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Grübeln geht immer

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Kategorie: Philosophie

Nichts ist jemals wirklich fertig

Blick aus dem fahrenden Zug auf Schienen und Wolken in der Sonne

Die letzten zwei Tage hat mich eine hartnäckige Virus-Erkrankung, die sehr plötzlich kam, etwas ausgebremst. Pünktlich zum Wochenende standen der Fließschnupfen, die Gliederschmerzen und die allgemeine Schlappheit vor der Tür und haben meinen normalen Plan vom Leben erstmal wieder aus der Bahn geworfen.

Aber habe ich überhaupt ein Plan? Manchmal zweifle ich doch sehr daran, ob ich überhaupt irgendeinen Plan habe. Vor allem, wenn die Schaffens- Energie nach der allgemeinen Flaute wieder frei wird und man sich dann die ewig gleiche Frage stellt „Wo fange ich überhaupt an?“

Ich hab tausend Projekte angefangen und auf sehr viele Sachen paradoxerweise meist gleichzeitig Lust. Meistens fang ich mit einer Riesen-Begeisterung an und mache die Sache dann zwei, drei Tage – bis mich die Motivation fast schlagartig verlässt und ich etwas ganz anderes machen möchte. Und so hangel ich mich von „Projekt“ zu „Projekt“ und nichts wird jemals richtig fertig. Ich erringe überall nur Teilsiege, kleine Fragmente meines Schaffens und sie reihen sich leise nebeneinander, aber doch ohne je richtig beachtet zu werden oder einen messbaren „Erfolg“ zu erzielen. Denn wie definiert man Erfolg im engeren Sinn? Wenn es mir genützt hat, wenn es z.B. im Netz steht und betrachtet werden kann, ist es dann nicht genug? Wenn es jemand gelesen hat, wenn es jemandem den Tag erhellt oder vielleicht sogar verdunkelt, hinterfragt und am Ende geholfen hat? Oder wenn es einfach nur steht, schwarz auf weiß, ohne Ufer, ohne Halt im ewigen Meer der fließenden Bits und Bytes?

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Sinn

„Sinn“ kann so vieles im Leben machen. Es ist sehr abhängig von der eigenen Einstellung, vom Charakter, von den gelebten Erfahrungen, von den Eltern, Verwandten und Freunden, die uns alle mit ihren Meinungen prägen.

Nicht immer ist der Sinn, von dem wir glauben oder gar „fühlen“, dass es der Richtige ist, auch der gesellschaftlich anerkannte oder einfachste Weg. So haben Jugendliche oder Studenten oft einen sehr starken Sinn für Gerechtigkeit, für Freiheit und das Gute im Menschen- doch wenn man Erfahrungen im Leben macht, wird man bald feststellen, dass die Welt oft ganz anders funktioniert und es teils heftige Widerstände gegen eigentlich „gute Überzeugungen“ gibt.

Von der Gesellschaft allgemein akzeptierte Sinn-Lösungen sind z.B. Kinder kriegen, Heiraten, einen guten Job haben, befördert werden, Sicherheit im Alter, ein Haus bauen. Vielleicht noch Erfolg im Sport, im Vereinswesen oder in der Politik.

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Erinnerungen und Zukunft

Was reizt eigentlich so an der Vergangenheit?

Erinnerungen sind für uns die eigentliche Methode zu begreifen, dass wir ein Leben haben, dass wir eine Identität im Rausche der Entwicklungen und Veränderungen besitzen. Dass unsere Seele, das Zentrum unserers Erlebens der Anker unseres Leben ist, um den sich alles herum aufspannt.

Erinnerungen sind eine Art Landkarte oder Kompass für das zukünftige Leben. Menschen, die keine Erinnerung haben, können sich auch im echten Leben nicht oder nur sehr schwer orientieren (z.B. bei Amnesie ). Es ist durchaus sinnvoll, die eigenen Erinnerungen regelmäßig wachzurufen. Man kann sie zwar nicht ändern, erlebt sie mehr wie ein Film, man kann aber die emotionalen Reaktionen, die damit verknüpft sind, ändern und rückwirkend den Blickwinkel der Betrachtung justieren.

Vieles, was man früher erlebt hat, sieht man mit dem neuen erwachsenen Bewusstsein der Gegenwart nüchterner, reifer und verändert. Fehler, die man gemacht hat, kann man korrigieren, vielleicht darüber lachen.

Der Mensch hat nur die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Die Vergangenheit ist das Material, mit dem die Erfahrungen und das logische Denken arbeiten kann, die Gegenwart erwartet schnelle Reaktionen und Entscheidungen und die Zukunft ist völlig unbekannt. Dennoch ist es möglich, aus den Erfahrungen der Vergangenheit Muster und Erwartungen für die Zukunft auszurechnen, abzuschätzen und an mögliche Wege zu “glauben”.

Wenn wir nicht in der Lage wären, völlig unbekannte Wege zu gehen, wenn wir uns nicht trauen würden, auch mal das völlig unbekannte zu wagen, würden wir immer nur im Kreis gehen und nie wirklich vorwärts kommen oder wachsen.

Ältere Menschen schwelgen gerne in Vergangenheit, manchmal sieht es so aus, als ob dies ein besonderes Kennzeichen für Alter ist. Bei diesen Menschen ist ein Gespräch auf Augenhöhe oft unmöglich, sofort fangen sie an, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz Vorträge und Beispiele aufzuzählen, die gelebte Erinnerung überdeckt die Gegenwart. Jüngere Menschen fühlen sich dann schnell bevormundet und übergangen, denn bei ihnen ist es umgekehrt: Wenn man jung ist, möchte man selbst Erfahrungen sammeln, möchte man unbedingt in das Unbekannte und kann es nicht schnell genug erwarten.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Generationen-Dialog manchmal so schwierig ist?

Wohin mit den vielen Erinnerungen, die das Leben so zu bieten hat? Mir scheint, das Schreiben und das Reden sind ganz gute Möglichkeiten. Oder man übt einen Beruf aus, der sich mit solchen Themen beschäftigt: Archäologe , Archivar, Geschichtslehrer, Autor, Traumforscher, Seelenklempner…

Oder doch lieber Futurologe? Wissenschaftler, Astronaut, Visionär?

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