Licht und Schatten

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passende Musik „Peet“ von P. Kalkbrenner

Heute war die Stimmung nicht so gut wie sonst. Es war einfach zu warm. Zu heiß, zu schwül. Alles klebt. Im Gehirn ist nur Matsch. Die Motivation für irgendwelche produktiven Arbeiten geht gegen null. Alles kostet Geld. Überall Barrieren, überall Widerstände. Keiner hilft. Keiner sagt mal was nettes. Man bemüht sich ewig und keiner ist da, der es wertschätzt. Man kann sich nur selbst wertschätzen. So wie man es in 99% der Fälle sowieso immer machen muss.

Die Emotionen sind voll da. Mal so und mal so. Schön, wenn sie nach oben gehen! Aber wehe, wenn sie drohen, wieder in die Tiefe zu fallen. Dann muss schnell die nächste Tablette her. Das hormonelle Anti-Depressivum gegen die Verzweiflung. Die blaue Wunderpille, die hübsch und weiblich macht. Doch es ist wie bei einer Droge: Zuerst wirkt es gut und man hat ein „high“… danach verändert sich der Körper in Richtung weiblich und der Körper will immer mehr davon. Die Seele auch. Die Gefühle auch. Die Identität auch.

Doch bleibt alles nur eine Illusion, eine Täuschung. Geiles Gedankenkino, ohne Frage. Aber nur Einbildung, nur Wunschdenken. Nicht wirklich real. Willkommen in der Zwischenwelt.

Gestern bin ich vom Zahnarzt die viel befahrene Straße nach Hause gelaufen. Ich merke, dass mir die Autofahrer hinter her gucken. Wenn das Auto sehr männlich wirkt und auf Dominanz designt ist, sind meistens auch die Fahrer männlicher und gucken eher zu mir rüber. Und ich gucke auch eher zurück. 😉 Meine Formen haben sich schon verändert, das Gewicht ist weniger geworden. Die Leute fangen an, anders auf mich zu reagieren. Egal, was ich anziehe, mein Gang wird immer weiblicher. Die Fettverteilung hat sich verändert, die Muskeln sind schwächer geworden. Ich fühle mich wie auf dem Präsentierteller. Empfinde es teils als reizvoll, teilweise auch unangenehm. Mein Gesicht wirkt auch weiblich, wenn es ungeschminkt ist. Ich muss es nicht betonen. Aber ich kann es auch nicht verbergen. Auf dem Weg kommt mir eine Gruppe junger Frauen mit Kopftuch entgegen. Wahrscheinlich junge Flüchtlinge. Sie sehen alle sehr fremdländisch aus und haben mal wieder keinen Mut, mir in die Augen zu schauen. Ihre Kultur ist anders als unsere, das merke ich beim ersten Blick. Ganz unverhohlen mustere ich sie von oben nach unten. Ich beneide sie manchmal um ihr Kopftuch und dass sie sich verstecken können, wenn ihnen danach ist.

Die eine Frau trägt ein Kind auf dem Arm. Sie gehen zum Bus.
Ich gehe zum Auto und stelle fest, dass zwischen ihnen und mir nur noch eine ganz kleine Distanz ist. So geht es mir im Moment mit vielen Frauen. Die Resonanz zu ihnen wird viel stärker. Ich kann mich besser in sie hineinversetzen. Und alles männliche rückt von mir ab, gewinnt daher an Reiz.

Die Zahnarzthelferin war heute sehr freundlich und hilfsbereit. Sie hat das richtig klasse gemacht mit der Zahnreinigung. Sie war sanft und hat mehrfach gefragt, ob es mir weh tut und ich eine Pause brauche. Ja, hat weh getan, aber dennoch ist sie so gefühlvoll und erfahren vorgegangen, dass mir fast die Tränen vor Rührung gekommen wären. Da ist jemand, der sich um mich kümmert. Der sein ganzes Berufsleben dafür hergibt, anderen Menschen hübsche Zähne zu machen und die Ängste zu nehmen. Ich fand sie so klasse. Dann hat sie noch ganz ausführlich die Zahnreinigungstechniken und verschiedene Zahnbürsten (elektrische) erklärt. Als kleinen Bonus hab ich noch eine Zahnpasta gegen Zahnfleischbluten und eine kleine Bürste für die Zwischenräume bekommen.

Nach der Zahnreinigung musste ich noch ca. 30 Minuten auf dem Zahnarztstuhl liegen (fast ganz nach hinten) und eine bequeme Position für den Kopf suchen. Warum haben sie mich nicht gleich fixiert? „Der Doktor kommt gleich, bitte haben sie noch etwas Geduld!“ Also hatte ich noch etwas Geduld. Schließlich bin ich ja auch sehr gut behandelt worden, die Frau hat mal wieder die Arbeit gemacht. Dann kam der Chef, ein sehr netter freundlicher Arzt, der auch Kinderbuchautor sein könnte, der aber mit seinen Werkzeugen auch höllische Schmerzen bereiten kann. Er guckt kurz mit dem Spiegel in meine Kauleiste, murmelt etwas, guckt nochmal rechts und nochmal oben und meint dann, dass ich ruhig öfters kommen kann, wenn das nicht besser wird mit der leichten Entzündung. Ich auch die Zahnreinigung öfters machen sollte. Weiß ich ja. Hab nur meistens keinen Bock drauf. 😉

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