Sachebene, Vertrauen, Stil und Perspektive

Wie erreiche ich mehr Authentizität beim Schreiben?

Im heutigen Artikel schreibe ich über die Zweiteilung der Artikel in unpersönliches und persönliches. Wo macht es einen Sinn, abstrakt zu schreiben und wo schadet es vielleicht mehr?

Dies ist- in meinen Augen- eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit an meinem Blog und mal wieder ein Meta-Schreibthema. Eigentlich wollte ich nicht mehr soviel darüber schreiben, weil es für mich meistens klar ist und es andere Themen gibt, die genauso wichtig sind (z.B. das Schönheits-Thema).

Ich bin aber im Kommentar des gestrigen Artikels darauf angesprochen worden, warum ich nicht mit „ich“ schreiben würde und hatte schon versucht zu erklären, wie ich die Aufteilung handhabe. Jetzt habe ich noch ein wenig darüber nachgedacht und bin zu weiteren Erkenntnissen gekommen.

Erstmal gibt es eine grundlegende Aufteilung meiner Arbeit in die Artikel und in die Kommentare. In den Artikeln versuche ich, allgemein gültige Erkenntnisse jenseits meiner Person oder meines subjektiven Blickwinkels zu sammeln. Ich würde das mit dem „Erstellen von Regeln“ bezeichnen. Ich mache das nicht rein wissenschaftlich, noch stelle ich jedes Mal einen Link, eine Quelle oder einen „Beweis“ dazu. Die Logik dieser Artikel folgt bereits einer inneren, oft emotionalen Linie und wird von mir gerne im Stil einer Kolumne gehalten. Nur wenn ich der Meinung bin, dass hier eine allgemein gültige Wahrheit gefunden wurde, versuche ich es auch zu verallgemeinern oder eine Regel zu formulieren. Streng genommen ist dies die Aufgabe jeder Wissenschaft, auch der literarischen „Sprachwissenschaft“.

Die Trennung von der persönlichen Ebene hat einen Sinn und ist beabsichtigt.

Ich möchte dies mit einem Beispiel verdeutlichen:

Mal angenommen, es geht um das Thema „Autobahn, Raser, Drängler, Schnellfahren, etc.“

Ich habe an verschiedenen Tagen verschiedene Beobachtungen gemacht

· das Auto hatte mich mit hoher Geschwindigkeit überholt

· mir wurde fünfmal dicht aufgefahren

· LKW sind immer langsamer als ich gefahren, so dass ich oft nach links wechseln musste

· es waren sehr viele LKWs auf der rechten Spur

· innerhalb einer Stunde, wurde ich dreimal bedrängt und zweimal mit der Lichthupe zur Seite gescheucht

· vor allem die Besitzer von teuren Automarken und „besseren“ Autos fahren schnell und führen sich manchmal wie Könige auf

· kleine und schwache Autos findet man immer rechts

· mein Stress- und Adrenalin-Spiegel war auf der vollen Autobahn höher als auf der leeren

· usw.

All das sind Beobachtungen. Danach kommt die Erstellung einer Regel, eines persönlichen Fazits oder eine Mischung aus allem. Hier gibt es tausend Möglichkeiten vorzugehen (und gerade das macht den Reiz am Schreiben und am Denken aus).

Ich könnte z.B. in der Ich-Perspektive und sehr emotional schreiben:

· Ich hasse Autobahnen!

· Auf Autobahnen wird mir zu schnell gefahren!

· Mercedes-Fahrer sind alle Angeber!

· LKW müssen von der Straße weg!

· Usw.

Im Grunde sind das Gefühle, sehr diffus formuliert und für andere (und auch für mich) verletzend. Im Sinne einer gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg) könnte ich versuchen, meinen persönlichen Bezug zu diesen Dingen angemessener zu formulieren. Das bedeutet, dass man versucht, eigene Gefühle zu veranschaulichen, über Bedürfnisse zu reden und zu erkennen, was genau eigentlich störend oder verletzend ist (und ja, hier ist das Ich sehr wichtig!):

· Ich mag Autobahnen nicht leiden, weil ich mit meinem kleinen Auto immer bedrängt werde. Dabei fühle ich mich schlecht. Mir wäre es lieber, wenn die großen Autos mehr auf die kleinen Rücksicht nehmen würden. Ich hatte Angst, einen Unfall zu machen. Dann würde ich mich oder andere verletzen. Ich will keinen Unfall bauen, weil ich einen Schaden verursache und den bezahlen muss.

Wenn man die Beobachtung so formuliert, ist es für andere viel leichter, zu reagieren und mit Empathie oder Verständnis zu reagieren.

Zum Beispiel so: „Ach du magst keine Autobahnen? Das wusste ich gar nicht. Wenn Du Angst hast, wäre es Dir vielleicht lieber, wenn ich fahre?“

Für die „gewaltfreie Kommunikation“ ist diese personenbezogene und authentische Formulierung von Gefühlen der Kerninhalt.

Es hat -psychologisch gesehen- Vorteile, erfordert aber Anstrengung und gehöriges Umdenken in der täglichen Sprache. Zudem sprechen die meisten Menschen nicht in dieser Weise, so dass man schnell die Lust verliert oder die Ziele aus den Augen verliert.

Es gibt daher noch eine weitere Möglichkeit Beobachtungen zu formulieren, die Analyse:

· … das Straßennetz müsste ausgebaut werden. Es waren zu viele LKWs und zu wenig Platz für die restlichen Pkws. Dadurch hat sich die Anforderung an mich, den Autofahrer, erhöht und ich bekam auf Grund des Stresspegels Angst, einen Unfall zu machen. Eine mögliche Lösung wäre eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung oder der Verbot von LKWs auf der linken Spur.

Oder, noch wesentlich abstrakter und mit noch mehr Fakten:

Die Straßenmeistereien und das Verkehrsministerium haben für das Jahr 2008 folgende Feststellung gemacht:

· die Autobahn XYZ war chronisch überlastet. Das Verkehrsaufkommen lag über dem Durchschnitt von 2007. Besonders der Schwerlast-Verkehr hat stark zugenommen. Eine Steigerung von 25,8 %. Es entstand durch Unfälle ein Sachschaden von X Millionen Euro..

Die tägliche Kommunikation ist meistens eine Mischung aus allem. Da wir Menschen und keine Maschinen sind, verknüpfen wir leicht neutrale, sachliche Informationen mit persönlichen Bezügen und Gefühlen. Es ist Aufgabe der Psychologie, diese Vermischungen zu erkennen und die Zusammenhänge zu klären. (aber nicht Aufgabe von mir, der Blog-Autorin..)

Die Sachebene ist die normale, „sinnvolle“ und erwachsene Verständnisebene, die man auch gut in einem Blog anwenden kann.

Im Sinne der Transaktionsanalyse ist das das „Erwachsenen-Ich“, im Gegensatz zum emotionalen „Kind-Ich“ oder dem moralisch urteilenden „Über-Ich“. Wenn zuviel im Über-Ich geschrieben wird, regt sich zu Recht Widerstand und die Leser fühlen sich klein und übervorteilt, weil sie sich vielleicht wieder finden oder „von oben herab“ angegriffen fühlen. Das Kind-Ich kann man mal anwenden, es wirkt aber schnell albern und unreif, gerade für erwachsene Personen. Ziel ist daher – meiner Meinung nach- die neutrale Ebene:

Feststellungen und Beobachtungen werden gemacht und die Fakten sachlich diskutiert. Ich- und Personenbezüge gibt es dann eigentlich nicht, höchstens wenn man so was sagt wie „Herr Meier, was sie da sagen, ist in meinen Augen falsch. Es müsste so und so formuliert werden und der Sachverhalt stellt sich anders dar, nämlich so und so.“….

Kommunikation im öffentlichen Raum wird immer dann problematisch, wenn die Sachebene verlassen und auf die persönliche Ebene gewechselt wird. Ein Beispiel sind hier pikante Details aus dem Privatleben von Promis, mit denen gerne versucht wird, diese zu demontieren. Das Private ist im öffentlichen Raum fast immer ein Tabu-Thema und sollte- meiner Meinung nach- von allen mehr respektiert werden. Politiker z.B. sind Meister darin, allgemeine Aussagen zu treffen und sich nicht festlegen zu müssen. In gewisser Weise gehört das zu ihrem Beruf und ihrer Aufgabe, es allen recht machen zu müssen.

Aus diesem Grund versuche ich, die Personen-Ebene aus dem Blog zurück zu drängen und die Fakten und die Logik als Bemessungs- und Diskussions-Grundlage anzuwenden. Es liegt in der Natur einer Internet-Seite, dass die Fakten und Logik, das Nachvollziehbare präsenter als das Persönliche ist. Persönliches mache ich nicht gerne am Computer, ganz einfach!

Es ist aber, auf der anderen Seite, auch für mich beim besten Willen nicht möglich, meine Person, die Gefühle und andere private Bezüge aus meinem Leben völlig wegzulassen. Es gibt durchaus Momente, wo ich mir wünsche, dass mehr persönliche Aussagen zu meiner Arbeit getroffen werden, oder dass ich eine Kritik höre oder lese, die wirklich vom Herzen kommt und mir etwas Sinnvolles oder Nettes zu sagen hat. Wenn ich ein Gedicht oder was Privates schreibe, ist sehr viel von mir im Netz, manchmal zuviel oder es wird belastend. Es liegt an den Lesern, wie sie damit umgehen, ob sie einen mit Respekt und Verständnis behandeln oder mehr wie ein „Produkt“.

Da mir die emotionale Personen-Ebene und die rein persönliche Ich-Ebene zu einseitig ist und sie zudem problembehaftet sind, möchte ich sie gerne ausklammern und durch wertvollere Erkenntnisse und Abstraktionen ersetzen. Wen interessiert es in der Nachwelt schon, was ich an diesem und an jenem Tag gedacht habe? Dafür gibt es das Tagebuch und die vertraulichen Offline- Gespräche. In das Blog aber sollten Dinge, die man auch in Jahren noch verstehen oder anwenden kann.

Natürlich ist z.B. das reine Lob nicht ausreichend, aber mir ist es lieber, ich höre ein Lob, eine positive Zuwendung, als einfach nur Kritik und Verachtung. Ich denke, in diesen Dingen sind wir alle gleich. Wir wollen alle geliebt werden, Anerkennung für unsere Arbeit haben und mit Hilfe der Kommunikation in eine aufrichtige und ehrliche Beziehung zu unseren Mitmenschen treten.

Weniger persönliches scheint mir ratsam, um eine Ebene zu schaffen, auf der sich alle wohlfühlen und ihr Gesicht behalten können. Persönliche Urteile sollte man nur in Ausnahmefällen treffen und wenn, dann nur so, dass es niemand verletzt, z.B. in einem vertraulichen Vier-Augen Gespräch mit der Gewissheit, dass das Gesagte niemals diesen Raum verlässt.

Ein Blog erweckt durch die offene Kommentar-Funktion stets den Anschein, als dass es alles aufnehmen könnte und müsste. Die Leute sind durch das moderne „Mitmach-Web“ verwöhnt und meinten, sie könnten zu allem und jeden eine Meinung abgeben und würden überall auf offene Ohren stoßen. Mir ist es als Autorin oft lieber, die Leute würden die Texte lesen, sich ihren Teil denken und das dabei Gedachte für sich behalten. Also sollte ich vielleicht die Kommentare in Zukunft schließen?

Wenn ich anderen zuhören soll, und ihnen Empathie und Verständnis geben soll, kann ich das nur tun, wenn man mir selbst auch Verständnis und Empathie gibt. Wenn jemand mit der Tür ins Haus fällt kann ich niemals helfen, niemals Vertrauen schenken oder mich positiv verhalten.

Dann kann auch jeder für sich schreiben, wir bauen schöne Mauern zwischen uns auf und legen noch ein wenig Stacheldraht zwischen die Lücken. Aber das wäre kein Weg, den ich anstreben möchte….

Wenn ich einen Artikel geschrieben habe, hatte ich gerade die Kraft, es soweit zu bringen und mir selbst diese Erkenntnisse zu entlocken. Es hat mich Energie und Zeit gekostet. Habe ich jetzt auch noch die Energie und die Lust, mich mit den Kommentaren und Mitmenschen zu beschäftigen?

Bin ich dafür in einer Art und Weise verantwortlich zu machen, dass ich all die Fragen beantworten müsste, die sich evt. aus dem Lesen meiner Zeilen ergeben könnten?

Ich denke, die Antwort ist ganz einfach nein.




Das Ich-Syndrom

Kennt ihr das „keiner meldet sich bei mir und jetzt bin ich eingeschnappt“-Syndrom? Es ist vornehmend dem weiblichen Geschlecht vorbehalten, aber auch empfindliche, männliche Vertreter können diese schwere Krankheit bekommen.

Es zeichnet sich dadurch aus, dass man seine sowieso schon feinen, emotionalen Antennen auf „megastark“ einstellt, die Empfindlichkeit soweit raufdreht, dass auch die kleinste emotionale Schieflage sofort als Abwertung des eigenen Ichs ausgelegt wird. Wird das ganze noch mit persönlichen Problemen, Überarbeitung, Müdigkeit oder – gerade jetzt im Winter- Erkältungen und Schlappheit kombiniert, ergibt sich eine wunderbare und leicht entzündliche Mischung aus psychologischem Charakter-Sprengstoff.

Die Krankheit lähmt den Körper, zieht runter, macht depressiv und einsam. Sie erhöht die Neigung zu Streitigkeiten, zu Vorwürfen, zu ständig gereizter Stimmung.

Die Mittel dagegen sind eigentlich einfach: Jegliche egoistische Gedanken sind abzustellen. Der ständige Bezug nur auf das eigene Ego gilt es zu durchbrechen. Menschliche Beziehungen müssen mit einem gewissen Maß an Altruismus und emotionaler Intelligenz angegangen werden. Auch ein Buch über Psychologie oder ein ausführliches, klärendes Gespräch könnte helfen.
Denn: Wer sich um andere kümmert, für den steigt die Wahrscheinlichkeit signifikant an, dass er auch eines Tages etwas zurückerhält.

Die Prophylaxe für diese Krankheit liegt in der konsequenten Beziehungspflege und der Fähigkeit, für die anderen denken zu können. Sich nützlich machen und für die Gesellschaft einbringen ist hier ein Stichwort, das zum Erfolg führt.

Wenn man von Anfang an im Schneckenhaus verkrochen ist, sinken die Chancen natürlich umso schneller. Wen man nicht sieht, den kann man auch nicht beachten. Und der wird nicht geliebt.

Lautes Heulen und Rumflennen wird meist nur mit Sarkasmus beantwortet. Eine deutsche Eigenart.

Echtes Mitgefühl ist selten. Mangelware. Ein kostbarer Diamant in einem Haufen von Strohgehirnen.

Doch jeder Mensch ist eine kleine Beziehungs- und Liebesfabrik. Jeder kann diesen kostbaren Rohstoff „Liebe“ produzieren. Es ist gar nicht so schwer. Probiert es doch mal aus!




Mündliche Sprache und Präsentation

So eine Messe bringt es mit sich, dass man innerhalb kurzer Zeit mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommt, die verschiedensten Typen kennenlernt und sich ständig neu auf andere Menschen einstellen muss. Es geht oft darum, innerhalb von Sekunden eine Gesprächsbasis zu finden, Sympathien oder Anti-Sympathien zu klären, sich inhaltlich und sprachlich auf den Gegenüber einzustellen. Für die Schulung der eigenen Kommunikationsfähigkeit ist eine Messe oder eine Verkaufstätigkeit in dieser Art nur nützlich. Habe ich am Anfang z.B. gemerkt, dass ich noch nach den Worten gerungen oder mich versprochen habe, wurde das Erklären mit jeder Stunde einfacher und am Ende ging es sehr flüssig, so als ob ich alles auswendig gelernt hätte. Selbst die englische Sprache und die entsprechenden Fach-Termini hatten wir uns zurechtgelegt, so dass wir auch ausländischen Besuchern die Apparatur erklären konnten.

Wenn man eher im Schreiben zu Hause ist, birgt die Messe einen gewissen Reiz, direkter und unmittelbarer mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und die mündliche Sprache anzuwenden. Das in Ruhe ausgefeilte Schriftdeutsch ist fehlerfreier und bietet dem Sprecher/ dem Autor mehr Sicherheit. Auf Vorträgen oder Referaten wird hingegen empfohlen, die „freie Rede“ anzuwenden und nicht nur monoton einen Hilfszettel abzulesen, um dem Vortrag eine anschauliche Qualität zu verleihen.

Bei der Messe kommt noch dazu, dass jeder Mensch anders ist, anderes Vorwissen und Fähigkeiten besitzt und inhaltlich nicht alles so kapiert, wie der Vorgänger. Gerade abstraktere Sachen werden von vielen Menschen grundsätzlich gemieden, es fiel auf, wie wichtig ein direktes, bildliches und einfaches Verständnis der dargestellten Präsentation ist. Ein Industrieprojekt wie unseres hat es da deutlich schwerer, als ein Alltagsprodukt. Zur Wiedererkennung haben wir z.B. eine Packung Grieß genommen und sie auf unseren Prototyp gestellt, so dass die Leute schnell sehen konnten, worum es uns eigentlich geht. Aber selbst dann, wenn der erste Wiedererkennungswert da war, wanden sich die Leute wieder ab, als sie merkten, dass es eine technische Apparatur mit vielen Einstellmöglichkeiten, auf dem Hintergrund eines theoretischen und komplexen Gedankengebäudes ist. Eine physikalische Grafik zu einem Farbsystem z.B. erregte kaum Hingucker oder Interesse, obwohl diese vor Farben nur so strotzte. Selbst ein Physiker konnte uns die Grafik auf Nachfrage nicht erklären, ein Informatiker murmelte nur so etwas wie „das muss mit Matritzen gemacht werden!“. Für die Allgemeinheit war wenig Bezug da.

Darüberhinaus ist mir aufgefallen, dass viele Leute in einer Art reden, dass sie einfach ihren aktuellen Wissensstand wie ein Wasserfall vor sich hin erzählen, aber keine Pause machen und sicherstellen, ob das Gesagte überhaupt angekommen oder verstanden worden ist. Es wäre aber ratsam, hin und wieder eine Pause zu machen und auf den Gegenüber einzugehen, damit man sehen kann, wo und wie denn überhaupt Überschneidungen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind!

Als Ausstellerin habe ich natürlich das Gebot der Höflichkeit und werde versuchen, mich auf meine jeweiligen Kunden einzustellen. Aber als (private) Hobbypsychologin und kritische Kommunikationsexpertin fiel mir das schon auf, wie einseitig und ich-orientiert doch viele Menschen reden. Auch ein paar Diskriminierungen kamen vor, es gab Leute, die keinerlei Gebot der Höflichkeit befolgten und ein Mensch fragte mich mit einem Grinsen im Gesicht „ob ich noch etwas anderes außer Kinder produzieren könnte.“ Dieser Mensch fiel mir hinterher auf, dass er von Stand zu Stand ging und die Aussteller mit seinen „Ideen“ belästigte und sich daraus einen schönen Spaß machte. Der Rest der Menschen, ca. 95 Prozent folgte hingegen einem vertretbaren Normbereich und es gab keine Probleme. Mit den unfreundlichen Menschen hingegen würde ich auch keine Geschäfte machen wollen!

Zuhören bietet uns Ausstellern Vorteile, weil die Menschen aus sovielen verschiedenen Fachbereichen kommen, dass sie quasi kostenlos ihr Expertenwissen absspulen und wir hinterher wie ein Computer das Wertvolle vom unwichtigen trennen, verarbeiten und weiterverwenden können. Diese ständige Filterarbeit, in Verbindung mit der Speicherung und der angemessenen Rückgabe von Informationen ist anstrengend. So ist es kein Wunder, dass wir abends sehr kaputt in unsere Betten gefallen sind.

Und noch etwas fiel auf: Wie jeher geht es nur um einen einzigen Faktor: Aufmerksamkeit erhaschen! Wer die meiste Aufmerksamkeit auf seinem Stand bekam, bekam die meisten Ideen, die meisten Rückmeldungen. War die Aufmerksamkeit aber zu profan, war sie qualitativ nicht mehr zu nutzen. In der Mitte liegt der richtige Weg, auch bei der Messe.




Wasser und Öl

Neulich im Internet: Eine Diskussion wird gestartet. Interessante Themen liegen auf dem Tisch. Eine Person wirft etwas in die Runde, zusammenhangloses sinnloses Zeug, das nicht dazu passt. Niemand geht auf sie ein. Die Diskussion geht weiter, Argumente werden ausgetauscht. Die Person wirft wieder etwas in den Raum, wieder reagiert niemand, die eigentliche Unterhaltung der anderen geht weiter. Sie wird gnadenlos geschnitten und ignoriert. So geht das Ganze ein paar Mal, schöne klinisch reine Worthülsen, die zusammenhangslos nebeneinander stehen und letztendlich nichts aussagen.
Ich finde das irgendwie ein stärkeres Sinnbild für die Gesellschaft, als alles andere, was ich in der kurzen Zeit in diesem Forum gelesen habe- das sich angeblich mit der Gesellschaft und deren Probleme beschäftigt.

So augenscheinlich (und so unbeabsichtigt) wie dort kann man es nicht formulieren: Menschen, die nicht gehört werden, sich in einen Wahn steigern, aggressiv und ungeduldig werden, keine Liebe und keine Aufmerksamkeit bekommen. Sie schimpfen und toben und werden regelrecht krank davon. Man merkt ihnen die Verzweiflung an und doch tut keiner etwas, fühlt sich niemand verantwortlich.
Das ganze Internet ist voll mit diesen unglücklichen Menschen, die eine miese Stimmung verbreiten und mal mehr und mal weniger krank wirken. Ist euch das auch schon mal aufgefallen? Oder liegt es an mir, hab ich einen selektiven Blick für so was??

Es gibt ja auch viele gute Gespräche, die normal verlaufen, wo man sich einander zuhört und aufeinander eingeht. Aber gerade wenn es um Politik oder gesellschaftliche Themen geht und die Foren sehr groß sind, wimmelt es nur von Leuten, die sich ihren Frust abladen und irgendwie Hilfe erwarten, wo es nie Hilfe geben wird. Und verändern tun sie auch nichts! Wen juckt es schon, wenn eine unbekannte Privatperson verzweifelt ist? Niemand. Das ist wirklich sehr traurig. Es ist für mich ein Indikator für die eigentliche Stimmung der „Massen“.

Ich glaube, die einzige Möglichkeit ist dann, sich einzuschalten und zu versuchen, sich irgendwie für diese Person und deren Gedanken einzusetzen und wenn sie noch so abstrus und weit hergeholt sind.

Natürlich kann niemand erwarten, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Das Internet ist eigentlich der schlechteste Weg dafür. Selbst wenn es nette Worte sind, sind es nur Worte aus Buchstaben, aus vielleicht eilig dahin getippten Tastendrücken. Ist das echte Liebe?

Und warum geht man doch so oft ins Netz und denkt, Liebe oder Zuwendung zu bekommen- wenn man eigentlich weiß, dass es sie hier eher selten geben wird?




Gute Kommunikation erlernen

Kommunikation ist nicht einfach nur Kommunikation. Es gibt tausendfache Ansätze und es ist ein kompliziertes Thema. Als ersten Einstieg in die Materie habe ich mal auf die Suche nach interessanten Webseiten gemacht, die das Thema näher beschreiben. Hier folgt eine Auswahl:

Kommunikation im Betrieb

Gewaltfreie Kommunikation und logische Ansätze

Kommunikation in Beziehungen zwischen Mann und Frau

Interkulturelle Kommunikation

Kommunikation in der Schule Sehr umfassende Seite, die noch andere lesenswerte Themen beinhaltet.

Leider stoße ich durch Google immer wieder auf ähnliche Seiten, ein kleiner Web-Wegweiser durch die Welt der Kommunikationsseiten wäre noch sinnvoll. Weiß jemand einen Link?

Zudem muss ich mal dringend meine Bücherseite reaktivieren. Das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg zum Beispiel wird sehr oft zitiert und zum Thema „Antiautoritäre Erziehung“ kenne ich im Grunde nur ein einziges lesenswertes Buch.

Gute Kommunikation ist immer eine Mischung aus dem Erlernen der Theorie und der anschließenden Umsetzung. Erst durch die Verzahnung beider Mechanismen kann man wirklich lernen und Fortschritte machen. Zudem braucht man Unmengen an Zeit und Geduld.




Die schwierige Wahl der richtigen Worte

Nimmt man zwischenmenschliche Gespräche, egal nun in welcher Form, als Grundlage für das menschliche Miteinander, so wird schnell klar, wie wichtig eine gute Sprache und gewählte Worte für den Frieden und das Verständnis untereinander sind.

Ich analysiere die unterschiedlichsten Gespräche und merke oft, dass die meisten über die gewöhnlichen Töne der Anschuldigung, des Vergleichens, Vorhaltens, Zurechtweisung und andere verletzungsfördernde Töne nicht herauskommen. Herzlichkeit und Menschlichkeit zeigen sich aber gerade in der Sprache, in dem, was wir anderen vor den Kopf knallen. Worte können ungeheuer verletzend und böse sein, ich denke sogar, Worte sind die schlimmsten Waffen, die ein Menschen führen kann.

Sie vernichten und verletzen zwar nicht körperlich, zerstören und bedrohen aber die Moral und das Selbstwertgefühl eines Menschen. Sie nehmen im schlimmsten Fall die Lebensfreude und zerstören ein Wesen von innen. Beinahe wie Würmer, die nur am sofortigen Genuss und am verwesenden Überbleibsel des Opfers interessiert sind, fallen die verletzenden Worte über uns her und zerfressen die Seele.

Ich bin sehr empfindlich, was das angeht. Ich erwische mich sogar dabei, dass ich Schwindelattacken oder andere psychosomatische Symptome zeige, wenn andere Menschen schlechte Dialoge führen und ich mittendrin oder gar die Zielscheibe bin. Meine Reaktionen sind heftiger als bei anderen, ich neige dadurch zu Depressionen und anderen Krankheiten, die damit in Verbindung stehen.

Als Frau ist man solchen verbalen und emotionalen Angriffen viel stärker ausgesetzt und je nach materiellen und praktischen Begleitumständen sowieso in der Defensiv-Position.

Frauen wollen gerne kompensieren und ausgleichen, im Allgemeinen können Frauen Gespräche besser leiten und sind psychologisch geschickter. Ja Frauen, sind oftmals die Einzigen, die überhaupt auf das „Wie“ im Gespräch achten und nicht nur auf das „Was“.

Wenn es also etwas gibt, was man als Frau lehren kann, dann ist es die Möglichkeit, Gespräche derart zu führen, dass nicht die Verletzung und Abgrenzung im Vordergrund stehen, sondern das Ausgleichen, Vermitteln und das Mitgefühl.

Grundsätzlich kann man sagen, dass es besonders die Urteile über Aussehen, Verhalten oder Leistung sind, die am ehesten verletzen, selbst wenn es nicht negativ gemeint ist. Da die Anerkennung als psychologischer Mechanismus so wichtig ist, sind wir dem gegenüber auch entsprechend empfindlich. Wenn wir vielleicht selbst nicht so recht glauben wollen oder können, dass wir gut sind, verstärkt sich die Empfindlichkeit und macht uns leicht zum Spielball der Außen-Bewertung.

Beispiel
Ich erinnere mich da an den an sich belanglosen Fall, als ich in kurzer Zeit darauf hingewiesen wurde, dass meine Armbanduhr so laut tickt und auf die anderen störend wirkt. Ich mag diese Armbanduhr sehr und verbinde besimmte Gefühle mit ihr, weil ich sie damals lange ausgesucht habe und in den Tagen vor der Hochzeit meiner Schwester gekauft habe. Sie war etwas teurer als sonst und ich war sehr stolz auf sie. Es ist auch meine einzige Uhr, weil ich da meistens Geld sparen will.

Zudem ist es eine Marke, die eine Vorbildperson von mir auch getragen hat und das schwang alles mit, als ich sie gekauft habe. (Vielleicht sind bestimmte materielle Einstellungen für mich doch wichtiger als gedacht?)

Jetzt haben mir mein Vater und mein Ehemann beide in kurzen Abständen gesagt, dass sie zu laut ist und störend wirkt. Ich bin darüber sehr verletzt. Ich fühle mich selbst abgelehnt, obwohl sie nur gesagt haben, dass es das Ticken ist, nicht ich selbst. Aber als empfindlicher Mensch höre ich „du nervst. Du bist nicht in der Lage, dir vernünftige Uhren auszusuchen und nervst uns jetzt mit deiner Unfähigkeit“.

Niemand hat gesagt, dass sie hübsch ist oder gut aussieht. Oder ich hab es dann vergessen. Nur die Kritik steht in diesem Moment im Raum.

Lösung
Sowas ist kompliziert. Es wäre nun besser gewesen, wenn man gesagt hätte: „Weißt du, Julia, du hast wirklich eine schöne Uhr und sie gefällt mir. Punkt. Aber es gibt da etwas, was mir aufgefallen ist und ich weiß nicht, ob es dir auch schon aufgefallen war? Punkt. Das Ticken des Sekundenzeigers ist etwas sehr laut und ich störe mich ein wenig daran. Punkt. Ob es dir nicht möglich wäre, sie hin und wieder- zum Beispiel bei längeren Autofahrten- abzulegen oder in die Handtasche zu tun?“

Durch diese genauere und überlegtere Form des Beurteilens wäre Leid vermeidbar geworden und die Botschaft wäre besser und zielgerichteter angekommen.

Wenn man andere, ihre Kleidung oder ihr Aussehen beurteilt und das in einer vorwurfsvollen Haltung tut, kann man im schlimmsten Fall erreichen, dass man als Beruteilte dem Gegenüber abwertet und ihm gegenüber aggressiv wird. (das war auch passiert)

Gerade dieser Punkt der Beurteilung ist also immer gesondert zu betrachten und sollte nicht vorschnell oder unüberlegt augesprochen werden.

Es kann natürlich sein, dass man andere beurteilt, sich alles gut überlegt hat und doch ins Fettnäpfchen tritt oder merkt, dass die Kritik schlecht ankommt. Das ist ein tragischer Fall und leider nicht ganz zu vermeiden.

Man kann dann aus der Reaktion des „Beurteilten“ Schlüsse ziehen und sich überlegen, wie man es beim nächsten Mal besser macht und ob es überhaupt sinnvoll und angebracht ist, ihn überhaupt zu beurteilen.

Fazit
Manche Menschen werden einfach nicht so gerne beurteilt wie andere, es gibt dort Unterschiede. Man muss sich anschauen, wie Menschen leben und wo sie ihre Prioritäten haben (Beruf, Haushalt, Kinder, Freunde, etc.). Daraus lässt sich ein „Profil“ erstellen, eine gedachte Landkarte, mit deren Hilfe man Urteile und Meinungen über diese Person verbessern und optimieren kann.

Oder man verzichtet ganz einfach auf diese Urteile und bewegt sich komplett in anderen Gewässern.

So können am Ende alle sagen: Mit dir rede ich richtig gern, es macht Spaß!




Depression und Lebenswille

Letztens habe ich mich mal wieder über Depressionen informiert. Diese Krankheit trifft wohl sehr viele Menschen im westlichen Kulturkreis und ich selbst habe auch schon wiederholte Erfahrungen damit gemacht.

Die Depression ist eine traurige Krankheit, ein natürliches Gegengewicht zur aufgesetzten und vordergründigen Fröhlichkeit und Betriebsamkeit, mit der wir so oft konfrontiert werden. Durch ihre Art und Weise, alles in einem verlangsamten Blickwinkel zu sehen und ständig über alles nachzugrübeln, zwingt sie uns dazu, langsamer und bewusster zu leben. Es ist bisweilen grotesk und abenteuerlich komisch, wie falsch das Gehirn funken kann, wenn man depressiv ist und z.B. ein Problem mit seinem Serotoninhaushalt hat. Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Menschen- je nach Charakterstruktur und Genetik- mehr von der Krankheit betroffen sind und sie auch jederzeit wiederkommen kann, wenn man nicht so lebt, wie das „Leben“ es möchte.
Die Depression ist eine verkapselte und nützliche Antwort der eigenen Seele, das eigene Leben gerade zu biegen und die Faktoren zu ändern, die einen stören. Mich wundert es allerdings nur, dass man in dem Moment, wo man etwas ändern soll oder will, durch die Depression daran gehindert wird. Oft kommen Krankheiten wie Erkältungen oder ständige Erschöpfung und Überarbeitung dazu. Der ganze Körper schmerzt. Man versucht, durch Nachdenken das eigene Leben zu verstehen und eine Änderung herbeizuführen, aber es klappt nicht. Man fühlt sich eher wie eine Maschine, denn wie ein lebendiger und fröhlicher Mensch.

Man denkt stereotyp, beinahe zwanghaft, eingeengt und ist ständig mit einer traurigen Grundstimmung versehen. In diesem Zustand ist man nicht sehr kommunikativ, erlebt die anderen wie durch eine Blase. Man sieht zwar, wie sie ihren Mund bewegen, aber man ist nicht in lebendigen Kontakt mit ihnen. Ich denke, das Hauptproblem ist hier die lebensfeindliche Kommunikation, die Art und Weise wie wir miteinander reden. Somit gibt es depressionsfördernde Milieus und Umstände.

Man muss die Faktoren und die Menschen erkennen, die das Leben, die Freude begrenzen. Meistens sind das Menschen, die uns davon abhalten, etwas zu tun, was uns Spaß macht und selber sehr unglücklich sind. Menschen, die durch Urteile und übermäßige Kritik, motiviert von Neid und Unzufriedenheit, sich abfällig über uns äußern. Heutzutage ist es sehr schwer, glücklich und ausgeglichen unter Leuten zu leben, die nicht glücklich sind. Durch die falsche Kommunikation wird man unglücklich gemacht. Meinungen und Werturteile über das Leben drängen sich in unser Bewusstsein und werden zu unserem Denken. Durch das Lesen von Büchern oder anderen Maßnahmen hatten wir eine Ausgeglichenheit, waren glücklich. Andere Menschen durchstoßen dieses Glück, weil sie selbst unglücklich sind.

Was ist die richtige Antwort auf all diese Probleme?

Die richtige Antwort ist zunächst Stärke. In der depressiven Charakterstruktur werden wir zu Opfern, zu Erduldern unseres Schicksals. Die Abwehrmechanismen der Verdrängung, Verschiebung oder Sublimierung funktionieren nicht mehr. Das Leben und die Freude sind derart bedroht, dass wir nur durch Aggression und Abgrenzung weiterkommen. Die Wut und vor allem die Entschlossenheit ist hierbei der notwendige Impuls, weil er das Leben schützt.

Depressive Menschen müssen also aufstehen und sich dagegen wehren, was sie unterdrückt. Es ist ein Kampf zu führen, ein aktiver geistiger Widerstand, der Energie freisetzt. Durch die Energie haben wir mehr Kraft und können Probleme besser lösen, wir erhalten Erfolgserlebnisse, positive Rückmeldungen und Fortschritt. Somit können wir durch unsere Bewusstheit, durch unsere innere Kraft das Leben ins uns lassen, anstatt es selbst zu unterdrücken.

Bestimmte Regeln aus dem Über-Ich muss man diagnostizieren und ggf. löschen oder neu bewerten: Übertriebene Moral, Angst vor dem Leben, Bequemlichkeit, einfache und engstirnige Antworten auf die nicht zu überblickende Komplexität des Lebens.

Die Depression zeigt uns also, dass etwas schief läuft und sie manifestiert sich stärker, wenn wir uns nicht wehren können oder wollen. Die Depression ist die Antwort der Seele des bequemen Menschen, der sich gemütlich eingerichtet hat, aber nicht aktiv leben will.

Sie passt zu dem gesellschaftlichen Ideal des funktionierenden, mechanisch und perfekt lebenden Menschen- aber sie passt nicht zu der eigentlichen Natur des Menschen und seiner Seele, die da Lebendigkeit und Aufbruch heißt.

Nützliche Links




Kreislauf und Ende der Wut

Es gibt viele unterschiedliche geistige Konzepte, die man anwenden kann, wenn man merkt, dass man angegriffen wird und in Folge dessen wütend oder ungeduldig wird.

Das Unterbinden der Wut und der Aggression sollte das langfristige Ziel sein, weil die Wut zerstörerische und gefährliche Elemente enthält. Negative Gefühle können und sollen sich äußern, aber man sollte immer vermeiden, dass andere dadurch zu Schaden kommen oder man sein Gesicht durch Verlust der Selbstkontrolle verliert. Das Äußern der Wut ist mit gesundheitlichen und sozialen Nachteilen verbunden und gilt deswegen als „Tabuemotion“.

Auf der anderen Seite kann hinter der Wut auch ein wichtiger lebensbejahender Impuls stecken, denn die Wut hilft, uns von dem zu befreien, was uns bedrückt und wütend macht. Der Mensch benutzt „gesunde Aggression“ als Abwehrreaktion auf Schmerz und Unterdrückung. Diese Reaktion erhält ihn am Leben und ist genetisch tief einprogrammiert. Wer sich gegen wütende Menschen wendet, z.B. bei Kindern, und sie dann schlägt, lässt sie deswegen noch bockiger und schwerer erziehbarer machen. Sie spüren im Inneren, dass sie Recht hatten, sie waren wütend, wollten den Unterdrücker und Begrenzer ihrer Lebensfreude mit Wut abwehren.

Typisch ist es, dass man hinterher bereut, es einem leid tut, dass man erst wütend ist, und sich danach für schuldig bekennt.

Das ist auch okay, aber man muss sich immer fragen: Warum bin ich eigentlich wütend geworden? Wie soll ich mit dieser Emotion umgehen? Was sagt mir mein Konflikt?

Wenn man gründlich genug darüber nachdenkt, kann es einem helfen, die Ursachen zu erkennen. Dazu muss man aber erstmal den Kreislauf durchbrechen:

1.) Etwas erdulden und hinnehmen
2.) es nicht mehr aushalten
3.) Wütend werden, eskalieren // Feuerphase; keinerlei sinnvolle Interaktion möglich
4.) wieder abkühlen
5.) es bereuen, sich entschuldigen
6.) wieder „normal“ leben

In Punkt (1) sieht man, dass es vor allem das Erdulden von Missständen und die Unterdrückung von negativen Gefühlen ist, was die Wut wie in einem Gefäß anstaut und bei ungünstiger Gelegenheit zum Explodieren bringt. Im Leben müssen wir also erkennen, was uns unterdrückt, was uns Kraft raubt, wo wir uns verschwenden. Wenn diese Ursachen erkannt werden, kann man sie beseitigen und zwar ganz nüchtern, logisch und „sinnvoll“. Die Wut ist mehr ein tierischer Instinkt, ein wildes Um- sich- schlagen und das letzte und schlechteste Mittel, auf etwas zu reagieren.

Erst wenn wir das durchlaufen haben und wieder an Punkt (6) sind, können wir wirklich etwas ändern und an den Schwierigkeiten reifen.

Um zur Selbsterkenntnis zu gelangen, brauchen wir oft Hilfe von außen und vor allem viel Zeit. Nur wer schreiben und meditieren kann oder seine Zeit mit ausreichend Hobbys und Freizeit verbringt, kann sich weiterentwickeln und gelassen werden.

Die mangelnde Zeit und der eigene Erwartungs- und Erfolgsdruck ist zum einen der Auslöser für Wut und Ungeduld, und gleichzeitig die Bremse für das innere Wachstum.

Mit viel Kraft muss man im Grunde einen zeitlichen und praktischen „Freiraum“ schaffen, Urlaub, einen Moment, wo man nichts arbeitet, mit niemand redet und zum Nachdenken kommen kann.

Das zu viele Arbeiten ist das Feuer, das die Seele verbrennt, motiviert vom Leistungs- und Profitdenken und durch die Ausbeuterei der Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

Nicht einfach, diese Unfreiheit zu erkennen und auch zu ändern.

Ich denke, wer es wirklich ernst meint und solche negativen Entwicklungen stoppen oder ihnen entkommen will, braucht sehr viel Zeit und sehr viel Geduld.

Es ist im Grunde auch unfair, dass die einen leiden und für ihr Geld hart arbeiten müssen und die anderen nichts tun und vielleicht genauso gut leben, wenn nicht noch besser und unbeschwerter (vor allem ohne diesen psychischen Druck und die Stressbelastung, vom Geld mal abgesehen).
Vor dem Hintergrund der psychischen Gesundheit und der Stressverteilung ist die Arbeitssituation in Deutschland noch mal ganz anders zu beurteilen und mal wieder öffnen einem diese Gedanken auch das Sinnvolle und Gerechte an einem „Bedingungsloses Grundeinkommen“; was ja immer öfters diskutiert wird und vielleicht auch eines Tages kommen wird.

Weiterführende Links