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5 vor 11

Frankfurt, Blick vom Maintower nach Nordwesten
Frankfurt, Blick vom Maintower nach Nordwesten

Am Vortag hast du schon schlecht geschlafen. Du wälzt dich in deinem Bett hin und her, die Gedanken laufen Achterbahn. „Was wird mich erwarten? Werden wir alles finden? Werde ich pünktlich kommen? Soll ich das wirklich machen?“

Du bist dir immer noch nicht sicher, über das, was du vorhast. Es erinnert dich an eine alte Zeit, eine schmerzliche Zeit, die du hinter dich gebracht zu haben scheinst. Aber die Geister der Vergangenheit holen dich immer wieder ein. Du kannst nicht vor ihnen davon laufen. Sie kommen immer wieder, wenn du deine Stimme hörst, wenn du in den Spiegel schaust. Deine Vergangenheit ist überall.

Also hast du nur eine Wahl. Du musst dich in eine Zeitmaschine setzen und die Dinge, die passiert sind, verändern. Du musst Energie einsetzen, z.B. in Form von Geld. Du brauchst Geschwindigkeit, du musst Distanzen überwinden und Zeit und Raum krümmen.

Du musst nach Frankfurt fahren!

Dein treuer Begleiter, Mann und Vertrauter, dein Psychologe, Trainer und schärfster Kritiker sitzt mit an Bord. Er ist sogar so nett und fährt dich. Was soll noch passieren?

Das Wetter ist schön und sonnig. Eigentlich hast du genug Energie, wenn du nur nicht so schlecht geschlafen hättest. Ihr fliegt über die Autobahn. Das Navi sagt „Fahrzeit ca. eine Stunde“ und es geht auch erstaunlich schnell und gut voran, obwohl Freitag ist und die Straßen relativ voll sind.
Du würdest gerne, dass er langsamer fährt, dass er nicht so rast. Aber er ist unerbittlich und lässt nicht mit sich reden. Du bist doch diejenige, die am morgen soviel herumgetrödelt hat. Sei doch froh, dass er Deine Trägheit jetzt mit seiner Energie und Aktivität wieder gerade bügelt! Sei doch froh, dass es andere für dich übernehmen, was du selbst nicht kannst.

Als ihr nach Frankfurt reinfahrt, fühlst du dich wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal in eine Großstadt kommt. Du reißt die Augen auf! Alles strahlt und glänzt, die Glasfassaden sind beeindruckend. Diese Stadt fühlt sich schon auf dem ersten Meter wie eine Großstadt in den USA an.

Frankfurt Hochhäuser und zwei Kondensstreifen
Frankfurt Hochhäuser
und zwei Kondensstreifen

Du reibst dir in den Augen. „Bin ich wirklich noch in Deutschland? Das ist ja krass!“ Ein interessanteres Gebäude folgt dem Nächsten. Manche sehen aus wie Ufos. Der Messeturm ragt in der Ferne auf und rückt immer näher. Eine seltsame Figur an der rechten Seite schwingt einen komischen Hammer. Du willst sie noch anschauen und überlegen, was das genau bedeutet, da seid ihr schon dran vorbei geflogen. Die ganze Zeit ging es zügig vorwärts, doch jetzt, wo ihr euch der Innenstadt nähert, wird es langsamer. Eine rote Ampel folgt der nächsten, die Verkehrsdichte nimmt zu, ihr nähert euch „downtown“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hammering_Man )

Ihr fahrt genau zu dem Parkhaus, dass du zu Hause am Computer herausgesucht hattest. Die Bewertungen waren gut, es ist in der Nähe von deinem Ziel-Ort, was soll schon schief gehen? Als ihr ankommt, merkst du, dass ringsherum um das Parkhaus eine riesige Baustelle ist! Scheiße, denkst du dir, mal wieder ein derber Planungsfehler. Straßen sind abgesperrt, überall ist Baulärm, das Parkhaus sieht total verbaut aus. Trotzdem kann man reinfahren. Überall sind rote Flatterbänder und provisorische Stahlstützen, die die Decke absichern. Viele Parkbuchten sind nicht zu befahren. Eimer mit Mörtel und Werkzeuge liegen herum. Das ganze Gebäude vibriert und dröhnt, weil die Stockwerke über euch schwer gearbeitet wird. Das also bedeutet die Figur mit dem Hammer…

Du hast nicht viel Zeit zu überlegen und rast mit deinem Begleiter nach draußen. Jetzt müsst ihr nur noch schnell die Adresse finden! Es ist schon 5 vor 11, viel Zeit bleibt nicht mehr!

Aber so einfach ist das nicht. Zuerst muss mal das Smartphone und dein innerer Kompass„eingenordet“ werden. Wo geht´s hier lang? Wo bin ich überhaupt?
Du hast zwar eine Adresse, aber hier an der Junghofstraße herrscht erstmal Chaos. Du gehst durch eine Fußgängerunterführung. Du kommst in eine sehr chice und edle Straße mit teuren Boutiqen und Schmuck-Geschäften. Meine Güte! Wenn das hier überall so aussieht, dann bin ich ja genau richtig. Der Kleidungsstandard schießt plötzlich steil nach oben. Überall kommen dir chic angezogene Herren mit Anzügen und teuren Mänteln entgegen. Duftwolke um Duftwolke reihen sich aneinander. Auch die Damen sind natürlich sehr gut angezogen, mit teuren Handtaschen und edlen Schuhen. Die Haare perfekt frisiert. Und dazwischen du. Du fragst dich schon wieder, warum es dir eigentlich nicht wirklich gelingt, deinen eigenen „Standard“ noch weiter nach oben zu schrauben, warum du damit so große Probleme hast? Warum hast du schon wieder nur eine einfache Jeans und einen relativ normalen Pulli (immerhin mit eingewebten Glitzerfäden) angezogen? Was mache ich hier überhaupt? Schon wieder diese Zweifel!

Alte Oper in Frankfurt
Alte Oper in Frankfurt

Aber dafür bleibt keine Zeit! Es bleibt einfach keine Zeit. Denk an die Zeitmaschine. Da musst du jetzt durch, das Ticket ist schon fast gebucht. Du musst nur noch zum Schalter rennen, den Knopf drücken, in die Kamera lächeln und schon wird dir aufgetan…

Ein sehr netter Herr begrüßt Dich. Er hat dich schon erwartet. Wartezeit 0.0. Mit einer Punktlandung nimmst du in dem edlen und hellen Beratungszimmer Platz. Die Stühle sind bequem und es wird dir sogleich etwas zu Trinken angeboten. Ein junges Mädchen kommt dazu. „Wir sind heute nicht ganz alleine. Ich hoffe, das ist okay für Sie?“ sagt der eloquente Herr im mittleren Alter, der sofort eine beruhigende Wirkung auf dich ausübt. „Das ist eine junge Medizinstudentin. Sie lernt das alles hier.“

„Nein, hab ich kein Problem damit.“ Du lächelst sie an. Warum will ich immer nett zu allen sein? Das denkst du dir noch, doch das Programm geht gleich weiter.

Der nette Herr stellt dir ein paar Fragen, dann schiebt er dir gleichen einen Fragebogen (zwei Seiten) rüber. Das hast du schon erwartet. Krankheitsvorgeschichte, irgendwelche Operationen in den letzten Jahren, Adresse, Email, Werbung JA oder NEIN und wie bin ich aufmerksam geworden?

Ja, wie bin ich aufmerksam geworden? Über das Internet natürlich. Über Bewertungen, über Vergleiche mit anderen…

„Ist denn bei ihrer Nase alles in Ordnung?“ Du horschst in dich hinein und musst spontan antworten „Ja, ist alles in Ordnung.“

„Kein Unfall gehabt in der letzten Zeit? Nie gebrochen?“ „Nein….“

„Probleme mit der Nasenatmung?“ „Nein, eigentlich nicht. Funktioniert alles gut.“

„Wie lange denken sie schon darüber nach, ihre Nase operieren zu lassen?“ „Eigentlich schon über 10 Jahre“

Du denkst nochmal nach. Nein, seit Anbeginn der Zeit. Noch viel länger. Seitdem ich 16 bin. Also schon über 25 Jahre. Ein Vierteljahrhundert denke ich darüber nach, meine technisch einwandfreie, sehr gut funktionierende, aber nicht ganz makellose und etwas knollig-dicke-männliche Nase operieren zu lassen.

„Dann warten sie bitte einen Moment, die Frau Doktor kommt gleich“. Ok…

Mainufer, Blick auf Dom und EZB
Mainufer, Blick auf Dom und EZB

Du wartest einen Moment. Du bist aufgeregt, drehst das Glas mit Wasser in deiner Hand hin und her und guckst aus dem Fenster und die Einrichtung an. Aber dir fällt nicht viel auf. Du kannst nicht viel sehen. Du bist im Gedanken bei der Frau Doktor.. Du hast sie schon im Internet gesehen. Sie sah nett aus. Sympathisch, vertrauenserweckend, irgendwie.. Das war auch einer der Gründe, warum du dich für sie entschieden hast und in diese seltsame Zeitmaschine fernab deiner Heimat steigen wolltest.

Eine junge Frau kommt mit schnellen Schritten in den Raum (der typische Chirurgenschritt) und sie fasst dich gleich an der Schulter an.

„Ja Hallo, da bin ich. Und sie sind Frau Böttcher? Freut mich!“

Sie lächelt dich sofort an und du kannst fast kein Ton mehr herausbringen. Wenn sie dich nicht gleich angefasst hätte, wärst du gleich zur Salzsäule erstarrt, mindestens.

Sie stellt die gleichen fachfraulichen Fragen wie ihr Kollege, nur noch ein bisschen fundierter. Sie schaut dich eindringlich an, natürlich auf deine Nase, deine Schwachstelle. Es ist dir peinlich. Sie schaut genau hin, kann dich sofort einordnen. „Sie haben eine dicke Haut…“… und „Ihr Gesicht ist nicht ganz symmetrisch, z.B. die Augenbrauen sind etwas unterschiedlich“. (Echt?) „Aber ihr Gesicht ist länglich, da passt eine schmalere Nase schon…“

Du gehst mit ihr zum Stuhl, legst dich drauf und fühlst dich fast wie beim Zahnarzt. Sie ist dir jetzt ganz nah. Sie hat ein seltsames Gestell auf der Nase und beugt sich über dich. Schnell kommen weitere medizinische Fachbegriffe herausgeschossen. Der nette Herr schreibt alles auf. Die Medizinstudentin sagt nichts und beobachtet nur. „Septumdeviation links, Septumleiste…“

„Aha? Das hatten die anderen HNO Ärzte aber nicht gefunden“, stelle ich erstaunt fest. Sie lächelt.

Ihre Untersuchung ist genau und präzise. Sie ist nett und zuvorkommend. Sie hört mir zu. Sie kann alle Fragen beantworten.

Und sie ist sauteuer. Sie ist die beste und ich will nur noch die Beste.

Die anderen Fragen und Formalitäten rauschen nur noch an dir vorbei. Es ist egal. Preis, Hotelzimmer, Nachsorge, es kommt dir jetzt alles lächerlich vor.

Du hast dich schon entschieden in dem Moment, als sich eure Seelen begegnet sind. Das ist so ein Frauending. Versteht man sich oder nicht?
Passt es oder nicht?

Und es passte.

Enten am Mainufer
Enten am Mainufer

Frankfurter Buchmesse 2014

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Von Querbeeten und allerlei

Ich denke noch über den Besuch auf der Buchmesse nach. Einen umfangreichen Bericht wollte ich schreiben, möglichst mit allen Details, allen Impressionen, fein säuberlich ausgearbeitet. Dazu noch die Fotos, die Flyer und Links zu Verlagen und neuen Büchern oder anderen interessanten Ideen. Aber kann ich das überhaupt? Und vor allem jetzt, wo es dunkel ist und ich schon wieder müde und schläfrig werde…wahrscheinlich muss ich den Bericht in mehrere Teile oder Revisionen einteilen.

Das beste ist, einfach vorne anzufangen! Wir sind mit dem Zug nach Frankfurt gekommen, den Bahnhof kannte ich noch nicht. Frankfurt für mich sowieso ein eher unbekanntes Pflaster. 700.000 Einwohner hat die Stadt, hab ich beim Recherchieren herausgefunden- wusste gar nicht, dass es soviele sind. So eine große Stadt, fast eine Millionenstadt und ich kann mit dem Zug von Mannheim in 34 Minuten hinfahren- und kenne sie doch kaum.

Vom Bahnhof zur Messe sind es ca. 900 Meter. Dahin kommt man recht schnell zu Fuß und braucht die U-Bahn nicht unbedingt zu nehmen. Man kommt durch eine riesige Häuserschlucht mit wichtig aussehenden Hochhäusern, mit viel Edelstahl und glänzenden Glasfassaden. Die Mauern davor sind aus purem, schwarzen, hochglanz-polierten Granit. Überall kommt einem der Luxus des Banken-Viertels entgegen, teure Luxus-Cafés für Banker und andere Geschäftsleute reihen sich aneinander – kommt man aber näher auf den Bahnhof zu, gibt es plötzlich wieder Döner-Laden und einfachere Geschäfte. Das Klientel, das einem entgegen kommt, wirkte tlw. sehr gepflegt und jeden zweiten der, in Smartphone-vertieften Männer, hätte man -angesichts perfekt sitzender Anzüge und tadellosem Aussehen- auch für ein Model-Casting engagieren können.

Mir wurde das Laufen schon fast zuviel, da kam endlich der Eingang zur Messe. Flughafen-Atmosphäre macht sich plötzlich breit. Überall breite Gänge, Laufbänder in der Horizontalen und breite Tunnel aus Glas, mit dem man im ersten Stock von Halle zu Halle „jetten“ kann. Man wird von Studentinnen mit Flyern und Prospekten eingedeckt. Überall herrscht eine geschäftige, aber durchaus freundliche und offene Atmosphäre. Das ist der Grund, warum ich Messen so liebe! Von einer Stelle aus dem Glastunnel konnte man schön das Messe-Gelände überblicken und sich schon einmal einen Eindruck über die Ausmaße des Geländes machen.

Buden waren aufgebaut, Bierzelt-Garnituren und dann mehrere Zelte. Ich schaute kurz über die Szenerie, wurde dann aber wieder vom vorbeifließenden Besucher-Strom angesteckt und mitgerissen. Stillstand unmöglich, alles ist im Fluss! Wir beschlossen erstmal in der Halle 3.0 anfzufangen. „Belletristik und Sachbuch“. Und rein ins Getümmel!

Stand reiht sich an Stand, tlw. interessante Dinge, teilweise uninteressant. Ja, wo soll man die Prioritäten setzen, was ist wichtig und was nicht? Neben den großen Verlags-Ständen von FAZ, Süddeutsche und Welt reihten sich kleine Nischen-Anbieter, ein paar Leute, die sich auf esoterische oder ökologische Themen spezialisiert haben, dann wieder Fußball-Bücher für Kinder oder ein breites Angebot für den neuen Trend des „Self Publishing“. Das hat mich diesmal besonders interessiert und an diesen Ständen hab ich auch mehr Zeit verbracht. An einer Stelle gab es auch ein Forum, in dem vier Leute zusammensaßen und von ihren aktuellen Erfahrungen mit Self-Publishing berichteten. Wir setzten uns kurz hin und lauschte dem Vortrag. Das erste mal kehrte so etwas wie Ruhe und Besinnung ein.

Die Klang-Qualität war allerdings schlecht, die Boxen zu leise. Am Rande des Geschehens bekam man nicht mehr soviel mit.

Wir gingen weiter, ich wusste nicht so recht wohin und wurde von Eindruck zu Eindruck gejagt, da kam plötzlich eine kleine (zierliche) Frau in blauem Kleid und mit schnellem Schritten an mir vorbei, ich blinzelte kurz und fragte mich „kann das sein?“ da war mir klar, dass gerade Sarah Wiener an mir vorbeigeeilt war. Wow! Das erste Wow-Erlebnis an diesem Tag und genau das, was mir schon öfters erzählt wurde, wenn das Gespräch auf die Frankfurter Buchmesse kam. „Promi-Spotting par excellence!“.

Gut, ganz unschuldig bin ich nicht, denn ich muss zugeben, dass ich die „Sarah Wiener Kochshow“ schon vorher als Programm-Punkt herausgesucht hatte, aber überraschend war es dennoch. Ich schaute auf die Armbanduhr.. noch 20 Minuten bis 13 Uhr, also auf zur Gourmet Gallery, die Gänge waren voll und wer weiß, wer noch alles die Idee hatte, die begabte Köchin mal in live, in action zu betrachten?

Wir schlenderten also zur „Gourmet Gallery“, das ist ein etwas abgetrennter Bereich auf der Messe mit Bühnentechnik, Kamera und Show-Küche. Sponsor-Werbung inklusive. Sarah Wiener war schon voll in ihrem Element und die Zuschauer standen in Trauben um sie herum. Zuerst war ich etwas enttäuscht, weil ich in der hinteren Reihe fast nichts erkennen konnte. Nach und nach entstand aber durch das Kommen und Gehen der Besucher, kleine Lücken, in die man schnell vorstoßen und Zentimeter um Zentimeter „gutmachen“ konnte. Frau Wiener sprach in einem herrlichen österreichen Akzent, wirbelte zwischen Pfannen, Töpfen, ihrem neuen Kochbuch und einem munteren Schlagabtausch mit ihrem Assisstenten hin und her. Dabei war schon nach weniger Zeit klar, dass sie ihre „Biolinie“ voll ausbaut und in jedem zweiten Satz kamen Hinweise zum „gesunden und nachhaltigen Kochen“, zu all den Verboten, was man nicht benutzen oder essen darf und es entstand neben der fabelhaften Küche und dem ursprünglichen, bestimmt schmackhaften Worten und Gerichten ein fahler Beigeschmack des Dogmatischen und Oberlehrerhaften. Das kannte ich so von ihr schon (aus dem Fernsehen) und es hat mich nie gestört. Da ich die meisten Ansichten auch teile und nachhaltig kochen und biologisch ernähren auch gut finde. Es war aber ein wenig zuviel des Guten, sie schlitterte von giftigen Tefal-Pfannen, über H-Milch, Zitronensäure, Glutamat und Trennmitteln in Kochsalz, zum selbstgemahlenen Pfeffer, Petersilie mit (oder ohne?) Stängel und den guten, nahrhaften Kürbissen hin und her. Vom live gekochten Gericht selbst bekam ich nicht soviel mit, zwischendurch wurde aber eine Soße oder ein Pesto herumgereicht, das ganz gut duftete. Wir waren schon etwas müde und setzten uns abermals hin. In einem Regal hinter uns gab es das besagte Kochbuch. Es war sehr schön aufgemacht, hat ein tolles Design und auch leckere Gerichte. Ich fand, dass das Blättern im Buch, mit meinem eigenen Tempo und meinen eigenen Gedanken dazu viel besser war, als diese Kochshow, die augenscheinlich für die Massen produziert wurde und ein bisschen eine Werbe-Veranstaltung in vielerlei Hinsicht war.
Daher beschloss ich kurzerhand, mir dieses Buch auf den Wunschzettel zu setzen und wer weiß, vielleicht hab ich ja an Weihnachten etwas Glück und war artig genug. 😉

Wohin sollte es nun gehen? Die Gänge mit den vielen Ständen waren endlos. In der Bilder-Galerie gibt es ein paar Eindrücke dazu. Zwischendurch wurden wir angesprochen und eingeladen, uns auf einer Wand mit vielen bunten Postkarten zu verewigen. Man sollte kurz aufschreiben, warum man Buchhandlungen mag, konnte seine Adresse eintragen und an einem Gewinnspiel teilnehmen. Eine schöne Idee, die eine große, bunte, beklebte Wand mit Namen und Sätzen hinterließ.

Ein paar Schritte weiter und schon wieder entdeckten wir einen Promi, diesmal am Stand der Süddeutschen. Es war Herbert Feuerstein mit seinem neuen Buch.  Ich traute meinen Augen kaum, realisierte aber schon bald die Authentizität dieses ungeschminkten, fernsehfreien Ereignisses, dass dem Vorbild sehr nahe kam. Sprich: Im Fernsehen wirkt Herr Feuerstein genauso wie hier auf der Bühne. Er ist etwas klein und hat ein verschmitztes Auftreten und einen angenehmen, ruhigen Stil. Auch hier verweilten wir also und lauschten den interessanten Worten.

Nachdem wir in dieser Halle fertig waren, beschlossen wir in die Halle mit den Comics zu gehen, landeten dabei aber versehentlich in der Kinder- und Jugendbuch-Abteilung. Nicht schlimm, denn auch diese war genau unser Geschmack und nahm einen großen Teil unseres Zeit-Budgets in Beschlag. Die Stände waren alle sehr hübsch gestaltet, besonders aufgefallen sind uns die bunten, hochflorigen Teppiche und das wirklich breite Angebot an Kinder- und Jugendbuchliteratur.

Zwischendurch stolperten wir anscheinend gerade in die Verleihung des deutschen Cartoonpreises, denn kein anderer als Marcus Weimer (von Rattelschneck) war auf der Bühne und stellte sich lustigen (aber leider abgelesenen) Fragen einer Moderatorin. Im Publikum machte sich Gelächter und gute Laune breit, denn der Autor dachte nicht daran, „seriös“ zu antworten und beantwortete die Fragen auf seine eigene, lustige Weise. Natürlich mussten wir dann auf gleicher Ebene auch noch den Titanic-Stand ansehen.

Nach den vielen Eindrücken brauchten wir abermals eine Pause und erkundeten zum ersten Mal den Außenbereich. Wie es der Zufall so will, wurde gerade der „Grüffelo-Zeichner“ Axel Scheffler vorgestellt. Eine kreischende Menge von Kindern unterschiedlichen Alters nahm ihn begeistert in Empfang.

Zum Schluss kam noch ein Teil der vierten Halle auf das Programm, wobei wir hier um die (trockene) Verlagssoftware einen Bogen machten und direkt auf die Abteilung „Papeterie und Geschenke“ zusteuerten. 😉 Für die Sachbuch- und Wissenschaftabteilung in der selben Halle reichte die Zeit dann leider nicht mehr ganz. Auf dem Terminplan waren- gleichsam als Höhepunkt und Abschluss des Messebesuchs- noch ein paar Lesungen im Agora-Lesezelt anberaumt, das wir dann auch sichtlich genossen, weil man hier endlich einmal sitzen konnte und dank des Sponsors (Meßmer) auch kostenlosen, leckeren Tee serviert bekam! Neben all den informativen und gut gemachten Lesungen unterschiedlichster Autoren, versteht sich.

Den MC Fitti- Auftritt verpassten wir daher, nicht aber die Bässe und das Gekreische an Jugendlichen Fans, das er keine 200 Meter von uns entfernt auslöste.  Das ist überhaupt die Stärke der Buchmesse, Künstlerinnen und Medien unterschiedlichster Couleur unter einen Hut zu bringen und einem breiten Publikum schmackhaft und greifbar zu machen. Von einer Krise des Buches hab ich auf jeden Fall dieses Mal noch nichts mitbekommen. Die neuen Medien, vor allem die Ebooks, waren erstaunlich unter-repräsentiert, ich hoffe dass sich diese Ignoranz nicht eines Tages rächen wird – und dass treue LeserInnen des klassischen Buches weiterhin ihr eigenes Zutun zum Kultur-Klassiker leisten werden.

Buchmesse 2015, wir werden uns wiedersehen!

Und für euch Leseratten kann ich es als „Tipp“ weiterempfehlen… wer weiß, vielleicht machen wir mal ein BloggerInnen-Treffen dort?