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Sichtbar machen

Auf Instagram bin ich die letzten Tage mal wieder unweigerlich zum Thema „Transgender“ bzw. „Transidentität“ gestoßen. Ich bin einfach neugierig und interessiere mich dafür. Ich bin selbst „betroffen“, warum soll ich zum Thema also nichts schreiben und nicht dazu stehen? So einfach war das lange nicht. Ich hab oft überlegt und gemerkt, dass es einfacher ist, „als Frau“ unterzutauchen und sich die eigene Lebensgeschichte nicht ganz einzugestehen. Zugegeben, es wurde mit der Zeit auch immer einfacher. Das Passing wird besser, das Gefühl „angekommen zu sein“ ist stärker – man fühlt sich einfach wie eine Frau, man hat den weiblichen Vornamen, alle sekundären und primären Geschlechtsmerkmale sind vorhanden, das Umfeld ist okay – warum sich also noch mit der Vergangenheit quälen? Es lebt sich einfacher und besser, wenn man darüber nicht mehr redet und es nicht ständig aus dem Dunkeln holt.
Auf Instagram hab ich jetzt gemerkt, dass es aber durchaus T*Frauen gibt, die ganz offen zu dem stehen, was sie sind oder WER sie sind. Es sind vor allem Frauen, die gerade in der „Transition“ stehen oder das ganze gerade hinter sich haben. Es gibt viele Fotos (vor allem Selfies) und interessante, teils berührende Texte. Mal wieder scheinen mir andere Länder (vor allem die USA) etwas weiter als das langsame Europa zu sein.

Es gibt auch viele interessante Hashtags, mit denen man diese speziellen Frauen finden kann:

zum Beispiel:
https://www.instagram.com/explore/tags/thisiswhattranslookslike/
https://www.instagram.com/explore/tags/transisbeautiful/
https://www.instagram.com/explore/tags/girlslikeus/
https://www.instagram.com/explore/tags/transisbeautiful/

Beim Recherchieren hab ich auch rausgefunden, dass es in den USA wohl einen speziellen Gedenktag gibt, der das Thema Transidentität in den Vordergrund stellt und „sichtbar“ machen möchte: Er nennt sich „Transgender Day of Visibility“ und wurde (so Wikipedia) 2015 vor allem für diesen Zweck gegründet.

(mehr dazu: Link 1 und Link 2)

Was soll ich sagen? Ich bin mal wieder total angetan und merke in meinem Innersten, dass ich das gut finde.
Ja, man muss dazu stehen! Ja, die Öffentlichkeit muss mehr erfahren. Wegschauen und verdrängen sind keine guten Lösungsansätze.
Das Leben bietet so viel Potential und so viele Möglichkeiten. Wenn man nur zu Hause rumsitzt und traurig ist, verändert man nichts und ist auch kein Nutzen für die Gesellschaft. Man muss laut sein und sich engagieren und man muss Netzwerke aufbauen und anderen helfen. Wer ausreichend kommuniziert, hilft anderen automatisch. Und NATÜRLICH gibt es eine Menge Gegenwind. Das ist doch ganz klar. Veränderung bedeutet eben auch „Widerstand überwinden“. Die Frage ist nur: Wieviel Kraft hat man und wo ist die Kraft erschöpft? Kleine Erfolge motivieren dann, um weiter zu machen. Das betrifft nicht nur die Transthemen, sondern alle anderen sozialen / menschlichen Themen.

Mir ist aber auch klar, dass das noch ein verdammt weiter Weg ist.
Die Situation mit den Blogs ist in Deutschland allgemein schwierig. Die Zunahme von rechtem Gedankengut (z.B. AfD) macht die Sache nicht leichter. Die Stimmung ist allgemein aufgeheizt. Ein Zustrom von Menschen aus Ländern, die zum Thema Schwul oder Trans sehr ablehnend eingestellt sind, macht unsere Situation nicht einfacher. Die Intoleranz in Deutschland war vorher schon sehr stark ausgeprägt, wenn man jetzt auf noch krassere, religiös-totalitäre Meinungen trifft, wird das verdammt schwierig.

Es gibt weitere Probleme: In Deutschland herrscht oft ein „Vereinsdenken“. Man organisiert sich in größeren Clubs oder Treffen, dann muss aber die „Clubmeinung“ übernommen werden. Abweichungen werden auch hier wiederum nicht gerne gesehen. Es enstehen dann „innere Kämpfe“ und Probleme, die den Zusammenhalt nach außen gefährden. Ich denke das ist z.B. ein Phänomen, an dem die Piratenpartei gescheitert ist. Nicht jeder akzeptiert Neuerungen und innovative Gedanken! Sie sind immer zuerst bedrohlich. Alles muss geregelt und irgendwie „organisiert“ sein. An unserem Weg aber ist nichts geregelt. Er ist chaotisch, verwirrend, er macht Angst und ist oft bedrohlich. Wir verändern uns sehr heftig.

Alle haben ein Problem mit uns: Andere Frauen beneiden und bekämpfen uns. Hierzu ein interessantes Beispiel aus einer Instagram-Geschichte. Die junge T*Frau schreibt, sie sei bei dem Besuch einer Hochzeit angefeindet worden und andere hätten behauptet, sie würde der Braut die Schau stehlen wollen. Die junge T*Frau hatte gerade eine Brust-Op hinter sich und andere Frauen auf der Hochzeit hatten Angst davor. Das zeigt, wie schnell man bei anderen Frauen in der deren Konkurrenz-Gegenwind gerät. Eigentlich wäre es lustig und ich musste schmunzeln. „Hey, es zeigt doch, dass sie dich fürchten und deine Weiblichkeit bereits beneiden. Kann es ein besseres Kompliment für Dein Aussehen geben?“.

„Normale“ Männer haben Angst davor „schwul“ zu sein. Deren Angst-Abwehr und hetero-normative Selbstdeutung wird dann mit Aggression, Ablehnung und Abgrenzung aufgefüllt.  Sehr schnell wird man von der Gesellschaft in eine schmuddelige Ecke gestellt und nicht wenige Transfrauen landen dann auf dem Strich (gerade in ärmeren nicht so priveligierten Ländern. ) Das mit der eigenen Familie ist oft ein großes Problem. Nicht immer ist die volle Unterstützung da und so wird man ganz schnell zum Außenseiter. Sehr schnell wird man einsam und passt einfach nicht dazu. Die Identität ist nicht sichtbar, es ist eine Kopfsache- also wird man auch schnell für einen „Spinner“ gehalten. Extrovertiertes Auftreten (gerade von Transfrauen, Dragqueens, Transvestiten, etc.) und ein Spiel mit der Provokation macht die Akzeptanz nicht leichter.

Wir treten in den schwierigen grauen Zwischenbereich zwischen den Geschlechtern und der ist voll mit Problemen.

Ein Grund mehr, das ganze „sichtbar“ zu machen.

Stimmwunder

Ich hab auf Soundcloud zwei neue Podcasts hochgeladen. Das geht erstaunlich schnell und einfach:

https://soundcloud.com/julia-adriana-1/stimme-biologie-u-identitaet
https://soundcloud.com/julia-adriana-1/lustige-stimmen-fuehren-zur

Einfach das Smartphone zücken, auf „Diktiergerät“ klicken und Aufnahme starten. Danach den Button für „Teilen auf Soundcloud“ anklicken (die App muss installiert sein). Noch ein Bild auswählen- fertig! Ich finde die Qualität ist recht gut und rauschfrei. Manchmal bewege ich meine Hand zu sehr am Handy-Rahmen, dann raschelt es. Oder ihr hört, wie der Hund sich schüttelt und das Halsband klappert. 😉

Besonders blöd ist es aber, dass ich im Nachhinein nicht korrigieren kann und sich schnell Fehler einschleichen. Der erwähnte Film im Podcast heißt z.B. „Enthüllung einer Ehe„, nicht „Szenen einer Ehe“.

Da ist der Text etwas im Vorteil. Vor allem auch durch die direkten „Linkmöglichkeiten“.

Den wissenschaftlichen Artikel zum Thema Östrogen und Stimme gibt es hier.

Und hier gibt es nochmal das lustige „Stimmwunder„-Video, wer es verpasst hat.

In den Podcasts habe ich vor allem das Thema „weibliche Stimme“, aber auch „TS-Stimme“ als Inhalt gehabt.
Das ist ein weites Feld, über das man sehr viel reden kann. Für die Persönlichkeitsentwicklung und das „Glück“ ist die eigene Stimme ein ganz zentraler Baustein. Nicht nur für Transgender, sondern für alle Menschen.

Nur wer sprechen kann, wird gehört.

Ich mag… – Teil 2

passende Musik

Ich mag Deine Augen, die mich permanent mustern… die Tatsache, dass du dich überwunden hast und mich hier endlich im Café getroffen hast. Ich habe ewig darauf gewartet… hm, was ich noch an Dir mag? Es ist schwer zu sagen, ich rede da nicht so offen darüber wie du.

Ich mag, dass du die Rechnung bezahlst und einen dicken Geldbeutel hast. 😉 Ich schätze deine Hände, an denen soviel mehr Haare als an meinen wachsen. Deine Arme sehen kräftig und muskulös aus. Dein Humor ist ganz nett, er vermischt sich aber auch mit Unsicherheit und Angeberei. Ich würde Dir gerne helfen, den Humor noch mehr aus deinem Wesen zu pellen… ich mag, dass du mir die Tür aufhälst und mir in die Jacke hilfst. Dass du ständig um mich herum bist und dich sehr bemühst.

Ich mag, dass du dich anstrengst. Auch wenn du noch nicht komplett bist. Ich mag dein altes rostiges Auto und die Unvollkommenheit, die überall an Dir ist… ich mag Deine Ängste und Zweifel… ich würde Dir gerne helfen.
Manchmal tust du mir leid. Du hast schon soviel versucht, und so wenig erreicht.

Ich möchte dich gerne etwas bemuttern und bedauern. Ich habe Mitgefühl für Dich.
Ich glaube, du bist der Schwächere von uns beiden. Aber dann, urplötzlich zeigst du wieder Deine Stärke.
Das ist etwas verwirrend für mich.

Ich mag Dein Wissen und dass du über alles nachdenkst, so wie ich. Ich könnte stundenlang mit Dir reden und plaudern. Es ist immer spannend, immer aufregend und schön.

Ich mag Deine Abenteuerlust und dein offenes Wesen. Ich mag, wie du Kinder anschaust und dass du ein weiches Wesen hast. Ich mag es, wenn du mich überraschst oder mir eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Die Idee, zusammen auf die Wiese zu fahren, fand ich sehr gut. Ich merke, wie du mich anschaust und berühren möchtest. Ich bin nicht sicher, ob ich das will… und überlasse Dir den ersten Schritt…

ich mag Dich, einfach so wie du bist.

Geschlechter – Harmonie

Ein bisschen Brainstorming zum Thema „Geschlechterverhältnis“ und wie man Östrogen/ Testosteron in gesellschaftliche Begriffe „übersetzen“ kann. Kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Kommentare sind gerne gesehen und die Liste kann jederzeit ergänzt/ korrigiert werden.

Übertriebene Männlichkeit (überschießendes Testosteron)

  • angeben, übertreiben
  • eindringen
  • jemand nerven
  • unkontrollierte Aggression
  • körperliche Gewalt
  • Hass
  • mit LKW durch Menschen fahren
  • Sadismus, andere quälen
  • Kriminalität
  • Sucht / Alkoholismus
  • Grenzen überschreiten
  • Hang zu Extremen
  • schlagen
  • demütigen, vergewaltigen
  • Männer herrschen über Frauen

Ausgeglichene Männlichkeit:

  • die Grenzen der Frau akzeptieren
  • vorsichtig vorgehen, aber nicht schwächlich sein
  • reife Persönlichkeit und Erfahrung
  • Humor
  • Frauen beschützen
  • sich für Schwächere einsetzen
  • das eigene Wissen weitergeben
  • stark sein, aber nicht damit angeben
  • mutig sein, aber nicht dumm
  • die eigene Kraft dosiert einsetzen

Übertriebene Weiblichkeit (überschießendes Östrogen)

  • den Halt verlieren
  • keinen Plan vom Leben haben
  • seelische Aggression, Mobbing
  • andere schlecht reden, lästern
  • alles zerreden, nörgeln
  • anderen alles vorschreiben und überall reinreden
  • ständig Bestätigung suchen bei anderen
  • Gefühlsduselei
  • Schwäche
  • Depression
  • Introvertiertheit
  • Bulimie/ Magersucht
  • sich selbst hassen
  • weinen
  • nur aufs Äußere fixiert sein
  • Nymphomanie
  • Frauen herrschen über Männer

Ausgeglichene Weiblichkeit:

  • Verantwortungsgefühl
  • andere Frauen tolerieren
  • sich für alle anderen einsetzen
  • nett sein, freundlich sein
  • Pflegen, beschützen, nähren
  • Bescheidenheit und Selbst-Akzeptanz

Harmonische Männlichkeit/ Weiblichkeit

  • produktives Zusammenarbeiten
  • konzentriert arbeiten
  • sich gegenseitig helfen, miteinander arbeiten
  • kommunizieren, austauschen, reden
  • Werte erzeugen
  • Vertrauen aufbauen
  • die Abhängigkeit erkennen und akzeptieren (Familie)
  • Frieden
  • Akzeptanz & Toleranz
  • Bedürfnisse erkennen und akzeptieren
  • Raum für Freiheiten schaffen
  • Frei sein
  • glücklich sein
  • angekommen sein
  • keiner herrscht über den anderen, alle sind gleichberechtigt

Östrogentherapie: Nebenwirkungen

Kein Medikament ohne Nebenwirkungen, so auch nicht beim Estradiol:

Ich fühle mich etwas hibbeliger als sonst und unternehmungslustiger. Es fällt mir zunehmend schwerer, nichts zu tun und einfach nur am PC zu sitzen. Langwierige Aufgaben empfinde ich schnell als langweilig und monoton. Programmieren oder Software-Testen geht im Moment nicht so gut.. beim Lesen schweife ich schnell ab.

Fernsehgucken, Facebook und Internet-Surfen fühlt sich alles attraktiver als früher an, ist aber leider auch oberflächlicher.

Ich fahre mehr Auto und gehe mehr unter Leute. Das empfinde ich auch nicht mehr als schlimm, sondern als reizvoll. Meine Ängste haben sich fast alle zurückgebildet. Ich fühle mich mutiger und abenteuerlustiger.
Mein kleiner Ort, in dem ich lebe, fühlt sich jetzt oft „zu klein“ an, ich habe wieder mehr Lust auf eine städtische Umgebung mit mehr Reizen (mehr Input).

Das Gehirn fühlt sich jetzt „richtig verdrahtet“ an. Viele Abläufe im Alltag sind geschmeidiger und funktionieren so wie gewollt. Die Muskeln werden besser mit Sauerstoff versorgt, Radfahren ist wieder einfacher und ich habe mehr Ausdauer (mehr dazu).

Die Muskeln gehen allerdings zurück, gerade morgens empfinde ich ein richtiges Schwächegefühl am ganzen Körper.
Daraus entsteht ein Paradoxon: Ich will mich mehr bewegen, aber der Körper baut Muskeln ab. Ich hab deutlich mehr Energie, dafür weniger Kraft.

Schreiben und Denken gehen an sich sehr gut, ich springe aber auch viel mehr zwischen den Themen und vernetze Dinge miteinander, die ich früher besser „trennen“ konnte. (Biologisch gesehen erkläre ich mir das mit dem verbesserten Fluss zwischen beiden Gehirnhälften und dass nicht mehr eine Seite dominiert). Diese neue „Zweigleisigkeit“ im Gehirn führt dazu, dass ich im Supermarkt den Wagen plötzlich rückwärts oder seitwärts schiebe, so wie es gerade passt. Vorher bin ich immer geradlinig durch die Gänge gefahren und hab den Wagen immer nur vorwärts geschoben. Kleinere Schreibtests haben ergeben, dass ich neuerdings sogar mit rechts schreiben kann (früher reine Linkshänderin). Es sieht zwar mangels Übung nicht so gut aus, aber es geht eindeutig. Beim Heimwerken kann ich mich nie entscheiden, ob ich das Werkzeug in die rechte oder linke Hand nehmen soll.

Überhaupt Entscheidungen! Bestellungen von Klamotten im Internet dauern jetzt deutlich länger. Ich finde alles schön, ich sehe überall Farben und Formen und kann mich NULL entscheiden. Ich habe nur das unstillbare Bedürfnis, meine Kleidungsstil und meinen Look nachhaltig zu verändern. Meine ganzen alten Klamotten kommen mir langweilig und grau vor. Da ich jetzt mittlerweile auch etwas abnehme (bis jetzt 2.5 kg) und mein Bauchfett deutlich weniger wird, muss ich so langsam meine Garderobe anpassen. Meine Kleidergröße sinkt derzeit von 44 auf 42… durch die zunehmenden Rundungen am Po passen auch alte Hosen nicht mehr so gut, oder je nach Schnitt: besser.

Weibliche Kleidung ist generell mehr auf „gutes Aussehen“ getrimmt. Das hat mich früher eher gestört (weil ich nicht auf ein Sexual-Objekt reduziert werden wollte), mittlerweile empfinde ich es als okay (was nicht heißt, dass ich reduziert werden möchte, aber ich empfinde die Weiblichkeit an mir okay).

Meine Schuhe empfinde ich derzeit als langweilig. Keine meiner Alltagsschuhe haben einen Absatz. Gestern hab ich mir alle Frauen in der Stadt angeschaut und festgestellt, dass hohe Absätze bei den meisten Mangelware sind. Daher hab ich beschlossen, nächste Woche nach Mannheim zu fahren und mir mal ein paar chice Schuhe zu kaufen. 😉

Den Kleiderschrank muss ich wohl deutlich entrümpeln.

Putzen der Wohnung geht mittlerweile leichter und ich bin motivierter, weil ich – wie gesagt- besser riechen kann.
Ich ertrage schlechte Gerüche überhaupt nicht mehr gut.

Bestimmte Besuche, z.B. auf Weinfesten sind dadurch viel attraktiver geworden, weil eine völlig neue Sinnes-Komponente dazu gekommen ist.

Essen ist derzeit problematisch. Meistens hab ich keinen Appetit. Es dominiert nach wie vor der Hunger auf Eiweiß und frische Sachen.

Letztens bin ich nach Hause gekommen und hatte einen starken Appetit: Ich hab das erste Brötchen – so wie sonst immer- schnell heruntergeschlungen. Was ist dann passiert? Meinem Körper ging es zu schnell, ich musste mich übergeben.

Die Kontrolle der Nahrung scheint durch das Östrogen viel stärker zu sein… das ist ja biologisch auch „sinnvoll“, das Baby muss vor negativen Einflüssen geschützt werden, die Mutter isst immer für zwei Leute mit…

Musik hat eine noch stärkere Wirkung auf mich. Musik kann mich richtig ablenken, aber auch die Gefühle stark lenken. Es ist der Schlüssel zum eigenen Wohlbefinden.

Kopfschmerzen und Migräne-Anfälle haben deutlich zugenommen. Immer einhergehend mit gesteigerter Empfindlichkeit und „Über-Erregung“ der Nervenstränge.

Meine Aggression hat zugenommen und die eigene Frustrations-Toleranz ist gesunken.

Dagegen hilft: Bewegung.

Das Matriarchat in Dir

Jetzt bekommt mein „Internet-Tagebuch“ mal wieder Sinn, denn bei mir passiert im Moment recht viel. Wie bei empfindlichen Menschen so üblich, passiert das meiste „im Inneren“ und bedarf daher einer besonderen Aufmerksamkeit und Pflege der eigenen Gedanken. Wenn ich so recht überlege, hat mein Tagebuch (egal ob offline oder online) seit 2001 nie einen anderen Zweck gehabt. Ich versuche in dem Text einen Bogen zu spannen von den eher globalen, größeren Themen hin zu den kleinen Alltagsthemen..
Klar spielt bei mir die Transidentität im Moment eine große Rolle, es ist aber nicht alles was wichtig ist. Die TI ist mehr eine Verbindungsstelle zu den großen Lebensthemen, darüber hatte ich ja auch schon im Artikel „Der Lebensweg“ geschrieben.
Es ist nur natürlich, wenn man diese anstößt, dass gleichsam alle anderen Themen mit angestoßen werden und „ins Rollen kommen“.

Jeder Mensch hat ja diese sexuellen Themen, die meistens auf Grund von Angst oder Unsicherheit verdrängt werden. Aber die eigene Sexualität ist zu wichtig, als sie zu verdrängen oder zu glauben, dass sich die Probleme und Konflikte im Sexualleben „von selbst“ lösen.

Wenn ich mir die Gesellschaft und die Welt so ansehe, dann hab ich oft das Gefühl, dass sie voller Angst, Neid, Hass und schlechter Gefühle ist. Es wird zu wenig geliebt! Die Menschen kanalsieren ihre negative sexuelle Energie (denn nichts anderes ist Hass) und bekämpfen sich gegenseitig. Wieviel besser wäre es, wenn wir nicht durch die Lösungsmöglichkeiten der Schimpansen (Krieg, berechnete Auseinandersetzung, Konkurrenz) in unseren Genen wecken würden, sondern auch die eher friedliche Herangehensweise der Bonobos die Konflikte in den Gruppen meistens durch Sex und Zärtlichkeiten lösen.

Ich hab die Woche versucht, meine eigene Einstellung zu verändern. Es ist etwas leichter als sonst, weil ich mich durch den erhöhten Östrogen-Spiegel „weiblicher“ fühle, aber auch viel mehr bei mir selbst und glücklicher bin. Ich bin mehr an der entwickelten Persönlichkeit, die die Natur für mich geplant hat (mit Aussuchen ist da nicht viel).
Interessant fand ich mal wieder „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm. Diese Buch ist mir ein guter Wegweiser, weil darin z.B. steht, dass Liebe immer ein aktiver Schritt ist. Um also „geliebt zu werden“, muss man stets selbst den ersten Schritt gehen und anderen Menschen Liebe und Aufmerksamkeit entgegen bringen. Wie gesagt, das ist viel leichter, wenn man sich selbst weiblich fühlt. Dann macht man von sich aus mehr für andere, ist hilfsbereiter, etwas sanfter und friedlicher eingestellt und die revolutionären Krawallgedanken verschwinden in den letzten Winkel des Gehirns. Es fühlt sich dann „natürlicher“ an. Ich hinterfrage die Dinge auch nicht mehr so stark, sondern fühle mich eher voller Liebe und bin auch von selbst ganz bereit, diese Liebe zu teilen und anderen zu geben. Die Hintergedanken (was kommt zurück? werde ich auch geliebt?) verschwinden fast völlig und spielen kaum noch eine Rolle. So lebt es sich eindeutig einfacher und ausgeglichener. Ich habe einen Frieden mit mir selbst geschlossen und bin jetzt einfach „ich“.

Erich Fromm betont in seinem Buch, dass es einen starken Unterschied zwischen dem Partriachart  und dem Matriarchat gibt und dass die Systeme sich grundlegend unterscheiden. Ich will weder das eine oder das andere „schlecht“ oder „gut“ reden, aber es sind doch Unterschiede zu erkennen. Das Matriarchat beruht mehr auf Gegenseitigkeit, auf Gleichwertigkeit der Individuen, auf Anerkennung untereinander. Die Mutter liebt alle, bedingungslos, ohne zu fragen, die Liebe ist einfach da… beim Partriachart ist es eher so, dass man sich die Anerkennung „verdienen“ muss, dass das Vorankommen hier mehr auf Arbeit, auf Anerkennung durch Leistung, aber auch auf Ehre und Stolz basiert. Wahrscheinlich haben wir auf Grund unserer Eltern beide Elemente in unserem Verhalten und in den Genen. Aber wie ist die Gesellschaft beschaffen? Wenn ich mir so meine Facebook-Kontakte, aber auch die Leute in echt so anschaue… was fehlt? Es ist die Liebe und Anerkennung zwischen den Menschen. Vor allem die, die frei und ohne Hintergedanken ist. Die wirkliche, menschliche Wärme, das Mitgefühl und das „Zuhören können“ ist immer eine kostbare Ressource (Und, obwohl das so ist, wird sie im kapitalistischen System schlecht bezahlt). Jeder ist mit sich beschäftigt. Wenn ich in einen Chat mit jemand gehe, bombardiert der mich erstmal mit seinen Problemen, seinen Bildern und seinen Konflikten und erwartet wie von selbst, dass ich alles für ihn löse.
Ich bin freundlich und höre bereitwillig zu. Ich gehe auf seine Probleme ein und versuche wirklich eine Lösung zu finden. Es kostet mich Zeit und Nerven, die ich jemand anders gebe (ohne zu fragen, warum). Am Ende frage ich ihn noch, ob er vielleicht meine Freundschaftsanfrage beantworten möchte… es kommt keine Antwort darauf und die Anfrage bleibt leer im Raum stehen. Er hat ja das bekommen, was er will, warum noch etwas zurück geben?
Es besteht zu wenig Aufmerksamkeit für den anderen. Wir sind alles zu große Egoisten geworden. Das eigene Matriarchat in uns verkümmert…

Was die Gesellschaft also eindeutig benötigt, ist mehr Weiblichkeit. Die Weiblichkeit an sich muss wieder groß geschrieben werden. Das bedeutet jetzt nicht, dass alle Frauen wie Männer werden (was ja lange Zeit die eigentliche Verheißung des „Feminismus“ und der „Emanzipation“ war)…oder die Männer nur noch schwächlich und angepasst sein sollen- sondern dass man Weiblichkeit, Mütterlichkeit, Mitgefühl, Vertrauen und Wärme wieder als alleinstehende Werte erkennt und diese in der Gesellschaft integriert. Wie kann man das am besten machen und was ist die kleinste Keimzelle der Gesellschaft? Es sind die Individuen mit ihrem individuellen Verhalten, also jeder Mensch, ob Du oder ich… Menschen sollten wieder stolz sein, weiblich zu sein und sich weiblich zu verhalten. Es ist keine Schwäche, sondern eine große Stärke, die oft unter Hass, Neid, Gier, Kapitalismus und Konkurrenz vergraben wird. Diese negativen Eigenschaften der Gesellschaft sind für sich genommen nicht „männlich“ oder „weiblich“, sondern meistens ein Zeichen, dass im Geschlechtergefüge etwas durcheinander geraten ist.

Und diese „Weiblichkeit“ ist ein universeller Wert, den jeder erlernen kann. Egal ob Mann, Frau oder Transgender. Wer seine Weiblichkeit akzeptiert und erkennt, erkennt auch die eigene Männlichkeit.
Und wer beide Werte in sich entdeckt und akzeptieren kann, der findet am Ende zur Menschlichkeit.

Beeindruckt

30 Grad im Schatten… Sommerferien und zuviel freie Zeit…

Aaalso eigentlich wollte ich heute ganz diszipliniert arbeiten und endlich das liegen gebliebende Zeug aufarbeiten.

Aber das geht nicht. Im Moment bin ich einfach nur geflasht… überwältigt… schockiert vom Leben.
Die Eindrücke prasseln auf mich ein. Ich bin voller Energie, elektrisiert in jeder Nervenzelle.
Und diese bunte fröhliche Energie aus der ich im Moment bestehe, versuche ich irgendwie zu erden, die Gefühle zu irgendwas zu formen, ein Sinn und eine Arbeit daraus zu machen.

Ich weiß ich hätte nicht dieser Transgender-Gruppe auf Facebook beitreten sollen.
Ich „hab das doch schon lange hinter mir“ und „das geht mich nichts mehr an“.
„Wir sind jetzt alle erwachsen und verhalten uns wahnsinnig dizipliniert“.

Aber Leute, schaut doch mal mit dem Herzen und mit den Gefühlen! Versetzt euch in das Leben der Menschen.
In diese tausende Schicksale. In die Transitionen in alle möglichen Richtungen.

Das schockt selbst eine alte TS-Tante wie mich.

Und wie jung die mittlerweile alle sind! Wie selbstbewusst! Wie normal alles geworden ist.

Und wer denkt, er ist alleine oder isoliert… der muss sich nur einer Gruppe anschließen.
Einer Gruppe von Menschen, egal welchen Alters oder Geschlechts.

Wir wollen alle glücklich sein, wir wollen alle leben und uns selbst verwirklichen.

Es gibt streng genommen keine Unterschiede beim „Ich“. Selbst die Geschlechter verschwimmen. Die Zwischenräume sind künstlich, variabel und von Chemie und Ideen geformt. Wir gehören alle dazu, sind mit jedem verbunden.
Dank Internet und Facebook noch stärker und realistischer als je zuvor.

Zuviele Eindrücke, zuviele Emotionen!

Ich muss erstmal eine Pause machen.

Weibliches Sprechtraining MzF – 2


Im zweiten Teil des weiblichen Sprechtrainings geht es erst einmal um allgemeine Dinge.
Wie richte ich meinen musikalischen Arbeitsplatz ein? Welche Tools brauche ich und worauf muss ich beim technischen Aufbau achten?

Dann versuche ich nochmal mit Hilfe des Oszilloskopen und der Frequenzmessung herauszufinden, wo die „Brücke“ ist bzw. der Spalt, der die weibliche Kopfstimme von der männlichen Bruststimme trennt. Man kann diesen Unterschied deutlich spüren, z.B. an den Resonanzen im Hals- und Kopfbereich. Genau an der Stelle müsst ihr trainieren und hier werden die Geschlechter-Unterschiede im Alltag festgemacht. Für eine weibliche Stimme braucht ihr mehr Kraft und mehr Luft- weil ihr ja auch „höher“ kommen wollt und das geht nur mit Schalldruck. Weibliche Stimmen haben höhere Frequenzen und werden allgemein besser verstanden und deutlicher gehört. (Das ist der Grund, warum z.B. bei Navis oder in Flugzeugen die technischen Stimmen oft weiblich sind). Traut euch also, gehört zu werden! Wenn man beim Singen genau hin hört, stellt man fest, dass es nur ein paar Halbtöne sind, die man nach oben klettern muss. Es ist also nicht allzu schwer und ihr solltet beim Üben nicht so schnell aufgeben!

Gesellschaftliches Selbstverständnis von Frauen und Stimme

Es ist eher so, dass Frauen heutzutage „zu hoch“ sprechen, damit man sie eindeutig als Frauen erkennt. Dazu dient z.B. auch die „Kleinmädchenstimme“, die gezielt eingesetzt werden kann. Wenn ihr resolut und selbstbewusst auftreten wollt, müsst ihr wiederum nach unten modulieren. Das zu erlernen, kann euch keine OP der Welt abnehmen, das ist eine Trainingssache.

Die Betonung der Geschlechterunterschiede mit Makeup, Mode, usw. ist sehr allgegenwärtig, so dass es auch kein Wunder ist, dass die Geschlechter sich an der Stimme unterscheiden wollen.

Es geht also auch um das „soziale Geschlecht“ und dass wir eine weibliche Stimme auch mit der inneren Herangehensweise erlernen müssen.
Wir müssen uns salopp gesagt „noch weiblicher fühlen“ und die neue Stimme auch wirklich wollen. Die Motivation muss da sein und wir müssen bereit sein, die alte Stimme zu verlernen und die gewohnte, bequeme Stimme ein Stück weit aufzugeben.

Wenn ihr eine Barbie sein wollt- dann müsst ihr wie eine Puppe sprechen und werdet auch so wahrgenommen und behandelt. Wenn ihr wie eine reife und erwachsene Frau sprechen wollt, dann könnt ihr auch die tiefen Frequenzen in die Stimme einbauen. Wie immer- es liegt ganz an euch und an dem, was ihr daraus macht.

In dem Video lese ich vier Gedichte von Goethe vor und gehe auch kurz auf die Besonderheiten beim Sprechen und den Inhalt ein.

Viel Spaß beim Anschauen!

Weibliches Sprechtraining MzF – 1

Heute habe ich mich mal um das Grundproblem der Transgender-Stimme gekümmert.
Die Stimme ist neben dem Aussehen das „erste Aushängeschild“, das in fast allen menschlichen Kommunikationsverhältnissen eine große Rolle spielt. Hier wird man sofort als „Mann“ oder „Frau“ eingeordnet. Aber auch die Einordnung nach „sympathisch“, „kompetent“, „selbstbewusst“, „ängstlich“, etc. treffen wir oft über den Klang der Stimme. Frauen kennen z.B. das Problem, wenn die Stimme bei Aufregung (Streit, Ärger, Prüfungen) schrill und zu hoch wird. Bei Männern ist es oft ein Problem, das  sie zu undeutlich sprechen (brummeln) und die tiefen Frequenzen kaum variieren.

Nach Wikipedia liegt der männliche Grundton bei 125 Hz und der weibliche Grundton bei ca. 250 Hz.

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschliche_Stimme

Mit verschiedenen Tools kann man die Tonhöhe der eigenen Stimme identifizieren und evt. „nach oben“ hin trainieren. Ein gutes Ziel ist eine ausgewogene Alt-Stimme. Mit der könnt ihr zufrieden sein und tapfer durch das Leben schreiten. Übertreibt es nicht, wenn ihr nach oben geht, weil man schnell schlumpfig oder nach Micky Mouse klingt. 😉 Das Ziel sollte eine ausgewogene Sprache sein, in der alle Anteile enthalten sind, also tiefe, hauchige, aber auch weiche und hohe Töne.

Neben einem Computer mit Mikrofon kann man zum Training diese Tools verwenden:

Midi Piano
http://www.midipiano.net/

Musical Tuner
http://www.softpedia.com/get/Multimedia/Audio/Other-AUDIO-Tools/Musical-Tuner.shtml

 

Zuerst muss man herausfinden, wo man überhaupt steht.. und wieviel Halbtöne oder Ganztöne man bereit ist, nach oben zu trainieren. Man muss die Töne erst singen und kann dann hoffen, dass sie eines Tages auch beim Sprechen zu erkennen sind (Hör-Training) Meiner Meinung nach ist ein Stimmtraining für Transgender-Frauen immer die bessere Wahl als die Stimmband-OP, weil ihr so alle Frequenzen erhalten könnt und eure Stimme dadurch voll und attraktiv bleibt.

Im Spiegelbild

Die 14-jährige in mir erwacht plötzlich und es ist so, als sei sie nie weg gewesen. Unklar vielleicht, unscharf, eine Zeit lang nicht zu spüren.

Jetzt wird mir plötzlich alles klar- so glasklar, einfach und gut. Ich fühle mich, als ob ich endlich vollständig „materialisiert“ bin… vielleicht kennt ihr die Transporter von Raumschiff Enterprise? Wenn man einen Menschen von einem Ort an einen anderen „beamen“ möchte: Zuerst ist da nur ein Zaubernebel und lustige Geräusche, er ist noch nicht ganz da… und man braucht immer mehr Energie, muss den Hebel weiter umlegen und – schwupps-! Ist der Mensch plötzlich da.

Ich schaue in den Spiegel- und sehe mich zu 95% wieder so, wie ich eigentlich bin und sein muss.

Und schon kommt wieder Kritik und Gemecker vom weiblichen Ich, „das hier passt nicht und jenes passt nicht“.
Es ist wirklich zum Verzweifeln. Wie schaffen das Mädchen in der Pubertät? Wie schaffen sie es, stabil zu bleiben und sich zu akzeptieren wie sie sind?

Ich bin 39… hab einiges an Lebenserfahrung hinter mir.. kenne mich mit dem Feminismus aus… weiß sovieles mehr… und bin im Moment doch betroffen wie jede andere Frau und denke über mein Aussehen nach.

Da ist z.B. meine Nase. Ich weiß, sie ist zu groß und sie passt eigentlich in mein zartes, weibliches Gesicht. Sie wirkt auf mich wie ein großer Klotz. Egal von welcher Seite ich schaue, ich mag sie einfach nicht. Sie hat eine zu große Oberfläche, zieht Dreck und Schmutz an und braucht stets eine Sonderbehandlung. Ich weiß, dass sie aus meinem alten Leben kommt und dieses alte Leben möchte ich doch vergessen und endlich abhaken. Aber es holt mich immer wieder ein. Jeden Tag guckt es mich im Spiegel an, frech und verwegen, drängt „er“ sich in mein Leben. Frauen haben keine großen Nasen, Frauen haben kleine und zarte Nasen. Sie passen in ihr unaufälliges Gesicht, in ihre zurückhaltende Weiblichkeit. Spitz darf die Nase noch sein, so wie bei Marietta Slomka, das wäre okay. Aber bitte nicht groß und breit so wie bei Wladimir Klitschko!

Doch jetzt erwache im Körper einer 39-jährigen. Ich habe keine Angst und keine Skrupel, meinem Körper irgendwas an zu tun, so groß ist der Druck und das „Schiefgefühl“. Meine Nase zu verkleinern, das kommt mir so vor, wie Zahnstein entfernen oder einen Pickel ausdrücken. Unangenehm- muss aber sein. Weg damit !! Ich bin mir sicher, wenn ich 6.000 Euro Taschengeld auf dem Konto hätte und zwei Wochen Zeit- nichts würde mich aufhalten. Ich würde das Geld nehmen, zur Schönheitsklinik meines Vertrauens fahren (von denen gibt es genug) , meine Probleme vortragen und dann würden sie mich in Narkose legen und alles ist vorbei.

Ich habe letzte Woche sogar schon darüber recherchiert und die (lange verschollenen) Gedanken werden wieder ganz groß und mächtig.
Sie werden so mächtig, dass sie eventuell bald Realität werden.

Dann sind da aber diese Schattenseiten. Was alles passieren kann! Alleine jede Narkose ist eine Belastung. Und die Komplikationen bei der OP. Da kann irgendwas in die Nebenhöhlen laufen (Eiter, Blut). Schwellungen entstehen am Auge. Die Nasen-OP gilt als schwierige OP. Wenn sie schief geht, siehst du gleich alles. Die Atmung kann durcheinander kommen. Man darf ewig lang keine Brille tragen.. Also müsste ich mir vorher Kontaktlinsen holen.

Meine weiblichen Ängste sind ein bisschen stärker als mein weiblicher Mut. Wie so oft.

Und dann ist da noch mein großes Ego, mein Gehirn, das alles zerdenkt. Das allwissende Über-Ich, das stets das letzte Wort spricht.

Ich frage mich, ob die größere Nase auch Vorteile haben kann? Sie ist sowas wie ein „Alleinstellungsmerkmal“. Wenn man eine Nase hat, die etwas größer oder „anders“ ist, prägt sich das bei den Menschen ein. Warum will ich unbedingt mit der Masse verschwimmen und eine „Einheitsnase“ haben? Warum kann ich nicht darauf stolz sein, so wie ich bin? Ich bin ja auch ein besonderer Mensch mit besonderer Vergangenheit.

Schwarzwald 2006

Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Es war irgendwann 2006, wir waren im Schwarzwald wandern. Nach einem langen und schönen Tag in der Sonne kehrten wir abends im Gasthaus ein. Wir mussten dann an den wartenden Gästen vorbei. Wie so üblich, wird man erstmal gemustert. Wir setzen uns hin und ich bekomme mit, wie am Nachbartisch von anderen Frauen getuschelt wird. Sie machen das aber so indiskret, das ich jedes Wort verstehen kann und dabei rot werde. „Ja die Frau soundso, die hat doch auch so eine kräftige Nase..“ es war nicht besonders abschätzig, aber mir ist aufgefallen, dass ich sofort am Gesicht gemustert wurde und bei den Leuten dann irgendwas im Kopf abläuft. Es wäre schön, wenn sie sich über meinen Charakter unterhalten hätten oder über mein mitfühlendes Ich oder meine tollen Ideen… aber nein, was machen sie? Sie charakterisieren mich als erstes anhand meines Aussehens, ob ich will oder nicht. Und so geht es einem doch mit Millionen anderen Menschen. Es ist der erste Eindruck, der zählt. Wenn ich mit einem Pferdeschwanz und T-Shirt in den Supermarkt gehe, werde ich anders angeguckt und beachtet, als wenn ich mit offenen Haaren, einer weiblichen Bluse und hohen Schuhe daher komme.
Mit dem ersten Eindruck wirst du in eine Schublade gesteckt und entweder als „hässlich“ , „interessant“ oder „sympathisch“ einsortiert.
Zum Verbessern des ersten Eindrucks reicht das Lächeln alleine nicht. Aussehen ist Kommunikation und es gibt unendlich viel Kommunikation im Leben, die völlig ohne Worte geschieht. Es heißt ja auch „Facebook“ und nicht „Gehirn und Geist und selbstloses Miteinander- Book“. 😉

20 kg leichter, aber genauso verwegen wie heute 😉

Ich überlege weiter: Wenn ich meine Nase weiblicher machen lasse, dann passt vielleicht das Kinn nicht mehr. Die Harmonie im Gesicht gerät durcheinander. Und meine etwas tiefere Stimme? Dann sind die Kontraste wieder größer..

Außerdem, meine Nase und mein ganzes Gesicht sind ein Buch. In dem meine Vergangenheit steht. So wie sie mich eben geformt hat.
Soll ich Angst davor haben? Oder soll mich jeder „lesen“ können?

Wieviel Offenheit lasse ich zu und was will ich mir antun für ein Schönheitsideal?

Wieviel Einzigartigkeit kann ich in meinem Leben ertragen?

Und warum in aller Welt denke ich ständig darüber nach? 😉