Laffer-Kurve und andere Schieflagen

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Nächstes Thema, andere Zeitung. Diesmal geht es darum, dass in Deutschland der „Fleißige der Dumme“ ist.

Wie so oft, trifft hier die eher konservative „Welt“ mit ihren Beiträgen in das Herz der Leistungsträger-Mittelschicht. Der Artikel ist recht gut geschrieben, hier geht es um die Tatsache, dass man eine Steuerlast im Land nicht „unendlich hoch“ schrauben kann, sondern dass es Grenzen gibt und das Steueraufkommen durch bestimmte Gegenreaktionen der Bürger dann tlw. sogar wieder zurückgeht. Erklärt wird das z.B. mit der Theorie von Arthur Laffer mit seiner berühmten Laffer-Kurve.

Daraus folgt ein wichtiges Fazit, wenn man durch eigene Mehrarbeit sowieso überproportional viel an Steuern und Sozialversicherungsabgaben zahlen muss, ist es nur sinnvoll („rational“), die Arbeitszeit zu reduzieren und sich eben nicht zusätzlich anzustrengen. Der eigenen Anstrengung wird durch Aufbau des Steuersystems eine Grenze gesetzt. Die kalte Progression nimmt z.B. einen großen Teil von Gehaltserhöhungen weg, wenn man Pech hat. Ähnliches gilt übrigens auch für die Erwerbsarbeit von Frauen, die meistens steuerlich benachteiligt wird, wenn sie z.B. in einer Ehe leben!

Dementsprechend habe ich dann auch meinen Kommentar formuliert, der so lautete:

Früher wurden die Leute ausgebeutet, indem die Arbeitszeiten unmenschlich und die Bedingungen schlecht waren. Heute werden Sie vom Staat über die hohen Belastungen ausgebeutet. Ist klar, dass man sich da freiwillig mit dem Engagement zurückzieht. Vor allem wenn man sieht, was alles mit den Steuergeldern angestellt wird. „Für sein Land einsetzen“ ist ja auch keine Option mehr, da wir jetzt alle Europäer sind. Die offenen Grenzen signalisieren zudem, dass es egal ist, ob man hier geboren ist oder nicht. Woher soll die Motivation zu mehr Anstrengung und Arbeit kommen?

Dieser Beitrag hat bis heute (23.06.2019) 430 Likes bekommen und es gab noch einige weiterführende Kommentare dazu.
Zusammenfassend denke ich, dass so eine Meinung eine hohe Zustimmung erhält, weil es hier um die subjektive Einschätzung der Situation im eigenen Land geht. Man wird verpflichtet, einen hohen Abgabebeitrag auf Arbeit zu leisten, also möchte der einzelne auch wissen, was mit dem Geld passiert. Das ist eigentlich nur gerecht. Einfach nur „Geld abdrücken“ und dann sehen, wie es anderer Stelle verschwendet wird, ist sehr schwer zu ertragen. Dennoch gibt es nur wenige Politiker, die sich für die „Steuerzahler“ einsetzen. Ähnliches gilt für die Grenzen und das „Nationalgefühl“. Für den Menschen ist es leichter, sich für eine kleine Gruppe (z.B. die Familie) zu engagieren, als für alle. Das ist evolutionstechnisch gar nicht sinnvoll. Wer überleben will, muss dafür sorgen, dass es seiner eigenen Familie zuerst gut geht(!). Das ist überall im Tierreich so, warum sollte es beim Menschen anders sein? Evt. kann man noch ein „Gemeinschaftsgefühl“ erzeugen, indem man sich für den eigenen Ort oder den Landkreis engagiert. Aber da hört es bei vielen schon auf. Eine Motivation für das „eigene Land“ aufzubauen, ist noch schwieriger. Vor allem, wenn es keine aktuellen Krisen gibt (z.B. Hochwasser), ist sich erstmal jeder selbst der nächste. Denn es ist viel schwerer zu begreifen, was das eigene Land eigentlich ausmacht. Zumal in Deutschland ja jeglicher Nationalismus gleich als „böse“ bewertet wird und man es sich nicht vorstellen kann, dass es hierbei auch positive Aspekte geben kann. Noch diffuser ist eine Einordnung als „Europäer“. Wo soll dieses Europa beginnen, wo soll es aufhören? Wo ist das gemeinsame Gefühl? Wo ist die kulturelle Basis, auf der wir alle wachsen, damit wir uns so nennen können? In der geschichtlichen Vergangenheit war Europa ein Flickenteppich aus unterschiedlichsten Fürstentümern, Kaiserreichen, Interessenguppen und meistens lag man miteinander im Krieg. Da ist (außer der euopäischen Union) erstmal nichts „gemeinsam gewachsen“.

Und die Globalisierung und die Tatsache, dass wir plötzlich „für die ganze Welt und alle Leidgeplagten“ darin zuständig sein sollen, ist noch viel schwerer zu vermitteln. Zumal die Steuerbelastung ja meistens die arbeitende Bevölkerung betrifft und Großkonzerne, reiche Erben, Internet-Giganten (Amazon, Facebook, Google) und Banken, die richtig viel Geld erwirtschaften, überdurchschnittlich verschont werden. Man erwartet also vom „einfachen Mann“ Solidarität für alle Armen dieser Welt, aber die großen Player lässt man laufen. Das ist einfach nicht zu vermitteln, hier muss die Politik scheitern. Und was die Grünen in ihrem Aufwind derzeit veranstalten, kann man eher als „Öko-Populismus“ denn als sinnvolle Politik bezeichnen. Auch hier gibt es Ideologie und auch hier wird eigenes Gedankengut ziemlich rücksichtslos und mit Härte durchgesetzt. Das gezielte Aushöhlen des Industrie- und Leistungsstaates Deutschland wird zuerst die einfachen Leute und die Industriearbeitsplätze beschädigen, währenddessen die grünen Büro- und Verwaltungsjobs und die Lehrerstellen natürlich erhalten bleiben. Die Ausgrenzen von Andersdenkenden, z.B. wie der AfD geht in eine Richtung, die wir einem „freiheitlich-demokratischen“ Land eigentlich nicht akzeptieren sollten.

Ich hatte am frühen Morgen noch einen Beitrag auf Twitter gelesen, in dem sich „Kaffeecup“ zu einem Beitrag von Friedrich Merz äußert, der betont, dass wieder ein positiver Nationalismus benötigt wird („Wir müssen das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Nation, das Nationalgefühl in Deutschland ernst nehmen und wieder als ein wichtiges Thema ansehen- ohne dabei nationalistisch zu werden“)

Erwartungsgemäß wurde dieser Beitrag von den zumeist links-intellektuellen Twitter-Nutzern schlecht geredet. Es kann sich anscheinend keiner vorstellen, dass es auch einen Zusammenhang zwischen „positiven Nationalismus“ bzw. einer „Vaterlandsliebe“ gibt, die dann dazu führt, dass man sich für sein eigenes Land verantwortlich fühlt und sich stärker dafür einsetzt! Aber was wird bei Kaffeecup denn eigentlich beklagt? Wohnungsnot, Pflegenotstand, Lehrer- und Ärztemangel, soziale Ungerechtigkeiten, Umweltzerstörung, Klimawandel, etc.

Das sind alles Probleme, die man eher und leichter angehen würde, wenn sich der Einzelne stärker verantwortlich fühlen würde! Denn in einem Beruf wie der Pflege zu arbeiten, kann man nur leisten, wenn man andere Menschen und sein Land überdurchschnittlich liebt. Von der Bezahlung kommt die Motivation bestimmt nicht. Ähnliches gilt für den Beruf des Lehrers, der von einer starken persönlichen Grundmotivation getragen sein muss. Umweltzerstörung und Klimawandel sind eher Probleme, die durch Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene gelöst werden müssen. Auch hier ist eine Bekenntnis zum eigenen Land wichtig, denn nur so kann ich bei Verhandlungen ernst genommen werden.

In der jetzigen Welt-Situation ist es so, dass wir eine gewisse Grenzenlosigkeit und Enthemmtheit erleben:
Die Menschen stehen durch die Globalisierung enorm unter Druck. Wenn sie eine gewisse Arbeit im eigenen Land nicht für einen Hungerlohn und mit ausbeuterischen Rahmenbedingungen verrichten wollen (z.B. Altenpflege, Paketbote, Bademeister, BäckereiverkäuferIn, etc.) dann ist es doch klar, dass man sich einfach Leute aus dem Ausland holt, indem man die „Grenzen schleift“. Grenzenlosigkeit ist nämlich immer ein Vorteil für die großen Weltkonzerne, für das Staatswesen (je größer, desto mächtiger) und zum Nachteil der kleinen Leute. Diese profitieren von geschützten Rahmenbedingungen eher, als gut ausgebildete, anpassungsfähige und flexible Menschen mit dem nötigen Kleingeld für Berufs- und Lebensveränderungen.

Wer am oberen Ende der Leistungs- und Ausbildungsskala steht, hat mit den enormen Globalisierungs- und Wettbewerbsdruck nicht so große Probleme. Und es ist anzunehmen, dass die meisten Menschen, die sich intellektuell auf Twitter äußern

– eine gute Ausbildung, zumeist Abitur haben
– Studiert haben und gelernt haben, sich über Schrift und Sprache auszudrücken und zu argumentieren
– eher einen Bürojob unter geschützten klimatischen Bedingungen haben mit der nötigen Zeit, sich auch auf Twitter zu beteiligen
– die Bildung und das Bewusstsein haben, dass die Teilname an der politischen Öffentlichkeit wichtig für die Demokratie ist

Mein persönliches Fazit lautet, dass es ja nach Medium sehr unterschiedliche, politische Ansichten und Gesinnungen gibt. Und dass ich durch das Kommentieren bei Zeitungs-Artikeln eher Leser und Zustimmung erhalte, als wenn ich das nur in meinem eigenen Blog mache.

Es ist auch viel interessanter, weil man auf großen Plattformen mit mehr unterschiedlichen Meinungen konfrontiert wird und dadurch die eigenen Positionen öfters hinterfragen und neu durchdenken muss.

Für unser Land sehe ich allerdings schwarz, wenn die nötigen Reformen nicht endlich angegangen werden. Und durch die jahrelange Untätigkeit der Politik ist mittlerweise einiges aufgelaufen !

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