Hausfrauenschicksal

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Zu allem Überfluss hatte jetzt der Computer auch noch den letzten Text verschlungen und sich auf ein Weiteres dumm und ungeeignet gezeigt, der jungen Frau die Arbeit abzunehmen. Nachdem sie schon im Supermarkt mehr orientierungs- und richtungslos umhergeschweift war und sich darüber geärgert hatte, dass ihr ständig die Einkaufswägen vor die Laufroute geschoben wurden, war das der notwendige Tropfen, der sie völlig aus dem Gleichgewicht brachte.
Erhellend wirkte da nur die Zeit, die die Menschen mit einem gemütlichen Plausch in aller Ruhe verbrachten, während andere gehetzt von einem Regal zum anderen liefen und in der Sparte „Berufstätig und wenig Zeit“ eine seltene Besetzung des derzeitigen Kundenstamms darstellten. So wunderte es auch nicht, dass die meisten Einkaufswägen eher spärlich beladen wurden und die Leute sich viel Zeit nahmen, die Angebote und Preise zu vergleichen, um ja das richtige Produkt zu wählen. Den ganzen Tag schon war die junge Frau in einer weinerlichen Stimmung gewesen, die ungefähr gestern begann, als ein schon seit geraumer Zeit verschicktes Paket zurückkam, nur weil das Lesegerät der Post die Schilder mit Absender und Empfänger verwechselt hatte.

In Befürchtung über die folgende, negative Bewertung eines anderen Menschen stieß sie einen inbrünstigen Schwall an Wasser und Schluchzen aus, der dann schließlich darin resultierte, dass ihr Mann endlich mal ein paar tröstende Worte über die Lippen kamen und die Situation sich dank ausreichender Streicheleinheiten schnell wieder beruhigte.
Der Anblick in ihrem Zuhause war trostlos und neben den Bergen von Wäschen, die zu legen und zu sortieren waren, wartete der Lebensmittel-Schrank auf eine Durchsicht und Entrümpelung. Auch das Balkongeländer war nach dem Willen des Handwerk-Oberaufsehers nicht mit der ausreichenden Sorgfalt gestrichen worden, so dass ihr nun eine unbezahlte Überstunde verordnet wurde.
Sie hatte gerade einen Besuch abgesagt und fühlte sich jetzt unglaublich mies, weil sie nicht in der Lage war, weitere Menschen mit Speis und Trank zu bewirten und sie emotional und körperlich ständig an ihre Grenzen gestoßen wurde. Die Erkältung und andere Krankheiten, die sich ständig durch Kratzen und Unwohlsein in allen möglichen Körperteilen bemerkbar machten, waren ihr ständiger Begleiter, mit dem sie schon gut vertraut war.
Vor allem emotional war sie ein schönes Übungsheft für den angehenden Psychologen, der eine Freude daran gehabt hätte, sie mal gründlich zu untersuchen, und die zweitausend Merkwürdigkeiten in ihrem Kopf kategorisch zu sortieren und mit Namen zu beschriften.
Der Versuch aber, diese eigene missliche Lage mit genügend Muße, Versenkung und Geduld zu begegnen, scheiterte meist daran, dass dann die Arbeit liegen blieb und sie abends nichts vorweisen konnte, was ihrem Leben einen Sinn oder eine Berechtigung gegeben hätte.
Eben gerade kam die Post in Haus geliefert. Sie freute sich auf eine nette Postkarte oder die Benachrichtigung vom letzten Gewinnspiel. Mit einem Lächeln im Gesicht hüpfte sie zum Briefkasten, schloss ihn mit hektischen Bewegungen und zittrigen Fingern auf. Es war tatsächlich ein Brief darin. Sie riss den Umschlag auf, zog das gefaltete Blatt Papier heraus und las den Text. Dort stand, dass sie eine Stromkostennachzahlung in Höhe von 6700 € binnen zwei Wochen zu leisten hätte.
Sie wurde weiß im Gesicht und ging auf allen Vieren rückwärts zurück in die vier Wände.
Dort setzte sie sich an den Bügeltisch und dachte 2 Minuten über ihr zukünftiges Leben und ihre Zukunftsaussichten nach.
Etwas frustriert über diesen Vorgang, biss sie in das zart ummantelte Stromkabel vom Bügeleisen und setzte ihrem Leben ein schnelles und unbürokratisches Ende.

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