Reichtum

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Gestern kam eine interessante Fernsehsendung über besonders reiche Menschen, also Personen, die sich vor allem über persönliche Leistung Reichtümer aufgebaut haben und jetzt zu den „Oberen Zehntausend“ gehören. Beim Schauen der Sendung wurde mir schnell klar, dass es nicht die Leistung alleine ist, die motiviert, sondern vielmehr der Reichtum und die daraus resultierenden Annehmlichkeiten und auch Freiheiten.

Der eine Mann sagte sinngemäß, wenn ihm heute danach sei, nach Timbuktu zu fliegen, mache er es halt einfach. Der andere betonte diesen Aspekt der Freiheit auch besonders, dass er jederzeit machen könne, was er wollte und durch keinerlei materielle Grenzen gehindert sei.

Also jederzeit machen können, was ich will, kann ich auch. 😉 Sieht man mal von den lästigen Pflichten ab, die so was wie Lebensinhalt oder Lebensaufgabe darstellen.

Für mich bedeutet Freiheit, vor allem geistige Freiheit und innere Gelassenheit, die doch ein wenig schwieriger zu erreichen ist.

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Arena

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Deutschland spielt wieder. Nach zwei langen Jahren Fußball-Pause kann man „unsere Jungs“ wieder auf dem Rasen bewundern, wie sie stellvertretend für den Zuschauer Leistung erbringen, sich anstrengen, bis der Schweiß tropft und am Ende hoffentlich siegen.

Fußball ist der deutscheste Sport von allen. Mit Gemeinschaft zum Ziel. Mit Härte zum Erfolg. Durchhalten, bis zum Umfallen, kein Meckern und Jammern zwischendurch. Die Bälle durch Präzision geschossen, der Trainer am Rande anfeuernd, die Spielerfrauen daheim wartend und den umkämpften Mann aufbauend.

Eine kurze Siegespose, männliche Erotik, Bescheidenheit war zu sehen. Der beste Mann von allen, ein tragischer Held, zerrissen zwischen den Fronten und im eigenen Herz, muss er diejenigen besiegen, von denen er einst selbst stand und grau sein Gesicht, beinahe traurig nach dem ersten Treffer.

Doch dann siegt das Kalkül! Es ist nur ein Spiel! Möge der Beste gewinnen! Die Statistik, die Punkte zählen!
Er macht noch einen rein. Kann es nicht lassen. Sein Siegeswille und sein Pflichtbewusstsein dominieren.
Mit dem erlegten Wild fährt er gelassen nach Hause, knallt es den schon wartenden Frauen mit einem Lächeln auf den Tisch und bekommt anschließend sein Fell gekrault.

Fußball ist Männersport. Kampf und Jagd mitten in der Natur. Schonungslos, direkt, archaisch.

Ich liebe diesen Sport.

Leistungsgesellschaft

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In einem Blog wie diesem treten hin und wieder bestimmte Begriffe häufiger auf, die dann aber auf Grund von Zeit- oder Platzmangel nicht näher diskutiert werden können, hinter denen dann eine „kleine Welt“ verborgen bleibt. Wenn ich sehr viel in diesen Begriffen bleibe und diese nie näher erläutere, kann es sein, dass die Texte immer ähnlich wirken, aber nicht weiter in die Tiefe gehen und bestimmte Fragen und Details einfach offenlassen. Das Klären von Begriffen, so wie man sie gerade sieht und denkt, ist daher eine nützliche Methode, das wissenschaftliche und philosophische Denken ein wenig zu trainieren und sich nicht von einfachen Aussagen oder gar Zitaten verleiten zu lassen. Beim Schreiben ist das wirklich sehr einfach möglich und ein Blog bietet zudem den nötigen Schreib-Freiraum, um das mal mit der nötigen Geduld zu tun.

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Erfolg hat seinen Preis

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Jetzt ist es also raus. Die vieldiskutierte dritte Staffel von Germanys Next Topmodel geht zu Ende und Siegerin ist die erst 16-jährige Jennifer mit den „langen Beinen“ geworden. Auch ich habe dieses Medienereignis hin und wieder erwähnt, mal satirisch, mal ernsthaft. Die ersten Folgen habe ich alle geguckt, am Ende hin wurde es mir dann aber langweilig und auch das Finale habe ich nach 15 Minuten Showeffekt und schlechten Dialogen lieber abgeschaltet.

Heute möchte ich mal ganz nüchtern den Effekt und die Wirkung dieser Sendung untersuchen, so wie ich es intuitiv und in Verbindung mit Internet- und anderen Resonanzen verarbeitet und gesehen habe.

Das Rahmenkonzept

Zuerst fällt mir auf, dass diese Sendung ein unglaubliches Gewicht auf das Aussehen und den Schein der Menschen wirft. Wie jemand aussieht und wie sich jemand verkauft, wird ständig diskutiert und es gab sogar ein Punktesystem, ähnlich wie in der Schule, für den messbaren Erfolg bei Castings. Das ganze Wirken der tlw. noch jungen Mädchen wird auf ihren Verkaufseffekt reduziert, geistige oder innere Werte wie Moral, Einstellung, Sozialverhalten sind in den Hintergrund gedrängt worden. Das ganze Konzept so einer Castingshow dient natürlich erstmal dem Prinzip „Geld verdienen“. So wird von der Art und Weise der Show der eigentliche Rahmen eng gesteckt, die Vorgaben für die Aus- und Durchführung scheinen klar: Die Sendung muss möglichst viel Zuschauer vor der Bildschirm locken, denn die Werbekunden zahlen besser, wenn die Einschaltquoten hoch sind. Subjektiv hatte ich bis jetzt in keiner anderen Sendung eines Privatsenders so sehr das Gefühl, von Werbeunterbrechungen oder unbewussten bis sehr bewussten Produkt-Placements überrollt zu werden. Ob das jetzt die Makeup- Empfehlungen im Anschluss der Sendung waren oder das Erwähnen eines Sponsor-Namens, der gerade ein Casting durchführt.

Man hat als Zuschauer schon das Gefühl, dass hier die reale Mode- und Geschäftswelt abgebildet wird, das macht die Sendung zu einer Art Dokumentation und erhöht den Informationsgehalt. Durch die emotionalen Dialoge, ständigen Gefühlsausbrüchen und tlw. kindlich-naiven Statements der jungen Frauen wird das an sich trockene und eintönige Konzept aufgewertet und erhält dadurch erst seine Würze. Es geht ja nicht in der ersten Linie um den Aufbau eines neuen Topmodels, weil wir das schon längst haben, nämlich in Form von Heidi Klum selbst. Nein, diese Sendung muss einfach gut zu sehen sein und möglichst viele Menschen (so wie mich) dazu bringen, darüber zu reden zu schreiben und die Medienresonanz zu erhöhen. So ergibt sich ein rückkoppelnder Werbeeffekt, der wieder in die Einschaltquoten und somit in das Portmonai der Produzenten fließt.

Jetzt übermäßige philosophische Fragestellungen aufzuwerfen oder gar den pädagogischen Wert so einer Sendung zu untersuchen, ist eigentlich überflüssig, weil es darum im Kern nicht geht. Es mag wohl einen pädagogischen oder psychologischen Effekt auf vor allem junge und noch unkritische Menschen geben, ich wage aber zu behaupten, dass das weder beabsichtigt noch berücksichtigt wird, wie es passiert.

Die Sendung eines Privatsenders genießt das legitime Recht, sie so zu gestalten, dass sie lukrativ wird. Moralische Urteile können also nur von außen kommen und es ist auch nicht gesagt, ob diese dann eine Wirkung auf weitere Sendungen haben.

Der Geschmack des Zuschauers spielt allerdings eine Rolle, weil er letztendlich darüber entscheidet, ob die Sendung geschaut wird oder nicht. Und dieser Geschmack lässt sich sehr gut untersuchen.

Zu den Inhalten

Im Kern sieht man sehr viele Frauen, Männer reagieren nur auf Nebenschauplätzen und nehmen die diskreten Rollen von Bewunderern oder Juroren ein. Die ganze Sendung scheint sich inhaltlich vor allem an ein weibliches Publikum zu richten, für die Männer wird viel Ware für´ s Auge geliefert, die Dialoge sind einfach, es passt alles gut zusammen.

Das Rollenbild der Frau ist sehr klassisch gehalten, so wie es die Werbung eben erfordert, so wie man mit der „Ware Frau“ Geschäfte machen kann: Die Frauen müssen diszipliniert sein und stets alle Wünsche der Kunden ohne Murren erfüllen. Kritik ist nicht erlaubt und das öffentliche Reden über eigene Befindlichkeiten führt zu Tadel oder Abwertung im Ranking-System. Der Erfolgsdruck ist hart und steht stets über den sozialen Gruppierungen und den Inhalten der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Die Frauen werden in einer harten beruflichen Welt gezeigt und mit den stets gleichen Sprüchen wird ihnen erklärt, wie sie zu denken haben, welche Sprüche sie auswendig lernen müssen, um den Contest am besten zu überstehen. Inhaltlich gleichbedeutend hat man so etwas oft gehört: „Nur eine kann Germanys Next Topmodel werden“, „Ich möchte an meiner Einstellung arbeiten“, „Es war zwar hart, aber ich will es schaffen“, „Jetzt musst du aber mal Gas geben“, etc.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass am Ende vor allem die Mädchen Erfolge haben, die sehr anpassungsfähig und zugleich intelligent waren (vergleiche hierzu auch den Sieg der Mathematikstudentin Barbara aus der 2. Staffel).

Auf mich wirkt es so, dass die Mädchen im Laufe der Sendung tatsächlich kapieren, worauf es ankommt und man hat hin und wieder interessante, bis erschreckende Persönlichkeitswandlungen miterlebt. Diese Umformung und Manipulation der Persönlichkeiten ist allerdings der Punkt, der gesellschaftskritisch am meisten alarmieren sollte, weil es ein Prozess ist, der sich so in der Berufswelt tausendfach abspielt und viel über die Korsetthaftigkeit von abhängigen Beschäftigten verrät. Die Freiheit, die uns mit den Worten und Werten „Geld“, „Erfolg“, usw. verkauft werden soll, ist – wenn man genau hinschaut- eigentlich keine Freiheit, sondern mehr ein gelenkter und anfälliger Mechanismus, der vor allem im psychologischen Bereich bestimmte Opfer erfordert. Man denke da an die Tränen, als dem jungen Mädchen Gina Lisa die Haartracht abgeschnitten wurde, mit der sie ein Stückchen Biografie und sehr viel Lebenseinstellung verbunden hatte.

Die Mädchen müssen immer bereits sein, ihre eigenen Wünsche hinten anzustellen, Kreativität bei der Ausführung ist nur bedingt erforderlich, meistens geht es um das perfekte Platzieren eines passenden Fotos für ein Produkt. Der Prozess der Schönheitsfindung ist also ein auf Geld reduzierter Prozess der Zufriedenheitsstellung und somit in entfernter Weise gleichbedeutend neben die Prostitution zu stellen.

Pädagogische Konzepte wie anti-autoritäre Erziehung, freier Willen, Unabhängigkeit, eigene Meinung, Kreativität, Beeinflussbarkeit, Offenheit und gegenseitige Toleranz und Gleichwertigkeit sucht man vergebens. Der ganze Prozess des Model-Werdens ist in dieser Sendung ein einseitiger, unmenschlicher und allein auf das äußere Wirken reduzierter Mechanismus.

Am Ende locken das Geld und der Erfolg, die aber im Anbetracht der Art und Weise, wie sie zu erreichen sind, hohl und leer wirken.

Man fragt sich als Zuschauer: Warum sich so quälen und demütigen lassen, wenn ich mir am Ende dafür doch nur ein Haus oder ein Auto in einer luxuriösen Wohngegend kaufen kann?

Niemand von den Beteiligten wagt es, hinter diese Scheinwelt aus Lächeln und Oberflächlichkeit zu schauen und selbst der geschulte Beobachter muss sich immer wieder zwingen, die getarnte Wirklichkeit als das zu entlarven, was sie ist: Oberflächlich, kurzlebig und unmenschlich.

Da dies eine Fernsehsendung mit anscheinend hohen Einschaltquoten und einem guten Marktanteil ist, ergibt sich daraus eine Massenwirkung auf die Meinung und die Denkweise von vielen Menschen. Gerade junge Menschen könnten den Eindruck erhalten, dass die Art und Weise der Erfolgsfindung die beste Möglichkeit darstellt, das eigene Leben zu leben. Vor allem Frauen wird hier ein Rollenbild vorgelebt, das mehr als rückständig ist und eine Art reaktionäres Sicherheitsbedürfnis im Wandel der unsicher werdenden, globalisierten Welt erfüllt.

Lösungen und Fazit

Dass es heutzutage viel um Geld geht, ist allen klar. Castingshows wie GNTM oder DSDS bereiten die jungen Menschen auf eine Berufswelt voller Ellenbogen und Konkurrenz vor und übertünchen die zu erwartende Unmenschlichkeit mit viel Farbe, Licht und Showeffekten.

Auswege aus diesem pädagogischen Dilemma kann nur ein gutes, staatliches Bildungssystem sein und die freie Meinung der Menschen auf solche Sendungen und vor allem auf die vermittelten Werte innerlich zu verzichten und sich vom Erfolgs- und Leistungsdruck um jeden Preis ein wenig frei zu machen.

Der schlaftrunkende Künstler

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Kleiner satirischer Text über meinen Morgen.
Bitte nicht mit der Realität verwechseln- die ist noch viel graumsamer!

Etwas schlaftrunken hebe ich meine Füße aus dem Bett und schaue auf den Handywecker: Es ist erst 10 Uhr. Ich beschließe, doch endlich aufzustehen, die Pflicht beißt mich im Nacken und erinnert mich unbewusst an meine Faulheit. Auf wackligen Beinen wanke ich in die Küche, räume die Reste vom Vortag widerwillig beiseite und setze den ersten Kaffee auf. Zehn Tassen dick und schwarz. Beim Ausleeren des Filters begegnet mir eine Spinne, die sich in der Küchentür, fast unsichtbar auf ihren transparenten Beinen, gemütlich eingerichtet hat. Als ich die Haustür verlasse, merke ich auch warum: Draußen ist es kühler geworden. Noch im Halbschlaf spaziere ich -in den Schlappen schlurfend -weiter zum Hoftor, um die Zeitung in Empfang zu nehmen, nebenbei werfe ich einen Blick auf das gestrichene Tür zum projektierten „Freizeit- und Begegnungscenter R. e.V.“, umgangssprachlich auch Schuppen genannt. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen, als ich feststelle, dass die einheimische Vogelwelt hier so unglaublich aktiv ist und sich gerne auf der getanen Arbeit mit einem Liebesgruß aus Dung bedankt, sowie unzählige Regentropfen den Rand meiner in Schweißtropfen vollendeten Arbeit bewässern- ihr aber nichts anhaben können, da ich den besonders wasserresistenten und auf 10 Jahre konservierenden Hochleistungslack für 17,99 Euro verwendet habe.

Nach diesen frühen Rückschlägen und lebensfeindlichen Eindrücken aus der Außenwelt ziehe ich mich wieder in mein sicheres Schneckenhaus zurück und nehme eine Anti-Depressions-Pille. Erwartungsvoll setze ich mich auf den Stuhl und warte auf die Wirkung. Doch heute passiert irgendwie nichts. Kein Strahlen, kein Grinsen und auch für das Glas Ouzo ist es definitiv noch zu früh.

Dann muss ich den Tag eben so leben, wie er sich heute anbietet: Nass, trübe, grau und kalt.

Als ich darüber nachdenke und gerade in tiefes Selbstmitleid versinken will, meldet sich die Kaffeemaschine mit einem leisen Glucksen und verkündet das nahende Ende des emsigen Durchlaufens (jeden Morgen tut sie das und fragt nicht nach dem Sinn, ich beneide sie dafür). Ich freue mich auf das schwarze Gesöff, was mir ein wenig Wärme und Liebe schenkt.

Zwischenzeitlich denke ich über die Frau nach, die mir in meinen Träumen zuletzt immer wieder begegnet ist und was meine Tiefenpsychologin nun dazu sagen würde. Bin ich vielleicht doch lesbisch? Ich empfinde positive Gefühle für andere Frauen und bin nicht nur neidisch oder zickig. Mit mir muss was nicht stimmen. Ich habe es ja schon immer gewusst!

Dabei wollte ich so gerne Germanys Next Topmodel werden! Das passt aber nicht zum Image. Scheiß Leben.

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