J.A. Blog

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Kategorie: Gesellschaft

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Um Moral in einer besonderen Form ging es auch bei der gestrigen Reportage „Schwarz auf Weiß“ auf Arte.

Sie zeigte den als besonders wandlungsfähigen bekannten Schriftsteller Günter Wallraff in einer neuen Rolle und zwar geschminkt und „angemalt“ als dunkelhäutiger Mensch mit ausgedachter, somalischer Herkunft.

Zuerst kam mir der Film wie ein Witz vor und ich dachte, dass die Leute entweder die Maske sofort erkennen würden oder sich keine Diskriminierungen ergeben würden, da Deutschland ja als Land inzwischen so tolerant geworden ist, dass Rassismus wohl kein Problem mehr sein wird. Aber damit weit gefehlt! Allein schon die dialektische Ausgangslage zeigt, dass Wallraff ein wirklich gutes Gespür für authentische Dokumentationen und gewagte Fragestellungen mit sich bringt.

Mit diesem Film hat er mal wieder voll ins „Schwarze“ getroffen. Gezeigt wurden unterschiedliche Szenen und Begebenheiten in ganz Deutschland, die er nun mit seiner neuen Identität als Kwami Ogonno versucht zu meistern.

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Die Fülle des Lebens II

Während der Sonntagmorgen-Kaffee noch gemütlich in seiner Tasse vor sich hindampft und hin und wieder von mir in kleinen Portionen genippt wird (heiß!), denke ich über das Weltbevölkerungsproblem nach und was es für uns bedeutet.

Vor ein paar Jahren habe ich in einem Buch vom Dalai Lama gelesen (der sich auch sehr für die Lage der Welt interessiert und interessante Meinungen dazu hat), dass es mit das drängendeste Problem für die mittelnahe Zukunft sein wird.

Warum ist das so? Ich denke, z.B. auf Grund der knapper werdenden Ressourcen.

Im Wikipedia-Artikel steht, dass es vor 75.000 Jahren nur noch 1.000 bis ca. 10.000 Menschen auf der gesamten Erde gegeben hat, auf Grund eines schweren Vulkan-Ausbruchs.

Das war so etwas wie der historische Tiefstand und was wir heute erleben, ist so etwas wie der historische Höchsstand und es wird wohl noch immer weiter gehen. (Grafik )

Wenn nur 10.000 Menschen auf der Erde leben, können sie sich alles aussuchen: Wenn sie einen Baum fällen, juckt es niemand und ähnlich wie die Indianer in den Wäldern mancher amerikanischen Kontinente können sie soviel jagen wie sie wollen und die Bestände erholen sich immer wieder (nachhaltige Wirtschaft). Bei ca. 7 Milliarden Menschen sieht es aber ganz anders aus: 7 Milliarden Menschen brauchen deutlich mehr zu Essen, was zu intensiver Landwirtschaft, zur Überdünung des Boden, zum Flächenverbauch und Umweltschäden führt. Der gestiegene Lebensstandard, die Ausstattung mit Luxus- und Konsumgütern, aber auch die Dinge des täglichen Lebens müssen alle hergestellt werden. Je höher der allgemeine Lebensstandard, desto mehr Autos werden gefahren und Kühlschränke gekauft. Dazu braucht man Unmengen an Material und Energie. Schon jetzt werden die fossilen Energieträger knapp oder künstlich knapp gehalten, die Erdtemperatur steigt auf Grund des CO2-Ausstoßes, die intensive Fleischwirtschaft führt zu Lebensmittelverknappung (oder Verseuchung) und einen hohen Methan-Ausstoß, z.B. bei Rindern1.

Handel und Spekulation auf Lebensmittelpreise führen zur Überteuerung der wichtigen Rohstoffe wie z.B. Getreide, dazu kommt dass auf Grund des hohen Energiebedarfs z.B. Raps oder andere Biosprit-taugliche Pflanzen angebaut werden, die wiederum die Flächen für die Ernährung „verdrängen“. Hunger und Armut ist für viele Menschen schon heute ein derart grausamer Alltag, dass wir uns in der reichen EU noch nichtmal ansatzweise vorstellen können. Armut führt zur Flucht und Massen-Emigration aus den Heimatländern in reichere Regionen, was man heute schon ansatzweise an Hand der Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer oder der griechischen EU-Außengrenze beobachten kann.

Das ganze Thema ist wirklich komplex und ich könnte bestimmt noch tausende weitere Zusammenhänge überlegen und ausführen. Klar ist aber, dass das Thema Überbevölkerung und Umweltschutz ein wichtiges Thema sein wird, vor allem für alle Menschen. Ich denke, es wird kaum möglich sein, dass nationale Agendas über dem Interesse der gesamten Bevölkerung stehen können. Man sollte wirklich anfangen, global zu denken und sich als eine „Menschheitsfamilie“ zu betrachten.

Wenn wir alle letztendlich auf die 10.000 Menschen zurückzuführen sind, die sich damals im Einsatz ihrer letzten Kräfte vor dem Vulkan gerettet haben, wie können wir dann noch sauer auf unsere Mitmenschen sein oder uns von ihnen abgrenzen? Wenn sie damals nicht alles gegeben hätten, würde es uns heute gar nicht geben.

Aber dennoch, wenn ich nochmal an den übervollen Möbelmarkt von gestern denke, wie ist bei sovielen Menschen Freiheit und psychische Gelassenheit möglich? Die Enge führt automatisch zu Streß und Aggression und diese schwappt leicht über. (zu beobachten z.B. auf Autobahnen: Wenn es leer ist, fahren die Leute gelassen und ruhig und bei einer bestimmten Verkehrsdichte nimmt auch die Aggression deutlich zu).

Die herkömmliche Vorstellung von Freiheit muss überdacht werden:

Freiheit bedeutet für viele Individualität und Abschottung vor dem anderen.

Konsum und der Erwerb von Dingen beschert uns ein bequemes Leben, die gesundheitlichen und anderen Risiken werden von Versicherungen und Geldwerten abgesichert. Wir brauchen die Bande der sozialen Beziehungen nicht mehr so stark, und wenn wir mit einem Konflikt nicht mehr klar kommen, halten wir es für sinnvoller uns zu trennen (Scheidung) oder die Beziehung zu beenden, weil sie unbequem geworden ist (Freundschaft).

Wir halten uns normalerweise für frei, wenn wir alleine sein, wenn wir viel Platz um uns haben, wenn uns keiner stört, wenn sich unsere Gedanken und Taten ungehindert entfalten können. Das ist wohl die moderne Vorstellung von Freiheit eines „aufgeklärten“ Menschen im postindustriellen Zeitalter.

Ich würde aber weiter gehen und sagen, erst wenn eine bestimmte Harmonie mit uns selbst und der Umwelt besteht, können wir uns als frei betrachten. Bei sovielen Menschen ist es kaum möglich, nicht eines Tages in den Weg eines anderen zu laufen, wenn man recht überlegt, ist das sogar eher die Tagesordnung. Wir ständig von anderen Menschen umgeben, müssen uns ständig mit ihnen beschäftigen. Wir profitieren zwar auf der einen Seite von ihnen, aber die Probleme mit ihnen würde wir gerne verdrängen.

Ich staunte daher über die Leute gestern im Möbelmarkt: Obwohl es übervoll und tlw. echt unangenehm eng war, hatten die Menschen gute Laune und man wurde ständig angelächelt. Die Menschen (inklusive meiner selbst) fühlten sich in der Masse wohl. Man reibte sich Arm an Arm und Schulter an Schulter, aber doch hat sich keiner darüber beschwert. Obwohl es soviele Menschen waren, waren alle gleich und respektierten sich gegenseitig. Kein Hass, keine Panik, nur der übliche Streß, der in solchen Einkaufssituationen üblich ist.

Ich möchte das gerne (gedanklich) auf die Gesamheit übertragen können: Miteinander friedlich auf der Erde zu bleiben, könnte möglich sein. Es kommt aber sehr auf die Einstellung an. Und dass ein jeder an der Fülle und den Schätzen des Lebens teilhaben kann.


Anmerkungen:
  1. die These ist allerdings umstritten, mehr Hintergrundinfos z.B. hier []


Just in time

= auf den letzten Drücker

Der moderne Mensch ist auf Aktivität ausgelegt. Wer nicht handelt, kann nicht erfolgreich sein, wer nicht lauthals den Mund aufmacht und schreit, wird nicht gehört und wer sich zufrieden und bescheiden im Hintergrund hält, wird überhört oder ganz vergessen. Das Leben, so wie es heute vom Kapitalismus und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geregelt wird, besteht aus Aktivität und begünstigt dabei die „Macher“, nicht die geistreichen Theoretiker. Wer nicht handelt, dem wird ein (irgendein) Schicksal vom Leben aufgezwungen. Zwischem dem handgemachten Erfolg und dem Totalversagen ist nur ein kleiner Spalt und meistens bestimmt der Zufall, auf welche Seite der Würfel fällt.

Erfolg kann nur derjenige haben, der das Leben an sich reißt und ausreichend gierig und einflussreich ist, um in der Masse der anderen nicht vollends unterzugehen. Jeder sucht sein Alleinstellungsmerkmal und bei dieser Suche entfernen wir uns meistens immer weiter von den anderen. Wir können dabei sehr erfolgreich werden, doch enden wir meistens ärmer als vorher.

Alles und alle sind daher in Bewegung, alles und alle sind „just-in-time“.

Das ist ein Modewort, und soweit ich das richtig verstanden habe, bedeutet es, dass die Lagerhaltung der Betriebe auf die Straße verlegt wird. Das spart Kosten und ist dank moderner Verkehrs- und Kommunikationsmittel nomalerweise sehr gut möglich.

Nur im Winter klappt es nicht so gut, weil dann die Straßen vereist oder zugeschneit sind. Die Ironie an der Sache ist, dass die „just-in-time“- Lieferungen für wichtige Produkte wie Streusalz oder Enteisungsmittel dann nicht mehr rechtzeitig ankommen oder aus Kostengründen an den Lagermöglichkeiten (den Vorräten) gespart wurde. Komisch, dass der moderne Mensch es irgendwie „verlernt“ hat, Vorräte zu bilden und witzig, wie verrückt und beinahe psychotisch er nun auf die Veränderungen eines Winters reagiert, der ja nur ca. 4 Grad kälter als ein normaler Winter ist.

Aber was ist schon normal in der Geschichte des Menschen, der sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende seines Bestehens mit immer wieder neuen Katastrophen und Schicksalschlägen auseinandersetzen musste? Man denke z.B. an die Pestkatastrophen oder andere nicht behandelbare Krankheiten im Mittelalter, die Ernteausfälle bei einem nass-kalten Sommer, die zu erbarmungslosen Hunger führten und der nicht mit einem eben mal „just in time“ gelieferten Müsliriegel über die Autobahn gestillt werden konnte. Wir jungen Menschen kennen solche Ausnahmezustände nicht und daher sind wir darauf nicht vorbereitet. Wir sollten vielleicht wieder auf unsere ältesten Verwandten hören, die wir noch belächelt haben, als sie in der Nachkriegszeit weiterhin Vorräte gehortet haben… wir sollten auf sie hören und überlegen, was sie uns über wirklich schwierige Zeiten zu erzählen haben.

Was machen die Menschen erst, wenn die Klimakatastrophe weiter voranschreitet und es zehn Grad kälter als normal ist? Wenn wir jeden Winter und jeden Sommer solche Extreme haben werden? Wird man irgendwann beginnen, umzudenken und nicht mehr auf der letzten Minute über Weihnachten „just in time“ bei den Verwandten sein? Wird das unser „modernes“ Leben überhaupt zulassen? Oder verpassen wir dann einen wichtigen Termin? Werden wir vielleicht einsichtig und erkennen die Bedeutung der Familie und der Familienbande wieder oder wird weiterhin unser Egoismus und das in dieser Zeit so hoch geschätzte Individualisierungs- und Emanzipationsstreben über jede andere Einsicht und „Moral“ siegen?

Wann beginnen wir zu begreifen, dass es eben nicht „normal“ ist, über Weihnachten mit einem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen und dabei Unmengen an Kerosin zu verbrauchen und ehemals in großen Tiefen gespeichertes CO2 in die Luft zu blasen? Wann werden wir erkennen, dass die Autos in Bezug auf ihre Massenkompatibilität, Rentabilität oder Wettertauglichkeit nicht unbedingt die bedingungslose Mobilität der Zukunft sind? Und wann wird man erkennen, dass die Bedeutung eines Massentransportmittels wie die Bahn zu wichtig für viele Menschen ist, als dass sie einzig und allein einem Renditebestreben unterworfen werden darf? Dazu bräuchte man aufrechte Politiker, die die Probleme der Menschen und Bürger wirklich ernstnehmen und keine Politiker, die nur die Interessen der jeweiligen Lobbys meistbietend verwalten…

Und warum bauen die regionalen Städteplaner immer neue Parkplätze, Brücken, Umgehungsstraßen, Autobahnauffahrten und hübsch verzierte aber meistens zu kleine oder zu enge Kreisel – vernachlässigen dabei aber völlig die nötige Instandhaltung bereits bestehender Trassen? Die Kosten für die Straßensanierung kann man ja zur Not über die Anwohner abwälzen oder wenn es weiterhin klemmt, die Steuersätze anheben.. der brave Michel wird schon ein guter Deutscher sein und alles tun, was die Obrigkeit von ihm verlangt…

Wann hat der Mensch jemals aus seinen Fehlern gelernt und wann war es ihm (bzw. seiner Führung) je möglich, in größeren Maßstäben als zwei Tage lang zu denken und zu handeln? Vor dem Hintergrund von Ausnahmezuständen wie einem harten Winter, werden solche Probleme viel sichtbarer als sonst. Aber führen sie auch zu einem Umdenken oder werden wir uns weiterhin einlullen lassen und den Winter einen guten Mann sein lassen?

Es mangelt an Planung, Vorausschauen, Verantwortungsgefühl, ganzheitlichem Denken… und das ist in einem ordnungsliebenden und als pflichtbewusst geltenden Land wie Deutschland.

Wenn ich mir den Status des heutigen Menschen so anschaue, dann denke ich, dass er das alles noch nie gekonnt oder immer wieder sehr schnell vergessen hat. Wohlstand macht träge und übergroßer Wohlstand führt zu Naivität.

Es ist nur leider allzu menschlich, das Kind immer erst dann zu retten, wenn es bereits in den Brunnen gefallen ist.

Eine „just in time“ – Rettung. Ohne doppelten Boden und ohne Netz.

Kinderlos

„Bevor sie Kinder hatten, sagten 87 Prozent unserer Befragten, dass sie unbedingt für eine gleichberechtigte Partnerschaft wären. Aber wenn Kinder da sind, sagen das nur noch 67 Prozent.“

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Wie seltsam das ist, in einem Land zu leben, dass wirtschaftlich auf „Wachstum“ ausgerichtet ist, aber immer weniger Käufer und Menschen „produziert“, die all das produzieren und davon leben können.

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Am Geld alleine kann es nicht liegen.

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Ausnahmezustand: Körperliche Veränderungen durch die Schwangerschaft.

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Seelische Streßbewältigung für Mütter (und hoffentlich auch für Väter).

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Und immer wieder: Anerkennung der Familienarbeit ist nicht ausreichend.

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Gedanken zum JMStV- Teil 2

Und noch ein guter Artikel zum Thema JMStV
Pornoindustrie regelt sich Jugendschutz neu- zu Lasten von uns allen

Was darin beschrieben wird, klingt nachvollziehbar.

Es geht beim JMStV eigentlich gar nicht um Jugendschutz. Den Politikern geht es um Glaubwürdigkeit, und dass „was getan“ wird. Der Industrie bzw. der Wirtschaft geht es um persönliche Interessen und Lobbyarbeit. Und darunter leiden muss- wie immer- die Allgemeinheit und die Leute, die am wenigsten was dafür können.

Interessant ist auch dieser Blog-Artikel auf Faz.net
http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2010/12/04/liebling-du-hast-die-kinder-vergessen.aspx

Hier wird endlich mal die Frage diskutiert, was Jugendschutz überhaupt ist, welche Rolle die Kinder dabei spielen und wie man “Sicherheit” im Netz erreichen kann (nämlich hauptsächlich durch Schulung der Medienkompetenz).

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