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In meinem kleinen Weblog schreibe ich über Psychologie, Philosophie, Kunst und Politik.
Interessierte LeserInnen und freundliche Kommentare sind immer willkommen. Viel Spaß beim Lesen!
Posted by J.A. on Dezember 19, 2015

Der Winter geht mal schnell Zigaretten holen

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Dies soll mal wieder ein langer, tiefgehender, ausschweifender, mit reichlichen Adjektiven und unzähligen Aufzählungen versehender Blog-Artikel werden… aber ich kann´s auch kurz machen und den Inhalt in einem Satz verraten: Mir fehlt der Winter!

Aber wie kann das sein? Rein objektiv haben wir doch das beste Frühlings-Wetter mit allen Vorzügen: Man muss nicht übermäßig Geld für die Heizung ausgeben, spart sich die Anschaffung für Winterreifen, wird nicht so depressiv, weil man sich viel besser an der frischen Luft bewegen kann, braucht keine Winterklamotten, braucht keinen Schnee zu schippen, sich die Hände nicht eincremen, nicht auf der glatten Straße ausrutschen und vor allem: Man bekommt keine Erkältungen!

Und doch fehlt mir der Winter… das ganze fühlt sich so kalifornisch an… manche Metereologen sprechen schon davon, dass es vielleicht in den nächsten 30 Jahren so weitergeht und Deutschland nie wieder Winter haben wird. NIE WIEDER WINTER? WHAT THE F.. ?? Der Golfstrom schwächelt, „El Nino“ betreibt sein teuflisches Spiel und Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern werden auf immer und ewig in die subtropische Zone übergehen? Selbst beim Blick auf die Europakarte wird es schwer, sich ein Reiseziel für die Winterferien auszusuchen. Da gibts einfach überhaupt nirgendwo Schnee.

Hier in Süddeutschland dümpelt das ganze schon seit November mit 8-15 Grad Tagestemperaturen und 2-10 Grad Nachttemperaturen vor sich hin. Ich habe in diesem Jahr EIN Mal Schnee erlebt, das war irgendwo in den Bergen auf einer Autobahnfart im Sauerland. Da hat es kurz geschneit. Ist sogar liegen geblieben. Wir haben uns schon gefreut, dass es im November den ersten Schnee gab. Endlich mal wieder frieren, den Atem sehen (träum) und eine rote Nase bekommen! Das ganze ließ schwer hoffen. Schnell die Winterreifen drauf machen-sau teuer- egal, das muss sein. Der Winter kommt jetzt bestimmt!!!

Und jetzt das.. sogar die Vögel fangen schon an zu singen. Im Dezember…

Warum brauche ich also den Winter? Ganz einfach, weil es sich so nicht normal anfühlt. Weil der Winter zu meinem Verständnis von Vorweihnachtszeit und Dezember/ Januar einfach dazu gehört. Weil das immer so war. Weil es immer kalt war… immer etwas unangenehm. Weil man genau wusste, dass diese Zeit kommen wird.. und die Freude auf den Frühling danach noch umso größer ist. Die Jahreszeiten schaffen Struktur im Leben, im Charakter, in der Auseinandersetzung mit dem Alltag. Wenn da ein Teil fehlt, ist das wie ein Getriebe, dem man einfach ein Rad weggenommen hat. Es läuft zwar weiter, aber es klingt so komisch!

Der fehlende Winter macht auch sehr schmerzlich bewusst, dass wir mitten in einer großen Klimakatastrophe angekommen sind. Dass das ganze doch etwas schneller ging, als man befürchten konnte. Der Klimawandel ist voll da. Und mit gutem Zureden wird er auch nicht mehr weggehen.

Kurzum: Der Winter fehlt.

Webtipp!

Wer sich noch mehr über das Wetter aufregen möchte oder eine gute Seite mit fundierten Hintergründen und tollen Artikeln sucht, dem sei diese hier schwer ans Herz gelegt: Kaltwetter.com.

Die Seite begleitet mich schon seitdem dieser Sommerfrust im Juli losging… und hat wieder etwas analytische Kälte und tlw. auch ein Lächeln zurück gebracht. Danke dafür.

Categories: Draußen
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Posted by J.A. on Dezember 17, 2015

Das leise Ende einer Legende

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Das war´s also gestern, die letzte Folge „TV Total“ flimmerte über den Bildschirm und der berühmte TV-Moderator Stefan Raab beendet zum Jahresende seine TV-Karriere.

Irgendwie fühlte ich mich selbst komisch, gestern bei der letzten Sendung. Ich kann es noch nicht richtig glauben! Das kann doch nicht sein! War das wirklich das letzte Mal, dass ich diese Sendung sehen durfte?
Wer versüßt mir jetzt die Abendstunden? Sorgt nochmal für ein erleichteres Grinsen und Lachen zu später Stunde? Humor ist bekanntlich gesund! Und diese Sendung hat mich geheilt…

Rückblickend ist mir aufgefallen, dass ich doch ein ziemlicher Fan von Raab geworden bin.
Allen Unkenrufen über seine Person zum Trotz- aber auch aller anderen Bedenken zur Qualität, zum „Sinn“ oder zu der Fairness gegenüber Unbekannten und Kamera-Opfern auf der Straße, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hatten.

Klar, er hatte Schwächen! Und was für welche! Am Anfang (1995) haben wir uns als Jugendliche darüber lustig gemacht und gefreut, dass so ein unorthodoxer Typ, dem die Schnauze so frei gewachsen ist, es im Fernsehen so weit bringen konnte. Niemals hätte man damals denken können, dass er es mal soweit bringt, dass er so eine Karriere macht, sich ein Unternehmen aufbaut und mehrere Millionen im Jahr verdient.

Begeistert schauten wir damals noch in der Studenten-WG die erste Folge „TV Total“ (1999) und lachten uns über jeden Gag halb tot. Und heute, im Jahr 2015, gab es bereits über 2000 TV Total Sendungen und die Ära neigt sich dem Ende zu. Mir wachsen die ersten grauen Haare, in einer WG wohne ich schon lange nicht mehr…ich bin alt und spießig geworden, aber meine Begeisterung für Raab´s Humor ist geblieben.

Er hatte immer eine große Klappe, war frech und unangepasst. Er hat nicht immer Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Mitmenschen genommen und sich auch diverse Klagen und Abmahnungen eingehandelt.
Mit der Bild-Zeitung oder RTL lag er schon längere Zeit über Kreuz (Quelle Wikipedia). Sein Humor hat nicht jedem gefallen, zu schräg, zu laut, zu plump und alle ernsthaften Menschen fühlten sich schnell von ihm abgestoßen. Es gab damals zwei Parteien: Die Raab-Fans und die die Raab-Hasser. So wie die Techno-Fans und die Techno-Hasser. Aber es gab keinen, der Raab nicht kannte.

Aber was war wirklich das Entscheidene? Was hat ihn dann so groß gemacht? Man hatte bei ihm nie das Gefühl, dass es ihm um Geld, Macht, Einfluss oder gar Selbstdarstellung ging. Er war einfach er, einfach witzig, einfach authentisch. Und in einer zunehmend verkrampfter und einseitig werdenen Fernsehlandschaft ein wichtiger, künstlerischer Kontra-Punkt. Ein scharfer Kontrast, den man einfach wahrnehmen muss. Er setzte sich stets über alle Konventionen hinweg und legendär sind seine frechen Straßen-Interviews, die z.B. schon bei „Vivasion“ begannen. Ich hab mir gestern noch ein paar Highlights auf Youtube angeschaut. Sein typischer Stil kommt da schon gut durch, viel verändert hat er ihn eigentlich nie. Einfach mit unverblümter Offenheit die Menschen fragen, was ihm so durch den Kopf geht. Sich um Fettnäpfchen, Politcal Correctness und anderen Quatsch nicht scheren.
Damals hat der Meister noch alles selbst gemacht. Sehr bekannt sind auch seine „Raabigramme“ bei denen er meistens mit der Mini-Gitarre Ukulele irgendwelchen Promis ein schelmenhaftes gesungenes (nicht immer charmantes) Spiegelbild vorgehalten hatte. Raab war immer jemand, den diese Fernseh-Welt gebraucht hat. Gerade weil er unorthodox und geradlinig war und gerade auch, weil er stets vom Humor und Frechheit beseelt war. Das war seine Stärke, das war sein Markenzeichen und niemand kann das so einfach kopieren oder in einer TV- Planungssitzung als Marken-Image „verordnen“. Entweder man ist so ein „Kölsche Jeck“ wie Raab oder nicht. Mich erinnert er oft an einen modernen Till Eulenspiegel.

Raab ist aber noch viel mehr als ein Narr, weil er zusätzlich sehr gutes Gespür für die Medienwelt bewies und wahrscheinlich auch kaufmännisches Geschick besaß. Bei den Quizsendungen „Blamieren oder Kassieren“ oder ähnlichen Duellen in „Schlag den Raab“ ist mir immer aufgefallen, wie breit sein Allgemeinwissen ist und dass er auch über herausragende kognitive und sportliche Fähigkeiten verfügt. Sein Lieblingsspielzeug waren immer neue Fahrgeräte. Mit einer Begeisterung und Neugierde stürzte er sich auf sie.. anstatt zögerlich und abwartend zu sein, ging er die Dinge einfach an. Er hatte keine Angst vorm Scheitern oder „Hinfallen“ auch wenn er sehr oft hingefallen und gescheitert ist.

Ich bin die ganze Zeit fieberhaft am Überlegen, wie seine sehr gute Sendung „TV Total“ nun ersetzt werden kann. Und mir fällt gar nichts ein. Mir fällt niemand ein, der ihm auch annähernd kopieren oder ersetzen könnte. Kein „lustiges Moderatorenduo“ Joko und Claas, aber auch kein Luke Mockridge. Und auch keine tausendfachen Wiederholungen von amerikanischen Konserven-Produktionen oder anderem Müll. Was mich auch wundert, dass generell das Konzept von Late-Night Shows in Deutschland selten ist. Sehr gut war z.B. auch Harald Schmidt, einer der wenigen, der mit Raab mithalten kann, was die Präsenz, die Persönlichkeit und den Humor angeht. Aber der ist ja auch schon längst abgewandert. Wer oder was bleibt also?

Der ganze Stil von Raab ist einmalig. Er hat junge Leute mitgezogen, die sich hinter einen starken Stefan gestellt haben und in seinem Fahrwasser groß geworden sind. So z.B. sein sympathischer Bei-Moderator und einstiger „Showpraktikant“ Elton. Oder das Fördern und Herausbringen von Sängern wie Max Mutzke, Stefanie Heinzmann oder Lena. Das war eine weitere Stärke von Raab, dass er immer auch Platz für andere geschaffen hat und mit seinem Wirken kleine und große Künstler unterstützt hat. Er hatte immer ein Gefühl für gute Kunst, aber auch für die Persönlichkeiten, die hinter den Kunstfiguren stehen. Wenn er sich mit den Leuten gut verstanden hat, hat er sie bereitwillig unterstützt- und seltsamerweise sind sie dann auch groß geworden und konnten ihr Potential voll entfalten.

In TV Total gab es z.B. regelmäßig Kleinkünstler und Kabarettisten zu sehen, die man nirgendwo anders sonst gesehen hätte, weil sie einfach so laienhaft oder unbekannt waren. Aber Raab´s Sendung gab ihnen ein paar Minuten wertvolle Sendezeit. Auch allerlei Tierbabys und unbekannte Experten zu außerordentlichen Themen konnte man sehen. Ich weiß gar nicht, ob ich alle aufzählen kann. Aber die besten, die mir in Erinnerung geblieben sind, waren z.B. der Botaniker, der für seine Blumen und Pflanzen wirklich lebte, der Raab sogar sein Blumenkübel am Studiopult neu bepflanzte (nur damit dieser es ein paar Wochen später wieder verdorren ließ und sich dann in der letzten Sendung noch neckend darüber ausließ, dass ja da vorne Blumen seien, die er sonst von seinem Platz aus nicht sehen würde). Und als Raab den Botaniker fragte, ob die Pflanze auch essbar sein, sagte dieser „natürlich“ und steckte sie sich mit Wurzel und Erde kurzerhand in den Mund. Nicht schlecht auch die realistische Performance zum Thema „Tollkirsche“ und was passieren kann, wenn man eine Beere davon isst…

Sehr gut war auch der Mathematiker und Rechenkünstler Gert Mittring, der brav seine Bücher in der Sendung vorstellen durfte und sein Können gleich real vor der Kamera bewies. Wann bekommt schonmal ein Wissenschaftler oder gar Mathematiker in der deutschen Fernsehlandschaft eine Chance?

Dann gab es noch den Experten mit den Würfelbechern, den „Stacker“.. der tolle Kunststücke machen sollte, die Raab natürlich kopieren wollte und dabei grandios scheiterte. „Sieht so einfach aus!“ oder der Typ, der allerlei Objekte und Steine in aberwitzigen Positionen übereinander stapeln konnte, ohne dass der Turm umfiel.
Der Gummiknochen-Mensch.. diverse Breakdancer, unzählige Zauberkünstler, z.B. der tolle Schwede Carl Einar Haeckner , und weitere unzählige Comedians.

Oft gab es auch diverse Koch-Einlagen, die von Raab auch regelmäßig torpediert oder eigenwillig begleitet worden sind. Ich erinnere mich da z.B. an Sonya Kraus, die Muffins backen wollte und Raab dabei fast den ganzen Topf mit Teig ausschleckte.

Jetzt alle andere aufzuzählen ist etwas anstrengend und würde den Rahmen des Artikels sprengen. Was aber auf jeden Fall auffällt, ist die Vielseitigkeit, die von Raab und seinem TV-Team ausging.
Diese kulturelle Vielfalt und die Offenheit für alle möglichen Themen ist genau das, was ich im restlichen Fernsehen vermisse. Am Anfang jeder Sendung wurden aktuelle Beiträge aus dem TV nach Auffälligkeiten und Kuriositäten durchforscht. Lustige oder besonders eigenwillige Auftritte von Privatpersonen bekamen dann den „Raab der Woche“, einen kleinen Fernsehpreis und eine Ehrung im Studio.

Ein Team bereitete die lustigen Stellen in -vermutlich- mühevoller Kleinarbeit vor und Raab präsentierte dann stets mit einem breiten Grinsen die Ergebnisse. Hiermit ist die wertvollste Eigenschaft von Kunst und Kabarett enthalten: Die Möglichkeit zur Selbstkritik am Medium, aber auch an der eigenen Kunstwelt, die man täglich neu erschafft.

Vergleichbare Sendungen mit einem ähnlich hohen Niveau an satirischer Medienkritik sind noch die „Heute Show“ oder „Die Anstalt“, evt. noch „Extra 3“.

Puh, ein Glück, es gibt doch noch Alternativen und das Fernseh-Zuschauer-Leben wird irgendwie weitergehen.

Aber Raab… wird trotzdem fehlen.

Categories: Gesellschaft,Medien
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Posted by J.A. on November 4, 2015

Ein bunter Tag

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Passender Song: Tu Quieres Volver

 Buntes Herbstbild

Mein heutiger Tag war ein wilder Eindruck an Bildern, Worten und Musik.
Es brodelt.. gute und schlechte Einzeller des Lebens mischen sich mit komplexen Mehr-Gebildnern.

In der Küche des Lebens entsteht ein süßlicher-scharfer Duft nach Reise, Freiheit und Aufbruch.
Mit einem Schlag spült der Wasserfall durch meine Kehle…
die ganze Trauer, die Enge und den Egoismus fort.

Es gluckert und sprudelt
es dreht und windet sich
es verkrampft und weitet sich.

Es entstehen bunte Bilder
aus fallendem Herbstlaub
und verfaulenden Zweigen
Die Erde ist ein Flickenteppich
an Farben und Buntheit.

Die drohende Krise
der Winter
die Armut und Einöde
stehen auch schon vor der Tür.

Die Erde wird voll
und verstopft mir das Internet
‚Seite nicht gefunden‘
quält mich von früh bis spät

immer wenn die Gedanken fließen und sich entfalten wollen
steht jemand auf der Leitung und grinst
unter seiner rosa Kappe
kommt mir der deutsche Narr zuvor.

Egal-
die positiven Kräfte und das innere Licht
werden aber derzeit mit technischen Hilfsmitteln aller Art
zur Not auch mit echter Sonne verstärkt.

Die eine oder andere Zutat
trägt zum Gelingen und Wohlgefühl bei
die Menschen sind schon etwas gestreßt
aufgeregt
bilden lange Staus auf der Autobahn
stehen sich manchmal im Weg.

Die Menschen fahren wild und schnell
berühren sich und erzeugen Energie
manchmal auch zuviel, so dass einer stirbt.

„Er war ein Rad im Getriebe, gab sein Leben für die Firma und den Profit
und nun wird ihn seine Familie schmerzlich vermissen.“

Deutschland unterdessen lebt und wird mit fremden Kulturen bereichert
Deutschland ist bunt und lebt!
Und schon packt wieder jemand die braune Farbe aus
und zerstört das ganze Kunstwerk mit einem Pinselstrich.

das ist so einfach
lasst doch lieber die Farben!
die kleinen Kleckser,
die Überraschungen,
und die Vielfalt.

lasst die Wälder stehen,
pflanzt ein paar bunte Blumen dazu,
dann wird es schön.

Categories: Lyrik
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Posted by J.A. on Oktober 27, 2015

In der Mitte

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Seit Tagen und Wochen surfe ich jetzt im Internet und sauge alle Informationen rund um das große Thema dieser Zeit auf:

„Die Flüchtlingskrise“. Zwei Artikel habe ich bereits dazu geschrieben, aber doch denke ich, dass noch nicht alles gesagt ist.

Es ist sehr schwierig sich zu positionieren. Wie üblich möchte ich nicht ganz links und nicht ganz rechts sitzen, sondern mir eine (möglichst) objektive Meinung aus der Mitte bilden.

Die Ereignisse überschlagen sich teilweise und teilweise hab ich auch das Gefühl „in einem Film zu sitzen“. So unwirklich kommt mir das Ganze vor. Ist das wirklich die größte Herausforderung für Deutschland seit dem Mauerfall – oder, wie man sogar auch hören konnte- seit dem zweiten Weltkrieg? Was ist denn das Kernproblem? Ein paar Hundertausend Menschen laufen von zu Hause weg, weil sie es in ihrem Lager nicht mehr aushalten, ihre eigenen Häuser zerbombt sind, die Einberufung zum Militär oder die Enthauptung durch den IS droht – und weil sie im Fernsehen oder auf dem Smartphone sehen können, wie schön das Leben hier in Deutschland ist.

Und wie ist es denn bei uns? Wir haben es warm und gemütlich, haben einen guten Job, genug zu essen, ein Auto und leben in Frieden. Das, was für uns „normal“ erscheint und eine Folge unserer eigenen produktiven Arbeit zu sein scheint, ist für andere schon das Paradies auf Erden. Die Gegensätze in dieser modernen Welt könnten nicht größer sein. Und schon immer in der Geschichte der Menschen hat es die Menschen von der Armut und dem Krieg weg, hin zu Wohlstand, Reichtum und Frieden gezogen. Diese Tatsache ist so einfach und fundamental, dass man im Grunde über alles andere nicht diskutieren braucht. Solange es diese große Ungleichheit in der Welt gibt, wird es Flüchtlingsströme geben. Es ist im Grunde nur ein Wunder, dass sie noch nicht eher aufgetreten sind und dass man es außerdem verschlafen hat, früher darauf zu reagieren. Zu lange hat man sich etwas vorgemacht oder geglaubt, das Elend könne uns nicht erreichen. Wenn wir nur fest die Augen zumachen, geht das ganze Chaos dieser Welt an uns vorbei..

Wir haben jetzt ein Aufeinanderprallen der Kulturen, aber auch ein Aufeinanderprallen von Arm und Reich, das durch die modernen Medien, die kommunikative Vernetzung und die Reisemöglichkeiten verschärft und beschleunigt wird.. Im Zeitalter der Globalisierung kann man sich nicht mehr isolieren, sich nicht mehr abschotten. Deutschland hat in der EU sehr stark von den offenen Grenzen profitiert. Die ganze Freiheit, die im Kern eine wirtschaftliche Freiheit war, ist jetzt bedroht. Plötzlich fangen die Staaten wieder an, kleinteilig, egoistisch und national zu denken. Man sieht, dass die EU bis jetzt nur ein Konstrukt auf dem Papier war, ein Zweckbündnis, bei dem es bis jetzt immer darum ging, die Vorteile für sich „raus zu schlagen“. Die EU ist immer weiter gewachsen und versprach Wohlstand für alle, die unter ihre Decke schlüpfen. Aber man ist zu schnell gewachsen. Die Einheit ist nur formal und über die Währung erfolgt. Bei der aktuellen Krise sieht man, dass es schwierig ist, ein von langer Geschichte unterschiedlichster Kulturen zersplitterten Raum wieder zu „vereinigen“. Europa spricht nicht mehr mit einer Sprache.

Es ist somit sehr traurig zu sehen, wie wenig Solidarität noch vorhanden ist. Die Verteilung der 160.000 Flüchtlinge innerhalb Europas kommt nicht voran. Noch nicht einmal gegenseitige Absprachen zwischen zwei benachbarten Grenzen sind vernünftig möglich (z.B. zwischen Deutschland und Österreich). Die Armut und das Elend wurde von vielen Ländern dieser Welt nicht gesehen, übergangen und ignoriert. Und all dieses Ignorieren führt nun zu einem riesigen Aufbauschen und einer Vergrößerung des Leids. Flüchtlinge haben berichtet, dass sie erst in Deutschland oder Österreich menschenwürdig behandelt wurden. Was ist denn unterwegs passiert? Da liegen doch noch ein paar Länder dazwischen? All ihr Zögern und all ihr Mangel an Mitgefühl und Tatkraft ist genau das, was die Krise erzeugt!

Man sollte nicht den Fehler machen und nur Deutschland als alleinigen Schuldner aller Krisen dieser Welt sehen. Die Ursache des derzeitigen Elends sind doch Personen wie Assad oder Putin, die mit Panzern und Soldaten Leid und skrupellose Zerstörung über ihre Bevölkerung bringen. Aber auch das Wegschauen „der Guten“ (in diesem Falle die USA) ist ein Riesenproblem.

Das sicher geglaubte Pulverfass Balkan beginnt auch schon wieder zu gären und Schuld daran ist einzig der „gemeinsame Feind“, die Menschen die vor Hunger und Armut fliehen?

Das Internet ist landauf und landab voll mit Kommentaren, die in den aktuellen Flüchtlingsströmen eine große Bedrohung sehen und unser Land, unsere Errungenschaften und unsere westlichen Werte (vor allem aber auch das Geld und den Reichtum) gegen die „Invasoren“ (O-Ton Pegida) verteidigen wollen. Auch in gemäßigten Medien, z.B. den typischen Tageszeitungen Die Welt, Zeit, Spiegel Online oder Faz überwiegen die negativen und kritischen Kommentare. Bei Spiegel Online hat man sogar kurzerhand jegliche Kommentare zu Flüchtlingsthemen gesperrt. In Online-Portalen wie Tagesschau.de oder Heute.de ist ein Kommentieren auch nicht möglich. So muss sich der „übergangene Souverän“, nämlich das Volk zu recht fürchten und ein gewisser Hass und Ärger aufstauen.

Die Köpfe sind derzeit voll mit Angst, Hass und Abgrenzung. Unsere ureigene deutsche Identität scheint angegriffen zu werden.

Eine Identität ist immer etwas, dass man definieren und mit Worten und Taten abgrenzen muss. Und diese hat in den letzten Jahren anscheinend sehr gelitten. Wenn es an die Identität geht, geht es an die Substanz. In Kommentaren auf Facebook liest man dann Worte wie „ich werde mein Haus verteidigen“ oder „meine Tochter wurde von dunkelhäutigen Männern belästigt“ oder „es gibt immer mehr aggressive Schnorrer“. Aber auch „ich habe Angst“, „Deutschland schafft das nicht“ und „wer wird das alles bezahlen?“.

In einem Kontinent (einer Welt) ohne Grenzen, die vom Staat nicht mehr richtig geordnet und definiert wird, muss zwangsläufig auch die eigene psychologische Abgrenzung gegenüber allem Fremden anwachsen. Nur so ist der aktuelle Rechtsruck in Europa zu erklären, und wenn die Politik nicht endlich angemessen und im Sinne der besorgten Bürger handelt, wird er weiter zunehmen.

Was ich mir dabei denke und was in der Diskussion und der Berichterstattung oft zu kurz kommt, sind die Chancen, die der Flüchtlingsstrom bietet. Die fliehenden Menschen ermöglichen uns, unser Selbstbild neu zu definieren. Unsere Identität gerät in einer tiefe Krise- bietet aber gleichzeitig auch die Chance, ganz neu daraus zu erwachsen. Wie will Europa eigentlich sein? Wie will es nach außen auftreten? Wo fängt Europa an und wo hört es auf? Welche gemeinsamen „christlichen“ Werte haben wir eigentlich, wenn wir es noch nicht einmal schaffen uns auf die Grundversorgung notleidender Menschen zu einigen?

Die Versorgung und Regelung von hundertausenden Menschen in Deutschland bietet weitere Chancen. Die Polizeiarbeit muss z.B. gründlich untersucht und hinterfragt werden. Wir haben uns eine stabile Außengrenze „gespart“, die Kapazitäten z.B. der Bundesgrenzschutz wurden abgebaut und wegrationalisiert. Die Folge ist aber keine gewachsene Ordnung oder Sicherheit- im Gegenteil. Die Ordnung muss nun von innen heraus stabilisiert werden, was viel schwieriger ist und vermutlich auch deutlich mehr Personal kosten wird.

Die Arbeit in den Migrationsämtern muss verbessert, ausgebaut und beschleunigt werden. Der Staat muss endlich mehr Geld und vor allem mehr Willen in die Hand nehmen um an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Die vielen Menschen ohne Dach über Kopf bieten weitere Chancen: Für die Container-Industrie, für die Handwerker, für den Bau neuer sozialer Wohnungen. Und natürlich billige, importierte „Fachkräfte“ für deren Ausbildung man keinen Cent bezahlt hat, die jetzt aber überall an die Werkbänke sollen. Die konservative Politik des Abwartens hat das alles jahrelang verschlafen. Jetzt erst, durch den Druck der einreisenden Menschen entsteht wirklich Bewegung.

Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen und die Kosten für die Integration wird steigen. All das sind riesige Herausforderungen, die vor allem auf der bürgerlichen Mitte Deutschlands lasten. Von ihrem Willen, ihrer Durchhaltekraft und an ihrer Einstellung wird viel abhängen. Auch wenn momentan viel auf Angela Merkel geschielt wird und sie quasi als alleinige Person für alles Ungute verantwortlich gemacht wird, so glaube ich, dass die wirkliche Macht noch im Volke liegt. Und was die Mitte in Deutschland entscheiden wird, wird auch eine Folge für Europa – und somit die ganze Flüchtlingskrise haben.

Posted by J.A. on Oktober 15, 2015

Ein schönes Lied

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das mich heute sehr schön durch den Tag begleitet hat. 😉

https://www.youtube.com/watch?v=1gDbpWC_9pE

Schlechtes Wetter
nicht anspringende Autos
Unfreundliche Menschen
Gedränge im Supermarkt
Stress, Termine und Zeitdruck

Erfolgsdruck und innerer Antrieb
Arbeit, Muskelbewegungen und Herausforderungen für das Immunsystem
Uneinigkeit
Konkurrenz
Engstirnigkeit
Manager-Fehlentscheidungen
Steigende Steuern
Egoismus
Unbegründete Ängste, Hetze, Ausgrenzung,
Hass gegen Schwache im Internet

hat mir heute alles nicht ausgemacht
weil ich immer
wenn es mir schlechter ging
oder sich Gedanken verdunkeln wollten
diese Melodie in das Innere des Ohres vordrang
und meine Seele mit ein paar positiven Noten versorgte.

Die Botschaft ist klar
schaut auf das Schöne!
die Liebe ist wichtig
aber viel besser als ich das jetzt beschreiben kann
empfindet man es einfach, wenn man es hört

Also
kann ich es euch auch empfehlen genauso wie das gesamte Album „Muttersprache“
z.B. auch dieses Lied
https://www.youtube.com/watch?v=q0sSudID_sA

Gut ist es, weil tiefe Emotionen ausgedrückt werden
die ehrlich und authentisch wirken
und immer kurz bevor das Ganze ins Kitschige abdriften könnte
der Song
von der Sängerin mit musikalischem und gesanglichem Talent
abgefedert, neutralisiert und veredelt wird.

Categories: Musik
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