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Die Präsi-Wahl

Okay, die gute Nachricht zuerst: Es ist vorbei.

Die Schlechte: Wofür steht Christian Wulff? Und warum ist es so verdammt heiß hier?

Ja, es war recht spaßig, die Reaktionen der WM-geprüften Twitterer zu lesen und nach langer Zeit auch mal wieder senfabgebend tätig zu sein. Sehr spannend: Im einen Fenster den ARD-Livestream im Bundestag zu verfolgen und im anderen Fenster die Twitters mit ihren Meinungen dazu. Vielmehr „live“ geht eigentlich nicht. Theoretisch könnte man auch seine twitternden Wahlmänner oder – Frauen anschreiben und sie darauf drängen, so oder so zu wählen. Sogar den Wahlzettel konnte man als „Twitpic“ anschauen. Okay, grau so wie meiner auch. Zum Greifen nah! Toll!

Mit Twitter hat jeder „Prominente“ und nicht ganz so Prominente seine Telefonnummer im Internet stehen- wenn man darüber nachdenkt ein wirkliches Novum, was die Transparenz und Bürgernähe angeht. Nur schade, dass die leicht abgewandelte Fußball-Weisheit „…und am Ende gewinnt immer Schwarz-Gelb“ auch diesmal galt. Aber Twitter wird generell ein wenig überschätzt, kann man z.B. hier nachlesen.

Ein paar vereinzelte Fans der deutschen Polit-Mannschaft haben sich sogar vorm „deutschen Reichstag“1 versammelt und warteten gespannt auf den „Sieger“

Bleibt die Frage: Haben wir überhaupt eine Wahl? Wir könnten, wenn wir wollten, selbst auch prominent, berühmt und theoretisch sehr einflussreich sein. Sind wir aber nicht. Wir hätten halt auch Jura und BWL studieren können. In der Schule mehr lernen. Ehrgeiziger und gerissener sein, wäre gut gewesen, wenn….

Also bleibt uns nur die Beobachter-Rolle, die der Ereiferer, die der Kritisierer und die wichtige Meckerer-Rolle und natürlich die Klugscheiß-Rolle, die ist besonders schön.

Und von der Couch meckert es sich bekanntlich besonders gut, was ich noch vermisse, ist die Möglichkeit bei BWIN auf einen Bundespräsidenten Kandidaten wetten zu können, das wäre doppelt spannend gewesen. 😉

Gauck vor, noch ein Tor, Komm mach das Ding, nein ABSEITS, grobes Foul der Linken, Buh! Der Schiedsrichter ist eine Pfeife, aber lustig.

Dabei-Sein ist alles. Brauchen wir noch mehr Aussagen?

Vielleicht die der Nachdenkseiten:  http://www.nachdenkseiten.de/?p=6059

Dann war da noch der Titanic-“Gag“: Hauptsache auffallen und auch mal in den Medien sein, gell. Okay, ich verlink euch, ihr Spaßvögel…

Aber warum ausgerechnet Martina Gedeck? Weil die eigene Reputation und das Image nicht mehr ausreicht, um ernst genommen zu werden?

Traurig-garstige Schreiberlinge! Möget ihr mir ein Vorbild sein…


Anmerkungen:
  1. hmm räusper, muss das nicht Bundestag heißen? Stimme aus dem Off, off. []


Bloggen ist: Egal

Egal. Es ist mir egal. Mittlerweile ist es mir egal, ob ich viele Besucher habe oder nicht. Wie hoch mein Pagerank ist. Den PR 3 habe ich einfach in die Mülltonne getreten, unwichtig- weg damit! Es ist mir egal, ob mir jemand in Twitter „Guten Morgen“ sagt oder nicht, es ist mir egal, ob ich Follower habe oder nicht, es ist mir egal, ob ich jemand halten kann oder wieder verliere. Gleichgültigkeit ist eine gute Methode, locker und unbeschwert durch das Leben zu kommen- Gleichgültigkeit ist frei von Zielen, Wünschen und Strukturen.

Dennoch, eröffnet diese grundsätzliche Gleichgültigkeit das Leben für tiefere Empfindungen wie Mitgefühl und Anteilnahme. Gleichgültigkeit gegenüber Zielen heißt nicht Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen! Aber es bedeutet: Sie nicht festklammern zu wollen.

Wenn man etwas erreichen will, braucht man ein Ziel, einen Wunsch eine Absicht. Vielleicht ein Streben nach Besitz, nach „Haben wollen“.
Wenn man alle diese Absichten überwindet oder überwinden will, ist es völlig belanglos- unwichtig, was denn nun genau geschieht. Es gibt kein Gut, kein Falsch, kein Schlecht, kein Böse und kein bewundernswert.

Frei zu schreiben, bedeutet auch den Wunsch nach Besuchern und Anerkennung zu überwinden- es ist unwichtig- letztendlich schreibt man doch immer für sich selbst. Der Wunsch, ehemals Vater der Gedanken löst sich beim Schreiben auf, man entledigt sich ihm- das verschafft die Freiheit beim Schreiben und Denken. Es ist ein erholsamer, angenehmer, süchtig machender und schöner Vorgang.

Aber- zugegeben- es ist auch etwas seltsam. Es ist seltsam, kein Ziel zu haben. Ich blogge, wenn ich Freizeit habe, wenn ich mich frei von den Sorgen des Alltags machen will. Bloggen ist mein Ventil, meine Überlebensader, mein Überdruckventil in die kosmische Leere des Weltalls. Sicherlich, es gibt Leute, die es lesen. Sicherlich, es eröffnet Reaktionen, Abwehr, Lob, Zuneigung. Aber letztendlich führt es doch nur zu einem höheren und ausgeglicheneren Zustand des Nebeneinanders auf Augenhöhe.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig ich das Bedürfnis habe, mich zu vernetzen. Auf andere zu zugehen. Mein Blog ist wie mein Leben: Ich bin gerne einsam, ich bin gerne allein. Ich genüge mir selbst, ich strebe nicht, ich ruhe in mir selbst. Streng genommen ist das ein buddhistisches Ideal, ein Ideal der Ausgeglichenheit und der inneren Mitte. Manchmal wundere ich mich und denke „huch, ich sollte mal was für die Besucher tun“ oder „huch, wo sind die Werbeeinnahmen oder was sind meine Ziele…“ ? Aber immer und immer wieder lösen sich diese Ziele auf und nichts anderes als ein Berg aus virtuellem Papier entsteht.

Bloggen ist: egal.