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Frühlingssonne

Der Frühling ist dieses Jahr etwas früher da als sonst. Gestern wurde eine Wetterkarte gezeigt, in der man die Temperaturen an diesem Tag mit denen aus 2013 verglich. Da stand dann überall 0, -1, 2, -2, usw. wohingegen heute überall schon 8, 10, oder sogar 12 Grad plus am Tag steht. Auf einer 16-Tages Vorhersage im Internet stand für Ende März sogar schon 20 Grad, das wäre fast ein Sommertag.

Auch jetzt scheint wieder die Sonne. Allerdings sind die Pflanzen noch nicht so weit. Sie haben anscheinend einen Timer eingebaut. Nur, wenn das Wetter über eine bestimmte Zeit lang warm ist, trauen sie ihre Säfte zu mobilisieren und die Blüten aus den Zweigen zu schieben. Im Zeitraffer sieht das immer toll aus. Aber wer weiß, wo noch andere Sensoren stecken? Vielleicht messen sie auch die Bodentemperatur.. oder sogar die Luftfeuchtigkeit, vielleicht den Luftdruck? Auf jeden Fall weiß die Pflanze, wann es soweit ist. Am wahrscheinlichsten liegt es am Licht. Auch das Gras welkt noch vor sich her (wahrscheinlich fehlt der Regen), sehr rege sind hingegen schon die Krokusse und die Schneeglöckchen (meistens die ersten) schon wieder fast verwelkt.

Die Luft kommt mir etwas trocken und staubig vor und bei den ersten Spaziergängen in der Frühjahrssonne hatte ich den Eindruck, dass sogar die Allergien schon losgehen. Hasel und Erlen-Pollen sollen ja schon unterwegs sein.

Der eigene Körper wird dieses Jahr etwas mehr angetrieben, passend zur Fasten-Jahreszeit der Energieeinsatz reduziert (das ist allerdings schwierig, bei dem Überfluss an Nahrung in Supermärkten und allen anderen Ecken und Enden) und versucht, wieder mehr Sport zu machen und die Kondition zu verbessern. Eines Tages sind wir im Wald spazieren gewesen, da haben ein Junge und sein älterer Bruder Fußball gespielt, aber sie sind nebenbei noch den Berg hochgelaufen.. wir hatten versucht sie zu überholen, was gar nicht so einfach war, weil sie auch schnell waren. Am Ende hab ich den Sauerstoff tief in die Bronchien gesogen, sie fingen an zu brennen und die Lunge (und ich) war(en) erstaunt, dass da am Ende auch noch Lungenbläschen sind, die man einsetzen kann! Das Herz schlug wie verrückt und kam endlich mal aus dem „Energiesparmodus“ raus. Die Laune wurde immer besser, am Ende des Tages hatte ich ein Dauergrinsen im Gesicht… 😉 Sonne und Sport sind die besten Mittel gegen geistige Trägheit, aber auch gegen Depressionen oder Stimmungstiefs.
Warum nur ist es dann so schwer, sich überhaupt aufzuraffen, wenn der Körper uns mit solch tollen Endorphinen für die Anstrengung belohnt? Der Körper ist wie eine träge Masse und will erstmal im gewohnten Zustand verharren. Das kennt er, das kostet keine Energie. Vor allem auch keine mentale Energie! Von der Evolution sind wir anscheinend so ausgestattet, dass wir Energieverbrauch vermeiden müssen. Nahrungsmittel, aber auch Wasser und Salz (für den Elektrolythaushalt) waren ja nicht immer im Überfluss vorhanden, so erkläre ich mir das. Also ist es prinzipiell immer leichter, Energiespeicher in Form von Fett aufzubauen, als sie über Muskelarbeit abzubauen. Es muss zwangsläufig nur in die eine Richtung gehen, so wie bei der Zahnpasta ist der Weg raus viel leichter. Beim Menschen ist der Weg rein viel leichter… Außerdem gibt es Unterschiede im Grundumsatz, was sich wiederum bei den Unterschieden im Alter oder im Geschlecht zeigt: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=28994

Wahrscheinlich hat sich im Laufe der Jahrhunderte daher ein Mensch herausgebildet, der belohnt wurde, wenn er keine Energie verbrauchte. Wir sind ja sehr ausdauernde Läufer und Jogger, bedingt durch die Jagd in der Steinzeit hat sich hier eine besonders hohe Ausdauer beim Menschen entwickelt, ein federndes System (schaut man sich z.B. den Aufbau der Beine und der Füße an), dass eine hohe Energierückgewinnung ermöglicht und den Menschen vor allen anderen „Tieren“ die höhere Ausdauer vor seinen Beutetieren verleiht. (.. mehr dazu)

Nur, warum sitzen wir dann lieber vorm Computer und belustigen uns an zusammengesetzten Zeichen, die wir dazu mit dem linken oder rechten Zeigefinger noch hin und herbewegen (scrollen) können? Weil das Gehirn sich in den Vordergrund drängt. Uns mit Dopamin und anderen Botenstoffen für neue Erfahrungen belohnt. Anstatt, dass wir rausgehen und uns mit den Nachbarn unterhalten und auf dem Dorfplatz gucken, „was es Neues“ gibt, haben wir die Neuigkeiten direkt hier drinnen, auf unserem Bildschirm. Wie ein Fenster zur Welt, sehr bequem, sehr sicher, alles schön aufbereitet und immer nur ein paar Millisekunden von der letzten Neuigkeit entfernt. Und was macht der Mensch, der von der Evolution zum Energiesparen angeleitet bzw. programmiert wurde? Er nimmt diese Neuigkeiten wie ein Schwamm auf, bildet immer weitere Gehirnzellen, und Verbindungen („er wird reifer, bzw. weiser“) und lehnt sich entspannt zurück, vergisst ganz, dass er noch in einem Gerüst aus Haut und Knochen lebt und dieses Gerüst auch hin und wieder gepflegt und trainiert werden muss. Wer das auf längere Zeit nicht macht, riskiert die sog. Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, Diabetes, Herzschwäche, Rückenprobleme… Verrückt, obwohl der Körper uns vorgibt, dass es gut sei, möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen und uns möglichst nicht zu bewegen, wissen wir mittlerweile mit dem Kopf, dass das Ungleichgewicht auch nicht gut für uns ist. Wir haben also einen Konflikt zwischen dem unbewussten Gefühl und dem reinen theoretischen Wissen, das in die Praxis umgesetzt werden muss.

Unsere Gesellschaft bietet einen schwierigen Ansatz zur Lösung, denn sie ist kopflastig! Sie belohnt die hohe Schulbildung, aber auch das theoretische Wissen an sich! Wer am meisten weiß, verdient am meisten und hat den meisten Respekt. Handwerker haben einen eher schlechten Ruf, körperliche Arbeit gilt als schmutzig und nicht so wertvoll. Körperlichkeit ist eher sekundär (es sei denn, sie wird zur Schönheit umgedeutet) und ganz am Ende der Skala der beliebten Werte stehen die Gefühle („die Gefühlsduselei“) oder ein eher unbewusstes, intuitives Aufnehmen von Reizen und Sachverhalten. Dabei sind die Intuition und die Erfahrung das, was uns im Leben am besten hilft, auch wenn wir den Computer und das Smartphone mal nicht zur Hand haben.

Es gehört irgendwie alles zum Großen und Ganzen, muss berücksichtigt und in unseren Alltag integriert werden, wenn wir gesund bleiben wollen.

Feel!

http://www.youtube.com/watch?v=vkobBi9UvBA

Augen auf, Rollo hoch, plötzlich kommt Sonne rein.
Wärme auf der Haut. Liebe im Bauch.
Musik und Klänge von überall.
Ab und zu ein Streit.
Knallende Türen. Laute Stimmen.
Bass dröhnt durch die Wände.

Drinnen sitzt der Eremit und liest in seinen schlauen Büchern,
wie er einen besseren Zugang zu seinem Umfeld bekommt.
„Feeeel“ kreischt Robbie durch die Lautsprecher
sie krächzen etwas.

Der Eremit wird blässer und blässer.
Es gibt- in diesem Leben – keinen Ausweg mehr für ihn.
Wenn er doch einmal das Leben selbst berühren würde
anstatt Theorien darüber anzustellen
dann könnte ihm vielleicht geholfen werden.

So denke ich noch über vergangene Zeiten
als ich mich schon auf die kommenden freue.
Pflanze einen neuen Baum!
säe neue Samen!
die Zeit rennt wie ein Warp-Kern, im Rückblick gesehen

und dennoch lohnt sich jede Minute.

 

……………….

Auch sehr schön:

http://www.youtube.com/watch?v=Eg-O_TOgNJI
Aus Liebe

http://www.youtube.com/watch?v=9ULrNLWxzH4
Fütter Deine Angst

http://www.youtube.com/watch?v=6SLlLk1keoA
Ich bin verändert

 

Aufsprießender Blogfrühling

Jetzt ist er also endlich da, der Frühling. Lange hat´s gebraucht, geschätzte 24 Jahre haben wir im tiefsten Winter verlebt. Uns gegen Eis- und Schneemassen gewehrt, die Kälte ertragen, Krankheiten durchfochten, Winterspeck auf- und später wie abgebaut. Stollen gegessen, Weihnachten mit der Familie gefeiert, uns über Weihnachtshasser- und Ignorierer gewundert, gebloggt, getwittert, was das Zeug hält. Und irgendwie berührt mich alles nicht mehr.

Anfang Februar hatte ich noch Vorfreude auf den Frühling, ach im Dezember ging´s mir sogar super! Dann, mit jedem Tag erwartungsvoll an den Himmel geschaut und dann festgestellt, dass hier irgendwas nicht stimmt und mich bibbernd wieder nach drinnen verzogen. Und das hat alles so lange gedauert, dass ich mich fühle wie eine grimmige Bärin im Winterschlaf, die gerade aus ihrer Höhle kriecht und ein wenig mürrisch ihr eingedrücktes Fell aufschüttelt, die wärmere Luft schnuppert aber mental noch nicht ganz auf der Höhe ist. Nur der Appetit, der ist schon wieder da. 😉 Roar!

Ich weiß einfach nicht mehr, wie das ist, Sommer! Frühling, warme Luft, Leben, Liebe, draußen grillen.. lange Abende, körperliche Wohltaten, in Seen schwimmen, mit offenem Fenster Auto fahren, das Fahrrad rauskramen, sich bewegen…

Mit Menschen kommunzieren, lachen, Partys feiern, wenig an haben und unbeschwert leben. All das assoziere ich mit Frühling und mit Wärme. Frühling ist das erwachende Leben. Winter ist der Rückzug, in manchen Interpretationen auch der Tod, die dunkelste Zeit, der Rückzug in die eigene Untiefe der Seele.

Mein Gesichtsfeld hat sich im übertragenen und im direkten Sinn verkleinert: Durch das viele Abhängen am Computer, durch das viele Lesen, usw. sind meine Augen über den Winter schlechter geworden und ich werde mir demnächst eine neue Brille kaufen müssen. Aber auch mein Denken ist kurzsichtiger, eingleisiger und enger geworden. Die ewig gleichen Abläufe haben einen Grauschleier im Denken hinterlassen, an manch Gehirnwindung hat sich jetzt Dreck und Staub abgelagert. Manches Denken wurde arg eindimensional, vielleicht am Ende so platt wie der Bildschirm, vor dem ich so gerne sitze.

Hier hilft nur eins: Den Staubsauger herauskramen, bei Bedarf auch laute Musik und einmal gründlich drüberpusten!

Das Telefon ist still. Macht keinen Mucks.

Menschen melden sich selten, wenn man sich nicht bei ihnen meldet. Passivität bedeutet in unserer Gesellschaft immer Verlust, Stillstand und vom sozialen Leben ausgeschlossen zu werden. Das aktive Leben in unserer Gesellschaft gehört den Tüchtigen. Wer viele Termine, wer Streß hat und immer „in Action“ ist, gilt als gesund. Klar, derjenige hat keine Zeit zum Denken o. Philosophieren, ist in Bewegung, wird bewegt, lebt in Berührung mit dem Leben, verdient vielleicht Geld, hat Reize, Anregungen, Input. Eine Arbeit zu haben, bedeutet sozial integriert zu sein.

Viel hat man in den letzten Wochen über die Arbeitslosen geschimpft. Menschen, die es ohnehin schon schwer haben, die getrennt von dem sozialen Strom der Zuneigung, von Wertschätzung, von verdientem Geld, Sicherheit, Freunde am Arbeitsplatz, und Aktivitäten am Feierabend leben, hat man zum Opfer, nein zu den Schuldigen gemacht. Diese Denkweise ist im Grunde pervers. Sie ist genauso pervers wie die vielen Fälle des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen, die in den Nachrichten vermeldet wurden. Dieses Denken verdreht die Schuldzuweisung, denn Schuld sind meistens die Mächtigen, die den weniger Mächtigen die Ressourcen wegnehmen und die Ungerechtigkeit durch Taten und Nicht-Taten vergrößern. Erst kommt das Fressen und dann die Moral…

Überhaupt scheint unsere Gesellschaft mal wieder geistig und auch materiell ärmer zu werden. Wenn man die Medien verfolgt, gibt es zur Zeit wenig Tendenzen in die richtige Richtung. Neben den bereits angesprochenen Themen wären da: Die Zunahme der Waffenexporte der BRD (von 5 auf 10% Weltanteil gesteigert), das Gerede über die Wiederaufnahme von Gorleben (aller Proteste zum Trotz), oder die Abnahme des Wohnungsbau und die Tatsache, dass Deutschland im privaten Wohneigentum ganz hinten in der EU rangiert. Immer schön alles streichen, was den Menschen ein Leben in materieller Unabhängigkeit ermöglichen könnte … denn wir brauchen die Sklaven um die anonyme und teils sehr gefräßige Maschine Staat am Leben zu erhalten.

Dann die ständigen Querelen der regierenden Parteien: Korruption, Vertuschung, Verschleierung, egoistische Kleinkriege, Grabenkämpfe, Vorurteile.. wenn man die Medien jeden Tag mitverfolgt, könnte man der Meinung sein, es gibt nur noch Schlechtes auf der Welt. Manchmal würde ich gerne die ganzen “schlauen”, aber emotional so armen Zeitungen nehmen, zerknüllen und ein Feuer für die emotionale Kälte machen, die um sich gegriffen hat…

Wo ist Gott bei all dem? Hat es nicht geheißen, Gott ist der Gott der Liebe, der Mitmenschlichkeit, der Wärme und Geborgenheit? Wo ist dieser liebende Gott bei all dem? Natürlich, die Atheisten sagen jetzt, es gibt keinen Gott und sie drängen ihn an die Wand oder vergessen ihn. Der Mensch ist schlecht, das zeigen uns die Medien jeden Tag. Es gibt keine „übernatürliche“ Macht, die plötzlich eingreift, und jeder ist sich selbst der Nächste. Der Mensch hat sich vom Glauben, vom Guten und von der Hoffnung auf ein besseres Leben befreit. Stattdessen hat er wieder seine ur-darwinistischen Überlebenstheorien an die oberste Spitze gestellt. Aber- mit welchem Resultat?

Deutschland ist nach wie vor eine sehr starke Export-Nation, was unter anderem damit begründet wird, dass die Arbeitsmarktregelungen und andere Reformen gut auf die Krise reagiert haben. Aber was hat man in den letzten Jahren denn gemacht? Man hat das Credo „Leistung“ und wirtschaftlichen Erfolg solange über alles gehängt, und versucht ständig den Bürgern noch mehr Geld wegzunehmen und vergrößert die Schere zwischen arm und reich. Ist dieser wirtschaftliche Erfolg denn so wichtig, dass wir alles andere dafür opfern müssen? Macht das glücklich? Ist da ethisch? Oder wem oder was dient dieses extreme Denken eigentlich? Für mich ist all das der Schritt in die falsche Richtung. Jeder, der ein wenig darüber nachdenkt und noch ein Funken Moral oder menschliche Gefühle in seinem Herz trägt, wird zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Es sieht derzeit nicht so aus, als ob es irgendeine Gruppierung gäbe, die in eine andere in eine gesündere, nachhaltige Richtung einschlagen würde. Es gibt noch nicht mal viele Einzepersonen, die so denken und von einer großen Masse ganz zu schweigen.

Nein, der Frühling ist gut geeignet, um die Hämmer und Leitern am Blog hervorzuholen und mal wieder an der Baustelle Welt und an der Nebenbaustelle Gerechtigkeit zu werkeln.

Man sieht, der Frühling hat auch seine guten Seiten und es ist schön, dass er endlich da ist!

Sonnen- und Schattenseiten

Der Frühling ist da. Allerorten kündigt er sich mit großem Getöse an. Da ist zuerst mal die strahlende Sonne, die stärker als je zuvor ihre langwelligen Strahlen des breitesten Spektrums in jeden dreckigen Winkel der Wohnung schickt. Die fleißige und ständig mit schlechtem Gewissen bewehrte Hausfrau erkennt sofort, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die anschließende Putz-Orgie führt dazu, dass sich die Körpertemperatur um ein paar Grad anhebt und noch schneller auf Touren kommt, als sie es ohnehin schon geplant hatte. Wusstet ihr, dass die Körpertemperatur im Winter tatsächlich ein wenig abgesenkt wird? Man kann sagen, der Mensch wird in einen kleinen biologischen Winterschlaf geschickt und fährt nur auf halber Flamme. Dieser Ofen muss erst wieder befeuert werden, aber manchmal knacken die Gelenke und der dazu gewonne Speck u. die verlorenen Muskeln hindern das mühelose Vorwärtskommen.

Das Sonnenlicht kurbelt nun die Glückshormon-Produktion an und vertreibt das einschläfernde Melatonin. Man bewegt sich plötzlich wieder! Man riecht wieder! Man geht wieder nach draußen, freiwillig und ganz ohne Auto. Das Leben ist wieder stärker an einem, in einem, um einen herum. Der einlullende Schleier des Winters wurde spätestens vom letzten Sturm Xynthia weggeblasen.

Ach, der Winter, wie schön war er! Obwohl ich ihn lange verflucht habe. Nun vermisse ich ihn.

Der Winter hat mich beschützt und das ganze Leben mit seinen Problemen und seinem Leid vor mir ferngehalten.

Mit einer warmen Decke und einem heißen Tee vorm Computer abhängen. Fettige, kalorienreiche Wurstwaren und Nudeln in sich reinstopfen, dazu ein paar Gläser Alkohol und später Schokolade. Sich ganz tief in den vier Wänden verkriechen, das Telefon rausstöpseln, die Internet-Blogs ignorieren, Twittern mal wieder doof finden.

Winter ist einfach eine schöne Zeit. Man ist einsam, man ist allein. Niemand da, der das eigene Leben begrenzt, kein Streß, keine nervigen Dialoge, keine Arbeit, einfach nur Ruhe.

Keine gierigen und aggressiven Menschen, die sich behaupten, selbst darstellen, abgrenzen, profilieren, beneiden, beschränken, bevormunden, manipulieren oder ausgrenzen müssen.

Kein Mensch. Das Leben ist so schön frei, ohne gierige, unglückliche, unfreie und negative Menschen.

Der Winter ist schön. Über den Frühling sollen wir uns nun alle freuen. Das angepasste Wohlstands-Affirmations-Geständnis Gesicht aufsetzen und hübsch dazu lächeln. Auch wenn uns eigentlich eher zum Heulen ist und die ganze Soße „Sonne Satt“ nur Energie abzieht und das eigene Unvermögen vor Augen hält.

Tief durchwebt vom protestantischen Arbeits-Ethos hört man von überall die Hämmer. Leistung ist gefragt! Rauf auf die Leiter, runter von der Leiter, ein paar Bretter gesägt, ja was gemacht! Der Mensch ist nur gut, wenn er was macht, wenn er was leistet.

Das sagte schon unser Ober-Guru Westerwave. Und der muss es wissen, schließlich ist er unser Außenseiterminister.

Der Künstler

Angepisst. Die Bude sieht aus wie Sau, der Bart wächst, die Rolläden sind runtergelassen. Der Künstler steht um 13 Uhr auf, hat noch einen kleinen Kater. Einen kleinen? Ich denke, es ist ein großer. Der Tag gestern war hart. Soviele Leute , so laute Musik, so ein perfekter Tag. Die Augen brennen, das Kreuz tut weh, die Lunge sticht. Auf den Ohren ein kleines Fiepen. Das Hemd riecht nach Schweiß, er hat es im Bett angelassen. Ein paar Meter weiter stehen die Schuhe, noch etwas quer im Raum, die Schnürsenkel baumeln lässig darüber.

Mit schweren Beinen wankt er zur Kaffemaschine mit seinen starken, haarigen Händen fummelt er einen Filter aus der Packung, was etwas umständlich wirkt. Er versucht die einzelnen Papiere mit den Augen scharf zu stellen, aber es klappt noch nicht ganz. Normalerweise streicht er den Löffel glatt, doch diesmal achtet er nicht so drauf. Warum auch?
Der Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt. Den Spießern hatte er es mal wieder gezeigt, sich einfach darüber hinweggesetzt, keine Zeit auf Zweifel verschwendet, einfach sein Ding gemacht. An der Gitarre ist er der König, dafür liebt ihn die Masse. Er schaut kurz in den Spiegel und zurrt seinen Pfedeschwanz zurecht.

Er trinkt eine Tasse und denkt nach.
… wie er dafür beneidet, manchmal sogar gehasst wird. So unverständlich. Dabei macht er doch nur sein Ding, lebt sein Leben und lebt für die Musik! Ein kräftiger Fluch verlässt seine Lippen..

Er ist der moderne Freiheitskämpfer, der Träumer, der für Ideale lebt. Der sich traut, der Mut beweist und im Rampenlicht steht, obwohl er es nicht will. Derjenige, der handelt, während andere noch denken und grübeln. Der es einfach macht! Ein richtiger Held.

Und plötzlich, wie du ihn- als seine Freundin- so ansiehst und bewunderst… da scheint auch sein Licht über Dir, probier es einfach mal aus. Geh einen Schritt weiter. Lass die Sorgen doch mal los. Wirf dich in die Masse, geh auf die Bühne, und lass dein Ego zurück. Sei wie der Künstler. Und du siehst, es löst sich alles auf…

Dein kleines Ego, dass du so lange beschützt und gehalten hast, was ist es noch wert? Bist du selbst mehr, als die Summe deiner Teile?

Dreh die Musik auf! Lass den Wind an deine Haare! Atme den Frühling tief in dich hinein. Noch kaum zu riechen, aber der Vorbote ist schon da. Die Sonne wird kräftiger, draußen wird es heller, ein neues Jahr kündigt sich an.

Kribbeln im Bauch.

(Am besten gelesen mit Creed )