Das Gebet

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Einleitung

Heute geht es um die Frage: Wozu betet der Mensch?

In so einem kurzen Artikel kann ich das nicht umfassend beantworten, vielmehr ist er als Einsteig in eine komplexere Thematik- der Religion an sich- gedacht.

Ich stelle mir die Frage nach dem richtigen Gebet schon länger und kann keine wirklichen befriedigenden Antworten finden, auch das Internet konnte mir bis jetzt nur wenig helfen.

Spontan würde ich sagen, man betet nur dann, wenn man überhaupt davon überzeugt ist, dass es einen Sinn hat. Wenn man an einen Gott glaubt oder der Meinung ist, dass es einem selbst helfen kann. Die psychologische Wirkung eines Gebets im Sinne eines unablässig zu wiederholenden Mantras ist etwas anders als die magisch verklärte Bindungsweise an einen Gott, finde ich.

Wenn Gott nicht personalisiert werden darf (Du sollst Dir kein Bild von Gott machen…), was ist er dann? Ist er eine kosmische Energie, eine Gesamtheit, an die ich glaube? Was hat Bedeutung und worauf kann ich mich als Christin dann beziehen?

Ich befinde mich ein wenig in einem Spannungsfeld zwischen meinen buddhistisch-weltlichen Gedanken und der Frage nach dem Sinn des christlichen Gebets, weil es in den letzten Wochen wieder vermehrt in mein Leben getreten ist.

Vorteile des Gebets
Im Buddhismus kenne ich das klassische Gebet nicht, sehr wohl aber die Versenkung in der Meditation. Dies ist auch eine Einkehr, ein Innehalten und ein bewusstes, aktives Abschalten vom Alltag. Meditation ist keinesfalls mit Schlaf oder „Nichtstun“ gleichzusetzen. Auch ein Gebet wäre unwirksam, wenn man die Worte nur vom Mund leiern würde und sich seelisch nicht öffnen könnte.

Schon in der Schule, Kirche oder Konfirmandenunterricht, etc. fiel es mir immer wieder auf, dass die eigentliche Frage nach dem richtigen Gebet selten diskutiert wurde. Dabei ist sie doch der zentrale Inhalt für den Gläubigen. Wie soll er / sie sich verhalten, wie soll man denken, wie soll man sich den göttlichen Dingen im Leben öffnen und wie kann man seinen Glauben verstärken? Durch die unablässige Wiederholung der Glaubensinhalte im Gebet formiert man seinen Geist und richtet ihn so aus, dass man nicht vom schlechten Pfad abkommt. Die Wiederholung dient dem Gehirn dazu, immer wieder daran erinnert zu werden, was die eigentliche (übergeordnete, göttliche) Aufgabe im Leben ist.

Ich hatte mal eine Zeit, wo ich immer und nur dann gebetet habe, wenn ich Bedrohungen ausgesetzt war oder mich sehr unwohl gefühlt habe. Ein Gebet öffnet dann den Alltag für die eigenen Sorgen, man fleht oder betet jemanden (eben Gott) an, dass er einem beistehen möge. Katholiken bekreuzigen sich dann auch, was ich beobachtet habe, kann das auch zu einem Ritual werden, immer genau dann, wenn große Anspannungen in der Luft sind. So z.B. bei einem Fußballspieler, der auf den Platz kommt oder in einer vergleichbaren Situation, wo der Mensch vor einer „Prüfung“ steht.

Nachteile des Gebets
Im schlimmsten Fall kann das Gebet dann dazu benutzt werden, bei jeder kleinsten Unsicherheit überstrapaziert zu werden und führt in die Zwangsneurose. Hierbei gibt man die Verantwortung für das eigene Handeln völlig an einen imaginären Gott an und möchte, dass er stellvertretend für einen selbst alle Probleme löst. Das ist natürlich absurd. Wenn es einen Gott gäbe, dann würde er es sicher nicht wollen, dass die Menschen es sich so bequem machen, hier und da ein Gebet herunterleiern und er dann alles richten soll. Diese Denkweise ist sehr menschlich und sie kann nicht zu spirituellem Erfolg führen.

Wo ist Gott?
Und wie soll Gott überhaupt aussehen, wo hat er seine Finger im Spiel? Für den modernen, logischen Menschen ist die Frage schwierig zu beantworten, wo doch die Wissenschaft alle Probleme (zumindest die meisten) gelöst und beantwortet hat. Glauben und Religion scheint immer mehr eine Zufluchtsstätte für alle zu sein, die sich leicht verführen lassen oder geistig etwas zurückgeblieben sind. Auf der einen Seite haben wir einen unglaublichen technischen Fortschritt und einen hohen Wohlstand erreicht, der uns dem göttlichen Paradies auf Erden doch schon wieder näher gebracht hat, auf der anderen Seite bricht der Glaube wieder in das Leben von vielen Menschen ein, die sich schon lange davon freigemacht hatten. (in den USA z.B.)

Essenzielle Fragen wie das Leben nach dem Tod, Schuld, Vergebung, Moral und Ethik in jeglicher Hinsicht bleiben aber Menschheitsthemen, ob man möchte oder nicht. Ich denke, dass es keinen Menschen geben kann, der nicht früher oder später vor solchen „weichen“ religiösen Fragen steht und nicht ebenfalls Antworten sucht. Je nach Veranlagung kann man Sorgen und Bedenken leichter wegwischen und ignorieren, aber richtig lösen tut man sie damit auch nicht.

Eher religiöse und empfindliche Menschen nehmen sich alles leichter zu Herzen und werden in den modernen Zeiten schnell an die Wand gedrängt. Oder sie verkehren ihre vermeintliche Schwachstelle, den Glauben, in eine Stärke und werden zu Fanatikern und Sekten-Gurus. Auch das ist keine Lösung.

Wie dem auch sei, den persönlichen Glauben zu finden, ist eine Lebensaufgabe, die sich immer wieder neu stellt. Das Gebet ist ein wichtiger Teil davon, weil es eine persönliche formulierte Sichtweise auf die letztendliche Wahrheit und den persönlichen Gegenstand der Religion darstellt.

Fazit: Man findet seinen Glauben durch das Gebet.

Atheismus
Wenn man gar nicht beten und auch nicht meditieren würde, hätte man keine Zeit im Leben, wo man den Alltag bewusst außen vorlassen kann. Ohne so ein Ritual wären wir einfach tief in unserer Menschheitssphäre gefangen und faktisch atheistisch. Auch das mag gehen- solange alles gut läuft.

Es mag Menschen geben, die beten und meditieren nie. Solange das Gebet als Bereicherung empfunden wird, ist es okay. Wenn man es als überflüssig und störend ansieht, sollte man nicht beten.

Ich denke, auch Atheisten können gute Menschen sein. Ich bewundere es oft, wenn Menschen nicht vor solchen spirituellen Fragen stehen und einfach leben. Wie sehr ich sie manchmal um ihre Gelassenheit und ihr Selbstbewusstsein beneide!

Sie haben das, was ich durch das Gebet erst erreichen möchte: Ein gefestigte, zuverlässige Meinung über das Leben und die Gewissheit, dass es schon gut werden wird, egal was sie tun.

Vielleicht haben nicht-gläubige Menschen einfach weniger Zweifel, sind nicht so empfindlich, denken logischer und lassen sich nicht beirren.

Wie dem auch sei, seinen Charakter kann man sich nicht wirklich aussuchen. Man muss mit dem hantieren, was man eben zur Verfügung hat.

3 Gedanken zu „Das Gebet“

  1. Na ja, das Gebet ist das Zwiegespräch mit Gott. Man bringt seine Anliegen vor Gott. Damit geht aber nicht zwangsweise einher – wie das bei Kenneth Copeland behauptet wird – dass Gott tut, was der Mensch will.
    Fragst am Besten einen Pastor.

  2. Man muss mit dem hantieren, was man eben zur Verfügung hat.
    Das hast du schön gesagt. Aber wer weiß schon wirklich, was man zur Verfügung hat. Da mag auch nach oben noch vieles offen sein.
    Ich nenn mich Agnostiker, und ich versichere dir, das auch ich nicht selten neidisch auf die Gläubigen bin, können sie doch in wirklich schweren Lebenssituationen an Gott abgeben. Dieses abgeben können, sich also auch komplett mental von dem Problem lösen und es den Weg gehen lassen und zu akzeptieren, den es nehmen wird, empfinde ich schon als großartig – daraus entwickelt sich schon fast von selbst die Problemlösung – durch das Loslassen.
    Ich glaube, es gibt für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nur einen einzigen Weg – den eigenen, den zu finden macht reich und enden tut er nie.

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