Archiv für die Kategorie „Philosophie“

Erinnerungen und Zukunft

Mittwoch, 26. August 2009
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Was reizt eigentlich so an der Vergangenheit?

Erinnerungen sind für uns die eigentliche Methode zu begreifen, dass wir ein Leben haben, dass wir eine Identität im Rausche der Entwicklungen und Veränderungen besitzen. Dass unsere Seele, das Zentrum unserers Erlebens der Anker unseres Leben ist, um den sich alles herum aufspannt.

Erinnerungen sind eine Art Landkarte oder Kompass für das zukünftige Leben. Menschen, die keine Erinnerung haben, können sich auch im echten Leben nicht oder nur sehr schwer orientieren (z.B. bei Amnesie ). Es ist durchaus sinnvoll, die eigenen Erinnerungen regelmäßig wachzurufen. Man kann sie zwar nicht ändern, erlebt sie mehr wie ein Film, man kann aber die emotionalen Reaktionen, die damit verknüpft sind, ändern und rückwirkend den Blickwinkel der Betrachtung justieren.

Vieles, was man früher erlebt hat, sieht man mit dem neuen erwachsenen Bewusstsein der Gegenwart nüchterner, reifer und verändert. Fehler, die man gemacht hat, kann man korrigieren, vielleicht darüber lachen.

Der Mensch hat nur die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Die Vergangenheit ist das Material, mit dem die Erfahrungen und das logische Denken arbeiten kann, die Gegenwart erwartet schnelle Reaktionen und Entscheidungen und die Zukunft ist völlig unbekannt. Dennoch ist es möglich, aus den Erfahrungen der Vergangenheit Muster und Erwartungen für die Zukunft auszurechnen, abzuschätzen und an mögliche Wege zu “glauben”.

Wenn wir nicht in der Lage wären, völlig unbekannte Wege zu gehen, wenn wir uns nicht trauen würden, auch mal das völlig unbekannte zu wagen, würden wir immer nur im Kreis gehen und nie wirklich vorwärts kommen oder wachsen.

Ältere Menschen schwelgen gerne in Vergangenheit, manchmal sieht es so aus, als ob dies ein besonderes Kennzeichen für Alter ist. Bei diesen Menschen ist ein Gespräch auf Augenhöhe oft unmöglich, sofort fangen sie an, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz Vorträge und Beispiele aufzuzählen, die gelebte Erinnerung überdeckt die Gegenwart. Jüngere Menschen fühlen sich dann schnell bevormundet und übergangen, denn bei ihnen ist es umgekehrt: Wenn man jung ist, möchte man selbst Erfahrungen sammeln, möchte man unbedingt in das Unbekannte und kann es nicht schnell genug erwarten.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Generationen-Dialog manchmal so schwierig ist?

Wohin mit den vielen Erinnerungen, die das Leben so zu bieten hat? Mir scheint, das Schreiben und das Reden sind ganz gute Möglichkeiten. Oder man übt einen Beruf aus, der sich mit solchen Themen beschäftigt: Archäologe , Archivar, Geschichtslehrer, Autor, Traumforscher, Seelenklempner…

Oder doch lieber Futurologe? Wissenschaftler, Astronaut, Visionär?

Bloggen und Vernetzen

Montag, 24. August 2009
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Teil 3, Teil 2 und Teil 1

Ja, mal wieder ein Artikel übers Bloggen. Es kann nicht genug geben, denn “Über das Bloggen” bloggen bedeutet, das Sein zu betrachten und die unmittelbare Welt der Gegenwart zu analysieren. Da sich diese ständig wandelt und man auch ständig neue Eindrücke zurückerhält, kann es nicht schaden, in regelmäßigen Abständen über das Bloggen selbst zu rekapitulieren. Es ist letztendlich Philosophie über eine moderne Kommunikationskultur und berührt auch andere, klassische Formen der Kommunikation und der sozialen Realität.

Bloggen ist zu einhundert Prozent eine soziale Angelegenheit. Ohne die Vernetzung, ohne die Kommentare hat ein Blog keinen Wert. Wenn man sich aber vernetzen will, ist es man darauf angewiesen, sich in die Gedanken anderer Blog-Autoren zu versetzen und zu versuchen, an deren Charakter und deren Geschriebenes anzuknüpfen.

Es ist ein wenig paradox: Die Blogs leben von der Vernetzung und der offenen Diskussionskultur, aber letztendlich schreibt immer nur ein Autor- in nur wenigen Blogs teilen sich die Bühne mehrere Autoren.

Das Blog als Technik begünstigt also eine gewisse narzistische Denkweise, verlangt aber wiederum vom Autor, dass er sich zu vernetzen hat.

Und was ist mit den stillen Vertretern der Szene, die sehr gute Gedanken haben, aber nicht die Fähigkeit oder Lust, auch im starken Wettbewerb mit anderen zu bestehen? Was ist mit den Geschlechtern, wo es immer mal wieder Studien gibt, dass Frauen dem offenen Wettbewerb eher aus dem Weg gehen als Jungen?

Letztendlich sind Blogs genauso real und verhalten sich ähnlich wie Gespräche unter Menschen.

Es gibt soziale Schichten und es gibt naturgemäß mehr Leute, die einfach aus ihrem Privatleben erzählen und tendenziell wenige, die sich für so ehrbare Werte wie “soziale Gerechtigkeit” oder “politische Aufklärung” einsetzen.

Viele Blogs sind reine Spaßblogs oder mischen die Themen einfach bunt durcheinander.

Dann gibt es noch die breite Front kommerzieller Blogs, die zahlenmäßig ein großes Gewicht haben und die die rein privaten Blogs zurückdrängen. Die Angst, die von den Medien über die Veröffentlichung privater Inhalte in der Öffentlichkeit geschürt wird, verbessert die Lage für private Blogger nicht gerade. Ein ehemals beliebtes Medium wird an die Wand diskutiert und schlecht geredet.

Es gibt keine richtige Linie bei Blogs und Bloggern und daher können auch Freundschaften recht schnell wieder zerbrechen. Der Aufwand, den man verhältnismäßig in die Vernetzung stecken muss, ist sehr hoch. In dieser Zeit kann man keine eigenen Artikel schreiben. Wenn man pro Tag nur eine Stunde für das Bloggen reservieren kann, ist diese sehr schnell aufgebraucht. Daher ist die Frage, was ist besser? Soll ich neue Blogs suchen, bei anderen kommentieren und an der Blogroll arbeiten? Oder überlege ich mir im stillen Kämmerlein meine Gedanken und betreibe Nabelschau?

Wenn ich wachsen und mich vernetzen will, bleibt die Frage: Wohin will ich gehen? Wo sollen die Schwerpunkte liegen, was ist wichtig, was ist unwichtig?

Suche ich mir Leute, die über ähnliche Themen bloggen oder bevorzuge ich liebe das harte Kontrastprogramm?

Ein guter Ansatz kann es sein, wenn man über menschliche Probleme schreibt, die einen belasten. Über dieses Leiden kann Gemeinsamkeit aufgebaut werden und zugleich schafft man Mehrwert für gesellschaftliche Themen, die sonst kein Gehör finden würden. Die natürliche Hemmschwelle bleibt aber die veröffentliche Privatspähre und die Tatsache, dass man jederzeit anonym beobachtet werden kann und sich eventuell “zum Idioten macht.”

Außerdem bekommt man dann schnell den Ruf eines Problem-Bloggers und wer will schon mit Problemmenschen was zu tun haben? Wollen wir nicht alle hochwertige Kontakte und steigt mein eigener Wert nicht in Relation zu meinen eigenen Kontakten und anderen Ressourcen, die ich verteilen kann?

Es liegt nicht jedem Menschen gleich gut, sich so öffentlich zu entblößen und für die seelische Stabilität ist es nicht immer ein Vorteil. Im schlimmsten Fall geht der Schuss nach hinten los und die eigene psychische Stabilität wird durch die Flucht in die Online-Welt gefährdet. (siehe z.B. Mediomans Artikel über Online-Spiele )

Ein Mangel an Rückmeldung, zu wenig öffentlich geäußerte Zuneigung und Anteilnahme scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein, dass bezeichnend für unsere Zeit ist.

Unsere Gesellschafts-Struktur wird immer kleiner und die Tendenz geht zu kleinen oder Single-Haushalten. Normale soziale Kontakte, die frei von Wettbewerbs-Denken oder Eifersucht sind, eher selten. Aufmerksamkeit eine Ressource, die kostbar verteilt ist und sich meist nur dann vermehrt, wenn man selbst viel davon geben kann.

Das Bloggen an sich ist im besten Fall ein Schritt aus der Isolation heraus, eine Vorbereitung auf das echte Leben, aber es ersetzt die echten menschlichen Gefühle nicht und kann nur eine Art Spiel sein, bei dem übt, sich im sozialen Sinn richtig zu verhalten.

Zudem trainiert man sein Gedächntis, die Sprachfähigkeit und das Gewissen.

Ein Bloggen ohne Gewissen ist wie Schreiben ohne Füller.

Ein Blog ohne Vernetzung ist wie ein Haus ohne Stromanschluss und ohne fließendes Wasser.

Haben oder Sein?

Mittwoch, 22. Juli 2009
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Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut dieser Klassiker auf unsere heutige Zeit passt- und der fromme Wunsch von Erich, dass sich schon bald etwas zum Guten wendet und die junge Generation (der siebziger Jahre) es vermag, Veränderungen in den materiellen/ seelischen Bereichen herbeizuführen sind leider (noch) nicht eingetroffen.

Das Buch, dass ich auszugsweise, quer und immer mal wieder lese, ist eine komplexe Antwort auf einen ganzen Lebensstil. Es ermöglicht, diesen Lebensstil des “Habens” überhaupt zu erkennen. Es mag eine Grundlage sein, für die vielen Konsumkritiker und neuerdings “Bank/ Managerkritiker” der Neuzeit, aber es ist nicht vollständig und es ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

Fromm beschreibt z.B. nicht ausführlich genug, worin die Verführungen des Habens-Typus genau liegen und warum soviele Menschen anfällig für diesen Lebensstil sind. Auch die genetischen, psychologischen Grundlagen für das Anhäufen von Dingen vermisse ich ein wenig.

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Konformität und Verschiedenheit

Montag, 16. Februar 2009
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Eben lief die Wiederholung einer Sendung im Fernsehen, die so traurig und bewegend war, dass ich sie noch mal anschauen musste und nicht weitergeschaltet habe. Es ging dabei um einen an Amnesie erkrankten Patienten, der durch seine Krankheit seine Arbeit, Familie und Kinder verloren hat und der zudem auch keine Freunde und Gleichgesinnte mehr findet. Wenn er keine Eltern hätte, die sich rührend um ihn kümmern, hätte er niemanden mehr und wäre völlig alleine.
Den Fall finde ich deswegen so besonders und auf der anderen Seite unverständlich, weil der Mensch sehr, sehr nett rüberkommt, ein freundliches Lächeln hat, sehr aufgeschlossen, intelligent und humorvoll wirkt. Das einzige Problem, was er hat: er kann sich halt nichts merken!

Durch einen Unfall lag er im Koma, dabei wurde sein Gehirn mit Sauerstoff unterversorgt, das Ergebnis ist eine partielle Amnesie. Die Reportage zeigte nun, wie sich dieser Mensch mehr schlecht als recht durch den Alltag bewegt, wie er professionelle Hilfe von einem Arzt bekommt (Gedächtnistrainer) und wie er persönlich damit umgeht, und was er darüber denkt.
Wie gesagt, er ist eigentlich “normal”, er hat nur eine kleine Besonderheit, die macht ihn sogar recht liebenswert- es mag eine große Belastung für ihn sein, aber er geht auf eine interessante Art und Weise damit um. Er lächelt über sich selbst, kann sich aber auch nicht verstehen, er hat einfach ein gutes Stück weit die Orientierung verloren, so wie ein Kind, dass immer nur gerade spielt, aber an keine Verpflichtungen denkt, keine Termine, kein Gestern und kein Morgen fürchtet.

Aber doch- war seine Krankheit für andere soweit abstoßend, dass man ihn deswegen verlassen hat. Dieser Punkt ist das eigentliche Krankhafte an der ganzen Geschichte und wie immer- kann der Patient eigentlich das Wenigste dafür.

Warum verlassen Menschen also andere Menschen, wenn diese den Anschein erwecken, psychisch nicht ganz gesund zu sein? Im Zusammenhang mit Schizophrenie und ähnlichen Erkrankungen habe ich schon vergleichbares gehört, bzw. gelesen.

Ist es die allgemeine Unfähigkeit in unserer Gesellschaft, Krankheit zu akzeptieren? Machen wir das Normale, das klinisch reine, ja sterile soweit zu unserem Maßstab, dass wir vergessen, wie verrückt und chaotisch das Leben sein kann und dass es am wenigsten einen normalen, sauber abgesteckten Pfad laufen mag?

Wer ist also der zu nennen, der jemand verlässt und im Stich lässt, nur weil der andere etwas anders ist und eine Sache hat, die ich nicht kenne?

Ist die Angst das entscheidende Kriterium?
Das mangelnde psychologische Feingefühl?
Die Kurzlebigkeit der Welt?
Der ständige Druck, erfolgreich sein zu müssen?
Die Angst, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden, wenn ich einen Freund habe, der “anders” ist?

Wie auch immer, und wenn es eine Mischung aus allem ist, mir scheint diese Probleme scheint es häufig zu geben- ja, es muss sie sogar sehr häufig geben, weil die Natur die letzte ist, die Einheitlichkeit und Konformität möchte. Das wollen nur wir Menschen, weil wir meinen, dass es so schöner wäre, wenn die Rasenkanten ganz gerade geschnitten sind, das Grundstück nach einem rechten Winkel vermessen wurde, die Wände genau gerade stehen und die Menschen darin, genau den gleich, hehren, arithmetischen Idealen folgen.

Ich bin nur froh, dass die Realität so nicht ist. Dass sich nur der Mensch nennen kann, der das Leben so akzeptiert, wie es kommt. Der das krumme, unfertige lieben kann. Der das Leben schmutzig, dreckig, verworren und lustig in sein Herz lassen kann. Den finde ich bewundernswert.

Der nicht traurig wird, wenn ein bestimmter Plan nicht in Erfüllung geht. Derjenige, der sich der Besonderheit, der Krankheit und dem Schicksal mit solch einem Mut stellen will und kann, der darf wahrlich mutig und edel genannt werden.

Die anderen sind einfach nur der Grund, warum ich Fragen stelle.

Von der Sprache zur Liebe

Montag, 6. Oktober 2008
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Sprache ist wie Metall. Die einen nehmen es für ein Skalpell und trennen die guten von den schlechten Gedanken. Die anderen wiederum rechnen damit, formen Scheiben daraus oder legen sie auf die Waagschale und messen das Gewicht. Die anderen horten die Sprache sorgsam wie einen Schatz und verschenken nur selten ein Wort.
Manche Menschen formen aus dem Rohstoff Projektile, Waffen, Panzer und Stacheldraht.

Andere wiederum formen ein Fundament und ziehen einen verlässlichen Träger in das gesamte Bauwerk ein.

Genauso wie Metall ist die Sprache vielseitig einsetzbar und das erzielte Ergebnis hängt letztendlich vom Menschen und dessen Motivation ab.

Gute Absichten erfordern „gute Werkzeuge“ und formen gute Ergebnisse, schlechte machen das Gegenteil. Am Anfang ist der Gedanke, die Stimmung, die Laune, die Motivation. Aus diesem kleinsten Impuls, der Initialzündung, die ein rein gedankliches Produkt ist, werden mit der Zeit Taten und real messbare Ergebnisse. Man kann also grundsätzlich nicht sagen, dass dies zwei künstlich voneinander getrennte Welten wären. Die Gedanken und die stoffliche Realität hängen eng miteinander zusammen und insbesondere sehr eng mit der Moral und der Einstellung des Menschen.
Dies wiederum zeigt, wie wichtig gute Gespräche, menschliche Nähe und eine gute Erziehung von Kindern (und Erwachsenen) ist. Bildung ist kein abgeschlossenes, erreichbares Gut, wie uns künstliche Bildungsabschlüsse manchmal weismachen wollen. Bildung geschieht jeden Tag, immer gibt es was Neues zu lernen und den Horizont zu erweitern. Egal in welchem Bereich, es gibt nichts, wo wir mit Bestimmtheit sagen können, schon alles zu wissen und ein Experte darin zu sein.

So kompliziert wie die Molekularstruktur und die feinstofflichen Zusammenhänge in physikalischer Hinsicht sind, so kompliziert sind die Sprache und der Umgang mit anderen Menschen. Jeder Mensch steht für etwas anderes, für eine andere „Stoffgruppe“ und für andere Reaktionen. Und niemand ist gleich. In jedem Menschen steckt eine andere Welt, eine Speicherung von individuellen Erfahrungen und Gefühlen, die nur er besitzt. Selbst Zwillinge, die sich genetisch gleichen, machen andere Erfahrungen und sind doch nicht gleich.

Das Wesen des Menschen ist Sprache, Individualität und Komplexität. Und doch sind die wichtigsten Faktoren, die ihn am Leben halten, so einfach: Liebe, Aufmerksamkeit und Zuhören können.

Dies ist der Rohstoff, das Ziel und die letztendliche Essenz unserer Existenz.