Tagesbericht vom 18.3.2020

image_pdfimage_print
Osterdekoration in Grünstadt

Heute bin ich in die Stadt gefahren, weil ich zum Einkaufen musste.
In der Zeitung steht, dass sie Erntehelfer benötigen, weil sonst die Pflanzen nicht in die Erde, bzw. später auf den Teller kommen. Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich mich bewerben soll und mein chices Büroleben im Home Office für ein paar Monate an den Nagel hänge. Arbeit mit Erde, was „Handfestes“, plötzlich habe ich Lust drauf. Irgendwas vernünftiges tun, was wirklich Sinn macht! Und Mägen füllt. Außerdem denke ich über Blutspenden und Nachbarschaftsdienste nach. Ich hab das dringende Bedürfnis, mich irgendwie nützlich machen zu müssen.

Auf der Straße halten die Menschen Abstand. Ich habe das Gefühl, dass ich ständig blöd angeschaut und gemustert werde. Manche wechseln die Straßenseite. Überall diese Distanz.

Geschlossene Läden in Grünstadt

Die Läden in der Grünstadter Fußgängerzone sind alle geschlossen. Überall hängen Schilder, ich werde sie evt. später in diesen Artikel posten.
Gespentische Leere. Im Eiscafé sitzen ca. 4 Personen. Ich frage mich, warum es noch geöffnet hat. Beim Bäcker ist die Tür „halb zu“. Geschäftsleute in schicken Anzügen, die man sonst nie sieht, verlassen das edle Mode-Geschäft. Sie werden von einem Passanten angesprochen und reden über die Vorkehrungen, die sie getroffen haben. Eine gewisse Unsicherheit ist hinter ihrem überlegenen, freundlichen geschäftsmäßigen Lächeln zu erkennen. Ich kann sie verstehen. Das Virus wird voll reinhauen, überall.

Apotheke Hinweisschild

In der Apotheke wurde alles mit „Flatterband“ markiert und abgesperrt. Man soll sich an die Mindestabstände halten. Die nette Verkäuferin hat eine hässliche Maske und Handschuhe an. Ich fühle mich kurzeitig wie im Katastrophen-Film. Sie ist etwas verwundert, als ich nur „Allergietabletten“ kaufen möchte. Sechs Stück, denn die sind schon lange rationiert (enthalten Ephedrin).

Dann zum Supermarkt. Auf der Straße ist es ziemlich ruhig, auf dem Parkplatz auch. Spritpreise sind im Keller, aber an der Tankstelle steht auch keiner. Ansonsten ist da immer reger Betrieb und es sind immer so ca. 5-10 Autos. Drinnen das gleiche wie in der Fußgängerzone. Die Geschäfte sind abgesperrt, im Restaurant mit der Selbstbedienung wurde alles geschlossen. Ansonsten sitzen da immer gemütliche Pfälzer und mampfen. Die Kassiererinnen sitzen noch ungeschützt an den Kassen und man findet auch keine Schilder, dass Abstand gehalten werden soll.

Alles leer im Restaurant

Ich gehe durch die Regale und rechne mit dem Schlimmsten. Lebenswichtige Dinge sind vergriffen und ausverkauft. Ich komme anscheinend viel zu spät, an diesem gewöhnlichen Mittwoch-Mittag. Es gibt keine Seife, kein Toilettenpapier, keine Backhefe, kein Rapsöl oder sonstiges Öl, keine Eier mehr. Das ist absolut neu. Die Leute backen wohl wie verrückt? Dafür kann man noch teuren Lachs, Sekt und Fleisch in rauen Mengen kaufen. Ich finde dieses Einkaufsverhalten irrational.

 

Leere Regale

Zu Hause werde ich dann von klappenden Autotüren und Kindergeschrei genervt. Die ausländischen Nachbarn haben Langeweile und besuchen sich gegenseitig mit ihren Gören. Sie rennen auf der Straße rum und krakeelen. Ich bekomme schlechte Laune. Man soll sich doch nicht treffen. Wer erklärt es ihnen? Und in welcher Sprache?

Alles ist geschlossen. In Mannheim machen heute die Parks zu. In den Fabriken redet man über Kurzarbeit. Alle machen sich Sorgen. Plötzlich trifft es auch die Schlüsselindustrien, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Und die EM ist natürlich auch abgesagt…

Globus Hinweisschild

Die Whatsapp und Telefon-Kommunikation hat deutlich zugenommen, das wiederum finde ich erfreulich. Ich spüre, dass man sich gegenseitig Mut machen will. Das ist schön.

Der Postbote klingelt. Keiner will mehr reden. Alles wird schnell und kommentarlos übergeben. Es ist ein Ausländer. Vielleicht hat er krakeelende Kinder daheim.

Ich stelle das Paket auf den Boden und besprühe es mit Desinfektionsmitteln. Danach wasche ich meine Hände für ca. 30 Sekunden mit warmer Seife. Die Haut ist schon ganz wund.

Worte des Tages vom 17.3.2020

image_pdfimage_print

Festsitzende Urlauber
Für immer gestrandet
Allein gelassen
100.000 deutsche Touristen
Stück für Stück
Erkrankungsfälle
Virologe
Hochstufung auf „hoch“
Maßnahmen
Ausgangssperre
Risikogruppe
Kurve
Selbstabstrich
Handextraktion
Versorgungssicherheit
EM-Verlegung
Spielbetrieb
Seniorenzentrum
Besucherstop
Härtefallregelung
Trennung
Corona-Hilfe
Sicherheitsabstand

Das Schreckgespenst

image_pdfimage_print

Das Virus zwingt uns zur Vollbremsung. Das ist die größte Lehre, die er mit sich bringt.
Die Erkenntnis, dass wir extrem verletztlich und ein Teil der Natur sind. Dass unsere ganze Wirtschaft letztendlich keinen Zweck hat und keinen Sinn macht. Dass wir von allem „zuviel“ hatten. Dass es immer zu schnell ging. Jetzt kommen die Pleiten. Die Arbeitslosigkeit. Der Absturz an der Börse. Das große Schreckgespenst, dass man immer verdrängen konnte, jetzt ist es voll da.

Wir können plötzlich nichts mehr machen und das ist für viele völlig ungewöhnlich. Welchen Sinn macht das Leben, wenn man morgens nicht mehr zur Arbeit fahren kann? Woher soll die Freude kommen, wenn man sich plötzlich nicht mehr mit anderen treffen kann?

Das Virus ist also auch eine Bewährungsprobe für unser inneres, seelisches Gleichgewicht. Dinge, die uns stabilisiert haben und uns mit einem Sinn versehen konnten, sind plötzlich völlig verschwunden. Plötzlich kommen wieder Sorgen. Sorgen um die Zukunft. Sorgen um die eigenen Eltern. Sorgen, um das System, ob es das alles schafft? Sorgen um andere Länder, Sorgen um alle Menschen.

Wir sollen nun in freiwillige Quarantäne gehen. Uns von anderen abschotten. Die Kinder dürfen die Großeltern nicht sehen. Zusammen tanzen ist verboten. Einkaufen geht auch bald nicht mehr.
Diese Veränderungen sind schwer zu ertragen, gewissermaßen ein „Schock“ für die gesamte Bevölkerung, denn alles ging plötzlich so schnell.

Vor ein paar Wochen hat man noch über die „Hamsterkäufe“ Witze gemacht und gelästert. Heute sind die leeren Regale schon die „neue Realität“. Und es wird vielleicht zu weiteren Verzögerungen und tatsächlichen „Engpässen“ kommen, denn durch die Grenzkontrollen wird auch der Warenfluss eingeschränkt und ausgebremst.

Eine richtige Krise. Für viele von uns ist es die Erste. Jetzt werden wir lernen müssen, wie man damit umgeht. Und am Ende hoffentlich alle gestärkt und gefestigt daraus hervorgehen!

In Zeiten der Krise

image_pdfimage_print

Die große Trauer, sie läuft langsam über Dein Gesicht.
Der Schmerz- so real und ich – dir so nah.

Deine Gedanken, ich will sie teilen.
Deine Gefühle, ich will sie alle spüren.

Dein Wesen, es soll jetzt meines sein.
In der größten Krise
entdecke ich die größten Gefühle

Was machst Du?
Gehts Dir gut?

Die Gedanken laufen kreuz und quer.
Sorge um die Mitmenschen, Sorge um die Nachbarn.

Eine innere Vertrautheit
eine Intimitiät die es lange nicht mehr gab.

Zwischen mir und den anderen
keine Trennung mehr
alles wird geteilt.

Der Moment wo alles egal wird
das Geld, das wir verdienen
die Zukunft, die uns oft so quält

In diesem Moment der Krise ist nur eines wichtig-
die Liebe zu anderen Menschen.
dass es ihnen gut geht
und dass sie gesund sein mögen.

Worte des Tages vom 16.3.2020

image_pdfimage_print

Notstand
Gottesdienste
Busreisen
Gesellschaftliche Vollbremsung
Stillstand
6700 Menschen infiziert
14 gestorben
Katastrophenfall zum „durchregieren“
Weisungsbefugt
Whatever it takes
Systemrelevante Berufe
Digitalisierung der Bildung
Einreisestop für Nicht EU Bürger
Sonderflüge
9000 Punkte
Werksschließung
Absatzrückgänge
CO²-Reduktion
Maßnahmenwirksamkeit

Verantwortung übernehmen

image_pdfimage_print

Ich glaube, so langsam dämmert es allen Menschen, dass wir in einer richtigen Krise sind. Dass das jetzt nichts mehr ist, was einfach vorüber geht. Die getroffenen Maßnahmen sind heftig. An meinen täglichen „Wasserstands- bzw. Wortmeldungen“ könnt ihr erkennen, dass sich auch die verwendeten Vokabeln eindeutig verändert haben.
Es wird aber auch ein Ende der Krise geben. Wir werden alle deutlich durchgeschüttelt. Der Virus wird zum „Game Changer“, so wie ich das schon prophezeit habe. Danach wird alles anders werden. Das Gesundheitssystem wird sich neu aufstellen müssen, die Wertschätzung der Pflegearbeit wird endlich neu durchdacht und verändert werden müssen. Die enorm große Abhängigkeit von China wird auf den Tisch gelegt, die Produktion von Medikamenten hoffentlich wieder ins eigene Land geholt. Auch Sicherheitsaspekte, Grenzkontrollen, Notfall-Programme werden eine völlig neue Bedeutung bekommen, denn jetzt kann man nicht mehr sagen: SARS gibt es nur in den asiatischen Ländern! Schlussendlich werden wir aber auch erkennen können, dass wir verletzlich sind und einander brauchen. Dass gegenseitige Solidarität die beste Gesundheitsvorsorge gegen alle Krankheiten und Krisen ist.

Ich habe gestern abend lange mit meiner Schwester telefoniert und sie hat gemeint, dass sie den Eindruck hat, dass bei vielen Menschen die „Realität“ noch nicht durchgesickert ist. Zum Beispiel waren viele ihrer Freundinnen noch vor ca. 3 Wochen im Skiurlaub in Südtirol. Obwohl es sich da schon abzeichnete, dass die Krise dort kommen wird und es von überall schon Virus-Meldungen gab. Sie haben es auf die leichte Schulter genommen und nicht glauben wollen. Und waren jetzt bei der Wiedereinreise überrascht, dass das Gesundheitsamt Quarantäne anordnet! Es ist ja auch nicht zufällig, dass die Bundesländer und Städte, in denen viele reiche Menschen wohnen, auch mehr Geld zum reisen haben und dadurch stärker betroffen sind!

Ich höre außerdem den täglichen Podcast von Christian Drosten (https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html ) , der einen auch immer mit interessanten Informationen über die aktuelle Lage versorgt. Wie wohltuend wissenschaftliche, neutrale Aussagen in diesen Tagen sind! Von ihm stammt z.B. die Information, dass die Gesundheitsämter regresspflichtig sind, wenn sie Veranstaltungen absagen und den Veranstaltern dann Kosten oder Einnahmeausfälle entstehen. Und das ist oft der Grund, warum sie sich dann zurückhalten, obwohl es medizinisch gesehen vielleicht sinnvoll wäre, alles abzusagen. Und immer wieder hört man jetzt die Meldung, dass eine Veranstaltung zwar auf 1000 Besucher gedeckelt ist, aber die Veranstalter dann einfach 999 Besucher anmelden.
Das ist eine Frechheit, finde ich. In dieser Krise sollten alle Menschen versuchen, mehr Verantwortung zu übernehmen!

Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen mit der Krise?

Worte des Tages vom 15.3.2020

image_pdfimage_print

Bundespolizei
Grenzkontrollen
Knappe Ressourcen
Krisenstab
Ausnahmezustand
5500 Menschen
Hamsterkäufe im grenznahen Bereich
Höchste Alarmstufe
Ausgangsbeschränkung
CureVac
Ostermesse
Sündenablass
Soziale Kontakte
Problemgebiete
Einheitliche Kontrollmaßnahmen
Bundeswehrkrankenhaus
Lohnfortzahlung
Notbetreuung
Regelbetrieb
Videokonferenz
Bewegungsfreiheit
Berufspendler
Kommunalwahlen
Eigener Stift

Die Lehrerin – 2

image_pdfimage_print

Beim Französisch-Kurs gab es vor allem ein klares Konzept: Soviel sprechen, wie man nur kann. Und ihr könnt Euch denken, dass das genau die Schwierigkeit ist, mit der ich mich am meistens herumschlage.
Denn eigentlich rede ich nicht gerne. Durch die viele Computerarbeit habe ich mir das „stille Denken“ angewöhnt, hin und wieder wird ein Text geschrieben oder eine Email verschickt. Das ist „schriftliche Kommunikation“ -und auch sehr wichtig. Im Unterricht aber waren wir gezwungen, ständig zu sprechen. Ich muss zugeben, das hat mich wirklich gefordert, weil man bei einer neuen, ungewohnten Sprache doch eher davor zurückschreckt. Aber was bringt mir eine Sprache, wenn ich sie nicht sprechen kann? Wenn ich kein Gefühl dafür bekomme? Genau das ist auch der Grund, warum ich zu einer Lerngruppe wollte, wo man die Sprache zusammen mit anderen austauscht. Die Theorie vertiefen kann ich hinterher immer noch mit E-Learning oder dem klassischen Buch.

Sprache ist so unglaublich lebendig. Mit der Sprache verbinden wir die Gefühle und Gedanken zwischen Menschen. Es gibt unzählige Sprachen und somit auch unzählige Art und Weisen zu denken. Bei den Vokabeln gibt es sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Englischen. Die gemeinsame Vergangenheit der Sprachen wird sichtbar. Die Franzosen sprechen sehr schön. Es klingt alles weich und angenehm. Sie wollen keine „hässlichen Laute“ in ihrer Sprache, also wird alles glatt-gebügelt und in schöne Watte gepackt. Wer nach Frankreich reisen will, sollte Französisch sprechen können! 😉

Die Lehrerin

image_pdfimage_print

Die Frau mit der endlosen Geduld. Hat ihr Wissen direkt in mein Gehirn gestopft. Nun weiß ich alles, bin genauso schlau wie sie. Dann schaut sie mich an, stellt mir eine Frage und ich komme mir wieder vor wie in der ersten Klasse, als ich noch nichts schreiben, sprechen oder formulieren konnte. Alles, was ich mir gerade zurechtgelegt hatte, ist plötzlich verschwunden!

Aber .. das ist nicht schlimm. Bei ihr darf man auch dumm und unwissend sein. Sie nimmt es mir nicht übel. Mit der endlosen Geduld, korrigiert sie jeden Schüler einzeln und immer wieder, immer wieder. Wie oft haben wir das falsch ausgesprochen? Wie oft gestottert beim Lesen? Wie oft haben wir die Verbform gesucht, die Vokabel nicht gefunden? Ich kann unsere „Fehlversuche“ nicht mehr zählen, aber das tolle ist: Bei ihr macht das überhaupt nichts!

Sie hat die Gabe, die jeder Lehrer und jede Lehrerin unbedingt braucht: Sie nimmt einem die Angst vorm Lernen, sie motiviert, unterstützt und leitet an. Sie geht auf jeden Schüler individuell ein, sie ist motiviert, lustig, freundlich und sie weiß unglaublich viel. Sie ist die beste Lehrerin, die ich je hatte.