Mündliche Sprache und Präsentation

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So eine Messe bringt es mit sich, dass man innerhalb kurzer Zeit mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommt, die verschiedensten Typen kennenlernt und sich ständig neu auf andere Menschen einstellen muss. Es geht oft darum, innerhalb von Sekunden eine Gesprächsbasis zu finden, Sympathien oder Anti-Sympathien zu klären, sich inhaltlich und sprachlich auf den Gegenüber einzustellen. Für die Schulung der eigenen Kommunikationsfähigkeit ist eine Messe oder eine Verkaufstätigkeit in dieser Art nur nützlich. Habe ich am Anfang z.B. gemerkt, dass ich noch nach den Worten gerungen oder mich versprochen habe, wurde das Erklären mit jeder Stunde einfacher und am Ende ging es sehr flüssig, so als ob ich alles auswendig gelernt hätte. Selbst die englische Sprache und die entsprechenden Fach-Termini hatten wir uns zurechtgelegt, so dass wir auch ausländischen Besuchern die Apparatur erklären konnten.

Wenn man eher im Schreiben zu Hause ist, birgt die Messe einen gewissen Reiz, direkter und unmittelbarer mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und die mündliche Sprache anzuwenden. Das in Ruhe ausgefeilte Schriftdeutsch ist fehlerfreier und bietet dem Sprecher/ dem Autor mehr Sicherheit. Auf Vorträgen oder Referaten wird hingegen empfohlen, die „freie Rede“ anzuwenden und nicht nur monoton einen Hilfszettel abzulesen, um dem Vortrag eine anschauliche Qualität zu verleihen.

Bei der Messe kommt noch dazu, dass jeder Mensch anders ist, anderes Vorwissen und Fähigkeiten besitzt und inhaltlich nicht alles so kapiert, wie der Vorgänger. Gerade abstraktere Sachen werden von vielen Menschen grundsätzlich gemieden, es fiel auf, wie wichtig ein direktes, bildliches und einfaches Verständnis der dargestellten Präsentation ist. Ein Industrieprojekt wie unseres hat es da deutlich schwerer, als ein Alltagsprodukt. Zur Wiedererkennung haben wir z.B. eine Packung Grieß genommen und sie auf unseren Prototyp gestellt, so dass die Leute schnell sehen konnten, worum es uns eigentlich geht. Aber selbst dann, wenn der erste Wiedererkennungswert da war, wanden sich die Leute wieder ab, als sie merkten, dass es eine technische Apparatur mit vielen Einstellmöglichkeiten, auf dem Hintergrund eines theoretischen und komplexen Gedankengebäudes ist. Eine physikalische Grafik zu einem Farbsystem z.B. erregte kaum Hingucker oder Interesse, obwohl diese vor Farben nur so strotzte. Selbst ein Physiker konnte uns die Grafik auf Nachfrage nicht erklären, ein Informatiker murmelte nur so etwas wie „das muss mit Matritzen gemacht werden!“. Für die Allgemeinheit war wenig Bezug da.

Darüberhinaus ist mir aufgefallen, dass viele Leute in einer Art reden, dass sie einfach ihren aktuellen Wissensstand wie ein Wasserfall vor sich hin erzählen, aber keine Pause machen und sicherstellen, ob das Gesagte überhaupt angekommen oder verstanden worden ist. Es wäre aber ratsam, hin und wieder eine Pause zu machen und auf den Gegenüber einzugehen, damit man sehen kann, wo und wie denn überhaupt Überschneidungen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind!

Als Ausstellerin habe ich natürlich das Gebot der Höflichkeit und werde versuchen, mich auf meine jeweiligen Kunden einzustellen. Aber als (private) Hobbypsychologin und kritische Kommunikationsexpertin fiel mir das schon auf, wie einseitig und ich-orientiert doch viele Menschen reden. Auch ein paar Diskriminierungen kamen vor, es gab Leute, die keinerlei Gebot der Höflichkeit befolgten und ein Mensch fragte mich mit einem Grinsen im Gesicht „ob ich noch etwas anderes außer Kinder produzieren könnte.“ Dieser Mensch fiel mir hinterher auf, dass er von Stand zu Stand ging und die Aussteller mit seinen „Ideen“ belästigte und sich daraus einen schönen Spaß machte. Der Rest der Menschen, ca. 95 Prozent folgte hingegen einem vertretbaren Normbereich und es gab keine Probleme. Mit den unfreundlichen Menschen hingegen würde ich auch keine Geschäfte machen wollen!

Zuhören bietet uns Ausstellern Vorteile, weil die Menschen aus sovielen verschiedenen Fachbereichen kommen, dass sie quasi kostenlos ihr Expertenwissen absspulen und wir hinterher wie ein Computer das Wertvolle vom unwichtigen trennen, verarbeiten und weiterverwenden können. Diese ständige Filterarbeit, in Verbindung mit der Speicherung und der angemessenen Rückgabe von Informationen ist anstrengend. So ist es kein Wunder, dass wir abends sehr kaputt in unsere Betten gefallen sind.

Und noch etwas fiel auf: Wie jeher geht es nur um einen einzigen Faktor: Aufmerksamkeit erhaschen! Wer die meiste Aufmerksamkeit auf seinem Stand bekam, bekam die meisten Ideen, die meisten Rückmeldungen. War die Aufmerksamkeit aber zu profan, war sie qualitativ nicht mehr zu nutzen. In der Mitte liegt der richtige Weg, auch bei der Messe.

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