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Anatomische Lehrstunden

Am letzten Sonntag ging es nach Heidelberg. „Körperwelten- Anatomie des Glücks“ wollten wir uns ansehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperwelten

In Heidelberg bin ich nie oft gewesen, obwohl es von unserer alten Wohnung in Mannheim nur ein Katzensprung gewesen wäre.

So war ich auch erstmal erstaunt, was es da alles gibt, als ich die Stadt in „Google Maps“ geladen habe. Dass es die Körperwelten-Ausstellung überhaupt noch gibt, war mir neu. Ich hab damals den Hype in den Medien mitbekommen und dass sie sehr umstritten war. Ich glaube, sie war sogar eine Zeit lang in Deutschland nicht erlaubt?

Wir haben vor vielen Jahren „Körperwelten der Tiere“ in Mannheim angeschaut und fanden die Ausstellung gut. Mit Menschen ist das bestimmt nochmal ein ganz anderes Kaliber, dachte ich mir und auf ging es in die Stadt!

Mit unserem brandneuen Diesel der Euro 6 – Norm wagten wir das Risiko und wählten das Abenteuer „Außenseiter Autofahrer“.
Die Verbindung nach Heidelberg ist eigentlich gut. Ich kann mich noch an eine gut ausgebaute, kaum befahrene Autobahn erinnern.
Dazu noch am Sonntag, wo doch sowieso weniger los ist – was sollte da schief gehen? Wer solllte den Entdeckerdrang stoppen? Das Wagnis „Reise“ bestrafen? Die Experimentierfreude und den freien Geist beschneiden?
„Eigentlich alle“, dachte ich mir, als wir mit 40 km/h über eine Brückenbaustelle zockeln mussten, die extrem schmal und eng bebaut ist (Die Brücke auf der A656 über die A5). Dazu kommt noch ein Symbol mit einer Kamera „Achtung, hier wird geblitzt“. Die machen bestimmt ernst, dachte ich mir. Heidelberg war mir noch als relativ auto-feindliche und eher fahrrad-freundliche Stadt in Erinnerung. Und tatsächlich, der angedrohte Blitzer erschien wirklich in Gestalt einer aufrecht stehenden, grauen, hässlichen Säule mit vier Augen.

Nachdem wir diesen Spuk überstanden haben, ging es in die Innenstadt. Hier erfreute uns ein großes Parkhaus-Angebot mit vielen freien, angebotenden Plätzen. Freie Stellplätze, wohin das Auge sieht, dazu große Parkbuchten- wann hat man das schon mal? Sollen die Studenten und Grünen doch alle mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, wir wählen das gute alte Automobil.

Unser Ziel sollte das Parkhaus am „Alten Hallenbad“ sein. Direkt neben der Ausstellung. Das klappte ganz gut. Das alte Hallenbad ist ein interessantes Jugendstil-Gebäude und war bis 1981 ein Schwimmbad (https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Hallenbad_(Heidelberg) ).

Man kann sich ein wenig Zeit nehmen, und die interessante Architektur bewundern. Dennoch waren wir auch auf die Ausstellung von Gunther von Hagens gespannt. Der Eintritt ist mit 17 Euro ziemlich happig.

So war auch das Publikum auf den ersten Blick eher gut betucht und aus den „höheren Schichten“, wie man so schön sagt.
Was mir an Heidelberg auch sofort auffiel, war das junge Alter vieler Menschen und die hohe Internationalität der Gäste.

Innerhalb von kürzester Zeit kann man sehr viele verschiedene Menschen aus allen Herren Ländern treffen.

Die Ausstellung war hervorragend gemacht und didaktisch sinnvoll geführt. Zuerst bewegt man sich „im oberen Stock“, eine Art Balkon und geht einzeln von Exponat zu Exponat. Durch den hohen Andrang muss man immer etwas warten, bis sich die Schlange weiter bewegt.

„Das Glück“ sollte Kern der Ausstellung sein. Schon bei der Planung des Ausflugs habe ich mir überlegt, wie man das wohl realisieren und darstellen möchte? „Glück“ ist ja eher eine Sache des Geistes und der Einstellung. Wo soll sich das in der Anatomie niederschlagen?

Nicht allzu verwunderlich, war das erste Exponat dann auch eine Darstellung des menschlichen Nervensystems mit all seinen Einzelheiten.

Und auch dann ging es erstmal mal um „Gehirn“ und Neven. Wie ist das Gehirn aufgebaut? Welche „Zentren“ und Areale gibt es? Wie wirkt sich die Alzheimer-Erkrankung auf das Gehirn aus? Es war sehr eindrucksvoll, mal die Unterschiede zu sehen! Man sieht, dass es in den Zwischenräumen tatsächlich weniger „Masse“ gibt. Dazu gab es einen lehrreichen Film über diese schwierige und leider noch nicht zu behandelnde Krankheit.

Noch voll mit Gedanken über diese Besonderheit… konnte man bei der nächsten Ecke plötzlich ein fliegendes Schwein bestaunen! Dazu die Fragestellung, was Menschen und Tiere gemein haben. In der Anatomie gibt es auf jeden Fall viele Gemeinsamkeiten. Werden also auch Schweine nach Glück streben?

In der nächsten Exponatenreihe ging es um die Fragen „Gesundheit und Streß“. Das wurde mit verschiedenen Grafiken veranschaulicht. Außerdem bekam man nähere Einblicke in gesunde und kranke Herzen. Auch eine künstliche Herzklappe konnte man bewundern – sehr eindrucksvoll, wie das kleine, drehbare Plättchen kunstvoll in den Herzmuskel eingebaut wird. Die Veränderungen des kranken Herzens (z.B. bei einem Herzinfarkt) wurden sehr anschaulich dargestellt (kranke Regionen sind weißlich). Immer wieder hörte man andere Besucher murmeln, wie sie ähnliche Krankheiten bei Verwandten erlebt haben. Parallelen zum eigenen Leben sind möglich und regen die Gedanken an.

Schon ab diesem Zeitpunkt war das Gehirn voll mit Informationen. Die Schlagzahl der dargebotenen Informationen ging aber munter weiter. Es folgte die Darstellung von Blutgefäßen (sehr eindrucksvoll, weil die Gefäße mit rotem Kunststoff gefüllt sind und eigentümliche Muster und Formen ergeben). Man konnte sich selbst den Blutdruck messen. Ein Mensch wurde in dünne Scheiben zerlegt und hängt da jetzt wie ein alter Bademantel am Bügel. Ein kleiner Junge macht Fotos mit seinem Smartphone. Er nimmt freundlich auf mich Rücksicht, als ich auch ein Foto machen möchte.

Zwei junge Frauen mit schweizerischer Aussprache (vermutlich Studentinnen) stehen vergnügt vor einer interaktiven Video-Installation. Der eigene Körper wird gescannt und in interaktive, durchleuchtete Anatomie-Bilder verwandelt. Sie haben ihren Spaß daran, und die Zuschauer auch. Ich traue mich nicht, mich auf die Aufkleber mit den Füßen zu stellen. Interessant hier unten die Tafel mit der Frage „Was ist für Dich Glück“? Besucher können ihre eigenen Gedanken mit Stiften darauf kritzeln. Erstaunlich viele assoziieren Glück mit „Reisen“ fällt mir auf. Aber auch „einfach leben“ findet man oft. „Sich um andere sorgen“ finde ich hingegen nicht.

Im Erdgeschoss wird die Ausstellung breiter und die Schlangen lösen sich zum Glück auf. Krankheiten werden weiter kommuniziert. Es ist höchst interessant zu sehen, wie sehr sich Krankheiten auch organisch niederschlagen können. Normal sieht man das ja bei sich nicht. Man kann sich nicht selbst sehen. Bildgebende Verfahren sind Ärzten vorbehalten und wirken immer ein wenig indirekt. Bei den Plastinaten ist hingegen schonungslose Offenheit möglich. Wie sieht eine Raucherlunge eigentlich aus? Was ist eine vergrößerte Milz? Wie sieht ein Lungenflügel aus, wenn er vom Krebs zerfressen ist und in sich zusammenfällt? (schrecklich!) Eine gesunde wird einer kranken Leber gegenübergestellt und man sieht den schonungslosen Querschnitt durch einen übergewichtigen Menschen. Diese interessante Didaktik der Gesundheit wird „aufgelockert“ mit Plastinaten in sportlichen Posen, z.B. beim Basketball oder Fußball-Spielen.

Den Schlusspunkt bildet die Erörterung über unsere eigene Geschlechtlichkeit. Wie sehen die Geschlechtsorgane von Mann und Frau eigentlich aus? Was ist eine Plazenta und wie sieht sie aus? Wie wirken sich Scheidung und Heirat auf das Glück des Menschen aus?

Und der Höhepunkt der Ausstellung ist eine liegende, schwangere Frau im achten Monat. Mit einem geöffneten Blick auf ihre Gebärmutter und den kleinen Säugling. Es gehört Mut dazu, Exponate (von echten Menschen!) derart auszustellen. Mir gefällt dieser Mut. Es ist echte Kunst. Schaurig, lehrreich und mutig zugleich.

Freunde treffen

Ich hab es gewusst, in Wahrheit gibt es gar keine Geschlechtsunterschiede!

Frage: „Wollen wir am Wochenende zusammen was unternehmen?“

Freund: Klar, machen wir.

Freundin: Ja, eigentlich schon. Aber dann muss ich erst überlegen, ob es passt. Könnte auch sein, dass es mir gerade nicht gut geht, kann ich schlecht voraussagen. Also halte ich es lieber in der Schwebe. Und ich muss doch dies und jenes klären. Und außerdem kommt ja noch X vorbei. Und für Y muss ich noch das machen. Außerdem wollte ich noch shoppen gehen. Und wollte was schönes für meinen Freund kochen. Und eigentlich passt es mir gar nicht, aber wenn du lieb fragst und mir noch ein paar Komplimente machst, bin ich dafür bereit. Weil ich entscheide das alles spontan aus dem Bauch raus. Hihi.

Und was kommt bei raus?

Beim Freund wird es genau so, wie du es erwartet hast. Er ist nicht krank und auch nicht launisch.
Er macht es einfach und ist zuverlässig. Einer von euch beiden ist der Ältere oder der Erfahrene, es wird ein Anführer bestimmt und dann wird es so gemacht. Der Ablauf des Treffens ist vorhersagbar und „straight“. Der Freund regt sich nur darüber auf, wenn am Ablauf etwas geändert wird oder die Planung vorher schlecht war. Dann wird ein Verlierer bestimmt, der die Scheiße ausbaden muss. Das ist meistens der „weibliche Part“.

Bei der Freundin ist es etwas besonderes, wenn ihr überhaupt zusammen kommt! Dann wird es aber richtig lustig! Ihr lacht euch beide weg, weil es gerade richtig gut passt und ihr beide so Bock auf das Treffen hattet. Keiner dominiert das Treffen, die Hierarchie wird bewusst flach gehalten. Männer würden jetzt nur stören! Es gibt viele Überraschungen und es läuft ganz anders als geplant. Das Treffen läuft emotionaler und herzlicher ab, weil ihr beide mehr Rücksicht aufeinander nehmt. Ihr entscheidet spontan und einigt euch durch Diskussion darauf, was ihr zusammen macht. Das kann dann auch mal ganz anders werden. Keiner ärgert sich darüber, dass ihr zu wenig geplant habt. Das viele Quatschen und die gute Stimmung hilft über kleinere Mängel in der Ausführung hinweg.

Lustig ist auf jeden Fall beides!

Besuch auf der Gamescom – Teil 3

Die Spielefirmen haben einen wahnsinnigen „Hype“ um ihre Spiele kreiert. Es ist ein Trend… jedes Jahr kommt ein neues Spiel raus, die Serien werden fortgesetzt. Die Jugendlichen stürzen sich darauf, es ist ihre Jugendkultur. Die Firmen profitieren davon, dass ihre Produkte mittlerweile rein digital sind… die Vertriebswege sind digital, das Produkt ist digital, selbst CDs fehlen mittlerweile in den Packungen (z.B. bei Mass Effect Andromeda, das man ohne schnelles Internet gar nicht mehr „besitzen“ kann). Um mit den Spielen also viel Geld zu verdienen, muss das Produkt begeistern. Es muss die Leute mitnehmen, es müssen Gefühle „produziert“ und vermittelt werden, es muss irgendwie ankommen und cool sein. Je mehr Leute sich darauf stürzen, desto mehr Geld wird damit gemacht, ganz einfach. Also ist die Messe eine einzige Verkaufsshow für neue Titel. Logisch, oder?

Ich bin mir sicher, jede Generation jeder Kultur hat so ihre Trends…. es ist halt so. Die Jugend ist neu, unverbraucht, frisch. Sie geht völlig neue Wege. Sie erschafft Dinge, die noch nie jemand gesehen oder gehört hat. Computerspiele sind Digitalkultur und somit extrem innovativ. Das ist das, was mich an ihnen reizt.

Aber es fehlen die Verbindungen. Auf der Gamescom hat die Verbindung „nach oben“ gefehlt. Die Spiele werden von einer bestimmten Altersgruppe konsumiert… aber auf der Messe war keine Möglichkeit für ein älteres Publikum, dort irgendwie einen Einstieg zu finden. Es wird nichts erklärt, es gab im Grunde fast keine Broschüren… auch keine Möglichkeiten, die Materie mal zu vertiefen oder was darüber zu lernen. Dazu kommt die hoffnungslose Überfüllung der Stände und die permanente Reiz-Überflutung. Der einzige Stand, der mir in Erinnerung geblieben ist, war der Stand mit den Grafiktabletts von der Firma Wacom. Dort gab es live-Vorführungen einer Künstlerin, die live mit dem XXL-Tablett gezeichnet hat und man konnte dann das Entstehen ihres Werkes auf dem Monitor betrachten. Das war sehr schön und da haben wir auch mal länger zugeschaut.  (Das Video zeigt die dort ebenfalls ausgestellten 3D-Drucker).

Es gab einen „Campus“, also eine Möglichkeit für junge Leute etwas über Berufe in der Spieleindustrie zu lernen.
Und was für ein Stand fällt uns als erstes auf? Jemand hat ein Gerät entwickelt, mit der die Telekommunikationsfirmen alles über den Internet-Traffic und das „Routing“ von Handys ermitteln können (das geht so ein bisschen in Richtung „ausspionieren“). Welchen Zweck hat das Gerät? Wozu wird es eigentlich verwendet? Trotz mehrmaligen Nachfragen von unserer Seite haben wir keine plausible Antwort bekommen. Die einzige Aussage war, dass die ausstellende Firma „dringend Nachwuchs“ braucht, z.B. aus dem Bereich Informatik oder Elektrotechnik.

Es gab einen großen Stand, wo der Jugendschutz erklärt wurde und der Spieleratgeber NRW.
Ok. Aber wo waren die deutschen Unis, wo waren die Studiengänge, wo war die Wirtschaft, die ihre Verantwortung erkennt und übernimmt? Es wurde letztendlich nur gedaddelt und verkauft. Und da wundert man sich noch, dass es an Nachwuchs fehlt. Gähn.

Thema Inklusion. Die Gamescom macht keinen Sinn, wenn man blind oder taub ist. Solche Spiele für bestimmte Zielgruppen hab ich dort nicht finden können. Es gab allerdings mehrere Leute, die in Rollstühlen herumgefahren sind und sich den Kampf durch die Menge auch zugetraut haben. Einmal hab ich wie gebannt vor dem Bildschirm gestanden und mein Kopf war tief in den Nacken gelegt… plötzlich tippt mich jemand leicht auf die Schulter an. Eine junge Frau im Rollstuhl, recht klein, sie hat mich gerade so erreichen können, wollte sich einen Weg durch die Menge bahnen. Alle haben Platz gemacht, sie hatte einen Weg… geht doch. In der S-Bahn hatte ich ein anderes Erlebnis. Da kam plötzlich eine Frau im Rollstuhl (selbstfahrend) mit brachialem Schwung in die sowieso schon überfüllte S-Bahn gestürzt. Sie hätte mich fast umgefahren. Da war nix mit antippen oder Bescheid geben. Andere haben sich nach ihr zu richten. Ich gehe ein Stück zur Seite und will höflich Platz machen. Urplötzlich dreht sie ihr Gefährt ganz schnell um, die Griffe vom Rollstuhl berühren mich fast am Bauch. Im letzten Moment kann ich ausweichen. Sie dreht sich nicht um, entschuldigt sich nicht, guckt einfach stur geradeaus. Hätte ich da was sagen sollen?

Geschlechter. Der Männeranteil lag bei ca. 80 Prozent. Das hatte den interessanten Effekt, dass die Damentoiletten frei waren und es Schlangen vor den Herren-Toiletten gab. Hahaha!

Besuch auf der Gamescom – Teil 2

Der Tag war sehr intensiv, es hatten sich einige Eindrücke angehäuft, förmlich angestaut.
Ich hab so das Gefühl, dass ich noch Wochen darüber nachdenken kann und die Dinge Zeit brauchen, bis sie sich setzen.
So geht es mir im Moment mit sehr vielen Dingen im Leben. Das Leben ist sehr intensiv, wie kann man da am besten überleben und sich emotional schützen? Man beachtet erstmal die äußeren Dinge, die Struktur und das grobe Ganze…dann erst kann man in das Gefühl einsteigen, so nach und nach. Wenn man gleich alle Kanäle voll öffnen würde, würde man überflutet werden und den Halt verlieren. Dann kommt man keinen Fleck mehr vorwärts und verliert sich im Strudel der Emotionen. Die Gefahr besteht bei künstlerisch veranlagten Menschen immer, weil die Empfindungen einfach stärker sind und man das „Abstumpfen“ erstmal lernen muss. Abstumpfen ist aber kein einseitiger Effekt, man kann auch schrittweise wieder Gefühl reingeben. Die Kunst besteht darin, sich in jeder Situation entsprechend „anzupassen“ und flexibel zu reagieren. Ich merke z.B. zur Zeit an mir, dass ich viel chaotischer bin und die Gedanken viel stärker springen und emotional aufgeladen sind. Das hat mir den Besuch auf der Messe schon recht schwierig gemacht.. Dinge die normal gut laufen, sind im Moment nicht so gut zu kontrollieren (vor allem alles, was mit Planung und Koordination zu tun hat).

Auf der Gamescom hab ich versucht, stärker zu filtern und mich an dieses neue Ich-Gefühl anzupassen. Es geht am besten, wenn man gefordert wird und die Außenreize sehr stark sind. Ich hab mich nicht gegen die vielen Eindrücke gewehrt. Ich hab sie nicht bewertet, weder in gut, noch in schlecht einsortiert. Ich hab einfach versucht, meine Sinne „aufzustellen“ und die vielen Eindrücke, Bilder, Klänge, Menschen, Gesichter, Töne, Gerüche, etc. durch mich „durch fließen zu lassen“. Der Effekt ist quasi wie bei einer Meditation. Man ist unter tausenden von Menschen, wird beschallt und berieselt von allen Ecken und was macht der Geist? Er akzeptiert es einfach und lässt es fließen. Unser Bewusstsein ist eigentlich rein und frei. Unbefleckt. „Die Seele ist ohne Substanz“ sagen die Buddhisten dazu. Eine Richtung oder eine Prägung bekommt unser „ich“ erst durch die Bewertung und Beurteilung von Dingen.

Natürlich gab es viele Eindrücke, die mich schockiert haben oder über die ich im Nachhinein noch viel nachdenken muss. Aber ich schau mir das jetzt in Ruhe an. Ich werde noch mit ein paar Leuten darüber reden, die mich natürlich auch fragen „Na, und wie war die Gamescom?“. Ich kann da nicht aus der Pistole schießen und „irgendeine Antwort“ geben. Ich muss mich echt hinsetzen und überlegen, ja wie war es eigentlich?

Ich hab z.B. ein bisschen ein Problem damit… z.B. das Thema Computerspiele. Es begleitet mich schon sehr lange, ich spiele Games, seit dem ich sechs Jahre alt bin… also über 30 Jahre. Seit der Hormonumstellung vor ca. 3 Monaten hab ich daran – von heute auf morgen- jegliches Interesse verloren. Ich kenn fast alle Spiele, ich bin damit durch. Ich kenn die Industrie, ich kenne alle Richtungen und mein Buch über die Games steht in der Pipeline. Meine Östrogene sind sehr hoch, das Testosteron fehlt. Daraus resultiert, dass ich kaum noch Lust auf Wettbewerb oder Action habe. Und die meisten Spiele richten sich immer noch an ein „männliches Publikum“ (wobei das nicht mehr stark wie früher ist und der Games-Markt für Frauen auch stetig wächst). Dafür hab ich diesmal die „Cosplay“-Sachen und die Verkaufsstände für Mode, Shirts, Perücken, usw. viel reizvoller gefunden. Als wir auf der Messe fertig waren, sind wir erstmal in Köln shoppen gegangen. Der Drang danach war unendlich groß und überall gibt es Klamotten-Geschäfte, Schmuck, Schuhe… 😉 Das war quasi unsere eigene, zweite Messe. Die „Schönheits-Com“. 😉

Köln finde ich als Stadt sehr reizvoll… ich hab im Nachhinein gesehen, dass es dort noch sehr vielen Sachen gibt, die ich nicht kenne. Z.B. Museen. Kunst, Kultur. Ich werde sicherlich nochmal nach Köln fahren und mir dort alles anschauen. Mein Geist hat sich weiter entwickelt, die Interessen auch. Warum sollte ich darüber traurig sein oder mich aufregen? Es ist halt so, wie es ist.

Besuch auf der Gamescom (23.8.2017)

Konami Stand GamescomGamescom, Blick in die Menge

 

 

 

 

 

 

 

Ca. 10 Jahre habe ich die Gamescom jetzt schon auf dem Schirm und letzten Mittwoch war es dann endlich soweit.

Mit dem ICE von Mannheim nach Köln, den ganzen Tag über die Messe schlendern und abends um 20 Uhr wieder zurück. So war der Plan und so hat es eigentlich auch geklappt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat und man die Gamescom einfach mal gesehen haben muss. Wie erwartet, wurde sehr viel Show geboten und das Ziel-Publikum lag deutlich unter 25 Jahren.

Schon als wir angekommen sind, waren die Besuchermassen deutlich zu spüren und gegen 14 Uhr wurde es mir schon zu voll. Die Boulevard-Gänge zwischen den Messe-Hallen waren so überfüllt, dass man kaum die Richtung wechseln konnte. Man wurde wie in einem Teilchen-Strom beschleunigt und musste der Masse folgen. Die großen Orientierungstafeln und das klare Raumkonzept (wie bei Messen üblich) haben aber geholfen, nicht so ganz den Überblick zu verlieren.

Der Fokus der Spiele-Firmen lag eindeutig im Vorstellen der neuen Titel. Dabei wurde ein einfaches Konzept benutzt. Man wählt sich das Spiel seiner Wahl aus und betrachtet die Warteschlangen, die sich davor gebildet haben. Es gab im Grunde keine Schlange, in der weniger als 40 Personen standen. Die Altersbändchen (drei Farben) muss man am Anfang der Schlange vorzeigen, so ist sichergestellt, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Dann stellt man sich in die Schlange….wartet… und wartet… und kann dann irgendwann hoffen, an einen der Terminals zu gelangen und ein Spiel probe zu spielen.

Rotes Bändchen

Mangels unserer Geduld haben wir das aber bei keinem Spiel geschafft. So blieb es uns nur übrig, anderen Spielern über die Schulter zu gucken… dieses Konzept wurde bei vielen Spielen (vor allem die ohne FSK-Einstufung) auch benutzt. Man kann dann wie in einer Bar sich anlehnen und auf die Bildschirme schauen. Es gab sehr viele Multiplayer-Spiele, z.B. StarCraft, Overwatch, etc. Sehr gut gelöst waren auch die riesigen Bildschirme, bei denen man live bei einem Autorennen dabei sein konnte. Der Witz dabei ist, dass es mehrere Spieler waren, die an einem Rennen teilnehmen und das Publikum dann wie bei der Formel Eins dem gemeinsamen Rennen beiwohnt. Dadurch ist eine sehr schöne, eigenartige Atmosphäre enstanden. Bei „Project Cars 2“ hat dann der Moderator beim Fahren gleichzeitig noch kommentiert und Späße gemacht, was sehr lustig rüber kam.

ich war da!

Leider hab ich durch einen Speicherkarten-Fehler alle meine Bilder verloren…. wir haben nur ein paar Bilder vom anderen Gerät. Handy-Fotos und Actioncam-Videos wurden aber zu tausenden gemacht, da kann man sich auf Youtube bestimmt das eine oder andere Video „reinziehen“.

Das Speiseangebot war – wie zu erwarten- auf einen jugendlichen Fast Food-Geschmack zugeschnitten. Es gab auch kleinere Ecken, wo man Kaffee oder Crepes kaufen konnte, aber die gemütlichen Sitzecken waren extrem selten… das hatte mir auf der Frankfurter Buchmesse viel besser gefallen. Da war einfach mehr Ruhe drin.

Die Gamescom ist extrem, laut und hektisch. Man wird überall mit extrem lauter Musik beschallt und mit Reizen überflutet. Auf den Gängen fühlt man sich wie im Klassenzimmer, nur dass man die einzige Lehrerin unter tausenden von Schülern ist..

Einen ganz klaren Trend gibt es auch beim „Cosplay“- also Menschen, die mit Kostümen in ihre Lieblingsvideospielefigur schlüpfen, so wie man es bei Mangas oder Comics schon länger kennt. Da sind uns auch einige Leute entgegen gekommen, was immer extrem lustig war. Und tlw. musste man auch stehen bleiben und sich umdrehen, weil der Effekt so heftig war. Das kommt z.B. auch durch die farbigen Kontaktlinsen oder die knallbunten Perücken. Auf der Gamescom gab es eine Halle, die sich auf diesen Trend spezialisiert hat und wo man das ganze Cosplay-Zubehör kaufen konnte.

Nachdem wir etwas fertig und überdreht die Messe-Hallen verließen, hatten wir bis zum Abfahrt des Zuges noch sehr viel Zeit. Wir gingen also zum S-Bahnhof Messe/Deutz und fuhren 2 Minuten zum Hauptbahnhof. Da ist man schon mitten in Köln und hat eigentlich tausend Möglichkeiten. Wir wollten irgendwo am Bahnhofsvorplatz endlich mal einen Platz zum Sitzen finden. Bei Starbucks war alles belegt…. und am einzigen freien Platz lag irgendwas unappetitliches auf dem Boden. Sah aus wie eine Mischung aus Ausgekotztem oder ein riesiger Erdbeer-Himbeer-Eisbecher. Auf jeden Fall undefinierbar.

Die Cafés auf der anderen Seite…. alle belegt…. und auf den Treppenstufen am Dom sitzen? Kam mir erstmal etwas komisch vor. Wie kommt man vom Bahnhof in die Innenstadt? Ich hatte das vergessen, war im Grunde erst zweimal in Köln.

Achso, man muss die Treppe hoch und dann da rechts vorbei!! Nachdem wir quasi erstmal 2 km im Kreis gelaufen waren, ist mir das dann klar geworden. Es war sowieso der „Wurm drin-Tag“…. Datentarif setzt plötzlich aus (kein Google Maps mehr)… Speicherkarte defekt… morgens schon zu spät gewesen… Bargeld vergessen… usw.

Wir haben trotzdem das beste draus gemacht und den Tag echt genossen. Köln ist eine tolle Stadt, ich komme gerne wieder. Auch wenn mal nicht Gamescom ist. 🙂

 

Zugfahrt, verwaschenes Bild

 

Köln, Bahnhofsvorplatz

 

 

 

 

 

 

 

Köln vor 70 Jahren

Bilder Juli / August 2017

bevor die Handy-Bilder wieder auf der Festplatte verschwinden, hab ich mich entschlossen, schnell ein Album daraus zu basteln.
Nichts besonderes, mehr ein Querschnitt über die Dinge, die in der letzten Zeit so passiert sind.
Es sind ein paar viele Selfies dabei, ich hoffe es stört euch nicht. 😉 Aber ich kann die nicht alle auf Facebook posten.. 😉

Was haben wir so gemacht?

Den Ungsteiner Weinsommer, ein sehr schönes, neu ausgerufenes Fest in der ehemaligen Römerkelter.  Ich mag den Ort irgendwie. Dabei sind wir noch durch halb Ungstein spaziert, weil wir die Location verpeilt haben. 😉  Die Winzer in der Region sind immer sehr eifrig und denken sich ständig was neues aus. Der Tourismus hat hier sehr stark zugenommen.. gut für uns, wenn wir hier dauerhaft wohnen, wo andere Urlaub machen..

Der Neuleininger Burgsommer– ein Fest mit viel Musik und sehr gemütlich in der Burg Neuleiningen. Von da aus hat man einen tollen Blick auf die Rheinebene. Wir waren aber nicht bei den Showacts, sondern beim kleinen Fest, das am Ende noch statt fand. Das hat uns super gefallen, die Atmosphäre ist sehr gut.

Das Dorffest in Weisenheim am Berg und einmal beim Griechen Dionysos in Mannheim. Solltet ihr mal hingehen, lohnt sich!

Und ein paar Naturbilder vom herrlichen Spätsommer. Es ist hier leider sehr trocken und Neophyten machen sich mittlerweile breit. Dafür haben wir bestimmt schon gefühlte 2000 Sonnenstunden hinter uns und wir werden langsam zu unternehmungslustigen und ständig gut gelaunten Italienerinnen. 😉

 

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Integration oder Segregation?

Die Themen „Köln HBF, Übergriffe, Sexuelle Belästigung“ und die „Flüchtlingsdebatte“ sind mal wieder stark in den Medien. Seit letztes Jahr hab ich das Gefühl, dass zunehmend alle andere Themen aus den Medien verdrängt werden, was mich ein wenig wundert, aber auch ärgert. Es gibt soviele andere Themen, die wichtig sind, aber es schaffen immer nur die emotionalsten in die Medien und halten sich dort. Warum berichtet keiner darüber, wie unser Land wirtschaftlich neu aufgestellt werden kann, wo man demnächst Geld investieren möchte, wie die Entwicklungsprogramme für die Zukunft aussehen und wie man Herausforderungen wie dem Klimawandel begegnen möchte? Stattdessen reagiert die europäische Politik wieder nur und lässt sich von den Ereignissen auf der Welt treiben, anstatt sie aktiv und mit einer politischen Vision beseelt zu gestalten.

Ich habe sehr viele Artikel und Meinungen zu diesem Thema gelesen und wie immer gibt es einen bunten Strauß an Meinungen und unterschiedlicher Auffassungen. Die Emotionen und der Stil ist gewohnt rau und ich habe im Moment leider nicht die Zeit, alle Artikel einzeln zu verlinken oder aufzuzählen, es sind einfach schon zuviele.

Viele Menschen, viele Meinungen

Daher versuche ich mit ganzen wenigen Worten die Quintessenz aller Debatten und Erkenntnisse, aber auch aller Meinungen zusammenzufassen:

Es gibt anscheinend sehr viele Menschen, die sich aufregen und nun generell auf „die Ausländer“ und „die Flüchtlinge“ schimpfen. Es gibt Leute, die sich nun über sexuelle Belästigung aufregen, aber das nur tun, weil es ihrem Rassissmus dient und bei anderen Events, z.B. dem Oktoberfest, darüber hinwegsehen. Es gibt rechte Gruppen wie Pegida, die sich nun regelrecht freuen und mit stolzer Brust bestätigt sehen (aber das Problem deswegen auch noch nicht gelöst haben). Es gibt offenen Rassismus und sehr viel Hass. Es gibt empörte Menschen, die nicht frei von Vorurteilen kommentieren und die Kommentarseiten der Online-Medien vollschreiben.

Dann gibt es aber auch andere Menschen, z.B. Feministinnen, die sich normalerweise sehr über sexuelle Belästigung aufregen, aber nun anscheinend große Schwierigkeiten haben, den Zorn auf die richtige Gruppe zu lenken, WEIL die Gruppe nicht ihrem üblichen Feindbild entspricht und das ganze dem links-grünen Ideologie der „Gutmenschen“ und der „Refugees Welcome“-Logik widerspricht. Dann gibt es Feministinnen wie Alice Schwarzer, die einen klugen und ausgewogenen Artikel geschrieben hat. ((Der Artikel kann aber trotzdem nicht alle Meinungen abbilden ))

Es gibt eine Polizei, die mal wieder überfordert ist und staatliche Behörden, die eher mit „lustigen Tipps“ wie „eine Armlänge Abstand zu Fremden halten“ unfreiwillig komisch auffallen und die Verwunderung über die aktuelle Debatte nur in die Höhe treiben. Dann gibt es Zivilpolizistinnen in Köln, die ebenfalls sexuell belästigt wurden (!) und eine Polizei-Presse, die anschließend beschönigend von einem „friedlichen und schönen Silvesterfest“ spricht.

Was war in Köln an Silvester anders?

Was für mich das entscheidene an der ganzen Situation ist, dass diese Sache mit den Belästigungen kein Einzelfall war. Das „Besondere“ daran ist das organisierte Vorgehen sovieler Männer und die Tatsache, dass die gleichen Verbrechen in mehreren deutschen Städten passiert sind. Und dass die Gruppe in Köln aus 1000(!) Männern bestand, die den einzelnen Straftaten durch aktive und passive Mithilfe begünstigt haben.
So ein Vorgehen bedarf einer ausgeklügelten Organisation und gemeinsamer Absprache. Es ist etwas verwunderlich, warum so eine groß angelegte Aktion keinem Geheimdienst und keiner Polizeistelle aufgefallen ist und das ganze vier Tage brauchte, bis es in die Medien kam. Wenn die einzelnen betroffenen Frauen keine Anzeige geschrieben hätte, wäre das ganze vielleicht ganz unter den Stuhl gefallen?

Was dort passiert ist, empfinde ich als eine Riesenfrechheit und einen frontalen Angriff auf unsere freie, offene und friedliche Gesellschaft. Es ist ein Angriff auf unsere Grundwerte, auf unsere sexuelle Freiheit, auf die Gleichstellung von Mann und Frau und es ist ein Schlag ins Gesicht für unsere friedliche, auf „Bürgerkommunikation“ und „Deeskalation“ angelegte Polizei, die von bestimmten Personengruppen nicht ernst genommen und respektiert wird.

Terror gegen die Bevölkerung

Somit ist dieser Vorgang von Silvester in seiner inneren Bedeutung gewissermaßen mit Terroranschlägen gleichzusetzen, z.B. die Anschläge auf die französische Satire-Zeitung Charlie Hebdo. Gestern kam in Arte nochmal eine sehr gute Dokumentation über diese Vorgänge.  Dabei wurde auch herausgestellt, dass es bei diesem Anschlag ein bestimmtes moralisches Ziel gab und das Ziel war eben das höchste der demokratischen Errungenschaften: Die Möglichkeit, sich offen und blasphemisch äußern zu können.
Bei den Anschlägen, die im November 2015 erfolgten, war es im Grunde noch schlimmer, weil hier wahllos auf die Freiheit der Menschen gezielt wurde und jeder, der seine Freizeit mit Sport (Fußballstadion), Café, Kneipe oder Konzertbesuch verbringen wollte, Opfer des gemeinen und hinterhältigen Massenmordes wurde.

Und in Köln? Hier wurde die Freiheit junger Frauen angegriffen, sich zu kleiden, wie sie möchten, sich zu bewegen, wo sie möchten, und sich zu jeder Uhrzeit an jedem Ort zu bewegen. Wenn nun besorgte Mütter und Väter nur einem Prozent ihrer Töchter in Deutschland verbieten, zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Plätzen zu sein, weil hier eine arabische, ausländische (oder einfach männer-dominierte) No-Go Area herrscht, haben die „Terroristen“ schon gewonnen.

Freiheit ist nicht umsonst

Das ist der eigentliche Angriff auf unser Land und das besondere ist die Dimension und das Ausmaß. Wenn nun ein einzelner weißer Mann eine einzelne weiße Frau auf dem Müncher Oktoberfest belästigt und diese statt dem Minirock in Zukunft eine Jeans trägt, ist das ebenso tragisch. Es ist im Grunde auch zu vergleichen. Denn die Freiheiten, auf die wir in unserer westlichen Demokratie so stolz sind, müssen immer und überall verteidigt werden. Ein massiver Angriff auf die Freiheit erfordert aber auch eine massive Antwort, sonst werden wir überrannt und nicht mehr wahrgenommen. Hier ist eine Stelle, an der man sich empören darf und muss! (( Aber bei aller Empörung darf man nicht die Falschen treffen und auch nicht die falschen Mittel wählen. Jede Empörung erfordert auch ein gutes Maß an Selbst-Reflektion und Ausgewogenheit. ))

Da unser Land durch den großen Flüchtlingsandrang und die offenen Grenzen nun jedem geöffnet wird, ist es auch erstmal schutzlos und angreifbar. Es ist eigentlich nur völlig konsequent und logisch, dass so etwas wie in Köln passieren muss. Durch unterschiedliche Menschen, Religionen und Ethnien entstehen unterschiedliche Systeme, die aufeinander prallen. Warum sollte es anders sein? Wir sind alles Menschen, haben Hunger und Durst, wollen glücklich sein und gute Erfahrungen sammeln. Dennoch machen wir unterschiedliche Erfahrungen und haben unterschiedliche, psychologische und materielle Voraussetzungen. Die Flüchtlinge und Immigranten können nicht einfach ihre Weltanschauungen und ihre negativen Erfahrungen ablegen wie einen Straßenschuh an der Eingangstür. Diese Prozesse an die Gewöhnung unserer (so wie wir glauben überlegenen) Weltanschauung brauchen Zeit. Es muss „Integrationsarbeit“ geleistet werden und ein starker Rechtsstaat muss sich auch durch eine starke, solide aufgestellte Polizei und eine konsequente Justiz verteidigen und behaupten können. Was aber machen wir, wenn unser offenes Selbstbild und unsere Freiheit nicht jeden überzeugen kann? Dann haben wir ein Problem. Und die Vorgänge in Köln zeigen, dass man Freiheit und Liberalität auch anders interpretieren kann: Als Schwäche und Dummheit.

Die Ereignisse von Köln sind erschreckend und schlimm. Sie sind aber auch eine Warnung an alle Politiker und Verantwortlichen, was passieren kann, wenn man sich den Problemen mit der Zuwanderung nicht wirklich annimmt und dafür keine tragfähigen Lösungen erarbeitet. „Integration“ klingt auf dem Papier toll, in der Praxis können die Schwierigkeit viel größer sein, als man zuerst vermutet hat.

Für die Zivilgesellschaft und die einzelnen Bürger ist es eine ebenso große Herausforderung, weil wir lernen müssen, für unsere Freiheit und unsere Rechte ganz persönlich einzustehen. Ohne der Versuchung des plumpen Rassismus oder des Fachismus zu erliegen.
Die Gegensätze unterschiedlicher Weltanschauungen, Erziehungsmodellen und Religionen rücken durch die Globalisierung näher zusammen und Grenzen werden buchstäblich übertreten. Wenn wir uns nach außen nicht abgrenzen oder schützen können, wenn wir innere Freiheit und Toleranz durch Willkommenskultur üben wollen, müssen wir die Grenzen und das „Stop“ eben auf anderer Ebene und in anderer Weise signalisieren. Aber es muss signalisiert werden. Die Arbeit nimmt einen keiner ab.

 

Anmerkung

Der Begriff Segregation erklärt, als Gegenteil für Integration finde ich es nicht ganz passend.
Des-Integration oder Separierung würde noch passen.
Hier gibt es eine Diskussion dazu. http://www.gutefrage.net/frage/gegenteil-von-integration

Der Winter geht mal schnell Zigaretten holen

Dies soll mal wieder ein langer, tiefgehender, ausschweifender, mit reichlichen Adjektiven und unzähligen Aufzählungen versehender Blog-Artikel werden… aber ich kann´s auch kurz machen und den Inhalt in einem Satz verraten: Mir fehlt der Winter!

Aber wie kann das sein? Rein objektiv haben wir doch das beste Frühlings-Wetter mit allen Vorzügen: Man muss nicht übermäßig Geld für die Heizung ausgeben, spart sich die Anschaffung für Winterreifen, wird nicht so depressiv, weil man sich viel besser an der frischen Luft bewegen kann, braucht keine Winterklamotten, braucht keinen Schnee zu schippen, sich die Hände nicht eincremen, nicht auf der glatten Straße ausrutschen und vor allem: Man bekommt keine Erkältungen!

Und doch fehlt mir der Winter… das ganze fühlt sich so kalifornisch an… manche Metereologen sprechen schon davon, dass es vielleicht in den nächsten 30 Jahren so weitergeht und Deutschland nie wieder Winter haben wird. NIE WIEDER WINTER? WHAT THE F.. ?? Der Golfstrom schwächelt, „El Nino“ betreibt sein teuflisches Spiel und Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern werden auf immer und ewig in die subtropische Zone übergehen? Selbst beim Blick auf die Europakarte wird es schwer, sich ein Reiseziel für die Winterferien auszusuchen. Da gibts einfach überhaupt nirgendwo Schnee.

Hier in Süddeutschland dümpelt das ganze schon seit November mit 8-15 Grad Tagestemperaturen und 2-10 Grad Nachttemperaturen vor sich hin. Ich habe in diesem Jahr EIN Mal Schnee erlebt, das war irgendwo in den Bergen auf einer Autobahnfart im Sauerland. Da hat es kurz geschneit. Ist sogar liegen geblieben. Wir haben uns schon gefreut, dass es im November den ersten Schnee gab. Endlich mal wieder frieren, den Atem sehen (träum) und eine rote Nase bekommen! Das ganze ließ schwer hoffen. Schnell die Winterreifen drauf machen-sau teuer- egal, das muss sein. Der Winter kommt jetzt bestimmt!!!

Und jetzt das.. sogar die Vögel fangen schon an zu singen. Im Dezember…

Warum brauche ich also den Winter? Ganz einfach, weil es sich so nicht normal anfühlt. Weil der Winter zu meinem Verständnis von Vorweihnachtszeit und Dezember/ Januar einfach dazu gehört. Weil das immer so war. Weil es immer kalt war… immer etwas unangenehm. Weil man genau wusste, dass diese Zeit kommen wird.. und die Freude auf den Frühling danach noch umso größer ist. Die Jahreszeiten schaffen Struktur im Leben, im Charakter, in der Auseinandersetzung mit dem Alltag. Wenn da ein Teil fehlt, ist das wie ein Getriebe, dem man einfach ein Rad weggenommen hat. Es läuft zwar weiter, aber es klingt so komisch!

Der fehlende Winter macht auch sehr schmerzlich bewusst, dass wir mitten in einer großen Klimakatastrophe angekommen sind. Dass das ganze doch etwas schneller ging, als man befürchten konnte. Der Klimawandel ist voll da. Und mit gutem Zureden wird er auch nicht mehr weggehen.

Kurzum: Der Winter fehlt.

Webtipp!

Wer sich noch mehr über das Wetter aufregen möchte oder eine gute Seite mit fundierten Hintergründen und tollen Artikeln sucht, dem sei diese hier schwer ans Herz gelegt: Kaltwetter.com.

Die Seite begleitet mich schon seitdem dieser Sommerfrust im Juli losging… und hat wieder etwas analytische Kälte und tlw. auch ein Lächeln zurück gebracht. Danke dafür.

Tropical paradise

Dazu: Bamboleo

oder Volare

Sonnenuntergang

Mein Abendessen bestand aus einer halben Galia-Melone und einem aufgematschten Cocos-Müsliriegel, dessen Schokoladen-Rand schon etwas tropfte.
Dazu ein leckeres, kühles Glas Apfelschorle. Und eine Serviette. An diesem schönen lauen Sommerabend in der Pfalz sind es um 19 Uhr noch 33 Grad im Schatten (Nordseite). Angenehmes „Schlafen“ und Schwitzen bei 29 Grad. Obwohl „schlafen“ ist übertrieben. Nennen wir es wachliegen und umdrehen- und sich um 2 Uhr in der Nacht irgendwo zwischen Schlafwandeln zum Ventilator und geistigem Delirium befinden. Keine einzige Mücke! Dafür jucken die Brennessel-Stellen noch etwas an den Knöcheln, weil irgendwie jemand gestern abend noch die geniale Idee hatte, im Garten hacken zu gehen…

Alle Welt jammert und spricht über die Hitze… Dabei haben wir doch jetzt die Tropen hier bei uns zu Hause! Ein ganz neues Gefühl, dass man erstmal begreifen muss. Klimawandel ich heiße dich willkommen. Du hast auch deine guten Seiten.

Also, positives Gesicht aufsetzen, rein in die kurzen Sachen, Salsa/ Latin Radio einschalten und ein DomRep-Bild als Hintergrundbild einrichten. Schon besser.

Irgendwann um 23 Uhr gehe ich mit den Schlappen vor die Strandhütte und stelle fest, dass es immer noch angenehme 28 Grad hat. Ach was Zahlen! Das ist so typisch deutsch, das vergessen wir jetzt mal wieder. Wer braucht putzen und aufräumen? Das mach ich, wenn es wieder kälter wird. Ein gewisser Schlendrian schleicht sich ein. Dinge bleiben liegen. Es ist halt warm. Es ist schön. Es fühlt sich gut an. Fehlt nur noch der Cocktail und die Strandparty. Die Wellen… der Sonnenuntergang.

Ich schwanke schon förmlich davon. Die Hitze trägt mich immer weiter. Das Wasser umspielt sanft die Beine. Irgendwo in der Ferne hört man ein paar Möven. Und Gelächter von der Beach-Party. Ich brauche noch einen Cocktail… es ist immer noch warm. Der Mond prangt groß und golden vom sternenklaren Himmel.

 

Der nordeuropäische hellhäutige Typ

Dazu : Baila me

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
mag die Sonne gar nicht.

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
ist umständlich, trägt nur weiße Hosen und ein helles Oberteil.

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
neigt zu Sommersprossen und Sonnenbrand.

… und hält es maximal 10 Minuten in der prallen Sonne aus.

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
Benötigt 500 ml Sonnenmilch pro Tag, Faktor 35
bekommt dennoch einen Sonnenbrand
hat einen schwachen Kreislauf
ist keine Hitze gewohnt

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
jammert über die Hitze
braucht einen Hut
und eine Sonnenbrille
und eine Jacke
und Socken
und einen Kühlakku

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
sitzt viel im Schatten
und schimpft trotzdem über die „grelle Sonne“

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
ist für den Sommer einfach nicht gemacht.

Der nordeuropäische hellhäutige Typ
sollte endlich mal locker werden! 😉

Es schwirrt und summt – 2

Summen im Rosmarin
Summen im Rosmarin

Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, möchte ich doch den Abschluss zur vorherigen Geschichte und meinem Erlebnis mit den Bienen schreiben. Das liegt auch daran, weil man im Internet recht wenig dazu findet und mein Erlebnis vielleicht auch jemand nützlich sein kann:

Wenn man im Internet zu diesem Problem recherchiert, findet man sehr viele Meinungen und Stimmen dazu. Hauptsächlich, wie schützenswert Bienen doch sind und dass man „sich darüber freuen soll“, wenn sie im eigenen Haus sind, usw.
Eine ablehnende Haltung ist nicht erwünscht. Wenn jemand im Forum schreibt, dass er sich dadurch gestört fühlt, vielleicht kleine Kinder im Haus hat, die nicht gestochen werden sollen oder sich um die Bausubstanz fürchtet, dann wird das nur als nebensächlich abgetan. Dabei gehört auch die ablehnende Haltung zum Verständnis für „beide Seiten“ dazu und dient ja letztendlich auch der Harmonie zwischen Mensch und Natur.

Es gibt also kaum Hinweise dazu, wie man mit einfachen Hausmitteln die Insekten davon abhält, die eigenen Wände zu bewohnen. Ohne gleich zur Chemiekeule oder anderen rabiaten Mitteln zu greifen. Dabei gibt es durchaus sanfte Methoden, um ihnen auf eine einfache Art und Weise zu zeigen, dass dieses Haus besiedelt ist, und dass es besser wäre, wenn sie sich irgendwo anders niederlassen. Die Natur ist da etwas „dumm“, sie folgt einfach dem einfachsten Weg. Für die Bienen ist die Wand kein künstliches Produkt, kein Besitz von Menschen, die Wand hat im Bienengehirn noch nichtmal einen Namen. Für die Biene ist es vielleicht eine Felswand, die sehr schön warm in der Sonne liegt und dazu noch vom Wind geschützt ist, nach Süden oder Osten zeigt- perfekt! Wenn dann noch kleine Löcher drin sind, die man „beschnüffeln“ kann und dann entdeckt, dass dahinter eine große Höhle ist, in der man prima nisten kann, warum sollte man es dann also nicht tun?

Wie erkläre ich jetzt der Biene, dass das nicht gut ist? Ein einfacher Tipp aus dem Internet, den ich etwas abgewandelt habe, besteht darin, sie mit Essiggeruch zu vertreiben. Denn nichts lieben Bienen mehr als natürliche Gerüche- Menschengerüche und alles künstliche ist ihnen zuwider. (Interessanterweise mögen sie aber Parfümdüfte von Deos, Parfüms, Hautcremes, usw. was manchmal auch ein Grund sein dürfte, warum Frauen im Freien öfters „belästigt“ werden) Eine „rohe Hauswand“ mag für sie etwas sehr natürliches und reizvolles sein. Wenn man aber nun alte Putzlappen nimmt, diese in kleine Quadrate zusammenschneidet, handlich mit Tesafilm zusammenklebt und anschließend in Essig oder Essigreiniger taucht, dann hat man eine prima „Duftmarke“ gegen die unerwünschte Fremdbesiedelung. Man nimmt diese kleinen Pakete mit getränktem Essig (am besten mit Handschuhen und bitte auf die Augen aufpassen) und stopft diese von außen in den kleinen Spalt zwischen Rolladen und Hauswand. Das geht von drinnen, man muss sich nur etwas aus dem Fenster lehnen (aber nicht zu weit!).
Am besten links und rechts in der Nähe der Rolladenkästen. Ich hab das überall gemacht und festgestellt, dass die Bienen-Kundschafter zwar noch weiterhin anfliegen, aber nach einer kurzen Inspektion wieder abziehen und woanders weitersuchen. Die Pakete klemmen etwas in diesem Spalt und fallen auch nicht herunter. Irgendwann verfliegt der Essiggeruch und das ganze muss frisch „aufgefüllt“ werden.

Erdbeeren, Minze und Frauenmantel
Erdbeeren, Minze und Frauenmantel

Das ganze Problem zeigt uns auch unser zweigespaltenes Verhältnis zur Natur: Auf der einen Seite verbauen wir die Landschaft, zersiedeln Flächen, drängen alle natürlichen Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere zurück. Auf Feldern wird großflächig Pestizid und Roundup versprüht, damit nur die „gewünschten Pflanzen“ übrig bleiben. Der Mensch trifft hier aber eine künstliche Auslese über seinen Kopf (nur Raps ist wertvoll, nur Weizen macht satt, usw.), aber er reißt die Dinge aus dem Zusammenhang. Denn wenn bestimmte Stoffe in großen Mengen eingesetzt werden und somit auch die wichtigen Bestäuber wie die Bienen töten, dann hat niemand etwas davon.

Die Natur, so wie sie in ihrem komplizierten Wechselspiel und ihrer Vielseitigkeit eigentlich gedacht ist, kommt durcheinander.

Der Mensch findet es chic, wenn überall Ordnung herrscht. Alles muss sauber und aufgeräumt sein. Bäume an der Straße machen Dreck, also weg damit. Das Unkraut zerschandelt den Platz, also rausreißen! Nur wo Stahl, Plastik, Asphalt und gerade Linien vorherrschen, fühlt sich der Mensch wohl.

Und was macht die Natur? Sie muss sich immer weiter zurückziehen und auf „Notunterkünfte“ ausweichen. Für die Natur ist das Chaos das Schöne. Denn im Chaos findet sich wie von selbst eine Ordnung. Eine, die schon vor Millionen von Jahren ganz gut funktioniert hat.

Blühende Rapsfelder
Blühende Rapsfelder