Die Erd-Mission 2

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—– hier geht´s zum ersten Teil —–

Es dauerte nicht lang und das Expeditionsraumschiff war über dem Himmel von Tibet angekommen. Die Mannschaft drückte sich die Nase an den Panorama-Fenstern platt und stürzten die mitgereiste Putzfrau angesichts der vielen Abdrücke auf der Scheibe in eine tiefe Sinnkrise. „Da- ich kann einen Berg sehen“ rief der Wissenschaftler.. „ich sehe Schnee, oh ich liebe Schnee!“ freute sich die Praktikantin. „Ob wir auch den Dalai Lama treffen werden?“ fragte sich der Ethik-Beauftragte Moses Petemal und setzte die Stirn in Falten. Das hatte er schon oft gemacht, denn seine Stirn war tief zerfurcht von Zweifel- und Sorgenfalten.

„Nun Kinder, jetzt ist es also gleich soweit…“ der Kapitän erhob sich vom Stuhl, räusperte sich und wollte eine kleine Ansprache halten. Seine Haare waren schon etwas licht auf der oberen Schädelhälfte, aber gekonnt kämmte er die Haare so, dass es niemanden auffiel. Ein wenig Gel noch und sie hielten garantiert den ganzen Tag lang. Er war stets bedacht, seine beste Seite zu präsentieren, schließlich war er der Chef und durfte keine Schwachstellen zeigen. Ihm war klar, dass er das unangetastete Vorbild für seine Mannschaft war und diese Rolle liebte er.

„Jetzt muss ich nochmal fragen: Hat jeder von euch seine Ausrüstung gepackt? Tarnschilde dabei? PDA-Geräte? Energie-Ration für die ersten beiden Wochen? Sprechgeräte?“

„Mein Nahrungsreplikator hat in der letzten Zeit etwas gesponnen“ warf die Praktikantin ein „ich weiß nicht, woran das liegt, ob nochmal jemand danach schauen könnte? Egal was ich mache, es kommen immer nur Münchner Weißwürste und Brezeln dabei heraus.. dabei bin ich doch eigentlich Vegetarierin! Urgs!“

„Kein Problem, ich bin ja auch dabei..“ Oberschlau grinste schon wieder und näherte sich etwas der jungen Frau. Er hatte leichten Mundgeruch, wie ihr jetzt auffiel. Etwas angeekelt von dem großen, rotblonden Mann machte sie einen Schritt zur Seite. „Zeig mir das Ding doch mal“. Die Praktikantin übergab ihm das kleine, brieftaschengroße Gerät und seufzte. „Hier, kannst ja mal schauen…“

„So, nachdem das geklärt ist- gibt es noch Fragen?“ Der Chef schaute in die Runde. Niemand bewegte sich, nur die Köpfe schüttelten sich leicht.

„Der Leiter der Außenmission wird Herr Oberschlau, vertreten durch Kolbenumdreh. Kinder, ich möchte, dass ihr auf die beiden hört, okay? Ich kann euch leider nicht begleiten, weil ich noch Papierkram erledigen muss, aber in ca. einer Woche komme ich dann nach. Ihr habt die Funkgeräte dabei, ich möchte regelmäßige Meldungen hören, okay?

„Ja Chef. “ Die siebenköpfige Mannschaft bestätigte im Chor. Dann meldeten sie sich ab und gingen im Gänsemarsch- streng nach Dienstgrad geordnet- zur Shuttle-Station.

Als sie sich alle in das winzige Schiffchen gezwängt hatten, startete der Navigator und sie segelten geräuschlos und ungesehen zur Erde. Die Technik der Außerirdischen war sehr weit entwickelt. Es war ihnen sogar möglich, ihr Äußeres derart anzupassen, dass sie den Menschen ähnelten. Dazu mussten sie noch ein paar Einstellungen am Raumanzug vornehmen und ein Mischbild- das aus gesammelten Daten über Kleidungsstile und Aussehen von Millionen Menschen generiert wurde- legte sich wie ein Hologramm über ihren eigentlichen Körper. Durch modernste Multiflex-Fasern konnte der Anzug Fasern und Beschaffenheit derart umprogrammieren, das sie auch bei Berührung nicht von Menschen zu unterscheiden waren. Allerdings hing der Erfolg vom Computerprogramm ab und dies war erst Version 1.0. Kolbenumdreh hatte noch auf der Reise daran herum experimentiert und der Mathematiker Prof. Thorben Wurzeltreu hatte ihm dabei geholfen.

Alles in allem waren sie mit dem Ergebnis zufrieden. Über Menschen wussten sie nicht viel, so dass jeder erstmal ein Zufallsprogramm startete.

„Ey hübsch hübsch“ Kalle Oberschlau grinste mal wieder und sah sich den Wissenschaftler an „wie mir scheint, ist aus dir Grünling ein echter Dunkelhäutiger geworden! Steht dir gut. nur die Lippen finde ich etwas übertrieben. Da würde ich noch dran rumstellen.“ Möbius blickte in den kleinen Spiegel, der auf der Innenseite der Gürteltasche befestigt war und musterte sein Gesicht „Ja du hast recht, Moment ich verändere den Parameter… so besser?“. Auch die Stimme wurde jetzt eine Oktave tiefer und nahm die natürliche Lage eines 90 kg schweren Erdling- Mannes an.

„Viel besser….“ die Lippen verkleinerten sich augenblicklich.. auch die anderen Körperteile konnte man in Echtzeit noch verstellen. (was mitunter missbraucht wurde..bei manchen Sachen brauchte man ein Passwort)

Die anderen Mitglieder waren mit ihrem Aussehen ebenfalls recht zufrieden und konfigurierten die Tarnprogramme. Über Menschen wusste man nicht viel, so dass das Ganze ein Rätselraten war. Man musste den Daten des Computers trauen und hoffen, dass genügend Parameter gemischt und berechnet wurden.

Nach ca. einer Stunde Flug kamen sie endlich auf der Erde an und landeten das Mini-Schiff abseits der Zivilisation auf dem Plateau eines größeren Berges. Sie verließen das Shuttle und blinzelten in die Sonne. Die Steine knirschten unter ihren Stiefeln, als sie ein paar Schritte gingen.

„Ah fast wie zu Hause!“ die Praktikantin freute sich. „Und schaut mal, der viele Schnee auf den Wipfeln. Hach ist das schön.“

„Nun, lasst uns losgehen, bis zum nächsten Dorf ist es bestimmt noch eine Stunde Fußmarsch“. Kolbenumdreh hantierte mit dem PDA und richtete die Koordinaten nach Norden aus.

Die Mannschaft folgte seinen Worten und so machten sie sich alle auf den Weg.

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