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Nichts ist jemals wirklich fertig

Blick aus dem fahrenden Zug auf Schienen und Wolken in der Sonne

Die letzten zwei Tage hat mich eine hartnäckige Virus-Erkrankung, die sehr plötzlich kam, etwas ausgebremst. Pünktlich zum Wochenende standen der Fließschnupfen, die Gliederschmerzen und die allgemeine Schlappheit vor der Tür und haben meinen normalen Plan vom Leben erstmal wieder aus der Bahn geworfen.

Aber habe ich überhaupt ein Plan? Manchmal zweifle ich doch sehr daran, ob ich überhaupt irgendeinen Plan habe. Vor allem, wenn die Schaffens- Energie nach der allgemeinen Flaute wieder frei wird und man sich dann die ewig gleiche Frage stellt „Wo fange ich überhaupt an?“

Ich hab tausend Projekte angefangen und auf sehr viele Sachen paradoxerweise meist gleichzeitig Lust. Meistens fang ich mit einer Riesen-Begeisterung an und mache die Sache dann zwei, drei Tage – bis mich die Motivation fast schlagartig verlässt und ich etwas ganz anderes machen möchte. Und so hangel ich mich von „Projekt“ zu „Projekt“ und nichts wird jemals richtig fertig. Ich erringe überall nur Teilsiege, kleine Fragmente meines Schaffens und sie reihen sich leise nebeneinander, aber doch ohne je richtig beachtet zu werden oder einen messbaren „Erfolg“ zu erzielen. Denn wie definiert man Erfolg im engeren Sinn? Wenn es mir genützt hat, wenn es z.B. im Netz steht und betrachtet werden kann, ist es dann nicht genug? Wenn es jemand gelesen hat, wenn es jemandem den Tag erhellt oder vielleicht sogar verdunkelt, hinterfragt und am Ende geholfen hat? Oder wenn es einfach nur steht, schwarz auf weiß, ohne Ufer, ohne Halt im ewigen Meer der fließenden Bits und Bytes?

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Erfolgreiche und erfolglose Menschen

  • Erfolglose Menschen warten auf die richtige Gelegenheit- erfolgreiche fangen einfach an
  • Erfolglose Menschen bedauern sich selbst- erfolgreiche sehen die Herausforderungen in ihrer Arbeit
  • Erfolglose Menschen warten auf die richtige Rückmeldung – erfolgreiche geben sich die Rückmeldung selbst
  • Erfolglose Menschen kritisieren den Erfolg – erfolgreiche geben nichts auf das Gerede der anderen
  • Erfolglose Menschen hinterfragen sich selbst und haben Zweifel- erfolgreiche Menschen haben klare Visionen und Ziele
  • Erfolglose Menschen schauen nach hinten – erfolgreiche nach vorne
  • Erfolglose Menschen reden und zerreden – erfolgreiche handeln
  • Erfolglose Menschen jammern – erfolgreiche schweigen
  • Erfolglose Menschen beneiden andere – erfolgreiche freuen sich über den Erfolg von anderen
  • Erfolglose Menschen arbeiten allein – erfolgreiche können auch das Team akzeptieren
  • Erfolglose Menschen vertragen keine Kritik – erfolgreiche lernen von anderen
  • Erfolglose Menschen denken nur an sich – erfolgreiche, wie andere auch erfolgreich sein können
  • Erfolglose Menschen sehen den Erfolg als das einzige Ziel – für erfolgreiche ist der Weg genug.

Erfolg & Einigkeit

Gedanken zur Europawahl

Erfolg ist eine tolle Sache- vor allem, wenn man ihn hat.

Die Nicht-Erfolg-Habenden müssen sich hingegen mit Minderwertigkeitskomplexen herum plagen.

Erfolg scheint mir eine sehr temporäre Sache zu sein. Man kann kurzfristig erfolgreich sein, man kann kurzfristig angesagt sein, man kann Geld verdienen und ausgeben. Man freut sich über das neue Handy, doch bald ist es veraltet- oder so wie in meinem Fall, der Akku geht kaputt, das Display verkratzt- man braucht irgendwann ein Neues.

Erfolg, vor allem materieller und oberflächlicher Erfolg ist wie ein Kaugummi, den man frisch aus der Packung holt, freudestrahlend darauf herum kaut, sich über den netten Geschmack erfreut, bis er irgendwann fad und langweilig wird.

Wir Menschen wissen irgendwie, dass Erfolg wichtig ist- obwohl wir vielleicht auch wissen, dass er oberflächlich und belanglos ist, werden wir vom Erfolg magisch angezogen. In der Werbung werden nur Produkte versprochen und beworben, die unser Leben verbessern sollen- nie aber verschlechtern.

Es soll immer aufwärts gehen, wir werden nie satt. Haben wir gestern noch drei gute Freunde gehabt, brauchen wir morgen fünf, haben wir fünf, sind wir schon bald mit zehn nicht mehr zufrieden.

Mit dem Geld ist es ähnlich- je mehr, desto besser, aber das eigentliche Ziel ist der Weg, das Streben und mehr -Wollen. Wir können unter Umständen nicht anhalten und werden krank davon, brennen aus und leiden.

Die Buddhisten sagen ganz einfach “Gier” dazu. Etwas, dass mit der Finanzkrise auch unsere Weltwirtschaft auf eine harte Probe gestellt hat. Schlimm wird es für den Süchtigen, wenn der Stoff ausgeht, wenn die harte Realität der Kausalitäten die Blase zerstört und das Ausmaß der Zerstörung sichtbar wird. Kein Wunder, dass diese Mechanismen der Gier auch in unseren Köpfen und in unserer alltäglichen Einstellung Einzug gehalten haben.

Wir können nicht mehr glücklich sein, mit dem was wir haben, was wir sind. Wir müssen immer auf den Kalender schauen, planen das Morgen und vergessen dabei das Heute.

Erfolgssucht ist wie eine Krankheit. Man kann sie inhaltlich und methodisch nur schwer trennen von der nötigen Entschlossenheit und dem inneren, beschwingten und fröhlichen Antrieb, den man braucht, um Gutes zu erreichen.

Man sollte sich also vom Zeit zu Zeit fragen: Bin ich auf dem richtigen Weg? Dienen meine Anstrengungen der ganzen Gesellschaft oder befriedige ich nur eigene Interessen? Ist es gesund, was ich mache oder schade ich mir selbst und anderen?

Was ist das Ziel meiner Suche? Erreiche ich mit den jetzigen Mitteln mein Ziel? Gäbe es vielleicht bessere Mittel oder gar andere Ziele?

Auf der anderen Seite sind Konsum, Erfolg und Fortschritt die Grundlagen für unsere Marktwirtschaft und die damit verbundene Forschung, die Menschen müssen konsumieren, um den Kreislauf am Leben zu erhalten. Die derzeitige Gesellschaft braucht Gewinner und Verlierer, das untergräbt die natürliche Solidarität. Ändern kann das nur ein gerechtes System, eine Gleichverteilung und eine Erfüllung der Bedürfnisse von allen. Daher wundert es mich z.B. an dieser Stelle, warum die Linksparteien und vor allem die SPD nicht von der Krise profitieren konnten. Die Wähler haben sich vor allem für die konservativen und die “bürgerlichen” Parteien entschieden. Mir scheint, die Leute mit Besitz können sehr genau festmachen, welche Partei im Moment ihre Besitzstände sichert und welche Parteien nur “heiße Luft” erzeugen- und sich mit dem Slogan leider ein Eigentor geschossen haben. Dass die SPD in einer Profilkrise ist, flankiert von nichtssagenden Aussagen und dem schweren Hartz 4- Erbe, kommt noch erschwerend hinzu.

Obwohl der kritische Menschenverstand zum Schluss kommen müsste, dass das ganze System in einer Krise ist, liefern die Wahlen ein beinahe widersprüchliches, paradoxes Ergebnis: Ein Teil, ungefähr die Hälfte der Wählerinnen und Wähler hat resigniert und ging gar nicht erst zur Wahl. Das sind die geknechteten, hoffnungslosen, bildungsfernen, die es bereits aufgegeben haben, an Gerechtigkeit und Wandel zu glauben. Übrig bleiben die Gebildeten, die wissen, wie man die Zügel in der Hand hält und was jetzt wichtig ist. Das Ergebnis: Es wird sich erstmal nichts ändern. Das allgemeine Bewusstsein wurde nicht wachgerüttelt. Mit geschickten psychologischen Belohnungsmittelchen hat man Autos unter das Volk verteilt und den Irrglauben verbreitet, alles im Griff zu haben und großzügig zu sein. Die wahren Abhängigkeiten und Begebenheiten werden von den meisten Menschen entweder nicht begriffen oder nicht hinterfragt: Es bleibt alles beim Alten.

Für die Reformen und den Veränderungsdruck im Land ist das ein handfester Nachteil. Bis zur nächsten Wahl muss sich etwas ändern. Die Wahlkämpfe müssen endlich politischer und eindeutiger werden. Die Parteien müssen alle aus ihrer Starre heraus und endlich anfangen, Menschen zu mobilisieren. Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein Alarmsignal, ebenso die vielen kleinen Splitterparteien und euroskeptischen Parteien, die nun indirekt profitieren konnten. Einigkeit sieht anders aus.

Ohne Einigkeit : kein nötiger Wandel.