Posted by J.A. on Mai 22, 2008

Depression und Lebenswille

Letztens habe ich mich mal wieder über Depressionen informiert. Diese Krankheit trifft wohl sehr viele Menschen im westlichen Kulturkreis und ich selbst habe auch schon wiederholte Erfahrungen damit gemacht.

Die Depression ist eine traurige Krankheit, ein natürliches Gegengewicht zur aufgesetzten und vordergründigen Fröhlichkeit und Betriebsamkeit, mit der wir so oft konfrontiert werden. Durch ihre Art und Weise, alles in einem verlangsamten Blickwinkel zu sehen und ständig über alles nachzugrübeln, zwingt sie uns dazu, langsamer und bewusster zu leben. Es ist bisweilen grotesk und abenteuerlich komisch, wie falsch das Gehirn funken kann, wenn man depressiv ist und z.B. ein Problem mit seinem Serotoninhaushalt hat. Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Menschen- je nach Charakterstruktur und Genetik- mehr von der Krankheit betroffen sind und sie auch jederzeit wiederkommen kann, wenn man nicht so lebt, wie das „Leben“ es möchte.
Die Depression ist eine verkapselte und nützliche Antwort der eigenen Seele, das eigene Leben gerade zu biegen und die Faktoren zu ändern, die einen stören. Mich wundert es allerdings nur, dass man in dem Moment, wo man etwas ändern soll oder will, durch die Depression daran gehindert wird. Oft kommen Krankheiten wie Erkältungen oder ständige Erschöpfung und Überarbeitung dazu. Der ganze Körper schmerzt. Man versucht, durch Nachdenken das eigene Leben zu verstehen und eine Änderung herbeizuführen, aber es klappt nicht. Man fühlt sich eher wie eine Maschine, denn wie ein lebendiger und fröhlicher Mensch.

Man denkt stereotyp, beinahe zwanghaft, eingeengt und ist ständig mit einer traurigen Grundstimmung versehen. In diesem Zustand ist man nicht sehr kommunikativ, erlebt die anderen wie durch eine Blase. Man sieht zwar, wie sie ihren Mund bewegen, aber man ist nicht in lebendigen Kontakt mit ihnen. Ich denke, das Hauptproblem ist hier die lebensfeindliche Kommunikation, die Art und Weise wie wir miteinander reden. Somit gibt es depressionsfördernde Milieus und Umstände.

Man muss die Faktoren und die Menschen erkennen, die das Leben, die Freude begrenzen. Meistens sind das Menschen, die uns davon abhalten, etwas zu tun, was uns Spaß macht und selber sehr unglücklich sind. Menschen, die durch Urteile und übermäßige Kritik, motiviert von Neid und Unzufriedenheit, sich abfällig über uns äußern. Heutzutage ist es sehr schwer, glücklich und ausgeglichen unter Leuten zu leben, die nicht glücklich sind. Durch die falsche Kommunikation wird man unglücklich gemacht. Meinungen und Werturteile über das Leben drängen sich in unser Bewusstsein und werden zu unserem Denken. Durch das Lesen von Büchern oder anderen Maßnahmen hatten wir eine Ausgeglichenheit, waren glücklich. Andere Menschen durchstoßen dieses Glück, weil sie selbst unglücklich sind.

Was ist die richtige Antwort auf all diese Probleme?

Die richtige Antwort ist zunächst Stärke. In der depressiven Charakterstruktur werden wir zu Opfern, zu Erduldern unseres Schicksals. Die Abwehrmechanismen der Verdrängung, Verschiebung oder Sublimierung funktionieren nicht mehr. Das Leben und die Freude sind derart bedroht, dass wir nur durch Aggression und Abgrenzung weiterkommen. Die Wut und vor allem die Entschlossenheit ist hierbei der notwendige Impuls, weil er das Leben schützt.

Depressive Menschen müssen also aufstehen und sich dagegen wehren, was sie unterdrückt. Es ist ein Kampf zu führen, ein aktiver geistiger Widerstand, der Energie freisetzt. Durch die Energie haben wir mehr Kraft und können Probleme besser lösen, wir erhalten Erfolgserlebnisse, positive Rückmeldungen und Fortschritt. Somit können wir durch unsere Bewusstheit, durch unsere innere Kraft das Leben ins uns lassen, anstatt es selbst zu unterdrücken.

Bestimmte Regeln aus dem Über-Ich muss man diagnostizieren und ggf. löschen oder neu bewerten: Übertriebene Moral, Angst vor dem Leben, Bequemlichkeit, einfache und engstirnige Antworten auf die nicht zu überblickende Komplexität des Lebens.

Die Depression zeigt uns also, dass etwas schief läuft und sie manifestiert sich stärker, wenn wir uns nicht wehren können oder wollen. Die Depression ist die Antwort der Seele des bequemen Menschen, der sich gemütlich eingerichtet hat, aber nicht aktiv leben will.

Sie passt zu dem gesellschaftlichen Ideal des funktionierenden, mechanisch und perfekt lebenden Menschen- aber sie passt nicht zu der eigentlichen Natur des Menschen und seiner Seele, die da Lebendigkeit und Aufbruch heißt.

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Categories: Psychologie
Posted by J.A. on Mai 13, 2008

Kreislauf und Ende der Wut

Es gibt viele unterschiedliche geistige Konzepte, die man anwenden kann, wenn man merkt, dass man angegriffen wird und in Folge dessen wütend oder ungeduldig wird.

Das Unterbinden der Wut und der Aggression sollte das langfristige Ziel sein, weil die Wut zerstörerische und gefährliche Elemente enthält. Negative Gefühle können und sollen sich äußern, aber man sollte immer vermeiden, dass andere dadurch zu Schaden kommen oder man sein Gesicht durch Verlust der Selbstkontrolle verliert. Das Äußern der Wut ist mit gesundheitlichen und sozialen Nachteilen verbunden und gilt deswegen als „Tabuemotion“.

Auf der anderen Seite kann hinter der Wut auch ein wichtiger lebensbejahender Impuls stecken, denn die Wut hilft, uns von dem zu befreien, was uns bedrückt und wütend macht. Der Mensch benutzt „gesunde Aggression“ als Abwehrreaktion auf Schmerz und Unterdrückung. Diese Reaktion erhält ihn am Leben und ist genetisch tief einprogrammiert. Wer sich gegen wütende Menschen wendet, z.B. bei Kindern, und sie dann schlägt, lässt sie deswegen noch bockiger und schwerer erziehbarer machen. Sie spüren im Inneren, dass sie Recht hatten, sie waren wütend, wollten den Unterdrücker und Begrenzer ihrer Lebensfreude mit Wut abwehren.

Typisch ist es, dass man hinterher bereut, es einem leid tut, dass man erst wütend ist, und sich danach für schuldig bekennt.

Das ist auch okay, aber man muss sich immer fragen: Warum bin ich eigentlich wütend geworden? Wie soll ich mit dieser Emotion umgehen? Was sagt mir mein Konflikt?

Wenn man gründlich genug darüber nachdenkt, kann es einem helfen, die Ursachen zu erkennen. Dazu muss man aber erstmal den Kreislauf durchbrechen:

1.) Etwas erdulden und hinnehmen
2.) es nicht mehr aushalten
3.) Wütend werden, eskalieren // Feuerphase; keinerlei sinnvolle Interaktion möglich
4.) wieder abkühlen
5.) es bereuen, sich entschuldigen
6.) wieder „normal“ leben

In Punkt (1) sieht man, dass es vor allem das Erdulden von Missständen und die Unterdrückung von negativen Gefühlen ist, was die Wut wie in einem Gefäß anstaut und bei ungünstiger Gelegenheit zum Explodieren bringt. Im Leben müssen wir also erkennen, was uns unterdrückt, was uns Kraft raubt, wo wir uns verschwenden. Wenn diese Ursachen erkannt werden, kann man sie beseitigen und zwar ganz nüchtern, logisch und „sinnvoll“. Die Wut ist mehr ein tierischer Instinkt, ein wildes Um- sich- schlagen und das letzte und schlechteste Mittel, auf etwas zu reagieren.

Erst wenn wir das durchlaufen haben und wieder an Punkt (6) sind, können wir wirklich etwas ändern und an den Schwierigkeiten reifen.

Um zur Selbsterkenntnis zu gelangen, brauchen wir oft Hilfe von außen und vor allem viel Zeit. Nur wer schreiben und meditieren kann oder seine Zeit mit ausreichend Hobbys und Freizeit verbringt, kann sich weiterentwickeln und gelassen werden.

Die mangelnde Zeit und der eigene Erwartungs- und Erfolgsdruck ist zum einen der Auslöser für Wut und Ungeduld, und gleichzeitig die Bremse für das innere Wachstum.

Mit viel Kraft muss man im Grunde einen zeitlichen und praktischen „Freiraum“ schaffen, Urlaub, einen Moment, wo man nichts arbeitet, mit niemand redet und zum Nachdenken kommen kann.

Das zu viele Arbeiten ist das Feuer, das die Seele verbrennt, motiviert vom Leistungs- und Profitdenken und durch die Ausbeuterei der Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

Nicht einfach, diese Unfreiheit zu erkennen und auch zu ändern.

Ich denke, wer es wirklich ernst meint und solche negativen Entwicklungen stoppen oder ihnen entkommen will, braucht sehr viel Zeit und sehr viel Geduld.

Es ist im Grunde auch unfair, dass die einen leiden und für ihr Geld hart arbeiten müssen und die anderen nichts tun und vielleicht genauso gut leben, wenn nicht noch besser und unbeschwerter (vor allem ohne diesen psychischen Druck und die Stressbelastung, vom Geld mal abgesehen).
Vor dem Hintergrund der psychischen Gesundheit und der Stressverteilung ist die Arbeitssituation in Deutschland noch mal ganz anders zu beurteilen und mal wieder öffnen einem diese Gedanken auch das Sinnvolle und Gerechte an einem „Bedingungsloses Grundeinkommen“; was ja immer öfters diskutiert wird und vielleicht auch eines Tages kommen wird.

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