Urlaub in Schweden

Alles geht seinen Gang. Hab mich irgendwie schon seltsam an die neue Corona-Krise gewohnt. Schaue nur noch selten Nachrichten, rege mich selten auf. Innerlich hab ich das Jahr irgendwie schon abgeschrieben. Keine Vorfreude mehr, keine Reiseplanungen, keine Besuche. Ich merke das an der Benutzung meines Google-Kalenders. Letztes Jahr hab ich das fast täglich benutzt und immer wieder neue Treffen und neue Events eingetragen. Und in diesen Zeiten versiegt die Benutzung fast gänzlich. „Telefonkonferenz 15 Uhr“, das ist das einzige, was in dieser Woche eingetragen habe.

Dafür wird es sich drinnen gemütlich gemacht. Wir profitieren davon, dass wir uns damals ein sehr großes, wenn auch renovierungsbedürftiges Haus gekauft haben. Obwohl wir bereits 2007 eingezogen sind, gibt es immer noch Räume, bei denen man praktisch „Hand anlegen“ muss. Aber es wird so langsam! Wenn ich mich sonnen will, setze ich mich in den Hof, wenn ich etwas pflanzen will, mache ich das auf unserer Ackerfläche (auch „Schrebergarten“ genannt).

Und ich werde dieses Jahr bestimmt mehr anpflanzen als sonst, einfach und allein um Kosten zu sparen.
Es entwickelt sich bei uns langsam alles wie in einer Hippie-Kommune. Job weg, Aufträge weg, demnächst vermutlich „Geld weg“. Wir schrauben unseren Konsum immer weiter herunter. Ich bin am Überlegen, das zweite Auto abzumelden, usw. Jetzt wird es möglich, das Leben ohne Geld. Das Leben in der Autarkie.

Überall werden Kosten gedrückt, wo man sie nicht braucht. Ich esse einfacher, ich kaufe weniger, ich nutze die Dinge, die ich habe. Wenn ich genau überlege, ist es immer das, was ich wollte. Es fühlt sich seltsam befreiend an!

Wenn mich einer treffen will, erschrecke ich beinahe. Wie, mich treffen? Die eigenen, sicheren vier Wände verlassen? WARUM?

Das einzige, was ich im Moment außerhalb des Hauses mache, ist spazieren gehen. Die Luft ist klar, alles fühlt sich sauber, ruhig und rein an. Es ist wenig los. Keine Staus, kein Stress. Aber dennoch wird man auf der Straße noch angehupt. Vielleicht ist das einzige Möglichkeit der Kommunikation in diesen Tagen?

Die Natur ist so schön. Ich genieße die endlosen Spaziergänge in den Feldern. Den großen Sicherheitsabstand zu anderen Menschen. Und sie erscheinen mir noch freundlicher als sonst. Man freut sich jetzt richtig, wenn man jemanden trifft.

Wie lange wird dieses Schnarchige noch anhalten? Wie lange werden wir noch in der Virus-Stase gefangen sein?

Es fühlt sich an wie ein Urlaub. Irgendwo in Island. Oder in Schweden.

Der Alltag ist weit weg. Alle Dinge, die uns sonst immer so gestresst haben, sie haben plötzlich keine Bedeutung mehr.

Freie Tage und neue Bücher

Fast vorbei ist dieser seltsame, freie Tag mitten in der Woche. „Christi Himmelfahrt“ hieß er und ich weiß noch nicht mal genau, warum man das feiert (nur so ungefähr, aber der genaue theologische Hintergrund ist mir fremd). Vielleicht hilft Wikipedia weiter?

Auf Twitter waren Tweets zum „Vatertag“ öfters zu lesen und das ist nicht verwunderlich.

Eigentlich wollten wir eine kleine Fahrrad-Tour machen, aber dann war es doch etwas zu kalt und unfreundlich. Und wieder den Matsch der Feldwege von Rahmen und Reifen puhlen, und hinterher noch mit Gartenschlauch und Schwamm hantieren, so wie letzten Sonntag? Nein, darauf hatte ich heute keine Lust.

Ich habe diesen regnerischen und kühlen Tag daher damit verbracht zu kochen, zu lesen und mich zu entspannen. Nachdem ich gestern noch eine riesige Putzorgie veranstaltet hatte und nebenbei auf Twitter kaum zur Ruhe kam, war heute das genaue Gegenteil angesagt. Aber es ist schön und ich genieße die Stille.

Derzeit lese ich „Die Chemie des Todes“ von Simon Beckett  und das ist wirklich ein sehr fesselnder Thriller, den man in einem Rutsch durchlesen kann- immerhin bin ich schon bei der Hälfte angelangt, obwohl ich keine typische „an einem Stück-Durchleserin“ bin, sondern die Bücher immer mal wechsle. Der Titel ist zwar etwas reißerisch (wie so oft bei Bestsellern) aber der Inhalt und Schreibstil kann mich bis jetzt überzeugen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass das Thema Krimi und meistens auch Romane bis jetzt an mir vorbeigegangen ist, weil ich eine große Affinität zu Sachbüchern habe und mir die erzählerische Spannung meistens aus Filmen oder Spielen geholt habe (die da durchaus mithalten können). Aber es ist ein wenig paradox, wenn man selbst Geschichten schreiben will und dann auf einen eher kleinen Fundus klassischer Literatur und Standard-Besteller zurückgreifen kann- dringende Abhilfe war neben der reinen Neugierde angesagt.

„Die Chemie des Todes“ ist der erste Krimi seit langem- ich glaube das letzte war irgendwas von Patricia Highsmith oder ganz früher ein Buch von Sjöwall / Wahlöö (die Kommissar Beck-Reihe).

Und das Buch ist anders, als jedes andere Medium. Wenn man so ein Buch spät abends liest, scheint das Grauen die Decke entlang zu kriechen, die Sinne sind wegen der mangelnden Ablenkung auf andere Effekte intensiv geschärft. Jedes Rascheln am Fenster und wenn es nur der Wind oder die darüber streichenden Zweige des Nachbarbaumes sind, dringt mit einer eisigen Tiefe in das Bewusstsein und vermischt sich mit den soeben gewonnen Traumbildern der morbiden Phantasie. Man kann nicht aufhören zu lesen, möchte immer weiterlesen, nur -noch- eine- einzige- Seite!

Schön, wenn die Gewaltdarstellungen reduziert, dezent und subtil dargestellt werden, schön wenn man sich in die Eigenarten der Akteure einfühlen kann und ihr personelles Raster nicht mit einem stilistisch-übertriebenen pink-grünen Holzhammer eingetrichtert wird.

Gute Autoren beherrschen die Zwischentöne, das subtile Grauen zwischen den Zeilen, dass sich dann eher von selbst in der Phantasie der Leserin formt. Die Seele des Mörders, die Gemeinheiten und Spielchen der normalen Leute, den Spagat zwischen Normalität und Wahnsinn.

Daran habe ich auch gedacht, als eben der Klassiker „Das Parfum“ im Fernsehen kam, ein sehenswerter Film, der zu dieser Sorte hochspannender und intensiver Krimi-Literatur gehört.

Alles in allem ein gelungener Tag.

Und wie war es bei euch? 😉