Das Kornfeld

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Einzelne Blume

.. Passendes/ Gehörtes Lied beim Schreiben ..
.. oder das (für Freunde der klassischen Musik)…

Gleich eines vorneweg: Dies wird keine tiefschürfende und Ozean-Übergreifende, tiefseetauchende und Quellen-getränkte Meta-Analyse, es wird keine Doktorarbeit, kein Küchen-Protokoll, kein Pamphlet, kein Kommentar und garantiert einhundert Prozent Journalismus-Etiketten-Frei. Es wird Rechtschreibfehler geben, kuriose Neologismen, wie nur ich sie mir ausdenken kann und ja- es wird sogar ein Stückweit political uncorrect, es wird etwas unlogisch, widersprüchlich, es wird launenhaft, weiblich und dümmlich sein. Es wird so frei von Anspruch sein, wie die Wüste Gobi, aber doch so unendlich schwarz und langweilig wie die nächste frisch geteerte Autobahn und – ganz wichtig, es wird am Ende sogar ein wenig gerade geschnitten und korrigiert, so wie die Hecke des freundlichen Herrn Nachbarn um die Ecke.

Weizenfeld

Und wie mir die Nachbarskinder ihre Kehle an die frisch gestrichene Wand und die dreifachverglasten Fenster schreien, ich die im Minuten, nein Sekundentakt hämmernde Musik der künstlerisch ambitionierten und leicht rebellischen Jugendlichen in mich hinein sauge, fehlt nur noch das Klingeln meines ausländischen Nachbarn, der mich darum bittet, nein darum in recht gutem Deutsch fleht, über unsere Garage laufen zu dürfen.

Zwischendurch bringe ich genervt die Wäsche zur Maschine, mache mir meinem 200. Senseo und wenn ich mich vor Koffein-Schocks nicht mehr halten kann, brühe ich eben einen frischen Früchtetee. Aufs Essen werde ich verzichten, denn vom Essen nimmt man zu ((Der Nachteil ist nur, dass man vom Nicht-Essen in Verbindung mit übermäßigem Kaffee-Konsum furchtbares Sodbrennen bekommen kann)). Meine Waage straft mich abwechselnd mit Nichtbeachtung und ständiger Frotzelei, und zwischendrin haut sie die knallharte, nüchterne Analyse „zu dick für dein Alter!!“ in meine vor Heuschnupfen tränenden Augen.

Kornblume

Ich schaue traurig an meinem bleichen Venus- Körper herunter, fahre mir mit der rechten Hand durch die leicht zersausten und dicken Haare, nehme den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand und drücke ein Stück von meiner Bauchdecke zusammen. „Specki“ dröhnt es mir im Hinterkopf, jenes Argument, jenes verurteilende Wort, dass sich so tief in mein Unbewusstes gegraben hat, wie es nur einem fiktiven und viel zu schnell gealterten Showstar ohne Publikum und Fangemeinde passieren kann.

Nebenbei ärgere ich mich über die Leute, die bei Last.Fm die Musik falsch taggen und ich statt „Tiesto“ so ein Schwachsinn wie Pussycat Dolls oder so ein verdruggtes Mushroom-Zeug hören muss. Da hilft nur Bannen.

Oder ich schalte auf meinen Lieblings-Sender „Youtube“ und stelle mir die Musik selbst zusammen.

Sonst ist in meinem lächerlichen Leben nicht viel passiert. Die letzte Sache, die mich sehr beschäftigt hat, war die Trauerfeier von Michael Jackson. Aus einem Grund, den ich nicht näher benennen kann, war ich sehr traurig und musste fast die ganze Zeit weinen, vor allem am Anfang. Ich wollte eigentlich noch einen Bericht darüber schreiben, aber die negativen und zynischen Kommentare mancher Twitterer hielt mich dann doch davon ab.

Psychedelischer Baum

Ich ärgerte mich darüber so sehr, dass ich kurzerhand beschloss, jeden Menschen der irgendwie negativ, zynisch oder sarkastisch über Michael Jackson schreibt, zu löschen, bzw. als „Follower“ zu entfernen.

Nennt mich sensibel oder überempfindlich, aber für mich ist das eine gute Methode herauszufinden, wie ein Mensch vom Herzen her funktioniert. Diese Möglichkeit, einen Menschen über das Herz als „gut“ oder „böse“ einzustufen, klappt recht gut. Und es ist für mich einer der wenigen, wichtigen Maßstäbe von „Freundschaft“, zu denen ich auch lose Bekanntschaften zählen will.

Letztendlich wird man von jedem Menschen geprägt und ich konnte diesen Zynismus über einen kürzlich Verstorbenen einfach nicht mehr hören und sehen.

Tatsächlich habe ich mehr Leute getroffen, die negativ darüber geschrieben haben- und nur wenige haben wirkliches Mitgefühl, wirkliche Anteilnahme und Worte gefunden, denen ich mich anschließen kann. Das ist eine Sache, die mich sehr traurig gemacht hat.

Dazu kommt das schlechte Wetter. War es letzte Woche noch sehr hell und warm, hat mich das kalte Wetter nun drastisch emotional blockiert. Als es warm und sonnig war, fing ich gerade an, richtig aufzublühen, ging es mir richtig gut. Und zack- auf einmal kam der Regen und die Kälte und die nächste Erkältung lies auch nicht lange auf sich warten.

Das führt letztendlich dazu, dass meine Zweifel in Bezug auf das Blog und die darin veröffentlichten Gedanken nicht gerade besser geworden sind.

Vielleicht kann ich euch mit ein paar Naturbildern vertrösten und hoffen, dass es bald wieder aufwärts geht…

PS: Ach, eins hab ich noch vergessen. Die WordPress-Bugs. Die geheiligten WordPress-Bugs. Die fehlerhaften Plugins, der Kommentar-Bug. Ach, nicht so wichtig- das mach ich morgen.

4 Gedanken zu „Das Kornfeld“

  1. Schöner Text, schöne Bilder. Und doch sitze ich jetzt hier mit meinem schlechten Gewissen, weil auch ich dazu gehöre, der recht lakonisch mit dem Tod von Jacko umging.
    Ist es nicht auch immer die Unsicherheit, die, die uns eher zum Sarkasmus bringt als zugeben zu müssen, dass wir traurig sind. Wie oft lachen wir, wenn wir weinen sollten.
    Vielleicht hilft Dir das ein wenig, mir jedenfalls nicht 😉

  2. Nein Hartmut, deine Reaktionen fand ich in Ordnung, mach dir bitte keine Sorgen. 🙂

    Es war ja auch nur in dieser Stimmung der Trauerfeier. Draußen regnete es und es war so furchtbar traurig.. und dann eben im Angesichts der Twitter-Kommentare fand ich es einfach zuviel, zu extrem, unsensibel. Das war alles.

    Sarkasmus überdeckt gerne „echte“ Gefühle, ich mach das auch manchmal. Aber man muss doch sehr auswählen, wann der Sarkasmus angebracht ist und wann nicht. Das würde ich „Feingefühl“ nennen.

    Das andere ist die berechtigte Kritik an der übertriebenen MJ-Medien-Inszenierung, an der was Wahres dran ist.

    Aber egal, ich werde das Thema nun zu den Akten legen und außer die schöne Musik zu hören, mich nicht mehr damit beschäftigen. 🙂

    lg, Julia

  3. Zitat: „“Specki” dröhnt es mir im Hinterkopf, jenes Argument, jenes verurteilende Wort, dass sich so tief in mein Unbewusstes gegraben hat, wie es nur einem fiktiven und viel zu schnell gealterten Showstar ohne Publikum und Fangemeinde passieren kann.“

    Das ist ein sehr schöner, kräftiger Satz! Warum schreibt man zu traurigen Themen immer die stärksten Sätze?

  4. DAS wüsste ich auch gerne. Es ist aber sogar ein wenig ironisch gemeint… denn in Wahrheit kümmere ich mich gar nicht darum, was andere über mich und meine Figur so denken. 😉

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