Moderne Welt und rückwärts gewandte Politik

image_pdfimage_print

„(Männliche) Alleinverdiener als Auslaufmodell“ damit beschäftigt sich dieser interessante Beitrag (auch das dazugehörige Video ist sehenswert). Während im Westen hauptsächlich die „ökonomischen Zwänge“ dafür verantwortlich sind, dass die Frau mit arbeiten geht, gibt es in den neuen Bundesländern auch eine stärkere Orientierung hin zur Gleichberechtigung. So „denken 17% der Menschen aus den neuen Bundesländern, dass Frauen auch Karriere machen soll, aber im Westen nur 5 Prozent.“

Kein Wunder, dass es mit der Gesellschaft, einer sozial orientierten Wirtschaft und dem Feminismus im Westen nicht vorangeht. Wenn die Vorstellungen derart restriktiv und konsverativ sind, wird sich in Jahrzehnten noch nichts ändern. Die Frauen, die mitarbeiten müssen, machen das meistens weil der Lohn des Mannes zum Leben nicht mehr reicht, ein hinreichend bekanntes und leider auch zunehmendes Problem der Ausbeuter- und Niedriglohnjobs. Karrieren, bei denen man 50 Jahre an einer Stelle (möglichst noch vor Ort) und gut bezahlt und sozial abgesichert gearbeitet hatte, werden politisch wegdefiniert und die Wirtschaft nimmt dieses Geschenk gerne an und darf die Menschen nun offiziell weiter ausbeuten (das war unter anderem auch ein Thema in der gestrigen Anne-Will Sendung).

Dass aber nur 5 Prozent der Menschen im Westen denken, dass Karriere für Frauen auch wichtig sein könnte, ist ein Armutszeugnis. Ich bin mir außerdem sicher, dass das nicht nur die bösen Männer sind, die Frauen nun unterdrücken und sie nicht in die Chefetage rutschen lassen (wodurch man mit einer Quote Abhilfe schaffen könnte), sondern dass das auch ein Problem der Rollenmodelle und der Ansichten von Frauen untereinander und vor allem sich selbst gegenüber ist. Hier muss der moderne und tolerante Feminismus noch viel Aufklärungsarbeit leisten und mit ein paar einzelnen Girls Days alleine bekommt man die substanziellen und strukturell tief sitzenden Ungleichheiten nicht in den Griff. Was die Gesellschaft bräuchte, wäre ein modernes Umdenken auf breiter Front, getragen von den Wünschen und Vorstellungen junger Leute. (ähnlich wie bei der Atomkraft und der Diskussion um den Ausstieg)

Ja, der Feminismus hat noch viel Arbeit und es ist im Grunde egal, von welcher Seite man das Pferd nun aufzäumt: Ob es nun die armen Väter sind, die als Alleinverdiener-Pferd vor den Steuer-Karren gespannt werden und deswegen keine Zeit für Familie und Kinder haben, oder die gelangweilten Frauen am heimischen Herd, die vor Sinnlosigkeit ihrer Existenz schon überlegen, wo genau sie den Kochkurs belegen oder wie sie das Geld ihres Mannes am besten ausgeben.

Oder ist es am Ende so, dass es beiden Gruppen ganz gut gefällt und sie eigentlich gar nichts ändern wollen? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Wer unter Zugzwang steht, ist eindeutig die Politik. Zur Schaffung besserer Rahmenbedingungen für Familien und „Doppelverdiener“ und moderne, flexible Arbeits- und Steuermodelle, die den modernen Realitäten angepasst werden. (anstatt z.B. die Hausfrauenehe einseitig steuerlich zu entlasten und alle anderen Lebensmodelle komplett zu ignorieren)

2 Gedanken zu „Moderne Welt und rückwärts gewandte Politik“

  1. ja, das ist bestimmt so. Es gibt in Deutschland noch ein zu starkes Schwarz-Weiß Denken: Auf der einen Seite die Karriere und die damit verbundene 60 Stunden- Woche und ständige Anwesenheitspflicht und dort auf der anderen Seite das „lockere Familienleben“ mit den flexiblen Arbeitszeiten und im Grunde auch einer ständigen Erreichbarkeit und Verfügbarkeit. Wie soll man diese beiden Welten unter einen Hut bringen, ohne die Rollen nach dem Geschlecht her aufzuteilen?

    Ich finde es wird Zeit, dass die Politik ein wenig auf diese Anforderungen (beider Geschlechter) Rücksicht nimmt. Arbeit muss generell menschenfreundlicher und vor allem familientauglicher werden.

    Was derzeit abläuft (Stichwort Leiharbeit, Arbeitsmarktförderung, Bildungspolitik, etc.) ist eher das Gegenteil.

    Keine gute Aussichten für eine Zukunft, die von und für Menschen gestaltet werden soll. Aber eine sehr gute Aussicht für das einseitige Vermehren von Geld und den neoliberalen Kapitalismus.

    lg, Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.