Nano-Viren

image_pdfimage_print

Eine Kurzgeschichte aus dem Weltraum. (Science Fiction)

Burger-Replikator
Nach dem Streß der letzten Tage ist mir eingefallen, dass ich mal wieder was essen muss. Klar, essen muss man eigentlich immer, aber hier auf dem Raumschiff vergesse ich es einfach manchmal. Vor allem wenn ich mit Überlicht-Geschwindigkeit fliege, kann es schonmal sein, dass der Körper und sein Zeitgefühl durcheinander kommen. Ich esse dann einfach, wenn ich Hunger habe! Ein extrem zuverlässiger Sensor! Ich gehe also zum Nahrungs-Replikator und schwebe mit dem Finger über den Display. Hmm.. Lauter bunte, hübsche Icons blinzeln mich an. Eines sieht verlockender aus als das andere. Was hole ich mir denn heute? Meine Wahl fällt auf einen dicken, saftigen Burger, der wirklich lecker und gut ausschaut. Ein dickes, pralles Brötchen und darunter quellt knackig frischer Salat hervor, ein triefendes, saftiges Stück Fleich, kross gebraten, frische Zwiebeln, Gurken, feurig-sauer-süße Soße, genau das was mein Gaumen jetzt braucht. Dazu nehme ich mir noch eine Ladung Pommes. Ihr glaubt gar nicht, wie langweilig das Weltall manchmal sein kann. Wie sehr man sich etwas frisches wünscht, etwas lebendiges, nahrhaftes, biologisches in den Händen zu halten… Ich drücke also auf „enter“ und es dauert keine zwei Minuten, da ist mein Burger produziert und die kleine Schublade aus Edelstahl fährt aus dem Automaten heraus und serviert mir das Gericht. Er dampft sogar! Er sieht teuflisch gut und lecker aus. Ich nehme den Teller mit dem Burger (dieser kommt nachher in die vollautomatische Spülmaschine, eine Erfindung aus dem 20. Jahrhundert, hat sich sehr lange gehalten, nur dass sie heute ohne Wasser arbeitet) und setze mich in die kleine Küchen-Nische mit dem bequemen Sofa aus Kunstleder. Es knarzt etwas, als ich mich hinsetze, jaja, ich weiß hier im Weltall komme ich so selten dazu, Sport zu treiben. Aber das ist Essen ist auch einfach zu gut. (Das ist einer der Gründe, warum ich mich für diese Mission eingetragen habe.)

Als ich mit der Nase am Burger schnuppere, fällt mir auf, dass er nach nichts riecht. Müsste da eigentlich nicht… saftiges Fleich, der feine Duft nach frischem Brötchen, die scharfe Zwiebel- nein- vielleicht die Soße? Ich beiße in den leckeren Burger und schmecke- nichts! nada, absolut nichts! Ich kann es nicht glauben, meine Zunge schmeckt doch den Widerstand, das etwas labbrige Brötchen, die kitzligen Sesam-Körner an der Oberseite, das kräftige Fleich, die spritzende Soße, die knackige Gurke, nur der Geschmack fehlt! Ich kaue weiter und weiter, Bissen für Bissen in der Erwartung, dass es gleich besser wird, schneuze mich nochmal … aber leider nichts, absolut nichts. So eine Enttäuschung!

Ich wundere mich noch ein wenig, ob ich denn nun auch satt davon werde. Rein physisch hab ich den Burger gegessen, nur mental blieb ich auf der Strecke. Keine Freude am Essen, kein Aha-Erlebnis! Seltsame Krankheit. Diese verdammten Nano-Viren vom Planeten Zetta, hätte ich doch nur meine Gesichtsmaske aufgesetzt, wie das hier alle machen. „Aber nein, mir kann doch nichts passieren!“ hab ich noch großspurig vor der Botschafterin angegeben, eine nette junge Dame in einem engen, gelben Kleid, die alle Neuankömmlinge begrüßt und ein eigentümliches Aussehen, aber lockige, blonde Haare hat und fast menschlich aussieht. Und sie ist kein Klon. Das hab ich mir hinterher noch versichern lassen, denn zuerst war ich verwirrt, weil ich meinte, sie schonmal irgendwo anders gesehen zu haben. „Ich bin immun gegen die meisten Viren, das macht die Reise-Erfahrung. haha! Und für alle Ernstfälle hab ich doch noch die medizinische Notfallausrüstung, sie wissen schon, die war sehr teuer, hilft aber gegen fast alles. Bekommen übrigens nur Leute von der interstellaren Führungsebene.“

„Meine Dame“, entgegnete mir die Botschafterin trocken „das mag sein, aber hier auf dem Planeten Zetta haben wir sehr viele Viren, die Atmosphäre und Vegetation des Planeten ist sehr speziell, anders als die meisten anderen Planeten in dieser Galaxie. Viele unserer Viren sind noch in keiner Datenbank der Welt verzeichnet. Ich empfehle ihnen also wirklich, eine Schutzmaske anzuziehen. Hier, wir haben sie in verschiedenen Farben, in pink, in blau, in grün, hier hab ich noch welche mit Muster…“

„Paperlapp, Schutzmaske“ winkte ich nur ab. „Brauche ich nicht! Sehen sie die Luft?“ Ich nahm einen überzogenen, tiefen Zug aus der Nase „Sie ist fantastisch! Und nun arrangieren sie endlich meinen Termin. ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, okay?“
~
Und nun sitze ich hier mit diesem seltsamen Virus. Wer weiß, was er schon alles angerichtet hat. In diesem Falle schmecke ich halt nichts. Okay, kein Problem. Kann sogar beim Abnehmen helfen… [sie hebt ihren rechten Arm und dreht ihre Finger auffällig gegen das künstliche Licht der Kabinenbeleuchtung]. „Und hier ist auch noch nix. Keine Flecken, keine Pickel, keine seltsamen Verwachsungen. Pah! Was soll also die ganze Aufregung?
Moment, spreche ich etwa mit mir selbst? Nein, das waren nur laute Gedanken..“

„COMMANDER, BITTE AUF DIE BRÜCKE!“ Die automatische Computer-Stimme unterbricht meine Gedanken. Ich wische mir noch die letzten Krümel vom Mund und eile nach vorne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.