Frau Piotrowski – 3

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Nachdem du genug getrunken hast und dein Schwarm definitiv nicht mehr kommt, beschließt du nach Hause zu fahren. „Nach Hause“, wo war das nochmal? Du strengst deinen kleinen süßen Kopf an, aber es kommt fast nichts raus.

Mit Müh und Not findest du den Autoschlüssel in deiner überfüllten Handtasche. Das Auto steht gleich um die Ecke. Du lässt den Motor an und fährst in Schlangenlinien durch die Nacht.

Es regnet. Es ist windig. Der Seitenwind verstärkt deinen unsicheren Fahrstil noch. Scheißegal denkst du dir und rülpst.

Zu Hause ist Licht in der Garage. Da fällt dir ein, dass da noch jemand ist.
Du hast seinen Namen vergessen. Du nennst ihn nur noch „Lusche“ oder „Depp“.

Der Depp steht in der Garage und baut mal wieder irgendwas. Du fährst schief in die Garageneinfahrt und erwischst einen Blumentopf. Scheißegal, denkst du dir.

„Na“ sagst du zu ihm. Auf mehr hast du keine Lust.
Er bastelt an irgendwas. „Was ist das denn?“ du schaust ungläubig auf die Maschine, die er sich da gekauft hat. Es ist ein riesiges Teil, das die ganze Garage verstopft.

„Hi Schatz, schön dass du da bist. Schau mal ich hab mir einen Rasentraktor gekauft.“

„Einen was?“ Du reißt die Augen auf. Sofort wirst du sauer.

„Ja einen coolen Rasentraktor. War im Angebot. Hat nur 2.500 Euro gekostet. Und dazu gab es noch eine Häckselmaschine.“ Die besagte Maschine steht noch in Folie in der Ecke. Sie sieht riesig aus. Und überflüssig.

Du merkst wie es in deinem Gesicht weiß und kalt wird. Ein Rasentraktor.. im Dezember.
Weil ja auch im Moment soviel Rasen wächst.

„Aha“ das ist das einzige was du rauskriegst. „Du weißt aber schon, dass ich das Geld eigentlich für was anderes gebraucht hätte?“

„Ja tut mir leid Schatz. Du kannst deine Sachen ja dann später kaufen.“

Du sagst nichts mehr und gehst ins Haus.

Da ist noch irgendwer. Du hast sie fast vergessen.
Deine Tochter. Sie ist krank und liegt im Bett. Sie will mit dir reden. Aber du hast irgendwie keine Zeit.

„Hallo Mama“ sagt sie und guckt dich mit großen Augen an. „Wo warst du?“
„Hi Schatz.. ich war.. weg.. hab jemand getroffen. Oder zumindest versucht, jemand zu treffen.“

„Du siehst traurig aus, Mama.“
„Ja..echt? hm..“

Sie hustet. Du machst ihr was zu essen. Eine warme Suppe. Und hörst ihr zu.

Dann kommen die Tränen.

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