Nutze Deine Lebenszeit

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Ich hatte gestern mal wieder einen kleinen Disput mit meinem Schatz.
Es geht dann meistens darum, dass einer von uns beiden launisch oder körperlich schlecht drauf ist und die Schuld daran dem anderen zuschiebt. Wie so oft, möchte man die „positive Energie“ beim anderen absaugen und ärgert sich dann, wenn es gerade nicht möglich ist.
Entweder man schiebt eine Laune und hofft, dass der andere es registriert und sich um einen kümmert. Oder man schmollt und gibt sich absichtlich abweisend und kühl. Beide Verhaltensweisen führen nur selten zum Ziel, nämlich mehr Zuneigung und Liebe zu bekommen!

Indirekte Verhaltensweisen sind weiblich, aber oft wenig zielführend. Denn der innere Frust kommt nicht wirklich heraus, versteckt sich hinter fadenscheinigen Argumenten und führt zu Schuldzuweisungen, die nicht besonders hilfreich sein und auch nicht den Kern der eigenen Problematik berühren. Der andere kann niemals wissen, was man möchte oder braucht, wenn man es nicht formulieren kann. Die Ehrlichkeit den eigenen Gefühlen gegenüber muss von einem selbst geleistet werden!

„Was meinst du jetzt eigentlich?“ Fragt er mich entgeistert, nachdem ich gerade 15 Minuten am Stück all meinen Frust und alle meine Emotionen in einen Monolog gepackt hatte, der einfach nicht enden wollte.
„Dir zu zuhören ist wie eine Welle aus Nachrichten zu lesen und du willst dann genau eine Antwort. Das ist einfach nicht möglich.“ sagt mir der logische Teil meiner Partnerschaft.

Mir geht es hingegen oft um Gefühle und innere Abgrenzung. Dass ich z.B. auch mal meine Ruhe brauche und nicht immer, jeden Tag nonstop 100 Prozent alles geben kann. Er macht sich dann oft lustig und meint, dass ich mich unterfordern würde.

Wir haben es noch mehr auf die Spitze gebracht und weitere Motive aufgedeckt. Der Fernsehabend war gelaufen. Wir redeten eine Stunde lang. Am Anfang war ich noch aufgebracht und ärgerlich, aber mit der Zeit klärte sich das trübe Wasserglas. „Wenn Du im Bett liegst und schlecht drauf bist, dann ist das nichts weiter als eine Verschwendung von Lebenszeit.“.

Baff. Das hat gesessen. Er hatte so absolut Recht damit.

Man muss sein Leben nutzen. Auch wenn es einem schlecht geht.
Wenn man sich der ganzen Depression und dem ganzen Elend hingibt, dann ist das einfach nur destruktiv.
Man kan und sollte, auch in schlechten Phasen, wenigstens versuchen, kleine produktive Schritte zu unternehmen.

Denn niemand nimmt die Verantwortung für die eigene Laune ab.
Immer nur zu erwarten, dass andere für einen die Probleme lösen und einem aufbauen, ist kindisch und unreif.

„Dieses ständige Rückblicken und Aufschreiben macht einfach keinen Sinn.“ Schon wieder hatte er mich kritisiert.
„Okay das ist jetzt etwas übertrieben, aber was vorbei ist, ist vorbei. Mach was aus Deinem Leben“. sagt er mir.

Weiblichkeit bedeutet oft passiv und untätig zu sei und sich an andere zu hängen und zu brauchen.
Man lebt im Rückblick, in den Erinnerungen und der Nostalgie. Tick-Tack und die Uhr geht trotzdem weiter.

Man wird bedürftig, unreif und schwach und strahlt diese Bedürftigkeit nach außen aus. Am Anfang, wenn man jung ist, ist das noch süß.
Und man wird überall „starke Männer“ finden, die einen beschützen und einen mit positiver Energie versorgen. Man muss nichts machen, ist immer die kleine dumme Prinzessin.

Aber irgendwann wird es mit dieser Strategie schwieriger. Je älter man ist, desto mehr muss die eigene Passivität in etwas Positiv-Konstruktives umschlagen. Das ist der Weg des Lernens für weibliche Personen.

Nutze Deine Lebenszeit.

Warum es Trans- und Intersexuelle Menschen so schwer haben

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Warum haben es Trans- und Intersexuelle Menschen so schwer und was sind die Hürden bei der Entwicklung von Toleranz und Aufklärung diesen geschlechtlichen Minderheiten gegenüber?

Zum einen: Wir sind es gewohnt, Menschen in zwei Geschlechter zu teilen. Trans-und Intersexuelle Menschen aber haben ein besonderes Geschlecht, dass eher zwischen den Geschlechtern einzuordnen ist („divers“) und darüberhinaus auch fließend sein kann. Man findet in den Menschen also oft Züge beider Geschlechter.

Dieses Faktum ist nicht unerheblich und nicht klein und es geht weit über die „beiden Symbole“ an den Toiletten hinaus, die oft mit viel Liebe gestaltet und verziert werden, aber dann doch auf eine starre „Zweiteilung“ hinauslaufen.

Denn die Teilung der Menschheit in „Männlein“ und „Weiblein“ ist sehr alt und quasi die Säule für unsere abendländische und christliche Kultur. Wir können sie nicht so einfach aufgeben oder in ein Weltbild integrieren, wie es in anderen Ländern (z.B. Thailand) möglich ist.

Wir sind gewohnt, dem „Mann“ eher Werte wie Härte, Durchsetzungsvermögen, Stärke und ein hohes Einkommen zuzuschreiben und alle weichen-pädagogischen Werte wie Liebe, Zartheit, Schönheit und Emotionen der Frau zuzuordnen. Damit verbunden ist dann auch oft, dass wir unbewusst von einem Menschen ein Verhalten erwarten, dass sich an dieser Geschlechternorm ausrichtet und wir sind überrascht, wenn nicht sogar verärgert oder irritiert, wenn ein Mensch unseren Erwartungen diesbezüglich nicht entspricht.

Geschlechter bieten Sicherheit

Ich denke, dass wir in einer Zeit der gesellschaftlichen Unsicherheit leben und es daher gerade die Geschlechter und Geschlechterrollen sind, an denen wir krampfhaft festhalten, weil sie uns vermeintliche Sicherheit und Stabilität in einer Welt der unzähligen Umbrüche liefern.
So wie die einen das ganze Elend und die „Schuld“ den Migranten oder der Überfremdung zuschieben, so können andere Menschen ihren Frust auf Geschlechter und Normen ausbreiten, von denen sie nicht überzeugt sind und deren biologische Besonderheit sie nicht teilen. Der Mensch sucht unbewusst immer einen „Feind“, jemand anderen , der seiner eigenen Gruppe nicht entspricht. Diese „Feindbilder“ gehen gerade bei Trans- und Intermenschen über alle soziale Schichten und auch alle politische Weltanschauungen hinweg.

Trans-Menschen ziehen da ganz leicht den Hass und das Misstrauen anderer Personen gegen sich. Den normalen Männern sind die Transfrauen zu weiblich und zu sanft, sie passen nicht in ihr Selbstverständnis von Männlichkeit. Den „normalen Frauen“ sind Trans-Frauen ebenfalls zu anders und zu fremd, weil sie erkennbar Merkmale des „falschen Geschlechtes“ haben (z.B. höhere Testosteron-Spiegel in der frühen Pubertät oder einen komplett „fremden“ Chromosomensatz). Einfach das Gehirn, bzw. die „Identität“ als gemeinsames Merkmal anzuerkennen, ist bei vielen nicht möglich. So etwas wie eine „Identität“ kann man nur schwer beweisen und andere Merkmale sind offensichtlicher und für andere irritierender. Denn oft sind Transfrauen auch optisch anders, haben eine etwas tiefere Stimme, stärkere männliche Gesichtszüge und breite Schultern, so dass sie ganz leicht als „fremd“ und „anders“ einzuordnen sind. Durch eine stärkere männliche Erziehung und Prägung sind sie oft durchsetzungstärker und selbstbewusster als „normale Frauen“ und werden nicht selten dafür beneidet, aber wenig geliebt.

Aber wo passen sie dann hin? Die Männer wollen sie nicht und für die Frauen sind sie auch nicht ganz passend. Als extreme Minderheit kann man sich zudem kaum einer Lobby anschließen und die Interessenvertretung über Selbsthilfegruppe oder Verbände scheitert oft an der großen inneren Zerissenheit (und Zerstrittenheit der Teilnehmer).

Wenn Du jemand nicht kennst, urteile nicht!

Ein anderes Problem bei der Akzeptanz besteht darin, dass wir gerne über andere Menschen urteilen, ohne auch je mit ihnen geredet zu haben oder uns mit ihrer Lebensweise individuell auseinander gesetzt zu haben. Ich z.B. habe in meinem Leben soviel Kontakt mit anderen transsexuellen Personen gehabt, dass es für mich mittlerweile ganz normal ist und eine Integration in meine Lebensanschauung immer einfacher geworden ist. Dennoch gibt es immer wieder Vertreter „dieser Gattung“ (vor allem Trans-Frauen), die sich sehr schräg und unangepasst verhalten, teilweise sehr pubertär-provozierend sind und den Umgang mit ihnen nicht gerade einfach werden lassen.

Zwischen den Geschlechtern zu leben ist nämlich zum einen eine „Bürde“, d.h. eine große Belastung, für einen selbst oft unverständlich und anstrengend, aber es verleiht auch Kräfte und Einsichten, die „normale Geschlechter“ nicht haben, weil sie nur eine Seite kennen gelernt haben. Diese Macht kann teilweise überheblich werden lassen. Außerdem ist es schwierig, sich selbst richtig einzuordnen. Im schlimmsten Fall schwankt man dann zwischen den Geschlechtern hin und her und nimmt mal diese und mal jene Verhaltensweise und Norm an. Die – jede für sich- sogar gut und „normal“ wäre, aber in einer Person integriert- eben für heftige Widersprüche sorgt.

Die indische Bahn

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Ich komme ziemlich pünktlich auf dem Bahnsteig in Altona an. Ich gehe aufs Gleis 12, so wie es im Ticket stand und finde meinen Zug nicht. Die fahren plötzlich alle von Gleis 11 oder sonstwo ab. Ich finde den Zug immer noch nicht. Dann fällt mir ein, dass im vorderen Bereich des Bahnhofes wohl noch eine Anzeigetafel ist. Schnell eile ich da hin. Auf dem Bahnsteig sind schon die Absperrungen für den Autozug nach Sylt aufgebaut. Noch fährt er von Altona, aber nicht mehr lang! Der Bahnhof soll ja ganz aufgelöst werden, noch ist er im Betrieb.

„Zug fällt aus“, steht an der Anzeigetafel. Er wird ersetzt durch einen anderen ICE… aha okay. Nein Moment, was steht da?
IC ? Nicht ICE ! Da fehlt ein E.

Ich gehe zum Gleis 11. Der Wagenstandsanzeiger (deutsches Wort) macht natürlich keinen Sinn, denn ich finde meine Zugnummer ja nicht.
Aber wo soll ich jetzt Platz nehmen? Ich hab doch reserviert! Und das hat sogar Geld gekostet. Deutsches, hart erarbeitetes und bereits von Steuern und Sozialabgaben befreites Geld.

Der Zug rollt ein. Die Türen öffnen sich nicht automatisch. Man muss kräftig dran ziehen, so wie bei einem alten VW-Bus und mit Schwung die Tür aufstoßen. Außerdem gibt es einen riesigen Graben zwischen Bahnsteig und Waggon. Mir wird Angst und Bange, wenn ich da rüber steige. Das Gefühl hatte ich lange nicht. Abenteuergefühl!

Ich steige also in den stinkenden, alten IC. Gleich an der Tür sieht man Technik aus den 60er Jahren. Alte Absperrventile, aufwändige Anzeigen, die mit Glühlampen und analogen Instrumenten arbeiten. Keine LED-Anzeigen oder sowas. Noch nichtmal Wagennummern! Es gibt ein Klo. Immerhin. Steckdosen. Und sogar eine Automatiktür. Man muss kräftig dran ziehen, dann geht sie auf.

Ich suche mir einen Platz. Ganz ordentlich deutsch, die Nummer, die ich reserviert hatte. 86. Ist auch egal, noch hab ich alle Plätze für mich und könnte mir etwas frei aussuchen. Neben mir steigt ein deutsches Wohlstands-Mittelschicht Ehepaar ein. Die Frau kritisiert an ihrem Mann herum und hat nichts zu tun. Eine teure weiße, gebügelte Hose und eine teure Handtasche. Die Haare perfekt frisiert und der Mann perfekt erzogen. Sie erzählen und kauen auf einem Brötchen herum. Vor ihnen ein Kaffeebecher.

Dann steigen die drei Inder ein. Vor mir ein schwarzer gegelter Wuschelkopf. Sie erzählen. Und erzählen. Und erzählen. Schnell, laut und hektisch. Ihre Stimmlage ist etwas höher als bei mitteleuropäischen Männern fällt mir auf. Sie sehen nicht aus wie Asylanten, sind schick angezogen mit guten Klamotten und teuren Handys. Ich tippe auf Geschäftsleute. Sie wollen nach „Amsterdam“, haben aber natürlich noch kein Ticket gekauft. Die deutsche Schaffnerin ist ein bisschen dick und sehr gutmütig. Natürlich können sie die Tickets im Zug kaufen, lächelt sie die Männer freundlich an. Diese machen ein paar Scherze mit ihr und strecken ihr die Visa-Karte entgegen. Ich überlege mir für einen Moment, was passiert wäre, wenn wir alle die Tickets im Zug nachlösen würden? Ob das theoretisch möglich ist? Und wie lange dann das Abkassieren dauern würde? Länger als die Fahrt von Hamburg nach Mannheim?

Der Zug rumpelt durch die Landschaft. Er ist schlechter gedämmt als die neueren ICE´s.. es gibt natürlich kein WLAN.

„Weißt du was mir letztens passiert ist, als ich von Hamburg zurück gefahren bin?“ Ich erinnere mich an das Gespräch mit meiner Mutter. „Da haben sie einfach den ICE durch einen IC ersetzt.“.

„Ja Mama“, das ist mir jetzt auch passiert. Ich dachte, es wäre ein Einzelfall.

Wie ich so durch die Landschaft rolle, lausche ich auf die kratzige und fehlerhafte Lautsprecher-Durchsage. Sie kann das Geschwafel der Männer vor mir nicht übertönen. Ich fühle mich für einen Moment wie in Kalkutta.

Auf jeden Fall nicht mehr wie in Deutschland. Einem ehemals guten funktionierendem Land, das stolz auf seine Ingenieursleistungen, den Fleiß und das Organisationstalent war. Davon ist nichts mehr zu spüren. Zumindest nicht bei der „Deutschen Bahn“.

Gewitter im Kopf

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kleine Blitze jagen langsam durch die Neuronen
ein Gewitter, es macht sich langsam breit
vorbei die Sonnen-selige Gemütlichkeit
Hektik und Arbeit haben mich voll erfasst

ich kann nicht denken nicht fühlen
alles brennt
ich fühle nicht, ich BIN die Emotion

Hass, Freude, Trauer, Wut, Lachen und Liebe
alles fokussiert sich auf einen Punkt
und brennt und brennt

mein Schatz bringt mich zum Lachen
unermüdlich rennt er gegen mein Bollwerk aus negativer Energie
irgendwann dann ist er erfolgreich
„jup“ sagt er noch und grinst

dann platzt es aus mir heraus
ich kann mich nicht halten
ich lache und die ganze Welt lacht mit

die Wolken grummeln
es donnert
und dann der endlose Regen

Halbzeitpause

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Juhu, ab heute hab ich frei! Zwei Wochen, extra für mich reserviert. 😉
Es wurde höchste Zeit. In diesem Jahr konnte ich leider bis jetzt noch überhaupt keinen Urlaub nehmen.
Die Selbstständigkeit hat ständigen Arbeitseinsatz verlangt und immer dann, wenn das eine Projekt abgeschlossen war, hat schon das nächste Projekt gewartet. Der Start in das Jahr war eher verhalten und nachdem nacheinander ein paar Kunden wieder abgesprungen sind, obwohl wir bereits sehr viel für sie gearbeitet hatten, war die Stimmung erstmal am Tiefpunkt. Dazu kam das schlechte Wetter und ein allgemein schwieriges Start-Up Umfeld in Deutschland. Die Selbstständigkeit verlangt mehr als jede andere Arbeit eine strenge Selbstkontrolle. Die Selbstausbeutung ist nicht weit entfernt. Man möchte gerne „alles annehmen“ und „auf jeden eingehen“, aber das geht technisch und vor allem menschlich gar nicht. Man muss Prioritäten setzen. Wo nehme ich was an? Und wo sage ich auch mal nein?
In Deutschland herrscht generell eine sehr pedantische, „ordentliche“ Mentalität. Es muss immer alles zu vollster Zufriedenheit erledigt werden. Und die Menschen (somit auch die Kunden) finden noch das kleinste Detail. Das sorgt auf der einen Seite für ein tolles, qualitatives Ergebnis und die Ansprüche sind hoch. Auf der anderen Seite würde ich mir manchmal auch mehr „Lockerheit“ wünschen. Warum tun sich Menschen so schwer mit „halben Projekten“? Alles, was neu angefangen wird, ist erstmal halb und unfertig, zur Reife kann es nur kommen, wenn man auch dem Spross eine Chance gibt. Warum wird so ungern mal was Neues ausprobiert? Besonders schlimm ist es, wenn Kunden an ihren alten „bewährten“ Methoden festhalten, wir aber dann mit unseren frischen Impulsen kommen (es geht hierbei hauptsächlich um Software, also die Schnittstelle zwischen dem Anwendungsfall und dem Menschen).

Wie auch immer. Meine Kunstprojekte habe ich fleißig „nebenbei“ am Laufen halten können, wie ihr auf Instagram sehen könnt. Die vielen Geschäftsreisen haben dafür gesorgt, dass ich die Kamera immer dabei hatte und „nebenbei“ Fotos schießen konnte. Die schnelllebige und etwas oberflächliche Welt auf Instagram hat zu meinem derzeitigen Lebensstil ganz gut gepasst. Tiefergehende Blog-Artikel hab ich eher weniger geschrieben. Außerdem habe ich gerade einen „Mentalitätswandel“ und schreibe immer weniger gerne über Politik. Die Politik wird vor allem von den Flüchtlingsthemen, von Trump und der Globalisierungskrise dominiert. Das sind letztendlich aber alles Symptome. Selten hab ich so eine schlechte Politik wie in Deutschland erlebt. Es wird gar nichts mehr angegangen, nur noch alles „ausgesessen“. Also macht auch das Schreiben über die Politik immer weniger Spaß. Aber irgendjemand muss sich ja Gedanken machen…

Menschen sind mir im Schnitt wichtiger geworden und ich habe daher im ersten Halbjahr auch versucht, meine sozialen Kontakte zu verbessern. Ganz seltsam ist es, dass der Todefall letztes Jahr in unserer Familie eine gewisse „Zäsur“ in unseren Kontakten verursacht hat. Wir sind etwas kritischer gegenüber unseren Freunden geworden und auf der anderen Seite (der Gegenseite) war nur wenig Bereitschaft, sich auf unsere veränderte, emotionale Situation einzustellen. Es war schwierig, die Unterstützung zu bekommen, die ich mir gewünscht hätte. Ich hab immer wieder „lieb angefragt“ und mir auch einige Mühe gegeben, aber wenn die Menschen nichts geben wollen, dann geben sie nichts. Im Gegenteil, die Funkstille und die Kontaktabbrüche zu alten, guten Freundschaften waren in diesem Jahr besonders stark.

Also ist mir dieses Jahr auch klar geworden, dass ich in Sachen Freundschaften und menschliche Beziehungen einige Veränderung brauche, was vor allem bedeutet, dass man sich „neue Leute suchen“ muss. Das ist so eine ewige Suche. Menschen und Biografien verändern sich, man kann nicht ewig an den immer gleichen Menschen festhalten.So wie man sich selbst verändert, so verändern sich auch die Beziehungen.

So ist es doch eigentlich immer im Leben, oder? Immer wenn du denkst, es geht nicht weiter, kommt jemand völlig neues in Dein Leben und – oh Wunder- er passt plötzlich perfekt in Dein Leben und Du fragst Dich, warum Du ihn nicht schon viel früher kennen gelernt hast?

Was auch ganz witizig ist: Ich habe in diesem Jahr einige Leute kennengelernt, die mir gesagt haben, dass sie eigentlich gerne bloggen würden. Aber es wäre so schwer, eine geeignete Software zu finden. Sie wissen nicht, wo sie anfangen können, etc. Also wird aus Bequemlichkeit eher Facebook oder Instagram genutzt. Schade eigentlich! Da gibt es so viel ungenutztes Autoren- und Blog-Potential. Alles Menschen, mit denen ich mich über das Blog vernetzen könnte.

Aber ja, das Blog ist Arbeit. So wie alles andere auch. Zuerst muss man die Grundlage schaffen, das Feld bestellen, Samen einsetzen und dann irgendwann kann man die Früchte ernten.

Tick Tack

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Feierabend. Es ist 21 Uhr. Der Wunsch nach Geselligkeit steigt in mir hoch.
Dann würg ich ihn schnell wieder ab.

Mit Müh und Not kämpfe ich gegen das Altern. Gegen den Groll in mir, den Neid, all die negativen Gedanken.
Sie fluten durch mich hindurch wie eine Welle aus Wasser, die nicht aufzuhalten ist.
Es ist alles negativ, alles vergiftet, dann wieder ganz klar.
Mal fließt Treibsand, Äste, Dreck und Unrat vorbei, dann wieder ist das Wasser rein.
Ich kann nicht genau sagen, was alles nächstes kommen wird. Den Gefühlen bin ich ausgeliefert.
Heute scheint die Sonne, morgen ist Regen. Alles ist ein Bad aus Gefühl.

Mit Müh und Not versuche ich mich daran zu erinnern, wie das war. „Sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren“.
Denn, wie wir wissen, bestimmen die Gedanken und unsere Einstellung zu den Dingen unser Glück ganz maßgeblich.
Die Dinge sind so wie sie sind! Einen Geschmack bekommen sie erst, wenn wir sie bewerten.
Wenn wir darüber nachdenken. Wenn wir vermeintliche Motive beim anderen entdeckt zu haben meinen.

Wenn wir der Meinung sind, dass etwas „gerecht“ oder gar „ungerecht“ ist. Dann versteifen wir uns darauf und ein bitteres Gefühl von Ärger, Wut oder Verzweiflung dringt in unser Herz. Es ist dann da drin und geht nicht mehr so schnell weg.

Wo sind die leichteren Gefühle? Es sind Farben im Malkasten deiner Lebenskunst, die du zu selten benutzt.
Da, ein heiteres Pink, hier ein schönes Blau. Warum malst du immer mit Braun und Schwarz?
Nein, viel schlimmer noch. Du malst gar nicht mehr, du schreibst nur noch! Alles wird mit Buchstaben und Gedanken zergliedert, so lange bis vom Leben nichts mehr übrig ist.

Kein Lachen. Keine Emotion. Kein Gut. Kein Schlecht. Kein Sex. Keine Freundschaften.

Nur noch deine Gedanken. Und sie ziehen nach unten, immer weiter, bis der restliche Bach alles in dir hinfort gespült hat.

Wie viele Jahre hast Du noch, um Dich zu freuen? Um ein Kind ein Spielzeug zu geben?
Um dem Alten ein bisschen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken?
Wie viel Zeit hast Du für die Geliebte in deinem Leben, die nur darauf wartet, dass du endlich charmant wirst?

Wieviel Zeit hast Du für deinen Liebsten, der sich ein bisschen Zärtlichkeiten mit dir wünscht?

Wieviel Zeit und Lebensqualität willst du noch verstreichen lassen, wieviel soll dir noch gleich sein?

Tick Tack, die Zeit läuft ab.

Realität

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Deutschland im August 2019. Ich scrolle mal wieder die Schlagzeilen der letzten Tage durch.
Wie immer bin ich auf der Spur nach dem „Emotionalen“, nach dem Besonderen. Das Schöne und das Gute interessiert die Zeitungsmacher eh nicht. Und somit auch nicht die Blogger, die am Mediengeschäft mit dranhängen. Das Schöne und Gute ist was für Poeten und Künstler. Für Träumer und Schwärmer, die sich eine bessere Welt malen wollen, die mit der Realität nicht viel zu tun hat.

Ich habe mich also an diesen täglichen Schrecken aus der Nachrichtenredaktion gewöhnt, zu sehr gewöhnt. Es ist alles soweit weg und doch so nah.

Da wurde ein Mann von einem anderen Mann auf offener Straße in Stuttgart mit einer Machete, bzw. einem „schwertähnlichen“ Gegenstand erstochen. Von der Tat gibt es sogar ein Video, das man aber bitte nicht teilen soll. Es könnte empfindliche Seelchen zu sehr berühren. Oder für schlechte politische Stimmung sorgen.

Im Rheinbad gab es Randale mit Männern „nordafrikanischen Typus“. Sie haben die Rutsche und die Sprungbretter besetzt, diese Schlingel und die weichgespülten anti-aggressions-erzogenen BademeisterInnen konnten sich natürlich nicht durchsetzen. Ähnliches ist letztens in Saarlouis passiert. Da sind die Männer „nordafrikanischen Typus“ von Frankreich rübergekommen, weil es bei denen nicht so schöne Schwimmbäder gibt, wie im reichen Deutschland, das für alle Menschen etwas anbieten kann. Am Ende der Randale musste die Polizei einschreiten und verdarb 1.500 Badegästen ihren verdienten Freizeitspaß. Das Bad wurde geschlossen. Buh!!

Zug fahren macht auch kein Spaß mehr, entweder die Dinger sind zu spät, die Tickets überteuert, die Klimaanlage defekt oder man wird von einem freilaufenden Spinner ins Gleis geschubst. Selbst wenn das Kind ganz nah bei einem ist. Wie soll man das auch verhindern, wenn man gleich mitgeschubst wird? Und was hätte die Polizei schon machen können? Man kann ja nicht jeden, der ca. 500.000 Reisenden pro Tag auf dem Frankfurter Hauptbahnhof irgendwie auf seine geistige Gesundheit überprüfen.

In einer Schule in Baden-Württemberg ist die Tuberkulose ausgebrochen. Das ist die Krankheit, die normalerweise immer nur die Armen und Schwachen der Welt trifft. Nun ist sie plötzlich bei uns. Niemand kann sich das erklären. Aber wir Deutschen wir helfen ja gerne. Weil wir uns selbst nicht mögen. Und ständig ein schlechtes Gewissen haben.

Der Autoindustrie geht es auch nicht mehr so gut und man vermutet eine Rezession auf uns zukommen. Hab ich schon erwähnt, dass die Euro-Krise auch noch nicht gelöst, sondern nur verschoben ist? Und Mann, war das letzten Sommer so heiß! Könnte vom Klimawandel kommen. Wir sollten ein paar Bäumchen pflanzen.

Zwei schwule Männer hatten einen Streit. Der eine wollte ohne den anderen nicht leben (Liebeskummer?) und hat sich und den anderen umgebracht. Man fand ihn noch blutend auf dem Bett. Erweiterter Suizid nennt sich das. Eine Randnotiz. Wen interessiert das schon?
Die Probleme, die „die anderen“ haben. Sie sind plötzlich so nah. Das ganze Leid der Welt, mitten unter uns. Wir sind nur eine Schlagzeile, einen Klick entfernt und können doch irgendwie nichts machen.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen.

Locker bleiben

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Mir gehts gut, was soll ich anderes schreiben? Von heute auf morgen hat sich meine Depression in Luft aufgelöst.
Fragt mich nicht, woran es gelegen hat, sie ist einfach weg! Ich bin geheilt.
Momentan fühle ich mich zuversichtlich, optimistisch, ausgeglichen und glücklich. Und ich habe soviel Energie, dass ich anderen etwas abgeben kann.

Noch vor ein paar Wochen war ich emotional am Boden. Ich hab alles schwarz gesehen und es war schwer, sich für den Tag aufzuraffen. Mir war ständig zum Heulen. Keinen Antrieb für nichts und wenn, dann war es in tiefschwarz gefärbt. Ich hab gespürt, dass bei mir irgendwas in Schieflage ist, dass etwas nicht gut läuft. Ich habe mich selbst zu immer weiteren Höchstleistungen angespornt und bin sehr unfreundlich mir selbst gegenüber gewesen. Aber nicht nur zu mir, auch zu anderen. Ich habe herumgemeckert und mit anderen geschimpft, vor allem mein Partner hat viel abbekommen. Niemand und nichts konnte mir etwas Recht machen!
Ständig waren die anderen Schuld. Selbst kleinste Störungen in der Nachbarschaft (z.B. Kindergeschrei) haben mich total auf die Palme bringen können. Ich habe dunkle Gedanken entwickelt und einen richtigen Groll auf die Nachbarn, wenn sie mal wieder was gemacht haben, was mir nicht passt. Ich habe mich zu sehr auf das Negative konzentriert. Der Strudel hat mich nach unten gerissen, immer weiter und weiter und alle Zukunfsvisionen hatten sich in Luft augelöst. Zum Schreiben hatte ich natürlich keine Lust. Was soll man schreiben, wenn man am Boden liegt? Welchen Gedanken sollte man pflegen?

Der „Höhepunkt“ dieser schwierigen und launischen Phase war dann die Geschäftsreise nach Stade. Sie ist geschäftlich eigentlich gut gelaufen, aber mich hat es körperlich sehr angestrengt. Vor allem die Rückfahrt (ca. 610 km) hat ca. 9 Stunden gedauert und war extrem anstrengend. Es hatte geregnet und es wahr unheimlich viel Verkehr auf der Autobahn. Am Abend hatte ich dann einen Tinitus, der nicht mehr weggegangen ist. Ich habe mich selbst gehört. Mein Herz, wie es schlägt. Bumm, bumm, immer wieder. Sehr störend, aber nur auf einem Ohr.

Da war mir klar, dass ich etwas anders machen muss. Dass ich „auf mich hören“ muss, um im Bild zu bleiben. Dass mir mein Körper etwas sagt, was ich anders nicht mehr wahrnehme. Was für ein intelligenter Schachzug. Und er hat was bewirkt.

Ich versuche es jetzt, alles lockerer anzugehen. Mir nicht mehr so ein Stress zu machen. Klar, will ich immer noch viel leisten und die Arbeit und die Herausforderungen machen mir Spaß. Ich mache das Gelingen aber nicht mehr so zum Mittelpunkt meines Lebens, wie ich das vorher gemacht habe. Ich begreife so langsam, dass es auch andere Dinge gibt, die wichtig sind.

Freunde, z.B. und gemeinsame Aktivitäten. Da hab ich jahrelang zu wenig gemacht, das soll jetzt alles anders werden.
Ich habe plötzlich wieder Spaß am „Sozialen“, am Miteinander.

Ganz besonders gut tut mir der Kontakt mit jüngeren Menschen. Ihre Art zu denken und ihre Unbekümmertheit hat einen guten Effekt auf mich. Es verjüngt mich, mit ihnen etwas zu machen. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn ich anderen etwas beibringen kann oder sie sich an mir orientieren.

Kunst mit Hindernissen

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Langsam baut sich die Kreativität auf. Gedankenblase für Gedankenblase blubbern langsam aus dem Hirn,
unaufhörlich steigert sich das textgebene Verlangen,
ungefiltert, authentisch kommt es aus den Fingerspitzen geflossen
der Text formt sich langsam wie ein Glibber aus Schleim, der zu Statue wird.

In diesem hoch-empfindlichen Prozess des Sich-Versenkens werde ich jäh unterbrochen,
das Publikum reißt mir das Heft aus der Hand und will alles wissen, was ich geschrieben habe.
Bevor der Gedanke zu Ende gesponnen wurde, hat ihn schon jemand in der Hand.
Die Leser sind noch neugierig, geben sich freundlich, dann folgt die Kritik.

Alles ist zerstört, alles ist weg! Vorbei die einsamen Gefühle der Romantik.
Vorbei die Lust am Schreiben, die Freude an der Phantasie.
Die Realität ist über mich herein gebrochen wie ein 200 Tonnen Fels durch eine dünne Glasscheibe.

Da war nichts zu schützen, da war nichts zu bewahren.
Die künstlerische Seele liegt zerfleddert auf dem Asphalt.
Das Publikum läuft vorbei und lacht.
Nein schlimmer noch, es beachtet mich nicht mehr.

Der kühne Textgedanke , der so freudig hat begonnen
er ist verstorben und abgerissen wie ein dünner Faden
ich kann ihn nicht mehr aufnehmen!
Adieu du kostbarer Buchstabensalat
wann werde ich dich wiedersehen?