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Die beste Freundin – 5

Sie geht auf die andere Seite des Autos und steigt ein. „Endlich hat das Geplapper aufgehört… das war ja nicht mehr zum Aushalten“ denkt sie sich… und muss dabei schon wieder grinsen. Weil „Blondie“ jetzt schläft.. traut sie sich, mal richtig zu grinsen. Das Grinsen reicht von der einen Seite des Gesichtes bis zur anderen. Sie dreht den Schlüssel und parkt das Auto vorsichtig rückwärts aus. Das ist nur ein kleines Stück. Der Innenhof ist schlecht beleuchtet und mit Autos vollgeparkt. Es ist schon dunkel geworden. Sie drückt die Kupplung, schaltet in den Leerlauf und hält das Auto kurz an.
„Wohin soll ich jetzt fahren? Soll ich sie wirklich nach Hause fahren? Meine Güte, ist die dumm. Was ich jetzt alles mit ihr machen könnte. Sie ist so vertrauensselig.. das ist ein Fehler in der heutigen Zeit. Sollte sie nicht sein. Auf der anderen Seite freut es mich auch, dass sie mir so vertraut.“

Sie weiß nicht genau, was sie möchte. Sie weiß nur, dass das Autofahren ihr hilft, einen freien Kopf zu bekommen.

Sie fährt von der Seitenstraße raus in die stärker befahrene Hauptstraße und gibt Gas. Der kleine Motor heult auf. Das zusätzliche Gewicht ihrer neuen Beifahrerin macht ihm bereits zu schaffen. Dennoch ist die kleine Fahrerin so aufgedreht, dass sie einfach Gas geben muss. Sie überholt schnell ein paar Besoffene, die in Schlangenlinien auf der rechten Spur rumkriechen.

Die Ampel schaltet auf Gelb. Sie gibt schnell noch mehr Gas, damit sie noch rechtzeitig rüberkommt. Nach einiger Zeit kommt auf der rechten Seite eine Tankstelle. „Kippen brauche ich noch“ denkt sie sich. Also zieht sie das kleine Gefährt mit einem Schwung nach rechts und rumpelt über die Ausfahrt. Mit einem starken Bremsvorgang hält sie vor dem Tankstellengeschäft. Sie schaut kurz zum Beifahrersitz rüber. „Schläft die noch? Sieht ganz so aus. Wie ein kleines Kind. Wie hübsch sie ist, wenn sie da liegt.“ Ihre blonden Haare sind etwas gelockt und hängen ihr über die Schulter. Der Kopf ist zur Seite geneigt. Die Augen sind fest verschlossen. Aus ihrem geschminktem Mund läuft ein bisschen Speichel. Sie nimmt ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und wischt ihrer Beifahrerin damit über den Mund. Dabei bleiben die Reste des Lippenstiftes daran hängen. Egal.. das mag sie sowieso nicht so gerne. Der kann auch ganz weg.

Sie spürt schon wieder das Verlangen ihr über die Beine zu streichen. Sie irgendwie zu berühren.. Aber nicht hier.
Hier sind zuviele Leute. Sie steigt aus dem Auto, wirft die Tür mit Schwung ins Schloss und schließt ab.

„Eine Schachtel Zigaretten bitte“.. ein junger Typ hinter der Kasse mit Pickeln im Gesicht reicht ihr wortlos die Schachtel. „6,30 Euro! Haben sie noch getankt?“
„Nein. Das hätten sie gesehen, wenn ich getankt hätte, oder?“
„Ja. Aber ich muss trotzdem fragen. Die Vorschriften“
„Aha.“
Sie gibt ihm schnell das Geld und verschwindet wieder. Sie weiß nicht, was ihre Freundinnen immer von Typen wollen. Der hier war so unattraktiv wie die Nacht. Wie kann man sich in so jemand verlieben? Das wird sie nie verstehen. Sicherlich gab es da immer mal wieder welche. Männer, die attraktiver als andere waren… die waren aber immer besonders, die hatten das gewisse „Etwas“. In den 0815 Typen von der Tankstelle würde sie sich niemals verlieben. NEVER!

Zurück am Auto ist sie immer noch nicht schlauer. Sie überlegt, wo sie jetzt hinfahren soll. Zu ihr selbst nach Hause? Oder das Blondie nach Hause fahren? Ihr Typ wird bestimmt bald unruhig. Was macht sie, wenn der anruft? Sie kann sich schlecht eine Geschichte ausdenken. Nein.. diesmal wird es schwierig.

Sie nimmt ihr Smartphone und sucht eine Adresse aus den Kontakten. Diese tippt sie in ihr Navi, das an der Scheibe klebt.
Es dauert einen kurzen Moment, bis der Computer alles berechnet hat. „Jetzt geradeaus fahren“ quält die weibliche Stimme aus den mickrigen Lautsprechern. Sie tut, wie ihr befohlen wird und fährt los.

Unheilvolle Wolken

Unheilvolle Wolken rollen über den Horizont und verdüstern die gerade aufkeimende Frühlings-Sonne. Die Fröhlichkeit der letzten Winter-Olympiade ist irgendwie im Hals, bzw. im Gewehrlauf stecken geblieben. Die Gespenster der Vergangenheit lernen plötzlich wieder zu laufen. Sie werden vom niemals alternden Blut des Hasses und der Engstirnigkeit genährt.

Die Macht kommt ohne Worte, ohne Schilder, ohne Namen. Und doch weiß jeder, wer gemeint ist.

„Diplomatie!“ schreit der Westen – schon etwas heiser von der ständigen Wiederholung geworden -„Panzer“ entgegnet der KGB-Chef.

Rührend: Die Soldaten der einen Armee, die laut singend auf die Soldaten der anderen Armee losmarschieren und nur mit der eigenen Fahne und ihrem Mut bewaffnet, wieder zurück in ihre Betten wollen. Aber da liegt jetzt jemand anders. Jemand ohne Humor.

Meldung über Meldung tickert über den „Liveticker“… „eine Interkontinental-Rakete wurde abgefeuert“.. ich reibe mir die Augen. Mediengeilheit, nur eine weitere, gut klingende Meldung oder echter Hintergrund? Das klingt sehr nach kalter Krieg. Nach dem roten Knopf, den damals zum Glück niemand gedrückt hat. Ach, nur ein Test, ja dann können wir ja beruhigt weitermachen und den kleinen Russen, der so gerne groß wäre, weiter mit seinen Panzern spielen lassen… nur der Eimer und die Förmchen, die sollten besser ihm überlassen werden…

Bahnfahren am 10. Juni 1891

Ich zeigte dem Damenbesuch aus der fernen Alpenmonarchie Österreich noch gerade den neu gebauten Bahnhof in der Arbeiterstadt Ludwigshafen, als wir schon das ferne Pfeifen der Eisenbahn vernahmen. Die Polizei-Beamten mit der glatt-gebügelten Uniform sahen uns mit strengem Blick an und ermahnten uns, den Gleisen fern zu bleiben. In unlängster Zeit gab es nämlich einige Zwischenfälle mit spielenden Kindern, die allzu forsch auf die Gleise gerannt waren und dem Lokführer, sowie den mitfahrenden Gästen einiges an Schrecken eingejagt hatten. Wir eilten, ihren Befehlen folgend, zur wartenden Lokomotive und den zahlreich angehängten, frisch gestrichenen Personenwagen.

Die mitreisenden Damen hatten lange Gewänder aus teurem Tuch an und so mussten alle Rücksicht nehmen und Ihnen beim Einsteigen auf die beschwerlichen und hoch gebauten Stufen helfen. Ich war so nett und hielt so lange die Sonnenschirme und Taschen der lustig-schnatternden Reisegruppe. Ein Schaffner mit sehr großer Mütze ermahnte uns, ein wenig zügiger in den Zug zu kommen, da man doch den Fahrplan gerne einhalten würde. Zum Glück hatte man extra eine eigene hölzerne Bank vor die steil aufragende Bahnleiter gestellt, so dass der Schritt bis nach oben nicht so groß sein musste.
Wir erklommen das Abteil und fanden einen freien Sitz auf den recht harten Bänken. Ein Kissen hatten wir leider nicht mitgebracht. Die Koffer waren uns vorher schon abgenommen worden und in den Gepäckwagen gebracht, so dass wir alle anderen, kleineren Täschchen unter die geräumige Ablage unter unseren Füßen schieben konnten. Auch die Sonnenschirme fanden dort ihren Platz. Ausnahmsweise war es heute erlaubt, die Waggons gemischt zu besetzen, da der Zug sehr voll wurde und der Fahrplan noch nicht regelmäßig angefahren wurde. Ansonsten fand natürlich immer eine strenge Trennung der Geschlechter statt. Die Herren mussten Gespräche über Arbeit und Politik führen und wollten dabei nicht gestört werden- während die Damen für sich die allerneusten Neuigkeiten aus der Kinder- und Familienwelt austauschten.

Es dauerte nicht lange und ein weiteres, sehr lautes Pfeifen der Lokomotive erschall von ganz nah an unseren Ohren. Welch unangenehmer Ton, der da mit Dampfkraft erzeugt wurde! Manche Damen erschraken und fuhren zusammen. Das Abteil war bis auf den letzten Platz voll gefüllt und die Stimmen verstummten für einen kurzen Augenblick. Alle Gäste schauten wie gleich gerichtet nach vorne, in Richtung des dampfenden und schnaufenden Stahl-Rosses, das sich nun langsam in Bewegung setzte. Noch ein weiteres Pfeifen und die Fahrt wurde schneller. Die Polizisten zogen an uns vorbei, stramm am Platze stehend und würdigten der vorbei fahrenden Bahn keines Blickes.

Ich hatte einen guten Platz am recht kleinen Fenster ergattert und schaute still in mich hineindenkend nach draußen. Da mir durch die viele Sonne des Tages etwas warm geworden war, hätte ich gerne das kleine Fenster nach oben geschoben, doch es war sorgsam verriegelt worden, damit man während der Fahrt nicht zuviel vom Rauch und Dampf in das menschen-gesättigte Abteil bekam. Freilich kam durch die sich ständig öffnende Tür zur Außenplattform noch genug Luft von draußen hinein.

Es rumpelte immer kräftiger und heftiger, als die Lokomotive Fahrt aufnahm. Der Wagen schaukelte über die Schienen und die reibenden Geräusche von Stahl auf Eisen wurden lauter und lauter. Das Schnattern der Reisegruppe wurde etwas leiser und ich beobachtete aus einem Augenwinkel vorsichtig die Mienen der mitgereisten Damen. Mir schien, einige sahen ängstlicher und bleicher aus, als sonst. Und auch die redseeligste unter ihnen wurde immer wieder leise und vergaß, einen neuerlichen Witz zu Ende zu erzählen. Auch die Forsche und Älteste unter ihnen war stiller als sonst. Für viele war es die erste Fahrt mit der Eisenbahn überhaupt.

Für mich freilich war es kein Problem, da ich als Handelsreisender schon viele solcher Reisen unternommen hatte und ständig in anderen Städten sein musste, um neue Verträge auszuhandeln. Auch wenn uns die Telegramme schon viel Arbeit abgenommen hatten, so musste man die meisten Dinge doch selbst erledigen. Und es ging eben nichts über ein mündliches Gespräch von Mann zu Mann.

Schon bald zog die neu gebaute badische Anilin- und Sodafabrik an uns vorbei, die sich erst von der Schiene aus gesehen, die auf einem leicht erhöhten Bahndamm verlegt worden war, in ihrer ganzen Vielfalt und Größe begreifen ließ. Ab dann erreichten wir die Außenbezirke von Ludwigshafen, die Landschaft wurde grüner, weite Felder und Wiesen lösten das eng bebaute Stadtbild ab. Unser Weg nach Frankfurt war lang und wir nahmen die Gespräche wieder auf.

Es dauerte keine halbe Stunde, als die erste der Damen etwas ungeduldig wurde und nach etwas zu Essen fragte. „Ob es denn kein Speiseabteil gäbe?“ Wollte sie wissen, denn von einem Schwager hatte sie gehört, dass man an manche Züge ein solches herangehängt hätte und dies „recht angenehm, gerade bei längeren Strecken“ wäre. Eine andere merkte noch an, dass der Zug im Vergleich zur Postkutsche doch etwas bequemlicher sei und sie sei überrascht und erfreut über die hohe Geschwindigkeit. „60 Kilometer in der Stunde! Das ist ja gewaltig!“ rief sie mit großen Augen hervor, als ich ihr die Konditionen der Bahn erklärte und konnte ihren Blick danach kaum noch von den vorbeiziehenden Häusern und Feldern abwenden.

„Nun denn“ merkte ich an zu der hungrigen Vertreterin, die mich nun immer kritischer musterte und ihre Abneigung und Unlust über diese Reise nicht ganz verbergen konnte. „Es wird nicht ganz so lange dauern, liebe Rosalinde, ich bin ganz sicher. Für unsere Reise sind nur drei Stunden veranschlagt und wenn ich dem Lokführer noch zurufe, dass er ein paar Kohlen zusätzlich in den Kessel wirft, geht es vielleicht noch ein paar Minuten schneller.“

Bald schon lief unser Reisezug in den ersten Bahnhof einer Kleinstadt ein. Von überall rannten Kinder auf den Feldern zu unserem Zug hin und jubelten begeistert. Die Strecke war recht neu gebaut worden und viele von ihnen hatte noch niemals eine echte Bahn gesehen. Der Aufenhalt im Bahnhof war recht kurz und schon bald wurde die Reise fortgesetzt.

Es war ein schöner Tag, dieser Tag in der Eisenbahn. Als wir endlich, nach mehreren Stunden, in der fernen Stadt ankamen, war unsere Kleidung zerknittert und die Damen klagten schon über die harten Bänke und wann es endlich etwas zu trinken gäbe? Man sollte wohl doch bald eine Unterkunft suchen, da die Müdigkeit von ihnen Besitz ergriff. Da ich viel auf der Außenplattform gestanden und mir der Fahrtwind um das Gesicht geblasen hatte, strich ich mit dem Finger prüfend über das Gesicht.

Er war ganz schwarz verfärbt vom Ruß… so dass auch ich Erleichterung verspürte, dass diese Reise endlich beendet worden war und mich auf ein anschließendes Bad freute.

Was der morgige Tag wohl bringen würde?

Nine Eleven

World Trade Center, Computergrafik

Heute jährt sich also der 11. September zum zehnten Mal… Im Fernsehen kommt man nicht umhin, mit hunderten von Dokumentationen überschüttet und beinahe über-informiert zu werden. Der Spitzenreiter ist eine über zwölfstündige Reportage über „den Tag“!

Zwölf Stunden Information und die ewig-gleiche Wiederholung der Schreckensbilder, wer kann da noch hinschauen? Es ist wohl eher als eine Dauer-Berieselung zu verstehen, wenn man von den anderen Sendern noch nicht genug „input“ bekommen hat.

Über 3000 Opfer waren zu beklagen, nochmal soviele gefallene US-Soldaten in den beiden folgenden Kriegen.. aber auch hundertmal soviel zivile und militärische Opfer in den beiden Ländern Irak und Afghanistan, über die keiner spricht, für die keiner ein Denkmal aufstellt… ((Die Zahl kommt aus einer der Reportagen, im Internet findet man ähnliches:ca. tote 3.800 tote US-Soldaten im zweiten Irak-Krieg, und offiziell 150.000 Tote auf irakischer ziviler Seite, andere Studien veranschlagen die Zahl sogar mit 650.000 Opfern. In Afghanistan kamen ca. 2600 Koalitionssoldaten ums Leben und ca. 3.600 Zivilisten; Wikileaks berichtet sogar von 24.155 Toten insgesamt; allein das Jahr 2010 forderte 2777 zivile Opfer, fast soviel wie im WTC; Quelle Wikipedia ))

Die große Sensation, die nun alle ausschlachten.. das Ereignis, das die westliche Welt vielleicht mehr als alles andere verändert hat.

Der Angriff auf die Demokratie und eine immense Herausforderung an Moral und Demokratie-Festigkeit. Wir alle wissen, dass diese „Festigkeit“ gleich dem Stahl des einstürzenden WTCs nur zum Teil gehalten hat. Die Moral ist weich geworden wie die Stahlträger, die durch brennendes Kerosin und 650 Grad Hitze anfingen fünzig Prozent ihrer Festigkeit zu verlieren. Unsere Gedankengebäude, unsere Freiheitsvorstellung der offenen, multikulturellen Welt ist tlw. eingestürzt wie die Stockwerke des in sich sackenden Weltfinanz- Gebäudes.

Unsere Worte wurden zu Staub und Asche, wie das sich mit Blitzgeschwindigkeit ausbreitende Leichentuch der Trümmer-Wolkenkratzer. Wir wurden in ihnen fortgetragen und Gesteinsbrocken und Kälte aus Hass und Rache fingen an, sich um uns auszubreiten.. Wir konnten nichts dagegen tun, konnten nicht mehr atmen, mussten uns unter Autos und großen Steinsäulen verstecken. Wir hofften auf die Polizei und Feuerwehr, doch auch sie wurden Opfer und mit dem Einsturz in den Tod gerissen. (( über 350 Todes-Opfer bei Feuerwehr und Polizei ))

Verschwörung

Umso unverständlicher finde ich auch die Reportagen über Verschwörungstheorien, die mind. genauso zahlreich wie andere Varianten über den 11. September sind und von einer sehr aktiven Szene in den USA genährt werden.

So habe ich unlängst eine Sendung gesehen, in der der 11. September als eine kontrollierte Sprengung eines geldsüchtigen Immobilien-Hais dargestellt wurde, mit zahlreichen (vermuteten) Verknüpfungen zur Finanz- und Politikwelt. In ca. zwei Stunden wurden sehr viele Beispiele dafür aufgeführt, um am Ende die gewagte Argumentationskette zu schließen.

Es wurde z.B. erklärt, das Stahl erst bei einer Temperatur von ca. 1200 Grad schmilzt, brennendes Flugzeug-Kerosin aber nur 650 Grad erreicht. Auch wenn der Stahl dabei weich wird, so ist es doch „sonderbar“, dass die Gebäude so schnell eingestürzt sind und der Einsturz von darunterliegenden Stockwerken nicht wenigstens gebremst wurde.

Über 47 Stahlträger waren im Kern des WTC verteilt, dabei jeweils über 10 cm Seitenlänge, das Gebäude wurde angeblich für den Einsturz eines Jumbo-Jet vorbereitet und entsprechend „sicher“ geplant (die Wikipedia schreibt hier aber, dass nur der Einsturz einer kleineren Boing 707 bei den Planungen berücksichtigt wurde). Es gab fehlerhafte, bzw. abgelöste Feuerschutz-Beschichtungen an den Stahlträgern, was ihr schnelles Schmelzen und Biegen zu einem Teil erklärt. Aber warum hat man dann im Fundament und den Trümmern geschmolzenes Stahl gefunden, das zum Teil noch tagelang kochte und brodelte und zusammen mit den Chemikalien einen giftigen Cocktail aus Dioxinen, Asbest und anderen krebserregenden Stoffen in die Luft pestete?

Man hat durch seismische Messungen jeweils 8 bzw. 10 Sekunden gemessen, bis die Gebäude jeweils komplett in sich zusammengesackt sind. Das ist fast schneller, als der freie Fall einer Billardkugel aus vergleichbarer Höhe. Nach Computerberechnungen hätte es vor allem durch untere Stockwerke eine deutliche Verzögerung geben müssen. Mögliche Erklärung: Das Gebäude wurde gezielt gesprengt. Nur bei gezielten Sprengungen sacken Gebäude so feinsäuberlich-ordentlich und beinahe senkrecht nach unten.

Auch das WTC 7, ein kleineres Nebengebäude und Sitz großer Finanzdienstleister, brannte stundenlang und sackte einer perfekten Sprengung gleich in sich zusammen. Die Verschwörungstheoretiker finden es seltsam, dass ein Brand alleine derartige Schäden angerichtet haben soll (Angeblich wurden in diesem Gebäude gezielt Beweise über Finanzspekulationen und illegale Aktivitäten vernichtet!). Seltsam auch der „Sprengknick“ in der Mitte des Gebäudes ((nur im Zeitraffer zu erkennen)), der für eine gezielte Zerstörung des Fundaments spricht.

Als weiterer Beweis dienen in der Reportage dann sog. „Knallfrösche“ : Blitze und herausfliegende Sprengstoffteile, die bei Gebäudesprengungen auftreten und zwar meist unmittelbar VOR dem Zusammensturz. Auch Blitze und heller Rauch, der z.B. von besonders heißem „Thermit-Sprengstoff“ stammen könnte, wurde auf den Fotos gezeigt…

So interessant und tlw. einleuchtend all diese „Beweise“ auch sein mögen, die Reportage hatte Mühe, all diese Vermutungen logisch zu verbinden und in ein ganzheitliches Konzept zu bringen. Was konnten z.B. die Motive sein? Die hohe Versicherungssumme für den WTC-Pächter, die sogar durch Gerichtigsstreitigkeiten von vier auf acht Milliarden Doller verdoppelt wurde? Die schlechte Miet-Rentabilität des Gebäudes, die einfache Tatsache, dass es keine Gewinne mehr abwarf? Die hohen Kosten für einer energetische und vor allem feuerfeste Sanierung? Das Vernichten von Beweisen und Akten, z.B. im Zusammenhang mit Finanzspekulationen?

Und warum konnte man dann mit Terroristen zusammenarbeiten? Hat man diese angeheuert? War der Präsident informiert um gleichzeitig einen Grund zu haben, in den Irak einzumarschieren und dort unsichtbare Massenvernichtungswaffen aufzuspüren? Dies wäre eine Verschwörung ungeheuren Ausmaßes, die die ganze Interpretation des 11. Septembers verändern würde.  „Diese Regierung kann keine Geheimnisse für sich behalten“ hörte man einen Mitarbeiter des weißen Hauses ironisch antworten, als man ihn zu Verschwörungstheorien befragte „so eine Sache wäre sofort aufgeflogen“, meint er.

Nutzen der Verschwörungstheorie

Überhaupt, darf man sich fragen, was Verschwörungstheorien für einen Nutzen haben, warum sie immer wieder entstehen und gerade im Anschluss an besonders schreckliche Katastrophen, die der Mensch nicht verstehen kann.

Man denke da z.B. an das berühmte Attentat auf Kennedy oder die Mondlandung.
(Wiki: Verschwörungstheorien)

Für die Opfer ist es ein Schlag ins Gesicht, sehr verletzend und in ihrer Trauer abwertend. Es ist nunmal was anderes, wenn man auf Terroristen und mutwillige Böswilligkeit sauer sein kann, oder auf einen verrückt gewordenen Immobilienhai oder gar die eigene Regierung! Vielleicht wollen die Opfer ja auch einfach nur diesen Fall abschließen.. das Ganze immer wieder aufzureißen ist dabei nur bedingt hilfreich.

Verschwörungstheorien stehen meiner Meinung nach aus dem besonders großen Unvermögen, eine Sache wirklich in jeder Dimension zu begreifen. Bei besonders tragischen Unglücken, ist es eine Möglichkeit unseres Verstandes (aber noch mehr der Gefühle) eine Zwischenlösung anzubieten oder sich auf etwas völlig anderes zu versteifen. Nicht zuletzt wird von Gegnern solcher Theorien behauptet, dass die Verschwörer absolut sicher seien, dass ihre Theorie die einzig richtige ist und alle andere unrecht haben. Das kann vielleicht auch als „Abwehrmechanismus“ auf große Angst oder große Wut verstanden werden. Menschen reagieren irreal bis schizophren, wenn sie in ihrem Weltbild so dermaßen erschüttert werden; im Schlechten ist das nicht nur ein Nährboden für (meist harmlose) Verschwörungstheorien, sondern auch für fanatistische Weltanschauungen (Fundamentalismus) oder eben eine Legitimation für einen Krieg, wie es dann in den USA auch passiert ist. Anstatt die Trauer still in sich rein zu fressen, wird sie in einer extremen Weise nach außen geschleudert und mittels des Rache- und Banditen-Motivs extrem übersteuert und in ihrer Wirkung vervielfacht. Erinnert sich noch jemand an die Cowboy-Rhetorik eines Präsidenten Bushs, der sich Fahndungsplakate zu Osama bin Laden ausdachte, mit dem uralten Wildwest-Motto „Wanted: Dead or Alive!“ ?

Hier wurden gezielt Emotionen angesprochen, die auf eine starke Resonanz eines in seiner Identität bedrohten Landes trafen. Bei den USA wurde es auf Grund des Selbstverständnisses und der eher positiv besetzten militärischen Tradtion viel besser aufgenommen, als es z.B. in Deutschland der Fall wäre.

Fazit und Ausblick

Die Frage bleibt bis heute: Hat sich die USA jemals richtig von den Anschlägen erholt? Waren die Mechanismen zur Angst- und Aggressionsbewältigung die richtigen? Konnte die Cowboy- und Rache-Rhetorik angemessene Lösungen hervorbringen?

Was ist mit der Aufarbeitung der Folter-Vorfälle, den Kriegsverbrechen im Irak und der juristischen Grenz-Legalität eines Guantanamo-Lagers?

Hat es der- hoch eingeschätzte- Nachfolger Obama geschafft, in der politischen Dimension einen wirklichen Wechsel zu erzielen? Hat man es geschafft, der aufgeheizten Stimmung in manch islamisch geprägten Ländern ein anders Außen- bzw. Feindbild zu präsentieren als den wild gewordenen, imperialistischen Cowboy aus dem Wilden Westen USA?

Ich denke bei vielen Fragen: nein, nur bedingt. Auch wenn das große Feindbild Osama bin Laden endlich gefasst, bzw. getötet wurde, so existieren die Kriege doch weiter, existiert der Terrorismus weiter und die diffuse Stimmungslage hat sich in vielen Ländern dern Welt kaum verändert. Auch die Ursachen für Gewalt und Terrorismus in vielen Ländern, wie z.B. Armut und schlechte wirtschaftliche Gesamtsituation konnten kaum verbessert werden.

Die Dinge anders zu bewältigen, Hass und Krieg mit Demokratie und Gelassenheit, mit Vergebung und Verzeihen zu beantworten, wäre eine wichtige Aufgabe gewesen und wird es für die Zukunft sein. Sie ist es heute noch, eine wahrhaft christliche noch dazu (auf die der Westen ja so stolz ist). Wenn man seine eigenen Ideale nicht verraten will, muss man mit anderen Methoden, mit nicht-extremistischen und nicht fanatischen Ideen und Lösungen antworten. Nur so kann eine Demokratie wirklich „geschützt“ werden. Waffen und Bomben werden dabei nur bedingt hilfreich sein.

Es ist die Einstellung, nicht das Arsenal an Waffen, die den Unterschied zum Terrorismus macht.

Die politische Cocktailparty- Teil 2

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Ich raffe also mein Kleid zusammen und gehe diese verdammte Treppe nach unten. Der Alkohol ist mir schon etwas zu Kopf gestiegen und ich bin froh, als ich wieder festen Boden unter den hohen Schuhen habe. Zum Glück kann niemand die Flüche in meinem Kopf hören. „Wer hatte nur diese blöde Idee gehabt, hier hin zu gehen? Warum musste es unbedingt Journalistik sein?? Und warum gerade hier hin?“ Irgendwie muss ich die Veranstaltung hier besser aushalten.. Ich schaue mich um, ob ich noch was übersehen habe, ob es noch jemanden gibt, den ich mit meinem Charme belästigen könnte.

In einer anderen Ecke der riesigen und mehrgeschossigen Wohnung, die durch viele Raumteiler und meterhohe Bücherwände und allerlei Deko-Schnickschnack durchtrennt ist, sehe ich eine Gruppe eifrig diskutierender Menschen und beschließe, mir sie näher anzusehen. Ich angle mir vom vorbeiflitzenden Kellner noch schnell ein Glas grünlich-schimmerndes Etwas mit Zitrone, nicke ihm dankend zu und gehe mit kleinen Schritten- so gut es in dem Aufzug geht- schnell zu der Gruppe der zusammengestellten Sofas und Fernsehsessel. Es hat sich eine kleine Menschenmenge um die Diskutanten herum angesammelt und alle lauschen den Worten, die von da aus klingen.

Es sind sechs Personen. Eine Frau, die etwas jünger ist, sieht so aus, als ob sie die Runde leitet. Es gibt zwei ältere Herren, beide schon mit grauen Haaren und freundlich verschmitzt lächelnd. Aus ihren Augen spricht Lebenserfahrung und Weisheit. Ältere Männer sind mir immer auf Anhieb sympathisch, es gibt da nur wenige Ausnahmen. Klar, da gibt es auch die eklig-schleimigen, die blöde Witze über Frauen machen oder ständig aufschneiden wollen. Das wirkt auf Grund ihres Alters dann einfach unpassend, mir sind die intelligenten irgendwie lieber. Aus Intelligenz spricht auch Mitgefühl und die Frau in den Armen eines einfühlsamen Mannes… du merkst, wie deine Gedanken schon wieder abschweifen und vom stärker in den Adern pulsierenden Cocktail-Essenzen verfälscht wird. Aber gerade so, dass es noch angenehm ist. Du beschließt, diesen Level zu halten und schaust dir die anderen Figuren in der Runde an. Da sitzt noch ein pausbäckiger Mann, der etwas jünger als die anderen ist. Sein Gesichtsausdruck lässt sich nur schwer deuten. Er schwankt zwischen selbstbewusster Gelassenheit und strengem logischen Nachdenken. Von den Anwesenden ist er am wenigsten oft zu hören, stattdessen dringt nun die schrille Stimme einer mittelblonden Dame unangenehm an Dein Ohr. Sie ist eindeutig die Wortführerin in dieser Zusammenstellung. Es geht anscheinend um Feminismus, um Männer und Frauen, um Männer wie Strauss-Kahn und was sie sich alles rausnehmen dürfen und wie die Gesellschaft das zu interpretieren habe. Die Frau mit den blonden Haaren hat ihr Urteil schon längst getroffen und schmettert ihre Argumente wie ein Kasernenfeldwebel in die Runde. Da gibt es noch eine andere Frau, auch blond, aber irgendwie hübscher und zurückhaltender (das sind Eigenschaften, die sich oft ergänzen oder gegenseitig verstärken). Sie versucht, die aufgebrachte Wortführer-Dame mit ein paar Sätzen zu bremsen, aber die Feldwebel-Dame ist zu aufgeregt und in ihren Argumenten zu fest und unberirrbar. Dich verwirrt, dass sie so fest in ihren Aussagen ist und doch ständig selbstverliebt lächelt und grinst. Also ist sie sich doch bewusst, was sie sagt und macht sich einen Spaß daraus, in der Runde die Oberhand zu behalten? So sieht es aus, und die anderen in der Runde haben es schon längst aufgegeben, ihr Kontra zu bieten.

Du schaust, ob du was von dem Sinn der Wort begreifst, die dort diskutiert werden und ob es neben den nonverbalen Signalen auch Inhalte zu verwerten gibt.

Man redet z.B. über die amerikanische Gerichtsmentalität. Dass der IWF-Chef regelrecht vorgeführt wurde und dass es seinen Ruf jetzt schon ruiniert hätte. „Eine Verschwörung“ meinen die einen, das ist einfach zu eindeutig, galt er doch als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat für Frankreich und als mögliche Ablösung für den derzeit sehr unbeliebten Sarkozy. Ach, dagegen spricht doch, dass er schon soviele Vorgeschichten gehabt hat, die Menschen haben es doch gewusst! Das ist der eigentliche Skandal. Die mitteblonde Frau redet sich wieder in Rage. Das Machtgefälle hat ihn angemacht, die Ausübung sexueller Gewalt! Alle die sich das anhören, schweigen betroffen. So sehr sie auch ihren Mund bemüht, so sehr hat sie in diesem Punkt recht. Und warum haben berühmte Ehefrauen in solchen Fällen immer zu ihren Männern gehalten? Hm, auch darauf hat niemand eine einfache Antwort.

Aber darf und soll man nicht noch eine Unschuldsvermutung gelten lassen, wäre es zumindest nicht vom Gesichtspunkt der Menschenrechte aus angebracht? Natürlich, natürlich- eigentlich ist man sich da einig. Die amerikanischen Gerichte können gerne 75 Jahre Haft verordnen, das geht uns ja gar nichts an (dieses Argument des Juristen teile ich nur schwer, denn Gerechtigkeit sollte an nationalen Grenzen keinen Halt machen, sondern auch immer universal interpretiert werden dürfen)… aber die Frage ist, ob wir den noch nicht zur Schuld verurteilten Menschen schon jetzt mit unseren Augen zu Schuld verurteilen?

Das ist eine hoch moralische Frage und hier springt die Wortführerin wieder mit beiden Beinen in die Bresche. Aber, wenn wir nun behaupten, dass es die Frau ist, die ihn verführt hat und vielleicht Teil einer Verschwörungskampagne ist.. dann wäre das doch wieder einseitig. Mir scheint, für sie existiert nur eine einzige Perspektive: Dass der Mann in jedem Fall schuldig ist. Mir scheint, sie interessiert eine mögliche Unschuld oder eine andere Heran-und Erklärungsweise der Situation gar nicht. Nun ja, sie muss es wissen, berichtet sie doch auch in ihrem Land… und dann noch für eine bekannte, nicht gerade als vorurteilsfrei geltende Zeitung…

Die Runde beginnt mir unangenehm zu werden. Was ich bei anderen Grüppchen schon im Ansatz beobachtet habe, ist hier noch stärker, dass muss an den Fernsehkameras und dem grellen Licht liegen, das auf diese Sofas scheint. Jetzt merke ich auch langsam, wie mir immer wärmer und ein wenig schwindlig wird. Ich habe doch zu wenig gegessen.

Nach ein paar Minuten ist die Konzentration weg und ich wende mich ab und gehe zur großen Außenterrasse, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Die Stimmung hier ist herrlich, die Geräusche von der großen Stadt dringen nur ganz leise und als angenehme Geräuschkulisse an mein Ohr. Es weht ein leichter Wind und die Luft riecht nach Sommer und Leben. Sie wird vom Parfüm und Körperdüften der anderen wenigen Gäste durchmischt, die hier einzeln in Vierer- oder Fünfer Grüppchen zusammenstehen und ab und zu dir rüberschauen.

Du beobachtest die Skyline und guckst dir die verschiedenen Marken und Schriftzüge an, die auf der Spitze der Hochhäuser angebracht sind. Die meisten kennst du, es sind wohl nur große Firmen, die sich so ein Logo leisten können. In vielen Büros sitzen noch Menschen, manchmal kannst du erkennen, wie sie vom Schreibtisch aufstehen und zum Kopierer gehen. Unter Dir fliegt gerade ein Helikopter vorbei.

Als er vorbeigeflogen ist, merkst du ein leises Brummes aus Deiner Handtasche, eine neue SMS ist eingetroffen. „Komme nun doch. Bist du um 21 Uhr noch da? Würde mich freuen. Gruß. H.“

In dem Moment fängt dein Herz an wild an zu pochen. Du würdest das gerne unterdrücken, aber es geht nicht. Es ist, als ob die ganze Anspannung auf einmal in dir gelöst wird. Plötzlich bekommst du gute Laune und die ganze Szenerie und die Menschen scheinen wie in einem anderen Filter, freundlich gefärbt. Deine Kiefernmuskeln entspannen sich plötzlich und du merkst, wie der Druck aus den Schultern weicht. „Endlich.“, seufzt du innerlich. Manchmal muss man doch ein wenig hoffen.

Munter und fröhlich gehst du wieder in die Höhle der anwesenden Party-Gäste.
Da kommt Dir dieser FDP-Mann entgegen, den du schon fast vergessen hattest. „Ah hier sind sie! Ich habe sie schon gesucht, weil ich noch ein paar Fragen habe.“ kommt er einnehmend auf dich zu. Zu spät. Jetzt kannst du nicht mehr ausweichen. „Wollen sie ein wenig plaudern? Ich wollte mal ihre Meinung zur letzten Wahl in Bremen hören.“

„Na gut, das können wir gerne machen“. Du schnappst dir den Anzugmenschen und verwickelst ihn in eine angeregte Diskussion. „Bis 21 Uhr“, denkst du dir, „ist es ja auch nicht mehr so lang.“

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