Archiv für die Kategorie „Gesundheit“

Mund und Geldbeutel bitte weit öffnen

Samstag, 6. Februar 2010
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Die Sorgen können sie aber getrost bei sich behalten…

In meinem letzten Artikel über Gesundheitspolitik habe ich noch sehr einseitig über die Verantwortung der Patienten für ihre Gesundheit geschrieben, was zugegeben, wahrscheinlich nicht so populär und etwas untypisch für meine sonstige Denkweise ist. Mir geht es beim Bloggen aber immer darum, alle Seiten zu sehen und nicht nur einseitig zu argumentieren oder zu denken.

Gestern, beim Zahnarztbesuch wurde mir wieder klar, wie wichtig auch die Seite des Patienten ist, der neben Pflichten auch bestimmte Rechte hat (weil er ja der Beitragszahler und somit der finanzielle Haupt-Tragende des Gesundheitssystems ist). Wenn wir auf eine Gesundheitspolitik zusteuern, in der die Beiträge komplett vom Arbeitgeber abgeschnitten werden oder zumindest nur noch auf Patienten-Ebene einseitig wachsen, ist es umso wichtiger, genau hin zu schauen und Veränderungen im System nicht einfach stillschweigend und mit einem achselzuckenden „da kann man doch nix machen“ abzusegnen. Man kann nämlich, wenn man will!

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System krank, Patient gesund

Montag, 25. Januar 2010
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Was für ein schöner Montag-Morgen! Ich sitze hier am Computer, und der anstehende Arzt-Termin drückt mir im Nacken. Wie konnte ich nur auf die blöde Idee kommen, ihn gleich Montag Morgen zu legen, so früh und dann auch noch im Winter?? Draußen hat es geschneit, die Straßen sind glatt, die Motivation liegt bei gefühlten 10 Grad unter Null…

Vor Arzt-Terminen hab ich mich lange gedrückt, im Grunde denke ich auch, dass wir Deutschen viel zu oft im Jahr zum Arzt gehen. Ca. 18 – mal stand in der Statistik und damit sind wir Weltspitze. Ich gehe nicht so oft. In den letzten Jahren seit dem Umzug bin ich fast gar nicht gegangen und wisst ihr was: Mir geht es trotzdem gut.

Ich habe die meisten Wunden selbst verarztet, bei Kopfschmerzen eine Tablette eingeworfen oder PMR gemacht… wenn ich Durchfall hatte, die Ernährung umgestellt, bei Rückenschmerzen mich mehr bewegt. Gegen die Depressionen hilft Tagebuch-Schreiben oder ein Gespräch mit Freunden, bei akuten Wutanfällen einfach mal nach draußen gehen und eine Runde beim Sport abreagieren und auch andere Hausmittelchen bieten für die meisten Leiden doch Gesundheit im Überfluss.

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Die Depression

Samstag, 14. November 2009
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Ein Plädoyer für mehr Wärme im Leben

In den letzten Tagen war eine Krankheit mal wieder in den Köpfen von vielen Menschen: Die Depression und der anschließende Selbstmord des Nationaltorhüters Robert Enke.

Auf Twitter wurde es kontrovers diskutiert, aber eine richtig gute Aufarbeitung des „Falles“ hab ich bis jetzt noch nirgends gelesen. Es ist für mich sogar wieder bezeichnend, wie kalt und distanziert sich viele Leute damit beschäftigt haben und für viele stand die Frage nach der Rolle und den Gefühlen des Lokomotivführers oder der Ersthelfer an oberster Stelle. Das ist sicherlich lobenswert und auch nachvollziehbar. Für Christen ist der Selbstmord sogar ganz abzulehnen, also „verwerflich“. (aber wieder typisch für die christliche Denkweise, dass man in Schuldmotiven, in Sühne und sowas denkt, aber nicht wirklich das Wohl des Menschen in den Mittelpunkt rückt.. eher so nach dem Motto „wir wissen schon, was für dich gut ist..“ ).

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell man dabei wieder ist, einen neuen Schuldigen zu suchen und die Trauer durch Wut oder Anklage weiterzureichen? Man braucht kein Psychologe sein, um zu verstehen, dass das kein gutes Mittel ist und die Trauer nicht empfinden lässt. Es ist vielleicht sogar eine Art Abwehrhaltung auf Trauer und Schmerz.

Ich bin keine Expertin und nichts von dem was ich nun schreibe, ist medizinisch begründet oder belegt, aber ich kann die Depression und das, was ich davon empfunden habe mit meinen Worten nachvollziehen und beschreiben. Das Thema „Depression“ hatte ich sogar schon öfters im Blog und ich bin eigentlich zu faul, es nachzuschlagen- es reicht, wenn ich einen aktuellen Text schreibe (oder?).

Aus den bisherigen Erkenntnissen mit dieser Krankheit lassen sich ganz einfache Formeln ableiten:

  1. Menschen haben unterschiedliche Anfälligkeiten für Depressionen (da sie auch genetisch bedingt ist)
  2. die Depression kann man durchaus als Schutzreflex der Psyche und somit als Symptom für eine Schieflage im Leben betrachten
  3. es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der persönlichen Lebensführung (der Lebensethik) und dem körperlich-seelisch Gesamtbefinden des Menschen (also seiner Gesundheit)
  4. Weiterbildung und Selbstreflektion sind meistens ein guter Ausweg aus solch bedrückenden und unfreien Situationen ( > Gute Bildung für alle sollte politisch gesehen ein Menschenrecht sein u. unbedingt gefördert werden)

Rein biologisch gesehen ist die Depression nichts unbekanntes, genauer gesagt eine Unterversorgung mit dem Botenstoff Serotonin. (jetzt alles ein wenig vereinfacht, man möge mir das verzeihen; mehr Infos wie immer im Lexikon> http://de.wikipedia.org/wiki/Depression )

Die Pharmaindustrie hat das erkannt und was verschreibt sie? Stoffe, die die Wiederaufnahme des Botenstoffs verzögern, damit dieser ein höheres Niveau im Blutkreislauf erreicht (und von da aus ins Hirn geht, man nennt das die Blut-Hirn Schranke). Jeder, der schonmal Alkohol getrunken hat, kennt den Effekt: Alle Stoffe, die ich zu mir nehme, können einen Einfluss auf das Gehirn haben, manche mehr, manche weniger.

Letztendlich ist es möglich, mit diesen Medikamenten in den Regelmechanismus des Gehirns einzugreifen, aber: So wie die Unterdrückung von Schmerzen mit Anti-Schmerzmitteln ist es nur eine Symptomunterdrückung.

Man könnte sogar sagen, die Depression ist die Antwort, der Schrei der Seele auf eine Situation, die nicht passt, bei der man Unwohlsein empfindet. Um sowas dauerhaft zu lösen, braucht es mehr als eine Pille, vielleicht müssen die Grundpfeiler des Lebens neu gestellt werden. Der Job gewechselt, die Beziehung beendet oder ein Umzug absolviert werden. Umgekehrt können solchen tiefen Einschnitte auch depressiv machen, man sieht dadurch den engen Zusammenhang zwischen Leben und Seele.

Beim erfolgreichen Fußballer kann das z.B. der Leistungsdruck sein oder wie in der Öffentlichkeit mit seiner Krankheit umgegangen wird (der Fall Sebastian Deisler war/ist da ganz ähnlich). Es ist traurig, wenn sich durch mangelnde Toleranz und Anteilnahme die Angst des Spielers vor einem Outing derartig erhöht, dass das ganze in Selbstötung mündet. Für eine Gesellschaft als Ganzes kein gutes Zeichen, eher ein Armutszeugnis.

Zuerst erwächst aus der Intelligenz und der Empfindungsfähigkeit des Menschen (und ich schätze solche Menschen als sehr sensibel und intelligent ein, ganz und gar nicht krank oder unnormal, wie manche vielleicht noch behaupten) die Einsicht, dass etwas anders laufen muss. Der Impuls mag mehr aus dem Unbewussten kommen und ist nicht wirklich zugänglich, eben mehr ein Gefühl.

Mit dem Gehirn zwingt man sich vielleicht noch zu „funktionieren“ (das Wort funktionieren sollte schon als Warnung verstanden werden, denn dies ist eine rein mechanische Sicht der eigenen Arbeit und Rolle im Leben), aber der Körper und die Seele fangen an zu streiken. Die Schieflage zwischen beiden Dingen ist die Depression. (das Körper- Geist- Seele – Gleichgewicht kommt aus dem Ruder)

Es sind meistens kleine Blockaden, die darauf aufmerksam machen: Man wird vielleicht unkonzentrierter, vergisst Dinge schnell (ein typsiches Zeichen bei Serotoninmangel). Die dunkle Jahreszeit verstärkt den ganzen Effekt, weil durch den Sonnenlichtmangel weniger von dem Botenstoff gebildet wird, die Folge ist der typische Herbst- oder Winterblues. Müdigkeit, Antriebsschwäche, Launenhaftigkeit und keine Freude an Hobbies und Bekannten mehr.

Man sieht: Alles ganz normale Reaktionen, nur die Menschen und Gesellschaft machen daraus „etwas Schlimmes“. Klar, jeder möchte funktionieren, aber die Erkenntnis sollte in den Köpfen ankommen, dass es den perfekt funktionierenden Menschen einfach nicht gibt. Es gibt ja auch keine Blume, die immer blüht, im Herbst fallen halt die Blätter und im Winter vergeht ein Großteil des so bunten Lebens wieder.

Jeder hat Erwartungen an den anderen, von früh auf werden wir auf Jugendlichkeit, Leistungsdruck und Rollenerfüllung getrimmt. Jedes weitere Korsett, dass uns andere aufzwingen, ist ein Schritt in die Unfreiheit und das Unglücklichsein. Jeder Zwang ist ein Balken mehr, der auf unseren Schultern lastet. Daher ist das sich lösen von Zwängen, Erwartungen und unnötigen Pflichten so wichtig.

Freiheit macht glücklich, Zuviele Zwänge machen unglücklich. Kein Mensch will im Leben eingesperrt sein, weder gedanklich, noch real.

Mich wundert es nicht, dass es hin und wieder zu solchen schlimmen Folgen kommt, wie im Fall Enke.

Man sollte daraus lernen, es nicht auch so machen und auch, andere nicht derart unter Druck zu setzen. Eltern können da mit der richtigen Erziehung viele Weichen stellen.

Wenn ihr betroffen seit, dann nehmt die Depression ernst, lernt aus ihr, aber verteufelt sie nicht. Sie ist ein Geschenk und wird euch (wenn richtig beachtet) dahin bringen, wo das Glück auf euch wartet. Ein bisschen selbsterfüllter zu sein, ein bisschen weiser.

Seht die Depression nicht als Feind- seht sie als Freund. Sie zeigt euch, dass ihr noch ein Mensch seid, dass ihr noch nicht ganz stumpf seid.

„Cool sein“ hilft in diesem Falle nicht.. Aber was ist das Gegenteil von „cool“ ? Depressiv?

Symptomatisch

Dienstag, 20. Oktober 2009
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Nur 2030 Google-Hits bei „Karrieredenken krankhaft“

3.510.000 Treffer bei „Sich durchsetzen“

30.900.000 Treffer bei „Erfolg“

Symptomatisch?

Wer sich in dem Ganzen verstrickt hat, dem ist folgendes Buch zu empfehlen:

Warnsignale des Körpers” Körperliche Beschwerden ganzheitlich erkennen und heilen. (Ausführliche Buch-Vorschau.)

Denn wir lösen nicht, was wir nicht erkennen.

Das Fühlen der Sterblichkeit- Erfahrungen mit Migräne

Montag, 2. März 2009
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Endlich, endlich habe ich mir gedacht, habe ich auch mal wieder was zum Bloggen. Endlich passiert in meinem Leben etwas, das „echt“ ist, dass sich authentisch anfühlt und voller Schwere und Tiefgang ist.
Endlich, hab ich mir gedacht…

Da ich nicht damit rechne (pessimistisch wie ich bin), dass ich mal einen Arzt finde, der mit länger als zehn Minuten zuhört, dabei aber kein Psychologe ist (denn im Kopf bin ich gesund…meistens) und nicht nur etwas technokratisches aufschreibt, muss ich meinen kleinen Blog mal eben für mich als persönliche Selbst-Darstellungsbühne zweckentfremden, den Idealismus als einziges Ideal aufleben lassen und so tun, als ob ich damit jemand helfen möchte…. (..).

Wie auch immer. Lasst mich vorne anfangen.

Die letzte Woche war so super gelaufen, schöne Arbeit, nette Menschen, viele Ereignisse, die Sonne kam raus, ich fühlte mich frisch und frei.

Twitter machte mir endlich soviel Spaß, wie ich dazu brauche und auch andere Dinge gefielen mir gut. Samstags hatten wir noch etwas renoviert, abends war ich dementsprechend kaputt. Aber nicht traurig oder so. Da war nur die Tatsache, dass ich unter der Woche unregelmäßig geschlafen hatte. Abends das eine oder andere Glas getrunken hatte. Mehr gechattet hatte als sonst und überhaupt- der Computer mein ständiger Begleiter war. Davon gekennzeichnet hatte ich starke Muskelverspannungen, vor allem im Nacken und in der linken Hand (Mausarm).

Angespornt von Entschlossenheit und Tatendrang, traf ich gleichzeitig auf die hohe Mauer und physischen Begrenzungen der Schaffens-Manie.

Okay, sowas kenne ich und ich dachte mir nichts dabei. Sonntag fing dann denkbar schlecht an. Die Vögel krischen so laut, als säßen sie neben mir und nicht draußen, in einem entfernten Baum. Nein- Vögel schlafen nicht lange, die stehen IMMER früh auf, so auch Sonntags, vor allem im Frühling. Um sieben Uhr gesellte sich dann meine Magensäure und- wer weiß- vielleicht auch ein bisschen Gallenärger dazu. Auf jeden Fall grummelte es dann mächtig und stieß mir sauer auf- wortwörtlich. Sodbrennen!

Ich stand also am Sonntag um sieben Uhr auf, setzte mich auf die Bank draußen vor der Tür- ach und herrlich war es. Ein nebliger, nicht zu kalter Morgen im März. Ich genoss es. Dann ging ich rein, verzichtete auf den Kaffee, weil der nicht gut für den Magen ist. Mein Magen war noch sehr sauer.

Ich trank einen Tee und aß nichts. Ich setzte mich an den PC. Schon bald merkte ich aber, dass es mir nicht gut war (hier muss ich abkürzen).

Abends sah ich Fernsehen („Der Teufel trägt Prada“, übrigens ein sehr guter und empfehlenswerter Film), als es begann: Ein stechender Schmerz, der langsam stärker wurde, breitete sich vom Nacken in den Kopf aus. Es dauerte nich lange und er okkupierte meine gesamte rechte Kopfhälfte. „Migräne!“ schoss es mir durch den Kopf, doch der war bereits so voll mit Schmerz, dass das Denken nicht mehr klappte.

Im Anschluss an den Spielfilm sollte noch eine Reportage über die Model-Welt kommen, ein ehrlich recherchierter, harter Bericht über das „hinter den Kulissen“, ich schaffte ihn nicht mehr. Zu den Schmerzen, die jetzt mein gesamtes Wesen ausmachten und mich in jeder Lage und Bewegung stöhnen und ächzen ließen, kam noch eine leichenblasse Übelkeit hinzu. Meine Haare waren verwuschelt und alles an mir war durcheinander. Dass ich im Moment nicht sehr hübsch war, konnte ich im Spiegel sehen: Die Falten auf dem Gesicht waren angespannt und tiefe Furchen wurden mir vom dunklen Migräne-Gott in die Stirn geritzt.

Ich verzog mich ins Schlafzimmer, als die Migräne ihren Maximal-Peak erreichte (wusstet ihr, dass es da regelrechte Anfälle geben kann?). Mit letzter Kraft riss ich meine Klamotten vom Leib, schlüpfte mit letzter Kraft in meinen Schlafanzug, da war es erst halb elf. Ich machte das Licht aus (Lichtempfindlichkeit!), hielt das aber nicht lange aus, da die Schmerzen so stark waren, dass ich Angst bekam, ich würde sterben. Solche Kopfschmerzen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt. Und auch, was das allgemeine Schmerzlevel angeht, war es an der Obergrenze dessen, was ich bisher „fühlen durfte“.

Ich war sehr verzweifelt und unsicher und fühlte mich wie ein Häufchen Elend. Zu den Schmerzen kam jetzt Selbstmitleid, gemischt mit Selbstvorwürfen, was ich alles falsch gemacht habe, dass es „eine Strafe“ wäre und solch unsinniges Zeug… die Bilder des zuvor gespielten Computerspiels rissen plötzlich meinen Horizont ein, brutale Bilder die sich mit unverminderter Härte in das Gesichtsfeld brannten und die Übelkeit verstärkten (zuviel PC ist nicht gut bei Migräne…ich weiß).

Diese ganze Mischung aus Eindrücken und Gefühlen bauschten sich immer mehr auf und gipfelten schließlich in einem Weinanfall. Ich war so verzweifelt und voller Schmerzen und hatte eben gerade die letzte, im Haus verfügbare, Schmerztablette geschluckt. Ich fühlte mich völlig hilflos. Wälzte mich auf dem Bett hin und her und dachte, ich würde sterben. Keine Lage löste die Schmerzen- aber das Weinen half.

Durch das Weinen löste sich zumindest mal eine erste Anspannung und da ich das wusste, schleppte ich mich weinend in das Wohnzimmer, wo mein Partner noch TV schaute. Als er mich in den Arm nahm und tröstete (ich liebe ihn einfach für seine nette Art) löste das noch mehr Anspannung und das kindliche, kleinmütige Selbstmitleid wurde noch stärker. Nur mit dem Schlafanzug-Oberteil saß ich jetzt am Küchentisch. Die inneren Bilder drehten sich, die Wände schienen krumm, alles war plötzlich entrückt und unwirklich- nur der Schmerz, der Schmerz, der Schmerz.

Ein paar Tempos schon verrotzt, merkte ich, wie die Nasennebenhöhlen durchs Weinen zugingen (sowieso ein Dauerproblem bei mir) und ich keine Luft mehr bekam. Das verunsicherte mich noch mehr und weil ich kaum klar denken konnte, nahm ich jeweils zwei Hübe Nasenspray.

Sieh an, die Atem-Beschwerden wurden bald besser, aber dafür setzte jetzt was anderes umso heftiger ein: Die Übelkeit.

Mir wurde schlecht. Richtig schlecht. Halbnackt wie die Jungfrau Maria schleppte ich mich auf die Toilette und broch.. und broch… und broch. Es war interessant zu sehen, was wir an dem Tag alles gegessen hatten. Ich dachte eigentlich, es wäre nicht so viel , aber da musste ich mich getäuscht haben. Und auch verdaut war es noch nicht richtig, ich esse wohl zu schnell…

Es dauerte ca. eine halbe Stunde, bis mein Magen endlich leer war und das Problem mit der überschüssigen Magensäure hatte sich auf diese Art wohl auch gelöst. Von selbst, ein Glücksfall…

Ich zog mich wieder ins Bett zurück, kauerte mich mit angezogenen Beinen unter die Bettdecke, natürlich war mir zu kalt. Noch eine zweite Decke dazu, natürlich immer noch kalt. Ich bekam es nicht mehr mit und sank in einen traumähnlichen Halbschlaf.

Endlich, zum ersten Mal wurde es mir besser und die Schmerzen ließen nach. Ich betete zu Gott und bedankte mich für diese Erlösung, aber noch mitten im Gebet war ich so müde und entkräftet, dass ich eingeschlafen war. nicht mehr in der Lage, Worte zu formulieren, überließ ich meine Seele den Geistern der Nacht.. und sie meinten es gut mit mir.

Am nächsten Tag war ich erfrischt und endlich frei von Schmerzen. So als sei nichts gewesen schlüpfte ich in die Hausschuhe, mit einem herrlich neutralen Magen schlürfte ich den ersten Kaffee. Sogar die Stimmung hellte auf und blieb den ganzen Tag konstant. ein bisschen Sonne, frühlingshafte Wärme- als sei nichts gewesen! Was für ein verlogenes Wetter…

Heute habe ich dafür eine leichte, abgespannte Post-Migräne-Phase und bin verträumt, entrückt irgendwie. Es erscheint mir alles unreal, wie im Traum, etwas weit weg, nicht greifbar.

Ich habe mit meiner Mama telefoniert, die ein paar gute Tipps parat hatte und gute Eigenschaften als Ärztin und Zuhörerin besitzt (dafür liebe ich sie sehr!).. und naja, es wird Zeit für ein wenig Pragmatismus und die Tatsache, dass ich einen Schuhkarton voll Anti-Schmerztabletten brauche.

Ich bin jetzt in dem Alter, wo das angeborene Genetik-Laster in mir ausbricht. Ich werde sowas noch öfters erleben, dessen bin ich mir sicher.

Der Tag gestern war mir eine Lehre. In philosophischer Weise hat er mir gezeigt, dass ich was ändern muss. Dass es ein paar Belange gibt, an denen ich etwas ändern muss, dass mein Körper keine Maschine, sondern verletzlich ist.

Dass ich Pausen machen muss. Dass Fasten und Entgiftungen ihren Sinn haben. Dass ich Entspannungsübungen wie z.B. die Progressive Muskelentspannung einüben sollte.

Dass das Hetzen nichts bringt. Dass der Körper und vor allem die Seele Pausen brauchen. Dass man sich nicht bis zum Anschlag mit Problemen anderer vollstopfen kann. Dass man Grenzen ziehen muss. Dass das Leben kurz und zerbrechlich ist. Dass man nur begrenzt Zeit auf der Erde hat..

Dass es schnell vorbei sein kann und niemand unsterblich ist. Das alles habe ich gestern gesehen und der Tag erinnerte mich an meine größten Tiefschläge im Leben und somit war es ein lehrreicher, persönlicher „Neumond-Tag“ über den ich schon fast wieder ein wenig dankbar bin. Danke Schmerz für diesen Hinweis! Danke Gott, für deine Gnade! Danke LeserInnen, für Euer Lesen.

ps:
Der Zufall will es, dass ich heute über die Leiden einer Frau stolperte, die ihre Geburt beschreibt (Über eine Geburt, via Fragmente ).

Okay, dagegen ist meine Geschichte nichts…. aber irgendwie konnte ich mich da heute gut reinversetzen, was an schmerzfreien Tagen bestimmt nicht so gut geklappt hätte!

ps2:
Empfehlenswerte Musik, als entspannende Migräne-Prophylaxe oder „Nachbearbeitung“:
http://www.lastfm.de/listen/globaltags/chillout

Das Entspannen der Muskeln ist hier der Key, dass sich Lösen vom Verkrampfen, die Umkehrung der Anspannung.

Einen podcast zur progressiven Muskelentspannung gibt es übrigens hier. http://www.schmerzakademie.de/pat_serv.php#PMNJ

Für mich bleibt aber nicht die Technik das Hauptproblem, sondern vor allem das geistige, innere Erkennen von Gesundheit, dass man z.B. ein Wechsel im Handeln braucht und den Körper nicht ausschließlich auf Hochleistung und Arbeit trimmt.

Alles andere rächt sich letztendlich. Der Körper ist somit eine hochsensible Rückmeldeanlage für Fehlverhalten und Ausbeutungen aller Art.

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