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Kategorie: Philosophie

Mit Worten denken

~ Das Leben ohne Worte leben? Was bleibt, ist das Leben. Ohne Worte. ~

Man kann – außer in der Meditation- nicht an nichts denken.

Sobald man mit dem Leben in Berührung ist, denkt das Gehirn und spiegelt die Außenwelt auf das Innere, ob man nun will oder nicht. Die Außenwelt formt dabei meist das Innere. Das Innere formt aber auch die Außenwelt. Wer war zuerst da? Was ist wichtiger? Der depressive Mensch, der alles durch seine getrübte Brille sieht? Der fröhliche Mensch, der in allen Dingen das positive und lustige sieht? Der alte Mensch, der den Verfall und das Elend sieht? Der junge Mensch, der in allem ein Plan und eine Zukunft sieht?

Die traurigen Umstände und die schlechten Arbeitsbedingungen, die sich auch auf Gesundheit und Denken abfärben, wirken in der anderen Richtung. Der Streß in der Partnerschaft, der Streit am Arbeitsplatz, Ärger über die Verwandten, die das Herz krank machen. Enge und Lautheit, die das Gehirn zum Zerreißen bringt. Aggressionen, die geweckt werden, weil andere mal wieder unfreundlich waren und drängeln. Schlechte Kommunikation, Menschen, die nichts sehen, nicht antworten, komplett von allen Dingen des Lebens, von allen Regungen abgeschirmt zu sein scheinen.

Das Innere kann ohne das Äußere nicht leben und existieren. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Manchmal gibt es kein Ausweg, kein Ausweg aus dem Denken. Das eigene Ich wird dann zum Gefängnis…

Auch die Art des Denkens und des Eindrücke- Verwaltens prägen die Erfahrungen oder die allgemeine Lebenszufriedenheit. Man kann mit der gleichen Situation sehr unterschiedlich umgehen, es gibt keine Patentlösung. Nur eine Lösung, die sich meist aus Überlegung, Gefühl und Erfahrung formt- aber auch wiederum von Eigenheiten, Alter oder Geschlecht verändert und beeinflusst wird.

Es gibt das logische und strukturierte Gehirn, dass aus allem ein Plan macht, der oftmals hübsch aussieht, aber am Ende vielleicht doch nicht funktioniert. Es gibt den Chaoten, der aus allem ein Chaos macht… oder das Chaos sich einfach selbst überlässt. Denn was ist in der Natur schon ordentlich? Es ist die Eigenart der Menschen, alles gerade und rechtwinklig zu machen.

Optimismus und die Fähigkeit in allem etwas positives zu sehen- unbezahlbar.

Jeder sieht etwas anderes. Jeder hat eine eigene Welt. Jeder hat ein anderes Gehirn, das jeweils aus anderen Erfahrungen und Eindrücken geformt wird. Daher sind selbst genetisch komplett identische Zwillige nicht die gleichen Menschen.

Und die Art der Autoren ist es, alles mit Worten beschreiben zu wollen. Selbst wenn es eigentlich nichts gibt- oder andere Menschen gerade nichts sehen.

~ Kann das Gehirn auch über sich selbst nachdenken? Ich nehme an, das könnte sehr lustig werden... ~

Schöne Zitate (aus Kindle)

Hier ein paar Zitate, die ich seit letzter Woche mit dem Kindle gesammelt habe. Ich stelle sie einfach mal in den Raum, so wie ich sie frisch aus den „Clippings“ gezogen habe. Es steht jedem frei, sich eine Meinung dazu zu bilden. Wenn ich noch mehr Raum und Muse finde, werde ich vielleicht noch was dazu kommentieren:

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Selbstbetrachtungen (German Edition) (Emperor of Rome Marcus Aurelius)
- Highlight Loc. 204-5 | Added on Tuesday, March 29, 2011, 09:50 PM

Dann betrachte deine Seele, und was sie ist: ein Hauch; nicht immer dasselbe, sondern fortwährend ausgegeben und wieder eingesogen.

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Selbstbetrachtungen (German Edition) (Emperor of Rome Marcus Aurelius)
- Highlight Loc. 263-65 | Added on Tuesday, March 29, 2011, 10:10 PM

Und dann, daß auch der, der am längsten gelebt hat, doch nur dasselbe verliert, wie der, der sehr jung stirbt. Denn nur das Jetzt ist es, dessen man beraubt werden kann, weil man nur dieses besitzt, und niemand kann verlieren, was er nicht hat.

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Darwinismus und Sozialismus Der Kampf um das Dasein und die Moderne Gesellschaft (German Edition) (Ludwig Büchner) – Highlight Loc. 49-50 | Added on Wednesday, March 30, 2011, 02:17 PM

Ein sehr berechtigtes Sprüchwort sagt: »Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen.« Aber wie viele essen, die nicht arbeiten oder nie gearbeitet haben, und wie viele arbeiten, die sich nicht satt essen können!

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Darwinismus und Sozialismus Der Kampf um das Dasein und die Moderne Gesellschaft (German Edition) (Ludwig Büchner) – Highlight Loc. 246-48 | Added on Saturday, April 02, 2011, 02:08 AM

»Die Fesseln einer niederen Geburt«, sagt J. C. Fischer 1 »schleppen wir durch das ganze Leben, und an ihnen zerschellt oft die unerhörteste Anstrengung eines ganzen Lebens.«

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Selbstbetrachtungen (German Edition) (Emperor of Rome Marcus Aurelius)
- Highlight Loc. 453-54 | Added on Thursday, March 31, 2011, 05:08 PM

Wird die Schönheit des Edelsteins, des Purpurs, des Goldes, des Elfenbeins, die Schönheit eines Instruments, einer Blüte, eines Bäumchens geringer dadurch, daß man sie nicht lobt?

Im Frühjahr ist es schon Herbst geworden

Die Nachrichten, die Bilder des Tages, die Politik… ob überhaupt jemand davon berührt wird? Kann man überhaupt jemanden vorwerfen, nicht davon berührt zu werden…. oder übersteigen der Super-Gau und die Kriege gegen Zivilisten nicht einfach unsere Vorstellungskraft, die Grenzen unserer Wahrnehmung, die Grenze der belastbaren Gefühle.. die Grenze unseres eigenen Menschseins? Viele unsichtbaren Mauern sieht man in diesen Tagen. Mauern die schützen, die aber auch stumpf werden lassen.

Was ist der Mensch mehr, als die Summe der geistigen Eindrücke und Wechselwirkungen, die er von sich, aus sich, über andere und mit anderen macht? Der Mensch, die Variablen-Maschine, die stets am Limit der Eindrücke fährt und dessen Frame-Rate hin und wieder unter der Last der vielen Neuberechnungen zusammen zu brechen droht.

Der Mensch, Drahtgitter in einer fleischeslüsternen Welt. Der Mensch. Hat sich über Gott erhoben und kann jetzt die Evolution beeinflussen. Hat sich zum Hüter der Materie aufgeschwungen, spaltet die Kerne und bildet sich viel ein auf seine Leistungen. Meint, das Göttliche, das Begrenzende des Daseins ein für alle mal von sich geschüttelt zu haben!

Wie klein er doch ist, der Mensch. Beinahe nur ein armseeliger Pixel im luftleeren Raum.

Ohne Vektor und ohne Koordinaten lässt er sich von den Naturgewalten treiben und meint, sie gehorchen ihm, nur weil der letzte Zufall dem derzeitigen Lauf seiner Gedanken entsprochen hatte. Ohne moralische Dimension ist der heutige Mensch. Plattgedrückt wie ein Blatt im Wind, dass nach der nächsten Umweltkatastrophe vom Baum gesegelt ist und nun langsam von den Bakterien der Unterwelt genüsslich in seine Einzelteile zerlegt wird. Er ist stolz darauf, es zu verstehen, wie er da angeknabbert wird- lacht vielleicht noch belustigt darüber, aber das Verständnis allein schützt ihn nicht vor seinem drohenden Untergang.

Das ist der „moderne“ Mensch. Und am Ende bleibt der Krone der Schöpfung nur der Neuanfang als zusammengesetztes Atom, als wachsende, energieverschligende Zelle und das ganze Schlamassel seines göttlichen Wirkens beginnt wieder von vorne.

Erst kommt das Fressen

“dann kommt die Moral”- Zitat aus der Dreigroschenoper

Die Frage nach der Moral ist mitunter genauso bagatellhaft wie die Frage nach dem Sinn des Bloggens. Entweder man stellt sie sich oder nicht. Entweder man entwickelt darüber das Gefühl, dass es eine Frage ist, die es wert ist, darüber nachgedacht zu werden oder man verzichtet darauf.

Wozu also Moral? Oder : was ist überhaupt Moral?

Als Laie würde ich es mir so erklären: Moralische Handlungen sind Handlungen aus dem Über-Ich (also dem Gewissen im Unterschied zum logisch-analytischen Denken und den kindlichen, emotional motivierten Absichten). Im Volksmund sagt man auch „Gewissen“ dazu. Beispiel: „Er hat gewissenhaft gehandelt“ oder das ist „ein Mensch ohne Gewissen“.

Das Gewissen ist also eine virtuelle Instanz, die bei Mensch höchst unterschiedlich stark ausgeprägt ist und als übergeordneter Gehirn-Bürokrat in die triebhaften und autonom ablaufenden, unreflektierten Handungen eingreift. Ein zu starkes Gewissen kann dabei den normalen Arbeitsalltag sehr erschweren, weil es mitunter zum Zweifeln, zum Zögern und zum Hadern führt und der „Spaß am Leben“ sich einfach nicht entfalten kann. Umgekehrt ist es bei Menschen ohne Moral, im Extremfall Verbrecher, die einfach das machen, worauf sie Lust haben und ihnen der Sinn steht. Wenn sie etwas haben wollen, holen sie es sich einfach und fragen nicht nach dem Besitzer. Aber auch der rücksichtslose Liebhaber, der sich einfach aus dem Staub macht und auf die Bedürfnisse seiner Partnerin keine Rücksicht nehmt, ist und handelt gewissenlos.

Moral ist flexibel und Deutungen unterworfen

Es ist sehr verbreitet, die moralisch verwerflichen Handlungen und das Fehlen einer Moral zu kritisieren. Wenn man genau hinschaut, ist das tägliche Geschäft der Medien, aber vor allem der Ereiferer dahinter, den Stammtischbürgern und der Volksseele (den Wutbürgern). Auf der einen Seite gibt es „alternativlose“ Pläne und Beschlüsse von moralisch dünn-besetzten Politikern und dann gibt es Wut-Aufschrei der Protestgeneration.

Alles ist letztendlich auf die Fragen des Gewissens zurückzuführen, auf die Frage nach der Moral und nach dem jeweiligen Interpretieren dessen, was richtig oder falsch ist.

Im gleichen Zug hat sich der Begriff des „Gutmenschen“ verfestigt, mit dem die moralisch attackierten „Schlechten“ den Kritikern ein Spiegel vor das Gesicht halten können. Das deutet daraufhin, dass die Moral in ihrer Besetzung flexibel ist und sogar umgedreht werden kann. Letztendlich ist für viele Menschen immer die eigene Haltung, die eigene Einsicht „moralisch“ und die der anderen, die den eigenen Thesen widerspricht „unmoralisch“. Für die einen sind Atomkraftwerke eben moralisch gut, weil sauber und effizient und für die anderen steht der Atommüll und die Gefährdungslage im Vordergrund. Moral ist eine Frage der Bewertung und es ist sehr schwer, eine objektive Moral herauszuarbeiten.

Generell denke ich aber, dass die Moral-Fragen die wichtigsten sind, weil es die einzigen sind, die das Handeln von Menschen hinterfragen, die ihn und seine Entscheidungen transparent werden lassen.

Ein starke Moral-Instanz aus früherer Zeit waren die Kirchen und ihre- zugegeben- oft zweifelhafte oder doppelzüngige Moral. Es gibt langfristig keine absolute Moral-Instanz, die ohne Fehler ist und je mehr jemand dieses für sich behaupten möchte, desto anfälliger wird er für Kritik und reale Verfehlungen. Man denke z.B. an die Vorfälle im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandalen in katholischen Einrichtungen.

Manchmal kann eine starke moralisch Atmosphäre und die Verpflichtung „moralisch“ zu sein, sogar eine Bürde oder eine Last für die Betroffenen sein und die Verstöße gegen die Moral (z.B. die Sexualmoral) dann umso reizvoller erscheinen oder das eigentliche Bedürfnis so sehr unterdrücken, dass es sich irgendwann untkontrolliert einen Lauf bahnt.

Moral und Philosophie

Die Moral und die Philosophie sind enge Verwandeten, denn auch die Philosophie fragt stets nach dem Warum, Weshalb und ob etwas richtig oder gut ist. Es kann keine normativen Erklärungen der Welt geben, ohne dabei die weitausläufigen Gebiete der Moralfragen zu streifen.

Auch die oft als moral-freie definierte Wissenschaft erreicht ihre Grenzen, wenn etwas wissenschaftlich möglich ist, aber von den Grenzen der Moral eingefangen werden muss: Zum Beispiel die Nutzung der Atomkraft, Atomwaffen, oder genetische Veränderungen an Pflanzen, Tieren und Menschen. Die Frage lautet dann: Ist das überhaupt gut, was wir da machen? Ist es moralisch gesehen einwandfrei? Solche Fragen hätten schlimmeres verhindern können, denkt man z.B. an die ersten Atomwaffen-Abwürfe im zweiten Weltkrieg. Aber ein Krieg kann, wenn er erstmal entfesselt ist, nicht als der Hüter der Moral bezeichnet werden, sondern eher als deren Vernichter.

Die Moral als Solches ist im Volks-Bewusstsein und im jeweiligen Zeitgeist streng verstrickt und erinnert tlw. an die Auswirkung eines gedanklichen „Virus“ der von Vera Birkenbihl einst so anschaulich beschrieben wurde.

Moralischer Zeitgeist

Es ist z.B. derzeit unmoralisch, zu rauchen. Die Denkweise hat sich bei den Menschen (bzw. einer bestimmten bürgerlichen Schicht von Menschen) stark verbreitet und z.B. in Bayern zu einem Volksentscheid geführt, der dann das Rauchen aus öffentlichen Räumen und Kneipen verbannt. Noch vor ca. dreißig Jahren haben viel mehr Menschen geraucht, es gab Werbung im Fernsehen dazu und es war sogar „schick“ wenn man rauchte. So schnell können sich die Ansichten drehen und so flexibel ist die Moral.

Dann gibt es aber unmoralische Dinge, die schon immer unmoralisch waren und sich wahrscheinlich nicht ändern werden. Vieles findet man in den zehn Geboten oder anderen Gesetzen wieder: Jemand zu töten ist sehr unmoralisch, genauso wie stehlen, lügen, fremd gehen, usw.

Aber die Dinge können auch aufgeweicht werden, „Fremd gehen“ ist z.B. nicht mehr ganz so unmoralisch wie einst. Es gibt viele Dating-Plattformen im Internet, die sich darauf spezialisiert haben und einen bequemen Seitensprung anbieten. Auch das einst stark verpönte uneheliche Kind ist heutzutage kein Problem mehr, eine Brustvergrößerung kann machen, wer will und die Patchwork-Familien sind an der Tagesordnung. War die Scheidung vor ein paar Jahren (vor allem seitens der Frau) noch ein Riesenproblem, hat sich die moralische Bewertung dessen heute stark gewandelt. Vieles ist „normal“ geworden , was früher noch „unmoralisch“ war.

Grenzenlose Moral?

Vielleicht können die letzten Jahrzehnte mehr als je zuvor eine Befreiung des Menschen von der Moral bezeichnet werden. Alles muss schneller, besser größer sein, die persönlichen Freiheiten haben in den Industrieländern stark zugenommen und der materielle, volkswirtschaftliche Reichtum ist stark angestiegen. Natürlich kommt der Reichtum nicht bei allen an, denn durch das moralische oder nicht-moralische Handeln von einzeln wird eine ungleiche Verteilung voran getrieben. „Reichtum für alle“ war gestern und heute eine Utopie wie je zuvor und die Verfechter des Kommunismus sind „höchst unmoralisch“ (obwohl sie ja eigentlich etwas moralisch gutes wollen, nämlich Reichtum für alle..).

Diese riesige Freiheit an Möglichkeit und Entscheidungen führt aber auf der anderen Seite auch zur Unsicherheit. Wo alles möglich ist und die Grenzen der Moral ausgehebelt wurden, gibt es auch keine Grenzen mehr. Wer begrenzt unseren Konsum, wenn nicht wir, durch unsere Moral? Wer hält uns davon ab, pro Woche 20 kg Fleisch zu essen und uns mit Süßigkeiten vollzustopfen? Bestimmt nicht das Geld, bestimmt nicht der Mangel an Lebensmitteln- sondern nur wir selbst.

Die Befreiung von der öffentlichen Moral und den äußeren Grenzen ruft automatisch unsere Verpflichtung zu einer inneren Moral wach. Die innere Moral ist oft der einzige Pfeiler, der uns geblieben ist. Er muss unweigerlich wachsen, wenn wir nicht in der Fülle der Möglichkeiten untergehen und völlig den Halt verlieren wollen.

Der Mensch, so frei wie er auch ist, kann nicht ohne Moral leben. Die Moral, hat im Guten einen wichtigen Zweck: Sie ist Wegweiser und höhere Instanz, die die Dinge bewerten kann. Sie muss flexibel und darf nicht dogmatisch sein.

Die Illusion des Virtuellen

woher kommt meine partielle Blogmüdigkeit?

Im Moment hat sich bei mir so etwas wie eine gewisse Blogmüdigkeit breit gemacht. Das ist an sich nichts ungewöhnliches oder schlimmes und wer das Blog länger liest, weiß, dass ich das regelmäßig habe. Ich will eben keine Maschine sein, die jeden Tag 20 Artikel raushaut, um dann in irgendwelchen Listen ganz oben zu stehen. Nein, der philosophische und menschliche, vielleicht auch persönliche Anteil war mir in den Texten immer wichtig gewesen. Ich denke, man kann Texte nur gut schreiben, wenn man einen großen Anteil eigener Person „untermischt“ und auch ganz explizit persönliche Anteile und Gedanken mitteilt. Würde man das nicht machen, kann man gleich zur News-Maschine werden, über SPON und die ganzen anderen Nachrichten-Portale eilen, das beste zusammenpicken und dann einen Zweizeiler dazu schreiben. Sicherlich ist das auch eine interessante Form des Bloggens, aber es liegt mir persönlich nicht. Ich möchte in eine News einsteigen, ich möchte die Tiefe ergründen, ich möchte Menschen (und vor allem mich selbst) zum umdenken bewegen.

Schwarz, weiß oder bunt?

Das ist nicht immer ganz leicht. Nehmen wir z.B. die Integration-Debatte, die es derzeit in den Medien gibt. Obwohl wir im Land mit der Geschichte größter Grausamkeit im Namen der Andersfeindlichkeit leben und wir über 60 Jahre Aufklärung, Geschichtsstunden und Museen über unsere dunkle Vergangenheit haben, eine Grüne Partei die stärker als je zuvor ist, gibt es immer noch genügend Menschen, die ausländerfeindlich sind, Stammtisch-Parolen raushauen, über Hartz IV-Empfänger schimpfen und alle recht ungeschickt mit dem farbenfrohen Malkasten der gängigen Klischees hantieren.

Und die politische Kultur erscheint mir in allen Bereichen so einseitig. Es gibt kaum noch vernünftige Mittelwege. Der Streit um Stuttgart 21 hat das ganz gut gezeigt, wie verhärtet die Fronten sind und dass es für viele Menschen nur noch schwarz/weiß gibt.

Es gibt daher keine Partei, aber vor allem auch keine politische Denkrichtung, der ich mich vorurteilsfrei und mit gutem Gewissen anschließen kann. Wenn ich darüber blogge, dann liebe ich es, beide Seiten einzunehmen.. mich in der Mitte beider Gedankenfäden eine Weile zu verirren und am Ende in einer Idee wieder zu finden, die ich vorher so nie erwartet hätte.

Warum kann man nicht gegen Atomenergie, für höhere Hartz IV-Sätze, aber auch für ein Wirtschaftsprojekt wie Stuttgart 21 sein?

Warum kann man sich nicht für einen Mindestlohn starkmachen, aber gleichzeitig die Unternehmen steuerlich entlasten? Warum kann man nicht das Renteneintrittsalter heraufsetzen und die gezahlten Renten dafür erhöhen? Warum kann man nicht gegen Ausländerfeindlichkeit sein, aber sich dennoch eine „gute Integration“ (z.B. Deutschkenntnisse) wünschen?

Der Mainstream lenkt die Aufmerksamkeit

Warum werde ich durch den Mainstream der Gedanken und Medien dazu gezwungen, mich immer auf eine einzige Linie zu schlagen? Reichen denn fünf oder sechs Parteien aus, um die ganze Vielfalt des Menschen und seiner Gedanken und Meinungen wider zu spiegeln? Ich denke nein.

Und das ist der Grund, warum ich derzeit wenig Lust auf das Bloggen, vor allem das politische Bloggen habe. Ich kann nur „erfolgreich“ sein, wenn ich bestimmte Klischees bediene und mich auf eine Linie festlege, die derzeit alle vertreten. Das engt den freien Geist aber ein. Ich möchte weiterhin vorurteilsfrei, parteienlos und klischeelos urteilen dürfen. Oder ich möchte eine Zeit lang das eine Klischee bedienen um kurzerhand zum anderen zu springen um damit die Absurdität des Ganzen zu verdeutlichen.

Aber es ist natürlich vermessen, zu erwarten, dass andere Menschen diese Meinung teilen oder man gar jemand mit dem eigenen Tun „überzeugen“ kann. Es geht nicht darum, ob man sich Mühe gibt, sondern darum, ob man Erfolg hat.

Überzeugen lässt sich per se niemand. Überzeugung, egal wie man sie äußert oder vertritt, ist auch immer Manipulation und Einflussnahme, es gibt keine „gute Überzeugung“, die ohne einen egoistischen Anteil auskommen würde.

Die Rolle der Blogs

Das bringt uns zur anderen Frage: Was können Blogs, oder vor allem: was sollen Blogs? Soll ich weiterhin über mein Privatleben schreiben und hin und wieder einen zusammengestellten Alltagsbericht „produzieren“? Soll ich mich politisch engagieren oder lieber ganz aussteigen und zur Nicht-Wählerin mutieren? Soll ich eine direkte Ansprache wählen, soll ich mich bemühen, jemand zu belehren und zu bekehren?

Ich denke inzwischen, dass man das alles nicht kann, ohne sein Gewissen zu verbiegen. Die Begründung ist ganz einfach: Die Mainstream-Medien erzeugen Aufmerksamkeitswellen, verstärkt durch soziale Netzwerke wie Twitter oder Nachrichten-Portale mit vielen Besuchern. Die tägliche News ist das Geschäft, nicht das tiefgehende Sinnieren über eine News oder gar die Diskussion mit Menschen untereinander, die darüber nachdenken und auf Augenhöhe austauschen wollen. Wir als Blogger wiederholen also nur diese News und kommentieren sie allenfalls, falls wir überhaupt diese Kapazitäten haben, um jede einzelne News auch in ihrer vollen Länge geistig-mental und mit großem Sachverstand und umfangreichem Allgemeinwissen zu „durchleuchten“. Wenn wir das wollen und könnten, würde es ganz gewiss ein Fulltime-Job werden.

Wir dringen in Normalfall niemals in die Tiefe. Die News-Welle überrollt uns alle und bindet die Aufmerksamkeit. Nehmen wir die Vorurteile und die Klischees. Wie kann man sie ändern? Ganz bestimmt nicht über eine Klischee- oder Anti-Klischee-Welle, weder über rechts-ruck Unternehmerfreund- und Anti-Hartz Parolen, noch über das gutmenschen-linksgerichtete, Korksandalen-tragende, frauenfreundliche, sozialistische Gemengelage..

All das bringt den Menschen nicht weiter und all das ändert eine Gesellschaft nicht. Indes, wir bauen einfach neue Fronten auf, wir lernen dabei unseren Mitmenschen niemals kennen. Wir ärgern uns über diese schlechte Welt, bemerken aber nur selten, dass wir es mit unseren Gedanken sind, die sie täglich neu erfinden. Wie in einer Matrix sehen wir die Welt durch einen Schirm, aber wir sehen nicht die Welt, so wie sie eigentlich ist. Wir sind blind geworden für die Realität, weil unsere Meinung sich über die Schirme und die Buchstaben bildet.

Wir erschaffen uns schlechte Menschen, wenn wir blutrünstige Krimis mit paranoiden Persönlichkeiten „konsumieren“. Wir sind es, die ausländerfeindlich sind, wenn wir hinter vorgehaltener Hand über ein Kopftuchmädchen lästern. Wir sind es, die die Leser betrügen, wenn wir uns freundlich und offen geben, aber hinterrücks vielleicht 2.000 Identitäten besitzen. Es ist nie „die Gesellschaft“ die schlecht ist, es sind auch nicht „die Politiker“, es sind weder „die Unternehmer“ noch „die Frauen“, es sind auch nicht die „Rentner“, nicht „die Machos“ und auch nicht die Spontis, Radikalen, Rassisten, Extremisten und wie sie alle heißen.

Fazit

Es sind einzig und allein wir, der einzelne Mensch, der das Zünglein an der Waage ausmacht. Und es ist eine große Last, das im vollen Ausmaß zu erkennen und zu akzeptieren. Die Aufklärung hat uns mündig gemacht, aber gleichzeitig mit hoher Verantwortung für uns selbst und die Gesellschaft beladen.

Der einzelne ist aber nur schwer zu erfassen, also verallgemeinern wir. Vereinfachen wir uns die Sicht, in dem wir das geliebte Werkzeug der Abstraktion benutzen. Wir teilen das Individuelle auf und fassen es in überschaubaren Gruppen zusammen. In immer kleineren Gruppen, bis nur noch ein Satz übrigbleibt, ein Gedanke. Vielleicht ein ausländerfeindlicher Gedanke, vielleicht ein feministischer Glaube oder eine religiöse Überzeugung. Aber stets, nur kleine Fragmente eines großen Ganzen, aufgeladen mit mentaler Energie, geschärft durch das Feuer des Wortes, und emotional-eisig wie der nahende Winter.

All das macht nicht frei. Im Gegenteil, es macht müde. Man dreht sich und dreht sich und bleibt doch auf der Stelle. Es gibt kein Entkommen, die Menschen sind eben schlecht, die Gesellschaft egoistisch und geizig. Das Gute zahlt sich nicht aus, also warum noch an das Gute glauben?

Und was soll der einzelne Blogger schon dagegen machen? Er beobachtet, er schreibt und er ändert doch nichts.

Er kann nichts ändern, weil sich nur die Menschen selbst ändern können. Es ist nicht die News-Welle, die zu Glück führt, sondern nur das eigenständige Denken und das unmittelbare Wirken im Jetzt. Es gibt nichts darüber hinaus, was nicht den Deckmantel und die Illusion des Virtuellen hätte.

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