss, weil ja etwas verändert werden soll. Hier braucht jede Frau Unterstützung, Ansporn und Hilfe von ihrem Partner und der Familie und das geht nur, wenn die Schritte gemeinsam und mit gegenseitigem Respekt besprochen werden.
Gewohnheiten leben in den Köpfen, Vorstellungen von „richtig“ oder „falsch“ sind meistens nur gedankliche Produkte. Dies wiederum heißt nicht, dass sie keine Macht hätten, im Gegenteil! Ungleichheit und Rollenzwang beginnt in den Köpfen, in den Worten von Machtinhabern (Kirche, Pabst, usw.) wird über die Menschen verteilt und von den Familienoberhäuptern delegiert.
Man hat daher wahrscheinlich versucht, die klassisches dominante Vaterrolle abzuschaffen, aber das Resultat sind nur Scheidungen, Chaos und Disziplinlosigkeit in den Familien gewesen. Wer die Bedeutung der Väter für die Erziehung unterschätzt und meint, eine Frau könne es alleine genauso gut, sieht nicht die Bedeutung der Geschlechter im Gesamten. Nur im Austausch und Dialog, in der Gemeinsamkeit und Hilfe vom männlichen und weiblichen Prinzip kann eine Familie gut erzogen werden. Männer und Frauen ergänzen sich im Idealfall, so dass die Kinder beides mit auf den Weg bekommen: Durchsetzungsstärke, Disziplin, Fähigkeiten in Mathematik und Logik, Selbstbewusstsein- aber auch Empathie, soziale Fähigkeiten und Nächstenliebe.
Da in der Erziehung beide „Kanäle“ so wichtig sind, ist der ständige Dialog zwischen den Geschlechtern das Wichtigste. Das Finden einer gemeinsamen Sprache, das Vermitteln und Klären von Konflikten und das Finden eines grundlegenden Konsens.
Der Weltfrauentag kann also helfen, sich bewusst zu machen, wie wichtig das Prinzip „Gleichberechtigung“ als Ganzes ist- und dass er nicht dazu dienen sollte, die Vorurteile noch schlimmer zu machen und die Gräben tiefer zu graben.
Andere Blogs zum Thema “Weltfrauentag” (via Twitter)
- http://www.isa-diagonal.net/2009/03/08/weltfrauentag/
- http://www.so-happy.de/2009/03/08/weltfrauentag-my-ass/
- http://wirbelwebber.de/wp/2009/03/08/weltfrauentag-2009/
- http://bembelkandidat.lima-city.de/blog/2009/weltfrauentag-internationaler-frauentag/
- …. hat noch jemand einen guten Link? dann ab in die Kommentare damit!


