Der neue Ernst

Was das Corona-Virus mit unserer Gesellschaft macht

Der Weg zur autoritären, anti-demokratischen Gesellschaft ist nicht weit, wenn die Welt in eine Krise rutscht.
Zuerst kommen die persönlichen Einschränkungen, die man alle noch locker wegstecken kann. Dann fallen die Schulen und Kitas aus.
Die Frauen müssen wieder in ihren eigenen vier Wänden bleiben, weil sonst keiner den Job macht. Der Mann steht auf der Arbeit unter Druck. Entweder es herrscht ein unfreundlicher Ton unter Kollegen, harter Wettbewerb und eines Tages fürchten sie sich alle vor der Arbeitslosigkeit. Weil jetzt auch die jungen Frauen so schön daheim sind und abends in keine Disco oder Bar gehen, sind die Männer erstmal unter sich. Durch die massive männliche Zuwanderung gibt es in einem bestimmten Alterssegment sowieso einen „Männerüberschuss“ und es ist kein Wunder, dass es genau der Altersanteil ist, der durch Aggression und wenig Kompromissbereitschaft auch den Herkunftsländern große Probleme bereitet. Und es ist für die Migranten ein leichtes, sich mit den hier lebenden, deutschen Jugendlichen zu verbinden. Was sie nämlich eint, ist das Gesfühl des „Ausgeschlossenseins“- der blinde Hass und die Zerstörungswut ist unpolitisch und einzig und allein ein Ausdruck der inneren Perspektivlosigkeit.

Die Restaurants bleiben geschlossen und der große Aufschwung will auch im Sommer einfach nicht kommen. Das setzt die kleinen Selbstständigen und kleinen familiengeführten Restaurants stark unter Druck. Der Druck wird natürlich nach innen, in die Familie weitergegeben. Ein Anstieg von Kindesmissbrauch- oder Misshandlung kann die Folge sein. Aggression von Jugendlichen bedeutet auch immer, dass sie selbst in der Erziehung Aggressionen ausgesetzt waren und diese als „Mittel der Erziehung“ eingesetzt wurden.
Die Fußball-WM fällt aus, die Gefühle der Zusammengehörigkeit und des freundlichen Wettbewerbs fehlen völlig. Keine Sportveranstaltungen, kein Mannschaftssport! Keine Möglichkeiten, die angestauten Aggressionen friedlich zu entladen und sich wieder im sportlichen Miteinander, als nur im Gegeneinander zu begegnen. Gerade junge Männer brauchen die Bewegung, weil sie sonst das überschüssige Testosteron nicht abbauen können! Früher hat dann wenigstens die Bundeswehr diese Rolle übernommen und die jungen Männer in die Gesellschaft „eingeführt“, aber auch diese fällt als prägende und bildene Kraft für einen gesunden Staatsbürger mangels Wehrdienst aus. Die jungen Männer haben also keine Schule, keine Freundin, kein Sport, keine Disco, keine Bundeswehr, kein Wettbewerb- sie haben gar nichts außer Alkohol und Langeweile! Und Lebewesen, die in einer Sackgasse stecken und keinen Ausweg sehen, werden immer mit Aggression reagieren. Jetzt nur mit Härte und mehr „Polizeiarbeit“ zu reagieren, wird die zugrunde liegenden Probleme nicht lösen, sondern eher verschärfen. Was die Gesellschaft braucht, ist eine Antwort auf die Krise der Jugendlichkeit. Denn die „Jugendlichkeit“ ist das Herz und die treibende Kraft unseres eigenen Landes, ganz egal, aus welchen Nationalitäten oder Gesinnungen sie zusammengesetzt ist.

Es werden für alle Menschen Regeln und Vorschriften eingeführt, um die Gefahr des Virus zu bannen. Für gebildete, eigenverantwortlich lebende Menschen in großen Häusern mit viel finanzieller Freiheit bedeutet das kein Problem. Aber in der Armut spaltet das Virus viel stärker. Da werden die engen Wohnungen und das schlechte Immunsystem (Rauchen, Ernährung, Bewegungsmangel, etc.) zu einem großen Problem. Natürlich ist die Pandemie mit Einschränkungen und Spaß-Verzicht für alle verbunden! Unsere an sich so tolle freie Gesellschaft, die nur Wirtschaftswachstum, volle Straßen und Regale kannte, endlos feiern und jederzeit in den Urlaub fliegen konnte- all das gibt es plötzlich nicht mehr. Dazu die düstereren Zukunftsaussichten und die massiven Schulden, die aufgenommen werden. Die Arbeitslosigkeit wird bis tief in die bürgerliche Mittelschicht eindringen und uns richtig durchschütteln. Lang gewachsene Industrien, die für Deutschland lange den Wohlstand erwirtschafteten, wie die Autoindustrie, der Flugzeugbau oder der Maschinenbau werden ebenfalls unter Druck geraten. In modernen Technlogien wie der Digitalwirtschaft oder der Biotechnologie und Robotik ist zu wenig nachgekommen. Der Aktienwert der deutschen Firmen ist im Vergleich zu amerikanischen oder chinesischen Firmen ein schlechter Witz. Hier braut sich bereits die nächste Krise zusammen, wenn die Steuerlast nach der überstandenen Krise nach oben korrigiert werden muss, es aber keine ausreichenden Produktivitätszuwächse in der Wirtschaft gibt. Dann muss der Staat sich das fehlende Geld bei der arbeitenden Bevölkerung holen- wo es aber auf Grund der hohen Steuerlast auf Arbeit und Einkommen nur noch wenig Spielräume gibt.

Überall, wo ich mich umhöre oder versuche, ein Gefühl für die Situation zu bekommen, merke ich eine Verschlechterung und Verschärfung des Tons. Die Menschen werden wieder härter, egoistischer. In diesen Zeiten geht es wirklich um was. Dieses Jahr hat nichts mit „Spaß“ zu tun, es ist ernst geworden. Schleichend, aber unaufhaltsam sickert der neue Ernst in unsere Gesellschaft ein. Natürlich bricht dann auch Hass und Randale auf, so wie in Stuttgart gesehen. Wir können der Jugend eigentlich dankbar sein, denn diese „unbeherrschten Teile“ der Gesellschaft sind wie ein Seismograph für die Schwingungen, die im Unterboden der Gesellschaft schon deutlich zu spüren sind. Es ist kein Wunder, dass die „Black Lives Matter“ Debatte gerade jetzt in den USA hochkocht und gerade jetzt die gesamte Geschichte des Landes durch das Stürzen von Symbolen und Statuen kritisch hinterfragt wird. Dieses Virus übt einen Druck auf den Zusammenhalt aller Gesellschaften, aller Länder und aller Menschen aus. Es ist ein Krisenbeschleuniger in jedem Bereich, den man sich vorstellen kann. Die schlechten Arbeitsbedinungen in der Fleischindustrie zum Beispiel wurden schon lange kritisiert, aber jetzt „endlich“ ist auch der politische Wille da, etwas zu ändern. Das wird natürlich auch zu Druck auf die Handelsketten führen müssen (über die bis jetzt noch keiner redet) und am Ende wird es auch bedeuten, dass wir mehr Geld für Fleisch auf den Tisch legen müssen.

Dieses Virus kann man nicht mehr verdrängen oder „schönreden“, es führt zu tatsächlichen realen Veränderungen in unserem täglichen Leben und in der Wirtschaft. Und was neu ist: Jedes Land auf der Erde ist gleichsam betroffen. Es gibt niemand, der daran vorbeikommt oder den es nichts angeht. In dieser „Gemeinsamkeit“ des Leidens liegen aber auch die Möglichkeiten für eine geeinte Antwort.




Was vom Virus übrig blieb

Das Corona-Virus ist ein Arschloch. Seit Wochen hält es uns in Bann. Immer wenn Du denkst, jetzt ist es gerade überwunden, kommt es mit aller Härte zurück.

Wir ziehen uns alle brav unsere Masken auf, halten an der Brötchenkasse Abstand zu unserem Nachbarn und bestellen beim Kellner unser Essen, der aber -weil er selbst eine Maske tragen muss- irgendwie schlechter hört als sonst! Dabei hat er das Ding doch eigentlich über der Nase und dem Mund und nicht vor den Ohren! Wir laden uns brav die neue 60 Millionen Euro App herunter, schalten unser Bluetooth immer an, auch wenn das mordsmäßig Akku zieht. Und dann gibt es da ein paar Chaoten, die feucht fröhlich auf ihren Schlauchbooten ihre Techno-“Demonstration“ feiern müssen! Aber, da haben wir nochmal Glück gehabt, denn das Arschloch-Virus deckt leider nur da wirklich Versäumnisse auf, wo es auch wirklich welche gibt. Bei den armen Fleischzerlegern z.B. die mit Sub- Sub- Sub Verträgen fast noch stärker ausgebeutet werden, als das arme Schlachtvieh, dass sie da für einen Hungerlohn für unsere samstägliche Grillwurst zerlegen. Könnt Ihr Euch noch an das bäuerliche Geschrei erinnern, als es vor ein paar Wochen noch hieß, dass wir vermutlich zu wenige Billig-Arbeitnehmer haben, die unseren Spargel aus der Erde stechen oder die kleinen roten Erdbeeren für uns abrupfen? Als ich letztens eine Fahrradtour durch die schöne Pfalz gemacht habe, kamen mir zwei volle Busse mit „Erntehelfern“ entgegen, die von der Arbeit nach Haus gefahren wurden. Der Bus war voll belegt, jeder Platz und als ich mir die traurigen und müden Gesichter hinter der Scheibe angeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass es für Masken wohl kein Geld mehr vom netten Bauern-Arbeitgeber gab…
Ach und die armen Schweine erst in ihren Legehennenbetrieben, auch „Wohnung“ oder „Flüchtlingsunterkunft“ genannt, z.B. in Göttingen oder Kassel. Eingepfercht wie die Hühner, bei schlechten Essen und noch mieseren Wohnbedingungen, sind wir jetzt alle ganz verwundert, wie schnell das Arschloch-Virus um sich greift und alle dahinrafft wie eine große, dicht gedrängte Fledermaus-Kolonie. Vielleicht hätte man doch früher, schon… ja hätte, könnte, jetzt ist es zu spät! Aber die Polizisten mit Kartoffen bewerfen, wie kann das denn jetzt sein? Gibt es da etwa „versteckte Kritik“ an den Unterkunftsbedingungen?

Bei manchen Menschen scheint das Virus aber auch das Gehirn zu befallen, oder wie soll man sich die jüngste Randale in der Innenstadt von Stuttgart sonst erklären? Da kommt man gerade frohgelaunt aus der Shisha-Bar oder vom saufen mit den Kumpels an der Ecke und schon grölen ein paar von den Freunden an der nächsten Straßenecke, dass es da „Krawall gibt“. Na los, da muss man schnell mitmachen, gibt sowieso nicht viel zu tun für die jungen Leute. Schule abgeschafft, Uni abgeschafft, Festival, Weinfest, Disco abgeschafft. Da hat das Arschloch-Virus viel Zeit, im Gehirn von der schlechten Laune Besitz zu ergreifen und die Chance auf die neusten Addidas-Schuhe oder das neuste Handy aus dem nächsten Schaufenster ist einfach zu verlockend, wenn man selbst keine Perspektive mehr für sich sieht.




Die Bretter des Verzichts

Und was ist, wenn es auch nach der Corona-Krise erstmal so weitergeht?

Wenn wir erkennen, dass es so nicht weitergehen kann?

Dass wir einen Wandel in der Wirtschaft, in der Verteilung der Güter, der Gesundheit, im Konsum auf der ganzen Welt brauchen?

Wenn dieses kleine Virus, dass man nicht sehen kann, einen Prozess angestoßen hat, der dem Patient „Mensch“ auf der Erde so unglaublich gut getan hat?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass über 10 Prozent unseres Erbgutes von Viren-DNA geprägt ist. Die Viren, sie sind geblieben.
Und sie haben Spuren in uns hinterlassen. Spuren, die wir brauchen.

Die Befruchtung der Eizelle ist nur mit einem „Trick“ möglich, der ohne die Mechanismen von Viren nicht möglich wäre. Denn das Spermium ist ja in gewisserweise auch „fremde DNA“.

Immer, wenn Widerstände überwunden werden müssen, wenn es irgendwo „klemmt“, wenn ein Organismus zu sehr wuchert und sich selbst nicht mehr erkennt, dann sind die Viren die Antwort auf viele Fragen.

Denn, was sich ja vor allem seelisch-moralisch festsetzt ist die Erkenntnis, dass man durchaus auch leben kann, wenn man weniger hat, weniger verbraucht usw.

Dass wir diesen ganzen Überfluss gar nicht für unser Glück brauchen. Wir haben es zwar geahnt, aber wir haben uns nie getraut, diesen Weg auch zu gehen. Aber jetzt, wo alle diesen Weg gehen müssen, auf der ganzen Welt, ist es viel einfacher.

Es funktioniert! Die Bretter des Verzichtes, sie tragen!




Worte des Tages vom 17.3.2020

Festsitzende Urlauber
Für immer gestrandet
Allein gelassen
100.000 deutsche Touristen
Stück für Stück
Erkrankungsfälle
Virologe
Hochstufung auf „hoch“
Maßnahmen
Ausgangssperre
Risikogruppe
Kurve
Selbstabstrich
Handextraktion
Versorgungssicherheit
EM-Verlegung
Spielbetrieb
Seniorenzentrum
Besucherstop
Härtefallregelung
Trennung
Corona-Hilfe
Sicherheitsabstand




Worte des Tages vom 16.3.2020

Notstand
Gottesdienste
Busreisen
Gesellschaftliche Vollbremsung
Stillstand
6700 Menschen infiziert
14 gestorben
Katastrophenfall zum „durchregieren“
Weisungsbefugt
Whatever it takes
Systemrelevante Berufe
Digitalisierung der Bildung
Einreisestop für Nicht EU Bürger
Sonderflüge
9000 Punkte
Werksschließung
Absatzrückgänge
CO²-Reduktion
Maßnahmenwirksamkeit




Verantwortung übernehmen

Ich glaube, so langsam dämmert es allen Menschen, dass wir in einer richtigen Krise sind. Dass das jetzt nichts mehr ist, was einfach vorüber geht. Die getroffenen Maßnahmen sind heftig. An meinen täglichen „Wasserstands- bzw. Wortmeldungen“ könnt ihr erkennen, dass sich auch die verwendeten Vokabeln eindeutig verändert haben.
Es wird aber auch ein Ende der Krise geben. Wir werden alle deutlich durchgeschüttelt. Der Virus wird zum „Game Changer“, so wie ich das schon prophezeit habe. Danach wird alles anders werden. Das Gesundheitssystem wird sich neu aufstellen müssen, die Wertschätzung der Pflegearbeit wird endlich neu durchdacht und verändert werden müssen. Die enorm große Abhängigkeit von China wird auf den Tisch gelegt, die Produktion von Medikamenten hoffentlich wieder ins eigene Land geholt. Auch Sicherheitsaspekte, Grenzkontrollen, Notfall-Programme werden eine völlig neue Bedeutung bekommen, denn jetzt kann man nicht mehr sagen: SARS gibt es nur in den asiatischen Ländern! Schlussendlich werden wir aber auch erkennen können, dass wir verletzlich sind und einander brauchen. Dass gegenseitige Solidarität die beste Gesundheitsvorsorge gegen alle Krankheiten und Krisen ist.

Ich habe gestern abend lange mit meiner Schwester telefoniert und sie hat gemeint, dass sie den Eindruck hat, dass bei vielen Menschen die „Realität“ noch nicht durchgesickert ist. Zum Beispiel waren viele ihrer Freundinnen noch vor ca. 3 Wochen im Skiurlaub in Südtirol. Obwohl es sich da schon abzeichnete, dass die Krise dort kommen wird und es von überall schon Virus-Meldungen gab. Sie haben es auf die leichte Schulter genommen und nicht glauben wollen. Und waren jetzt bei der Wiedereinreise überrascht, dass das Gesundheitsamt Quarantäne anordnet! Es ist ja auch nicht zufällig, dass die Bundesländer und Städte, in denen viele reiche Menschen wohnen, auch mehr Geld zum reisen haben und dadurch stärker betroffen sind!

Ich höre außerdem den täglichen Podcast von Christian Drosten (https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html ) , der einen auch immer mit interessanten Informationen über die aktuelle Lage versorgt. Wie wohltuend wissenschaftliche, neutrale Aussagen in diesen Tagen sind! Von ihm stammt z.B. die Information, dass die Gesundheitsämter regresspflichtig sind, wenn sie Veranstaltungen absagen und den Veranstaltern dann Kosten oder Einnahmeausfälle entstehen. Und das ist oft der Grund, warum sie sich dann zurückhalten, obwohl es medizinisch gesehen vielleicht sinnvoll wäre, alles abzusagen. Und immer wieder hört man jetzt die Meldung, dass eine Veranstaltung zwar auf 1000 Besucher gedeckelt ist, aber die Veranstalter dann einfach 999 Besucher anmelden.
Das ist eine Frechheit, finde ich. In dieser Krise sollten alle Menschen versuchen, mehr Verantwortung zu übernehmen!

Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen mit der Krise?




Worte des Tages vom 15.3.2020

Bundespolizei
Grenzkontrollen
Knappe Ressourcen
Krisenstab
Ausnahmezustand
5500 Menschen
Hamsterkäufe im grenznahen Bereich
Höchste Alarmstufe
Ausgangsbeschränkung
CureVac
Ostermesse
Sündenablass
Soziale Kontakte
Problemgebiete
Einheitliche Kontrollmaßnahmen
Bundeswehrkrankenhaus
Lohnfortzahlung
Notbetreuung
Regelbetrieb
Videokonferenz
Bewegungsfreiheit
Berufspendler
Kommunalwahlen
Eigener Stift




Die Hamsterkäufe

Etwas zu hamstern, ist ein Urinstinkt des Menschen. Wer Vorräte bilden konnte, war dem anderen überlegen.
Also rennen wir alle in den Supermarkt und nehmen, was wir nur kriegen können. Das ist schon die Vorstufe der Anarchie. Denn in dem Moment, wo ich mir Sachen in meinen Wagen gepackt und nach Hause gekarrt habe, kann es mir der andere erstmal nicht mehr wegnehmen. Der Effekt verstärkt sich, wenn ich sehe, dass es mein Nachbar auch so macht. Wir brauchen die Nachrichten schon längst nicht mehr, das soziale Lernen und die Bewegung der Masse übernehmen den Rest.

Glaubt ihr wirklich, in diesem Moment werden die Menschen „auf den Schwächeren“ Rücksicht nehmen? Je größer die Angst, desto weniger Mitgefühl gibt es für den anderen. Wenn sich der Trieb des Überlebens erstmal voll durchgesetzt hat, gibt es „kein Erbarmen“ mehr. Genau das ist der Grund, warum „Panik“ entstehen kann. Das Mitgefühl anderen gegenüber ist nur im Promillebereich vorhanden und es schützt diejenigen Gruppen, die schlauer sind als andere. Aber der große, egoistische Rest wird untergehen.

Nein, es ist alles gut, sagen die Nachrichtenmacher. Die Situation ist unter Kontrolle, sagt der Minister. Aber das Vertrauen in Nachrichten und Politiker ist verloren gegangen, spätestens seit der letzten Flüchtlings- und Finanzkrise. Wir spüren instinktiv, dass es jetzt schnell alles anders laufen kann. Vorbei die Zeiten des unbekümmerten „In den Tag Lebens“ und das Gewissen, dass es „uns schon nicht treffen wird“.

Und da wundert sich noch jemand darüber, dass Angst- und Protestparteien gewählt werden und die extremistischen Strömungen wieder Aufschub erhalten und ungestört morden können?

Uns wird es treffen. Uns hat es schon getroffen. Heinsberg ist in Deutschland. Allein der Name ist schon so deutsch. Italien ist nur ein paar Autostunden entfernt. Und die Flüchtlinge, die zu uns kommen? Sind auch manchmal aus dem Iran. Die Produktionsströme mit China vernetzt. Uns wird es treffen. Das ist jedem klar, spätestens wenn man mal intensiver die „Made in China“ Aufdrucke an seinen Waren genauer betrachtet hat.

Die ganzen Menschen, die jetzt zu uns kommen. Die „Germany“ in die Kamera sagen, dass sie da von einem besseren Leben mit Ausbildung, Job, Haus und Auto träumen. Und wenn es sich nicht erfüllt? Weil schon tausende vor ihnen gekommen sind? Wenn der Platz auch hier eng wird? Was machen wir dann? Wann endet unsere Solidarität und wie können wir sie neu beleben?

Die Menschen, sie sind eine einzige große Spezies auf diesem Planeten. Aber wirklich friedlich zusammen zu leben, das haben sie noch nicht gelernt.




Die täglichen Corona-News

Was ich über die aktuelle Lage mit dem Corona-Virus berichten kann, wollt ihr wissen? Oh ja da gibt es viel zu erzählen, nur keine Panik und bitte nicht mit den Ängsten anstecken lassen, das ist alles ’ne reine Medien-Geschichte. Moment, muss gerade mal die Hände abtrocknen. So jetzt gehts besser!

Gestern im Supermarkt meine Vertrauens. Eine seltsame Stimmung hatte sich über die Gesichter der Menschen gelegt. Die fröhlichen Pfälzer, die sonst immer in kleinen Gruppen auf dem Gang standen und sich unterhalten, heute waren sie alle merkwürdig still. Keine ausgelassene Stimmung, keine Lacher. Alle wirkten konzentriert und ein bisschen angespannt. Oft waren die Männer mitgekommen. Ungewöhnlich für einen normalen Freitagmorgen, wo man meistens mehr die entspannten Senioren oder die Hausfrauen sieht.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, den Inhalt der Einkaufswagen von allen Passanten genau zu studieren. Fast in jedem zweiten Wagen konnte ich einen großen Kasten Wasser und eine große Menge haltbarer Produkte sehen. Toilettenpapier, Kaffee, Nudeln, eine Frau hatte ein paar Packungen Mehl gekauft. In den Regalabschnitten, in denen es meistens ruhig ist, herrschte gestern großer Andrang. Beim Kaffee, bei den Fertigprodukten und den haltbaren Dingen. Auch in der Gemüse und Fleisch-Abteilung war ungewöhnlich viel los.

Die unmittelbaren, sozialen Folgen der Krankheit

Vor allem aber fehlte mir die Fröhlichkeit. Die Lockerheit, die man sonst immer beim Einkaufen spürt. Ein paar lustige Sprüche mit der Kassiererin z.B. Viele Gespräche, die ich so aufgeschnappt hatte, handelten tatsächlich vom neuen Virus.

In der Verwandtschaft nachgefragt, habe ich erfahren, dass fast alle meiner Verwandten bereits mit Vorratshaltung angefangen haben und dass sich fast jeder auch schon Atem-Schutzmasken zugelegt hat. Die natürlich schon zum großen Teil vergriffen sind.

Was ist da los, frage ich mich? Warum wird dieser Virus von so vielen Menschen völlig anders eingeordnet, als es z.B. ein normaler Grippe-Virus wird? Der durchaus auch tödlich sein kann und die Kapazitäten der Krankenhäuser an ihre Grenzen bringen kann (z.B. in der Grippewelle 2017/2018 ).
Ich selbst sage jetzt der Reihe nach Veranstaltungen ab, die nicht unbedingt notwendig sind und die das Risiko einer Ansteckung nur unnötig vergrößern könnten. Von meinen Eltern kommt der Tipp, nur noch einmal pro Woche einkaufen zu gehen und die unnötigen Besorgungsgänge zu reduzieren.

Meine Selbsthilfegruppe am Freitag? Muss ich nicht unbedingt hinfahren, kann ich auch per WhatsApp machen. Die Foto-Ausstellung in Ludwigshafen, die heute stattfindet? Gestrichen. Zuviele internationale Menschen, die dort sein könnten, zuviel Unbekanntes. Das möchte ich einfach nicht riskieren.

Und das hat mir besonders weh getan, weil ich derzeit nur am Wochenende Zeit für kreative Hobbies und größere soziale Kontakte außerhalb der normalen Arbeit habe.

Dieser Virus wird vieles in unserer Gesellschaft ändern, da bin ich mir sicher. Eben kam die Meldung, dass in Kaiserslautern Menschen unter Quarantäne stehen. Ich frage mich, warum bei diesem Virus diese Quarantäne überhaupt angeordnet wird? Bei normalen Erkältungen oder der Grippe habe ich noch nie davon gehört, dass die Gesundheitsämter derartig aktiv werden!

Und solche Meldungen, von denen man nicht genau weiß, wie man sie jetzt einordnen soll, verunsichern ungemein. Wie ist die tatsächliche Gefahr dieses Virus? Auf was soll man sich einstellen? Ein neues Gerücht, das derzeitig im Umlauf ist, besagt, dass der Virus vielleicht wiederkommen kann, nach bereits überstandender Krankheit. Und das wäre tatsächlich eine neue Dimension, weil dann die Entwicklung und Anwendung eines Impfstoffes vielleicht ganz unmöglich wird.

Mögliche Szenarien

Man muss also ein bisschen Phantasie aufbringen, um sich zu überlegen, in welche Richtung es die nächsten Monate gehen könnte:

Die harmlose Variante

Vielleicht gibt es einen harmlosen Verlauf, im Frühling ebbt alles ab und der Corona-Virus verschwindet so schnell, wie er gekommen war. Das ist ja z.B. mit dem ersten SARS Virus passiert.

Die lokaken Infektionscluster lassen sich gut eindämmen, es wird bald ein Gegenmittel gefunden und die wirtschaftlichen Schäde lassen sich nach einer kurzen Delle wieder begrenzen.

Die mittlere Variante

Die Virus-Epidemie verläuft etwas länger als gedacht und trifft die meisten Länder auf dem falschen Fuß. Nach und nach gelingt aber die Eindämmung des Virus und weil viele Menschen nach einer überstandenen Erkrankung wieder immun werden, stabilisiert sich alles. Die wirtschaftlichen Schäden sind ziemlich groß, aber die Menschen lernen daraus und entwickeln bessere Strategie, um zukünftige Pandemien in einer globalisierten Welt besser unter Kontrolle zu bringen. Das politische und wirtschaftliche System hat zwar Kratzer abbekommen, bleibt aber stabil.

Die schlimme Variante

Der Corona-Virus erweist sich als besonders hartnäckig und schlimm für unser System. Er verschärft bisherige Krisen und bringt alles zum Wanken. Die Eindämmung wird angesichts der hohen Ansteckungsrate unmöglich. Infektionsketten können nicht mehr unterbrochen oder rückgängig gemacht werden. Eine wirkliche Immunisierung ist nicht möglich. Die schweren Krankheitsverläufe und die Todesrate sind viel höher als bei der Grippe. Das – ohnehin schon stark belastete- Gesundheitssystem kommt an seine Grenzen. Die Krankenhäuser sind überfüllt, das Klinikpersonal fällt aus. Nach und nach wird die Versorgung schlechter, weil Logistikketten unterbrochen werden (kranke LKW-Fahrer, Fabriken geschlossen, Teile fehlen, Nachschub geht aus). Das angeschlagene Banken. und Finanzsystem kommt zum Einbruch. Das Geld wird entwertet, Güter werden knapp. Die Arbeitslosigkeit und die allgemeine Verzweiflung steigt.

Infolgedessen kommt es zu sozialen Unruhen, vielleicht sogar zu Plünderungen und Bürgerkriegen. In diesem unheilvollen Gemisch fällt es großen Mächten wie Syrien, Türkei, Russland, Iran oder den USA leichter, die Grenzen ihrer Macht zu verschieben. Kriege brechen aus und verschlimmern sich. Wir schlittern in eine große Krise, die einem „3. Weltkrieg“ sehr ähnlich wird.




Der Game Changer

Der Virus schlägt uns ins Getriebe. Zeigt uns, dass wir klein und verletztlich sind. Er, der kleinste von allen! Torpediert unsere Größe.
Verzweifelt ist das Anliegen der Politiker, jetzt „einen Plan“ zu finden und höhnisch sind die Repliken in den Tageszeitungen. Man reagiert mehr, als das man agiert. Aber was soll man auch machen? Mich erschreckt die Geschwindigkeit, mit der er jetzt unsere hochvernetzte Welt treffen kann.

Wir Menschen, sind ein einziger Organismus auf der Erde und der kleine Virus macht nicht Halt in unserer einzigen, gemeinsamen Blutbahn, die unsere Straßen und Verkehrswege sind. Auf manchen Wegen geht es langsamer (Schiffe) auf anderen rasend schnell (Flugzeuge). Dort wo es Cluster und soziale Verteilknoten gibt, kann er besonders stark angreifen (Schulen, öffentliche Einrichtungen, Großveranstaltungen).

Auch junge Menschen mit einem vermeintlich starken Immunsystem sind betroffen. Dieser Virus ist neu und es gibt noch keinen Menschen, der ihm zuvor begegnet ist. Gefährdet sind vor allem Menschen mit Vorerkrankungen. Der Virus wirkt hier wie ein Verstärker der „natürlichen Auslese“. Nur die stärksten sollen durchkommen. Leben bedeutet eben auch Kampf – Lebensstrategie, Todesstrategie und alles, was sich dazwischen befindet. Wenn wir in unserem engen geschützten Rahmen leben, vergessen wir oft, wie anfällig alles ist und dass unsere hochtechnisierte Zivilisation nur ein kleiner Schutzfilm auf dem Drama der Evolution ist.

Wie lange wird es dauern, bis es ein Gegenmittel gibt? Welche Fakten sind schon bekannt?
Es ist derzeit mühsam, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Mich aber interessiert auch das Ausmaß an Panik und die seelischen Ausnahmezustände, die der Virus verursachen kann. Unsere große Urangt vor dem Unbekannten schlägt hier gnadenlos zu.

Vereinzelt las man schon Übergriffe auf Menschen, die aus einem vermeintlichen Infektionsherd kommen (z.B. Chinesen).
Werden wir wieder zu Tieren, wenn die Versorgung knapp und die Ressourcen begrenzt werden? Was machen wir, wenn die ersten Medikamente nicht mehr lieferbar sind? Was jetzt schon tlw. der Fall war, weil alles am Anschlag läuft und die Kosten mal wieder an der falschen Stelle eingespart wurden?

Was machen wir, wenn unsere Notaufnahmen und Intensivstationen gnadenlos überfüllt sind? Werden wir dann auch mal eben ein bis zwei neue Krankenhäuser in sieben Tagen bauen können? Was macht der Virus mit schwächeren Gesellschaften und mit jenen, in denen es viele Alte gibt?

Wen interessieren schon Fakten? Verbreitungszahlen oder sowas trockenes wie eine „Sterberate“? Wenn man ein schönes reißerisches Thema für die Medien hat und plötzlich an die ganzen Weltuntergangs-, Katastrophen- und Zombiefilme erinnert wird, die man schon gesehen hat?

Der Virus hat das Potential, zu einem „Game Changer“ zu werden. Wie ein Krieg, kann dieser biologische Kriegsauslöser die bestehenden Strukturen völlig zerstören und dafür sorgen, dass wir gezwungen werden, komplett neue aufzubauen.

Ist es so sinnvoll, die komplette Medikamentenherstellung, bzw. die Wirkstoffproduktion nach China auszulagern? Wäre der Aufbau von großen lokalen Kapazitäten nicht auch sinnvoll gewesen?
Warum gibt es, kaum acht Wochen nach dem Ausbrauch der Epidemie schon jetzt keine Schutzmasken und Schutzkleidung in Deutschland mehr?

Wie schützen wir uns in einer eng vernetzten Welt und warum sind wir nicht mehr in der Lage unser großes Wirtschaftsgetriebe mal für ein paar Tage anzuhalten? Warum konnte man den Betrieb des Karnevals, der Reisen oder anderer Geschäftstätigkeiten in Deutschland z.B. nicht vorher aussetzen? Warum muss man immer erst hinterher darauf reagieren, wenn das Kind schon längst in den Brunnen gefallen ist?

So wie es aussieht, läuft es auf eine komplette „Durchseuchung“ unserer Bevölkerung hinaus. Mit allen positiven und negativen Folgen, die sich daraus ergeben werden.