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Black Swan Rezension

Gestern hab ich auf „Soundcloud“ meine Rezension zu „Black Swan“ veröffentlicht.
Ihr könnt sie hier anschauen.

Wie in der Rezension schon angesprochen, ist das ein sehr guter Film, der auch bei „Nicht Ballett-Interessierten“ die versteckten Neigungen wecken kann. 😉 Oder halt einfach interessant ist. Dank der großen Spannung und tollen Leistung der Hauptdarstellerin ist der Film echt sehenswert.

Mehr Infos zum Film gibt´s wie immer auf Wikipedia.

Das echte Schwanensee-Ballett kann man auf Youtube finden: https://www.youtube.com/watch?v=9rJoB7y6Ncs

Die Plattform ist ein Segen für die private Weiterbildung. Es ist alles umsonst, bezahlt wird nur mit deiner Persönlichkeit.
Die gehört dann dem Konzern. Er verleibt sie sich ein und stellt sie zu den anderen 1000 Püppchen im Regal, die er schon hat und die irgendwie alle gleich aussehen.

Mehr Infos zur Grundlage dieses Filmes hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwanensee

und zur Krankheit der Hauptdarstellerin hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Skin_Picking_Disorder

Das leise Ende einer Legende

Das war´s also gestern, die letzte Folge „TV Total“ flimmerte über den Bildschirm und der berühmte TV-Moderator Stefan Raab beendet zum Jahresende seine TV-Karriere.

Irgendwie fühlte ich mich selbst komisch, gestern bei der letzten Sendung. Ich kann es noch nicht richtig glauben! Das kann doch nicht sein! War das wirklich das letzte Mal, dass ich diese Sendung sehen durfte?
Wer versüßt mir jetzt die Abendstunden? Sorgt nochmal für ein erleichteres Grinsen und Lachen zu später Stunde? Humor ist bekanntlich gesund! Und diese Sendung hat mich geheilt…

Rückblickend ist mir aufgefallen, dass ich doch ein ziemlicher Fan von Raab geworden bin.
Allen Unkenrufen über seine Person zum Trotz- aber auch aller anderen Bedenken zur Qualität, zum „Sinn“ oder zu der Fairness gegenüber Unbekannten und Kamera-Opfern auf der Straße, die sich im Laufe des Jahres angesammelt hatten.

Klar, er hatte Schwächen! Und was für welche! Am Anfang (1995) haben wir uns als Jugendliche darüber lustig gemacht und gefreut, dass so ein unorthodoxer Typ, dem die Schnauze so frei gewachsen ist, es im Fernsehen so weit bringen konnte. Niemals hätte man damals denken können, dass er es mal soweit bringt, dass er so eine Karriere macht, sich ein Unternehmen aufbaut und mehrere Millionen im Jahr verdient.

Begeistert schauten wir damals noch in der Studenten-WG die erste Folge „TV Total“ (1999) und lachten uns über jeden Gag halb tot. Und heute, im Jahr 2015, gab es bereits über 2000 TV Total Sendungen und die Ära neigt sich dem Ende zu. Mir wachsen die ersten grauen Haare, in einer WG wohne ich schon lange nicht mehr…ich bin alt und spießig geworden, aber meine Begeisterung für Raab´s Humor ist geblieben.

Er hatte immer eine große Klappe, war frech und unangepasst. Er hat nicht immer Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Mitmenschen genommen und sich auch diverse Klagen und Abmahnungen eingehandelt.
Mit der Bild-Zeitung oder RTL lag er schon längere Zeit über Kreuz (Quelle Wikipedia). Sein Humor hat nicht jedem gefallen, zu schräg, zu laut, zu plump und alle ernsthaften Menschen fühlten sich schnell von ihm abgestoßen. Es gab damals zwei Parteien: Die Raab-Fans und die die Raab-Hasser. So wie die Techno-Fans und die Techno-Hasser. Aber es gab keinen, der Raab nicht kannte.

Aber was war wirklich das Entscheidene? Was hat ihn dann so groß gemacht? Man hatte bei ihm nie das Gefühl, dass es ihm um Geld, Macht, Einfluss oder gar Selbstdarstellung ging. Er war einfach er, einfach witzig, einfach authentisch. Und in einer zunehmend verkrampfter und einseitig werdenen Fernsehlandschaft ein wichtiger, künstlerischer Kontra-Punkt. Ein scharfer Kontrast, den man einfach wahrnehmen muss. Er setzte sich stets über alle Konventionen hinweg und legendär sind seine frechen Straßen-Interviews, die z.B. schon bei „Vivasion“ begannen. Ich hab mir gestern noch ein paar Highlights auf Youtube angeschaut. Sein typischer Stil kommt da schon gut durch, viel verändert hat er ihn eigentlich nie. Einfach mit unverblümter Offenheit die Menschen fragen, was ihm so durch den Kopf geht. Sich um Fettnäpfchen, Politcal Correctness und anderen Quatsch nicht scheren.
Damals hat der Meister noch alles selbst gemacht. Sehr bekannt sind auch seine „Raabigramme“ bei denen er meistens mit der Mini-Gitarre Ukulele irgendwelchen Promis ein schelmenhaftes gesungenes (nicht immer charmantes) Spiegelbild vorgehalten hatte. Raab war immer jemand, den diese Fernseh-Welt gebraucht hat. Gerade weil er unorthodox und geradlinig war und gerade auch, weil er stets vom Humor und Frechheit beseelt war. Das war seine Stärke, das war sein Markenzeichen und niemand kann das so einfach kopieren oder in einer TV- Planungssitzung als Marken-Image „verordnen“. Entweder man ist so ein „Kölsche Jeck“ wie Raab oder nicht. Mich erinnert er oft an einen modernen Till Eulenspiegel.

Raab ist aber noch viel mehr als ein Narr, weil er zusätzlich sehr gutes Gespür für die Medienwelt bewies und wahrscheinlich auch kaufmännisches Geschick besaß. Bei den Quizsendungen „Blamieren oder Kassieren“ oder ähnlichen Duellen in „Schlag den Raab“ ist mir immer aufgefallen, wie breit sein Allgemeinwissen ist und dass er auch über herausragende kognitive und sportliche Fähigkeiten verfügt. Sein Lieblingsspielzeug waren immer neue Fahrgeräte. Mit einer Begeisterung und Neugierde stürzte er sich auf sie.. anstatt zögerlich und abwartend zu sein, ging er die Dinge einfach an. Er hatte keine Angst vorm Scheitern oder „Hinfallen“ auch wenn er sehr oft hingefallen und gescheitert ist.

Ich bin die ganze Zeit fieberhaft am Überlegen, wie seine sehr gute Sendung „TV Total“ nun ersetzt werden kann. Und mir fällt gar nichts ein. Mir fällt niemand ein, der ihm auch annähernd kopieren oder ersetzen könnte. Kein „lustiges Moderatorenduo“ Joko und Claas, aber auch kein Luke Mockridge. Und auch keine tausendfachen Wiederholungen von amerikanischen Konserven-Produktionen oder anderem Müll. Was mich auch wundert, dass generell das Konzept von Late-Night Shows in Deutschland selten ist. Sehr gut war z.B. auch Harald Schmidt, einer der wenigen, der mit Raab mithalten kann, was die Präsenz, die Persönlichkeit und den Humor angeht. Aber der ist ja auch schon längst abgewandert. Wer oder was bleibt also?

Der ganze Stil von Raab ist einmalig. Er hat junge Leute mitgezogen, die sich hinter einen starken Stefan gestellt haben und in seinem Fahrwasser groß geworden sind. So z.B. sein sympathischer Bei-Moderator und einstiger „Showpraktikant“ Elton. Oder das Fördern und Herausbringen von Sängern wie Max Mutzke, Stefanie Heinzmann oder Lena. Das war eine weitere Stärke von Raab, dass er immer auch Platz für andere geschaffen hat und mit seinem Wirken kleine und große Künstler unterstützt hat. Er hatte immer ein Gefühl für gute Kunst, aber auch für die Persönlichkeiten, die hinter den Kunstfiguren stehen. Wenn er sich mit den Leuten gut verstanden hat, hat er sie bereitwillig unterstützt- und seltsamerweise sind sie dann auch groß geworden und konnten ihr Potential voll entfalten.

In TV Total gab es z.B. regelmäßig Kleinkünstler und Kabarettisten zu sehen, die man nirgendwo anders sonst gesehen hätte, weil sie einfach so laienhaft oder unbekannt waren. Aber Raab´s Sendung gab ihnen ein paar Minuten wertvolle Sendezeit. Auch allerlei Tierbabys und unbekannte Experten zu außerordentlichen Themen konnte man sehen. Ich weiß gar nicht, ob ich alle aufzählen kann. Aber die besten, die mir in Erinnerung geblieben sind, waren z.B. der Botaniker, der für seine Blumen und Pflanzen wirklich lebte, der Raab sogar sein Blumenkübel am Studiopult neu bepflanzte (nur damit dieser es ein paar Wochen später wieder verdorren ließ und sich dann in der letzten Sendung noch neckend darüber ausließ, dass ja da vorne Blumen seien, die er sonst von seinem Platz aus nicht sehen würde). Und als Raab den Botaniker fragte, ob die Pflanze auch essbar sein, sagte dieser „natürlich“ und steckte sie sich mit Wurzel und Erde kurzerhand in den Mund. Nicht schlecht auch die realistische Performance zum Thema „Tollkirsche“ und was passieren kann, wenn man eine Beere davon isst…

Sehr gut war auch der Mathematiker und Rechenkünstler Gert Mittring, der brav seine Bücher in der Sendung vorstellen durfte und sein Können gleich real vor der Kamera bewies. Wann bekommt schonmal ein Wissenschaftler oder gar Mathematiker in der deutschen Fernsehlandschaft eine Chance?

Dann gab es noch den Experten mit den Würfelbechern, den „Stacker“.. der tolle Kunststücke machen sollte, die Raab natürlich kopieren wollte und dabei grandios scheiterte. „Sieht so einfach aus!“ oder der Typ, der allerlei Objekte und Steine in aberwitzigen Positionen übereinander stapeln konnte, ohne dass der Turm umfiel.
Der Gummiknochen-Mensch.. diverse Breakdancer, unzählige Zauberkünstler, z.B. der tolle Schwede Carl Einar Haeckner , und weitere unzählige Comedians.

Oft gab es auch diverse Koch-Einlagen, die von Raab auch regelmäßig torpediert oder eigenwillig begleitet worden sind. Ich erinnere mich da z.B. an Sonya Kraus, die Muffins backen wollte und Raab dabei fast den ganzen Topf mit Teig ausschleckte.

Jetzt alle andere aufzuzählen ist etwas anstrengend und würde den Rahmen des Artikels sprengen. Was aber auf jeden Fall auffällt, ist die Vielseitigkeit, die von Raab und seinem TV-Team ausging.
Diese kulturelle Vielfalt und die Offenheit für alle möglichen Themen ist genau das, was ich im restlichen Fernsehen vermisse. Am Anfang jeder Sendung wurden aktuelle Beiträge aus dem TV nach Auffälligkeiten und Kuriositäten durchforscht. Lustige oder besonders eigenwillige Auftritte von Privatpersonen bekamen dann den „Raab der Woche“, einen kleinen Fernsehpreis und eine Ehrung im Studio.

Ein Team bereitete die lustigen Stellen in -vermutlich- mühevoller Kleinarbeit vor und Raab präsentierte dann stets mit einem breiten Grinsen die Ergebnisse. Hiermit ist die wertvollste Eigenschaft von Kunst und Kabarett enthalten: Die Möglichkeit zur Selbstkritik am Medium, aber auch an der eigenen Kunstwelt, die man täglich neu erschafft.

Vergleichbare Sendungen mit einem ähnlich hohen Niveau an satirischer Medienkritik sind noch die „Heute Show“ oder „Die Anstalt“, evt. noch „Extra 3“.

Puh, ein Glück, es gibt doch noch Alternativen und das Fernseh-Zuschauer-Leben wird irgendwie weitergehen.

Aber Raab… wird trotzdem fehlen.

Headlines

An dem Tag zitterten und bebten die Medien förmlich. Alle waren gleich geschaltet. Ob kleiner Nischen-Radiosender oder große Tageszeitung, ob Online-Autritt, App oder Printausgabe. Überall konnte man die gleichen Schlagzeilen und Erkenntnisse lesen.
Es war unmöglich, den tragischen Ereignissen irgendwie zu entkommen. Morgens beim Zähneputzen, nach der Dusche mit dem Radio, beim Autofahren, beim Kaffeetrinken in der Zeitung, beim abendlichen Abschalten am PC, geweckt mit dem Smartphone und der neusten Headline. Schöne neue Welt, der ständigen Erreichbarkeit und der fast gleichzeitigen Vernetzung.

Solidarität und Anteilnahme soll um jeden Preis gezeigt werden. Tlw. mit sehr seltsamen Auswirkungen: TV Total wird an dem Abend nicht gezeigt. Ein Gewinnspiel im Radio wird kurzerhand abgesagt. Was es mit dem Unglück zu tun hat, ist mir noch nicht ganz klar. In der „Echo-Preisverleihung“ überlegt man sich einen kleinen Auftakt und studiert ein Drama ein, eine Schweigeminute ganz am Anfang. Alle sind für 30 Sekunden still. Dann, langsam, aber nicht langsam genug wird der Bogen wieder zur Entertainment-Show zurück gespannt. Die restlichen drei Stunden Übertragung sind genug, um den anfänglichen Schmerz und die aufkommenden, vielleicht echten, Gefühle schnell zu ertränken.

Die Fahnen wehen im ganzen Land auf Halbmast.

Die Schlagzeile und das Grauen sind überall. Sondersendungen werden eingerichtet. Experten werden aus jeder Nische gezerrt, damit sie für einen Tag im Jahr ihren Gala-Auftritt bekommen. Nicht, weil sie wichtig sind und geschätzt werden. Sondern weil die Medien-Maschinerie es so vorgibt. In Twitter logg’ ich mich schon gar nicht mehr ein, es wäre zuviel. Auch in den klassischen Medien gibt es Erdbeben und News-Wellen, diese sind schon heftig genug und machen vor nichts halt.

Der anfänglich aufgelegte Presse-Kodex hält nicht lange stand. Zuerst will man nichts über die Hintergründe oder gar Erkrankungen des Betroffenen sagen, denn es herrscht ja Schweigepflicht und Diskretion. Zuerst will man den Namen und das Gesicht des Piloten nicht veröffentlichen, aus Rücksichtnahme. Nicht lange hält dieser Damm den Wassermassen der Presse-Ozeane und deren Recht auf „Erkenntnis und Erregung“ stand.

Es wird alles weggespült. Alle Tabus fallen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf ihre Meinung. Der kleine Mann auf der Straße soll sich sein Urteil bilden. Nicht die Technik, nicht das Flugmodell, nicht die Airline, nicht die Kontrollen, nicht das System ist schuld. Der einzelne war´s. Wir haben das Bauernopfer. Hängt ihn höher! Auch wenn er schon tot ist. Über Tote soll man nicht schlecht reden? Diese Regeln kommt wohl aus dem 19. Jahrhundert. In unserem Jahrhundert aber zählt das alles nicht mehr. Die Welt ist schnell geworden, komplex, erbarmungslos schnell, erbarmungslos grausam-genau für alle, die nicht mithalten können.

Das schnelle Urteil hilft dem System, Schaden von ihm abzuwenden. Die Medien arbeiten für die Mächtigen. Die Meinung ist schnell gelenkt. Wir können uns entspannt zurücklehnen. Denn es ist so gewollt. In drei Tagen, vielleicht schon in zwei werden wir über andere Dinge reden. Über die PKW-Maut, über Griechenland, über die Flüchtlinge, die Demografie.

Und dann, werden wir wieder entspannt in den Urlaub fliegen und auf dem Smartphone die neuste Headline lesen…

„The Ghost Writer“

THE GHOST WRITER

ist ein Film des amerikanischen Regisseurs Roman Polanski aus dem Jahr 2010.

Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen britischen Ghostwriters (also eines Schriftstellers, der für andere, oft Prominente, Bücher schreibt und dabei selbst namentlich nicht in Erscheinung tritt), der den Auftrag erhält die Memoiren des fiktiven britischen Premierministers Adam Lang zu verfassen.

Bereits zu Beginn erfährt er, dass der bisher mit dieser Aufgabe vertraute Ghost Writer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist und dass nun er dessen Werk fortsetzen soll. Ein ungewöhnlich hohes Honorar lässt ihn die extrem kurze Abgabefrist von nur vier Wochen vergessen.
Durch strikte Geheimhaltungsvereinbarung an das Haus des Verlagsbosses auf Martha´s Vineyard gebunden, entdeckt der „Ghost“ Ungereimtheiten und hochbrisante politische Verstrickungen des Premiers, die ihn selbst zunehmend in Gefahr bringen.
Noch während der Schreibarbeit und den Interviews mit Adam Lang beginnt in Den Haag am Internationalen Gerichtshof eine Untersuchung der Rolle des Premiers im Irak- Krieg. Der Verdacht, Lang hätte sein Land gegen bestehendes Völkerrecht in diesen Krieg an der Seite Amerikas „getrieben“, steht im Raum. Das Anwesen, an das der Ghost Writer mit seiner Arbeit gebunden ist und in dem er sämtliche Gespräche mit Lang führen kann, wird wie ein Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses bewacht;
ausserhalb des Sicherheitswalles sammeln sich auch tatsächlich ständig wütende Kriegsgegner, die Protestcamps errichten.
Als besonders wichtige Beraterinnen des Premiers stellen sich die beiden rivalisierenden Frauen an Langs Seite heraus: einerseits die persönliche Assistentin Amelia Bly und andererseits die Ehefrau Ruth Lang. Während Ruth die etwas unterkühlte, starke und richtungsweisende Frau hinter ihrem erfolgreichen Mann ist, so scheint Amelia durch ihren Sex- Appeal auf Lang zu wirken. Der Ghost Writer deckt im Zuge seiner Recherchen nicht nur Lügen und Falschangaben des Premiers auf, er entdeckt auch, dass sein Vorgänger, der offiziell Selbstmord begangen hat, ebenfalls von diesen beschönigenden Angaben Langs wusste. So erkennt der „Ghost“ die Verbindungen Langs mit der CIA und stößt dabei auf den Namen Professor Paul Emmetts, eines Studienkollegen Langs aus dessen Cambridge Zeiten. Dieser ist über die Waffenfirma „Hatherton“ mit der amerikanischen Rüstungsindustrie verbunden, die der CIA untersteht. Der Ghost gerät zunehmend in Gewissenskonflikte und schwankt zwischen seiner Loyalität seinem Auftraggeber gegenüber und seiner moralischen Pflicht, seine Enthüllungen publik zu machen. Da wendet er sich an Langs stärksten Kontrahenten, den Politiker Richard Rycart, und übergibt diesem das, was er für die Wahrheit über Adam Lang hält. Nach dem Heimflug nach Martha´s Vineyard, auf dem der Ghost Lang begleitet, wird Lang von einem fanatischen Kriegsgegner erschossen. Am Ende des Films entdeckt der Ghost im Skriptum seines Vorgänger die verschlüsselte Botschaft, Ruth Lang würde in Wahrheit als CIA Agentin hinter allem stecken und teilt ihr dies auch unvorsichtigerweise mit.
Beim Verlassen des Gebäudes wird er ebenfalls Opfer eines „Unfalls“.

Roman Polanskis Film glänzt – wie so viele Filme diese Regisseurs – auf mehreren Ebenen. Da ist einerseits die erstklassige Besetzung: Ewan McGregor spielt den Ghost. Der sympathische Schotte ist in Hochform und glänzt in fast allen Szenen des Films. Er portraitiert einen sensiblen (er selbst sagt in einer Szene: “We are sensitive spirits“ als doppelbödige Anspielung auf seinen Charakter) Durchschnittsmann, der etwas naiv hinter die Kulissen der Macht blickt. Da der Film aus seiner Perspektive erzählt wird, kann der Zuschauer auf ein und derselben, unvoreingenommenen Ebene mit dem Hauptdarsteller miterleben und sich seine eigene Meinung bilden. Man schwankt zwischen kopfschüttelndem, verschwörungstheoretischem Denken und einem „Naja, so einfach ist das auch wieder nicht“. So erklärt Adam Lang in einer Szene sehr glaubwürdig seine Aufrichtigkeit in seinem politischen Handeln.

Polanski, dem als Vorlage zu diesem Film der Bestseller „The Gost Writer“ von Robert Harris dient, trägt zur Verarbeitung der politischen Ereignisse rund um den zweiten Irak- Krieg bei. Adam Lang, der unzweifelhaft für den damaligen Premier Tony Blair steht, wird ausgezeichnet von Pierce Brosnan verkörpert, der zeigt, dass er abseits von der James Bond- Stereotypie ein exzellenter Schauspieler ist. Er portaitiert einen Machtmenschen, von dem man etwas klischeehaft davon ausgeht, es handle sich um jemanden, der skrupellos über Leichen geht. Brosnan zeigt aber neben einem starken Mann, der durch eigenes Selbstvertrauen (oft in Eitelkeit umschlagend) Erfolg hat, auch einen verletzlichen Menschen, der Nerven zeigt und sich oft an seine Frau wenden muss, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, bei denen er zögert.
Ruth Lang (Olivia Williams) ist die wirklich starke Person in diesem „Stück“. Sie gibt den Ton an und man kann erahnen, dass sie es ist, die die Geschicke Großbritanniens oft lenkt. Sie ist hochintelligent, kühl und berechnend. Sie hat auch wenig Skrupel, eine Affaire mit dem „Ghost“ zu beginnen, als ihr Mann nicht da ist. Und schließlich ist auch sie es, die sich am Ende als Agentin der CIA herausstellt, die so entscheidend auf die Aussenpolitik Großbritanniens Einfluß nimmt.
Ebenfalls herausragend spielt Tom Wilkinson Paul Emmett, den Verbindungsmann der CIA mit Ruth Lang.

Polanski, der ja seit den Siebzigern nicht mehr nach Amerika reisen kann, da ihm dort die sofortige Verhaftung droht, konnte die Dreharbeiten folglich nicht auf Martha´s Vineyard stattfinden lassen (>mehr Info darüber). Stattdessen wurde ein Großteil auf Usedom und in Berlin gedreht; die grandiose Kamera liefert zum Film passende düstere Aufnahmen der tollen Landschaft. Allein diese Bilder erzeugen eine sehr dichte, sehenswerte Atmosphäre, die durch eine ausgezeichnete Filmmusik noch verstärkt wird.

Der Film hat als Aufarbeitung der politischen Hintergründe zum Irak- Krieg vor elf Jahren eine fortdauernde Aktualität. Wir erleben auch heute noch die Folgen der Destabilisierung der arabischen Welt. Saddam Hussein wurde damals ja bezichtigt, Massenvernichtungswaffen zu besitzen; erst nach dem Krieg und Husseins Hinrichtung mussten die USA zugeben, niemals Beweise dafür gewonnen zu haben.
Großbritanniens Tony Blair war einer der glühendsten Kriegsbefürworter und schickte tausende Soldaten in den Irak. Man warf ihm im eigenen Land eine unterwürfige Haltung gegenüber den USA vor; er selbst steht nachwievor zu seiner damaligen Politik.
Deutschland, vetreten durch Aussenminister Joschka Fischer, war sehr kritisch bis ablehnend einem Krieg gegenüber. Denkwürdig ist da zum Beispiel Fischers Pressekonferenz in München, in der er sichtlich erregt sagte: „Wo sind die Beweise, Herr Präsident?“ (an George W. Bush gerichtet).Die Folgen jahrzehntelanger politischer und miltärischer Eingriffe des Westens (und Russlands) in islamisch beherrschte Länder sehen wir heute jeden Tag in den Medien und erleben sie auch in unserem Land; der Film „The Ghost Writer“ leistet ein wichtiges Stück Aufarbeitung.

Alles in allem: Sehr sehenswert!

Frankfurter Buchmesse 2014

Von Querbeeten und allerlei

Ich denke noch über den Besuch auf der Buchmesse nach. Einen umfangreichen Bericht wollte ich schreiben, möglichst mit allen Details, allen Impressionen, fein säuberlich ausgearbeitet. Dazu noch die Fotos, die Flyer und Links zu Verlagen und neuen Büchern oder anderen interessanten Ideen. Aber kann ich das überhaupt? Und vor allem jetzt, wo es dunkel ist und ich schon wieder müde und schläfrig werde…wahrscheinlich muss ich den Bericht in mehrere Teile oder Revisionen einteilen.

Das beste ist, einfach vorne anzufangen! Wir sind mit dem Zug nach Frankfurt gekommen, den Bahnhof kannte ich noch nicht. Frankfurt für mich sowieso ein eher unbekanntes Pflaster. 700.000 Einwohner hat die Stadt, hab ich beim Recherchieren herausgefunden- wusste gar nicht, dass es soviele sind. So eine große Stadt, fast eine Millionenstadt und ich kann mit dem Zug von Mannheim in 34 Minuten hinfahren- und kenne sie doch kaum.

Vom Bahnhof zur Messe sind es ca. 900 Meter. Dahin kommt man recht schnell zu Fuß und braucht die U-Bahn nicht unbedingt zu nehmen. Man kommt durch eine riesige Häuserschlucht mit wichtig aussehenden Hochhäusern, mit viel Edelstahl und glänzenden Glasfassaden. Die Mauern davor sind aus purem, schwarzen, hochglanz-polierten Granit. Überall kommt einem der Luxus des Banken-Viertels entgegen, teure Luxus-Cafés für Banker und andere Geschäftsleute reihen sich aneinander – kommt man aber näher auf den Bahnhof zu, gibt es plötzlich wieder Döner-Laden und einfachere Geschäfte. Das Klientel, das einem entgegen kommt, wirkte tlw. sehr gepflegt und jeden zweiten der, in Smartphone-vertieften Männer, hätte man -angesichts perfekt sitzender Anzüge und tadellosem Aussehen- auch für ein Model-Casting engagieren können.

Mir wurde das Laufen schon fast zuviel, da kam endlich der Eingang zur Messe. Flughafen-Atmosphäre macht sich plötzlich breit. Überall breite Gänge, Laufbänder in der Horizontalen und breite Tunnel aus Glas, mit dem man im ersten Stock von Halle zu Halle „jetten“ kann. Man wird von Studentinnen mit Flyern und Prospekten eingedeckt. Überall herrscht eine geschäftige, aber durchaus freundliche und offene Atmosphäre. Das ist der Grund, warum ich Messen so liebe! Von einer Stelle aus dem Glastunnel konnte man schön das Messe-Gelände überblicken und sich schon einmal einen Eindruck über die Ausmaße des Geländes machen.

Buden waren aufgebaut, Bierzelt-Garnituren und dann mehrere Zelte. Ich schaute kurz über die Szenerie, wurde dann aber wieder vom vorbeifließenden Besucher-Strom angesteckt und mitgerissen. Stillstand unmöglich, alles ist im Fluss! Wir beschlossen erstmal in der Halle 3.0 anfzufangen. „Belletristik und Sachbuch“. Und rein ins Getümmel!

Stand reiht sich an Stand, tlw. interessante Dinge, teilweise uninteressant. Ja, wo soll man die Prioritäten setzen, was ist wichtig und was nicht? Neben den großen Verlags-Ständen von FAZ, Süddeutsche und Welt reihten sich kleine Nischen-Anbieter, ein paar Leute, die sich auf esoterische oder ökologische Themen spezialisiert haben, dann wieder Fußball-Bücher für Kinder oder ein breites Angebot für den neuen Trend des „Self Publishing“. Das hat mich diesmal besonders interessiert und an diesen Ständen hab ich auch mehr Zeit verbracht. An einer Stelle gab es auch ein Forum, in dem vier Leute zusammensaßen und von ihren aktuellen Erfahrungen mit Self-Publishing berichteten. Wir setzten uns kurz hin und lauschte dem Vortrag. Das erste mal kehrte so etwas wie Ruhe und Besinnung ein.

Die Klang-Qualität war allerdings schlecht, die Boxen zu leise. Am Rande des Geschehens bekam man nicht mehr soviel mit.

Wir gingen weiter, ich wusste nicht so recht wohin und wurde von Eindruck zu Eindruck gejagt, da kam plötzlich eine kleine (zierliche) Frau in blauem Kleid und mit schnellem Schritten an mir vorbei, ich blinzelte kurz und fragte mich „kann das sein?“ da war mir klar, dass gerade Sarah Wiener an mir vorbeigeeilt war. Wow! Das erste Wow-Erlebnis an diesem Tag und genau das, was mir schon öfters erzählt wurde, wenn das Gespräch auf die Frankfurter Buchmesse kam. „Promi-Spotting par excellence!“.

Gut, ganz unschuldig bin ich nicht, denn ich muss zugeben, dass ich die „Sarah Wiener Kochshow“ schon vorher als Programm-Punkt herausgesucht hatte, aber überraschend war es dennoch. Ich schaute auf die Armbanduhr.. noch 20 Minuten bis 13 Uhr, also auf zur Gourmet Gallery, die Gänge waren voll und wer weiß, wer noch alles die Idee hatte, die begabte Köchin mal in live, in action zu betrachten?

Wir schlenderten also zur „Gourmet Gallery“, das ist ein etwas abgetrennter Bereich auf der Messe mit Bühnentechnik, Kamera und Show-Küche. Sponsor-Werbung inklusive. Sarah Wiener war schon voll in ihrem Element und die Zuschauer standen in Trauben um sie herum. Zuerst war ich etwas enttäuscht, weil ich in der hinteren Reihe fast nichts erkennen konnte. Nach und nach entstand aber durch das Kommen und Gehen der Besucher, kleine Lücken, in die man schnell vorstoßen und Zentimeter um Zentimeter „gutmachen“ konnte. Frau Wiener sprach in einem herrlichen österreichen Akzent, wirbelte zwischen Pfannen, Töpfen, ihrem neuen Kochbuch und einem munteren Schlagabtausch mit ihrem Assisstenten hin und her. Dabei war schon nach weniger Zeit klar, dass sie ihre „Biolinie“ voll ausbaut und in jedem zweiten Satz kamen Hinweise zum „gesunden und nachhaltigen Kochen“, zu all den Verboten, was man nicht benutzen oder essen darf und es entstand neben der fabelhaften Küche und dem ursprünglichen, bestimmt schmackhaften Worten und Gerichten ein fahler Beigeschmack des Dogmatischen und Oberlehrerhaften. Das kannte ich so von ihr schon (aus dem Fernsehen) und es hat mich nie gestört. Da ich die meisten Ansichten auch teile und nachhaltig kochen und biologisch ernähren auch gut finde. Es war aber ein wenig zuviel des Guten, sie schlitterte von giftigen Tefal-Pfannen, über H-Milch, Zitronensäure, Glutamat und Trennmitteln in Kochsalz, zum selbstgemahlenen Pfeffer, Petersilie mit (oder ohne?) Stängel und den guten, nahrhaften Kürbissen hin und her. Vom live gekochten Gericht selbst bekam ich nicht soviel mit, zwischendurch wurde aber eine Soße oder ein Pesto herumgereicht, das ganz gut duftete. Wir waren schon etwas müde und setzten uns abermals hin. In einem Regal hinter uns gab es das besagte Kochbuch. Es war sehr schön aufgemacht, hat ein tolles Design und auch leckere Gerichte. Ich fand, dass das Blättern im Buch, mit meinem eigenen Tempo und meinen eigenen Gedanken dazu viel besser war, als diese Kochshow, die augenscheinlich für die Massen produziert wurde und ein bisschen eine Werbe-Veranstaltung in vielerlei Hinsicht war.
Daher beschloss ich kurzerhand, mir dieses Buch auf den Wunschzettel zu setzen und wer weiß, vielleicht hab ich ja an Weihnachten etwas Glück und war artig genug. 😉

Wohin sollte es nun gehen? Die Gänge mit den vielen Ständen waren endlos. In der Bilder-Galerie gibt es ein paar Eindrücke dazu. Zwischendurch wurden wir angesprochen und eingeladen, uns auf einer Wand mit vielen bunten Postkarten zu verewigen. Man sollte kurz aufschreiben, warum man Buchhandlungen mag, konnte seine Adresse eintragen und an einem Gewinnspiel teilnehmen. Eine schöne Idee, die eine große, bunte, beklebte Wand mit Namen und Sätzen hinterließ.

Ein paar Schritte weiter und schon wieder entdeckten wir einen Promi, diesmal am Stand der Süddeutschen. Es war Herbert Feuerstein mit seinem neuen Buch.  Ich traute meinen Augen kaum, realisierte aber schon bald die Authentizität dieses ungeschminkten, fernsehfreien Ereignisses, dass dem Vorbild sehr nahe kam. Sprich: Im Fernsehen wirkt Herr Feuerstein genauso wie hier auf der Bühne. Er ist etwas klein und hat ein verschmitztes Auftreten und einen angenehmen, ruhigen Stil. Auch hier verweilten wir also und lauschten den interessanten Worten.

Nachdem wir in dieser Halle fertig waren, beschlossen wir in die Halle mit den Comics zu gehen, landeten dabei aber versehentlich in der Kinder- und Jugendbuch-Abteilung. Nicht schlimm, denn auch diese war genau unser Geschmack und nahm einen großen Teil unseres Zeit-Budgets in Beschlag. Die Stände waren alle sehr hübsch gestaltet, besonders aufgefallen sind uns die bunten, hochflorigen Teppiche und das wirklich breite Angebot an Kinder- und Jugendbuchliteratur.

Zwischendurch stolperten wir anscheinend gerade in die Verleihung des deutschen Cartoonpreises, denn kein anderer als Marcus Weimer (von Rattelschneck) war auf der Bühne und stellte sich lustigen (aber leider abgelesenen) Fragen einer Moderatorin. Im Publikum machte sich Gelächter und gute Laune breit, denn der Autor dachte nicht daran, „seriös“ zu antworten und beantwortete die Fragen auf seine eigene, lustige Weise. Natürlich mussten wir dann auf gleicher Ebene auch noch den Titanic-Stand ansehen.

Nach den vielen Eindrücken brauchten wir abermals eine Pause und erkundeten zum ersten Mal den Außenbereich. Wie es der Zufall so will, wurde gerade der „Grüffelo-Zeichner“ Axel Scheffler vorgestellt. Eine kreischende Menge von Kindern unterschiedlichen Alters nahm ihn begeistert in Empfang.

Zum Schluss kam noch ein Teil der vierten Halle auf das Programm, wobei wir hier um die (trockene) Verlagssoftware einen Bogen machten und direkt auf die Abteilung „Papeterie und Geschenke“ zusteuerten. 😉 Für die Sachbuch- und Wissenschaftabteilung in der selben Halle reichte die Zeit dann leider nicht mehr ganz. Auf dem Terminplan waren- gleichsam als Höhepunkt und Abschluss des Messebesuchs- noch ein paar Lesungen im Agora-Lesezelt anberaumt, das wir dann auch sichtlich genossen, weil man hier endlich einmal sitzen konnte und dank des Sponsors (Meßmer) auch kostenlosen, leckeren Tee serviert bekam! Neben all den informativen und gut gemachten Lesungen unterschiedlichster Autoren, versteht sich.

Den MC Fitti- Auftritt verpassten wir daher, nicht aber die Bässe und das Gekreische an Jugendlichen Fans, das er keine 200 Meter von uns entfernt auslöste.  Das ist überhaupt die Stärke der Buchmesse, Künstlerinnen und Medien unterschiedlichster Couleur unter einen Hut zu bringen und einem breiten Publikum schmackhaft und greifbar zu machen. Von einer Krise des Buches hab ich auf jeden Fall dieses Mal noch nichts mitbekommen. Die neuen Medien, vor allem die Ebooks, waren erstaunlich unter-repräsentiert, ich hoffe dass sich diese Ignoranz nicht eines Tages rächen wird – und dass treue LeserInnen des klassischen Buches weiterhin ihr eigenes Zutun zum Kultur-Klassiker leisten werden.

Buchmesse 2015, wir werden uns wiedersehen!

Und für euch Leseratten kann ich es als „Tipp“ weiterempfehlen… wer weiß, vielleicht machen wir mal ein BloggerInnen-Treffen dort?

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