Das Ich-Syndrom

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Kennt ihr das „keiner meldet sich bei mir und jetzt bin ich eingeschnappt“-Syndrom? Es ist vornehmend dem weiblichen Geschlecht vorbehalten, aber auch empfindliche, männliche Vertreter können diese schwere Krankheit bekommen.

Es zeichnet sich dadurch aus, dass man seine sowieso schon feinen, emotionalen Antennen auf „megastark“ einstellt, die Empfindlichkeit soweit raufdreht, dass auch die kleinste emotionale Schieflage sofort als Abwertung des eigenen Ichs ausgelegt wird. Wird das ganze noch mit persönlichen Problemen, Überarbeitung, Müdigkeit oder – gerade jetzt im Winter- Erkältungen und Schlappheit kombiniert, ergibt sich eine wunderbare und leicht entzündliche Mischung aus psychologischem Charakter-Sprengstoff.

Die Krankheit lähmt den Körper, zieht runter, macht depressiv und einsam. Sie erhöht die Neigung zu Streitigkeiten, zu Vorwürfen, zu ständig gereizter Stimmung.

Die Mittel dagegen sind eigentlich einfach: Jegliche egoistische Gedanken sind abzustellen. Der ständige Bezug nur auf das eigene Ego gilt es zu durchbrechen. Menschliche Beziehungen müssen mit einem gewissen Maß an Altruismus und emotionaler Intelligenz angegangen werden. Auch ein Buch über Psychologie oder ein ausführliches, klärendes Gespräch könnte helfen.
Denn: Wer sich um andere kümmert, für den steigt die Wahrscheinlichkeit signifikant an, dass er auch eines Tages etwas zurückerhält.

Die Prophylaxe für diese Krankheit liegt in der konsequenten Beziehungspflege und der Fähigkeit, für die anderen denken zu können. Sich nützlich machen und für die Gesellschaft einbringen ist hier ein Stichwort, das zum Erfolg führt.

Wenn man von Anfang an im Schneckenhaus verkrochen ist, sinken die Chancen natürlich umso schneller. Wen man nicht sieht, den kann man auch nicht beachten. Und der wird nicht geliebt.

Lautes Heulen und Rumflennen wird meist nur mit Sarkasmus beantwortet. Eine deutsche Eigenart.

Echtes Mitgefühl ist selten. Mangelware. Ein kostbarer Diamant in einem Haufen von Strohgehirnen.

Doch jeder Mensch ist eine kleine Beziehungs- und Liebesfabrik. Jeder kann diesen kostbaren Rohstoff „Liebe“ produzieren. Es ist gar nicht so schwer. Probiert es doch mal aus!

10 Gedanken zu „Das Ich-Syndrom“

  1. Hallo Julia,
    ich komme mit dem ersten Absatz nicht klar.
    Vielleicht, weil ich genau zu dieser Personengruppe gehöre, die Du beschreibst. Aber, wenn sich bei mir keiner meldet, dann bin ich nicht eingeschnappt. Ich bin enttäuscht.
    Und natürlich gibt es Menschen, die in all ihrer Traurigkeit eine innere Wut entwickeln, die sie statt zu sich selbst auf ihre Mitmenschen übertragen. Meist auch noch auf die, die dafür gar nichts können. Vielleicht, weil diese einfach nur gerade da sind oder sich „mal“ melden.
    Ein Teufelskreis, weil sich keiner gerne bei einem meldet, der nur Vorwürfe macht, voller Selbstzweifel und Dauertraurig ist.
    Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich gerade recht gut charakterisiert. Und die Selbsterkenntnis ist eine wunderbare Gabe, die viel zu selten genutzt wird.

    Aber wenn wir das für uns selbst erkennen, dann können wir darauf reagieren. Und dann können wir empfinden, wie sich Andere, unsere Freundschaften fühlen, wenn sie einsam sind. Wenn sie möglicherweise gerade auf DEINEN Anruf warten. Oder eine E-Mail.
    Meist wird eine kleine Geste der Aufmerksamkeit vor sich hingeschoben. Heute nicht, morgen. Keine Zeit!
    Quatsch! 5 Minuten sind immer drin! Kann mir keiner sagen, dass er die nicht aufwenden kann! Und bloß keinen falschen Stolz! Der meldet sich ja nie, immer muss ich das tun. Nicht nur ein fürchterlich negativer Gedanke, der nichts bringt sondern genau die Zeit, die man positiv hätte nutzen können, um seinen Freund zu kontaktieren. Dann kann man auch nett abklären, warum er sich nicht mal meldet.

    Wir empfinden alle das Gleiche. Trauer und Glück, Liebe und Zorn. Wut und Freude. Was wir brauchen – und das hast Du ja auch geschrieben – ist echtes Mitgefühl. Ein bisschen Einfühlungsvermögen in die, die um uns herum sind und ebenso mit all ihren Emotionen zu tun haben.
    Empathie statt Sarkasmus!

  2. @ Sammelmappe: Das Blog bzw. ich haben mal wieder eine Designkrise. Also hab ich mich kurzerhand für dieses einfache Theme entschieden. Weihnachten ist ja auch vorbei! Es beginnt das kalte, nüchterne, neue Jahr.

    @ Hartmut: Darum mag ich Dich! 🙂

  3. Wieso beginnt das neue Jahr für dich kalt und nüchtern? Das ist in meinen Augen ein schlechter Start.
    Sage dir stattdessen, ab heute beginnt ein tolles Jahr und jeder Tag ist mit viel Freude und Liebe verbunden.
    Positiv denken!
    Liebe Grüsse
    Marcella

  4. @ Marcella: also das klingt gut, vielen Dank ich werde es versuchen!

    Aber auf der anderen Seite ist es auch so, dass ich gerne mal ein bisschen kalt und nüchtern bin. Ich liebe daher den Winter. Für mich ist das nichts schlimmes. Ich liebe das Ruhige, Beschauliche, Nachdenkliche und auch das Stille. All das bietet mir der Winter. Daher mag ich Winter und Grau und Kälte auch sehr gerne.

    Sommer ist mir oft zu überdreht, ich vertrag ihn schlechter (Kreislauf, Hitze, Hauttyp, usw.). Im Winter fühl ich mich rundum wohl. 😉

    Wie ist das bei Dir? Lass mich raten! Du bist ein Sommermensch!

    liebe Grüße,
    Julia

  5. Kommenden Dienstag läuft auf Sat1 „Die Hitzewelle“.
    Wenn das nicht etwas wäre, um darüber zu sinnieren, warum die Verantwortlichen zur kältesten Jahreszeit solch einen „Katastrophen“-Film ausstrahlen. Provozieren? Motivieren?
    Ich finde, das passt besser zu Dir. Besonders nüchterne Menschen neigen dazu, den von Dir angesprochenen Sarkasmus genau auf diese Weise zu präsentieren, dass sie keinen verletzen sondern echten Witz rüberbringen.
    Probier doch mal ganz frech ein Theme, das eine Sommerbrise rüber wehen lässt. Karibik, Sonne, Meer. Das wär ein Gag und würde Dich und mich und uns zugleich frech und keck neu inspirieren.
    Mut zur Lücke.
    Und ich sag das als ein Fettleibiger, der mit dem Sommer noch weniger klar kommt.
    Du kannst mir jedenfalls nicht erzählen, dass Du mit diesem „Theme“ zufrieden bist, wenn sogar Claudia die Worte im Halse stecken bleiben 🙂

    Dann wiederhole ich Marcellas Worte: Think positive. Oder Deine Worte: Du bist eine Liebesfabrik! Dann produziere hier Wärme, Harmonie und Geborgenheit. Come on! Do it!

  6. oh nein ich mag dieses Theme (vorerst) und daher bleibt es so. 🙂

    Schwarz ist zudem die Farbe der Trauer und es gab genügend Anlässe in der letzten Zeit, die mich traurig gemacht haben. Die Fröhlichkeit soll auch wieder einen Platz haben, aber im Moment ziehe ich die Trauer und das Nachdenkliche vor.

    Was ist mit dem neuen Krieg in Gaza z.B.? Mit der Finanzkrise in Europa und der ganzen Welt?

    Der Selbstmord eines berühmten Unternehmers? Die neuerlichen Wetter-Extreme?

    Ich finde, die Medien bieten genug Anlass, die Welt als traurigen Ort zu sehen und mit der Farbgebung meines aktuellen „Werkes“ möchte ich hier keine Zeichen setzen, sondern einfach nur eine stille Resonanz all dieser Ereignisse sein.

    Als z.B. die WM in Deutschland war, war ich viel fröhlicher, es war eine andere Zeit. Ich bin mir irgendwie sicher, dass es gesellschaftliche Schwingungen gibt, eine kollektive Stimmung eines Volkes oder einer Nation. Warum soll ich diese Empfindungen nicht über die Kunst ausdrücken? Es ist halt mein Stil.

    Zudem ist es zur Zeit sehr kalt draußen. Wie soll man da warme Gedanken bekommen? Natürlich können wir zusammenrücken und uns unterhalten, gegenseitig wärmen. Vielleicht sollte ich noch eine Kerze anzünden oder ein warmes Ofen-Feuer entfachen?

    Aber ein paar zusätzliche Eiszapfen wären auch nicht schlecht!! 😉

    lg, Julia

  7. Julia, es wird immer Krieg, Elend oder Katastrophen auf unserer Welt geben. Leider! Aber deswegen muß man sich nicht selbst runterziehen. Ein stilles Gebet für die Opfer ist gut, aber dann solltest du wieder nach vorne blicken. So grausam wie es sich anhört, aber das Leben geht weiter.
    Weißt du, durch das ganze Elend auf der Welt wird schon genug negative Energie produziert und diese sind leider sehr ansteckend. Du selbst hast dich schon infiziert, in dem du schreibst: „Du brauchst die Trauer und ziehst das Nachdenken vor“.
    Gerade jetzt müssen wir alle mehr und mehr positive Energie hinaus schicken, denn die ist genauso ansteckend wie die negative.
    Liebe Julia, bitte komme raus aus deiner Trauer, stehe auf und beginne jeden Tag mit einem lächeln und erfreue dich deines Lebens. Genieße das Schöne, denn davon gibt es immer noch sehr viel. Gott sei Dank!
    Glaube mir, es bringt gar nichts zu grübeln.
    Sei lieb gegrüßt
    Marcella

  8. Hallo Marcella,

    es ist aber doch auch reizvoll, das Stille und Traurige zu spüren. Ich finde es bereichernd, es wenigstens mal zu versuchen. Ich mag keine aufgesetzte Fröhlichkeit, ich will so spüren und sein, wie ich bin. Das bin ich, das ist mein Wesen. Ich will mein (manchmal) melancholisches Wesen nicht verdrehen, noch verleugnen. In der Trauer werde ich erst zum Mensch, löse mich von den Erwartungshaltungen einer perfekten Maschine.

    Wenn ich positive Stimmung haben möchte, brauche ich entsprechende Anlässe und Taten. Wenn sich nunmal nichts ergibt, habe ich auch keinen Grund und Anlass, fröhlich zu sein.

    Vielleicht ist auch die neutrale Stimmung ein Ideal? Letztendlich sind Gefühle immer nur Schwankungen.

    Wie dem auch sei, die Erforschung eigener Gefühle und Emotionen ist eine Sache, die mir Spaß macht und die Grundlage für jede Kunst bildet. (und auch das Blog ist manchmal Kunst).

    Dennoch, vielen Dank für die Aufmunterung. Es fällt mir immer schwerer, mein depressives Bollwerk noch länger aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist´s am Ende doch nur Egoismus?

    liebe Grüße,
    Julia

  9. Na dann werde ich noch eins oben drauf setzen, um dich aus dem Loch zu holen.
    Vielleicht hast du schon meinen neuen Artikel „Nächstenhilfe“ gelesen. So fing mein Tag heute an und es ging mit verbranntem Spinat und vieles mehr weiter. Ein Tag, wo man sich nur noch in die Ecke setzen sollte.
    Was ich damit sagen möchte, ist, soll ich deswegen jetzt traurig sein, weil mir so etwas passierte? Nein, im Gegenteil, ich lache und sehe es nicht als Pechtag, sondern eher als lustigen Tag. Obwohl mein Po und mein Knöchel noch weh tut. Genauso brauche ich auch keinen Anlass, um lustig zu sein.
    Wenn du mich manchmal beobachten könntest, würdest du wahrscheinlich denken, die ist total durchgeknallt. Meine Kinder gehen morgens aus dem Haus und dann fange ich an mit mir selber zu reden und ich lache auch sehr viel über mich selbst, über meine eigene Blödheit.
    Was auch immer passiert, es geschieht, aber den Kopf deswegen in den Sand zu stecken, nein, dazu ist das Leben zu kurz. Spaß, Freude und vor allem lachen, dass ist leben pur!
    Du sollst ja trotzdem du selbst bleiben, aber ein lächeln würde dir bestimmt stehen, oder? Tut auch nicht weh, versprochen. 😆

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