Eine Insel- Teil 2

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SI3

Erster Teil

Als sie endlich angekommen war, wurde es schon dunkel. Der schöne Sonnenuntergang hatte sich in ein dunkles, intensives Blutrot verändert und in der Ferne sah man ein kleines Segelschiff als Silhouette auf dem Horizont… Sie war etwas aufgeregt und als sie sich an den kleinen Tisch mit Blick aufs Meer gesetzt hatte, merkte sie, wie ihr Herz heftig am Hals pochte. Durch sie Aufregung war sie sehr schnell gelaufen, schneller als normal. Ein wenig Angst hatte sie, dass sie vielleicht zu spät sei und er jetzt endlos warten müsste. Doch er war zum Glück noch nicht da. Sie hatte ein wenig Zeit, über die Runde der anwesenden Gäste zu schauen, einen kleinen beobachtenden Blick aus dem Augenwinkel zu starten. Viel war noch nicht los. Das Lokal war für die guten Live-Musik bekannt und da heute Freitag war, ging das Ganze erst spät los. Sie bestellte sich einen Tequila und ein Glas Mineralwasser mit Zitrone.

Eigentlich hatte sie auch Hunger, aber durch die Aufregung würde sie garantiert keinen Bissen herunterbekommen. Mit zittrigen Fingern kramte sie in ihrer kleinen Handtasche und holte einen schwarzen, glänzenden Spiegel hervor. Mit fachmännischem Blick musterte sie schnell ihre Gesichtskonturen und die Textur des Makeups. Keine Ränder am Hals und auch der Mascara und der Eyeliner hielten noch. Beruhigt klappte sie ihn wieder zu und atmete tief durch.

Beinahe wäre ihr langweilig geworden, da setzte schwere, E-gitarrenbasierte Musik aus den Lautsprechern ein. Sie war etwas laut eingestellt, aber die junge Frau mochte es. Augenblicklich kippten ihre Gefühle um. Sie merkte, wie der Alkohol wirkte und sich ihr Denken veränderte. Der Rhythmus des Schlagzeugs belebte das Denken und Fühlen.

Die Farben an den Wänden erschienen ihr plötzlich intensiver und leuchtender. Ihrem Magen tat der Schnaps nicht gut, da sie keine Grundlage gelegt hatte. Mutig bestellte sie noch einen Zweiten. Sie wollte sich Mut antrinken.

Nach dem dritten und auch nach dem vierten Glas war er noch immer nicht gekommen.

Etwas besoffen blickte sie in das Glas und stellte sich vor, er würde aus dem Glas kriechen. Das eine Auge hielt sie sich zu, mit dem anderen stierte sie auf den Boden des kleinen Gefäßes.
Doch soviel wie sie blinzelte, er kam nicht heraus. Sie wurde langsam unruhig, ungeduldig und als er nach dem sechsten Glas immer noch nicht da war, bezahlte sie, stand auf und verließ genervt den Raum.

Ein Gedanke zu „Eine Insel- Teil 2“

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