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Podcast: Leben und leben lassen

Neuer Podcast ist da:

Es geht hier um die Frage nach der Einstellung „Leben und leben lassen“. Ich mache mir Gedanken, wie ungenau Sprache eigentlich ist und wie sehr sie von jedem Menschen individuell interpretiert wird. Damit entstehen auch schnell Missverständnisse. Ich frage mich selbst, wie ich mit Kritik umgehe und warum ich kein „großes und erfolgreiches Blog“ habe- was (vermutlich) wiederum zu mehr Gegenwind und Kritik führen würde.

Was macht eigentlich glücklich? Wie kann man Toleranz im täglichen Leben üben und warum macht das frei?

Darum geht es in diesem Podcast. Viel Spaß beim Hören! (Das Gähnen vom Anfang hört später auf- sorry war schon nach 0 Uhr gestern)

Geschriebener Jahresrückblick 2015

Und schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu… und ich hab es dieses Jahr noch nicht einmal geschafft, meinen LeserInnen frohe Weihnachten zu wünschen. Zuviel hatte ich um die Ohren, zu sehr war ich anderweitig involviert und zu gering war die Motivation, überhaupt einmal ein paar Worte zu formulieren.

Die obligatorische Nabelschau

Rein blogtechnisch war 2015 sicherlich das „schwächste Jahr“ und ich hab nur wenige, nämlich 29 Artikel geschrieben. Das macht ca. zwei Artikel pro Monat.

Auch war es mir auf Grund der Seltenheit des Schreibens nicht möglich, mich in irgendein Gebiet zu vertiefen oder mehr Zeit zu investieren. Daher hat es in diesem Jahr auch keine Specials und fast keine Neuzugänge in der Blogroll oder größere Vernetzungen/ Kommentaraktionen gegeben.

Eigentlich könnte ich das Blog jetzt schließen und sagen „danke für die tolle Zeit, man sieht sich in 30 Jahren“, aber das bringe ich nicht so ganz übers Herz. Das Blog hatte immer unterschiedliche Bedeutungen für mich. Wie ein Werkzeug wird es mal mehr und mal weniger stark benutzt und beansprucht.

Sollte ich jetzt darüber traurig sein, dass ich das Werkzeug nicht mehr brauche, weil in meinem Leben alles rund läuft?

Werde ich überhaupt je wieder bloggen? Mich mit meiner ganzen Persönlichkeit einem Menschen, einem Text oder einem anderen Kunstwerk hingeben? Ja, auf jeden Fall! Allerdings ändern sich die Gegenstände, die man bearbeitet und der Ton, den man aus dem Regal holt oder per Musikinstrument produziert. Auch die Zuschauer ändern sich. Die Bühne, auf der man auftritt. Die Kostüme, die man trägt, die Masken, die man auswechselt.

Alles ändert sich, nichts bleibt gleich. Dinge die vor ein paar Jahren noch große Bedeutung hatten, sind nun völlig unwichtig.
Und Dinge, über die man früher nicht mal ansatzweise nachgedacht hat, stehen plötzlich total im Mittelpunkt.

Alles hat sich verändert. Auch meine Einstellung gegenüber den Dingen. Meine politische Richtung. Meine Einschätzung gegenüber dem Weltgeschehen. Die Naivität verändert sich und der Idealismus läuft in Wellenform (meistens jedoch bergab).

Meine persönliche Meinung ist im Grunde total unwichtig. Ich sehe mich immer mehr als Sensor, der viele Entwicklungen aufnimmt und verarbeitet, aber sehr oft vergesse ich dabei das „abgeben“, das Zurückgeben von Meinungen und Kommentaren in diesem Blog oder in anderen. Das ist sicherlich etwas, an dem ich arbeiten sollte, das mir aber schwer fällt.

Über etwas nachdenken, dann einen langen Text zu schreiben und diesen öffentlich ins Internet zu stellen, ist für sich genommen eine starke Einflussnahme auf die Öffentlichkeit. Das merke ich vor allem bei negativen Kommentaren… wenn das Geschriebene Anstoß nimmt und manche Menschen diese Meinung nicht teilen können. (Auch wenn wir die negativen Kommentare fürchten- die vor allem dann enstehen, wenn man das persönliche Engagement erhöht oder sich kritischen Themen widmet- sind sie es eigentlich, die hilfreich sind und uns wirklich voran bringen.)

Bloggen ist also eine zutiefst persönliche und direkte Meinungsäußerung, die erstmal Bestand hat, auch wenn sie nicht direkte Echos in Form von Kommentaren oder Backlinks erzeugt. Das wichtigste am Schreiben ist immer, dass man sich selbst verändert. Durch die Art des Denkens, durch die Art des emotionalen Ausdruckes, durch die Art, wie man sich die Dinge zurecht liegt und welche Logik man ihnen anheim gibt. Auch ein Kommentar von jemand anders ist ja nichts anderes, als ein neuer Eindruck (diesmal von außen) der das Innere verändert. Aber nicht der/das Äußere verändert das eigene Innere, sondern man selbst erklärt sich bereit zu ändern und das Äußere an sich selbst zu lassen und Gedanken oder Gefühle entsprechend zu verändern. Diese Erkenntnis klingt sehr simpel, war aber eine zentrale Erkenntnis, die mich 2015 stark beschäftigt hat und tlw. auch geholfen, bestimmte Krisen und Missverständnisse leichter zu durchstehen.

Nicht der andere ist für die eigene Befindlichkeit verantwortlich, so sehr man sich auch über ungewolltes Verhalten ärgern oder wundern mag.
Der einzige Mensch, der die Fähigkeit und die Möglichkeit hat, das eigene Denken und die eigene Befindlichkeit zu ändern ist man selbst. Daher ist es auch so wichtig, dass man seine eigenen Gedanken und Gefühle „unter Kontrolle“ hat (die Pflege des Geistes würden die Buddhisten sagen).

Und für diese Selbstkontrolle und Selbstsortierung sind geschriebene Texte von großem Vorteil.

Und die Welt so?

Viele Ereignisse in den letzten Monaten haben mich zutiefst erschüttert. Krisen durchziehen Europa und die ganze Welt. Es war im Grunde das schlechteste, schwärzeste Jahr, was wir je erlebt haben und so wie es derzeit aussieht, wird es nicht viel besser. Viele Dinge erinnern mich an die Vorkriegsjahre und Krisenzeiten des ersten Weltkriegs. Zum 100jährigen „Jubiläum“ des ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde viel zu wenig geschrieben und gesagt.

Mich erschrecken die Entwicklungen, tlw. hab ich auch dazu gebloggt (z.B. die Flüchtlingskrise), tlw. hab ich nichts dazu geschrieben, weil Worte einfach fehlen und nicht gefunden wurden (z.B. Terroranschläge in Paris).
Tlw. beschäftige ich mich sehr intensiv mit den Zusammenhängen und fiebere lesetechnisch mit Experten aus dem Internet mit (z.B. in Sachen Wetter und Klimawandel).

Das ganze macht mich oft traurig und laugt mich aus. Die Entwicklungen auf der Welt sind negativ und berauben einen an positiver Energie und Schaffenskraft. Die Medien verstärken andauernd die negativen Trends und blenden das positive völlig aus. Das hat Auswirkungen auf unsere Einstellung zur Welt. Wir werden auch immer negativ und sehen alles ohne Farben oder sarkastisch oder sogar voller Hass und Ablehnung (z.B. in Bezug auf die Flüchtlingsthematik).

Bei all dem Negativen darf man also das Positive nicht vergessen. Wenn die Reize von außen zuviel werden (gerade von den Nachrichten)- einfach mal abschalten. Ein Tag ohne TV und Tageszeitung wird man verkraften können. Und die eigene Seele dankt es mit Entspannung und Entfaltung.

Wenn wir weniger Medien konsumieren, uns nicht so beeinflussen lassen und stattdessen den einen oder anderen Artikel ins Internet stellen, wird uns das helfen, gelassener und innerlich gereifter ins neue Jahr zu blicken.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und ein fröhliches, erfolgreiches Neues Jahr 2016!

Und allen Web-Autoren wünsche ich weiterhin frohes Schaffen! 😉

Jeden Tag bloggen

Jeden Tag bloggen
Jeden Tag bloggen

Jeden Tag bloggen ist so ein Ideal, dem ich gerne folgen würde. Morgens aufstehen, sich einen Text ausdenken, einen Gedanken, der bewegt und raus damit in die freie Welt! Wenn da nicht soviele Zweifel wären, die einem ständig im Weg stehen und die ich hier auch alle schon zu Genüge ausgetreten habe…

„Nix privates im Netz! Wer kann das alles lesen !?! Wenn das der Arbeitgeber liest. Die NSA liest mit! Ist das nicht zu privat? Es wird alles aufgezeichnet und am jüngsten Tag gegen dich verwendet! Was könnten Freunde denken? Blogs haben eh keine Zukunft. Blogs liest keiner. Was du schreibst, interessiert keinen. Du machst tausend Rechtschreibfehler! Lieber was privates! Lieber was professionelles! Lieber über Politik schreiben! Lieber mit Anspruch! Lieber lustig. Lieber kreativ! Lieber gar nicht.. oh jetzt sind mir die Gründe ausgegangen und ich hab keine Lust mehr zu schreiben….“

Also… einfach mal alle Zweifel wegwischen und nur das positive sehen. So wie früher, als man jung war. Als das weiße Blatt der Seele noch weiß war und Eindrücke aufgenommen hat. Und nicht zugestellt war mit „Erfahrungen“ des Lebens, die aus dem süßen Brei der Lebenskraft und Lebensfreude einen bitteren oder dunklen gemacht hat, der nun jegliche Initiative und Schaffenskraft unterdrückt und aussaugt. Von dem man sich aussaugen lässt, weil man nichts dagegen stellt. Wie ein Muskel, der immer schlaffer und unansehnlicher wird.

Jeden Tag schreiben ist .. wie jeden Tag eine Blume zeichnen. Jeden Tag einen Zuckerbecher, aus dem täglich einen Löffel holt…die Kaffeemaschine. Versucht, die Töne wiederzugeben (brubbel, graantel, grabel, schnöff, schnöff, glucker) und darüber zu meditieren.
Jeden Tag den Monitor zeichnen, vor dem man sitzt, damit man endlich mal die geraden Linien hinbekommt… Schreiben ist Übung. Je öfters man es macht, desto besser wird man darin. Man schult seinen Geist, man schärft sein Denken. Man passt die Filter an. Lässt nur noch das durch, was einen interessiert, verarbeitet das, was einen besonders bewegt. Und umgekehrt: Man lässt nur noch das heraus, von dem man meint, dass es öffentlichkeitstauglich ist. Dass es Freunde interessieren könnte. Dass es ok is. Es dient also auch der Selbst-Regulierung.

Schreiben ist Kommunikation. Man drückt sich selbst aus. Lässt andere teilhaben. Öffnet sich. Teilt mit.

Jeden Tag zu bloggen würde bedeuten, sich jeden Tag darin zu üben. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Der Datenbank ist es doch egal.
Die ist groß und nimmt alles auf, was du reinstellst. Und wenn sie voll wird oder langsam, mach eine neue auf! Die Welt ist voller Kreativität, voller Energie! Man muss sie nur aufnehmen, nutzen, verarbeiten…

Man muss einfach nur.. jeden Tag bloggen.

 

 

Ein neues Jahr

Liebe Leserinnen und Leser, danke fürs Lesen, danke fürs Kommentieren und ein erfolgreiches Neues Jahr wünsche ich Euch!

Endlich hat ein neues Jahr begonnen. Traditionell ist das immer eine gute Zeit, weil man den Schwung aus den Feiertagen und das kalendarische Ereignis meistens dazu nutzen kann, wichtige Weichen im Leben umzustellen oder etwas „ganz neu zu machen“. (gute Vorsätze) Die Frage ist schonmal die: Warum gelingt das eigentlich nur zum Jahreswechsel und nicht einfach so unter der Woche?

Bei mir zusammengefasst, gab es keine größeren Änderungen: Ich hab mir ein paar Gedanken zur Bloggerei gemacht (die folgen), den Politik-Alltag etwas verfolgt (eher gelangweilt oder angewidert, daher gabs auch keine Artikel), Mitleid mit Michael Schumacher gehabt, die Feiertage und das relativ warme Wetter genossen und mich letztendlich wieder mit viel Schwung in die Arbeit gestürzt (dieses Jahr zum Glück ohne Schnupfen und ohne Grippe).

Und jetzt geht es auch schon los…

„Ein neues Jahr“ weiterlesen

Profanität und Distanz

Zurzeit blogge ich ja überhaupt nicht. Es ergibt sich einfach nicht mehr. Jedes Mal, wenn ich Lust auf Kreativität habe, lenke ich meine Energie in ein anderes, ein „neues Hobby“. Und , was soll ich sagen? Es funktioniert. Dem Gehirn ist es anscheinend ziemlich egal, ob es nun schreibt, malt, designt, sich komplexe Strukturen ausdenkt, etwas erfindet, fotografiert, oder was auch immer! Das, was ich in mein Gehirn hineingebe, das kommt auch zurück. Wie eine bestimmte Muskelgruppe, die man mal mehr und mal weniger trainiert und die sich dann unterschiedlich „hart“ anfühlt!

Zuerst habe ich gedacht, es ist eine Schreibblockade.. aber das ist es nicht. Ich habe einfach nur keine Lust zu schreiben und gestatte mir die Freiheit mein Hobby so auszuwählen, wie es gerade angenehm ist. Schreiben belastet den Körper und das Gehirn sehr einseitig. Nach einem längeren Text tun mir meine Finger und Unterarme weh und wenn man ansonsten noch viel am Computer arbeiten muss, ist es keine gute Kombination. Die Arbeit gelingt nur, wenn man ausreichende Motivation verspürt, anderen etwas bestimmtes mitteilen möchte (dann geht auch eine Email oder eine SMS) oder einfach besonders Lust auf das Ergebnis hat. Das andere Problem sind die Gedanken: Wenn man zuviel schreibt, splittern sich die Gedanken immer so auf, man gewöhnt sich an, alles über die Sprache und den Text zu sehen. Ich las mal in einem Blog, dass es bei ihm genau anders wäre: Dass das Schreiben hilft, eine einheitliche innere Stimme zu finden, vielleicht ruhiger zu werden oder die Dinge besser zu verarbeiten. Ich empfinde es mittlerweile als umgekehrt: Das Aufschreiben von Gefühlen und inneren Einstellungen, aber auch von Meinungen zu bestimmten politischen Themen beispielsweise macht mich empfindlicher, sensibler. Dort wo ich normal eine dicke Haut habe und alles an mir abprallt, wird diese plötzlich durchlässiger. Ich fange an, mich mit einem bestimmten Problem näher zu beschäftigen. Um darüber sinnvoll zu schreiben, muss ich mich damit beschäftigen. Ich muss mir überlegen, was sich andere vielleicht dazu denken, mich in sie hineinversetzen. Bei einem Politiker oder bei einem Verbrecher muss ich mir überlegen, warum hat er so oder so gehandelt? Wie konnte es zu diesem furchtbaren Terroranschlag kommen? Warum war der Politiker so korrupt? Warum hat er sich nicht anders verhalten? Noch schlimmer ist es bei den sozialen Themen oder den Themen der Ungerechtigkeit: Warum bekommen manche Menschen so einen miesen Lohn? Warum gibt es immer noch soviel Ausbeute und Ungerechtigkeit? Warum sind die Vermögen nicht besser verteilt…. usw.. usw.

Über eine Sache nicht zu schreiben, ist also eine gute Möglichkeit, gleichgültiger, aber auch stabiler zu werden. Man beschäftigt sich einfach nicht damit. Man wird härter, ausgeglichener, ruhiger. Immer die Rolle der allwissenden Retterin zu spielen ist auf die Dauer anstrengend und nicht gut. Im Idealfall könnte man sich eine Sache „objektiv“ anschauen und dann mit der nötigen inneren Distanz schreiben.. wenn man sich die meisten Nachrichten im Internet so anschaut, hat man das Gefühl, dass sie so entstanden sind: Irgendeine DPA-Meldung, mal eben kurz von einem gelangweilten Redakteur „aufbereitet“, d.h. zwei, drei Sätze dazu geschrieben und dann schnell weiter zum nächsten Thema oder gleich in die Cafeteria. Mir kommen diese ganzen Nachrichten-Seiten daher mittlerweile auch so austauschbar und beliebig vor. Sie lesen sich alle gleich. Sie sind ohne Gefühl geschrieben, ohne wirkliche Anteilnahme und ohne subjektive Meinung.

Bei einem Blog ist es genau umgekehrt: Die fehlende Professionalität und Distanz zu einem Thema wird von einer einzigen Person in den Fokus gerückt und der verzweifelte Versuch besteht darin, aus der eigenen subjektiven Perspektive heraus etwas zum großen Weltgeschehen beizutragen. Wenige Leser und wenige Kommentare verstärken dann diesen „Tunnelblick“. Es ist wirklich nur eine Meinung. Eine eigene, eine persönliche. Eine, bei der sich vielleicht was bewegt hat, wo Gefühle im Spiel waren. Aber eben nur eine Meinung. Eine Meinung von einer Frau.. achso.. die sind bekanntlich sowieso viel zu emotional, das kann ja nix werden…

Wenn der Tag dann seinen Gang geht und die Meinung veröffentlicht wurde, brennt sie hinterher noch in einem nach. Das Geschriebene und Gesagte wird vom Gehirn wiederholt.. dessen einzige Aufgabe es anscheinend ist, Muster zu erkennen, zu speichern, zu wiederholen und durch eine tausendfache Verknüpfung und Verwebung mit anderen Mustern einen „Sinn“ zu erkennen, der sich eines Tages in Muskelkraft, also in Taten umsetzt. Einfach nur Hunger haben, zum Kühlschrank gehen, essen ist so eine einfache Kombination. Mit dem komplexen Weltgeschehen eines täglichen News-Rundgangs wird es schon schwieriger. Was soll das Gehirn machen, wenn irgndwo in einem fernen Land eine Bombe hochgeht? Wie soll das Gehirn denken, wenn es davon liest, dass soviele Jugendliche in Europa arbeitslos sind? Welche Handlungsweise ist daraus abzuleiten? Wenn überhaupt, wird kurz darüber nachgedacht und dann zum nächsten Thema weitergegangen. Reizüberflutung ist das Stichwort… die einzige Möglichkeit, mit den vielen Reizen fertig zu werden, ist sie zu filtern. Die Schicht immer dicker werden zu lassen, bis irgendwann, der Hunger… wieder durchkommt oder ein anderes profanes Gefühl, das sich über die schönen, komplizierten aber doch etwas künstlichen Muster der anderen Eindrücke legt..

Ausblick in den digitalen Nebel

Skeptischer Blick, Cartoon, Zeichnung

Das neue Jahr, was wird es bringen?

Schon lange habe ich mir überlegt, einen Satz (oder mehrere) zur aktuellen Lage des Blogs zu formulieren, dann aber wieder alle Entwürfe und Ansätze verworfen und es doch nicht geschafft, irgendetwas zu veröffentlichen. Ich hoffe seit Monaten, dass endlich ein inneres Fazit herausfällt, etwas, auf das ich mich mit mir selbst einigen könnte. Etwas, bei dem ich mich sicher und standhaft fühle und das Gefühl entwickeln kann „so muss es sein!“. Erfahrungsgemäß kommt dieser Tag nie, vor allem dann nicht, wenn er vor sich hergeschoben und immer im Unklaren gehalten wird.

Insgesamt hat sich für mich das Bloggen etwas überlebt und ich habe immer weniger Zeit und Lust dafür. Andere Dinge drängen in den Vordergrund, dennoch lässt mich die alte Leidenschaft nie ganz los.
Ich empfinde nicht mehr so stark das Bedürfnis, mich zu äußern und über das Weltgeschehen aufregen zu müssen. Bis es dann wieder Tage gibt, an denen ich das sehr reizvoll finde!

Ich empfinde auch die stille Position – einfach nur zu schauen und zu hören, was andere sagen und denken – als reizvoll und angenehm. Jede Äußerung ist ja auch wieder eine Einmischung in das Weltgeschehen und jeder Versuch, andere mit der eigenen Meinung zu manipulieren oder gar in eine Richtung zu drängen, erscheint mir mit jeden Tag dubioser und zweifelhafter. Dem anderen seine Meinung zu lassen und sich in Toleranz zu üben ist eine Tugend, die man als aktive Bloggerin nur schwer lernen kann. Ein wenig Distanz zu den Dingen ist auf jeden Fall hilfreich.

Meine Erfahrung mit Twitter vor ca. zwei Jahren, hat mir dann schließlich gezeigt, dass ich auch die neue Art der Online-Kommunikation nicht so mag und auf den Hype irgendwie nicht aufspringen kann. Werde ich vielleicht alt.. oder schlimmer noch.. sogar altmodisch, konservativ?

Ich habe außerdem viel über die Art nachgedacht, mit der wir online reden, wie wir uns „vernetzen“, wie es neudeutsch so schön heißt und was es für unsere sozialen Bindungen und Beziehungen ausmacht.

Schließlich hab ich z.B. über das Briefe und Email-Schreiben die alten Werte wieder entdeckt: Dass es eigentlich viel authentischer und schöner ist, mit den Menschen direkt in Verbindung zu stehen, als sich über ein anonymes und computerbasiertes Drittmedium zu unterhalten. (wobei die Email nur eine Vorstufe ist und das letztendliche „ideale Ziel“ nur die reale Kommunikation sein kann). Es ist zwangsläufig so, dass beim Bloggen bestimmte Dinge und Aspekte der Kommunikation unter den Tisch fallen… und andere Sachen wiederum überbetont werden : Der Kopf z.B. und das kritische Denken, aber auch das Zerfasern von Gedanken und Anschauungen, der Streit um Dinge, die eigentlich klar sein sollten, sowie die emotionalen Missverständnisse und Unzulänglichkeiten.

Das Blog hat zweifelsohne seine Berechtigung, wenn es darum geht, „News aufzubereiten“, also längere Gedankengänge zu formulieren, sich über Quellen und andere Webseiten zu informieren und etwas „mit Bestand“ zu erschaffen. Auch Themenblogs finde ich aus diesem Grund immer reizvoller.

Das ist für mich die Basis und der Sinn des Schreibens: Erkenntnisgewinn durch das Schreiben und Lesen, aber auch vor allem durch das Nachdenken beim Schreiben selbst.

Überfordert wird das Blog hingegen, wenn man es als „soziales Medium“ auflädt oder überbewertet, weil es das im Kern nicht ist. Wenn die Maschine aus ist und nichts mehr geschrieben wird, sind auch die Bindungen weg. Wie eine Stromquelle, die vom Netz getrennt wird und keine neuen bunten Bilder und Leuchtideen mehr erzeugt. Ohne Schwingung gibt es keine Resonanz und ohne Resonanzen keine schöne Melodie.

Was mich z.B. wundert ist die Tatsache, dass man im ganzen Internet fast nie Menschen sieht, obwohl doch alle Inhalte von Menschen erzeugt werden. Man sieht kaum Porträts und keine Mimik, kein emotionalen Abgleich mit dem Gesagten. Wir nutzen den Computer mit Begeisterung und werden gleichsam (und fast ohne es zu merken) immer mehr zu Maschinen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Seiten wie Facebook so beliebt sind? Weil sie persönliche Nachrichten mit den passenden Bildern untermalen, weil es ein viel stimmigeren Gesamteindruck gibt? Aber zu welchem Preis!

Das gibt es auf der anderen Seite die Gegentendenz und die -von den Medien zu welchen Zwecken auch immer – geschürten Ängste vor dem, „großen schwarzen unbekannten Internet“, das uns eines Tages alle verschlingen wird und nur die ab gekauten Daten-Skelette wieder ausspucken wird.

Das Internet ist die anonyme Cloud, die unsere Gedanken und unsere Persönlichkeitsrechte aufsaugt und den Menschen zur digitalen Einheit und Nummer werden lässt.

Es bietet aber auch Chancen und kann Distanzen und innere Einstellungen überbrücken, vielleicht sogar die Menschen näher bringen.

Es liegt letztendlich und in großem Maße auch an den Menschen, die das Internet mit ihren Gedanken erzeugen, erschaffen und vielleicht eines Tages mit etwas noch besserem ersetzen werden.

Was genau, kann ich heute noch nicht sagen.

Kein Ohr

das dir zuhört, kein Auge, das dich sieht
nur eine Stimme die dich ermahnt
und ein erhobener Zeigefinger,
der dein Schicksal in Schubladen steckt.

Ich hab derzeit keine große Lust zum Bloggen. Wenn ich überlege, schon das ganze Jahr nicht und angefangen hat es bereits im letzten Jahr. Ich merke, wie ich immer gleichgültiger werde. Den Themen gegenüber, der Aufregung, die damit verbunden ist, aber auch über mein eigenes Selbstbild, wie ich vielleicht dastehen könnte, ob andere mich angreifen, was andere denken…

Angefangen hat das schon lange. Ein schleichender Prozess, wie bei einer Krankheit, der immer stärker wird. Wenn ich zurückblicke, habe ich mich seit letztem Jahr von allen Kommunikationsmitteln des Internets zurückgezogen, weil sie mich irgendwie „enttäuscht“ haben oder nicht das boten, was ich wollte. Zuerst habe ich das Chatten aufgegeben, nach einer kurzen Testphase Facebook, dann Twitter. Geblieben ist eigentlich immer nur das Blog, aber selbst das macht mir derzeit keinen Spaß mehr. Und die Mails natürlich, die tlw. das Bloggen verdrängt haben und ein ganz guter Ersatz dafür sind.

Ich habe es also tatsächlich geschafft „internetfrei“ zu werden- die Frage ist nur, vermisse ich das? Oder was hat mich enttäuscht? Liegt es an den Medien oder vielleicht eher an mir selbst?

Immer wenn ich in Gesellschaft mit anderen bin, fällt mir auf, was mich eigentlich stört. Man redet viel über Politik, es wird viel „kommuniziert“ und tlw. auch hitzig ausgetauscht… aber die Art und Weise der Kommunikation stört mich immer mehr. Ich habe z.B. keine Lust mehr, mich in ein Thema reinzusteigern und mit Energie gegen eine Wand zu reden. Ich habe das Gefühl, dass es alles nichts bringt. Man kann mit dem Blog die Welt nicht verändern, man kann das noch nichtmal in einem Gespräch zu zweit oder zu dritt. Daher kommt es mir vor, wie vergeudete Energie. Nutzlos, Sinnlos, überflüssig. Die Menschen haben doch ihre Meinung und jeder macht das, was er für richtig hält. Selbst, wenn man mit einem Menschen sehr verbunden ist, kann man dessen politische Meinung kaum ändern. Man kann sich über den Geschmack des Essens streiten, das neue Auto begutachten, Verbesserungen beim Renovieren vorschlagen, man kann über einen Kinofilm reden- aber in der Politik schalten die meisten Menschen sehr schnell auf stur- oder sind komplett desinteressiert, was sich hinter der Sturheit meistens verbirgt. Wenn man wirklich interessiert sein möchte, muss man sein Herz öffnen. Man kann ein Thema nicht allein mit dem Kopf diskutieren. Aber auch eine allzu große Emotionalität ist nicht von Vorteil. Wer sich politisch engagieren will, muss als ganzer Mensch dabei sein. Wer sich aber öffnet und mit dem ganzen Herz dabei ist, wird auch verletztlich und angreifbar- verständlich, dass die wenigsten Menschen diesen Preis dafür bezahlen wollen, denn es ist auf menschlicher Ebene anstrengend.

Die Kinder in Somalia verhungern weiterhin, für die Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird nichts gemacht und die Mächtigen pflegen weiterhin ihre „Politik der harten Hand“ und die damit verbundenen Vorurteile. Was soll man schon ändern können? Dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit ist eigentlich das, was Ärger und Zorn, im anderen Fall aber auch Resignation und Depression auslöst. Es sind emotionale Haltungen, die wiederum emotionale Reaktionen herausfordern. Und hier ist die politische Situation auch sehr eng mit der gesellschaftlichen und damit auch der psychologischen Situation der Menschen verknüpft- ein Grund, warum man das eine nicht wirklich vom anderen trennen kann. Wenn man einen Menschen gesund sehen will, muss man seine Gesellschaft kennen und wenn man die Gesellschaft kennen und lieben will, muss man die Politik durchleuchten.

Und auch ich bin davon betroffen.Wie lange mache ich das Blog schon? Wie lange rede ich in der Öffentlichkeit über Dinge, prangere an oder analysiere, benenne und diskutiere? Und wieviel „mächtige Personen“ hatten die Zeit oder das Ohr oder haben kommentiert oder sich an mich gewandt? Wieviele andere Bloggerinnen und Blogger gibt es im Internet und was haben die bewirkt? Außer weiterhin das Schmuddelimage der bösen freiheitsliebenden Blogger zu haben und dann mit Gewalttätern in einen Topf geworfen zu werden (letztens einen derartigen Artikel in einer Zeitung gelesen)? Jaja, die Blogs sind an allem schuld! Dass man sich so frei äußern darf und auch extreme Ansichten von der Meinungsfreiheit geschützt sind, das ist nicht gut.

Ich möchte nicht vermessen klingen. Natürlich hat man als kleine bis Kleinst-Bloggerin nicht das Recht sowas zu erwarten. Schon gar nicht, wenn man eher passiv vorgeht und wartet, dass andere aktiv werden und eher vom Küchentisch als von der großen Weltbühne aus diskutiert.
Aber mir fällt das immer wieder auf. Die Resignation und die Gleichgültigkeit beginnt im Kopf und damit beginnt sie auch an der Schnittstelle zur Außenwelt- dem Blog und die darein geschriebenen Gedanken, in beiden Richtungen.

Das Internet ist zwar frei, aber es ist auch beliebig. Das lässt mich immer mehr zu dem Schluss kommen, dass man im Internet alleine eigentlich nichts bewirken kann. Dass man den Austausch mit anderen braucht, den direkten Kontakt und das Sprechen von Mensch zu Mensch. Wer auf gewaltätige Zustände im Leben und der Gesellschaft mit gewalttätigen oder zynischen Worten oder Taten reagiert, wird in seinem Leben überhaupt nichts bewirken. Es wird dadurch nur alles schlimmer. Die Gewalttäter werden in den Knast gesteckt und diejenigen, die mit Worten „gewaltig“ umgehen, nicht mehr ernst genommen und weiter ausgegrenzt. (oder im Falle eines Sarrazin sogar besonders stark gehört und von vielen, die ähnlich denken hofiert und geschätzt)

Mal ehrlich- erwartet jetzt irgendwer, dass die Ausschreitungen in London und im restlichen England irgendwas an der Situation der Jugendlichen ändern werden? Diese Gewalt ist eine extreme Form der Meinungsäußerung, eine extreme „Freiheit“, die die Rechte und Grenzen der anderen nicht mehr respektiert.

Obwohl die Unzufriedenheit so extrem und der wirtschaftliche Schaden der durch Plünderungen und Brandschatzungen entstanden ist, jetzt schon enorm- man schafft es immer noch auf „stur“ zu schalten und die wahren Ursachen nicht sehen zu wollen- wie kann man dann erwarten, dass friedliche und demokratische Menschen mit ihren Blogs und Facebook-Seiten oder Twitter-Äußerungen irgendwie „gehört“ werden? Es spielt dabei keine Rolle, dass die Plünderer kriminell sind und die Masse der Blogger absolut gesetzestreu vorgehen. Beide Gruppen sind irgendwie unzufrieden und wollen gehört werden- und beide Gruppen schaffen es nicht. Wie lange hat der norwegische Amokläufer seine Unzufriedenheit und seinen Hass in die Welt posaunt- mit wieviel Energie hat er auf sich aufmerksam gemacht? Und wer hat auf ihn reagiert? Wer hat ihn ernst genommen? Wo waren die Psychologen, wo waren die Eltern, die Erziehungspersonen, der Staat, die Behörden, die „verantwortlichen Stellen“? Für mich ist das Versagen in Norwegen auch das Versagen der Verhinderung so einer Straftat, dass man es nicht im Vorfeld erkennen konnte, was für ein Spinner da rumläuft. Das ist das Versagen der vielgerühmten, freiheitlichen „Zivilgesellschaft“, die im Kern vielleicht gar nicht so stark und frei ist, wie sie sich manchmal gibt.

Letztens las ich sogar von einem abstrusen Vorschlag unseres Innenministers: Er meinte, man solle die Anonymität des Internets aufheben und jeder soll nur noch mit seinem echten Namen schreiben dürfen. Das zeigt, dass man vom Internet so gut wie gar nichts versteht und immer mit den gleichen Mustern auf Probleme reagiert, die man sowieso nicht lösen will.

Sturheit auf der Seite der Mächtigen- das Unvermögen der kleinen Bürger sich Gehör zu verschaffen, dass es in der Welt immer so weiter geht, und man im Grunde nur noch Spielball der Gezeiten geworden ist: Das ist der Nährboden für Depression und Resignation und im offensiven und schlechtesten Fall leider auch für Gewalt.
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Vom Privaten zum Gesellschaftlichen

Einleitung

Ich bin derzeit in vielen Dingen gefangen, geborgen, versteckt und komme nicht zum Schreiben. Da ist zum einen mein Kindle, der eine schier endlose Kette an Informationen in sich birgt, die durch die kostenlosen Leseproben auch nicht mehr abreißen will. Die Inspirationen auf der einen Seite stoßen endlose Gedankenketten an und führen zu immer weiteren Büchern, in die ich dank der Testfunktion reinlesen kann und so stapeln sich inzwischen über 100 Leseproben, über die ich schon bald die komplette Übersicht verloren habe. Gelesen wird immer das „Obenauf“ und das Ganze wechselt sich munter miteinander ab.

Ca. 20 kostenlose Bücher schlummern im elektronischen Lesegerät, davon habe ich aber erst zwei zu mehr als 50 Prozent gelesen. Dazu kommen ca. fünf kostenpflichtige Exemplare, die ich mir „testweise“ gekauft habe und von denen ich sehr begeistert bin. Diese Bücher werde ich -durch Zitate oder kleinere Rezensionen- sukzessive im Blog vorstellen und erläutern.

Wie die LeserInnen ja wissen, hat mir mein Blog in der letzten Zeit sowieso keinen Spaß mehr gemacht und ich war/bin froh, auch mal etwas anderes machen zu können. Manchmal kann ein Abstand, vor allem ein längerer, sehr heilsam sein, um darüber nachzudenken, was man eigentlich macht und warum. Beim Bloggen fällt es mir aber trotz aller Zweifel und logischen Überlegungen, die mir die Unsinnigkeit so eines Projektes vor Augen führen sollen, stets leichter, einen neuen Text eins ums andere mal aufzusetzen als mich in Enthaltsamkeit zu üben. Für mich ist das ein untrügliches Zeichen, dass das Bloggen und das Schreiben selbst viel mehr ist, als man mit Logik begreifen kann. Es gibt anscheinend unbewusste, versteckte Motive, die mich dazu bringen, immer wieder zu schreiben. Und ich bin mir sicher, wenn ich das jetzt besser „erklären“ könnte, hätte man die Hauptmotivation dafür gefunden, warum es Menschen gibt, die leidenschaftlich gerne bloggen und dann wieder welche, die es überhaupt nicht machen und auch nicht gerne in anderen Blogs lesen.

Das Meta-Thema Blog

Da ist zum einen der Ausdruck über die Sprache. Der Mensch kann sich in vielen Dingen, in vielen Medien und ganz unterschiedlich äußern. Gerade die Kunst bietet einen unüberschaubare Vielfalt an Betätigungsmöglichkeiten (Tanzen, Singen, Modellieren, Malen, Musizieren, usw.); bei mir ist es eben die Sprache, die das Haupttor zur Welt geworden ist.

Daher stellt sich eigentlich auch nicht die Frage, warum man bloggt, selbst wenn man damit kein Geld verdient oder keine Rückmeldungen bekommt; freilich sind die Rückmeldungen auf diese ohnehin schon leidenschaftliche Tätgikeit wie ein Verstärker, der das ganze nochmal ums hundertfache steigert- aber ich bräuchte sie nicht allein, um mich dem Schreiben hin zu wenden.

Manch Mensch kann es nun seltsam erscheinen, warum ich mich auf dieses Experiment (des Nicht-Schreibens) immer wieder einlasse oder gar das Bloggen selbst ständig neu definieren muss. Wäre es nicht leichter, einfach zu schreiben und sich mehr auf die Sachthemen zu konzentrieren und quasi eine Betriebsblindheit zu entwickeln und eine Unzugänglichkeit zu Meta-Themen wie sie viele Bereiche und Berufe des heutigen Menschen mit sich bringen? Dass das nicht geht, liegt in der Natur des Sache, des Schreibens, Denkens und auch „Grübelns“ begründet. Wer richtig „denken“ will, muss auch lernen, den Selbstzweifel zu ertragen. Wer nicht mehr über sich selbst oder sein Tun nachdenken kann, wird sich langfristig von sich selbst entfremden.

Kann man ein Blog überhaupt als „Beruf“ definieren? Gewiss, ich schrecke oft vor den Leuten zurück und bin beeindruckt von ihren logischen Argumenten, wie sie sinnvolles und nicht-sinnvolles fein säuberlich auftrennen und das einzig und allein an der Menge der Geldscheine bemessen, die dann jeweils damit „verdient“ werden. Es ist eigentlich traurig, dass wir heutzutage einzig und allein diese Perspektive kennen und für alle anderen Perspektiven so blind geworden sind. Das ist der Grund, warum soviele Künstler und Dichter (Dichterinnen) ein Nischendasein führen und selbst bei allerhöchster künstlerischer Schreibproduktivität (die eine Produktivität im eigentlichen wirtschaftlichen Sinne ist) kaum bis gar nicht beachtet werden. Hier klafft eine Lücke, zwischen dem was „wertvoll“ ist und eine Demokratie ausmacht und zwischen dem, was die Gesellschaft als wertvoll erachtet und zwar durch Aufmerksamkeit, Zuhören, Zurückgeben oder gar einer materiellen Wertschätzung (die wiederum nur eine von vielen ist).

Private Werte vs. öffentliche Werte

Unsere Gesellschaft driftet an diesem Punkt auseinander und ich will erläutern, wie ich mir das erkläre:

Wenn sich nun Kinder um ältere Angehörige kümmern und sie zu Hause pflegen, wenn die Mutter ihren Job aufgibt, um sich um ihre Kinder zu kümmern und dafür das Alleinsein und den mangelnden Respekt oder gar eine Scheidung in Kauf nimmt, wenn die Geschwister für ihre eigenen da sind, wenn der Lehrer Überstunden an der Problemschule macht, von der seine Kollegen schon längst Abstand genommen haben; wenn der Landarzt seine alten und wenig „lukrativen“ und auch medizinisch und im Sinne der eigenen Karriere nicht reizvollen Patienten mit Liebe und Geduld versorgt, so leisten all diese Menschen einen unschätzbaren Wert für die Gesellschaft.

Sie alle leisten deutlich mehr, als die Gesellschaft bereit zu bezahlen ist. Sie leisten mehr, als dass sie Anerkennung bekommen und sie sind alle durch sich selbst motiviert und bekommen zum Großteil ihrer Zeit kein Lob, keine Aufmerksamkeit und keine staatlichen helfenden Hände, die sie unterstützen. Was sie vielleicht nährt ist ihre menschliche Überzeung, ihr Mitgefühl oder gar ihr Glauben an das Gute im Menschen. Der Zusammenhalt dieser Gesellschaft ist in diesem Moment von der Wertschätzung und dem Mitgefühl dieser Menschen in höchstem Maße abhängig- und obwohl es so evident ist, begreifen die wenigsten diesen „nicht messbaren“ Zusammenhang.

Diese Gesellschaft, so scheint es mir, hat an vielen Punkten den Wert für diese Menschen und diese Handlungen des Mitgefühls verloren; mehr als das, sie kann es nicht mehr wahrnehmen, nicht artikulieren und folglich auch nicht ändern. Viele Probleme werden privatisiert und sind sie erst einmal per Gesetz aus dem Blickwinkel des Staates verschwunden, braucht er sich keine Sorgen mehr zu machen. Was übrigt bleibt, sind nicht weniger soziale Probleme, aber deutlich weniger verantwortliche Stellen, die man zur Rechenschaft zwingen oder eine Erklärung abringen könnte.

So schreibt z.B. Ulrich Schneider in seinem Buch „Armes Deutschland“:

Hat der Staat beispielsweise die Kostenübernahme für nicht verschreibungspflichtige Medikamente erst einmal gestrichen, wie in Deutschland geschehen, können ihm Heuschnupfen oder Hautausschläge herzlich egal sein. Er nimmt sie gar nicht mehr wahr. (Highlight Loc. 2250-52)

Er führt darin eine Überlegung auf, mit welchem Eigeninteresse „der Staat“ handelt (und nicht etwa die Politiker, auf die üblicherweise immer eingedroschen wird) und erklärt das Selbstbild dieses Staates. Der Staat ist im Wesentlichen abhängig von einer florierenden Wirtschaft (zwecks Steuereinnahmen, Arbeitsplätzen und Vollbeschäftigung) und von seinen Bürgern (zwecks Steueraufkommen und Erhaltung der Macht durch Wählerstimmen). Und so kommt er im Kontext dieser Selbstdefinition zum Schluss:

Manche Argumente sind mehr, manche weniger zwingend. Manche treffen die Eigeninteressen des Staates mehr, manche weniger. Dass es einfach nur armselig ist, wie diese Alleinerziehenden mit ihren Kindern in Hartz IV leben müssen, ist vor diesem Hintergrund nicht nur kein zwingendes, sondern überhaupt kein Argument.

Hier sieht man den unsichtbaren Trennstrich, der zwischen den Eigeninteressen des Staates und den Interessen und „menschlichen“ Problemen seiner Bürger gezogen wird. Solange etwas dem Steueraufkommen dient und mit Macht verbunden ist (reiche Unternehmer, Drohung mit Abwanderung, große Lobbygruppen, etc.) kann und muss der Staat reagieren. Betrifft es allerdings Menschen, die sowieso schon vom geschäftlichen Erwerbsleben und damit einem Großsteil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen sind (z.B. Hartz IV Empfänger) versiegt das Interesse und die Absicht in ihrem Sinne überhaupt etwas zu tun.

Anders ist es bei den Rentnern, die inzwischen eine Anzahl von 20 Millionen (!) haben, damit ein Viertel der Bevölkerung und ein Drittel der Wahlberechtigten stellen (Highlight Loc. 2284-85) und durch ihre entsprechenden Lobby-Gruppen und Vereine einer der mächstigsten Gruppen in Deutschland darstellen. Es erklärt sich von selbst, dass das Interesse von jungen Menschen dadurch in Schieflage gerät, weil diese jungen Menschen meistens deutlich weniger Zeit haben, sich zu organisieren (weil sie außer Haus arbeiten müssen oder 18 Stunden am Tag Kinder großziehen) und auch in weniger „Lobbygruppen“ organisiert sind. Der demografische Wandel trägt sein übriges dazu bei (immer weniger Schultern müssen immer mehr Münder ernähren und die Sozialkassen füllen; messbar z.B. durch die in den letzten Jahren ständig gesunkene „Aktivenquote“; die derzeit bei ca. 43 Prozent liegt). ((Allerdings führt er dieses Beispiel auf, um die Macht der Lobbygruppen und Eigeninteressen bestimmter Wählerschichten besser zu erläutern, und ihren Einfluss auf politische Entscheidungen darzustellen. Das kann man natürlich mit der Hoteliers-Entlastung der FDP, den Spritkonzernen, den Banken oder den Energiefirmen noch viel besser und medial wirksamer machen; Er redet dabei nicht „gegen die Rentner“ oder gar die Höhe der Sozialkassen, was bei einem Buch über Armut absurd wäre; das kann man auch hier in diesem Artikel leicht verwechseln oder missverstehen; dennoch ist es so, dass der Demografie- Faktor und vor allem die Lobbygruppen in der Politik eine wichtige Rolle spielen))

Die emotionale Berührung

Warum beschäftigt sich ein Mensch wie Schneider denn überhaupt mit der Armutsproblematik? Auch er wird nur indirekt davon profitieren und kein wesentliches Geld damit verdienen. In einem der anfänglichen Sätze macht er eine interessante Feststellung, die sich sodann wie ein rotes Band durch die weiteren Verläufe seiner Argumentation zieht:

Ohne Emotion ist die Verständigung auf einen tragfähigen Konsens zum diffusen Problem der Armut als Grundlage eines gemeinsamen Handelns schwer möglich. (637-38)

und

Um zu dem Schluss zu gelangen, dass es sich in einer ganz konkreten, alltäglichen Situation um Armut handeln könnte, reicht es nicht aus, sie lediglich intellektuell zur Kenntnis zu nehmen und zu reflektieren. Es braucht eine subjektive, emotionale Berührung. (634-36)

Kommen wir nochmal zum Schreiben und den gesellschaftlichen Problemen und Perspektiven, die damit verbunden sind, denn auch hier haben wir unzählige „emotionale Berührungen“ die uns tausendfach bewegen und immer wieder neu antreiben. Sie sind, da bin ich mir inzwischen sicher, der geheime Motor, der die eigene Schreibmotivation immer wieder am Leben hält.

In welche gesellschaftliche Grauzone trifft das Schreiben also? Im Schreiben (vor allem im Blog) nimmt sich der private Bürger der gesellschaftlichen Probleme an, die in seinem Land nicht gut laufen und diskutiert sie mit anderen. Vor allem die Dinge, die von den staatlichen Stellen auf Grund ihrer Struktur oder gar Ignoranz gar nicht mehr wahrgenommen werden und um der Gesellschaft und seinen Mitmenschen zu erklären: Wir haben euch nicht vergessen.

Wenn er auch nichts in unmittelbarer Weise ändern kann, so hat er mit dem Blog doch wenigstens eine Möglichkeit zur Artikulation und kann darauf aufmerksam machen und sich mit anderen zusammenschließen oder Erfahrungen austauschen. Das eigene Leid kann genauso formuliert werden wie das allgemein gültige und „gesellschaftliche Leiden“. Lässt man die ganzen spitzfindigen Unterscheidungen weg, wird man wahrscheinlich feststellen, dass es zwischen ihnen keine sorgsam zu ziehende Trennlinie gibt.

Wenn man sich die Struktur des Staates, seine Eigeninteressen und seine innere Organisation anschaut, gibt es keinen anderen Weg. Darauf abzuwarten, dass die Politik eines Tages gutmütig und weise und alles im eigenen Sinne umstellen wird, ist nicht nur gutgläubig, es ist absolut realitätsfern. Selbst in einer Demokratie (oder gerade darin) gibt es die Verpflichtung zur Eigeninitative. Wir bekommen zwar keinen Weg diktiert, aber es ändert auch niemand was für uns, wenn wir nicht aktiv werden. Wir müssen lernen, selbstständig zu denken, wir müssen lernen uns auszudrücken und mir müssen in diesem Zusammenhang lernen, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und sie nicht ausschließlich als Konkurrenten oder Gegner zu sehen (wie unser Wirtschaftssystem uns leider teilweise dazu zwingt).

Fazit

Wenn du nicht mehr da bist, wird auch keiner mehr fragen, wer du warst. Gehört wird einzig und allein der, der den Mund aufmacht und seine Bedürfnisse und Ansichten formulieren kann. Jeder Blogartikel, so privat oder technisch er nun ist (denn auch als Verbraucher, auch als Liebender oder Liebende ist man Teil des Systems) trägt seinen Beitrag zur Gesellschaft bei. Der Staat, das ist in der Summe nicht die Hochrechnung aller Institute und Krawattenträger im fernen Berlin, der Staat sind wir.

Gender-Unterschiede in Blogs

Gestern kam von verschiedenen Stellen ein Artikel auf mich zu, was wiederum zeigt, wie wichtig er bestimmten Personen war und wie gut die Quervernetzung im Netz funktioniert.

Es geht um das Thema „Blogs von Frauen“ und die Frage, warum Frauen nicht in der Zahl im Netz vertreten sind und gehört werden wie Männer.

Ich möchte einfach die prägnanten Thesen herausgreifen und dann meine (persönliche) Meinung dazu formulieren.

Hinweis: Da ich wieder vermute, dass es -wie bei allen Gender-Themen- viele Kommentare dazu geben wird, werde ich die Moderations-Funktion anschalten und nur solche Kommentare freischalten, die einer bestimmten Netetiquette genügen, freundlich und sachlich sind. Außerdem wünsche ich mir mehr Kommentare von anderen Frauen, da es schließlich auch um sie geht!
Dafür wird der Artikel dann in jedem Fall im Netz stehenbleiben und nur bei groben grammatikalischen oder inhaltlichen Fehlern nachträglich korrigiert werden.

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Oberlehrer vs. Oberlehrer

1:0 für die Diplomatie

Quo vadis, Blog? Diese Frage habe ich mir schon öfters gestellt, aber diesmal habe ich einen sehr konkreten Zusammenhang, bei dem es sich lohnt, darüber nachzudenken (finde ich). Ich frage mich derzeit, was man mit einem Blog überhaupt erreichen kann, vor allem bei den Blogs mit einem politischen Hintergrund oder die rein privaten Blogs (die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben). Der Aspekt der kommunikativen Botschaft interessiert mich, aber auch die Frage, wie wir Menschen aufeinander bezogen sind und ob das gut so ist.

Die Botschaft: ist das Ziel

Bei beiden Herangehensweisen möchte man ja etwas erreichen: Bei den politischen Blogs möchte man eine Meinung verbreiten, bei den privaten Blogs möchte man vielleicht Rückmeldung, Anteilnahme, „Freundschaften“ und Austausch im Allgemeinen. Nichts ist ohne Sinn und Absicht und ein zeitintensives Medium wie ein Blog o. Twitter schon gar nicht.

Wenn ich z.B. auf Twitter unterwegs bin, gibt es sehr viele Menschen, die mir ihrer Meinung aufs Auge drücken, ob ich will oder nicht. Das Ganze ist dann mit einem „Werbe-Spam“-Effekt zu vergleichen: Man bombardiert die anderen einfach ohne zu fragen mit politischen Ansichten und Links und hofft dann vielleicht, dass sich jemand dafür interessiert oder sogar umstimmen lässt. Ob diese Meinung überhaupt akzeptiert oder hinterfragt wird, steht nicht im Raum. Viele Meinungen stehen einfachen parallel im Raum, ohne dass die Menschen wirklich aufeinander eingehen und ich denke, dann erreicht man mit dieser Meinung auch nichts. Vielleicht gewinnt man ein paar Zustimmer, ein paar Mitläufer, die gerade zufällig im luftleeren Raum der Gedanken standen, aber seine ‚Feinde‘ wird man damit kaum überzeugen.

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