Arena, Teil 3

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Es fährt ein Zug nach Nirgendwo und die deutsche Mannschaft sitzt mittendrin.

Der Auftritt war müde, schwach und ohne Kraft. Man ist nicht auf den Gegenspieler zugerannt, sondern hat gewartet, bis er was macht. Von Pressing, Laufeinsatz oder „Teamgeist“ habe ich nicht viel gesehen. Stattdessen wird immer über den Druck geredet, der irgendwo im Nirwana zu sitzen scheint und die Spieler wie durch Magie lähmt. Hatte man nicht gesagt, die Kommunikation sei verbessert worden, es gab Aussprachen und Neuorientierungen?

Verlassen konnten die Deutschen sich meistens auf ihre Abwehr und die schlechten Österreicher, die kaum einen richtigen Abschluss schafften und es den Männern in Schwarz-Weiß sehr leicht machten. Gegen Portugal wird das nicht so einfach. Da wird man auch mal rennen müssen und nicht nur auf dem Rasen spazieren gehen und die gute Luft atmen.

Dank des genialen Schuss von Ballack konnten sie das Spiel dann doch noch drehen und gewannen durch ein einziges, kümmerliches Tor. Dieses hingegen war gut und schnell geschossen. Angeblich flog der Ball 130km/h schnell. Damit wären sie auf der Österreicherischen Autobahn geblitzt worden, wie ein Moderator sagte.

Aber deutscher Fußball-Geist wo bist Du? Woran liegt es? Der Trainer hatte sich mit seinem Gegenspieler gezankt und musste auf die Tribüne verschwinden. Was für ein Negativ-Beispiel und welch taktischer und psychologischer Fehler, der direkt mit Pfiffen und Unverständnis bestraft wurde.

Löw wirkt nicht so souverän wie Klinsmann, nicht ganz so abgeklärt und irgendwie scheint ihm die Übersicht und die Entschlossenheit zu fehlen. Es waren keine guten Einwechslungen zu sehen, mit denen Akzente gesetzt wurden, stattdessen wurde Podolksi rausgenommen, der immer für eine Überraschung gut ist. Keine Ahnung, ob das eine Absprache war oder die Sache des Co-Trainers war, der den augeschiedenen Löw ersetzen musste. Aber in der Halbzeitpause spätestens hätten neue Ideen gefunden werden müssen und die Köpfe dahinter müssen einfach glühen! Von selbst gewinnt sich so ein Spiel nicht!

Ich denke nicht, dass die Deutschen im Turnier noch weiterkommen. Spätestens gegen Portugal wird Schluss sein. Und das ist wirklich sehr schade.

Fußball ist ein Massensport und er hat gute Einflüsse auf die Stimmung in einem Land. Man identifiziert sich mit den Spielern und auch mit den Leistungen. Es ist ein Spiel, ein kulturelles Ereignis und nicht unwichtig für die Gesellschaft. Selbst die Kanzlerin war dabei und zeigte Interesse.

Da muss einfach alles gegeben werden.

UPDATE
So wie es aussieht, hat sich Podolski wohl verletzt und allen Hobby-Fußballtrainer/innen, die jetzt die Taktik so vorschnell kritisiert haben, sei gesagt, dass das wohl der Grund für die Auswechslung war. Okay, okay ….
Aber das entschuldigt wirklich nicht alles! 😉

Gute Kommunikation erlernen

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Kommunikation ist nicht einfach nur Kommunikation. Es gibt tausendfache Ansätze und es ist ein kompliziertes Thema. Als ersten Einstieg in die Materie habe ich mal auf die Suche nach interessanten Webseiten gemacht, die das Thema näher beschreiben. Hier folgt eine Auswahl:

Kommunikation im Betrieb

Gewaltfreie Kommunikation und logische Ansätze

Kommunikation in Beziehungen zwischen Mann und Frau

Interkulturelle Kommunikation

Kommunikation in der Schule Sehr umfassende Seite, die noch andere lesenswerte Themen beinhaltet.

Leider stoße ich durch Google immer wieder auf ähnliche Seiten, ein kleiner Web-Wegweiser durch die Welt der Kommunikationsseiten wäre noch sinnvoll. Weiß jemand einen Link?

Zudem muss ich mal dringend meine Bücherseite reaktivieren. Das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg zum Beispiel wird sehr oft zitiert und zum Thema „Antiautoritäre Erziehung“ kenne ich im Grunde nur ein einziges lesenswertes Buch.

Gute Kommunikation ist immer eine Mischung aus dem Erlernen der Theorie und der anschließenden Umsetzung. Erst durch die Verzahnung beider Mechanismen kann man wirklich lernen und Fortschritte machen. Zudem braucht man Unmengen an Zeit und Geduld.

Die schwierige Wahl der richtigen Worte

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Nimmt man zwischenmenschliche Gespräche, egal nun in welcher Form, als Grundlage für das menschliche Miteinander, so wird schnell klar, wie wichtig eine gute Sprache und gewählte Worte für den Frieden und das Verständnis untereinander sind.

Ich analysiere die unterschiedlichsten Gespräche und merke oft, dass die meisten über die gewöhnlichen Töne der Anschuldigung, des Vergleichens, Vorhaltens, Zurechtweisung und andere verletzungsfördernde Töne nicht herauskommen. Herzlichkeit und Menschlichkeit zeigen sich aber gerade in der Sprache, in dem, was wir anderen vor den Kopf knallen. Worte können ungeheuer verletzend und böse sein, ich denke sogar, Worte sind die schlimmsten Waffen, die ein Menschen führen kann.
„Die schwierige Wahl der richtigen Worte“ weiterlesen

krasser bericht und so

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Mood: aggressive
Music: rammstein

Ey Alder, ey isch hap letzt was krasses gelesen und so da gings um thema bildung
die wollen das bessa machen, damit alle was lernen und so und nicht mehr so dumm sind, ey.

vor allem wier haubtschüler, wier haben ein krasses problem. schule und so und ausbildung dahinter gehd voll nicht. erst hab ich kein bock gehapt und jetzt fint ich nix, ey

ich würds voll gern papa sagen aber der ist weg, hat ne neue Schlampe
mama hat keine zeit die ist gerad beim arbeitsamt.

muss ich halt saufen
oder dem sozial-typen da vom amt eine reinhauen

lol

Arena, Teil 2

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Der brüllende Tiger zeigte sich wie ein sanftes, verhuschtes Schmusekätzchen.

Der Gegner war stark und konzentriert, zu stark für unsere Mannschaft. So wundert es nicht, dass schon bald das erste Tor fiel und die Moral auf den Tiefstpunkt sank. Hatten die Deutschen es beim Einstieg schon schwer und wirkten nicht mehr ganz so kampfstark wie im Vorgängerspiel gegen Polen, so brach ihnen das frühe Gegentor buchstäblich das Genick. Es war das Beste, was den Gegnern passieren konnte und sie verdienten es.

Deutschland hingegen war ständig in der Defensive und unfähig, gegen die taktisch und spielerisch starken Kroaten etwas dagegen zu setzen. Man wurde in unangenehmer Weise an die Trainierzeit von Berti Vogts oder Rudi Völler erinnert. Die Deutschen spielten mal wieder so, wie man sie leider zu oft schon gesehen hatte: Ideenlos, ohne Biss, gelangweilt, verunsichert.

Die Moral war der entscheidende Punkt in diesem Spiel und die Moral wurde auch in der Halbzeitpause nicht genügend verbessert. Sie wurden dann zwar stärker, erzielten auch noch den Anschlusstreffer durch Podolski, aber das war es dann leider.

Der eingewechselte Schweinsteiger brillierte ein wenig durch Dribbelstärke, Laufeinsatz und Ideenreichtum, musste seinen Elan und Übermut dann mit einer roten Karte bezahlen, als er einen Kroaten unschön umgestoßen hatte und dieser schmerzhaft mit dem Hinterkopf und Rücken auf den Boden knallte.

Das war der „krönende“ Abschluss eines rabenschwarzes Tages, der gut zum deutschen verregneten Wetter passte und hoffentlich bald vergessen ist.

Reichtum

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Gestern kam eine interessante Fernsehsendung über besonders reiche Menschen, also Personen, die sich vor allem über persönliche Leistung Reichtümer aufgebaut haben und jetzt zu den „Oberen Zehntausend“ gehören. Beim Schauen der Sendung wurde mir schnell klar, dass es nicht die Leistung alleine ist, die motiviert, sondern vielmehr der Reichtum und die daraus resultierenden Annehmlichkeiten und auch Freiheiten.

Der eine Mann sagte sinngemäß, wenn ihm heute danach sei, nach Timbuktu zu fliegen, mache er es halt einfach. Der andere betonte diesen Aspekt der Freiheit auch besonders, dass er jederzeit machen könne, was er wollte und durch keinerlei materielle Grenzen gehindert sei.

Also jederzeit machen können, was ich will, kann ich auch. 😉 Sieht man mal von den lästigen Pflichten ab, die so was wie Lebensinhalt oder Lebensaufgabe darstellen.

Für mich bedeutet Freiheit, vor allem geistige Freiheit und innere Gelassenheit, die doch ein wenig schwieriger zu erreichen ist.

„Reichtum“ weiterlesen

Arena

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Deutschland spielt wieder. Nach zwei langen Jahren Fußball-Pause kann man „unsere Jungs“ wieder auf dem Rasen bewundern, wie sie stellvertretend für den Zuschauer Leistung erbringen, sich anstrengen, bis der Schweiß tropft und am Ende hoffentlich siegen.

Fußball ist der deutscheste Sport von allen. Mit Gemeinschaft zum Ziel. Mit Härte zum Erfolg. Durchhalten, bis zum Umfallen, kein Meckern und Jammern zwischendurch. Die Bälle durch Präzision geschossen, der Trainer am Rande anfeuernd, die Spielerfrauen daheim wartend und den umkämpften Mann aufbauend.

Eine kurze Siegespose, männliche Erotik, Bescheidenheit war zu sehen. Der beste Mann von allen, ein tragischer Held, zerrissen zwischen den Fronten und im eigenen Herz, muss er diejenigen besiegen, von denen er einst selbst stand und grau sein Gesicht, beinahe traurig nach dem ersten Treffer.

Doch dann siegt das Kalkül! Es ist nur ein Spiel! Möge der Beste gewinnen! Die Statistik, die Punkte zählen!
Er macht noch einen rein. Kann es nicht lassen. Sein Siegeswille und sein Pflichtbewusstsein dominieren.
Mit dem erlegten Wild fährt er gelassen nach Hause, knallt es den schon wartenden Frauen mit einem Lächeln auf den Tisch und bekommt anschließend sein Fell gekrault.

Fußball ist Männersport. Kampf und Jagd mitten in der Natur. Schonungslos, direkt, archaisch.

Ich liebe diesen Sport.

Leistungsgesellschaft

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In einem Blog wie diesem treten hin und wieder bestimmte Begriffe häufiger auf, die dann aber auf Grund von Zeit- oder Platzmangel nicht näher diskutiert werden können, hinter denen dann eine „kleine Welt“ verborgen bleibt. Wenn ich sehr viel in diesen Begriffen bleibe und diese nie näher erläutere, kann es sein, dass die Texte immer ähnlich wirken, aber nicht weiter in die Tiefe gehen und bestimmte Fragen und Details einfach offenlassen. Das Klären von Begriffen, so wie man sie gerade sieht und denkt, ist daher eine nützliche Methode, das wissenschaftliche und philosophische Denken ein wenig zu trainieren und sich nicht von einfachen Aussagen oder gar Zitaten verleiten zu lassen. Beim Schreiben ist das wirklich sehr einfach möglich und ein Blog bietet zudem den nötigen Schreib-Freiraum, um das mal mit der nötigen Geduld zu tun.

„Leistungsgesellschaft“ weiterlesen

Erfolg hat seinen Preis

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Jetzt ist es also raus. Die vieldiskutierte dritte Staffel von Germanys Next Topmodel geht zu Ende und Siegerin ist die erst 16-jährige Jennifer mit den „langen Beinen“ geworden. Auch ich habe dieses Medienereignis hin und wieder erwähnt, mal satirisch, mal ernsthaft. Die ersten Folgen habe ich alle geguckt, am Ende hin wurde es mir dann aber langweilig und auch das Finale habe ich nach 15 Minuten Showeffekt und schlechten Dialogen lieber abgeschaltet.

Heute möchte ich mal ganz nüchtern den Effekt und die Wirkung dieser Sendung untersuchen, so wie ich es intuitiv und in Verbindung mit Internet- und anderen Resonanzen verarbeitet und gesehen habe.

Das Rahmenkonzept

Zuerst fällt mir auf, dass diese Sendung ein unglaubliches Gewicht auf das Aussehen und den Schein der Menschen wirft. Wie jemand aussieht und wie sich jemand verkauft, wird ständig diskutiert und es gab sogar ein Punktesystem, ähnlich wie in der Schule, für den messbaren Erfolg bei Castings. Das ganze Wirken der tlw. noch jungen Mädchen wird auf ihren Verkaufseffekt reduziert, geistige oder innere Werte wie Moral, Einstellung, Sozialverhalten sind in den Hintergrund gedrängt worden. Das ganze Konzept so einer Castingshow dient natürlich erstmal dem Prinzip „Geld verdienen“. So wird von der Art und Weise der Show der eigentliche Rahmen eng gesteckt, die Vorgaben für die Aus- und Durchführung scheinen klar: Die Sendung muss möglichst viel Zuschauer vor der Bildschirm locken, denn die Werbekunden zahlen besser, wenn die Einschaltquoten hoch sind. Subjektiv hatte ich bis jetzt in keiner anderen Sendung eines Privatsenders so sehr das Gefühl, von Werbeunterbrechungen oder unbewussten bis sehr bewussten Produkt-Placements überrollt zu werden. Ob das jetzt die Makeup- Empfehlungen im Anschluss der Sendung waren oder das Erwähnen eines Sponsor-Namens, der gerade ein Casting durchführt.

Man hat als Zuschauer schon das Gefühl, dass hier die reale Mode- und Geschäftswelt abgebildet wird, das macht die Sendung zu einer Art Dokumentation und erhöht den Informationsgehalt. Durch die emotionalen Dialoge, ständigen Gefühlsausbrüchen und tlw. kindlich-naiven Statements der jungen Frauen wird das an sich trockene und eintönige Konzept aufgewertet und erhält dadurch erst seine Würze. Es geht ja nicht in der ersten Linie um den Aufbau eines neuen Topmodels, weil wir das schon längst haben, nämlich in Form von Heidi Klum selbst. Nein, diese Sendung muss einfach gut zu sehen sein und möglichst viele Menschen (so wie mich) dazu bringen, darüber zu reden zu schreiben und die Medienresonanz zu erhöhen. So ergibt sich ein rückkoppelnder Werbeeffekt, der wieder in die Einschaltquoten und somit in das Portmonai der Produzenten fließt.

Jetzt übermäßige philosophische Fragestellungen aufzuwerfen oder gar den pädagogischen Wert so einer Sendung zu untersuchen, ist eigentlich überflüssig, weil es darum im Kern nicht geht. Es mag wohl einen pädagogischen oder psychologischen Effekt auf vor allem junge und noch unkritische Menschen geben, ich wage aber zu behaupten, dass das weder beabsichtigt noch berücksichtigt wird, wie es passiert.

Die Sendung eines Privatsenders genießt das legitime Recht, sie so zu gestalten, dass sie lukrativ wird. Moralische Urteile können also nur von außen kommen und es ist auch nicht gesagt, ob diese dann eine Wirkung auf weitere Sendungen haben.

Der Geschmack des Zuschauers spielt allerdings eine Rolle, weil er letztendlich darüber entscheidet, ob die Sendung geschaut wird oder nicht. Und dieser Geschmack lässt sich sehr gut untersuchen.

Zu den Inhalten

Im Kern sieht man sehr viele Frauen, Männer reagieren nur auf Nebenschauplätzen und nehmen die diskreten Rollen von Bewunderern oder Juroren ein. Die ganze Sendung scheint sich inhaltlich vor allem an ein weibliches Publikum zu richten, für die Männer wird viel Ware für´ s Auge geliefert, die Dialoge sind einfach, es passt alles gut zusammen.

Das Rollenbild der Frau ist sehr klassisch gehalten, so wie es die Werbung eben erfordert, so wie man mit der „Ware Frau“ Geschäfte machen kann: Die Frauen müssen diszipliniert sein und stets alle Wünsche der Kunden ohne Murren erfüllen. Kritik ist nicht erlaubt und das öffentliche Reden über eigene Befindlichkeiten führt zu Tadel oder Abwertung im Ranking-System. Der Erfolgsdruck ist hart und steht stets über den sozialen Gruppierungen und den Inhalten der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Die Frauen werden in einer harten beruflichen Welt gezeigt und mit den stets gleichen Sprüchen wird ihnen erklärt, wie sie zu denken haben, welche Sprüche sie auswendig lernen müssen, um den Contest am besten zu überstehen. Inhaltlich gleichbedeutend hat man so etwas oft gehört: „Nur eine kann Germanys Next Topmodel werden“, „Ich möchte an meiner Einstellung arbeiten“, „Es war zwar hart, aber ich will es schaffen“, „Jetzt musst du aber mal Gas geben“, etc.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass am Ende vor allem die Mädchen Erfolge haben, die sehr anpassungsfähig und zugleich intelligent waren (vergleiche hierzu auch den Sieg der Mathematikstudentin Barbara aus der 2. Staffel).

Auf mich wirkt es so, dass die Mädchen im Laufe der Sendung tatsächlich kapieren, worauf es ankommt und man hat hin und wieder interessante, bis erschreckende Persönlichkeitswandlungen miterlebt. Diese Umformung und Manipulation der Persönlichkeiten ist allerdings der Punkt, der gesellschaftskritisch am meisten alarmieren sollte, weil es ein Prozess ist, der sich so in der Berufswelt tausendfach abspielt und viel über die Korsetthaftigkeit von abhängigen Beschäftigten verrät. Die Freiheit, die uns mit den Worten und Werten „Geld“, „Erfolg“, usw. verkauft werden soll, ist – wenn man genau hinschaut- eigentlich keine Freiheit, sondern mehr ein gelenkter und anfälliger Mechanismus, der vor allem im psychologischen Bereich bestimmte Opfer erfordert. Man denke da an die Tränen, als dem jungen Mädchen Gina Lisa die Haartracht abgeschnitten wurde, mit der sie ein Stückchen Biografie und sehr viel Lebenseinstellung verbunden hatte.

Die Mädchen müssen immer bereits sein, ihre eigenen Wünsche hinten anzustellen, Kreativität bei der Ausführung ist nur bedingt erforderlich, meistens geht es um das perfekte Platzieren eines passenden Fotos für ein Produkt. Der Prozess der Schönheitsfindung ist also ein auf Geld reduzierter Prozess der Zufriedenheitsstellung und somit in entfernter Weise gleichbedeutend neben die Prostitution zu stellen.

Pädagogische Konzepte wie anti-autoritäre Erziehung, freier Willen, Unabhängigkeit, eigene Meinung, Kreativität, Beeinflussbarkeit, Offenheit und gegenseitige Toleranz und Gleichwertigkeit sucht man vergebens. Der ganze Prozess des Model-Werdens ist in dieser Sendung ein einseitiger, unmenschlicher und allein auf das äußere Wirken reduzierter Mechanismus.

Am Ende locken das Geld und der Erfolg, die aber im Anbetracht der Art und Weise, wie sie zu erreichen sind, hohl und leer wirken.

Man fragt sich als Zuschauer: Warum sich so quälen und demütigen lassen, wenn ich mir am Ende dafür doch nur ein Haus oder ein Auto in einer luxuriösen Wohngegend kaufen kann?

Niemand von den Beteiligten wagt es, hinter diese Scheinwelt aus Lächeln und Oberflächlichkeit zu schauen und selbst der geschulte Beobachter muss sich immer wieder zwingen, die getarnte Wirklichkeit als das zu entlarven, was sie ist: Oberflächlich, kurzlebig und unmenschlich.

Da dies eine Fernsehsendung mit anscheinend hohen Einschaltquoten und einem guten Marktanteil ist, ergibt sich daraus eine Massenwirkung auf die Meinung und die Denkweise von vielen Menschen. Gerade junge Menschen könnten den Eindruck erhalten, dass die Art und Weise der Erfolgsfindung die beste Möglichkeit darstellt, das eigene Leben zu leben. Vor allem Frauen wird hier ein Rollenbild vorgelebt, das mehr als rückständig ist und eine Art reaktionäres Sicherheitsbedürfnis im Wandel der unsicher werdenden, globalisierten Welt erfüllt.

Lösungen und Fazit

Dass es heutzutage viel um Geld geht, ist allen klar. Castingshows wie GNTM oder DSDS bereiten die jungen Menschen auf eine Berufswelt voller Ellenbogen und Konkurrenz vor und übertünchen die zu erwartende Unmenschlichkeit mit viel Farbe, Licht und Showeffekten.

Auswege aus diesem pädagogischen Dilemma kann nur ein gutes, staatliches Bildungssystem sein und die freie Meinung der Menschen auf solche Sendungen und vor allem auf die vermittelten Werte innerlich zu verzichten und sich vom Erfolgs- und Leistungsdruck um jeden Preis ein wenig frei zu machen.