Die Maske

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Passender Song : Korn- Wake up

Hinter dem ständigen Lächeln und dem Habitus des fleißigen Menschen schlummerte eine tiefe Unzufriedenheit und eine innere Verzweiflung, die sich an manchen Stellen wie Säure Löcher in ihre perfekte Maske der Anpassung gefressen hatte.
Man sah es ihren Augen und ihrem verkrampften Gesichtsausdruck an, dass sie stets perfekt sein wollte, doch aber nie genügte und einen unverarbeiteten Komplex mit sich herumschleppte, der ihr die Schritte schwer werden ließ und sie eins ums andere Mal zur Verzweiflung brachte. Alle waren Schuld, die Welt war Schuld, die Egoisten waren schuld und ständig wurden neue Gegner gesucht. Doch der größte Gegner war sie sich selbst. Und den konnte sie nicht überwinden. Er stand immer vor ihr, immer im Weg.

Sie hätte so gerne genügt, sie wäre so gerne geliebt worden. Doch in dieser Welt der Ellenbogen und des Profits zählten ihre Werte nichts. Eine Frau sowieso nichts. Und eine naive Frau doppelt nichts.

Lange hatte sie versucht, die gute Seite in ihr abzuschütteln, sich gegen sich selbst zu stemmen und ihre auf Vernunft gegründeten Einstellungen zu eliminieren. Sie wollte endlich stark sein. Groß und mit Macht gesegnet.
Je mehr sie es versuchte, desto mehr scheiterte sie. Es war traurig, diesen Kampf mit anzusehen. Wie ein kleiner wuscheliger Hase, der gegen einen hungrigen Löwe kämpfte. Der Löwe war die Welt und die Gesellschaft und der Hase war sie. Sie hatte keine Chance. Der Löwe gewann.

Derartig an die Wand gedrängt und beinahe als Futter verwertet, hatte sie kaum noch Alternativen. Auch wenn sie nicht wollte, eine Veränderung musste her. Jetzt.

Sie riss sich das Fell vom Leib. Zertrat ihre gehasste Maske mit den wuscheligen süßen Ohren und grunzte freudig dabei. Dann wuchsen ihr wie durch ein Wunder große starke Flügel, mit der sie endlich von der Erde abheben konnte. Der Löwe guckte nur blöd, aber er wurde bald immer kleiner. Lachhaft, dieses zarte, liebebedürftige Kuscheltier! Eine Runde Mitleid für das Raubtier… Kätzchen.

Die Flügel waren ihr neues Selbstbewusstsein und ihre Krallen die nötige Aggression, mit denen sie Gegner vom Leib halten konnte. Ihr Blut war grün geworden und ihre Augen verdunkelten sich zu kleinen Schlitzen. Plötzlich sah sie viel besser, viel schärfer und sie lernte, zu trennen.

Um, endlich- diese Welt zu verlassen. Und – endlich – sich irgendwo anders, weit weg in einer wesentlich besseren, anderen Welt, niederzulassen.

Als sie aufwachte, lag sie immer noch im Bett. Aber irgendwas war anders.

Sie war so glücklich wie seit Jahren nicht mehr.

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