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Ein windiger Tag

Enzian2d

Heute war ein wechselhafter, aber zumeist schöner Tag.

Der Wind ist den Leuten nur so um die Köpfe geflogen und eine allgemeine Unruhe hatte sich breit gemacht. Im Baumarkt flogen die Sachen im Außenbereich umher, dass es eine Freude war. Ich habe eine japanische Zierweide kurzerhand davor gerettet, ihren Lebensabend auf dem Beton liegend zu verbringen und von niemandem beachtet zu werden.

Auch andere Pflanzen hatten es mir angetan, so bin ich jetzt um einen Oregano-Topf, zwei blaue Enzian-Stauden, eine Salbei-Pflanze und ein Löwenmäulchen reicher. Letzteres habe ich neulich im Garten als Wildwuchs entdeckt und bin sehr froh, dass ich ein Auge dafür hatte und es nicht rausgerissen habe, denn neu kostet es 6 € pro Stück (gut gepflegt und ca. 35 cm groß). Die Pflanze kenne ich noch aus meiner Kindheit und ich erinnere mich noch in lebhafter Weise daran, wie wir damals im Garten spielend auf die Blüten gedrückt haben und uns daran erfreuten, wie sie sich dann öffneten und schlossen (daher auch der Name).

Überhaupt sind Pflanzen und Gärtnern ein richtiges Hobby von mir geworden, was ich nie gedacht hätte. Noch vor ein paar Jahren fand ich das elend langweilig und habe einmal die Blumen von meinen Eltern sogar derartig vertrocknen lassen, dass sie richtig sauer auf mich waren. Ich glaube, das war damals der Auslöser, es irgendwie besser und anders zu machen.

Aber ich habe auch wirkliches Interesse daran und merke, wie schön es ist, mit etwas Lebendigem umgeben zu sein, dass man jeden Tag pflegen und beachten muss. Ein Tier wäre natürlich auch schön, das habe ich gedacht, als wir seit langem mal wieder im „Fressnapf“ waren. Tausende Gerüche strömten mir entgegen, aus jeder Ecke kam etwas anderes. An den Kauknochen für Hunde und vor allem an den Pansen und anderen Ekligkeiten bin ich lieber schnell vorbei gegangen. Schöner fand ich da das angenehm zart duftende Heu für die Kleintiere und Nager. Auch die kleinen Häuschen aus Holz sind sehr hübsch anzuschauen und für die Tochter von meinem Mann kauften wir direkt zwei davon, weil sie bald zu Besuch ist und dann ihre Haustiere mitbringt. Wirklich positiv aufgefallen ist mir die kostenlose Broschüre des Ladens, die sehr ausgiebig gehalten ist und allerlei Tipps und Ratschläge für die Tierhaltung bereitstellt. Auch ein wichtiger Artikel über Tierschutz war darin, es ging um die (kaum bekannte) Tatsache, dass alle männlichen Ferkel noch in jungen Jahren ohne Narkose (!) kastriert werden, um den Ebergeruch zu unterdrücken, der später das Fleisch verdirbt. Es gibt für den Verbraucher bestimmte Sorten, die man essen kann, bei denen auf eine anständige Narkose und ein Schmerzmittel hinterher geachtet wird.

Noch ein bisschen hier und da gucken und dann wieder ab in den Regen. Der Sommer macht anscheinend kurzfristig Urlaub und hat uns nicht Bescheid gesagt.

Der Verwandtschafts-Besuch ist auch wieder weg und hat zwei anstrengende Tage, aber auch reichhaltige Eindrücke und viele Aha-Erlebnisse in unseren Köpfen hinterlassen. Ich bin die ganze Zeit hin- und hergerannt und habe versucht, alle zu bewirten (es waren insgesamt sieben Leute), bis auf einmal mein Schwager in spe zu mir meinte, dass ich soviel rumhetzen würde und mich doch auch mal setzen sollte. Da wurde es mir plötzlich und schlagartig bewusst, wie unhöflich es eigentlich ist, wenn man die Gäste sitzen lässt und sich nur um Küche und Haushalt kümmert. Aber zerreißen kann ich mich auch nicht und eine dreckige Küche und Tellerstapel kann ich nun mal nicht leiden.

Der Besuch hat uns geholfen, unsere Garage mit Schweißbahnen zu decken, was eine Mordsarbeit ist und sehr lange gedauert hat, obwohl so viele Helfer dabei waren. Wir waren sehr glücklich, ausgerechnet den wärmsten, aber auch trockensten Tag erwischt zu haben, denn schon am Sonntag darauf regnete es wie aus Strömen und wie das Wetter jetzt ist… na ja, es war auf jeden Fall gutes Timing! In der Zwischenzeit, neben der Kocherei war ich noch im Garten und habe das Unkraut gesenst und mir dabei die kleine Miraculix -Sense mit voller Wucht ins Schienbein gerammt. Am nächsten Tag konnte ich nur noch humpeln und fühlte mich wie ein Wrack. Ich weiß nicht, wie oft ich mich in den letzten Tagen schon gestoßen oder verletzt habe und zähle es nicht mehr. Der Körper ist der Einsatz für das praktische Leben.

Zwischendurch haben wir viel gequatscht und es war richtig schön. Als am nächsten Tag alle weg waren, war ich irgendwie traurig. Was für ein Gegensatz!

Alltagsgeschichten

Einkaufen ist so eine Sache, die ich meistens nebenher mache. Manchmal hab ich Lust drauf, manchmal nicht, manchmal ist mir zu heiß, manchmal frage ich mich: Brauche ich das wirklich alles? Da es so sehr Routine geworden ist, habe ich meistens Zeit, mir die Menschen und Situationen anzuschauen, mit denen ich dann so umgeben bin. Gestern war es wieder besonders krass.

Zuerst fällt mir mal auf, dass zwar alle Leute über die Spritpreise jammern, aber es auf der Hauptachse zur Stadtmitte ein Rauschen von Benzinmotoren gibt, dass es eine Freude ist. Mir fällt die Frau auf, die mit Müh und Not an einer Fußgängerinsel versucht, mit ihrem hübschen Citybike die Straße zu überqueren. Keiner hält an, alle fahren vorbei und haben wahrscheinlich gerade die Ölpreise im Kopf, aber verzichten auf das Auto tut anscheinend noch keiner. Überhaupt sind die einzigen Personen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, alles Frauen. Auch in den Supermärkten fällt mir auf, wie sehr es anscheinend „Frauensache“ ist, den Haushalt zu schmeißen und erschreckend finde ich immer die Bilder, wenn sich die „Familienmanagerin“ mit ihren schreienden und quengelnden Blagen an der Kasse oder in den Gängen abmüht und alles alleine schultern muss.

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