image_pdfimage_print

Freie Zeit

Jetzt sind schon wieder vier Wochen vergangen, ohne dass ich einen einzigen Artikel gebloggt habe! Ehrlich, das war keine Absicht, es ist „einfach so“ passiert. Facebook und Instagram beanspruchen derzeit meine volle Aufmerksamkeit. Vor allem bei Instagram habe ich seit vielen Jahren mal wieder das Gefühl von „Feedback“, aber auch von sozialer Gemeinschaft. Man trifft wieder neue Leute, man trifft wieder aufgeschlossene Leute und der Tellerrand des eigenen Blogs ist endgültig überschaut. Es ist einfach ein tolles soziales Netzwerk, dass mir zur Zeit viel Spaß macht. Ich gehe alte Bildbestände durch (das sind mittlerweile sehr viele Bilder) und versuche, nur die besten rauszusuchen und hochzuladen.
Das alleine ist sehr viel Arbeit, aber eine Arbeit, die gut zum Jahreswechsel und zur üblichen „Rückschau“ gepasst hat. Allerdings blicke ich mehr als ein Jahr zurück und schaue mir die Digitalkamera- und Handy-Fotos an.

Für Statistik-Fans habe ich auch ein paar Zahlen:

  • Bilder von der Lumix LX3-Digitalkamera (2009 bis 2017):
    ca. 8.000 Dateien, 43 Gigabyte Daten (ca. 890 Bilder pro Jahr)
  • Bilder vom Galaxy S4-Smartphone (2015 bis 2017):
    7.655 Dateien, 65 Gigabyte Daten (ca. 2.500 Bilder pro Jahr)

Es müssen also pro Jahr 3.390 Bilder durchgeschaut werden und nur die besten werden veröffentlicht. (Nebenbei kommen neue Bilder dazu.) Das dauert… viele Bilder sind schlecht (gerade vom Handy) und müssen beim Durchsehen auch gelöscht werden. Gerade das Handy produziert neben den Bildern auch viele Video-Dateien. Diese kann man schlecht „einfach so“ hochladen, ein bearbeiteter und geschnittener Film ist immer deutlich reizvoller. Außerdem ist die Upload-Zeit bei Instagram für Videos beschränkt (zwischen 3 und 60 Sekunden). 60 Sekunden! Was kann alles in 60 Sekunden passieren. Wenn mein neueres, fotografisches Leben 10 Jahre gedauert hat…

Allerdings zwingt mich so ein Netzwerk wie Instagram dazu, nur die Perlen anzubieten- denn wer will den ganzen Mist sehen? Wenn dann positives Feedback in Form von Like oder Kommentar kommt, ist das sehr schön und motiviert mich, weiterzumachen. Alleine 20 Likes für ein Bild bedeuten ja, dass sich 20 Menschen zusammengefunden haben und mein Bild auf ihrem Smartphone sehen konnten. Das ist schon eine kleine Schulklasse voll! Ich stelle mir vor, wie sie mein Bild bei sich sehen, sich freuen, wenn es jeden Tag (wie in einem Adventskalender) was neues gibt. Ich erkläre anderen gerne meine Welt, ich überlege „was könnte sie interessieren?“ und versuche dann mein Glück.
Es ist ein Feedback-Mechanismus, der funktioniert und sich selbst erhält- toll. Ich gehöre anscheinend schon zu einer neueren Generation (Generation Y? ), die gerne positive Rückmeldung bekommt. Vorbei die Zeiten, als Menschen nur still geackert haben und die Motivation irgendwie „von selbst“ oder durch Einschüchterung und Überlebensangst kam – andere Menschen stehen im Mittelpunkt des selbstbestimmten, modernen (selbstständigen) Handelns und verstärken den sozialen Sinn an der Arbeit.

Nebenbei schaue ich noch ganz viel bei anderen und vergebe natürlich auch viele „Likes“. Allerdings wird das mit der Zeit auch komplizierter, weil natürlich neue „Follower“ dazu kommen und ich selbst auch viele neue Menschen abonniere. Jeder beansprucht ein bisschen Zeit, um jeden muss man sich „kümmern“… und wenn es nur ein paar Gedanken sind, die man sich zur Person macht. Das finde ich besonders spannend! Was ist das für ein Mensch? Wie lebt er? Was arbeitet er? Was ist sein Beruf? Ist der Mensch berühmt oder eher ein privates Mauerblümchen? Wie unterscheiden sich extrovertierte und introvertierte Menschen? Was möchte jemand von sich zeigen? Was nicht? Es gibt soviele Informationen, die in Bildern stecken.. aber nicht alle sind offensichtlich. Und gerade dieses Rätselraten um andere Menschen und ihre „Insta-Perlen“, ist für mich die Spannung dabei.

Nach den vielen Bildern und den vielen Häppchen-Informationen, die z.B. den Alltag von Facebook dominieren, steigt bei mir aber auch wieder der Wunsch nach Vertiefung. Nur an der Oberfläche zu kratzen, macht auf die Dauer auch nicht satt. Manchmal wünsche ich mir die Zeit, mich zurückzulehnen und wirklich auf ein Thema einzulassen. Mir Zeit zu nehmen auch in Gedanken. Die Zeit bewusst „frei halten“ damit sich eine Sache auch innerlich entwickeln und reifen kann. Und dafür, das stelle ich immer wieder fest, ist das geschriebene Wort das einzige und das beste Medium.

Es ist bezeichnend für unsere Zeit, dass Bilder-Netzwerke und Video-Plattformen (wie Youtube) boomen, aber die Blogs eher ein Nischen-Dasein fristen. Bei Claudia gibt es einen interessanten Artikel zu diesem Thema.

Der Erfolg der sozialen Netzwerke liegt nicht alleine an der Marktmacht der Anbieter.. ich denke, es liegt an den Menschen und der Gesellschaft selbst. Es gibt einfach nur wenige Menschen, die Informationen gerne vertiefen, die wirklich weitergehen wollen. Schriftsteller und Autoren waren schon immer „selten“ und kostbar- natürlich gab es immer Menschen, die gedacht und geschrieben haben, aber die meisten Menschen haben auch keine Zeit dazu. Wir sind darauf dressiert, zu funktionieren und zu konsumieren. Die Uhr und die Maschinen geben uns den Takt vor. Wo ist da die freie Zeit?
Sie muss bewusst vom Menschen „erzeugt“ und freigehalten werden.

Mal wieder was bloggen

und die eigene Meinung stärken

Ein Blog ist ja eigentlich ein Mechanismus, mit dem man täglich Beiträge schreiben kann. Meistens sind diese Beiträge persönlicher Natur und sie werden auch oft aktualisiert. Eigentlich das perfekte Medium für alle, die gute Texte und einen engen Kontakt zu den Autoren suchen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dieses schöne Medium immer mehr am sterben ist, bzw. sich radikal verändert.

Ich habe schon seit Monaten keinen wirklichen Neuzugang in meiner Blogroll. Bestehende Autoren schreiben seltener und die Artikel werden kürzer. Ich finde auch keine Blogs mehr, wenn ich auf Google etwas suche. In den ersten drei Ergebnisseiten kommen fast ausschließlich bezahlte Medien (Magazine, Zeitschriften oder größere Online-Portale).
Früher hat man bei den Suchmaschinenergebnissen viel öfter Blogartikel angezeigt bekommen. Mittlerweile gar nicht mehr.
So etwas wie die „Blogosphäre“ scheint es nicht mehr zu geben. Erinnert ihr euch noch an das „Stöckchen werfen“, das vor ein paar Jahren noch so chic war und bei dem man alle Nas lang etwas abbekam? Gibt es auch nicht mehr. Auch die Kommentier-Rate unter den Bloggern scheint ziemlich eingeschlafen zu sein. Ich finde das eigentlich sehr schade. Denn gerade die Blogs ermöglichen ja die freie Kommunikation unabhängig von Online-Zeitungen, Staats-Fernsehen oder wirtschaftlich geprägten Meinungsmachern. Es gab so gar einmal die Zeit, als „bezahlte“ Magazine und Zeitungen die Blogs fürchteten, weil ja jetzt jeder Journalist sein konnte, jeder einen Leser fand. Von diesen Ängsten ist lange nichts mehr zu spüren. (Vermutlich spätestens seit Google seinen Algorithmus umgestellt hat…) Jetzt sind die Blogs wieder da, wo sie der Überzeung der Mächtigen nach hingehören: In der Nische.

Wenn ich mir so meinen Verwandten- und Bekanntenkreis anschaue, dann sind fast alle Leute auf Facebook aktiv. Das große soziale Netzwerk aus den USA hat es anscheinend geschafft, massiv Aufmerksamkeit und Nutzer abzuziehen. Auf der einen Seite ist das gut, weil sich hier etwas fokussiert und dann ein gewisser „Anhäufungseffekt“ auftritt. Wenn erstmal alle dort sind, bleiben auch alle dort und man muss sich nicht mehr in den unendlichen Weiten des komplizierten Internets verlieren. Es ist also in erster Linie mal bequem. Was ich dabei nur schade finde, dass die Datenschutzfragen von Facebook überhaupt nicht mehr diskutiert werden- und von den meisten anscheinend auch gar nicht mehr angezweifelt oder hinterfragt werden. Zumindest bekomme ich außer den täglichen Belanglosigkeitsmeldungen davon nichts mit. (Vielleicht scheint aber die diffuse Angst vor dem Alles-Wisser Facebook auch gerade dazu zu führen, dass die Leute nur noch an der Oberfläche bleiben und dann Dinge von sich geben, deren Daten nichts bedeuten). Die Tiefe scheint generell in den sozialen Netzwerken zu fehlen. Aber egal, hauptsache wir sind „sozial“ und wir liken und empfehlen uns und bestätigen uns gegenseitig in unserer „Nicht-Meinung“ des Konformismus. Ich bin da naturgemäß sehr kritisch und abwartend und konnte den Vorteil von Twitter und Facebook für mich noch nicht nutzen. Bei Twitter denkt man einmal in die falsche Richtung und läuft dann gleich Gefahr massiv Gegenwind von „Followern“ zu bekommen. Aber wie soll man eine Meinung ernsthaft kritisieren oder anzweifeln, wenn sie nur 140 Zeichen lang ist?
Soziale Netzwerke und meine Absicht beim Schreiben sind fast so ein bisschen wie Öl und Wasser. Es kommt einfach nicht zusammen.. Und was bringt der Protest von einer Person, wenn alle anderen hinter dem „Anführer“ Facebook hinterher laufen?
Dennoch bin ich immer mehr am Überlegen, ob ich Facebook & Co nicht stärker in mein Wirken einbauen sollte. Denn wenn man an einer Sache nicht teilnimmt, dann kann man sie auch nicht verändern.

Generell mag ich nach wie vor die langen, fundierten und ausführlichen Artikeln von Leuten, die sich wirklich Gedanken machen und bei denen man auch merkt, dass sie eine Sache durchschauen und sich ihrer annehmen. Es müssen nicht unbedingt Experten sein, die reden. Die Texte müssen auch nicht zwangsläufig lang und ausschweifend sein. Aber ich finde es immer gut, wenn sich jemand von einer Sache berühren lässt. Denn über eine Sache nachzudenken und sie an sich heranlassen ist sehr wichtig. Gerade in der schnelllebigen Zeit, wo wir ständig mit neuen Input geflutet werden, brauchen wir diese Zeit des Innehaltens- und Nachdenkens. Es ist ein angenehmer Kontrapunkt, ein Gegengewicht vor der Macht des Mitgerissen-Werdens. Und wenn man sich emotional auf eine Sache einlässt, öffnet man sich und lässt Energie reinfließen. Wenn man von den momentanen Alltagsnachrichten nur geschockt und frustiert wird, ist das kein großes Wunder. Aber es ist keine gute Reaktion, das alles dauerhaft an sich abprallen zu lassen. Das ist dann nur eine Art Verdrängung. Die Welt ist sehr negativ und wird von vielen Krisen erschüttert. Aber gerade dann darf man nicht wegschauen. Die Welt und Gesellschaft wird ja vom einzelnen geprägt. Es gibt nicht „die Bürger“ oder „die Gesellschaft“ oder „den Wähler“. Es gibt nur mich und dich, diesen Nachbarn und jene Nachbarin. Von der Meinung und den Taten jedes Einzelnen hängt alles ab. Wenn wir alle nur einer Massenmeinung anhängen oder den großen Meinungsführern wie blinde Schafe folgen, KANN dabei nicht viel mehr herauskommen, als ein großes blökendes Volk, dass sich mal wieder von Hetzern und Egoisten verführen lässt.

Und am Ende wählen alle rechts-extreme Parteien und wir fragen uns wieder „Wie konnte das nur passieren??“.

Kritik und Gesellschaft

Am Anfang des Jahres und auch zwischendurch habe ich immer mal wieder überlegt, welche neue Hauptrichtung mein Blog braucht und wo es sich lohnt, weiterzumachen und weiterzuschreiben. Das ist das Schöne am Bloggen, dieses dynamische Entstehen und dass man zwischendurch immer mal wieder den Kurs wechseln kann und sich neu festlegt.

Also ich weiß, dass ich zwei Dinge eher wenig machen will und kann: Privates Bloggen und kommerzielles Schreiben.

Beides sind für mich Extreme: Das Private kreist nur um sich selbst und ist zu sehr selbstbezogen und belanglos. Außerdem brauche ich keine 20 Kommentierer, die mir Honig um den nicht vorhandenen Bart schmieren und mir als Königin huldigen. Ähnlich mit den kommerziellen Interessen, die man am besten anderweitig auslebt und oder ein rein kommerzielles Blog betreibt.

Weiterlesen